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Popkultur

Die musikalische DNA von The Smashing Pumpkins

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By Schnékert [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) or CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/)], from Wikimedia Commons

Größer als Billy – pardon: William Patrick – Corgans Ego ist nur eins: sein Backkatalog. Kaum ein anderer Musiker seiner Generation war dermaßen produktiv. Seine schönsten Songs hat Corgan, der mittlerweile eher unangenehm durch politische Ausfälle und Verschwörungstheorien auffällt, allerdings früh in seiner Karriere geschrieben. Mit den Smashing Pumpkins gründete er 1988 eine Band, die den US-amerikanischen Alternative Rock voran brachte, indem sie immer anders als der Rest war. Die Kritik quittierte das nur leider mit Schubladendenken. „Wir sind von ‚die nächsten Jane‘s Addiction‘ zu ‚den nächsten Nirvana‘ geworden und mittlerweile sind wir ‚die nächsten Pearl Jam‘“, schäumte ein erboster Corgan schon 1993.


Hört euch hier einen Vorgeschmack der musikalischen DNA von The Smashing Pumpkins an:

Für die ganze Playlist klickt auf “Listen”.

Mit etwas zeitlichem Abstand allerdings wurde deutlich, dass die Smashing Pumpkins immer ihren eigenen Weg gingen. Vor allem Corgan, der die Mitglieder seiner Band – James Iha, Jimmy Chamberlin, D’arcy Wretzky, Jeff Schroeder, Melissa auf der Maur, Mike Byrne und Nicole Fiorentino standen mit ihm zu unterschiedlichen Zeiten auf der Bühne und im Studio – wie ein kleiner Diktator behandelte. Wie es eben so ist mit Menschen, deren Visionen bisweilen größer sind als sie selbst. Das Ergebnis immerhin stimmte immer: Die Smashing Pumpkins lösten eine Revolution aus und waren die vielleicht ambitionierteste Rock-Band der neunziger Jahre.

Im Jahr 2018 fanden sich mit Corgan, Iha und Chamberlain zumindest drei der Originalmitglieder – warum Wretzky nicht dabei war, darüber haben beide Seiten verschiedene Ansichten – für eine Reunion zusammen, um eine der wichtigsten Bands unserer Zeit zu reaktivieren. Doch was machte die zahlreichen Alben und Singles der Smashing Pumpkins eigentlich so anders als die Musik ihrer Zeitgenossen? Verraten kann uns dies ein Blick auf die musikalische DNA der Band! Heraus kommt ein mehr als buntes Potpourri aus Einflüssen…


1. Black Sabbath – Black Sabbath

Denn wer hätte schon ahnen können, dass ausgerechnet die britischen Metaller von Black Sabbath eine Band wie die Smashing Pumpkins erst möglich gemacht haben? „Ich bin acht, ich lege das Black Sabbath-Album auf und mein Leben ist auf einen Schlag ein anderes“, erinnerte sich Corgan an den denkwürdigen Moment, in welchem er sich für ein Leben als Musiker entschied. „Es klang so verfickt heavy. Es schüttelte meine Knochen durch. Ich wollte genau dieses Gefühl.“

Noch heute vermuten viele die Wurzeln der Band im Punk-Sound der späten Siebziger, doch Corgan widerspricht vehement. Sein Vater brachte ihn mit Musik in Berührung und war selbst ein versierter Gitarrist. Von ihm lernte der kleine William Patrick, echtes Können zu schätzen. Neben Black Sabbath und Judas Priest nannte er Dimbag Darrell von Pantera als seine größte Inspiration, geht es um die sechs Saiten, die die Welt bedeuten. Das hallt in Songs wie Zero nach, den die Pumpkins als „Cybermetal“ kategorisierten.


2. The Cure – A Night ike This

Der Metalhead und Gothic-Rocker fand in Iha einen unerwarteten musikalischen Partner. Der Gitarrist nämlich kleidete sich in psychedelische Paisley-Muster und fiel durch sein exaltiertes Auftreten auf. Doch gemeinsam fanden sie einen Nenner in der Post-Punk- und New Wave-Musik aus England. Neben New Order waren es vor allem The Cure, die die beiden bei ihren Songwriting-Versuchen mithilfe einer Drummachine inspirierten. Nachdem sie D’arcy Wretzky am Bass rekrutierten, überredete sie der legendäre Chicagoer Clubbetreiber Joe Shanahan dazu, sich einen echten Schlagzeuger zuzulegen. Jimmy Chamberlin war schnell gefunden.

Mit dem Einzug des Jazz-Trommlers änderte sich der Stil der Band – Achtung, Kalauer! – schlagartig. „Wir standen total auf Sad-Rock, diese Cure-Sachen“, erinnerte sich Corgan. „Es brauchte dann zwei oder drei Proben, bevor mir aufging, dass die Kraft seines Spiels uns ermöglichte, härter zu rocken als je zuvor.“ Die Leidenschaft für Robert Smith und seine Band verließ Corgan jedoch nie, obwohl dieser ihm – angeblich nach einem Anbahnungsversuch – mal auf die Füße kotzte. Neben einem Bee Gees-Cover, das beide als Duett aufnahmen, spielten die Pumpkins gerne ihre Version von The Cures A Night Like This auf.


3. Hüsker Dü – What’s Going On

Der düstere Metal von Black Sabbath hier, der nachtschattige „Sad-Rock“ von The Cure hier: Nein, wirkliche Stimmungskanonen waren die Pumpkins nun wirklich nicht. Irgendwo zwischen Siouxsie and the Banshees, Bauhaus und Depeche Mode fand sich in ihrer Plattensammlung jedoch auch der – etwas – lebensbejahendere Pop-Punk von Hüsker Dü wieder. Was Bob Mould, Grant Hart und Greg Norton auf ihrem Zweitwerk Zen Arcade ablieferten, prägte eine ganze Generation. So auch die Smashing Pumpkins.

Nicht wenige meinen, die Band hätte sich bei der markanten Bassline des Songs What’s Going On bedient, als sie ihren Überhit 1979 schrieben. Wir verweisen stattdessen mal lieber auf Point des komplett untergegangenen Trios Sometime Sweet Susan… Nein, was sich Corgan, Iha, Wretzky und Chamberlin von Hüsker Dü abschauten, war keine einzelne Melodie, sondern die Dynamik, mit welcher das Trio seine Songs schrieb. Erschütternd leise und sanft in einem Moment, plärrend laut und aggressiv im nächsten. Das sollten viele Grunge-Bands ähnlich machen, doch zu denen wollten die Pumpkins nie gehören.


4. Boston – More Than a Feeling

Wie ginge das denn auch? Grunge schließlich wollte erklärtermaßen mit den alten Rock-Konventionen brechen. Flanellhemd statt Spandexfummel! Doch wie gesagt: Dazu gehörten die Pumpkins nicht. Bob Mould von eben jenen Hüsker Dü nannte die Band sogar einmal die „Grunge-Monkees“ und meinte das auf mehreren Ebenen nicht freundlich, Überproduzent Steve Albini verglich sie sogar mit REO Speedwagen: „stilistisch für die aktuelle College-Party-Szene angemessen, letzten Endes aber unbedeutend.“ Autsch! Das tat weh! Oder?

Nein, nicht Corgan. „Du scheinst ziemlich locker damit umzugehen, dass viele deiner Einflüsse von manchen Menschen nicht unbedingt als cool angesehen werden…“, sprach ihn zögerlich ein Interviewer an. „Ja. Boston, ELO“, kam es wie aus der Pistole geschossen zurück. „Wenn du weißt, dass du sowieso nie als cool gelten wirst, kannst du auch gleich die Wahrheit erzählen.“ Das sitzt! Für uns trotzdem eine merkwürdige Vorstellung, wie Corgan zu More Than a Feeling das Autoradio aufdreht…


5. Cheap Trick – I’ll Be With You Tonight

Vom satten Siebziger-Rock lernte Corgan indes nicht nur ein paar Lektionen der Sorte „Es gibt nur cool, uncool und wie du dich fühlst“, sondern einige Dinge in Sachen Studioarbeit. Mit der noch heute als bestes Pumpkins-Album gehandelten LP Siamese Dreams lieferte die Band einen Meilenstein des Neunziger-Rocks ab. Stücke wie Soma haben bis zu 40 verschiedene Gitarrenspuren. Mehr ist mehr! Vorbild waren Künstler und Bands wie David Bowie, Queen, Electric Light Orchestra und Cheap Trick.

Die Band begeisterte vom Robin Zander Corgan schon in Kindestagen. „Cheap Trick – das war einer meiner Haupteinflüsse in Sachen Vocals“, erinnerte er sich. „Obwohl [Bassist] Tom Petersson mir einmal erzählte, dass [Gitarrist] Rick Nielsen uns ‚tonlos und unmelodiös‘ nannte.“ Armer Billy! Neben dem mächtigen Sound der Band und den Gesangmelodien von Sänger Robin Zander übrigens ließ sich Corgan von gleich zwei Songs der Band inspirieren, als er den unsterblichen Pumpkins-Klassiker Tonight, Tonight schrieb: I’ll Be With You Tonight und Thirty-Three.


6. Jane‘s Addiction – Jane Says

Metal, Goth, Punk, fetter Stadion-Rock: Keine Sorge, es gibt in der musikalischen DNA von den Pumpkins noch mehr zu entdecken. Unbedingt fröhlicher wird es jedoch nicht. Zumindest aber frivoler. Jane‘s Addiction gründeten sich drei Jahre vor den Pumpkins in Los Angeles und traten sofort Wellen der Begeisterung los. Ihr Sound war so farbenfroh wie Ihas Oberteile, doch gingen die Texte vom flamboyanten Frontmann Perry Farrell ans Eingemachte. Von traurigen Prostituierten und anderen Absonderlichkeiten sang er mit einer Stimme, die ähnlich schief und krächzig klang wie die Corgans.

Kein Wunder, dass die Pumpkins sich von Anfang an Vergleiche gefallen mussten. Immerhin aber war das Verhältnis beider Bands ein freundschaftliches. Nach Veröffentlichung von Gish tourten Corgan und seine Mitstreiter mit Guns N’ Roses, den Red Hot Chili Peppers und eben jenen Jane’s Addiction, bei denen Chili Peppers-Bassist Flea von der Partie war. Keine gute Zeit für die Band: Iha und Wretzky beendeten ihre Beziehung und Chamberlin fiel den Drogen anheim. Vielleicht hatten sie Songs wie Jane Says einmal zu oft hören müssen…


7. Nirvana – Smells Like Teen Spirit

À propos Tourleben: Zeitgleich zur Veröffentlichung von Gish waren Sonic Youth on the road in Europa, der dazugehörige Doku-Film trug den bedeutungsschwangeren und mehrdeutigen Titel 1991: The Year Punk Broke – das Jahr, in dem Punk kaputt ging oder aber das Jahr, in dem Punk seinen Durchbruch feierte. Darin zu sehen waren unter anderem Nirvana, die dank Sonic Youth-Bassistin Kim Gordon im Vorjahr ihren ersten Vertrag unterschreiben konnten. Corgan hat ein schwieriges Verhältnis mit Kurt Cobains Band. „Wir können alles in prä-Nirvana und post-Nirvana einteilen“, sagte er nach dem Tod der Grunge-Ikone. „Zumindest meine Generation und alle um mich herum.“ Da schwang zwischen den Zeilen auch etwas Verbitterung mit.

Cobain und Corgan kannten einander nicht, und doch habe ihn der Kollege nicht gemocht, erzählte Corgan im selben Interview. „Auf eine verrückte Art und Weise waren wir Erzfeinde. Wir repräsentierten das Yin und Yang ein und derselben Sache“, orakelte er. „Seine Sache kam aus dieser negativen Angstwelt, meine eher aus diesem verspaceten Ich-lieb-dich-Ding. Ich weiß schon, dass viele das in mir überhaupt nicht sehen wollen, aber es gibt da eine merkwürdige Verwandtschaft.“ Das ist vielleicht die schönste Erklärung der Gemeinsamkeit beider Frontmänner, die so unterschiedlich wirkten und doch ihre Zeit prägten wie kaum jemand anderes.


8. My Bloody Valentine – Only Shallow

In musikalischer Hinsicht waren Nirvanas Tour-Buddys von Sonic Youth wohl schon eher inspirierend für die Pumpkins. Allgemein mochten sie es ja schon immer gern laut und noisy. Da kam der Shoegaze-Hype aus Großbritannien und Irland gerade recht. Als die Band ihr Meisterwerk Mellon Collie and the Infinite Sadness aufnahm, holte sie sich nicht nur Inspiration bei jeder Menge Rock-Bands aus den Siebzigern.Sie luden auch Alan Moulder als Ko-Produzenten ein, der bereits bei Siamese Dream beim Mixing aushalf und später bei Machina/The Machines of God Hand anlegte.

Auf Moulder aufmerksam wurde die Band durch seine Arbeit mit The Jesus and Mary Chain, Ride und My Bloody Valentine, deren frühe Alben er als Studiotechniker begleitete. Mit Loveless schrieb die Gruppe um Kevin Shields das Shoegaze-Album überhaupt. Musik, die so laut und doch so zart war, wie Corgan es von seiner eigener stets erhofft hatte. „Ich konnte einfach nicht verstehen, wie sie diesen Sound hinbekamen“, jammerte er verzweifelt. Selbst konnte er nie nachziehen. Mit Moulder aber fand er zumindest einen Partner, der ihn näher an sein Ideal von der perfekten Platte bringen konnte.


9. Nine Inch Nails – Mr. Self Destruct

Die satten Texturen, die My Bloody Valentine auf Loveless hinbekamen, begeisterten Corgan und seine Band ebenso wie die elektronischen Elemente, die in den späten Neunzigern in ihre eigene Musik einflossen. „Die Zukunft gehört der elektronischen Musik“, bekräftigte Iha 1996. „Es scheint unendlich langweilig, nur Rock zu spielen.“ Insbesondere der Industrial Rock von Nine Inch Nails-Mastermind Trent Reznor war eine wichtige Referenz. Wieder ist Alan Moulder der missing link zwischen den bei Genies. Seit The Downward Spiral aus dem Jahr 1994 wich er im Studio nicht von Reznors Seite. Eine perfekte Symbiose.

1997 erschienen beide Bands mit Beiträgen auf dem Soundtrack von Lost Highway, dem irren Psycho-Thriller von David Lynch. Doch Mr. Self Destruct Trent Reznor, der dem Soundtrack als Produzent überstand, war von den Kollegen nicht wirklich angetan. „Ich war kein großer Smashing Pumpkins-Fan, als sie noch die Pumpkins waren“, erklärte er 2007 angesichts des Comebacks der Band. „Nichts gegen Billy, aber ich habe von ihnen noch nie etwas gehört, das mich wirklich gekratzt hätte.“ Die Foo Fighters ließen sich damals mit ähnlich harschen Worten zitieren. Corgan blieb seelenruhig. „Ihr könnt auf eine Tasse Tee nach Chicago rüber kommen, in meinem Garten Rugby spielen, Blutwurst essen und ein Schwein schlachten“, lautete sein Friedensangebot. Oooookay?


10. My Chemical Romance – Welcome to the Black Parade

Was wir bisher sehen konnten, war eine Band, die es nie leicht hatte. Vor allem nicht wegen des Egos ihres Häuptlings, versteht sich. In Indie-Kreisen hatte es die Band immer schwer. „Freak out / And give in / Doesn’t matter what you believe in / Stay cool / And be somebody’s fool this year / ‘cause they know / Who is righteous, what is bold / So I’m told“, hatte Corgan denen schon im Song Cherub Rock entgegen geschleudert. Kaum zu glauben, dass es in einer Szene voller Außenseiter noch welche geben konnte, die sich am Rand positionierten – das jedoch genau taten die Smashing Pumpkins.

Damit wiederum wurden sie allerdings zum Vorbild für andere. Sogar eine Pop-Sängerin wie Nelly Furtado und der düstere Lord Marilyn Manson haben sich auf die Pumpkins berufen. Einen besonders großen Einfluss übte Corgans Truppe auf Gerard Way und seine Band My Chemical Romance aus. “Die Pumpkins sind eine von meinen und [Bassist und Bruder] Mikeys Lieblingsbands!“ Das ist noch nicht alles: „Tatsächlich hatte ich, als wir gerade unsere erste Platte aufnahmen, unsere gesamte Karriere nach dem Vorbild der Smashing Pumpkins durchgeplant, weil sie so freie und künstlerische Musik machen konnten. Ich wollte, dass [Three Cheers For Sweet] Revenge unser Siamese Dream wird.“ Nicht wenige meinen auch, dass die beiden sich sogar zum Verwechseln ähnlich sehen…


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Popkultur

Zum 10. Todestag von Ravi Shankar: Wie die Sitar in die Pop- und Rockmusik kam

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Ravi Shankar
Foto: Express Newspapers/Getty Images

Am 11. Dezember 2022 jährt sich Ravi Shankars Todestag zum 10. Mal. Wir erinnern uns an den indischen Ausnahmemusiker — und daran, wie er die westliche Pop- und Rockmusik prägte.

von Markus Brandstetter

Alle Augen und Ohren waren auf Ravi Shankar gerichtet, als der indische Sitar-Spieler an einem Sonntagnachmittag im Juli 1967 die Bühne des Monterey Pop Festivals erklomm und dort gemeinsam mit Ustad Alla Rakha (Tabla) und Kamala Chakravarty (Tanpura) ein hypnotisches, mitreißendes Konzert spielte. Die anwesenden Zuhörer und Zuhörerinnen, darunter auch Jimi Hendrix (der wenig später sein legendäres Konzert auf demselben Festival spielte, bei dem er seine Gitarre verbrannte), waren gebannt von der Komplexität und der Kraft der Ragas.

„Ich sah einige sehr berühmte Leute aus dem Bereich der Rock- und Popmusik. Es war sehr merkwürdig. Sie saßen einfach da, hörten mir zu, schwangen mit und hatten Spaß. Ich hatte sie am Abend zuvor auftreten sehen und sie waren so anders. Danach hatte ich Angst, weil ihre Art, die Show zu präsentieren, so anders ist als unsere. Damals habe ich es nicht bemerkt, ich war aufgeregt, aber später haben mir so viele Leute erzählt, wie sehr das ihr Leben verändert hat, das war sehr bewegend“, erinnerte sich Ravi Shankar an den Auftritt. Und auch wenn er bereits lange davor in der westlichen Welt Fuß gefasst hatte, so war das Monterey Pop Festival der Wende- und eigentliche Startpunkt für ihn: „All die jungen Leute waren so frisch und leidenschaftlich und fühlten sich so sehr von meiner Musik angezogen. Von dem Moment an, als ich meinen ersten Schlag auf dem Instrument (Sitar) machte, wusste ich, dass wir miteinander verbunden waren.“

Ravi Shankar distanziert sich von Woodstock

Es dauerte aber nicht lange, bis Shankars Sympathie für die Populär- und Gegenkultur etwas getrübt wurde. Zwei Jahre nach dem Monterey Pop Festival trat er auf dem legendären Woodstock Festival auf. Allerdings fand er die Drogenaffinität der Festivalbesucher und -besucherinnen alles andere als angenehm — und distanzierte sich später von der Hippie-Gemeinschaft. „Ich fühle mich ziemlich verletzt, wenn ich sehe, dass Drogen mit unserer Musik in Verbindung gebracht werden. Für uns ist die Musik die Religion. Der schnellste Weg zur Frömmigkeit führt über die Musik. Ich mag es nicht, wenn eine schlechte Sache mit der Musik in Verbindung gebracht wird“, so der Musiker. Für Shankar sollten der Rausch, die Ekstase und die spirituelle Verbindung ausschließlich durch die Musik und in der Musik passieren.

Zwei Jahre später, am 23. November 1971, war Shankar — gemeinsam mit seinem Freund George Harrison (dazu gleich mehr) — in der Dick Cavett Show zu Gast, und sprach genau über dieses Thema.

Ravi Shankar und George Harrison

Gehen wir aber gleich ein paar Jahre zurück: Bevor Shankar mit seinem Auftritt auf dem Monterey Pop dem Rock-Publikum die Kunst der Ragas zeigte, war es vor allem einer, der die Sitar in der Popmusik bekannt machte: George Harrison. Der stieß während Dreharbeiten in einem indischen Restaurant auf den Klang der Sitar und war fasziniert.  Wie seine Witwe Olivia Harrison erklärte, war indische Musik für ihren Mann eine Art Erweckungserlebnis: „Als George indische Musik hörte, war das wirklich der Auslöser, es war wie eine Glocke, die in seinem Kopf ertönte. Es weckte nicht nur den Wunsch, mehr Musik zu hören, sondern auch zu verstehen, was in der indischen Philosophie vor sich ging. Es war eine einzigartige Abwechslung.“ Im Jahr 1966 kam es im Haus eines gemeinsamen Freundes zum ersten Treffen zwischen Harrison und Shankar. Die Sitar-Legende erinnerte sich daran: „Ich hatte damals von den Beatles gehört, aber ich wusste nicht, wie populär sie waren. Ich habe alle vier getroffen, aber bei George hat es sofort Klick gemacht. Er sagte, er wolle [Sitar] richtig lernen. Ich sagte, dass es nicht nur darum geht, Akkorde zu lernen, wie bei der Gitarre. Man braucht mindestens ein Jahr, um Sitar richtig zu lernen, weil das Instrument so schwer zu halten ist. Dann schneidet man sich die Finger so ab [zeigt die Spitzen von zwei Fingern – lila, mit Schwielen]. Er sagte, er würde es versuchen. Er schien so nett und aufrichtig zu sein, dass ich ihm das glaubte.“ Harrison wurde zum Schüler Shankars, verbrachte Zeit bei ihm in Indien.

Shankar hasste den Beatles-Song Norwegian Wood

Der Beatles-Song Norwegian Wood, bei dem Harrison Sitar spielte, wurde allerdings ein Jahr vor dem Zusammentreffen veröffentlicht. „Ich erzählte ihm, man habe mir gesagt, er habe die Sitar benutzt, obwohl ich das Lied Norwegian Wood nicht gehört hatte. Es schien ihm ziemlich peinlich zu sein, und es stellte sich heraus, dass er nur ein paar Sitzungen mit einem indischen Burschen gehabt hatte, der in London war, um zu sehen, wie das Instrument gehalten werden sollte und um die Grundlagen des Spiels zu lernen“, erinnerte sich Shankar laut Far Out Magazine. „Norwegian Wood hat angeblich so viel Aufsehen erregt, aber als ich das Lied schließlich hörte, dachte ich, es sei ein seltsamer Klang, der auf der Sitar erzeugt worden war.” Gegenüber dem US-amerikanischen Rolling Stone gestand Shankar, das Beatles-Lied grauenhaft gefunden zu haben, er habe Harrison dies aber nie gesagt: „Um die Wahrheit zu sagen, musste ich meinen Mund halten. Es wurde mir von meinen Nichten und Neffen vorgespielt […] Ich konnte es nicht glauben, weil es für mich so schrecklich klang.“

Wie man richtig Sitar spielt, brachte Shankar seinem prominenten Schüler schließlich bei — unter anderem im Jahr 1968, als dieser ihn in Indien besuchte. Filmdokumente aus dieser Zeit belegen dies. Es kam später immer wieder zu Zusammenarbeiten und Zusammentreffen der beiden Musiker.

Sitarklänge sollte es bei den Beatles daraufhin bei mehreren Stücken geben — nämlich bei Tomorrow Never Knows, Within You Without You und The Inner Light.

Auch dem legendären US-amerikanischen Violinisten Yehudi Menuhin kommt eine wichtige Rolle in der Bekanntmachung Shankars zu. Menuhin war es, der Shankar einlud, in New York City zu spielen und somit der US-Metropole klassische, indische Musik vorzustellen. Der Geiger war bereits in den 1950er-Jahren während einer Indienreise auf die Musik des indischen Virtuosen gestoßen.

Bei Shankars New-York-Gastspiel hatte es sich längst nicht um seinen ersten Auftritt im Westen gehandelt, bereits als Kind ging er mit der Tanzgruppe seines Bruders auf Tour, damals noch als Tänzer und Musiker. Später nahm ihn der Multiinstrumentalist und Komponist Allauddin Khan unter seine Fittiche. Shankar studierte unter Khan indische Klassik, kombinierte später indische mit westlicher Klassik. Aber zurück zu Menuhin: Als Shankar durch den Violinisten erneut im Westen Fuß fasste, bemerkte er das Potenzial indischer Musik hier. Er tourte durch die USA, Großbritannien und Europa, nahm 1956 in London seine erste EP Three Ragas auf. Das gemeinsame Album von Shankar und Menuhin, West Meets East, wurde 1967 zum Welterfolg.

Ravi Shankar ging als einer der wichtigsten Protagonisten der Weltmusik aller Zeiten in die Geschichte ein. Dabei handelte es sich bei seiner Musik, das sei abschließend gesagt, um keine für den westlichen Markt verwässerte Light-Version indischer Musik. Shankar brachte Kulturen zusammen. Er starb am 11. Dezember 2012 und hinterließ zwei Kinder, die selbst beide Weltstars sind: Sitar-Virtuosin Anoushka Shankar und Jazz-Pop-Superstar Norah Jones.

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Popkultur

Bowie, Banken und Urin: 5 Dinge, die ihr über Placebo-Dandy Brian Molko noch nicht wusstet

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Brian Molko
Foto: Ricardo Rubio/Europa Press via Getty Images

Die Geschichte der Rockmusik wäre ohne Placebo und vor allem ihren androgynen Frontmann Brian Molko anders verlaufen. Zum 50. Geburtstag des ewig jungen Peter Pan des Rock’n’Roll haben wir mal ein paar Dinge zusammengetragen, die ihr vielleicht noch nicht wusstet. Aber Achtung: Eins ist ziemlich eklig.

von Björn Springorum

Ach, Brian Molko. Was war da los, als er in den Neunzigern mit Placebo die Alternative-Rock-Welt im Sturm erobert und mit Eyeliner, aufwühlenden Texten über Mental Health, Obsession, Sucht und Femininität einen dringend benötigten Gegenpol zum ewigen Schwanzvergleich der Alphamännchen liefert. Brian Molko, dieser zierliche, verletzlich wirkende Künstler mit den traurigen Augen, wird zur Ikone, zur Galionsfigur einer ganzen Generation. Zu seinem 50. Geburtstag blicken wir auf die unbekannte Seite des Sängers und seine teilweise gewöhnungsbedürftigen Marotten.

1. Brian, der Banker

Wenn es nach Brian Molkos Vater gegangen wäre, einem jüdischen Amerikaner mit französischen und italienischen Wurzeln, wäre der junge Brian ein Banker geworden. Molkos Reaktion ist Rebellion und Aufbegehren, er legt sich sein androgynes Image zu, trägt Nagellack und Lippenstift. Seine Schule verlässt er bald darauf, weil er gemobbt wird, und findet erst in seinem Schauspielstudium in London Erfüllung. Indirekt ist es also Molkos Vater zu verdanken, dass es Placebo überhaupt gibt. Thanks, Dad!

2. Mittelfinger für Homophobie

Brian Molko ist bisexuell. Zu Beginn seines meteoritenhaften Aufstiegs zum Idol und Sexsymbol spielt er gern mit Geschlechterklischees, um gegen Homophobie in der Musik vorzugehen. „Ich wollte, dass homophobe Typen zu unseren Konzerten kommen und denken: ‚Wow, mir gefällt die Sängerin. Ist die heiß!‘ Später würden sie dann herausfinden, dass der Sänger Brian heißt, was dann vielleicht dazu führt, dass man sich ein paar Fragen stellt.“

3. Dreckige Stiefel

Der Song, der Brian Molkos Leben ganz offiziell ändert, ist Dirty Boots vom wegweisenden Sonic-Youth-Album Goo. „Mein Kumpel Nick und ich waren 16, er kam zu mir, wir rauchten einen Joint, löschten das Licht und legten Goo auf“, erinnert sich Molko mal. „Damals spielte ich seit drei Jahren Gitarre, aber alles, was ich glaubte, mit einer elektrischen Gitarre tun zu können, löste sich an diesem Tag in Luft auf. Ein ganzes Universum neuer Möglichkeiten lag vor mir. Bis heute sind Sonic Youth wahrscheinlich mein größter Einfluss. Sie sind die größte Rock’n’Roll-Band aller Zeiten.“

4. Rat vom Starman

Die Freundschaft zwischen Brian Molko und David Bowie gehörte zu den besonders heilsamen Momenten in diesem ganzen irrsinnigen Rock’n’Roll-Karneval. Erst gehen Placebo auf Einladung von Bowie mit ihm auf Tour, später nehmen sie gemeinsam Without You I’m Nothing auf. Das wichtigste Detail dieser Beziehung liegt jedoch im Einfluss, den Bowie auf den damals sehr unsicheren, eskalativen, berauschten Molko hat: „David machte mich zu einem besseren Menschen. Mir wurde das aber erst nach seinem Tod klar. Damals war ich bei Weitem zu

5. Angepisst

Vor vielen Jahren gaben Placebo regelmäßig Meet And Greets für Wettbewerbsgewinner*innen. Bei einem kommt es zu einer unschönen Szene, Molko wird sehr unangenehm belästigt. Seither pinkelte er vor einem dieser Treffen stets auf seinen Zeigefinger. „Sie liefen alle mit ein klein wenig Molko-DNA davon“, sagte er mal. Ist aber lange her, wie er versichert.

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10 Songs, die jeder Placebo-Fan kennen muss

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Tarja im Interview über 15 Jahre „My Winter Storm“: „Ich spürte, dass ein neues Kapitel in meinem Leben begann“

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Tarja
Foto: Frank Hoensch /Getty Images

15 Jahre ist es her, dass Tarja Soile Susanna Turunen Cabuli — besser bekannt nur unter ihrem Vornamen Tarja — ihr Soloalbum My Winter Storm veröffentlichte. Der Longplayer war zwar genaugenommen nicht ihr Solo-Debüt (das war nämlich das finnischsprachige Weihnachtsalbum Henkäys ikuisuudesta, das noch während ihrer Zeit bei Nightwish erschien) – aber ohne Zweifel ein riesengroßer Befreiungsschlag und Meilenstein in ihrem Leben. Zwei Jahre trennten sich Nightwish von Tarja — jene Band, die sie mitgegründet und mit ihrer Stimme so maßgeblich geprägt hatte. Ein schwerer Schlag und ein großer Wendepunkt für die finnische Musikerin.. Umso erfreulicher war es natürlich, dass My Winter Storm bei Fans voll ins Schwarze traf. Das Album wurde zum Riesenerfolg — und zum Fundament für eine immer noch erfolgreiche Solokarriere. Im uDiscover-Interview spricht Tarja darüber, wie alles begann — und wie es sich anfühlt, in Buchform auf ihre Karriere zurückzublicken.

von Markus Brandstetter

Hier könnt ihr euch My Winter Storm anhören:

Dein Soloalbum My Winter Storm wird dieses Jahr 15 Jahre alt. Kannst du ein wenig über deine Einstellung zu dieser Zeit erzählen – und woran du dich am meisten an diese Zeit erinnerst?

Der Beginn meiner Solokarriere war für mich persönlich eine super spannende Zeit. Ich wollte schon an meiner eigenen Musik arbeiten, als ich noch in der Band war, aber als es dann wirklich losging, fühlte sich alles wie ein Traum an. Jede Person, die mit mir arbeitete, war neu für mich, und ich musste erst einmal Vertrauen zu ihr fassen. Das war schwer, zumal ich nach dem, was mit mir und der Band passiert war, leider jegliches Vertrauen in die Menschheit verloren hatte. Ich war nicht stark genug, um einigen Leuten gegenüberzutreten und ihnen zu sagen, dass mir die Dinge nicht gefielen, wie sie liefen, aber ich habe es irgendwie geschafft, meine Stimme zu finden. Auch das Songschreiben war neu für mich, und ich war mir nicht sicher, ob ich es in mir hatte oder nicht. Erst nach einigen Jahren und mehr Erfahrung begann ich mich beim Songschreiben wohl zu fühlen und hatte keine Angst mehr davor. Für mich klingt mein Debüt-Rockalbum ziemlich unschuldig und erinnert mich daran, wie nervös ich damals war, aber es hat mich beflügelt, meine Karriere zu starten und auf eine bessere Zukunft zu hoffen.

Hattest du von Anfang an eine feste Vorstellung, wohin du mit deiner Solokarriere gehen wolltest?

Auf jeden Fall. Ich hatte ein kristallklares Bild davon, was ich erreichen wollte, aber ich war mir nicht so sicher, wie ich es erreichen sollte. Um meine Ziele zu erreichen, brauchte ich Menschen, die mir helfen, und ich musste mein Selbstvertrauen finden, um sie zu führen. Das war nicht leicht, aber ich bin immer meinem Herzen gefolgt, und nie hat mir jemand gesagt, was ich mit meiner Kunst tun sollte.

My Winter Storm war ein riesiger Erfolg. Es wurde in verschiedenen Ländern mit Gold oder Platin ausgezeichnet — auch in Deutschland. Ich kann mir vorstellen, dass ein solcher kommerzieller Erfolg eine große Erleichterung nach der ganzen Band-Situation gewesen sein muss?

Natürlich war es das, aber was mich noch glücklicher machte, war die Tatsache, dass ich endlich frei war, mich selbst auszudrücken. Ich spürte, dass ein neues Kapitel in meinem Leben begann, und ich war froh, diese Seite aufzuschlagen und weiterzumachen. Es war die Zeit, in der ich produktiv, kreativ und frei sein konnte.


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In Deutschland bist du vor allem in der Metal- und Rockszene bekannt, in Finnland reicht deine Popularität weit darüber hinaus. Ist das für dich ein spürbarer Unterschied, was den Kontakt zu den Fans in beiden Ländern angeht und wie du wahrgenommen wirst?

Ja, das ist ein großer Unterschied. In Finnland bin ich eine Berühmtheit, eine öffentliche Person, wenn man so will. Mein Privatleben ist Gegenstand des Medieninteresses, und manchmal war es für mich ziemlich schwierig, damit umzugehen. Das ist auch einer der Gründe, warum ich nicht mehr in meinem Heimatland lebe. Als Künstlerin stehe ich gerne im Mittelpunkt, aber als Einzelperson bin ich nicht bereit, diese Last zu tragen. Seit Beginn meiner Karriere war mir klar, dass ich diese beiden Dinge in meinem Leben getrennt halten möchte. Mein Privatleben gehört mir. Das brauche ich, um mit einem gesunden Herzen Musik machen zu können.

Finnland scheint ein sehr gutes Umfeld für Musiker zu sein, da viele großartige Bands und Künstler von dort kommen, nicht nur im Rock und Metal, sondern auch im Jazz – in gewisser Weise vergleichbar mit Island. Siehst du das auch so – und wenn ja: warum denkst du, dass das so ist?

Du hast die Landschaft erwähnt. Sie ist ein inspirierender und wichtiger Einfluss für die Künstler in meinem Land, und das war schon immer so. Finnland ist ein ziemlich großes Land mit viel Natur und natürlichen Ressourcen, aber nicht zu vielen Menschen und überfüllten Orten. Unsere Natur ist sehr wichtig für uns. Wir wissen sie zu schätzen und sind stolz auf das, was wir haben. Es ist ziemlich schwierig, die dunklen und kalten Winter zu überstehen, und wenn im Frühling die Sonne am Himmel erscheint, ist jeder ein bisschen überwältigt von der Energie, die von ihr ausgeht. Jede Jahreszeit ist sehr unterschiedlich und dennoch inspirierend.

Letztes Jahr hast du dein Buch Singing In My Blood veröffentlicht, das du im ersten Jahr des Lockdowns geschrieben und zusammengestellt hast. Wie hat sich dieser Rückblick auf deine bisherige Karriere angefühlt, vor allem in einer sehr seltsamen Zeit wie dieser, in der alles still stand?

Die Arbeit an dem Buchprojekt war für mich teilweise wie eine Therapie. Es hat mir bewusst gemacht, wie reich mein Leben war und wie viel ich als Mensch schon erlebt habe. Es hat mich Dankbarkeit spüren lassen. Gerade wenn die Welt stillzustehen schien, musste ich mich auf das Buch konzentrieren, um das Gefühl zu haben, dass ich noch lebe. Es war wundervoll, Hunderte von Fotos durchzugehen, Menschen zu interviewen, die im Laufe der Jahre mit mir gearbeitet haben, und die Erinnerungen wieder aufleben zu lassen, die ich vergessen hatte. Ich habe die Arbeit an dem Buch wirklich genossen.

Was hättest du zu Beginn deiner Karriere gerne gewusst, was du heute weißt?

Ich hätte einige Änderungen an meinen Lebensumständen auf Tournee vorgenommen, um Stresssituationen zu vermeiden und mich zu schonen.

Du veröffentlichst gerade deine erste Best-of-Platte veröffentlicht. Im Grunde habe ich dazu die gleiche Frage wie bei dem Buch: Was war das für ein Gefühl, an einem solchen Rückblick zu arbeiten?

Der emotionalste Teil war für mich die Erkenntnis, dass es mir gelungen ist, eine lange Karriere aufzubauen, in der ich mich frei fühle, meine Kunst zu schaffen, ohne dass jemand die Fäden zieht und mir sagt, was ich tun soll. Die Jahre sind ziemlich schnell vergangen und ich habe es geschafft, an mehreren erfüllenden Veröffentlichungen und Projekten zu arbeiten. Es hat lange gedauert, an dieser Veröffentlichung zu arbeiten. Es ist ein Album, das mir genauso wichtig ist wie jedes andere von mir und ich war froh, es zusammenzustellen; ein Paket aus drei Alben und einer Live-Show. Ich bin meinen Fans einfach super dankbar für ihre Unterstützung und Liebe. Ohne sie würde ich meinen Traum nicht leben.

Es gibt einen neuen Song auf dem Album namens Eye Of The Storm. Kannst du ein wenig über diesen Song erzählen?

Der Song ist schon vor langer Zeit entstanden. Ich erinnere mich, dass ich damals auf der Suche nach meinem Platz in der Welt war. Ich hatte sowohl in Finnland als auch in Argentinien ein Haus und sogar ein Sommerhaus in Antigua in der Karibik, wohin ich zwischen meinen Tourneen fuhr, um mich zu erholen. Wir waren damals als Familie ständig auf Reisen. Ich war gerade erst Mutter geworden und war mir nicht sicher, wo ich hingehöre und was mein Herz will, also schrieb ich ein Lied darüber. Künstlerisch war ich zu der Zeit bereit, die Welt zu erobern und wollte alle neuen Informationen aufsaugen und alles über Musik lernen, aber persönlich fühlte ich einen Aufruhr in mir. Der Song ist von zwei sehr wichtigen Ländern in meinem Leben inspiriert, Argentinien und Finnland. Man kann auch einen Einfluss von Astor Piazzola und Jean Sibelius darin hören.   Nach vielen Jahren und vielen Entscheidungen hatte ich das Gefühl, dass ich bereit war, diesen Song zu veröffentlichen, weil ich endlich Frieden in mir selbst gefunden habe und mich großartig fühle. Diese Best-Of-Veröffentlichung fühlte sich wie der perfekte Ort dafür an.

Du hast kürzlich in einem Interview erwähnt, dass du während der Pandemie sehr produktiv warst. Auf welche neuen Projekte können wir uns freuen – und wird es ein neues Album geben?

Ich arbeite derzeit an drei Albumveröffentlichungen gleichzeitig! Ihr könnt in den nächsten Monaten Single- und Albumveröffentlichungen von meinem elektronischen Projekt Outlanders erwarten. Außerdem schreibe ich Songs für die kommende Rock-Veröffentlichung, die ihr 2024 erwarten könnt. Was das dritte Album angeht… das ist noch ein Geheimnis. Im nächsten Jahr gibt es eine Menge Tourneen: die letzten In the Raw-Touren im Februar und März in Europa und Best of-Konzerte im Rest des Jahres. Am Ende des Jahres gibt es natürlich noch eine Weihnachtskonzerttournee …und vieles mehr. Ich hoffe, wir sehen uns irgendwo unterwegs!

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