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Popkultur

Donna Summer – Das schillernde Erbe der Disco-Queen

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„Während wir um sie trauern, feiern wir in Frieden ihr außergewöhnliches Leben und ihr andauerndes Erbe“ – damit wendeten sich die Angehörigen von Donna Summer kurz nach dem Tod der Disco-Queen an die Öffentlichkeit. Außergewöhnlich, ja, das war ihr Leben ohne Frage. Und um ihr andauerndes Erbe zu bestaunen, da braucht man in der bunten Musikwelt nicht weit gucken. Weggefährten wie Giorgio Moroder oder Quincy Jones begleiten sie vom Background-Sängerinnen Dasein, über eine Karriere als Musical-Sternchen bis auf den glitzernden Thron der schillernden Disco-Bewegung – und darüber hinaus. Künstler wie Madonna, die Eurythmics oder die Pet Shop Boys führen sie ganz oben auf ihren persönlichen All Time Favorites Listen an. Kein Wunder, bei Songs wie Hot Stuff, Love To Love You Baby oder Bad Girls. Also Freunde, poliert eure Pailletten-Fummel, föhnt eure Dauerwelle hoch und macht eure Hüften locker. Wir gehen in die Disco – das wird richtig dufte!


Als Donna Summer 1974 mit ihrem Album Lady Of The Night ihren Durchbruch feiern kann, liegt schon ein langer Weg hinter ihr. Und diesem Weg ist es auch zu verdanken, dass sie – anders als ihre amerikanischen Ostküsten-Wurzeln vielleicht vermuten lassen – ihren Durchbruch vor allem hier in Europa, insbesondere sogar in Deutschland feiert. Aber dazu gleich mehr. Die Mitte der bunten 70er bedeuten für die Dancefloor-Ikone eine Zeit des steilen Aufstiegs und ihre Single-Auskopplung „The Hostage“ ist der Beginn einer regelrechten Hit-Parade! Nur zur Beruhigung: Dieter Thomas Heck hat damit nichts zu tun!


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Die gebürtige Bostonerin bewies schon früh ihr stimmliches Talent im örtlichen Kirchenchor. Ein Ort, der in den Staaten doch durchaus musikalischer ist, als man das hierzulande vermuten möchte. Nur bleibt es dabei nicht lange. Die zukünftige Lady of the Night fühlt sich schnell zur „weißen“ Musik hingezogen, tauscht ihr Idol Mahalia Jackson gegen Janis Joplin und Gospel-Melodien gegen Psychedelic Funk aus. Im Übrigen inklusive obligatorischen Drogentrips – wenn schon Rebellion, dann auch richtig! Aber jede Rebellion kommt mal zu einem Ende und noch bevor LaDonna Andrea Gaines, wie unsere Protagonistin mit Geburtsnamen heißt, das 18. Lebensjahr überschreitet, erkennt sie, dass das „nicht der Weg sei, den Gott für sie vorgesehen hätte“. Sie zieht nach New York, den Broadway als neues Ziel fest im Blick. Besonders das Musical „Hair“ hat es ihr angetan. Leider ein nicht ganz unbeliebter Berufszweig mit einem so großen Andrang, dass es gegen die Konkurrenz kaum ein Durchsetzen gibt. Aber auf einmal ist da das Angebot aus einer Stadt in Deutschland, München oder so ähnlich, wo eine deutsche Adaption des Musicals mit dem kreativen Titel „Haare“ auf die Bühne gestellt wird. LaDonna wittert ihre Chance – und bekommt die Rolle! Sie wusste es damals noch nicht, aber obwohl man in Bayern einen nicht besonders internationalen Dialekt spricht, war dies ihr erster Schritt in Richtung Weltkarriere.


Donna Summer Love


Und der Grund für ihren Künstlernamen. Denn in Deutschland trifft sie ihren ersten Ehemann, einen charmanten Herren mit dem Nachnamen „Sommer“ – da liegt der Schluss nicht fern, den Namen (mit ähnlich kreativen Ansatz wie schon bei der Musical-Adaption) einfach gegen das englische Äquivalent auszutauschen. Und geboren war Donna Summer! Auch die Nähe zu Österreich sollte in ihrer neuen Heimatstadt nicht ganz unbedeutend bleiben. Denn während sich Donna als Musical-Darstellerin und Background-Sängerin durchschlägt, macht sie Bekanntschaft mit einem Herren namens Giorgio Moroder.


Der Synthesizer-Pionier, seines Zeichens nicht ganz unbedeutend für sein künstlerisches Geschick und Händchen für aufkeimende Popmusik Trends, erkennt Donnas Potential und nimmt sie direkt unter Vertrag. Ganz richtig, es wird endlich Zeit für die Disco und den Sound of Munich! Das Album Lady Of The Night reicht für den Durchbruch in Europa, aber für die USA muss man schon größere Geschütze auffahren. Paradoxer Weise funktionierte das bei unseren tendenziell doch eher puritanischen Freunden im fernen Westen mit dem lasziven Titel Love To Love You Baby, in dem das ein oder andere ekstatische Stöhnen zu vernehmen ist.



Und trotz dessen, dass Donna sich zunächst weigerte, einen so anstößigen Song einzusingen oder gar zu veröffentlichen, geht die Nummer in den Staaten durch die Decke. So sehr, dass der Geschäftsführer der damals zuständigen Plattenfirma auf eine Maxi-Edition des Songs besteht. Oder in anderen Worten: 17 Minuten gestöhntes Hit-Material. Das sorgte natürlich für buntes Knistern in der Klatsch-Presse und auf Konzerten, es hagelte schockierte Worte und reichlich Unterwäsche (letzteres landete auf den Konzertbühnen, nicht in der Klatschpresse). Anyways, Skandal hin oder her, der Aufstieg zum Weltstar war nicht mehr aufzuhalten. Donna Summer veröffentlicht Album um Album und Hit-Single um Hit-Single. Außerdem spielt sie – wie es sich für eine Disco-Königin gehört – in einem Tanzfilm mit: Thank God It‘s Friday! Und klar, bei einer Musikerin im Cast muss man nicht lange Brainstormen, um einen authentischen Kandidaten für den Titelsong zu finden. „Last Dance“ wird dabei gleich doppelt mit Grammy und Oscar dekoriert. Außerdem sorgt Donna auch hier wieder für rote Köpfe in den Kinosälen, mit einer im Love To Love You Style pikant intonierten Fassung des Songs Je T‘aime Moi Non Plus.


Donna-Summer


Damit ist es endgültig besiegelt: Donna Summer hat die Disco Anfänge geprägt wie nur wenige neben ihr. Inzwischen sind wir in den 80ern gelandet und Donna wendet sich mehr und mehr dem Songwriting zu, experimentiert mit Genres und schafft es mit Einflüssen aus Rock, Funk, Blues, Soul und Gospel die Grenzen der Disco-Welt aufzubrechen und ihre Karriere mit Songs wie „Bad Girls“ aus dem gleichnamigen Album auf ein neues Level zu heben. Also alle zusammen: Toot Toot Hey Beep Beep! The rest, as they say, is history. Donna wird nach einigen Jahren langsam von den Titelseiten verschwinden und das Disco-Zepter an die nächsten Generationen von Dancefloor Königinnen und Könige abgeben. Dennoch: „andauernd“ ist wahrscheinlich ein klasse Adjektiv, um das Erbe von Donna Summer zu beschreiben und auch nach ihrem Tod lässt sich zu Nummern wie „Hot Stuff“ ganz vorzüglich – und obendrein noch mit einer ordentlichen Portion Stil – das Tanzbein schwingen. In diesem Sinne: Runter vom Sofa und ab in die Disco!


 

Popkultur

Zeitsprung: Am 31.1.1970 werden Grateful Dead in New Orleans verhaftet.

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Grateful Dead Jerry Garcia
Foto: Kypros/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 31.1.1970.

von Bolle Selke und Christof Leim

1970 nehmen die Grateful Dead eine wichtige Rolle in der US-amerikanischen Gegenkultur ein. Vielleicht verhaftet sie „das Establishment“ deswegen am 31. Januar in New Orleans. Vielleicht wurden auch tatsächlich Drogen gefunden. Fest steht: Die Erfahrung inspiriert die Musiker zu einer Strophe ihres Kultsongs Truckin‘.

Hier könnt ihr euch American Beauty von Grateful Dead anhören:

Mardi Gras, Bourbon Street, der Blues – seinen Ruf als entspannte und lockere Stadt hat New Orleans den Beinamen „The Big Easy“ (etwa Die große Unbeschwertheit“) eingebracht. Umso überraschter dürften Grateful Dead gewesen sein, als die Polizei am 31. Januar 1970 eine Razzia in ihrem Hotel durchführt und fast die komplette Band wegen Drogenbesitzes festnimmt.

Eine abgekartete Sache“

Nach dem ersten von zwei geplanten Auftritten im The Warehouse mit der Vorgruppe Fleetwood Mac kehrt Bandleader Jerry Garcia mit seinen Mitmusiker und der Crew ins Hotel zurück – und wird von der Polizei erwartet. Fast die gesamte Reisegruppe wird auf der Stelle verhaftet. Manager Lenny Hart erzählt die Geschichte kurz nach der Verhaftung dem Rolling Stone: „Das war schon eigenartig. Es roch nach einer abgekarteten Sache. Denn die Bullen haben bereits gewartet, als die Band vom Konzert zurückkam. Die Polizisten hatten einen Haftbefehl, und sie hatten die Hotelzimmer schon durchsucht. Bei keinem der Leute wurde etwas gefunden außer den Sachen, für die es Rezepte gab. Alles, was die Beamten aufgespürt haben wollen, soll bereits im Hotel gewesen sein, aber keiner der Band weiß, woher das Zeug stammt. Es war nicht ihr Stoff. Grateful Dead sind normalerweise sehr cool und vorsichtig.“

Grateful Dead

Trinken halt nicht nur Früchtetee: Grateful Dead circa 1970 (Foto: Robert Altman/Michael Ochs Archives/Getty Images)

Nun sind Jamrocker aus Kalifornien nicht gerade dafür bekannt, nur Früchtetee zu trinken. Dass die ins Visier der Behörden geraten, überrascht niemanden. Allerdings wollen die Polizisten es den Musikern besonders schwer machen: Sie fesseln Band und Crew mit Handschellen aneinander und lassen sie für Pressefotos vor dem Gebäude Parade stehen. Hart meint: „Die Cops genossen es, ihr Ding durchzuziehen. Am Ende mussten die Verhafteten acht Stunden im Gefängnis verbringen. Obwohl die Kaution sofort da war, wurden sie so lange belästigt. “

„Acid-König festgenommen“

Alle 19 Personen, die bei der Razzia erwischt werden, fangen sich eine Anklage wegen Besitzes von Marihuana, LSD, Barbituraten, Amphetaminen oder anderer verbotener Substanzen ein. Das kann damals in Louisiana zu einer Strafe von fünf bis 15 Jahren Gefängnis führen. Keine Kleinigkeit also. Die Behörden nageln  die komplette Band samt Crew und einigen lokalen Helfern fest – nur die Keyboarder Ron „Pigpen“ McKernan und Tom Constanten, die keine Drogen nehmen, kommen davon. Allerdings lässt dieser Vorfall für die beiden das Faß zum Überlaufen bringen: Kurz darauf reichen sie ihre Kündigungen ein. Bonuspunkte sammelt die Polizei von New Orleans durch die Festnahme von Owsley Stanley, damals nicht nur Techniker der Gruppe, sondern auch ein bekannter LSD-Produzent. „Acid-König festgenommen!“ prahlen die lokalen Zeitungen.

„Hippies. Oh Junge!“

Ganz überraschend kommt das harte Vorgehen nicht: Bereits ein paar Wochen früher hatten die befreundeten Jefferson Airplane Ähnliches erlebt, als sie auf Tour im selben Hotel weilten. Grateful Dead wurden entsprechend schon bei der Ankunft am Flughafen gewarnt, dass sie Probleme bekommen könnten. All dies gibt der Band das Gefühl, übers Ohr gehauen worden zu sein. Jerry Garcia selbst sagt dazu: „Sie hatten großen Spaß mit uns, die Südstaaten-Cops. Sie hatten genau das, was sie wollten: Hippies. Oh Junge!“

Hier könnt ihr das Statement von Jerry Garcia dazu anhören:

Nachdem die langhaarige Reisegruppe die Kaution von 37.500 Dollar hinterlegt hat, immerhin die gesamte Gage des Abends, geht ihnen das Geld aus. Also spielen sie eine zusätzliche Show in New Orleans und überreden Fleetwood Mac, ebenfalls zu bleiben. Die zusätzlichen Einnahmen helfen bei den Rechtskosten auf. Die meisten Anklagen werden schließlich fallengelassen, aber der Vorfall wird für alle Ewigkeit im Song Truckin‘ festgehalten, einem der erfolgreichsten Grateful-Dead-Stücke:

„Busted, down on Bourbon Street / Set up, like a bowlin’ pin / Knocked down, it gets to wearin’ thin / They just won’t let you be, no.“

Zeitsprung: Am 19.3.1919 verlangt ein Axtmörder Live-Jazz in New Orleans.

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Popkultur

55 Jahre „White Light/White Heat“: The Velvet Underground auf Speed

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The Velvet Underground
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Auf ihrem zweiten Album zeigten sich The Velvet Underground von ihrer experimentierfreudigsten Seite; sogar noch stärker als auf ihrem legendären Debüt. Doch der avantgardistische Ansatz von Multiinstrumentalist John Cale stieß in der Band nicht nur auf Gegenliebe. Nach White Light/White Heat musste er gehen.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch White Light/White Heat von The Velvet Underground anhören:

Mit ihrem bahnbrechenden Debütalbum leisteten The Velvet Underground und die Kölner Sängerin Nico einen unabdingbaren Beitrag zur Geschichte der Rockmusik. Doch schon kurz nach der Veröffentlichung kam es zum Streit. Die Verkaufszahlen blieben hinter den Erwartungen der Gruppe zurück; als Folge musste Manager und Produzent Andy Warhol gehen. Auch Nico nahm ihren Hut und und schlug den Weg als Solokünstlerin ein. The Velvet Underground bestanden fortan aus Songschreiber Lou Reed, Klangexzentriker John Cale sowie aus der Rhythmusabteilung mit Sterling Morrison und Maureen Tucker. An den Schiebereglern im Studio saß nur noch Tom Wilson, der für das Debüt noch mit Warhol zusammengearbeitet hatte. Doch trotz aller Widrigkeiten setzt die Band ihren Weg fort. In unserer heutigen Geschichte endet das mit einer Kündigung.

White Light/White Heat: The Velvet Underground auf Speed (buchstäblich)

Es dauert nur wenige Monate, bis das neue Line-up zum ersten Mal gemeinsam im Studio steht, um das zweite Album von The Velvet Underground aufzunehmen. Diesmal geht es noch ein wenig experimenteller zur Sache. Die Gruppe orientiert sich an ihrem Live-Sound, der dank Musikgenie John Cale von reichlich Improvisation und Punk-Attitüde geprägt ist. Letzterer ebnen The Velvet Underground den Weg, ebenso wie dem Noise Rock, denn Ende der Sechziger ist beides noch nicht existent. Inhaltlich ändert sich nicht viel: Lou Reed und Co. widmen sich Themen wie Sex, Transvestitismus und Drogen. Was Rauschmittel betrifft, stehen diesmal Amphetamine im Vordergrund, deren aufputschende Wirkung im Slang auch „White Heat“ genannt wird. Um Heroin geht es aber auch.

Besonders präsent ist der 17-minütige Song Sister Ray, den Lou Reed und seine Mitstreiter*innen in nur einem einzigen Take aufnehmen. Über den Inhalt sagt Reed: „Es kommen acht Charaktere darin vor, ein Typ wird umgebracht, und niemand unternimmt etwas. Der Text basiert auf einer Geschichte von Ausschweifung und Verfall. Ich mag die Vorstellung, dass Sister Ray ein transvestitischer Heroinhändler ist. Es geht um einen Haufen Dragqueens, die ein paar Matrosen mit nach Hause nehmen, sich zudröhnen und gerade eine Orgie feiern, als die Polizei auftaucht.“ Toningenieur Gary Kellgren hat während der Aufnahme nach einigen Minuten genug und verlässt das Studio mit den Worten: „Sagt mir Bescheid, wenn ihr fertig seid.“

Andy Warhol ist doch wieder mit von der Partie

Als Manager und Produzent hatten The Velvet Underground ihren ehemaligen Kollegen Andy Warhol zwar vor die Tür gesetzt, doch am Artwork wirkt die Popart-Legende auch dieses Mal mit. So handelt es sich bei dem auf dem Cover abgebildeten Totenkopf um ein Tattoo von Joe Spencer, dem Hauptdarsteller aus Warhols Film Bike Boy. Warhol ist es, der das Motiv vorschlägt; Reed sucht anschließend das passendste Negativ aus der Bike Boy-Filmrolle aus. Die weitere Bearbeitung übernimmt ein Herr namens Billy Name, der zu Warhols legendärer Factory gehört. Ein alternatives Cover aus Großbritannien zeigt 1971 einige leuchtend weiße Spielzeugsoldaten, doch dieses Motiv hatten The Velvet Underground nie abgesegnet.

Musikhistorisch betrachtet gehört White Light/White Heat zu den wichtigsten Platten, wenn es um die Entwicklung des Punk und des Noise geht. Das liegt nicht zuletzt an John Cales klangexperimenteller Herangehensweise, die White Light/White Heat ganz schön sperrig wirken lässt. Lou Reed und der Rest der Band wünschen sich allerdings einen poppigeren Sound. Genau ein Jahr nach den Aufnahmesessions setzen sie Cale vor die Tür, holen stattdessen Doug Yule an Bord und nehmen die Arbeit an ihrem dritten Album The Velvet Underground auf. Der wichtigste Leitfaden: Die Platte soll keine zweite White Light/White Heat werden. Das ist The Velvet Underground gelungen. Doch diese Geschichte erzählen wir an einem anderen Tag.

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„The Velvet Underground & Nico“: Avantgardistische Bewusstseinserweitung

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Zeitsprung: Am 30.1.2007 singt Jim Morrison posthum gegen die Erderwärmung

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Michael Ochs Archives/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.1.2007.

von Timon Menge und Christof Leim

Unter dem Motto „Save The Planet“ finden am 30. Januar 2007 zwei Pressekonferenzen in Los Angeles und London statt. Dort stellen Perry Farrell von Jane’s Addiction, Doors-Schlagzeuger John Densmore und Schauspieler Josh Hartnett die Kampagne Global Cool vor, ein Projekt gegen die Erderwärmung — und verwenden dafür unveröffentlichte Gesangsspuren von Jim Morrison.

Hier könnt ihr euch Woman In The Window anhören:

Die globale Erwärmung schreitet voran, zahlreiche Kunstschaffende aller Couleur und weltweit engagieren sich dagegen. Als Sprachrohre der britischen Kampagne Global Cool möchten Farrell, Densmore und Hartnett es „uncool machen, nicht grün zu sein“.

Kleine Schritte, große Wirkung

Dafür erhalten die drei eine Menge prominenter Unterstützung, zum Beispiel von Kasabian, The Killers, KT Tunstall und den Scissor Sisters. Auch Leonardo DiCaprio, Orlando Bloom und Dave Grohl helfen mit. Die Mission der Kampagne: Menschen sollen dazu motiviert werden, ihre CO²-Emissionen über einen Zeitraum von zehn Jahren um zehn Milliarden Tonnen zu reduzieren.

Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen zum Beispiel das Abschalten des Lichts, das Ausstecken von Smartphone-Netzteilen, das Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel, der Verzicht auf Urlaubsflüge und das Herunterschalten der Heizung um eine Stufe. „Wenn viele Menschen kleine Dinge in die Tat umsetzen, wird daraus am Ende eine verdammt große Sache“, stellt Global-Cool-CEO Julian Knight fest. Alles gute Vorschläge. Für Musikfreaks wird die Aktion zusätzlich interessant.

Jim Morrison hilft auch. Quasi.

Um dem Projekt zu größerer Bekanntheit zu verhelfen, greift Doors-Drummer Densmore in die Trickkiste und stellt eine bis dato unveröffentlichte Gesangsspur von Jim Morrison zur Verfügung. Der Titel der Nummer: Woman In The Window. Das Stück basiert auf einem Gedicht von Morrison, das der kurz vor seinem Tod vertont hat. Die Jahrzehnte später eingespielte Musik stammt von Farrells Band Satellite Party.

Densmore und Farrell bei der Pressekonferenz in Los Angeles – Pic: Hector Mata/AFP via Getty Images

Sein Debüt feiert der Song bei den Pressekonferenzen am 30. Januar 2007. „Wir freuen uns darüber, dass Woman In The Window die Titelmelodie eines so tollen Projektes wird“, erklärt Farrell im Interview mit dem NME. „Jim hat all das Übel in der Welt gesehen, wusste aber auch, dass wir für unser Schicksal verantwortlich sind. Und genau das tun wir. Niemand wird uns davon abhalten können, Energie und Geld zu sparen und dabei den Planeten zu retten.“ Das klang schon 2007 vernünftig.

Zeitsprung: Am 30.8.1973, zwei Jahre nach Morrisons Tod, lösen sich die Doors auf.

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