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Popkultur

Joe Satriani im Interview: „Veränderung ist unumgänglich“

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Joe Satriani
Foto: Joseph Cultice

Virtuoses Spiel kombiniert mit eingängigen, fast schon mitsingbaren Kompositionen: Damit prägte Joe Satriani viele Generationen an Gitarrist*innen. Demnächst veröffentlicht der 63-Jährige, zu dessen ehemaligen Gitarrenschüler*innen prominente Namen wie Steve Vai, Kirk Hammett oder Tom Morello gehören, sein siebzehntes Studioalbum.

 von Markus Brandstetter

Wer bereits vor der Veröffentlichung das eine oder andere neue Stück davon hören möchte, kann dies im Rahmen von Satrianis Europatournee tun. Im April 2020 kommt „Satch“, wie er von Fans und Freund*innen genannt wird, für sechs Shows nach Deutschland – darunter Mainz (15. April), Karlsruhe (18. April) und Berlin (19. April).

Hört hier einige der besten Songs von Joe Satriani:

Wir fragten bei der Gitarrenlegende einige Monate vor seiner Tour und dem Release schon mal nach, was Fans vom neuen Album erwarten können und wie es zu seiner aktuellen Bandbesetzung kam. Außerdem verriet Satriani auch, wie seine Übungsroutine aussieht, wie oft er die Gitarre auch mal beiseite legt und wie er seine Signature-Gitarrenserie (die JS-Reihe von Ibanez) stets verbessern und erneuern möchte.

Joe, für dich geht es diesen Frühling wieder auf Tournee – und da soll es neben Satriani-Klassikern auch einige neue Songs deines kommenden Longplayers zu hören geben. Verrate uns doch schon ein wenig über dein neues Album.

Das neue Album heißt The Shapeshifting. Darauf zu hören sind Kenny Aronoff am Schlagzeug, Chris Chaney am Bass, Eric Caudiex an den Keyboards sowie Lisa Coleman und Christopher Guest als Special Guests. Ich ändere auf dieser Sammlung, bestehend aus dreizehn Songs, oft meine musikalische Gestalt mit jeder Menge unterschiedlicher Stile. Ich nehme die Zuhörer*innen mit auf eine emotionale Reise der Selbstentdeckung – mit Gitarrenspiel in all seinen Aspekten und Formen.

Du bringst ein neues Line-up mit auf Tour, zumindest hier in Europa. Dieses wird aus Kenny Aronoff am Schlagzeug, Bryan Beller am Bass und Rai Thistlethwayte an den Keyboards bestehen. Bryan ist ja nun schon länger Teil deiner Live-Band, mit Kenny hast du auf der Experience-Hendrix-Tour gespielt. Wie kam es nun zu dieser Besetzung?

Ich wollte meine Live-Band auf ein noch höheres Energie- und Begeisterungslevel hieven. Bryan, Kenny und Rai sind nicht nur für das neue Material perfekt, sondern auch für die Klassiker meines ziemlich großen Repertoires. Rai ist neu dabei und er bringt so viel musikalische Power in die Band. Er ist ein toller Performer, Keyboarder und Gitarrist, aber auch ein toller Frontmann mit seiner eigenen Band Thirsty Merc. Ihn in meiner Live-Band zu haben wird nochmal ein ganz neues Energielevel bringen.

Wie sieht dein Kompositionsprozess aus ? Wo und wann schreibst du? Hat sich das über die Jahre geändert – und: Welches Equipment hast du immer bei der Hand, wenn du zuhause spielst?

Ich schreibe in meinem Kopf in allen möglichen Locations, zum Beispiel im Tourbus oder wenn ich mich für ein Getränk anstelle. Man weiß nie, wann oder wo einen die Inspiration überkommt. Also ist es gut, darauf vorbereitet zu sein, sich an das, was man erträumt hat, in einer musikalischen Sprache erinnern zu können. Eine Gitarre oder ein Keyboard bei der Hand zu haben ist gut, und am besten auch noch was, mit dem man aufnehmen kann. Mit meiner Gitarre in der Hand vor dem Pro-Tools-Rig zu schreiben kann schon ziemlich praktisch sein, aber manchmal ist das, was einem beim Autofahren einfällt, genauso gut. Viele meiner Songs beginne ich auf dem iPhone, das sind einfach spontane Live-Aufnahmen.

Nimmst du dir auch mal Auszeiten von der Gitarre? Was war in den letzten Jahren die längste Phase, in der du keine Gitarre angegriffen hast – oder spielst du dauernd?

Ich spiele schon fast jeden Tag. Es gibt aber auch Zeiten, zum Beispiel nach einer besonders harten Tour, wo ich mir ein, zwei Wochen Pause vom Spielen gönne. Das ist nicht nur gut für Hände und Ohren, sondern hilft auch dabei, Riffs und Licks zu vergessen, die du vielleicht zu oft wiederholt hast. Wenn du dann wieder zum Spielen zurückkommst, fühlt sich das wie ein Neubeginn an.

Wenn man als Gitarrist*in ein so hohes Level erreicht hat, muss man dann eigentlich noch üben?

Ja. Üben ist gut für die Hände, den Geist und die Seele.

Im Oktober hattest du deine erste Ausstellung deiner Malereien. Man kannte dein Artworks zuvor beispielsweise von einigen deiner Gitarren, die ausgestellten Werke waren aber etwas ganz anderes. Bildnerische Kunst und Musik – sind das für dich einfach zwei verschiedene Mittel, um eine Vision zu verwirklichen, oder etwas Grundverschiedenes?

Zeichnen ist eine meiner Leidenschaften, schon seit ich ein Kind war. Vor einigen Jahren hatte ich meine Frau Rubina gebeten, mir dabei zu helfen, meine Zeichenkünste auf die Leinwand zu übersetzen. Sie ist eine ausgebildete Künstlerin, genau wie mein Sohn und meine zwei älteren Schwestern. Ich hatte also während des Prozesses eine tolle Orientierung, die mir dabei half, Technik und das Kanalisieren meiner Ideen auf dieses neue Medium zu verstehen. Für mich hat es seine eigene Flugbahn und seinen eigenen Stil, gelöst von der Musik.

Joe Satriani

Foto: Joseph Cultice

Dein letztes Album läutete ja auch eine Neuauflage deiner legendären Chromeboy-Gitarre ein – zuerst als Limited-Edition-Model, jetzt als reguläres Serienmodell JS1CR. Das Modell anlässlich des zehnten Jubiläums deiner Signature-Gitarrenlinie ist mittlerweile ein begehrtes und ziemlich teures Sammlerobjekt. Erkläre doch mal, wie die Chromeboy entstand und wie es kam, dass du sie zurückbrachtest.

Während der Aufnahmen zu Surfing With The Alien im Jahr 1987 war es eine logische Idee für Bill Reim von Ibanez und mich, eine Gitarre mit Chrome-Finish zu erschaffen. Das Design- und Produktionsteam von Ibanez, gemeinsam mit Hoshino Gakki, arbeitete unermüdlich daran, die Herausforderungen eines solchen Modells zu bewältigen. Die neue JS1CR ist ein großartiges, wunderschönes Instrument. Sie sollte im Smithsonian Institute of Design stehen, ohne Zweifel. Sie ist auch mein Lieblingsmodell, das bestklingende und am besten zu spielende JS-Modell bis jetzt.

Deine JS-Signature-Serie ist seit Jahrzehnten etabliert. Wie gehst du an die Entwicklung und Veröffentlichung neuer Modelle heran, wonach suchst du?

Optimieren, optimieren und nochmals optimieren, ha! Ich arbeite einfach daran, die Gitarre jedes Jahr besser zu machen. Wenn du an die Entwicklung von Gitarren wie Telecasters oder Stratocasters denkst, merkst du, wie wichtig die Evolution des Gitarrendesigns für die Bedürfnisse sich stetig weiterentwicklender Stile ist. Ich genieße die Arbeit daran wirklich und hoffe, es zu schaffen, dass das JS-Modell für weitere Generationen ein lebendiges musikalisches Werkzeug bleiben wird.

Seit es Youtube gibt, sind ganz neue Generationen von Gitarrist*inneen entstanden. Vor dem Internet musste man sich Bücher kaufen, jetzt hat man jede Information, jedes Tutorial für jeden Trick und jede Technik ständig verfügbar. Man sieht Kinder, die schon in frühem Alter eine fantastische Technik haben – schaust du dir auf Youtube manchmal junge Spieler*innen an? Und glaubst du, dass die Verfügbarkeit von allem zu jeder Zeit die Gitarrenwelt verändert hat?

Das ist eine großartige Art und Weise, um das Internet zu nutzen. Es war früher so schwer, wirklich authentische Infos zum Thema Spielen zu bekommen. Ich bin wirklich inspiriert von den ganzen jungen Gitarrist*innen auf der ganzen Welt. Zwar kann nichts die Erfahrung ersetzen, vor einem Live-Publikum zu spielen, aber mit YouTube kannst du zumindest die richtige Art zu spielen sofort „sehen“. Solange du weißt, welche Posts du ernst nehmen kannst!

Wie siehst du den Status Quo der Gitarre – oder noch spezifischer: den von Gitarrensoli in der populären Musik?

Ich wünschte, es gäbe mehr Möglichkeiten für die ganzen großartigen Gitarrist*innen draußen, ihr Können zu zeigen. Aber was kann man schon machen? Veränderung ist unumgänglich, in allen Aspekten des Lebens. Ich versuche einfach in allem, was ich tue, besser zu werden und meine Fans weiterhin glücklich zu machen.

Joe Satriani live in Deutschland:

  • 15. April 2020: Mainz/Halle45
  • 18. April 2020: Karlsruhe/Tollhaus
  • 19. April 2020: Berlin/Huxleys
  • 20. April 2020: Oberhausen/Turbinenhalle2
  • 25. April 2020: Winterbach/Salierhalle
  • 19. Mai 2020: Nürnberg/Löwensaal

Willie Nelsons Gitarre Trigger: Löcher, Knarzen und viel Seele

Popkultur

Zeitsprung: Am 28.1.1970 fällt Jimi Hendrix’ Band Of Gypsys krachend auseinander.

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Foto: Hendrix im Madison Square Garden 1970/ Bild: Fred W. McDarrah/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 28.1.1970.

von Christof Leim

„That’s what happens when earth fucks with space. Never forget that.“ So kommentiert Jimi Hendrix einen katastrophalen Gig im Madison Square Garden am 28. Januar 1970, der nach anderthalb Songs bereits endet. Es sollte die letzte Show der Band Of Gypsys werden…

Hier könnt ihr euch die Band Of Gypsys live anhören:

Mit der Band Of Gypsys geht es verheißungsvoll los: Nach dem Zusammenbrechen der Jimi Hendrix Experience umgibt sich der Gitarrenmeister mit neuen Musikern und spielt einen legendären Auftritt in Woodstock. Die neue Gruppierung nennt er „Gypsy Sun And Rainbows“ und erklärt von der Bühne: „It’s nothing but a band of gypsys.“ Mehr „Hippie“ geht fast nicht.

Pflichtarbeit

In Folgezeit kehrt er mit Bassist Billy Cox und Schlagzeuger Buddy Miles wieder zum Trioformat zurück und erforscht neue musikalische Sphären. Vor allem R&B und Funk halten Einzug. Zum Jahreswechsel 1969/1970 nehmen die drei im Fillmore East in New York City ein Livealbum auf, das den Titel Band Of Gypsys trägt. Oft wird auch dieses Line-up so bezeichnet. Wie viel echtes Herzblut Jimi in dieses Projekt steckt, weiß man nicht so genau. Ein Teil der Motivation kommt aus vertraglichen Verpflichtungen, ein neues Album abzuliefern, wie der Künstler später bereitwillig erklärt.

Cover

Ein dritter Auftritt findet schließlich am 28. Januar 1970 im großen und altehrwürdigen Madison Square Garden statt. Hier spielt die Band Of Gypsys beim Winter Festival For Peace, einer Benefizveranstaltung zugunsten von Antikriegsinitiativen. Mit zum Aufgebot des auf fünf Stunden angelegten Abends gehören unter anderem Harry Belafonte, Blood Sweet & Tears und Dave Brubeck. Anscheinend läuft es mit dem Zeitplan nicht so rund, denn Hendrix, Cox und Miles gehen erst kurz nach drei Uhr morgens auf Bühne. 

Ein Debakel

Der Auftritt wird eine Katastrophe: Das Trio stolpert uninspiriert durch zwei Songs (Who Knows und Earth Blues), vor allem Hendrix selbst scheint nicht er selbst zu sein. Als eine Zuschauerin nach Foxy Lady verlangt, gibt er einen rüden Kommentar ab, und während Earth Blues erklärt er den Anwesenden: „That’s what happens when earth fucks with space“, auf Deutsch: „Das passiert, wenn die Erde mit dem Weltraum fickt.“ (Nein, wir verstehen das auch nicht.) Schließlich setzt er sich auf den Drumriser und weigert sich weiterzuspielen. Irgendwann stöpselt er sein Instrument aus und verschwindet ganz. 

Was war denn da los? Gitarrenkollege Johnny Winter hat Hendrix vor der Show getroffen und berichtet später: „Er kam mit gesenktem Kopf rein, hat sich alleine auf die Couch gesetzt und seinen Kopf in seine Hände gelegt. Bis zur Show hat er sich nicht bewegt.“ Es kursiert die Theorie, dass Manager Michael Jeffrey seinem Künstler einen schlechten LSD-Trip untergeschoben haben soll, um die Band Of Gypsys zu sabotieren, auf dass die erfolgreichere Experience wieder zusammenkomme. Das Kamerateam, dass Jeffrey für den Abend engagiert hat, spricht allerdings eine andere Sprache. Zudem scheint es unwahrscheinlich, dass er seinen Künstler vor großer Kulisse und versammelter Presse so blamieren möchte. Dass Jimi an diesem Abend (mehr als sonst) unter Drogen steht – wissentlich, unwissentlich oder beides – kann man jedoch nicht ausschließen. Für die Band Of Gypsys bedeutet dieses Desaster sofort im Anschluss das Ende: Manager Jeffrey feuert Schlagzeuger Miles, Bassist Cox quittiert seinen Dienst.

Aber: Er freut sich.

Damit scheint es dem Protagonisten allerdings gut zu gehen. Unmittelbar nach dem Gig sieht Produzent Alan Douglas ihn in seiner Garderobe: „Er saß da, spielte Gitarre und lächelte.“ Wenige Tage später erzählt Hendrix dem Rolling Stone: „Ich denke, die Show im Madison Square Garden ist wie das Ende eines großen, langen Märchens. Ich hätte mir kein besseres Ende ausdenken können. Es hat sich da viel in meinem Kopf geändert. Ich konnte das gar nicht genau sagen, ich war sehr müde. Ich habe da den größten inneren Kampf meines Lebens ausgefochten.“ Bereits im Februar kommt die Jimi Hendrix Experience wieder zusammen (mit Billy Cox statt Noel Redding), im September ist der große Künstler schon tot. Aber das sind mal wieder andere Geschichten.

Zeitsprung: Am 20.2.1959 spielt Jimi Hendrix seinen ersten Gig – und fliegt raus.

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Popkultur

„Give peace a chance“: Die stärksten Lieder gegen den Vietnamkrieg

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Vietnamkrieg
Foto: PhotoQuest/Getty Images

Vor genau 50 Jahren wurde in Paris ein Friedensvertrag unterzeichnet, der das langsame Ende des Vietnamkriegs einläuten sollte. Diese zehn Songs werden auf ewig an das sinnlose Gemetzel im Indopazifik erinnern.

von Björn Springorum

Bis März 1973 waren fast alle US-amerikanischen Truppen aus Vietnam abgezogen. Dennoch dauerte es noch bis 1975, bis auch die letzten Amerikaner das versehrte Land verlassen und ein grausamer, sinnloser, bestialischer Krieg langsam zu Ende geht. Die zehn Jahre davor waren in den USA beherrscht von immer lauteren und massiveren Protesten und Kundgebungen gegen den Krieg – der Aufstieg der Gegenkultur und ihrer unsterblichen Songs. Diese Lieder werden uns für immer an den Vietnamkrieg denken lassen. Und uns in Zukunft hoffentlich bessere Entscheidungen treffen lassen.

1. Barry McGuire – Eve Of Destruction (1965)

„The Eastern world, it is explodin’ – Violence flarin’, bullets loadin’ – You’re old enough to kill but not for votin’“ singt Barry McGuire 1965 im aufgewühlten Eve Of Destruction. Er findet klare Worte, was ihm prompt einen Bann vieler Radiosender einbringt. Der Erfolg des Songs kann davon nicht aufgehalten werden: Im September 1965 ist Eve Of Destruction an der Spitze der US-Charts angekommen.

2. Phil Ochs – I Ain’t Marching Anymore (1965)

Auch der texanische Protestsänger Phil Ochs versteckt sich nicht hinter Metaphern: In I Ain’t Marching Anymore (1965) rechnet er mit der blutigen Geschichte der Vereinigten Staaten ab und singt mit ernster Stimme: „It’s always the old to lead us to the wars – Always the young to fall – Now look at all we’ve won with the saber and the gun – Tell me, is it worth it all?“ Das kriegt Bob Dylan auch nicht besser hin.

3. Tom Paxton – Lyndon Johnson Told The Nation (1965)

Eine politische Folk-Moritat reiht sich ebenfalls 1965 von Tom Paxton ins Antikriegsgeschehen ein: Zu melancholischen Klängen erinnert er daran, dass Präsident Lyndon B. Johnson stets beteuerte, nicht in den Krieg eingreifen zu wollen – im besten „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen“-Style. „Lyndon Johnson told the nation – Have no fear of escalation – I am trying everyone to please – Though it isn’t really war – We’re sending fifty thousand more – To help save Vietnam from the Vietnamese“ singt er voller verzweifeltem Zynismus. Da muss man schon mal schlucken.

4. Joan Baez – Saigon Bride (1967)

1967 vertont Joan Baez ein Gedicht von Nina Duschek und macht mit fragiler Trauer auf die Sinnlosigkeit des Krieges aufmerksam: „How many dead men will it take – To build a dike that will not break? How many children must we kill – Before we make the waves stand still?“

5. Country Joe & The Fish – Feel Like I’m Fixin’ To Die (1967)

Einen ganz anderen Ansatz wählen Country Joe & the Fish in ihrem ikonischen Woodstock-Evergreen Feel Like I’m Fixin’ To Die. Beschwingte Hillbilly-Stimmung statt elegischer Wandergitarre, dazu ein aberwitziger, bizarrer, trotziger Text zum Mitträllern, der die Rekrutierungsmethoden der US-Armee aufs Korn nimmt: „And its 1, 2,3 what are we fighting for? Don’t ask me I don’t give a damn – The next stop is Vietnam – And it’s 5, 6, 7 open up the pearly gates – Well there ain’t no time to wonder why – WHOOPEE we’re all gonna die.“ Vielleicht der größte aller Anti-Vietnam-Songs.

6. Richie Havens – Handsome Johnny (1967)

Noch ein unvergessener Woodstock-Moment: Handsome Johnny von Richie Havens wird zu einem Meilenstein der Gegenkultur, zum Soundtrack eines Landes, das den Krieg immer weniger unterstützen kann.

7. Creedence Clearwater Revival – Fortunate Son (1969)

Fortunate Son ist nicht nur einer der besten Rock-Songs aller Zeiten. Sondern auch einer der wichtigsten: Geschrieben nach der Hochzeit von David Eisenhower und Julie Nixon handelt der Song von denen, die nicht in den Krieg müssen, weil sie mit einem Silberlöffel in der Hand geboren werden und dem Einzug durch Macht, Geld und Einfluss entgehen dürfen. Ein großer Moment.

8. John Lennon – Give Peace A Chance (1969)

Die überwältigende Anzahl der Protestsongs aus der Zeit des Vietnamkriegs kommt natürlich aus den USA. Mit Give Peace A Chance steuert aber auch John Lennon ein wichtiges Kapitel zum Antikriegskanon dieser Zeit bei. Aufgenommen in einem Take in Montreal, fünf Monate später von einer halben Million Kehlen bei einem Protestmarsch gesungen. Lennon hat auch als Engländer den richtigen Ton getroffen.

9. Edwin Starr – War (1970)

Edwin Starr bringt es 1970 mit Funk, Disco und Bläsern auf den Punk: „War, huh yeah – What is it good for? Absolutely nothing, oh hoh, oh.” Mehr muss man wirklich nicht dazu sagen. Außer vielleicht: ursprünglich wird der Song für The Temptations geschrieben, die ihn dann aber lieber doch nicht anfassen, um keine Fans zu verärgern. Glück für Edwin Starr: Die Nummer wird zu einer der erfolgreichsten des Jahres.

10. Jimmy Cliff – Vietnam (1969)

Auch die Reggae-Welt rechnet mit dem Krieg ab. 1969 veröffentlicht Jimmy Cliff das schlicht Vietnam betitelte Stück, nach Ansicht Bob Dylans „der beste Protestsong, der jemals geschrieben wurde“. Cliff erzählt in der ersten Strophe von einem Soldaten, der einen Brief nach Hause schickt – und in der zweiten von einem Telegramm, das den Tod des Soldaten übermittelt.

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Protest in zwei Minuten: Die erste The-Clash-Single „White Riot“

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Zeitsprung: Am 26.1.1973 veröffentlichen Deep Purple „Who Do We Think We Are“ – mit Folgen.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 26.1.1973.

von Christof Leim

Who Do We Think We Are von Deep Purple wird am 26. Januar 1973 veröffentlicht. Zwar verkauft sich die Scheibe gut und liefert mit Woman From Tokyo sogar einen Hit, aber einfach kam das Album nicht zustande. Das verwundert kaum angesichts des Arbeitspensums der Band. Dass damals zudem zwei der fünf Musiker nicht miteinander reden, hilft natürlich auch nicht. Schlussendlich zerbricht das legendäre Mark-II-Line-up kurz nach der Veröffentlichung.

Hört euch das Album hier und lest die ganze Geschichte:

Vielleicht war einfach die Luft raus. Als Deep Purple im Sommer 1972 ihr siebtes Album angehen, haben sie gerade 18 Monate Tour hinter sich. „Irgendwann bekam jeder von uns ernsthafte gesundheitliche Probleme“, erinnert sich Ian Gillan. Eine Pause gibt es trotzdem nicht, und die Schuld dafür sucht der Sänger – wie so oft in der Rockgeschichte – beim Management: „Wenn das vernünftige Leute gewesen wären, hätten sie uns für drei Monate in den Urlaub geschickt. Stattdessen haben sie uns gedrängt, die Platte im Zeitplan abzuliefern.“

Immer weiter

Also verschanzen sich Ian Gillan, Ritchie Blackmore, Roger Glover, Jon Lord und Ian Paice im Studio, zunächst in Rom, später in Walldorf bei Frankfurt. Aufgenommen wird mit dem Rolling Stones Mobile, das die Band schon im unsterblichen Smoke On The Water besungen hatte. Als Toningenieur agiert Martin Birch, der später mit Rainbow, Black Sabbath und Iron Maiden zu weiterem Weltruhm gelangen sollte.

Das legendäre Mark-II-Line-up von Deep Purple: Blackmore, Gillan, Glover, Lord, Paice.

Die Stimmung innerhalb der Truppe befindet sich schon vor den Aufnahmen an einem Tiefpunkt, wie Bassist Glover in einer Dokumentation der BBC beschreibt: „Ich glaube nicht, dass Ritchie und Ian in dem letzten Jahr dieser Besetzung ein Wort miteinander gesprochen haben. Sie wurden zu zwei entgegengesetzten Polen, die sich immer weiter angestachelt und voneinander entfernt haben.“ Deshalb spielen die Musiker ihre Parts sogar getrennt ein; die legendäre musikalische Interaktion von Deep-Purple-Konzerten kommt so natürlich nicht zustande. Blackmore wünscht sich außerdem, dass die Band ihre Blues-Wurzeln wiederentdeckt, angeblich deshalb, weil ihm die letzten Platten zu „poppig“ erscheinen. Das allerdings klingt angesichts der Rockmacht von Machine Head (1972) und Made In Japan (1973) doch sonderbar. Man könnte sogar anführen, dass Who Do We Think We Are „poppiger“ und gefälliger klingt.

Ladehemmung

Der einzige Track aus den Rom-Sessions im Sommer, der es auf das Album schafft, heißt Woman From Tokyo. Hier singt Gillian über die Erfahrungen der ersten Japan-Tour. Den Rest kann die Band erst nach einer erneuten Konzertreise durch Fernost aufnehmen. Dabei kommt die Kreativität nur langsam ins Rollen, schlussendlich enthält die Platte nicht mehr als sieben Songs. Einer davon, Mary Long, handelt von zwei bekannten britischen Persönlichkeiten: der erzkonservativen Aktivistin Mary Whitehouse und dem Sozialreformer Lord Longford. „Die beiden waren ständig mit erhobenem Zeigefinger unterwegs“, erläutert der Sänger später. „Es ging um die Standards der älteren Generation und die gängige Moral. Ich habe die beiden zu einer Person verschmolzen, um die Heuchelei der Zeit darzustellen“. Mit Place In Line findet sich sogar ein echtes Blues-Stück auf der Platte, ansonsten regiert der bekannte Stil des Mark-II-Lineups mit kompetenten Songs und souveränen Wechselspielen zwischen Orgel und Gitarre. Langlebige Hits produziert die Scheibe mit Ausnahme von Woman In Tokyo jedoch nicht.

Who Do We Think We Are erscheint am 26. Januar 1973. Als Titelinspiration dient negative Fanpost, die laut Drummer Ian Paice gerne mit der Frage beginnt: „Wer glauben Deep Purple eigentlich wer sie sind?“ Trotz aller Probleme erweist sich das Werk als Kassenschlager mit einer halben Millionen verkaufter Exemplare in den ersten drei Monaten, was sicher auch an den äußerst erfolgreichen Vorgängern liegt. Das reicht für Platz 15 in den US-Charts, Platz vier in Großbritannien und Platz drei in Deutschland. In den USA bringt im ganzen Jahr 1973 niemand mehr Alben unter die Leute als Deep Purple.

Doch es hilft alles nichts: Die anhaltenden Zwistigkeiten führen dazu, dass dieses Line-up schon am 29. Juni 1973 in Osaka sein letztes Konzert spielt. In einem Brief an die Kollegen verkündet Ian Gillan seinen Ausstieg, Roger Glover geht gleich mit. Erst 1984 kommt die Mark-II-Besetzung wieder für Perfect Strangers zusammen. Die Band engagiert nach Who Do We Think You Are den Trapeze-Bassisten Glenn Hughes und einen gänzlich unbekannten Sänger namens David Coverdale. Schon im Folgejahr erscheinen die Alben Burn und Stormbringer. Aber das ist eine andere Geschichte…

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Zeitsprung: Am 25.1.1975 gibt es Ärger zwischen Deep Purple und AC/DC.

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