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Popkultur

Elton Johns „Live From Moscow“: Wie der Rocketman den Eisernen Vorhang durchbrach

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Foto: Daily Mail

Im Mai 1979 aufgenommen und erst vier Jahrzehnte später veröffentlicht, hält auch Elton John den Live From Moscow-Mitschnitt für „eines der besten Konzerte, das ich je gegeben habe“.

von Paul Sexton und Renko Heuer

In der Welt des Pop findet man wohl kaum einen Star, der größer und global betrachtet beliebter wäre als Elton John – nur darf man natürlich beim Wörtchen „global“ nicht vergessen, wie sehr doch die Welt gerade in den letzten Jahrzehnten zusammengeschrumpft ist. Seine auf drei Jahre ausgelegte Abschiedstournee führt dieser Tage also nicht ohne Grund in sämtliche Ecken des Planeten, doch als im Jahr 1979 vermeldet wurde, dass Elton und der britische Percussion-Spieler Ray Cooper für insgesamt acht Konzerte nach Russland aufbrechen würden – damals war genau genommen noch von der Sowjetunion (UdSSR) die Rede –, war das eine dermaßen große Sache, dass die Zeitungen voll davon waren. Der Abschlussabend jener Tour, der aufgezeichnet und in Großbritannien vom Sender BBC Radio 1 ausgestrahlt wurde, um sehr viel später dann unter dem Titel Live From Moscow auf Vinyl zu erscheinen, lässt dabei keine Fragen offen: Man hört sofort, weshalb Eltons Ost-Abstecher so viel Staub aufgewirbelt hatte.

… und noch ein Eintrag in die Geschichtsbücher

Kein Künstler von Eltons Format hatte es zuvor geschafft, auf derart offiziellem Wege die Kultur des Westens durch den sowjetischen Zoll zu bekommen, geschweige denn selbst einen Fuß hinter den Eisernen Vorhang zu setzen. Doch mit der Veröffentlichung seines 12. Studioalbums A Single Man war ihm genau das geglückt: Es war das erste Pop-Album aus dem Westen, das auch in der UdSSR erhältlich war – im Vertrieb des staatlichen Labels Melodija.

Die dazugehörige Russland-Tournee dauerte etwas länger als eine Woche: Im Mai 1979 fanden zunächst vier Konzerte in Leningrad statt, gefolgt von vier weiteren Shows in Moskau. In die Geschichtsbücher eingehen sollte dabei der Auftritt am 28. Mai im Rossiya-Theater von Moskau, denn mit der Radioausstrahlung in Großbritannien stand auch die allererste Stereo-Satellitenverbindung zwischen der UdSSR und dem Westen. Die Originalaufnahmen, später von Bob Ludwig remastered, erschienen am Record Store Day 2019 erstmals auf Platte – in limitierter Auflage auf durchsichtigem Vinyl. Auf die reguläre Variante dieses Live-Meilensteins mussten die Fans danach noch einige Monate warten; sie ist seit dem dem 24. Januar 2020 im Handel.


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„Eines der besten Konzerte, das ich je gegeben habe“

Der 95-minütige Mitschnitt aus Moskau ist für diejenigen, die erst kürzlich durch den Rocketman-Film oder die Lektüre der Autobiografie des Briten (Me) Feuer gefangen und jetzt noch tiefer in dessen musikalische Geschichte eintauchen wollen, genauso umwerfend wie für eingeschworene Fans, die Eltons Karriere seit Jahrzehnten verfolgen: Ein in jeder Hinsicht bahnbrechender Moment ist hier festgehalten und verewigt worden; es handelt sich um einen kulturellen und musikalischen Meilenstein, über den auch Elton John später sagte, es handle sich dabei „wohl um eines der besten Konzerte, das ich in meinem Leben gegeben habe“.

Und da dieser Moment inzwischen gut 40 Jahre zurückliegt, klingt der Elton, den man auf Live From Moscow hören kann, ganz anders als der heutige: Seine Stimme, sein Ansatz, die ganze Energie ist eine andere, schließlich war er damals gerade mal 32 Jahre alt. Dem eingangs noch etwas steifen Moskauer Publikum serviert er zunächst ein Vollgas-Soloset zwischen Steinway-Flügel und Yamaha-E-Piano, woraufhin auch Mr. Cooper die Bühne betritt und die beiden in der zweiten Hälfte des Abends sogar noch mehr Hits abfeuern, bis alles in ein grandioses Finale mündet.

Wie neu und fast schon befremdend es sich für das Publikum zunächst angefühlt haben muss, zum allerersten Mal eine derartige Pop-Größe aus dem Westen vor sich zu haben, ist am zaghaften, etwas nervösen Applaus zu erkennen, der auf den Eröffnungstitel Daniel folgt. Doch Elton trifft den Ton sofort, geht behutsam vor, und spätestens mit einem Titel wie Skyline Pigeon, dessen Echo-Effekte diese frühe Ballade noch eindringlicher machen, bricht er endgültig das Eis.

Indem er zunächst auf Solopiano-Interpretationen setzt, wird gleich zu Beginn das Improvisationstalent des Absolventen des Royal College of Music erkennbar – so zum Beispiel in einem Freestyle-Intro, das er vor die bekannte Melodie von Take Me To The Pilot einstreut. Nach weiteren Improvisationen und sogar Falsett-Einlagen, verlängert er den Rocket Man, der das Publikum sofort mitreißt, auf siebeneinhalb Minuten und präsentiert danach auch Don’t Let The Sun Go Down On Me und Candle In The Wind ohne jeden Firlefanz: unplugged, minimalistisch, Elton pur.

Eine unvergessliche Zwischenlandung

Eine echte Offenbarung von Live From Moscow ist sogar noch ausführlicher und ebenfalls improvisiert: Knapp 12 Minuten widmet Elton am Yamaha CP80-E-Piano einer unglaublichen Interpretation von I Heard It Through The Grapevine. Auf Funeral For A Friend lässt er daraufhin nicht, wie sonst so häufig, Love Lies Bleeding folgen, denn der Brite lässt das Stück nahtlos in den Blue Moves-Titel Tonight übergehen, gefolgt von Better Off Dead. Das Publikum hört an diesem Punkt schon gar nicht mehr auf zu klatschen, und nach ein wenig Klaviervorspiel treibt auch Coopers Tamburin Bennie And The Jets voran – noch so eine 12-Minuten-Nummer. Bevor der Percussion-Wizard die Bongos für Crazy Water, ein viel zu oft übersehenes Highlight vom Blue Moves-Album, übernimmt, gibt sich Elton plötzlich ganz ruhig und introvertiert: Sorry Seems To Be The Hardest Word.

Nahtlos ist auch der Übergang zwischen Saturday Night’s Alright For Fighting und Pinball Wizard, und dann geht es in Richtung Höhepunkt: Die kollektive Euphorie von Crocodile Rock verwandelt sich in Get Back und schließlich, na klar, Back In The USSR. Um es in den Worten zu sagen, die im Text von letzterem Song zu hören sind („You don’t know how lucky you are, boy“): Das Moskauer Publikum war sich wohl gar nicht bewusst, was für ein Glück sie da hatten, Boy!

Als Elton John in Richtung Osten aufbrach, um seine ganz persönlichen Liebesgrüße aus Russland loszuwerden, hatte er schon ein ganzes Jahrzehnt im Rampenlicht gestanden. Eine lange, steile Flugbahn hatte Jahre davor für ihn begonnen, ihn in ungeahnte Höhen befördert. Und doch war es diese Zwischenlandung auf sowjetischem Boden, die der Rocketman danach nie mehr vergessen sollte.

Ozzy zeigt gemeinsamen Song mit Elton John und Slash!

Popkultur

Olivia Newton John: 10 ihrer wichtigsten Stücke

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Oliva Newton John
Foto: Radio Times/Getty Images

Zu Ehren der kürzlich verstorbenen Olivia Newton-John hören wir uns durch zehn ihrer besten Stücke.

 von Markus Brandstetter

Am 8. August 2022 verstarb Olivia Newton John. Die Britin wurde nicht nur mit der Verfilmung des Musicals Grease weltbekannt, sondern hatte auch eine extrem erfolgreiche und langlebige Solokarriere als Musikerin. Vier Grammys, etliche Top-5-Hits und 24 Studioalben — und eine Menge verschiedener Stile von Pop über Folk bis Disco: Wir hören uns an dieser Stelle mal quer durch ihr Schaffen und sprechen über zehn ihrer bemerkenswertesten und/oder bekanntesten Stücke.

1. Long Live Love (1974)

1974 trat Newton-John beim Eurovision Songcontest in London an. Long Live Love ist rückblickend definitiv nicht ihr bestes Stück (sondern eher ein harmloser Schunkelschlager), aber wir wollen es alleine aus historischen Gründen an dieser Stelle keinesfalls unerwähnt lassen. Für einen Spitzenplatz reichte der Song damals nicht: Newton-John schaffte es immerhin auf Platz 4. Die Konkurrenz war an diesem Abend historisch: Den Sieg mit nach Hause brachten ABBA mit ihrem legendären Stück Waterloo.

2. Xanadu (1980)

Anfang der 1980er-Jahre machte die Künstlerin mit Jeff Lynne und ELO gemeinsame Sache — und veröffentlichte das Stück Xanadu aus dem gleichnamigen Musicalfilm. Der Film entpuppte sich zwar als Flop, den Song ereilte ein besseres Schicksal. Er kletterte in den UK-Charts auf den ersten Platz.

3. Twist Of Fate (1983)

1983 kam es nochmal zur Film-Reunion von Travolta und Newton-John für den Film Two of a Kind. Das sorgte für nostalgische Gefühle, so ganz konnte es aber den globalen Erfolg von Grease nicht mehr anknüpfen. Das Stück Twist of Fate aus dem Film ist aber dennoch erinnerungswürdig.

4. Magic (1989)

Nochmal Xanadu: Aus dem Soundtrack zum Film stammt auch der Disco-Kracher Magic. Das war nicht nur in den Charts extrem beliebt — 1980 bezeichnete John Lennon das Stück als einen jener damals aktuellen Songs, die er mochte. Eine große Ehre — und ein erster Platz in den US-Charts.

5. A Little More Love (1978)

A Little More Love war die erste Single, die Newton-John nach ihrem Mega-Erfolg mit Grease veröffentlichte. Sie erschien auf ihrem 10. Album Totally Hot.

6. I Honestly Love You (1984)

Mit I Honestly Love You landete Olivia Newton-John 1974 einen weltweiten Pop-Hit. Bis sie 1981 Physical veröffentlichte, war I Honestly Love You jenes Stück, mit dem sie meist in Verbindung gebracht wurde, wenn man ihren Namen nannte.

7. You’re The One That I Want (1978)

Natürlich darf auch ein bestimmter Song aus Grease nicht fehlen. Das Duett mit John Travolta  You’re The One That I Want ist eines der bekanntesten Duette der Popgeschichte — und zählt zu Newton-Johns besten Stücken.

8. Hopelessly Devoted To You (1978)

Wer  You’re The One That I Want sagt, muss aber auch Hopelessly Devoted To You sagen — denn der Song aus Grease ist ebenfalls unvergesslich. Die Country-Ballade war für Songschreiber John Ferrer eine große Herausforderung: „Ich habe die längste Zeit damit verbracht, den Text eines Songs zu schreiben, den ich je geschrieben habe. Ich habe jeden Thesaurus und jedes Reimwörterbuch, das ich hatte, benutzt, um ihn richtig zum Laufen zu bringen“, erklärte er  einmal. Die Arbeit zahlte sich aus: Das Stück wurde für einen Oscar als Beste Filmmusik nominiert, verlor aber leider gegen den Beitrag Last Dance aus Thank God It’s Friday.

9. Have You Never Been Mellow (1975)

Auf der Country-Pop-Ballade Have You Never Been Mellow, drei Jahre vor ihrem Mega-Erfolg mit Grease erschienen, klingt Newton-Johns Stimme beinahe schon sirenenhaft. Der Song erschien als Single des gleichnamigen Albums und schaffte es in den USA auf die Spitze der Billboard Charts — völlig zurecht, Have You Never Been Mellow ist ein absolutes Highlight im Backkatalog der Sängerin.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 11.8.64 bekommt Roger Daltrey von seinem Schwiegervater auf die Mütze

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 11.8.64.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Die Fäuste und das Mundwerk sitzen bei Roger Daltrey von The Who Zeit seines Lebens eher locker. Kaum vorzustellen, dass er am 11. August 1964 vom Schwiegerpapa selbst eins hinter die Löffel bekommt. Hier kommt die Geschichte dieser Ausnahme-Ohrfeige.

Hört euch hier die größten The Who-Hits an: 

Blick zurück ins Jahr 1964: Roger Daltrey, selbst erst 20 Lenze jung, hat wenige Monate zuvor die sechzehn Jahre alte Jacqueline „Jackie“ Rickman geheiratet, da das Paar ein Kind erwartet. Der Frontmann merkt jedoch schnell, welches Leben ihn als Familienvater erwartet: Aus Angst vor einer bürgerlichen Existenz als Blechschlosser verlegt er seinen Schlafplatz noch vor der Geburt des Sohnes in den Van der Band. Das Ehegelübde nimmt Daltrey ohnehin nicht ganz ernst und geht offen damit um, dass die Karriere seiner Gruppe mit Pete Townshend, John Entwistle und Keith Moon für ihn oberste Priorität hat. Als Schwiegersohn des Jahres qualifiziert er sich damit nicht.

Ratespiel: Das Cover zur Doppelsingle „I’m The Face“/„Zoot Suit“.

In Rahmen der Gruppe übernimmt Daltrey aber durchaus Verantwortung und positioniert sich als Gründer und Frontmann. Bereits zu Schulzeiten pflegte er den Umgang mit Gangs und Kleinkriminellen, also verwundert es kaum, dass er innerhalb der Band gern mal die Fäuste sprechen lässt, wenn es um seine Meinung geht. Er fällt letztendlich auch die Entscheidung für den Namen The Who, nachdem die Band zunächst als The Detours beginnt. Im August 1964 spielt die Kombo auf Geheiß des damaligen Managers Peter Meaden kurzzeitig unter dem Namen The High Numbers. Im Juli erscheint als erste Single I’m The Face/Zoot Suit, deren Chartplatzierung lässt jedoch zu wünschen übrig lässt.

Am Abend des 11. August stehen The High Numbers dann zum wiederholten Male auf dem Programm des Railway Hotel in Nord-London. Während sich Daltrey und Co. bereithalten, um jeden Moment die Bühne zu betreten, schlägt laut Augenzeugen Jackie Rickmans Vater im Backstage-Bereich auf, zerrt Daltrey ohne viel Federlesens vor die Tür – und haut ihm schlicht eine rein. Zack.

Ein konkreter Anlass für den Zorn des Schwiegervaters ist nicht bekannt; ob der Sänger sich wehrt, lässt sich ebenfalls nicht ausmachen. So oder so stellt Daltrey das Wohl und die Professionalität der Band vor seine persönlichen Querelen, betritt wenige Augenblicke nach dem Zwischenfall die Bühne und legt eine Show hin, die es 2007 sogar in die Dokumentation Amazing Journey: The Story of The Who schafft.

Der Stoff von Dokumentationen: Das Cover zu „Amazing Journey: The Story of The Who“.

Auf dem Papier bleibt die Ehe Daltrey/Rickman noch einige Zeit bestehen, Sohn Simon kommt wenig später am 22. August auf die Welt. Als der Who-Gründer jedoch um 1968 ein Kind mit einer anderen Frau zeugt, zieht Jackie Rickman die Reißleine und reicht die Scheidung ein. Kurze Zeit später lernt der Rockstar dann auch schon das Model Heather Taylor kennen, die er 1971 heiratet und mit der er drei weitere Kinder bekommt. Diese Partnerschaft dauert bis heute an.

Zahm wird Daltrey jedoch keinesfalls, erzählt der britischen Presse vor einigen Jahren noch, die Ehe mit Taylor sei vielleicht keine offene, aber Vorschriften habe seine Frau ihm auch keine gemacht. Da kratzt man sich kaum am Kopf, weil sich über die Jahre diverse uneheliche Kinder beim Rockstar melden. Zu ihnen pflegt er jedoch ein gutes Verhältnis und integriert sie in seine Familie mit Taylor. Auch Jackie Rickman und der gemeinsame Sohn Simon nehmen an Gruppenurlauben teil.

Fliegende Hände hin oder her, Daltrey macht nie einen Hehl daraus, dass The Who bei ihm an erster Stelle stehen. So liest man auch auf der Website der Band, sie bliebe stets seine „erste Liebe“

Zeitsprung: Am 2.12.1973 landen The Who im Gefängnis.

 

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Popkultur

Zeitsprung: Am 10.8.1984 veröffentlichen die Red Hot Chili Peppers ihr Debüt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 10.8.1984.

von Timon Menge und Christof Leim

Seit weit mehr als drei Dekaden stehen die Red Hot Chili Peppers für Funk Rock, wie kaum eine andere Band. Los geht die Karriere der Kalifornier am 10. August 1984 mit ihrem gleichnamigen Debüt — obwohl das erste Album anders ausfällt, als die Musiker möchten…

Hier könnt ihr euch die Platte anhören: 

Als die Red Hot Chili Peppers im Jahr 1983 zusammenfinden, haben die jungen Kerle eigentlich nichts anderes im Sinn als ein gemeinsames Spaßprojekt. Sänger Anthony Kiedis, Gitarrist Hillel Slovak, Bassist Flea und Schlagzeuger Jack Irons kennen sich aus der High School und nennen ihre Band zunächst Tony Flow And The Majestic Masters Of Mayhem.

Zunächst nur Spaß

Die Chemie stimmt, gemeinsam möchten sie durchstarten. Aus diesem Grund engagieren sie Manager Lindy Goetz. Für ihre ersten Shows in der Umgebung von Los Angeles untermalen Slovak, Flea und Irons den Sprechgesang ihres Frontmannes Kiedis mit spontanen Jams, später nehmen sie die Sache ernster und nehmen Stücke für ein Demo auf. Zu jener Zeit entscheiden sie sich auch für den Namen Red Hot Chili Peppers. Irons und Slovak spielen zeitgleich in einer Gruppe namens What Is This?.

Als die Gruppe Fahrt aufnimmt, entstehen Probleme. Nur zwei Wochen, bevor die Chili Peppers einen Plattenvertrag über sieben Alben unterschreiben sollen, besiegeln Irons und Slovak ebenfalls einen Deal — allerdings für What Is This?. Kiedis und Flea sehen ihren größten Traum in Gefahr, lassen sich aber nicht unterkriegen. Für Slovak übernimmt Jack Sherman die Gitarre, an Irons Stelle trommelt Fleas alter Kumpel Cliff Martinez. Das Line-Up für das Debüt steht.

Im Studio gibt es Ärger

In den Eldorado Studios in Hollywood wird es anschließend gleich noch einmal schwierig. Das Problem: Produzent Andy Gill hat ein paar Ideen für den Stil der Band, die den Musikern so gar nicht gefallen. „Während der ersten Tage schien alles in Ordnung zu sein“, erinnert sich Frontmann Kiedis. „Aber wir haben schnell gemerkt, dass Andy einen Sound im Sinn hatte, der nicht zu uns passte. Am Ende der Sessions sind Flea und ich in den Kontrollraum des Studios gerauscht, haben uns an der Konsole zu schaffen gemacht und gebrüllt: ‘Fick dich, wir hassen dich!’”

Die Wut der Gruppe artet so sehr aus, dass Flea laut Gill sogar einen Pizzakarton als Klo benutzt und ihn nachher auf dem Mischpult deponiert. „Der Toningenieur rannte schreiend aus dem Studio“, erinnert sich der Produzent. „Als wir ihn das letzte Mal sahen, lief er gerade den Sunset Boulevard herunter.“

Unzufrieden

Trotz aller Strapazen gelingt den Red Hot Chili Peppers mit ihrem gleichnamigen Debüt eine Platte, die ihren viele Türen öffnen soll — auch wenn sie selbst gar nicht zufrieden damit sind. „Ich habe mich gefühlt, als wären wir zwischen zwei Spitzen im Tal des Kompromisses gelandet“, gibt Kiedis später zu Protokoll. „Ich habe mich nicht dafür geschämt, aber das Album klingt überhaupt nicht so wie unser Demo. Wir haben trotzdem das Beste daraus gemacht und nach vorne geschaut.“

Nach der Veröffentlichung und ersten Touraktivitäten kehrt Gitarrist Hillel Slovak zurück, es entsteht Freaky Styley, das 1985 erscheint. Für Platte Nummer drei, The Uplift Mojo Party Plan (1987) heuert sogar Jack Irons wieder als Drummer an. Damit findet die Chaotentruppe zusehends ihren ureigenen Sound, aber das sind mal wieder andere Geschichten…

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Zeitsprung: Am 24.9.1991 zelebrieren die Red Hot Chili Peppers „Blood Sugar Sex Magik“.

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