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Popkultur

Donna Summer – Das schillernde Erbe der Disco-Queen

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„Während wir um sie trauern, feiern wir in Frieden ihr außergewöhnliches Leben und ihr andauerndes Erbe“ – damit wendeten sich die Angehörigen von Donna Summer kurz nach dem Tod der Disco-Queen an die Öffentlichkeit. Außergewöhnlich, ja, das war ihr Leben ohne Frage. Und um ihr andauerndes Erbe zu bestaunen, da braucht man in der bunten Musikwelt nicht weit gucken. Weggefährten wie Giorgio Moroder oder Quincy Jones begleiten sie vom Background-Sängerinnen Dasein, über eine Karriere als Musical-Sternchen bis auf den glitzernden Thron der schillernden Disco-Bewegung – und darüber hinaus. Künstler wie Madonna, die Eurythmics oder die Pet Shop Boys führen sie ganz oben auf ihren persönlichen All Time Favorites Listen an. Kein Wunder, bei Songs wie Hot Stuff, Love To Love You Baby oder Bad Girls. Also Freunde, poliert eure Pailletten-Fummel, föhnt eure Dauerwelle hoch und macht eure Hüften locker. Wir gehen in die Disco – das wird richtig dufte!


Als Donna Summer 1974 mit ihrem Album Lady Of The Night ihren Durchbruch feiern kann, liegt schon ein langer Weg hinter ihr. Und diesem Weg ist es auch zu verdanken, dass sie – anders als ihre amerikanischen Ostküsten-Wurzeln vielleicht vermuten lassen – ihren Durchbruch vor allem hier in Europa, insbesondere sogar in Deutschland feiert. Aber dazu gleich mehr. Die Mitte der bunten 70er bedeuten für die Dancefloor-Ikone eine Zeit des steilen Aufstiegs und ihre Single-Auskopplung „The Hostage“ ist der Beginn einer regelrechten Hit-Parade! Nur zur Beruhigung: Dieter Thomas Heck hat damit nichts zu tun!


Donna-Summer-2013-for-web


Die gebürtige Bostonerin bewies schon früh ihr stimmliches Talent im örtlichen Kirchenchor. Ein Ort, der in den Staaten doch durchaus musikalischer ist, als man das hierzulande vermuten möchte. Nur bleibt es dabei nicht lange. Die zukünftige Lady of the Night fühlt sich schnell zur „weißen“ Musik hingezogen, tauscht ihr Idol Mahalia Jackson gegen Janis Joplin und Gospel-Melodien gegen Psychedelic Funk aus. Im Übrigen inklusive obligatorischen Drogentrips – wenn schon Rebellion, dann auch richtig! Aber jede Rebellion kommt mal zu einem Ende und noch bevor LaDonna Andrea Gaines, wie unsere Protagonistin mit Geburtsnamen heißt, das 18. Lebensjahr überschreitet, erkennt sie, dass das „nicht der Weg sei, den Gott für sie vorgesehen hätte“. Sie zieht nach New York, den Broadway als neues Ziel fest im Blick. Besonders das Musical „Hair“ hat es ihr angetan. Leider ein nicht ganz unbeliebter Berufszweig mit einem so großen Andrang, dass es gegen die Konkurrenz kaum ein Durchsetzen gibt. Aber auf einmal ist da das Angebot aus einer Stadt in Deutschland, München oder so ähnlich, wo eine deutsche Adaption des Musicals mit dem kreativen Titel „Haare“ auf die Bühne gestellt wird. LaDonna wittert ihre Chance – und bekommt die Rolle! Sie wusste es damals noch nicht, aber obwohl man in Bayern einen nicht besonders internationalen Dialekt spricht, war dies ihr erster Schritt in Richtung Weltkarriere.


Donna Summer Love


Und der Grund für ihren Künstlernamen. Denn in Deutschland trifft sie ihren ersten Ehemann, einen charmanten Herren mit dem Nachnamen „Sommer“ – da liegt der Schluss nicht fern, den Namen (mit ähnlich kreativen Ansatz wie schon bei der Musical-Adaption) einfach gegen das englische Äquivalent auszutauschen. Und geboren war Donna Summer! Auch die Nähe zu Österreich sollte in ihrer neuen Heimatstadt nicht ganz unbedeutend bleiben. Denn während sich Donna als Musical-Darstellerin und Background-Sängerin durchschlägt, macht sie Bekanntschaft mit einem Herren namens Giorgio Moroder.


Der Synthesizer-Pionier, seines Zeichens nicht ganz unbedeutend für sein künstlerisches Geschick und Händchen für aufkeimende Popmusik Trends, erkennt Donnas Potential und nimmt sie direkt unter Vertrag. Ganz richtig, es wird endlich Zeit für die Disco und den Sound of Munich! Das Album Lady Of The Night reicht für den Durchbruch in Europa, aber für die USA muss man schon größere Geschütze auffahren. Paradoxer Weise funktionierte das bei unseren tendenziell doch eher puritanischen Freunden im fernen Westen mit dem lasziven Titel Love To Love You Baby, in dem das ein oder andere ekstatische Stöhnen zu vernehmen ist.



Und trotz dessen, dass Donna sich zunächst weigerte, einen so anstößigen Song einzusingen oder gar zu veröffentlichen, geht die Nummer in den Staaten durch die Decke. So sehr, dass der Geschäftsführer der damals zuständigen Plattenfirma auf eine Maxi-Edition des Songs besteht. Oder in anderen Worten: 17 Minuten gestöhntes Hit-Material. Das sorgte natürlich für buntes Knistern in der Klatsch-Presse und auf Konzerten, es hagelte schockierte Worte und reichlich Unterwäsche (letzteres landete auf den Konzertbühnen, nicht in der Klatschpresse). Anyways, Skandal hin oder her, der Aufstieg zum Weltstar war nicht mehr aufzuhalten. Donna Summer veröffentlicht Album um Album und Hit-Single um Hit-Single. Außerdem spielt sie – wie es sich für eine Disco-Königin gehört – in einem Tanzfilm mit: Thank God It‘s Friday! Und klar, bei einer Musikerin im Cast muss man nicht lange Brainstormen, um einen authentischen Kandidaten für den Titelsong zu finden. „Last Dance“ wird dabei gleich doppelt mit Grammy und Oscar dekoriert. Außerdem sorgt Donna auch hier wieder für rote Köpfe in den Kinosälen, mit einer im Love To Love You Style pikant intonierten Fassung des Songs Je T‘aime Moi Non Plus.


Donna-Summer


Damit ist es endgültig besiegelt: Donna Summer hat die Disco Anfänge geprägt wie nur wenige neben ihr. Inzwischen sind wir in den 80ern gelandet und Donna wendet sich mehr und mehr dem Songwriting zu, experimentiert mit Genres und schafft es mit Einflüssen aus Rock, Funk, Blues, Soul und Gospel die Grenzen der Disco-Welt aufzubrechen und ihre Karriere mit Songs wie „Bad Girls“ aus dem gleichnamigen Album auf ein neues Level zu heben. Also alle zusammen: Toot Toot Hey Beep Beep! The rest, as they say, is history. Donna wird nach einigen Jahren langsam von den Titelseiten verschwinden und das Disco-Zepter an die nächsten Generationen von Dancefloor Königinnen und Könige abgeben. Dennoch: „andauernd“ ist wahrscheinlich ein klasse Adjektiv, um das Erbe von Donna Summer zu beschreiben und auch nach ihrem Tod lässt sich zu Nummern wie „Hot Stuff“ ganz vorzüglich – und obendrein noch mit einer ordentlichen Portion Stil – das Tanzbein schwingen. In diesem Sinne: Runter vom Sofa und ab in die Disco!


 

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