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Popkultur

Zeitsprung: Am 6.6.1985 spielen erstmals die klassischen Guns N’ Roses & gehen auf „Hell Tour“.

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Ladies & gentlemen, Guns N' Roses - Foto: Universal

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.6.1985.

von Christof Leim

Am 6. Juni 1985 steht die klassische Besetzung von Guns N’ Roses zum ersten Mal auf einer Bühne, danach wollen Axl, Slash, Izzy, Duff und Steven Konzerte an der Westküste spielen. Das geht gründlich schief. Aber die Band zieht durch. Heute nennen sie das die „Hell Tour“.

Hier könnt ihr hören, was Guns N’ Roses später hinbekommen haben:

Anfangs geht es ja ein bisschen hin und her bei der zukünftigen Mega-Band. Vereinfacht gesagt kommen zwei Kapellen zusammen, L.A. Guns und Hollywood Rose. Der neue Name liegt auf der Hand: Guns N’ Roses. Andere Optionen wie Heads Of Amazon und AIDS werden glücklicherweise aussortiert. Da sind unsere bekannten Helden, die später mit Appetite For Destruction eines der besten Rock’n’Roll-Alben aller Zeiten raushauen sollten, noch gar nicht alle am Start.

Anfänge in Hollywood

Zum Aufgebot gehören Sänger Axl Rose, die Gitarristen Tracii Guns und Izzy Stradlin, Bassist Ole Beich und Schlagzeuger Rob Gardner. Am 26. März 1985 spielt dieser Haufen ein erstes Konzert im Troubadour auf dem Sunset Strip. Kurz darauf wird Ole Beich, ein Däne, der sogar mal bei Mercyful Fate mitgemischt hatte, gefeuert. Für ihn kommt Duff McKagan, ein Punk-Rocker aus Seattle. Beichs weitere Geschichte endet tragisch: Er ertrinkt 1991 mit 36 Jahren in einem See in Kopenhagen.

Dieser Flyer zeigt die allererste Besetzung von Guns N’ Roses.

Die neue Mannschaft spielt ein paar Shows in Kalifornien, doch als Tracii irgendwann nicht zu einigen Proben erscheint, zweifeln Axl und Izzy seine Hingabe an und ersetzen ihn durch ihren zeitweiligen Hollywood-Rose-Kollegen Saul Hudson, der nur Slash genannt wird. Der hatte sogar mal bei den sehr glam-igen Glam-Rockern Poison vorgespielt, konnte sich mit der Musik und viel zu viel Make-up aber nicht so recht anfreunden. 

Tausende Kilometer. Egal.

Es ist Sommer 1985, und Guns N’ Roses wollen es wissen. Duff bucht für Anfang Juni eine Handvoll Konzerte an der Westküste bis hoch nach Seattle, alles kleine Shows, alles selbstorganisiert, Punk Rock eben. „Low Budget“ wäre schön, aber dafür reicht es nicht. Deshalb: „No Budget“. Dass sie für die Reise von L.A. nach Seattle und zurück einschließlich Portland, Eugene, Sacramento und San Francisco über 3800 Kilometer abreißen müssen, stört die Jungs nicht. Die meisten von ihnen zumindest: Rob Gardner hält wenig davon und verlässt die Band.

Die erste Show der Guns N’ Roses, wie wir sie kennen, am 6. Juni 1985 – Quelle: www.gnrontour.com

Ein neuer Schlagzeuger wird schnell gefunden in Steven Adler, mit dem Slash schon bei Road Crew gespielt und der auch zum letzten Aufgebot von Hollywood Rose gehört hatte. Damit steht am 4. Juni das klassische Line-up von Guns N’ Roses: W. Axl Rose, Slash, Izzy Stradlin, Duff McKagan und Steven Adler. Zwei Tage später, am 6. Juni 1985 spielt dieses ikonische Quintett im Troubadour in West Hollywood zum ersten Mal einen Gig. Werbeslogan: „A Rock’n’Roll bash were everyone’s smashed“. Die zukünftigen Megastars eröffnen den Abend als erste von drei Bands.

Per Anhalter zum Ruhm

Direkt im Anschluss geht es los auf große Fahrt. Wie genau die abläuft, scheint in Wirren und Wahnsinn der GNR-Geschichte verloren gegangen zu sein. Die Autobiografien von Slash und Duff jedenfalls widersprechen sich in Details, sonstige Quellen schildern noch ganz andere Zeitabläufe. Fest steht, dass die Band mit zwei Kumpels namens Danny und Joe loszieht, von denen einer ein Auto besitzt (Slash sagt Oldsmobile, Duff sagt Buick LeSabre). Das Gefährt muss nicht nur sieben Kerle transportieren, sondern noch einen Anhänger für das Equipment. Und so gibt die Karre nach weniger als 200 Kilometern auf der Interstate 5 den Geist auf. Doch die Regel Nummer eins im Geschäft mit Reise-Rock’n’Roll lautet: „Get to the gig.“ Also packen sich die Musiker nur die Gitarren – und halten ihre Daumen raus. Ja, die großen Guns N’ Roses starten ihre erste Tour als Anhalter. Die Kumpels sollen sich derweil um die Reparatur des Fahrzeugs kümmern und später wieder dazustoßen.

Nach 40 Stunden angekommen: GNR in Seattle

Die nächste Show soll am 8. Juni, einem Samstag, in Seattle zusammen mit Duffs ehemaliger Band The Fastbacks stattfinden, zumindest laut alter Flyer und diversen Listen mit frühen Tourdaten der Truppe. Duff schreibt in seinem Buch It’s So Easy (And Other Lies) allerdings, dass die wilden Fünf an diesem 8. Juni erst aufgebrochen seien. Geschenkt, denn so oder so liegen noch weit über 1500 Kilometer vor den fünf Langhaarigen in Lederklamotten. Die will natürlich so niemand mitnehmen. Es dauert Stunden, bis sie zunächst von einem Speed-schluckenden Trucker, dann von einem Farmer mit Uralt-Van und schließlich von zwei Hippie-Mädels auf Acid aufgesammelt werden. Weil keiner Geld in der Tasche trägt, bedienen sich die Musiker an Karotten und Zwiebeln von Feldern neben der Straße. Aber sie ziehen durch und spielen schließlich in Seattle mit geliehenen Verstärkern und Drums ihre erste Show außerhalb von Los Angeles. Ein großer Erfolg – allerdings sind kaum Leute gekommen, zwei, drei Dutzend vielleicht.

Gagenstreit & Brandstiftung

Zu allem Unglück will der Veranstalter nicht bezahlen und muss „überredet“ werden. Duff und Axl versuchen sogar, den Laden abzufackeln und zünden einen Mülleimer an. Glücklicherweise können sie die Rockerei besser als Brandstiftung. Die beste Anekdote, die Duff sogar in seinen Erinnerungen bestätigt: Guns N’ Roses ziehen nachts noch weiter in einen anderen Laden und wollen dort auf dem Equipment einer lokalen Kapelle spielen, die der Bassist aus seiner Zeit in Seattle noch kennt. Doch die Jungs geben ihre Sachen nicht aus der Hand. Der Name der Band: Soundgarden.

Danny und Joe vermelden derweil, dass das Fahrzeug nicht zu retten ist und sie mit den Instrumenten nach L.A. zurückkehren müssen. Spätestens damit fällt der Rest der geplanten Konzerte aus. (Sollte Duffs Zeitrechnung stimmen und die Band erst am 12. in Seattle aufgetreten sein, dann sind die anderen Termine schon vorher, also während der Anhalterfahrt, verstrichen. So oder so: Von der Minitour bleibt nur ein Konzert übrig.)

Gefühlt triumphale Rückkehr

Doch wie sollen unsere Helden zurück nach Hollywood kommen? Glücklicherweise erklärt sich eine Kumpeline von Duff aus der Punk-Szene Seattles bereit, die Jungs bis nach Los Angeles zurückzufahren, was natürlich auch wieder ewig dauert. Doch die fünf Musiker fühlen sich wie Sieger, als sie zurückkehren: Sie haben es durchgezogen und wissen, dass sie sich von nichts stoppen lassen. 

Guns N’ Roses sind auf der „Hell Tour“ zu einer Gang zusammengewachsen. Oder wie Duff es ausdrückt: „Dieser Trip hat gezeigt, zu was wir fähig sind und was wir auf uns nehmen können und werden, um unsere Ziele als Band zu erreichen.“ Und die erreichen sie auch, und wie. Aber das ist mal wieder eine andere Geschichte…

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