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Popkultur

Zeitsprung: Am 21.12.1970 trifft Elvis Richard Nixon und verpfeift die Beatles.

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Foto: National Archive/Newsmakers

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 21.12.1970.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Wo sich Musik und Politik vermischen, entsteht entweder große Kunst oder große Kontroverse. Elvis Presley juckt das am 21. Dezember 1970 nicht, als er Richard Nixon die Hand schüttelt. Der King lässt es sich außerdem nicht nehmen, seine Kollegen von den Beatles in die Pfanne zu hauen. Wie es seinerzeit zum „Meet & Greet“ kommt, schauen wir uns im heutigen Zeitsprung an.

Hört hier in die größten Hits des „King“ rein: 

Die Ereignisse, die zum Treffen dieser sehr berühmten Männer führen, kann man nur verwundert hinnehmen. Zunächst gibt es da diese Polizeimarken, die Elvis als Hobby sammelt. Er bekommt sie während seiner Touren zugesteckt und trägt über die Jahre einen hübschen Haufen zusammen, der auch heute noch in Graceland zur Schau steht. Unter den Abzeichen befinden sich Aufnäher und Sheriff-Sterne, doch das reicht einem Kaliber wie dem King nicht: Er hat die Drogenvollzugsbehörde im Blick, genauer: ihre Embleme und Insignien…

Zweifelhafte Ehre für einen Rebellen

Dort gibt es glücklicherweise einen Elvis-Fan, der sich gut vorstellen kann, diesen absurden Wunsch zur Realität zu machen. Egil „Bud“ Krogh Jr. arbeitet da schon unter Präsident Nixon, wenige Jahre später wandert er wegen seiner Beteiligung an der Watergate-Affäre ins Gefängnis. Als Elvis 1970 ziemlich unerwartet an die Pforten des weißen Hauses klopft, darf Krogh den Termin betreuen und sorgt letztlich dafür, dass der Musiker die begehrte Marke bekommt.

Besagtes unerwartetes Anklopfen seitens „The Pelvis“ war übrigens keineswegs eine Metapher, sondern ist wirklich passiert: Während eines Nachtfluges von Los Angeles nach Washington bringt der Jailhouse-Rock-Sänger einen sechsseitigen Brief zu Papier, in dem er seine möglichen Dienste für das weiße Haus anpreist. Die Drogen- und Hippie-Entwicklungen im Lande empfindet er als besorgniserregend und empfiehlt sich als perfekter Kandidat, um an die Gegenkultur zu appellieren: „Ich kann und werde Gutes ausrichten, wenn man mich zum Bundesagenten macht. Ich werde auf meine Weise helfen, indem ich mit Menschen allen Alters kommuniziere.“

Unangekündigter Besuch

Mit diesem Pamphlet bewaffnet fährt Elvis am 21. Dezember 1970 ohne Termin am weißen Haus vor und wird nach einigem Hin und Her hineingebeten. Die Krux: Nixon führte als ultrakonservativer Präsident den Vietnamkrieg fort und sollte später wegen Watergate vom Amt zurücktreten. Er steht für alles, wogegen Elvis einst mit kreisenden Hüften und Rock’n’Roll zu kämpfen schien. Das nun berühmte Foto vom Handschlag zwischen den beiden sorgt unter Fans für Entrüstung, aber Elvis legt noch einen obendrauf.

Der King lässt es sich nicht nehmen, die Beatles, deren Songs er eigentlich regelmäßig auf Konzerten spielt und die ihn schon in Graceland besuchten, anzuschwärzen. Vor dem Präsidenten stellt er die „Fab Four“ als Beispiel für anti-amerikanische Stimmungsmache dar. Laut einer Niederschrift von Krogh lässt er kein gutes Haar an den Briten: „Er sagte, die Beatles seien in unser Land gekommen, hätten ihr Geld gemacht und sich zurück in England gegen Amerika geäußert. Der Präsident nickte zustimmend.“ Auch der Drogenkonsum des Quartetts soll zur Sprache kommen, was der ewig ehrliche McCartney Jahre später trocken kommentiert: „Wir sollen Drogen genommen haben, aber schau dir doch an, wie es mit ihm zu Ende ging.“

Elvis’ Frau Priscilla erinnert sich später an den Nixon-Termin und die Gründe ihres Ehemannes, eine Marke der Drogenvollzugsbehörde anzufragen: „Das Abzeichen symbolisierte eine Art absolute Macht für ihn. Er glaubte, er könne damit jedes Land der Welt mit Waffen und Drogen im Gepäck bereisen.“ Das Abzeichen erhält der Sänger kurz nach dem Termin mit Nixon. Die Begegnung brennt sich dermaßen in das amerikanische Bewusstsein ein, dass es allerlei Abhandlungen in Büchern, interaktive Websites und ganzen Filmen darüber gibt. Das Foto des Moments bleibt bis heute das meistangeforderte Bild des amerikanischen Nationalarchivs.

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