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Popkultur

Zeitsprung: Am 6.6.1985 spielen erstmals die klassischen Guns N’ Roses & gehen auf „Hell Tour“.

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Ladies & gentlemen, Guns N' Roses - Foto: Universal

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.6.1985."

von Christof Leim

Am 6. Juni 1985 steht die klassische Besetzung von Guns N’ Roses zum ersten Mal auf einer Bühne, danach wollen Axl, Slash, Izzy, Duff und Steven Konzerte an der Westküste spielen. Das geht gründlich schief. Aber die Band zieht durch. Heute nennen sie das die „Hell Tour“.

Hier könnt ihr hören, was Guns N’ Roses später hinbekommen haben:

Anfangs geht es ja ein bisschen hin und her bei der zukünftigen Mega-Band. Vereinfacht gesagt kommen zwei Kapellen zusammen, L.A. Guns und Hollywood Rose. Der neue Name liegt auf der Hand: Guns N’ Roses. Andere Optionen wie Heads Of Amazon und AIDS werden glücklicherweise aussortiert. Da sind unsere bekannten Helden, die später mit Appetite For Destruction eines der besten Rock’n’Roll-Alben aller Zeiten raushauen sollten, noch gar nicht alle am Start.

Anfänge in Hollywood

Zum Aufgebot gehören Sänger Axl Rose, die Gitarristen Tracii Guns und Izzy Stradlin, Bassist Ole Beich und Schlagzeuger Rob Gardner. Am 26. März 1985 spielt dieser Haufen ein erstes Konzert im Troubadour auf dem Sunset Strip. Kurz darauf wird Ole Beich, ein Däne, der sogar mal bei Mercyful Fate mitgemischt hatte, gefeuert. Für ihn kommt Duff McKagan, ein Punk-Rocker aus Seattle. Beichs weitere Geschichte endet tragisch: Er ertrinkt 1991 mit 36 Jahren in einem See in Kopenhagen.

Dieser Flyer zeigt die allererste Besetzung von Guns N’ Roses.

Die neue Mannschaft spielt ein paar Shows in Kalifornien, doch als Tracii irgendwann nicht zu einigen Proben erscheint, zweifeln Axl und Izzy seine Hingabe an und ersetzen ihn durch ihren zeitweiligen Hollywood-Rose-Kollegen Saul Hudson, der nur Slash genannt wird. Der hatte sogar mal bei den sehr glam-igen Glam-Rockern Poison vorgespielt, konnte sich mit der Musik und viel zu viel Make-up aber nicht so recht anfreunden. 

Tausende Kilometer. Egal.

Es ist Sommer 1985, und Guns N’ Roses wollen es wissen. Duff bucht für Anfang Juni eine Handvoll Konzerte an der Westküste bis hoch nach Seattle, alles kleine Shows, alles selbstorganisiert, Punk Rock eben. „Low Budget“ wäre schön, aber dafür reicht es nicht. Deshalb: „No Budget“. Dass sie für die Reise von L.A. nach Seattle und zurück einschließlich Portland, Eugene, Sacramento und San Francisco über 3800 Kilometer abreißen müssen, stört die Jungs nicht. Die meisten von ihnen zumindest: Rob Gardner hält wenig davon und verlässt die Band.

Die erste Show der Guns N’ Roses, wie wir sie kennen, am 6. Juni 1985 – Quelle: www.gnrontour.com

Ein neuer Schlagzeuger wird schnell gefunden in Steven Adler, mit dem Slash schon bei Road Crew gespielt und der auch zum letzten Aufgebot von Hollywood Rose gehört hatte. Damit steht am 4. Juni das klassische Line-up von Guns N’ Roses: W. Axl Rose, Slash, Izzy Stradlin, Duff McKagan und Steven Adler. Zwei Tage später, am 6. Juni 1985 spielt dieses ikonische Quintett im Troubadour in West Hollywood zum ersten Mal einen Gig. Werbeslogan: „A Rock’n’Roll bash were everyone’s smashed“. Die zukünftigen Megastars eröffnen den Abend als erste von drei Bands.

Per Anhalter zum Ruhm

Direkt im Anschluss geht es los auf große Fahrt. Wie genau die abläuft, scheint in Wirren und Wahnsinn der GNR-Geschichte verloren gegangen zu sein. Die Autobiografien von Slash und Duff jedenfalls widersprechen sich in Details, sonstige Quellen schildern noch ganz andere Zeitabläufe. Fest steht, dass die Band mit zwei Kumpels namens Danny und Joe loszieht, von denen einer ein Auto besitzt (Slash sagt Oldsmobile, Duff sagt Buick LeSabre). Das Gefährt muss nicht nur sieben Kerle transportieren, sondern noch einen Anhänger für das Equipment. Und so gibt die Karre nach weniger als 200 Kilometern auf der Interstate 5 den Geist auf. Doch die Regel Nummer eins im Geschäft mit Reise-Rock’n’Roll lautet: „Get to the gig.“ Also packen sich die Musiker nur die Gitarren – und halten ihre Daumen raus. Ja, die großen Guns N’ Roses starten ihre erste Tour als Anhalter. Die Kumpels sollen sich derweil um die Reparatur des Fahrzeugs kümmern und später wieder dazustoßen.

Nach 40 Stunden angekommen: GNR in Seattle

Die nächste Show soll am 8. Juni, einem Samstag, in Seattle zusammen mit Duffs ehemaliger Band The Fastbacks stattfinden, zumindest laut alter Flyer und diversen Listen mit frühen Tourdaten der Truppe. Duff schreibt in seinem Buch It’s So Easy (And Other Lies) allerdings, dass die wilden Fünf an diesem 8. Juni erst aufgebrochen seien. Geschenkt, denn so oder so liegen noch weit über 1500 Kilometer vor den fünf Langhaarigen in Lederklamotten. Die will natürlich so niemand mitnehmen. Es dauert Stunden, bis sie zunächst von einem Speed-schluckenden Trucker, dann von einem Farmer mit Uralt-Van und schließlich von zwei Hippie-Mädels auf Acid aufgesammelt werden. Weil keiner Geld in der Tasche trägt, bedienen sich die Musiker an Karotten und Zwiebeln von Feldern neben der Straße. Aber sie ziehen durch und spielen schließlich in Seattle mit geliehenen Verstärkern und Drums ihre erste Show außerhalb von Los Angeles. Ein großer Erfolg – allerdings sind kaum Leute gekommen, zwei, drei Dutzend vielleicht.

Gagenstreit & Brandstiftung

Zu allem Unglück will der Veranstalter nicht bezahlen und muss „überredet“ werden. Duff und Axl versuchen sogar, den Laden abzufackeln und zünden einen Mülleimer an. Glücklicherweise können sie die Rockerei besser als Brandstiftung. Die beste Anekdote, die Duff sogar in seinen Erinnerungen bestätigt: Guns N’ Roses ziehen nachts noch weiter in einen anderen Laden und wollen dort auf dem Equipment einer lokalen Kapelle spielen, die der Bassist aus seiner Zeit in Seattle noch kennt. Doch die Jungs geben ihre Sachen nicht aus der Hand. Der Name der Band: Soundgarden.

Danny und Joe vermelden derweil, dass das Fahrzeug nicht zu retten ist und sie mit den Instrumenten nach L.A. zurückkehren müssen. Spätestens damit fällt der Rest der geplanten Konzerte aus. (Sollte Duffs Zeitrechnung stimmen und die Band erst am 12. in Seattle aufgetreten sein, dann sind die anderen Termine schon vorher, also während der Anhalterfahrt, verstrichen. So oder so: Von der Minitour bleibt nur ein Konzert übrig.)

Gefühlt triumphale Rückkehr

Doch wie sollen unsere Helden zurück nach Hollywood kommen? Glücklicherweise erklärt sich eine Kumpeline von Duff aus der Punk-Szene Seattles bereit, die Jungs bis nach Los Angeles zurückzufahren, was natürlich auch wieder ewig dauert. Doch die fünf Musiker fühlen sich wie Sieger, als sie zurückkehren: Sie haben es durchgezogen und wissen, dass sie sich von nichts stoppen lassen. 

Guns N’ Roses sind auf der „Hell Tour“ zu einer Gang zusammengewachsen. Oder wie Duff es ausdrückt: „Dieser Trip hat gezeigt, zu was wir fähig sind und was wir auf uns nehmen können und werden, um unsere Ziele als Band zu erreichen.“ Und die erreichen sie auch, und wie. Aber das ist mal wieder eine andere Geschichte…

Zeitsprung: Am 30.5.1997 stirbt West Arkeen, der sechste Mann bei Guns N’ Roses.

 

Popkultur

PJ Harveys Debüt „Dry“ wird 30: Die Wiedergeburt der Patti Smith

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PJ Harvey
Foto: Getty Images

Berstend intensiv, körperlich, kompromisslos: Vor 30 Jahren peitscht uns eine junge, unverfrorene PJ Harvey ihr wegweisendes Debüt Dry um die Ohren. Mitten im Grunge-Bohei wird die Welt Zeuge einer englischen Kulturrevolution.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Dry von PJ Harvey anhören:

Musik und Bildende Kunst gingen für Polly Jean Harvey schon immer Hand in Hand. Die 1969 in Bridport an der südenglischen Küste geborene Sängerin, Künstlerin und Multiinstrumentalistin lernt früh Gitarre und Saxofon, kultiviert aber auch ein ausgewachsenes Interesse an visueller Kunst. Dennoch gibt sie in den Achtzigern erst mal der Musik den Vorzug: Sie spielt in einer Instrumental-Combo und in einer Folk-Band, ehe sie 1988 bei Automatic Dlamini einsteigt und dort unwissentlich die Weichen für ihre Zukunft stellt.

Sonic Youth drängen sich ins Bild

Mit John Parish und Rob Ellis lernt sie in dieser Band zwei wichtige Figuren kennen, die sie auf ihrem Weg in ihre ruhmreiche Solokarriere begleiten werden. Zunächst versucht es Harvey aber mal als Band: 1991 ist für sie Schluss bei Automatic Dlamini, mit den beiden Mitglieder Rob Ellis and Ian Oliver (später ersetzt von Steve Vaughan) gründet sie das Trio PJ Harvey. Zur selben Zeit kommt es zu einer Kräfteverschiebung in ihrem musikalischen Spektrum: Sonic Youth drängen Folk und Blues ein wenig an den Rand, ihre Lust an verzerrter, roher, pulsierender Gitarrenagonie erwacht.

Sie ziehen nach London, wo Harvey ein Studium der Bildhauerei in Betracht zieht. Die Sache mit der Musik, sie traut ihr irgendwie noch nicht so ganz. Selbst als ihrer ersten Single Dress viel Aufmerksamkeit zuteil wird und sie im Zuge dessen sogar von Radiogott John Peel protegiert wird, ist sich die damals 22-Jährige nicht sicher, ob eine musikalische Karriere eine Zukunft hat. Deswegen klinge ihr Debüt Dry auch so wie es klingt, sagte sie 2004: „Dry war meine allererste Chance, ein Album zu machen, und ich dachte damals, es wäre meine letzte. Also steckte ich alles in diese Songs, was ich hatte.“

Reinkarnation der Punk-Urmutter

Dry ist ein bemerkenswert extremes Album. Metallischer Bass, versengender Gitarrensound, dumpfe Percussions, dazu Cello, Kontrabass und diese Stimme. Das hier war nicht eine weitere Alternative-Rock-Band mit einer Frau am Mikrofon. Das war eine Wachablösung, eine Kampfansage an das Patriarchat des Rock’n’Roll. Mehr als jeder andere Vergleich zieht deswegen der mit Patti Smith: PJ Harvey als Reinkarnation der Punk-Urmutter, feministisch, intellektuell, weiblich, einschüchternd talentiert. Dry als das Horses der Neunziger – ein furioses, feminines, poetisches Aufbäumen voller schwerer Gitarren und versengender Lyrik.

Und nicht nur das: Dry ist zudem voller grandioser Songs. Dress als erste Single wirkt schon wie ein krachiges Leuchtfeuer, getoppt von Sheela-Na-Gig, einem dieser Stücke, die heute ebenso emblematisch für die Neunziger stehen könnten wie, sagen wir, Smells Like Teen Spirit. Das abschließende Water hingegen zeigt früh in ihrer Karriere ihre Rolle als Rockmusikerin und Poetin in Personalunion – der Wesenszug also, der auf künftigen Werken sehr viel stärker zum Vorschein kommt.

Schroffer Vorstoß

PJ Harvey ist näher an der feministisch-existentialistischen Poesie von Silvia Plath oder Virginia Woolfe als am Klischee dauerbesoffener Kunstschaffender, ist Lichtjahre entfernt von sinnentleerten Rock-Bands in knappen Höschen. Diese Erniedrigung überlässt sie gern anderen. Sie ist eine hochgebildete Denkerin, eine Intellektuelle in der politische Zeitgeschehen und Mythos kollidieren. Ihre Waffe sind gleichermaßen ihr Stift, ihre Stimme und ihre Gitarre, ihr Debüt ein schroffer Vorstoß in eine Welt, die bislang eher eine andere Art von Frontfrau gewöhnt war. Sie war Engländern, vielleicht liegt es ja auch ein bisschen daran. Doch wo Courtney Love am einen Ende des Spektrums thront, nimmt Harvey liebend gern das andere Ende ein.

Nicht, dass sich PJ Harvey mit ihren Reizen zurückhält, nicht, dass sie nicht sexy, lasziv kann. Ihre Persona und ihre Musik – allen voran ihre allererste jemals veröffentlichte Single Dress – machen aber vom Fleck weg eines klar: Wenn du dich so kleiden willst, dann tu es für dich. Und nicht, um jemand anderem zu gefallen. Nur weil sie eine Frau mit einer Gitarre ist, wollte PJ Harvey nie gefeiert werden, wollte sie nie auf dem Cover eines Magazins landen. Wenn schon, dann bitteschön wegen ihrer Musik. Mission erfolgreich, kann man 30 Jahre später sagen.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 30.6.1975 treten Cher und Gregg Allman vor den Traualtar.

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Foto: Frank Edwards/Fotos International/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.6.1975.

von Sina Buchwitz und Christof Leim

Vom Traualtar zum Scheidungsanwalt und zurück: Am 30. Juni 1975 heiratet Cherilyn „Cher“ Sarkisian ihren zweiten Ehemann Gregory LeNoir Allman, vier Tage nach Chers offizieller Scheidung von Sonny Bono. Für Gregg ist es bereits die dritte Vermählung. Doch das junge Glück währt nur kurz; neun Tage später will Cher die Ehe auflösen lassen. Letztlich gehen aus der turbulenten Verbindung doch noch ein Kind und ein Album hervor, bevor sie 1979 tatsächlich endet. 

Hört hier das gemeinsame Album Two The Hard Way: 

Als Cher und Gregg Allman im Januar 1975 zum ersten Mal aufeinandertreffen, stehen die Sterne eigentlich schon schlecht für die beiden: Cher befindet sich mitten in der Scheidungsschlacht mit ihrem ersten Ehemann Sonny Bono und kämpft im Zuge dessen auch um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Chastity. In Greggs Leben läuft es derweil nicht weniger chaotisch. Sein Alkohol- und Drogenkonsum nimmt Ausmaße an, der nicht nur die Allman Brothers Band zu zerreißen droht, sondern auch für Ermittlungen der Drogenvollzugsbehörde sorgt. 

Blitzbegegnung

Dennoch schlägt die Begegnung zwischen den beiden ein wie ein Blitz: „Sie roch so, wie ich mir den Geruch einer Meerjungfrau vorstelle“, erinnert sich Allman an das erste Treffen bei einem seiner Konzerte. Dass seine Auserwählte zu dem Zeitpunkt eigentlich ein Date mit Musikmagnat David Geffen verbringt, beeindruckt ihn wenig: „Ich war so unhöflich, ich sagte David nicht einmal ‚Hallo‘, weil ich so geblendet von ihr war.“ Cher gibt Gregg ihre Telefonnummer. Bis zum ersten Anruf vergehen keine 24 Stunden.

Bereits die erste Verabredung endet dank Allman im Desaster: Als Abschluss des Abends liegt er, berauscht vom Heroin, bewusstlos in der Ecke. Cher ignoriert die Warnzeichen jedoch und lässt sich auf eine zweite Verabredung ein. Dieses Mal läuft es besser. In einer Disco trinkt Gregg sich genug Mut an, um mit seiner Angebeteten zu tanzen. Im Anschluss geht es zu Cher nach Hause, wo die beiden sich im Rosengarten näherkommen. 

Eine Ehe wie eine Achterbahn

Ab da passiert alles im Eiltempo. Rund sechs Monate nach dem ersten Treffen, am 30. Juni 1975, heiraten die beiden in Las Vegas. Fans und Presse sind außer sich: Zum einen, weil die Tinte auf Chers und Sonnys Scheidungspapieren noch nicht trocken ist, zum anderen, weil die Popsängerin und der Southern-Rock-Pionier ein derart ungleiches Paar abgeben. Das scheint auch ihr bald zu dämmern – nur neun Tage nach der Eheschließung ruft sie ihren Gatten an, um ihm zu sagen, dass es vorbei ist. Doch der? Ist „so high, dass er mich noch nicht mal versteht“, erinnert sich die Pop-Diva. 

Innerhalb eines Monats gelingt es Allman, seine Frau zurückzugewinnen. Doch die Achterbahnfahrt der Gefühle geht weiter, als im Jahr darauf die Sonny And Cher Show, die erste TV-Sendung mit einem geschiedenen Ehepaar, wieder über die Bildschirme flimmert. Dieses Mal ist es Gregg, der die Scheidung einreicht und sie wieder zurückzieht, als er herausfindet, dass seine Frau schwanger ist. 

Noch eine Chance

Der gemeinsame Sohn Elijah Blue wird am 10. Juli 1976 geboren und scheint das Paar miteinander zu versöhnen. Dem Magazin People gegenüber verrät Cher: „Gregory hat aufgehört zu trinken und Drogen zu nehmen. Ich habe ihn schon immer geliebt, aber bisher dachte ich, es würde nicht halten. Zum ersten Mal fühlen wir uns wirklich wie verheiratete Leute.“ 

Allmans Solokarriere nimmt derweil wieder Fahrt auf. Das gemeinsame Album Two The Hard Way, welches im November 1977 erscheint, soll ihre Liebe unterstreichen. Bei Fans und Kritikern wird die Platte jedoch eher belächelt; zu unterschiedlich scheinen die beiden Musiker zu sein. 

Es hilft nichts

Nur zwei Monate nach der Veröffentlichung lassen sich Cher und Gregg zum letzten Mal scheiden. Und dieses Mal zählt’s. Während die dunkelhaarige Schöne sich unter anderem mit Kiss-Gründer Gene Simmons tröstet, zieht es Allman noch im selben Jahr wieder vor den Traualtar. 1979 veröffentlicht Cher mit My Song (Too Far Gone) einen Titel für ihren Verflossenen: 

Now he’s too far gone to hold me, 

Too far gone, he doesn’t wanna know me

Too far gone, and he doesn’t really know 

No, he’ll never get to know his son

Trotzdem spricht sie auch sehr positiv von der gemeinsamen Zeit: „Niemand hat mich jemals so glücklich gemacht wie Gregory“, sagt Cher in einem Interview. Als Gregg Allman 2017 stirbt, zollt die Sängerin ihrem Exmann Tribut. 

Zeitsprung: Am 1.5.1967 heiraten Elvis Presley und Priscilla Ann Beaulieu.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 29.6.1980 singt Brian Johnson seine erste Show mit AC/DC.

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Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.6.1980."

von Christof Leim

Kein einfacher Job: Nur vier Monate nach dem Tod von Bon Scott steht Brian Johnson am 29. Juni 1980 im belgischen Namur zum ersten Mal mit AC/DC auf der Bühne, im Gepäck das noch unveröffentlichte Back In Black. Doch die Tickets gehen weg wie nix Gutes. Und unser Mann ist so nervös, dass er zu zwei Songs den gleichen Text singt…

Hier gibt es das unerreichte Back In Black zu hören:

Wie schnell das bei AC/DC geht damals. Statt zu trauern, muss der Rock weiter rollen: Am 19. Februar 1980 stirbt ihr unvergleichlicher Sänger Bon Scott (alles dazu hier), am 1. April 1980 stellen sie bereits Brian Johnson als den neuen Mann am Mikro vor. Kurz danach nimmt die Band bereits auf den Bahamas Back In Black auf, Ende Mai ist das Ding im Kasten (und wird im Laufe der Jahre völlig zu Recht zum je nach Zählung zweiterfolgreichsten Album aller Zeiten).

Es zählt auf dem Platz

Doch Rock’n’Roll-Geschichte wird vor allem auf der Bühne geschrieben. Deshalb buchen AC/DC vier Wochen vor Veröffentlichung der Platte ein halbes Dutzend kleine Shows in Benelux zum Aufwärmen. Das Line-up: Brian Johnson (Gesang), Angus Young (Gitarre), Malcolm Young (Gitarre), Cliff Williams (Bass), Phil Rudd (Schlagzeug). Der Start wird für den 29. Juni 1980 in der belgischen Kleinstadt Namur geplant. Eine riesige Sache soll das nicht werden, heißt es (wie mit Sabbath mit Dio in Ostfriesland), doch die Tickets für diesen Sonntagabend gehen weg wie nichts Gutes, weswegen die Show in größere Hallen verlegt wird und im großen Palais Des Expositions landet. Um 20 Uhr soll es losgehen, doch die Verantwortlichen bitten mehrmals um Aufschub, weil sie die Räumlichkeiten noch erweitern wollen, denn es seien mehr Leute gekommen als erwartet.

Vollgas: AC/DC unterwegs in Europa 1980 mit ihrem neuen Sänger – Foto: Michael Putland/Getty Images

Und Brian Johnson ist nervös. Das kann man ihm nicht verdenken, schließlich arbeitete der 32-Jährige vier Monate vorher noch in einer Autowerkstatt in Newcastle und hatte mit seiner Musikkarriere (als Sänger von Geordie) bereits abgeschlossen. „Überall hielten die Leute Banner hoch, auf denen stand: ‚Rest in peace, Bon‘!“, erinnert er sich in einem Interview. „Ich habe mich echt gefragt, worauf ich mich da eingelassen hatte. Das konnte doch nicht gut gehen! Aber in der Mitte war ein riesiges Plakat zu sehen mit ‚Alles Gute, Brian!‘ Und mehr brauchte ich nicht – Abfahrt!“

Die Nerven

Trotzdem ist Brian so angespannt, dass er sogar den gleichen Text für zwei Songs singt, also (mindestens) einmal falsch. Im gleichen Interview erinnert er sich an Bad Boy Boogie: „Ich konnte gar nichts hören. Das Publikum hat bestimmt gedacht, ich sei sehr ‚Avantgarde’. Malcolm hat mich nur angesehen und gefragt: ‚Was zum Teufel war das?‘“

 

Auf dem Plan stehen gleich sieben Stücke von Back In Black, mehr als von jedem anderen AC/DC-Album bis dato. Diese Show markiert laut setlist.fm den Konzerteinstand von Hells Bells (als Opener), Back In Black, What Do You Do For Money Honey, Rock And Roll Ain’t Noise Pollution, und Shoot To Thrill. Sogar das selten gespielte Given The Dog A Bone steht auf dem Plan und Shake A Leg als erste Zugabe (laut mancher Quellen zum ersten und einzigen Mal auf einer AC/DC-Setlist). Das immergrüne You Shook Me All Night Long fehlt hingegen noch für ein paar Wochen, wie auch die sehr detaillierte Seite highwaytoacdc.com aufführt. (In besagtem Interview erwähnt Brian die Nummer zwar beiläufig, aber das verbuchen wir nach Tausenden von Einsätzen des Stücks mal als Verwechslung.)

Magische Musikgeschichte

Das Problem mit den neuen Liedern: Die Leute kennen sie noch nicht – und reagieren verhaltener. „Oh Scheiße!“, denkt sich der Sänger, „Sie mögen das Zeug ja gar nicht. Der Abend war schon traumatisch“. Aber doch irgendwie geil: Jahre später nennt Brian die Show gegenüber Ultimate Classic Rock „magisch“. Das glauben wir gerne. Wir wären am liebsten dabei gewesen. Und der Rest ist Geschichte…

Nachtrag: Der Song Bedlam In Belgium von Flick Of The Switch (1983) handelt übrigens nicht von diesem 29. Juni 1980, sondern von einer früheren Show der Band, bei der sie die Bühne pünktlich verlassen sollte, aber nicht wollte – was die Polizei auf den Plan rief.

Zeitsprung: Am 19.2.1980 stirbt der große Bon Scott von AC/DC.

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