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Popkultur

Interview mit Tommy Lee: „Ich bin ein gutes Barometer für Coolness“

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Tommy Lee
Foto: Myriam Santos

Neues Soloalbum nach 15 Jahren: Auf Andro teilt Tommy Lee die Songs in eine männliche und eine weibliche Seite auf. Glam Metal darf man dennoch nicht erwarten: Der Mötley-Crüe-Drummer feuert zwischen Rap, Rock, Elektro und Metal aus allen Rohren und bedient sich zahlreicher Gäste. Im Interview plaudert er über das Vermächtnis seiner Band, seine Tierliebe und die Vorteile des Solodaseins.

von Björn Springorum

In einer Enzyklopädie könnte man über den Eintrag „Rockstar“ guten Gewissens ein Bild von Tommy Lee abdrucken. Halten kann man von ihm, seinem ausschweifenden Lebensstil und seiner Musik natürlich was man will; bestreiten kann dennoch niemand, dass dieser Typ das Epitom eines Rockstars ist. Skandale, Hedonismus und ein Drumkit, das auf einer Achterbahn durch die Halle fährt, sprechen eine deutliche Sprache: Tommy Lee will sich als wilden Mann des Rock‘n‘Roll verstanden wissen, als überlebensgroße Action-Figur, von dem Coolness abstrahlt wie von einem Gletscher.

 Kalifornien ist verflucht

Das merkt man auch, als wir ihn via Zoom in seinem Haus in Kalifornien erreichen. Lässig fläzt er in einem Sessel, zündet sich erst mal eine Zigarette an. „Zieh dir das mal rein“, sagt er dann und dreht seinen Laptop zum Fenster. Oranges Glühen erfüllt die Luft, die Waldbrände wüten noch immer. „Kalifornien ist verflucht, Mann. Crazy Zeiten, da muss man wirklich nicht high sein, oder?“ Er lacht, dreht den Bildschirm wieder zu sich, setzt sich wieder. Dann darf die Audienz beginnen.

Tommy, du bist als großer Tierfreund und Aktivist bekannt. Bist du aber eigentlich ein Katzenmensch oder ein Hundemensch?

Oh, ich liebe Hunde. Katzen mag ich auch, allerdings eher Großkatzen. Aus irgendeinem Grund scheinen mich Hauskatzen nicht zu mögen. Ich möchte sie immer streicheln, aber sie hauen sofort ab, wenn ich in ihre Nähe komme. Ich will sie ja lieben, aber irgendwie wollen sie mich nicht lieben. (lacht)

„Ich bin so ein Typ, der Ameisen beiseite setzt, damit niemand auf sie tritt.“

Warst du immer schon ein Tierfreund?

Ja, ich habe mein ganzes Leben mit Tieren verbracht. Ich wuchs Seite an Seite mit Hunden auf, außerdem hatten wir Schildkröten und einen Affen, einen kleinen Klammeraffen. Du glaubst gar nicht, wie cool es ist, wenn du jung bist und mit einem Affen durchs Haus wetzen kannst. Ich habe Tiere schon immer geliebt. Ich liebe einfach das Leben, Mann, in jedweder Form. Ich bin so ein Typ, der Ameisen beiseite setzt, damit niemand auf sie tritt.

Damals hättest du sie nur nicht zu nah an Ozzy setzen dürfen… 

(lacht schallend) Oh Mann, du sagst es.

Mit Andro kommt jetzt deine erste Soloplatte seit 15 Jahren. Warum genau jetzt?

Schicksal. Oder Zufall? Ich mache immer Musik. Sobald ich Zeit finde, setze ich mich hin und schreibe. In letzter Zeit war das etwas weniger der Fall, weil wir mit Mötley Crüe sehr aktiv waren. Nach unserem letzten Konzert an Silvester 2015 nahm ich mir das Jahr 2016 frei, sozusagen. Ich wollte einfach mal wieder einen klaren Kopf kriegen und in aller Ruhe überlegen, was ich als nächstes tue. Die Ideen ließen nicht lange auf sich warten und sehr bald fand ich mich schon wieder in meinem Studio wieder. Ich begann wie wild aufzunehmen und hatte irgendwann eine gute Tonne Material zusammen. Da merkte ich plötzlich, dass da ein ganzes Album herumlag. Also machte ich es.

„Ich war mir meiner weiblichen Seite immer sehr bewusst.“

Es ist ja nichts Neues, dass sich deine Musik sehr von Mötley Crüe unterscheidet und irgendwo zwischen Rap, Rock und Elektro angesiedelt ist. Dennoch hat sie diese Energie, diesen Drive. Kommt das von deiner Vergangenheit als Drummer bei Mötley Crüe?

Vielleicht. Für mich gibt es einfach nichts Schöneres als Musik. Ich liebe es, Songs zu schreiben und zu spielen. Ich stehe auf so viele verschiedene Genres, die kann man gar nicht alle aufzählen. Sicher, bei Mötley erwartet man eine gewisse Art von Musik, und das ist auch cool, versteh mich nicht falsch. Aber wenn ich solo Musik mache, kann ich kreativ einfach explodieren. Und dann kommt so ein wahnsinniges Album wie Andro dabei heraus. Ich hoffe, dass einige Hörer dadurch Musikstile entdecken, denen sie sonst vielleicht nie eine Chance gegeben hätten. Ich glaube, ich bin ein gutes Barometer für Coolness.

Andro ist in eine feminine und eine maskuline Seite aufgeteilt. Im Glam Metal haben sich die Boys immer schon zum Femininen bekannt. Ich nehme an, auch du bist dir deiner weiblichen Seite bewusst?

Sicher, Mann, ich war mir meiner weiblichen Seite immer sehr bewusst. Das ist eines dieser Selbsterfahrungsdinge. Wir alle tragen beide Seiten in uns, eine männliche und eine weibliche. Nicht jeder ist bereit, sich der anderen Seite zu stellen. Doch wenn man das akzeptiert und für sich nutzt, kann man wachsen und sich entwickeln. Mit Andro wollte ich genau das sagen: Stehe zu allen Seiten, denn in den Kontrasten liegt die Balance. Die weibliche Energie ist eine andere als die männliche.

„In einer Band bin ich der vierte Koch in der Küche.“

Wie unterscheidet sich der Solo-Musiker Tommy Lee vom Bandmitglied Tommy Lee?

Das ist wie Tag und Nacht. In einer Band bin ich der vierte Koch in der Küche (lacht). Funktioniert alles und kann auch großen Spaß machen, doch am Ende des Tages geht es in einer Band immer um Kompromisse. Allein gibt es nur dich, deine Kreativität und deine Entscheidungen. Aber natürlich bist du auf dich allein gestellt und musst selber wissen, ob der Kram, den du da gerade aufnimmst, auch wirklich gut ist.

Fühlst du dich manchmal auf deine Rolle des Drum-Zampanos von Mötley Crüe limitiert?

Nicht direkt, doch die Fans sehen das anders. Sie haben ein ganz bestimmtes Bild von mir, von dem ich möglichst nicht abweichen soll. Du machst also ein neues Album, in das du dein ganzes Herzblut steckst, und bekommst dann doch wieder nur zu hören, dass das ja gar nicht nach Mötley Crüe klinge. Fuck, Mann, natürlich, es ist ja auch nicht Mötley Crüe! Manche wollen dich in dieser Schublade verrotten lassen und dich nur herauslassen, wenn du das machst, was sie von dir erwarten. Das bräuchte ich jetzt nicht. Seid doch mal ein bisschen offener, Leute!

„Ich erkenne meine Vergangenheit an, würde sie aber niemals über meine Zukunft entscheiden lassen.“

Ein bisschen verständlich ist das aber vielleicht schon, immerhin hast du mit Mötley Crüe Musikgeschichte geschrieben.

Interessiert mich aber nicht so, ehrlich gesagt. Das liegt in der Vergangenheit. Sicher, wir haben verdammt coole Dinge getan und werden nächstes Jahr hoffentlich auch auf Tour gehen können, aber allzu oft denke ich nicht darüber nach. Es ist ein gutes Gefühl, dass wir mit unserer Musik so viele Menschen erreicht und begeistert haben, dafür bin ich auch dankbar. Ich erkenne meine Vergangenheit an, würde sie aber niemals über meine Zukunft entscheiden lassen. Für mich geht es immer weiter.

Wie zum Beweis kollaborierst du auf Andro mit Rapperinnen und Rappern wie King Elle Noir oder Killvein. Wie suchst du deine Feature-Gäste aus?

Weißt du, ich entscheide das eigentlich ganz spontan. Ich nehme was auf und denke mir: Hey, wäre doch irre, wenn da Rapper XY zu hören wäre. Also rufe ich sie an.

Und dann sagst du: „Hey, hier ist Tommy Lee, Bock auf eine Kollaboration“?

(lacht) Pass auf: Für die Nummer Knock Me Down hatte ich sofort den Rapper Killvein im Kopf. Ich wollte Kontakt mit ihm aufnahmen, um ihn dafür zu begeistern – und er glaubte mir erst mal nicht, dass ich wirklich Tommy Lee bin.

Vielleicht hat er ja auch erst The Dirt gesehen wie so viele andere junge Leute.

Ist schon irre, oder? Wir sind so ein Mehrgenerationending geworden. Die Old-School-Fans stehen mittlerweile etwas weiter hinten, aber vorne sind verdammt viele junge Leute nachgerückt, die laut mitgröhlen. Viele haben The Dirt gesehen und dann erst gemerkt, wie wild es früher wirklich zuging.

Es ist also alles wahr, was wir in The Dirt zu sehen bekommen?

Vielleicht nicht alles. Aber deutlich mehr als du denkst. (grinst)

Zeitsprung: Am 16.8.2005 drückt Tommy Lee von Mötley Crüe wieder die Schulbank.

 

Popkultur

Zeitsprung: Am 5.7.1954 nimmt Elvis Presley seinen ersten Hit „That’s All Right“ auf.

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Michael Ochs Archives/Getty

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.7.1954.

von Tom Küppers und Christof Leim

Natürlich spielt Gevatter Zufall auch im Rock’n’Roll eine wesentliche Rolle. Selbst Elvis Presley, der „King“ höchstselbst, verdankt seinen Karrierestart einem kurzen, absolut ungeplanten Moment…

Hier könnt ihr euch zur Lektüre die Nummer und andere Elvis-Klassiker anhören:

Sam Phillips ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Unter dem Banner Sun Records veröffentlicht er Anfang der Fünfziger Tonträger von Künstlern wie B.B. King oder Howlin’ Wolf und betreibt auch das dazugehörige Aufnahmestudio. Schnell kommt er auf die Idee, dieses auch Hobbymusikern zugänglich zu machen, die dann beispielsweise ihren Gesang auf einem rasch gepressten Acetat-Tonträger mit nach Hause nehmen können. Das gefällt auch dem gerade mal zwanzig Jahre jungen Elvis Aron Presley. Der kommt eines Tages in das Studio und möchte als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter zwei Songs aufnehmen. Der Kunde ist König, Elvis bekommt seine Platte. Vor allem aber ist Parker recht angetan von dem, was er hört, und lädt den jungen Musiker zu weiteren Aufnahmen ein. 

Zunächst springt der musikalische Funke nicht richtig über, dann hat der Legende nach Parkers Sekretärin Marion Keisker den Geistesblitz, Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore bekannt zu machen. Die erste Reaktion des erfahrenen Musikers ist pures Gold: „Elvis Presley? Was zum Geier soll denn das für ein Name sein?“ Nach einer gemeinsamen Probe ändert sich seine Meinung, umgehend wird für den 5. Juli 1954 eine weitere Aufnahmesession angesetzt. Doch die angedachten Interpretationen zeitgenössischer Pop-Hits zünden nicht wirklich. 

Während der Rest der Anwesenden während einer Pause ratlos dreinblickt, schnappt sich Elvis einfach eine Gitarre und beginnt, eine flotte Version von That’s All Right zu singen, einen Proto-Blues von Arthur Crudup. Später wird Presley erzählen, dass er eigentlich lediglich einmal kurz den Clown geben wollte, um die Stimmung aufzuheitern. Kontrabassist Bill Black steigt allerdings zupfenderweise auf den Witz ein, und da geht Parker plötzlich ein Licht auf: Das ist genau der neue Sound, nach dem alle suchen, und er hat ihn gerade eben gefunden. Moore stürzt zurück in den Aufnahmeraum, sucht ein paar Akkorde zusammen, und fertig ist die Nummer. 

Drei Tage später läuft That’s All Right dann zum ersten Mal im Radio bei Sendern, die Philipps mit einer Vorabpressung versorgt hat. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten; in einem Studio glühen die Telefone solange, bis sich der DJ genötigt sieht, die Platte während seiner zweistündigen Show immer und immer wieder aufzulegen. Elvis wird sogar zu einem Liveinterview eingeladen.

Am 19. Juli 1954 steht That’s All Right dann als Single in den Läden mit Blue Moon Of Kentucky als B-Seite, den die drei Musiker auf ähnliche Weise eingespielt hatten: Gesang, Gitarre, Bass, fertig. Und damit beginnt eine bis heute unvergleichliche Weltkarriere.

Und das soll alles darauf basieren, das Presley nur mal kurz einen Witz reißen wollte? Ein paar Jahre vor seinem Tod beantwortet Scotty Moore genau diese Frage mit einem Lachen im Gesicht und einem eindeutigen „Absolut!“ Manche Geschichten kann man sich echt nicht ausdenken…

Zeitsprung: Am 26.8.1969 kann Elvis Presley auf der Bühne nicht aufhören zu lachen.

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Popkultur

Sex, Prügel, Mordversuche: Vor 40 Jahren heiraten Ozzy und Sharon Osbourne

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Sharon & Ozzy Osbourne
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Wie die Ehe zwischen zwei absolut unberechenbaren Neurotiker*innen wie Ozzy und Sharon Osbourne wohl so verläuft? Heftiger und exzessiver als sich das jede*r von uns vorstellen kann. Chronik einer sehr wilden Ehe.

von Björn Springorum

Im April 1979 wird Ozzy Osbourne nach katastrophalen Konzerten und unproduktiven Studioaufenthalten bei Black Sabbath vor die Tür gesetzt. Für ihn ist die Sache klar: Ihr Manager Don Arden braucht nur einen Sündenbock, erwischt hat es eben ihn. Arden, ein kompromissloser, brutaler Typ mit Mafiamethoden und einer langen Liste von Feinden und Kontroversen, lenkt damals schon seit einigen Jahren die Geschicke der Band. An der Rezeption sitzt damals seine Tochter Sharon Arden.

Liebe auf den ersten Kick

Auf die hat Ozzy schon seit Beginn der Siebziger ein Auge geworfen, bekommt es jedoch irgendwie hin, die Beziehung die ganzen Jahre über professionell zu halten – und das in einem Jahrzehnt, in dem man sich durchaus fragen kann, wie ein Begriff wie „professionell“ überhaupt in Ozzys Habitus passt. Vielleicht liegt es ja daran, dass er davon ausgeht, sie hielte ihn für einen „Wahnsinnigen“, wie er mal recht luzide reflektierte.

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Damals weiß er noch nicht, dass seine Zukünftige aus dysfunktionalen Verhältnissen stammt: Ihr Vater ist gewalttätig, sie ist oft Zeugin seiner Ausraster, als eine sehr junge schwangere Sharon Osbourne mal ihre Mutter besucht, ruft die ihre aggressiven Hunde nicht zurück, die über ihre Tochter herfallen. Sie verliert das Kind. So ein Ozzy auf welcher Droge auch immer wirkt im Gegenzug eher wie ein Spaziergang.

100.000 Pfund für Drogen

Obwohl Arden den Sänger gefeuert hat, nimmt er ihn auf sein Label Jet Records und entsendet seine Tochter Sharon nach Los Angeles, um dessen Solokarriere aufzubauen. Dort hat sich Ozzy mit seinen rund 100.000 Pfund Anteilen am Namen Black Sabbath (heute wären das über eine halbe Million Pfund) zurückgezogen, um in Frieden alles für Drogen und Suff auszugeben – „bevor ich zurück nach Birmingham kehren und mich arbeitslos melden würde“, so erinnert er sich. Ein folgenschwerer Fehler für den ach so taktierenden Manager: Die beiden verlieben sich, formen eine gemeinsame Front gegen Arden, der daraufhin schwere Geschütze auffährt, um die beiden auseinanderzubringen.

Ozzys erste Frau

Don Arden raubt seine Tochter aus, versucht sie umzubringen und erzählt Ozzy einmal sogar, dass seine Tochter ihren eigenen Vater verführen wollte. Familien… Man kann sie sich eben nicht aussuchen. Ozzy und Sharon bleiben stark, aber da gibt es natürlich noch ein anderes Problem: Ozzy ist seit 1971 mit einer gewissen Thelma Riley verheiratet, die beiden haben sogar zwei Kinder. Um den Weg für die neue Liebe frei zu machen, lässt sich Ozzy 1982 von Riley scheiden und tritt am 4. Juli 1982 mit Sharon Arden vor den Traualtar. Natürlich darf man sich fragen, wie die beiden jemals auch nur annehmen konnten, eine ruhige, harmonische Ehe zu führen, aber es ist natürlich nicht an uns, das zu beurteilen.

 

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Während Ozzy sehr bald danach wieder in einem Schleier aus Drogen und Alkohol durch die Welt stolpert und Sharon Osbourne in ihrer neuen Rolle als Managerin mehr und mehr wird wie ihr brutaler Vater, ist zumindest ihr Hochzeitstag eine romantische Sache: Ozzy im weißen Anzug, mit Fliege und Lorbeerkranz (wie ein römischer Kaiser), Sharon im weißen Kleid mit Schleier. Weiß, die Farbe der Unschuld… Das kommt schon 1982 nicht mehr hin.

Keine großbusige Beutefrau

Was folgt, wissen wir alle: eine wilde Ehe voller Exzesse, Streitereien und physischer Gewalt. Sie überfährt ihn mit dem Auto, er sie mit dem Rasenmäher, 1989 versucht er nach vier Flaschen Wodka, sie zu erwürgen. Dafür kommt er sogar ein paar Monate in den Knast. Sharon hält zu ihm. Die ganze Zeit. 2016 trennen sie sich zwar kurz, als Ozzys Affäre mit der Haarstylistin Michelle Pugh ans Licht kommt, doch nach Dutzenden Affären ist Sharon wohl abgehärtet, schon im Jahr darauf sind sie wieder zusammen. Und nicht nur das: Sie baut ihn über die Jahre zum Nationalheiligtum auf, zur bekanntesten Marke im Heavy Metal. Für Ozzy, klar. Aber auch für sich selbst. „Ich hörte damals immer nur: Ihr werdet das nie schaffen“, erinnerte sie sich mal. „Alle sahen ihn eher mit einer großbusigen Beutefrau, doch er bekam mich: eine kleine, fette, haarige Halbjüdin. Ich musste sehr viel kämpfen.“

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Mittlerweile haben es sogar die beiden geschafft, ihre Ehe in ruhigere Fahrwasser zu steuern. Zu ihrem 40. Hochzeitstag werden die beiden ihr Eheversprechen erneuern – das zweite Mal nach 2017. Und sich dann auf ihren Umzug zurück nach England vorbereiten. Happy anniversary!

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Popkultur

Zeitsprung: Am 4.7.1934 kommt DJ-Legende Mal Sondock zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.7.1934.

von Timon Menge und Christof Leim

Er gilt als „Vater aller Discjockeys“, zumindest in Deutschland. In den Sechzigern und Siebzigern moderiert er die Diskothek im WDR, in den Achtzigern folgt Mal Sondocks Hitparade. Am 4. Juli hätte Mal Sondock seinen Geburtstag gefeiert. Werfen wir einen Blick auf das Leben des Amerikaners, der das deutsche Radio revolutionierte.

Hört euch hier Hey, Annabella Susann von Mal Sondock an:

Es gab eine Zeit in der Welt des Musikhörens, von denen Eltern ihren Kindern heute bloß noch erzählen können. YouTube und Spotify waren noch nicht erfunden, MP3-Dateien ebenfalls nicht. Ja, sogar die Entwicklung der CD lag noch in weiter Ferne. Wir sprechen von einer Zeit, in der man genau vier Möglichkeiten hatte, neue Musik zu entdecken: per Blindkauf, per Fachpresse, per Freundeskreis oder per Radio. Letzteres Medium prägt in Deutschland vor allem ein Mann: Mal Sondock.

Zur Welt kommt Malcolm Ronald „Mal“ Sondock am 4. Juli 1934 in Houston, Texas. Gemeinsam mit einer Schwester wächst er als Sohn eines Zahnarztes auf. Bereits im Alter von 17 Jahren arbeitet er als Discjockey in Oklahoma City, während der College-Zeit heuert er bei mehreren Radiosendern und einer Plattenfirma an. 

1957 verschlägt es Sondock nach Deutschland. Als amerikanischer GI lebt er in Frankfurt am Main, Bremerhaven und München. Um seinen Sold von 75 US-Dollar aufzubessern, organisiert er Tanzveranstaltungen, bei denen er nicht, wie sonst üblich, eine Musikgruppe aufspielen lässt, sondern Schallplatten auflegt. Heute sagt man, dass es sich bei diesen Partys um die ersten Diskotheken Deutschlands gehandelt haben muss. 

Sondock kommt auf den Geschmack und bewirbt sich bei der ARD. Von dort aus landet er beim WDR, zunächst als Urlaubsvertretung für den Briten Chris Howland alias Mr. Pumpernickel. Ab 1961 moderiert Sondock die Montagnachmittagsmelodie, ab 1966 den Diskothekenbummel, aus dem sich 1967 die Sendung entwickelt, mit der er Radiogeschichte schreiben soll: Diskothek im WDR.

Ein großer Teil des Erfolgsrezeptes: Sondocks bescheidene Art. So garniert er seine Sendungen mit selbstironischen Sprüchen wie: „Weil er Deutsch nicht reden kann, schleppt er noch mehr Platten an.“ Er gilt aber auch als Arbeitstier. Laut eigener Aussage hört er für eine bis zwei Sendestunden sechs Tage pro Woche Musik, vier bis fünf Stunden täglich. Oft spielt er die kommenden Hits zum ersten Mal, manchmal sogar als Weltpremiere.

Revolutioniert über Dekaden hinweg das deutsche Radio: Mal Sondock

Ganze 13 Jahre lang bleibt Sondock mit dem beliebten Format auf Sendung und prägt drei bis vier Generationen an Musikhörern. Anders gesagt: Was er nicht spielt, ist auch nicht passiert. Aufgezeichnet wird die Diskothek live vor jugendlichem Publikum, aus dem zu Beginn jeder Show eine fünfköpfige Jury ausgewählt wird. Diese entscheidet im Verlauf der Sendung darüber, ob die vorgestellten Neuerscheinungen „Hit oder Niete“ werden. Die Zuhörer zuhause können außerdem Postkarten mit Musikvorschlägen einschicken, die nach Beliebtheit sortiert gespielt werden. 

Anfang 1981 wird die Diskothek durch Mal Sondocks Hitparade ersetzt. Die Rubrik „Hit oder Niete“ bleibt erhalten, diesmal allerdings per Telefonabstimmung. Knapp vier Jahre später wird die Sendung abgesetzt. Die offizielle Begründung: zu niedrige Einschaltquoten. Kaum jemand glaubt das, denn schließlich hören sie ihn alle, den alten M.A.L. vom WDR. Dennoch: Am 19. Dezember 1984 läuft die letzte Folge — mit Weihnachtsgrüßen von Freddie Mercury, Alan Parsons und Billy Ocean.

Was man sich heute kaum noch vorstellen kann: Sondocks Reichweite. Obwohl seine Sendung nur in Nordrhein-Westfalen und Umgebung ausgestrahlt wird, spielt er die Songs, die wenig später das ganze Land begeistern. Moderne Formen des Musikkonsums wie Spotify oder YouTube gibt es noch nicht, man muss sich anders behelfen. Wer in den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern die Hits der Woche konservieren möchte, hängt mit zwei Fingern am Kassettenrecorder und drückt nach den Anmoderationen blitzschnell auf „Play“ und „Record“. Wenn man Glück hat, quatscht Mal nicht in den Song. „Nur bei Sachen, die zwei-, dreimal liefen, habe ich reingesprochen“, verteidigt sich Sondock später, wie der WDR berichtet. „Und das nur, um das Tempo dieser Sendung zu halten. Das hatte ich in Amerika gelernt.“

Neben seinem Job als Radiomoderator betätigt sich Sondock über die Jahre auch als Produzent, Sänger und Schauspieler. So entdeckt er nicht nur den Schlagerstar Michael Holm (Tränen lügen nicht), sondern singt auch selbst einige Platten ein. Seine erfolgreichsten Songs: Hey, Annabella Susann (1962), Das Mädchen mit dem traurigen Blick (1964) und Ich mach’ mir Sorgen um dich (1965). Im Film Stadt ohne Mitleid (1961) spielt er eine Nebenrolle. Zusätzlich tourt der Amerikaner jahrelang als mobiler Discjockey durch Deutschland.

Am 9. Juni 2009 stirbt Sondock im Alter von 74 Jahren in einem Kölner Krankenhaus. Er hinterlässt eine Frau, einen Sohn sowie eine Tochter. Beerdigt wird er auf dem Palm Cemetery in Orange County, Florida. Laut Welt hat Sondock einmal gesagt: „Ich verbreite keine Kultur. Ich bin ein Ami mit schlechtem Deutsch, der die Kinder mit Rock’n’Roll versaut.“ Musikdeutschland dankt ihm dafür. Rest in peace, alter Jockdiscey M.A.L.!

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