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Popkultur

Zeitsprung: Am 21.7.1985 spielen Guns N’ Roses auf einer Universitätsparty.

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Guns N' Roses auf einer Uniparty in Los Angeles. - Foto: Marc S Canter/Michael Ochs Archives/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 21.7.1985.

von Christof Leim

Für Spritgeld und Bier: Wer in einer Band spielt, kennt das. Auch Guns N’ Roses lärmen im Sommer 1985 ohne große Gage auf einer Party an der Universität von Los Angeles. Im Gegensatz zu uns Normalsterblichen folgt aber eine Weltkarriere. Könnte daran liegen, dass schon Überhits auf der Setlist stehen – oder an Axls freifliegenden Popobacken.

Hier gibt es die besten Songs von Guns N’ Roses:

Lange gibt es Guns N’ Roses im Juli 1985 noch gar nicht. Im März fand die erste Show statt, im Juni spielte zum ersten Mal das legendäre Appetite For Destruction-Line-up  und ging gleich auf eine chaotische Minitour (alles dazu hier). In der Folge treiben sich Axl Rose, Slash, Izzy Stradlin, Duff McKagan und Steven Adler vor allem in den Clubs von Hollywood herum und treten in Läden wie dem Stardust Ballroom, Madame Wong’s East oder dem Troubadour auf.

Keine Bühne

Nach einem guten Dutzend Shows steht dann eine „frat party“ an der Universität von Los Angeles, der UCLA, auf dem Plan, also eine Sause in einer der Unterkünfte der Studierendenverbindungen. Der Aufbau dürfte aufstrebenden Krachmuckern und -muckerinnen bekannt vorkommen: Es gibt keine Bühne, die Instrumente stehen im Halbkreis, die Leute direkt davor. Eine PA fehlt wohl auch, vermutlich hat Axl nur eine kleine Gesangsanlage, also drehen die Gitarristen einfach ihre Verstärker ordentlich auf, um nicht gegen das Schlagzeug abzustinken. Ein lauter Spaß für alle, und offensichtlich werden auch gebraute Erfrischungen gereicht. Fangfrisches Pils und Rock’n’Roll? Das kann man schon machen. Und an einem kalifornischen Nachmittag oder frühen Abend auch schön mit offenen Fenstern.

GNR auf einer Uniparty – Foto: Marc S Canter/Michael Ochs Archives/Getty Images

Nun wirkt es retrospektiv amüsant, dass eine der größten, dekadentesten, wildesten, tollsten Rockbands auf einer kleinen Party vor ein paar Dutzend Menschen spielt – aber auf den Tag genau zwei Jahre später ein Debütalbum raushaut, dass längst zum Weltkulturerbe zählen sollte. Aber die Guns N’ Roses, die wir später kennenlernen, stecken schon drin in dem zerlumpten Quintett, das damals ein ziemlich wildes Leben führt, für das die klassische Troika aus Sex, Drogen und Rock’n’Roll die beste Beschreibung abgibt. Zwei der Burschen zählen gerade mal 20 Jahre, älter als 23 ist keiner. Aber sie sehen wie Rockstars aus. Slash hat einen Hut auf dem Kopf, wenngleich keinen Zylinder, Axl mit seinem aufgeplustertem Haar trägt eine Leopardenweste und eine Lederhose – mit „arschfrei“. Alles stilsicher der Ära angemessen. 

Die Songs kennen wir

Und die Brüder spielen bereits mindestens ein Lied, das in unser aller Musikwelt mittlerweile und völlig berechtigt den Status eines kollektiven Heiligtums innehat: Welcome To The Jungle. Daneben stehen auf den kursierenden Setlisten Klassiker wie Think About You und Anything Goes (von Appetite), Reckless Life und Move To The City (von Lies) sowie mehrere Nummern, die erst Jahre später auf dem Use Your Illusion-Doppelschlag auftauchen, nämlich Back Off Bitch und Don’t Cry. Und wie bei allen Kapellen mit noch wenig eigenem Material ertönen Coverversionen, die Guns N’ Roses-Fans bekannt vorkommen dürften: Nice Boys von Rose Tattoo, Mama Kin von Aerosmith, Jumpin’ Jack Flash von den Rolling Stones und Heartbreak Hotel von Elvis.

Die Guns N’ Roses, die kurz darauf den Rockplaneten in Brand setzen, wachsen da gerade zu einer Band mit einer bemerkenswerten Chemie zusammen – und schreiben in der Folge die großen Lieder ihrer Frühzeit, etwa Sweet Child O’ Mine oder It’s So Easy. Und genau da liegt die Erklärung dafür, dass wir alle zwar die gleiche Art von Partys gespielt haben wie Guns N’ Roses, aber uns danach weniger mit Ruhm und Reichtum rumschlagen mussten. An Axls Popobacken hat es dann wohl doch nicht gelegen.

Zeitsprung: Am 6.6.1985 spielen erstmals die klassischen Guns N’ Roses & gehen auf „Hell Tour“.

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