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Popkultur

„Fight The Power“: So entstand der kämpferische Rap-Klassiker von Public Enemy

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Public Enemy während des Videodrehs zu "Fight The Power" 1989. Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Regisseur Spike Lee machte Fight The Power zum Kernstück seines Films Do The Right Thing – und bis heute zählt der Rap-Klassiker über Rassismus und Machtmissbrauch zu den wichtigsten Aufnahmen von Public Enemy.

von Jerry Barrow

Der bedeutendste zweite Versuch

Der Song Fight The Power von Public Enemy dürfte einer der wichtigsten Alternativvorschläge, ja vielleicht sogar „der bedeutendste zweite Versuch“ der Musikgeschichte sein – schließlich war die Sache eigentlich ganz anders geplant. Ursprünglich nämlich war als musikalisches Kernstück von Spike Lees Film Do The Right Thing eine Jazz-Neuinterpretation von Lift Every Voice And Sing vorgesehen, jener inoffiziellen „Nationalhymne der Schwarzen in den USA“, wobei die damaligen Rap-Könige Public Enemy auch bei diesem Stück eine zentrale Rolle spielen sollten. Für seinen Spielfilm, in dem unterschwelliger Rassismus an einem heißen Augusttag in Brooklyn offen zu Tage tritt und zur Katastrophe führt, hatte Regisseur Lee ursprünglich auch den Trompeter Terrence Blanchard dazu geholt, doch Hank Shocklee vom legendären Bomb Squad legte sein Veto ein, weil er fürchtete, dass Fans von P.E.-Klassikern wie Bring The Noise oder Night Of The Living Baseheads eine solche Version nicht mal ansatzweise gutheißen würden.

Stattdessen tauchte Chuck D, der Kopf der sozialkritischen Rap-Neudenker aus Long Island, in seine eigene Geschichte ein und erinnerte sich an seine Jugend in den Siebzigern, in denen er unter anderem mit dem Sound von den Isley Brothers aufgewachsen war. In deren Song namens Fight The Power war er genau genommen über sein erstes Schimpfwort in einem Musikstück gestolpert. In der aufgeheizten Atmosphäre nach der Ermordung von Michael Griffith, was sich immer noch auf die aggressive Grundstimmung in NYC auswirkte, kam Chuck zu der Überzeugung, dass es höchste Zeit für ein Update war – für einen Song, der „all den Bullshit, der so passiert“, ganz offen zur Sprache bringt.

Interview mit Public Enemy: „Wenn Trump wiedergewählt wird, stürzen wir in den Faschismus“

Public Enemy wurden zum Sprachrohr

Mit den Klartext-Ansagen ihres Debütalbums Yo! Bum Rush The Show (1987) und dem nicht weniger eindringlichen Nachfolger It Takes A Nation Of Millions To Hold Us Back aus dem Folgejahr, waren Public Enemy binnen kürzester Zeit zum wichtigsten Sprachrohr dieses neuen, radikalen und politischen Rap-Entwurfs avanciert. Chuck D selbst nannte das später „das CNN der Schwarzen“, und die Aura einer echten Institution umgab ihn und seinen Sidekick Flavor Flav wohl auch deshalb bereits an diesem Punkt, weil sie immerhin schon 26 waren, als sie Public Enemy gründeten.

Public Enemy machten Rap endgültig zum sozialkritischen Medium: Chuck Ds tiefe Radiomoderatoren-Stimme, kombiniert mit Flavor Flavs wilden, haarsträubenden Ad-lib-Einwürfen und nicht zuletzt den vielschichtigen, mit viel Noise gefütterten Produktionen des Bomb Squad. Noch eindringlicher konnte man eine Message gar nicht zum Ausdruck bringen.

Der Song

Fight The Power beginnt mit einem Auszug aus einer wutentbrannten Rede des Chicagoer Anwalts und Aktivisten Thomas „TNT“ Todd, der von Vietnam-Kriegsverweigerern spricht, die – in Anlehnung an eine Zigarettenwerbung aus jenen Tagen – lieber umsatteln würden, anstatt in den Kampf zu ziehen. Es ist der perfekte Auftakt für diesen vertonten Aufschrei, diesen Klassiker des Protest-Rap, in dem etliche Größen aus dem Kanon der schwarzen Musik zitiert werden. Der Bomb Squad bedient sich für die krasse Klangcollage nicht nur bei James Brown und Sly & The Family Stone, sondern auch bei Aaron Hall von der Gruppe Guy. Das Resultat war typisch Bomb Squad: hektisch, vielschichtig, ultradruckvoll – so unmissverständlich wie Chuck Ds Worte.

Insgesamt stand Fight The Power sogar für eine Gezeitenwende, denn die Kids der Achtziger, die viel zu lange vom R&B-Establishment – hier: Reagan und Bush – unterdrückt worden waren, sollten endlich einen vertonten Gegenentwurf zu hören bekommen.

„As the rhythm designed to bounce/ What counts/ is that the rhymes designed to fill your mind…“ – der Beat gibt den Rhythmus vor, was zählt, das sind die Reime, die den Geist der Zuhörerschaft inspirieren, so der Ansatz von Chuck, den er übrigens im Flugzeug verfasste. Er befand sich gerade im italienischen Luftraum, eingekesselt zwischen Mitgliedern von Run DMC. Doch selbst diese Distanz von mehreren tausend Meilen nahm seinen Worten nichts an Dringlichkeit, dafür hatte er einfach zu viel Druck aus dem New Yorker Kessel in sich angestaut. Die Verhaftung der Central Park Five und die vielen anderen Skandale der Zeit davor hatten seine Ansichten über die Glaubwürdigkeit der Justiz und das Ausmaß von institutionalisiertem Rassismus lange genug geprägt.

Am bekanntesten ist dabei wohl die dritte Strophe des vertonten Wutausbruchs, in der Chuck mit der Vorgängergeneration abrechnet und es dabei insbesondere auf einstige Helden wie Elvis und John Wayne abgesehen hat. Stattdessen stellte er über der hypnotischen Produktion ein für alle Mal klar, dass seine Helden andere waren – und dass er nicht aufhören würde mit dem Krawall, bis auch einige dieser anderen Ikonen, die so wichtig waren für ihn und seine Generation, an der Wand hängen und Teil des Kanons werden würden.

Das Vermächtnis

Nachdem der Song schließlich in den New Yorker Greene Street Studios aufgenommen worden war, erschien Fight The Power zunächst auf dem Soundtrack zu Do The Right Thing: Diese Version, inklusive Saxofon-Einlagen von Branford Marsalis, war im Kinofilm hinterher locker 15 Mal zu hören. Außerdem fungierte das Stück als Schlusspunkt ihres dritten Studioalbums Fear Of A Black Planet, das 1990, also im Jahr danach, erschien. Das Video zur Albumversion entstand ebenfalls unter der Regie von Spike Lee – und natürlich in derselben Straße von Bedford-Stuyvesant, in der auch sein Film spielt. 1991 konnten P.E. den Song sogar live im US-Fernsehen präsentieren, in der Show In Living Color vom Sender Fox. Und im Sommer 1999 verneigte sich schließlich sogar Pop-Ikone Prince mit einer Coverversion von Fight The Power.

Wie zeitlos und relevant die Message von Fight The Power bis heute ist, belegt ihr Auftritt bei den BET Awards 2020, wo Chuck D und Flavor Flav ihren Schlachtruf mit Unterstützung von Nas, Rapsody und Black Thought in Form eines Updates zum Ausdruck brachten – nunmehr im Zeichen von Black Lives Matter. Ein wahrlich generationenübergreifender Schulterschluss, schließlich waren viele Anhänger*innen von BLM noch gar nicht auf der Welt, als Chuck D, Flavor Flav, Terminator X, Professor Griff und die Security of the First World in den späten Achtzigern auf den Plan traten – und Hip-Hop ein für alle Mal politisch machten.

Und selbst wenn die Lift Every Voice-Hymne von James Weldon Johnson ursprünglich nicht zu den Einflüssen von Fight The Power zählte, konnte deren Kernaussage schließlich gerade deshalb über Jahrzehnte weiterleben, weil Public Enemy die Vorlage verwarfen, deren Kern neu dachten – und die Sache in die Sprache einer jüngeren Generation übersetzten.

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5 Wahrheiten über Public Enemy

 

Popkultur

Meilenstein im Blitztempo: Wie Big Mama Thornton mit „Hound Dog“ einen Grundstein des Rock’n’Roll legte

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Big Mama Thornton
Foto: Jim Barron/Redferns/Getty Images

Geschrieben in 15 Minuten, aufgenommen am nächsten Tag und für immer ein Teil der Rockgeschichte: Mit Hound Dog landete Big Mama Thornton nicht nur ihren größten Hit, sondern leistete auch einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Rock’n’Roll. Ein Künstler feierte mit dem Song allerdings noch größere Erfolge.

Hier könnt ihr euch einige der besten Songs von Big Mama Thornton anhören:

„You ain’t nothin’ but a hound dog“: Noch heute steht diese Zeile für die energiegeladenen Anfangstage des Rock’n’Roll. Geschrieben wurde die Nummer allerdings nicht für Elvis Presley, der mit dem Song einen der größten Hits seiner erstaunlichen Karriere landete. Nein, eigentlich komponierten die beiden Songschreiber Jerry Leiber und Mike Stoller das Stück für Willie Mae „Big Mama“ Thornton — und zwar in Rekordzeit. „Für Hound Dog haben wir etwa zwölf bis 15 Minuten gebraucht“, berichtet Leiber 1990 in einem Interview mit dem Rolling Stone. „Der Song ist nicht sonderlich kompliziert.“ Doch wie kam es eigentlich zu der Zusammenarbeit zwischen Leiber, Stoller und Thornton?

Wir schreiben den 12. August 1952. Bandleader und Musikproduzent Johnny Otis hat die 19-jährigen Songschreiber Leiber und Stoller zu sich nach Hause eingeladen, damit sie Big Mama Thornton kennenlernen können. Das Duo hört der Sängerin bei einer Probe zu und Otis fragt, ob die Zwei einen Song für Thornton schreiben können. Noch am selben Nachmittag entsteht Hound Dog. „Sie war eine wunderbare Blues-Sängerin mit einem großartigen anklagenden Stil“, schwärmt Stoller im Rolling-Stone-Interview von Thornton. „Es war aber nicht nur ihr Stil, sondern auch ihr Aussehen, das Hound Dog beeinflusst hat, und uns auf die Idee gebracht hat, dass sie den Song eher brummen soll.“

„Erzähl mir nicht, wie ich den Blues zu singen habe.“

Schon am nächsten Tag steht Thornton im Studio und singt das Stück ein. Die Produktion übernehmen Leiber und Stoller zum ersten Mal selbst. „Wir haben uns Sorgen gemacht, weil der vorherige Schlagzeuger nicht das gleiche Gefühl rüberbrachte wie Otis bei den Proben“, erklärt Stoller in der Autobiografie des Komponistenpaares. „Jerry fragte Johnny, ob er nicht das Schlagzeug einspielen kann. ‚Niemand bringt diesen Groove so auf den Punkt wie du‘, sagte er. Johnny fragte: ‚Und wer betreut die Aufnahme-Session?‘ Stille. ‚Ihr Zwei?‘, fragte er. ‚Die Kids betreuen die Aufnahme?’ Ich sagte: ‚Klar. Die Kids haben es geschrieben. Also lass es die Kids tun.’ Johnny grinste und sagte: ‚Warum nicht?‘“

Bei den Proben geraten die Songschreiber und Thornton aneinander. Leiber und Stoller möchten, dass die Sängerin das Stück ein wenig anders umsetzt, nehmen ihren Mut zusammen und weisen sie darauf hin. Mit ihrer Größe von etwa 1,80 Metern, einem Gewicht von 115 Kilo und zahlreichen Narben im Gesicht macht Thornton ihrem Spitznamen „Big Mama“ alle Ehre, schaut die beiden Komponisten kühl an und sagt: „Weißer Junge, erzähl mir nicht, wie ich den Blues zu singen habe.“ Touché. Trotz der Unstimmigkeiten finden Thornton, Leiber und Stoller einen Kompromiss und erschaffen die Aufnahme, die Generationen an Rock’n’Roll-Musiker*innen beeinflussen wird.

Hound Dog: Ein Rock’n’Roll-Standard für die Geschichtsbücher

Zu diesen Rock’n’Rollern zählt auch ein junger Mann namens Elvis Presley, der zwei Jahre später seinen ersten Hit That’s All Right aufnimmt. Mit seiner Version von Hound Dog landet der „King“ weitere zwei Jahre später einen der größten Erfolge seiner Karriere. Er verändert dazu einiges an dem Stück, ob in musikalischer oder lyrischer Hinsicht. „Alles wirkte unfassbar nervös, zu schnell, zu weiß“, findet Stoller. „Aber wissen Sie, nachdem sich die Single sieben oder acht Millionen Mal verkauft hatte, klang sie besser.“ Die erste Aufnahme des Songs wird immer die von Big Mama Thornton bleiben — und die steht noch heute für die aufregenden Anfangstage des Rock ‘n‘ Roll.

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Die frühen Frauen des Rock’n’Roll: Wichtig, aber übersehen

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Popkultur

Zeitsprung: Am 13.8.1999 veröffentlichen Kiss den Film „Detroit Rock City“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 13.8.1999.

von Christof Leim

Einmal sind Kiss mit einem Filmprojekt schon auf die geschminkten Nasen gefallen: 1978 verfehlten die damaligen Superstars mit Kiss Meets The Phantom Of The Park ihr Ziel der crossmedialen Weltherrschaft ziemlich deutlich (wie man hier im Detail nachlesen kann). Zwei Dekaden später versuchen sie es erneut: Am 13. August 1999 startet Detroit Rock City in den Kinos – und erweist sich als Comedy-Trash mit viel Siebziger-Vibe…

Detroit Rock City (der Film) schlägt gewissermaßen eine Brücke zwischen zwei Hochphasen von Kiss: Er entsteht 1999, als die Band dank der Reunion der Originalbesetzung wieder zu den größten Geldverdienern im internationalen Rock’n’Roll-Zirkus zählt. Die Handlung des Streifens wiederum spielt 1978, als Kiss vor allem in den USA zu einem kulturellen Phänomen geworden sind und auf einer beeindruckenden Welle des Erfolges reiten. Die Burschen veröffentlichen im September 1978 sogar am gleichen Tag vier Soloalben.

Die Handlung ist schnell umrissen: Vier Kumpels namens Hawk, Lex, Trip und Jam lieben Kiss (wie so ziemliche alle US-Teenager der Siebziger) und spielen sogar in ihrer eigenen Coverband, um ihren Helden zu huldigen. Die wiederum sind für ein großes Konzert in Detroit (wo sonst?) angekündigt, Tickets dafür haben die Jungs bereits am Start – bis die ultrareligiöse Mutter von Jam dahinterkommt und die Eintrittskarten kurzerhand verbrennt. Klar, denn Kiss steht ja bekanntermaßen für „Knights In Satanic Service“.

Also suchen sich die Vier anderweitig Zutritt zur Show und eine Möglichkeit, überhaupt nach Detroit zu kommen. Bis sie Kiss mit Feuer und Explosionen live erleben, müssen sie sich mit Discoschnöseln und Pfarrern rumschlagen, werden vermöbelt, bestohlen, übers Ohr gehauen und zerlegen eine Damentoilette (Ladies Room, get it?). Einer tritt zwischendurch in einem Stripclub auf, der nächste knutscht in einem Beichtstuhl (mit einem Mädel namens Beth, klar), ein anderer wird von einer älteren Lady entjungfert, die von Gene Simmons’ Ehefrau Shannon Tweed gespielt wird. Und Jam geigt seiner konservativen Mutter die Meinung. Dass dazwischen einiges an Mobiliar zu Bruch geht, versteht sich von selbst.

Die Regie übernimmt Adam Rifkin, als Produzent fungiert Gene Simmons, und alle vier Kiss-Musiker treten bei der großen Show am Ende auf. Einige der Schauspieler kennt man ebenfalls: Edward Furlong („Hawk“) spielte in Terminator 2, Natasha Lyonne („Christine“) gehört zur Besetzung von Orange Is The New Black. In den weiteren Hauptrollen: Sam Huntington, Giuseppe Andrews und James DeBello.

Neue cineastische Höhen erklimmt Detroit Rock City damit nicht, sondern erweist sich als überdrehter Klamauk in „bester“ Tradition des Ramones-Streifens Rock’n’Roll High School. Allerdings bietet das bei entsprechender Affinität zu Trash, Seventies und Kiss durchaus einen Unterhaltungswert. Das reicht für einen gewissen Kultstatus, doch geschäftlich ist das Projekt ein formidabler Flop: 17 Millionen US-Dollar soll es gekostet haben, knappe sechs spielt es ein. Nach dem Kinostart am 13. August 1999 kommt schon im Dezember des gleichen Jahres die Homevideo-Variante. 

Der Soundtrack indes macht Spaß, vor allem wegen cooler Coverversionen. So spielen Pantera Cat Scratch Fever (was sogar als Single veröffentlicht wird), Everclear covern The Boys Are Back In Town, Drain STH machen 20th Century Boy zur Doom-Nummer, und die Donnas rocken Strutter. Lediglich der Versuch von Marilyn Manson, sich des AC/DC-Manifests Highway To Hell anzunehmen, darf wegen völliger Seelenlosigkeit als erschreckendes, aber glücklicherweise fast vergessenes Verbrechen der Musikgeschichte betrachtet werden. Dazu gibt es Klassiker von Van Halen, Black Sabbath, Cheap Trick, Bowie und The Sweet, noch zwei Kiss-Gassenhauer (Shout It Out Loud, Detroit Rock City) und sogar einen neuen Song unserer liebsten Schminkemonster. Nothing Can Keep Me From You läuft während der Credits und drückt ordentlich auf die Tränendrüse. Geschrieben hat ihn Hitkomponistin Diane Warren, Paul Stanley singt (ziemlich gut), ansonsten spielt keiner der Band mit. (Es soll lediglich Ex-Gitarrist Bruce Kulick den Bass übernommen haben.) Braucht man nicht.

Überhaupt lässt die Stimmung im Line-up damals schon zu wünschen übrig, nicht zuletzt wegen dieses Films, wie Ace Frehley und Peter Criss in ihren Autobiografien berichten. Vor allem Ace kann es Gene nicht verzeihen, dass eine Szene mit seiner Tochter Monique angeblich absichtlich rausgeschnitten wird. Aber das sind mal wieder andere Geschichten.

Interview: Kiss zum Abschied: „Es wird schmerzhaft und schön!“

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Popkultur

Zeitsprung: Am 12.8.1949 kommt Mark Knopfler (Dire Straits) zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 12.8.1949.

von Christof Leim

Songs schreiben kann der Mann. Und ziemlich gut Gitarre spielen. Deshalb erobert Mark Knopfler zuerst als Kopf der Dire Straits die Welt und brilliert danach als Solokünstler. Am 12. August feiert er Geburtstag.

Zur Lektüre gibt’s hier Knopflers Album Down The Road Wherever:

Zunächst will der in Glasgow geborene Mark Knopfler erstmal etwas Vernünftiges machen: Er studiert Journalismus. „Der Plan war, so Geld zu verdienen und Musik als schönes Hobby auszuleben“, erzählt er 2009 in einem Interview. Er arbeitet sogar in diesem Beruf, macht einen Abschluss in Englisch und geht als Dozent an die Universität. Dabei spielt Knopfler aber immer in Bands, die zum Beispiel Brewers Droop oder Café Racers heißen. Vor allem aber schreibt er von Anfang an Songs und entwickelt einen Stil, der sich von anderen unterscheidet: Er benutzt kein Plektrum, sondern spielt seine Gitarre mit den Fingern, was vor allem im Country verbreitet ist und ihm andere Licks als die der gängigen Rockgitarristen ermöglicht. Seine Einflüsse liegen daneben im Rock und Swing, mit bisschen Blues, wie es sich gehört.

Mark Knopfler 1979 – Pic: Klaus Hiltscher/Wiki Commons

So schlägt sich Mark Knopfler Mitte der Siebziger durch die Pubs von London. Er singt und spielt Gitarre, mit dabei sind sein Bruder David an der zweiten Gitarre sowie Bassist John Illsley. Zusammen gründen sie die Band, mit der Knopfler berühmt werden wird: die Dire Straits. Der ersten Demos entstehen 1977, da ist unser Mann schon Ende 20. Auf den ersten Aufnahmen findet sich bereits ein musikalischen Kleinod namens Sultans Of Swing. Kennt man, muss man kennen.

1978 folgt das erste Album Dire Straits, doch ärgerlicherweise gerät die Musikwelt davon nich in Ekstase. Dann allerdings erscheint Sultans Of Swing als Single. Das wunderbare Lied mit dem Text über eine Feierabendband rollt langsam, aber stetig die Charts auf, zunächst in Europa, dann in Nordamerika. Die Dire Straits sind bereit, und sie starten durch: In rascher Abfolge erscheinen Communiqué (1979), Making Movies (1980) und Love Over Gold (1982) und verkaufen sich gut. 

Die Songs darauf stammen samt und sonders von Mark Knopfler, der gerne kleine Geschichten erzählt und eine höchst geschmackvolle Gitarrenarbeit zelebriert. Zwischendurch schreibt er noch Filmmusik, taucht auf einem Bob-Dylan-Album auf, produziert und schreibt Lieder für andere Leute, unter anderem für Private Dancer, das immens erfolgreiche Comeback von Tina Turner 1984.

Richtig ab geht es dann mit Brothers In Arms 1985, das zum internationalen Megahit wird.  Die Songs darauf kennt wirklich jeder: Money For Nothing, Walk Of Life, So Far Away und natürlich das einfühlsame Titelstück. Dire Straits sind jetzt Superstars, allen voran Mark Knopfler. Die nächsten beiden Jahre verbringt die Truppe auf der Straße und fährt einen Erfolg nach dem anderen ein. Dem Chef wird das aber alles zu groß und zu viel. Zunächst gibt es eine Pause, 1988 verkündet Knopfler die Auflösung der Dire Straits.  

Musik machen will er weiterhin, aber eben in kleinerem Rahmen ohne die massiven Erwartungen und Verpflichtungen. Seine nächste Band The Notting Hillbillies jedenfalls widmet sich US-amerikanischer Roots-Musik wie Folk, Blues und Country, alles viel unspektakulärer, vermutlich (oder hoffentlich) genauso befriedigend. Ein Album erscheint 1990, es trägt den schönen Titel Missing…Presumed Having a Good Time. Eine kleine Runde dreht unser Mann mit den Dire Straits aber noch: Im September 1991 kommt mit On Every Street doch noch ein Album, doch unweigerlich folgende Mega-Welttour sorgt dann dafür, dass die Band 1995 endgültig aufgelöst wird.

Mark Knopfler startet darauf eine Solokarriere, seit 1996 erscheinen in lockerer Folge fast ein Dutzend Soloalben: Golden Heart, Sailing To Philadelphia, The Ragpicker’s Dream, Shangri-La, Kill To Get Crimson, Get Lucky, Privateering, Tracker und Down The Road Wherever. Damit feiert er in aller Welt Erfolge, jedoch weit entfernt von der Megalomanie der Achtziger. Zudem kollaboriert er mit unzähligen anderen Künstlern, etwa Emmylou Harris, tourt mit Bob Dylan und beschäftigt sich oft und gerne mit Country. Bei seinen eigenen Konzerten geht es mittlerweile nur um die Musik, große Produktion braucht der Mann nicht mehr. Auf der Bühne trinkt er Tee. Nach einer Dire-Straits-Reunion steht dem musikalischen Kopf der Sinn so gar nicht, nicht mal bei der Einführung der Band in die Rock And Roll Hall Of Fame 2018 taucht er auf.

Songwriter, Meistergitarrist und Geschichtenerzähler: Mark Knopfler 2018 – Pic: Derek Hudson

Sein Privatleben behält Knopfler für sich, Interviews gibt es nicht viele. Er ist zum dritten Mal verheiratet, Vater von vier Kindern, Fan des Newcastle FC und Sammler von Sportwagen. Auf seinen letzten Touren denkt er laut darüber nach, sich zur Ruhe zu setzen und kündigt explizit sogar seinen Abschied von der Bühne, spielt aber nach eigenen Aussagen zu gerne. Hoffen wir, dass das so bleibt. Alles Gute zum Geburtstag, Mr. Knopfler!

Zeitsprung: Am 29.3.1979 landet Mark Knopfler auf einem Bob-Dylan-Album.

 

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