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Popkultur

John Lennon Solo in 20 Songs

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Zum ersten Mal trafen John und Paul bei einer Gartenparty der Woolton Parish Church in Liverpool aufeinander. Das war am 6. Juli 1957. Johns nach der Quarrybank School benannte Band The Quarrymen spielte Skifflemusik; wie so ziemlich jede andere Beatgruppe in den 1960ern am Anfang ihrer Karriere. Dann stieß George zu den Beiden und die Band begann, Cover amerikanischer Rock’n’Roll-Platten zu spielen. Der Rest ist Geschichte.

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In derselben Woche im Juli 1957 war Little Richard mit ‘Lucille’ in den britischen Charts; das war bereits die siebte Scheibe innerhalb von sechs Monaten, die der Sänger aus Macon, Georgia, dort platziert hatte. Sein erster Hit war ‘Rip It Up’ im Dezember 1956, mit der B-Seite ‘Ready Teddy’, und als John sein Album Rock’n’Roll aufnahm, coverte er beide Songs in einem Medley. Als die Beatles in Hamburg auftraten, traf John Little Richard im Star Club. Damals waren die zwei Songs auch Teil ihres Liveprogramms.
Anfang 1957 war ‘Ain’t That A Shame’ der dritte UK-Hit für Fats Domino, den Pianisten aus New Orleans. All diese Platten und die anderen auf dem Album Rock’n’Roll vertretenen Songs sind genau die Musik, mit der John aufgewachsen ist und die ihn den Rest seines Lebens begleitete. So ging es wohl den meisten Leuten seiner Generation.
Johns erste Solosingle war das hymnische ‘Give Peace A Chance’, aufgenommen am 1. Juni 1969 in Montreal während John und Yokos zweitem Bed-In For Peace. Die Sängerin Petula Clark hielt sich zur selben Zeit für Konzerte in Montreal auf. Eines Tages telefonierte sie mit John und er lud sie zu sich und Yoko ins Hotel ein und so kam es, dass sie schließlich als eine der Backing-Sängerinnen auf dem Album auftauchte, welches es auf Platz 14 der Billboard Hot 100 und auf Platz 2 der britischen Singlecharts schaffte. Abgesehen von seinem Charterfolg, wurde der Song ‘Give Peace A Chance’ auch zur Hymne der Antikriegsbewegung und wird seitdem bei zahllosen Demonstrationen auf der ganzen Welt gesungen. Manche Platten sind wichtiger und größer, als das man sie einfach nur einen ‘Popsong’ nennen könnte.

Instant-Karma-single
‘Instant Karma’ wurde am 27. Januar in der Abbey Road aufgenommen und erschien in Großbritannien knapp eine Woche darauf (in Amerika zwei Wochen später). Laut den Credits geht der Song auf das Konto von Lennon/Ono with the Plastic Ono Band. Produziert wurde die Single von Phil Spector und sie war die erste Soloveröffentlichung eines Beatles, von der eine Million Exemplare über den Ladentisch gingen. Mit seinem “We All Shine On”-Refrain hat auch dieser Song hymnische Züge, und so schaffte er es auf Platz 5 der britischen Singlecharts und in die Top 3 in Amerika.
Johns erstes Soloalbum, John Lennon/Plastic Ono Band, wurde über einen Monat ab Ende September 1970 in den Abbey Road Studios aufgenommen. ‘Working Class Hero’ repräsentiert in seiner Ehrlichkeit und Offenheit auch viele der anderen Songs auf dem Album. Die Textzeile “A working class hero is something to be” erinnert an Johns eigene Situation und wird nochmal durch die Tatsache verstärkt, dass er mittlerweile in einem georgianischen Landhaus mit 72 Morgen Land in Tittenhurst Park lebte. Seit seiner Veröffentlichung hat der Song viele Menschen berührt, auch dank der Coverversionen von Künstler wie David Bowie, Roger Taylor, Elbow, Ozzy Osbourne, etc.
John hatte nie ein Problem damit, seine Meinung kundzutun; man erinnere sich nur an die nachfolgende Diskussion, als er in einem Interview sagte: “Mittlerweile haben wir mehr Fans als Jesus”. Johns Worte wurden ihm oft im Mund verdreht oder falsch zitiert, aber seine Aussage war ernst gemeint – genau wie in dem Song ‘God’, der ebenfalls auf John Lennon/Plastic Ono Band zu finden ist. Dieser Song bezog sich diesmal nicht nur auf Jesus, sondern auch auf Buddha, Elvis, Dylan, Gita und andere Götzen, an die John nicht glaubte. Außerdem beschäftigt sich der Song mit der Trennung der Beatles und ihrem gottähnlichen Status für einige Menschen – “If there is a God, we’re all it”. Auch diese Veröffentlichung ging nicht ohne Kontroverse ab, aber 1988 veröffentlichten U2 auf ihrem Album Rattle And Hum mit ‘God Part II’ eine Art Fortsetzung.
Das Einfachheit sehr schön sein kann, wissen wir alle. Und es gibt wenige Songs, die schöner sind als ‘Imagine’, der Titelsong von Johns 1971 erschienenem Album. Er wurde unzählige Male zur Unterlegung von Filmmaterial von Kriegen oder Aufständen eingesetzt, aber sein Effekt nutzt sich nicht ab – bei vielen Leuten laufen unweigerlich die Tränen. Auch ‘Jealous Guy’ findet sich auf diesem Album und geht auf einen Besuch der Beatles bei Maharischi in Rishikesh, Indien, zurück. In seiner ursprünglichen Form und mit anderem Text landete der Song beinahe auf dem White Album der Beatles. Möglicherweise denken einige Leute, es wäre eine John Lennon-Single gewesen, und das war sie auch, aber erst fünf Jahre nach seinem Tod 1980. Außerdem wurde er von Roxy Music gecovert und damit 1981 auf Platz 1 der Charts befördert.
Im September 1971 zogen John und Yoko nach New York und im Dezember begannen sie mit den Aufnahmen zu Some Time in New York City. Fertiggestellt wurde es im März 1972. Der Song ‘New York City’ wurde von dem Umzug und den Leuten, die John kennenlernte inspiriert, aber es entstand auch vor dem Hintergrund, dass die US-Regierung John ausweisen wollte. Seine Antwort war: “If the man wants to shove us out. We gonna jump and shout. The Statue of Liberty said, ‘come!’”
‘Happy Christmas (War is Over)’ von John und Yoko wurde mit dem Harlem Community Choir aufgenommen und erschien in Amerika zu Weihnachten 1971 (in Großbritannien kam es ein Jahr später). Dass das Paar sich Gedanken über die Probleme der Welt und speziell das Thema Frieden macht, hört man Johns Solomaterial und auch seinen Kollaborationen mit Yoko an. Heute klingen Johns Hoffnungen für eine Welt, in der soziale Einheit und Veränderung aus persönlicher Verantwortung entstehen könnte, recht einleuchtend. Aber damals klangen sie noch revolutionär.

Mind-Games
Johns viertes Soloalbum wurde im Sommer 1973 im Record Plant in New York aufgenommen und erschien im November desselben Jahres. Der Titeltrack ‘Mind Games’ wurde ursprünglich schon während der Arbeit am Beatles-Album ‘Let It Be’ begonnen. Damals hieß er noch ‘Make Love, Not War’. Der Text ist ein Plädoyer für die Liebe und enthält die Zeile “Yes is the answer”, ein Verweis auf Yokos Kunst, die das Paar zusammengebracht hatte. ‘Out Of The Blue’ stammt von demselben Album. Es geht darum, wie John und Yoko ein Paar wurden und wie sie plötzlich und unerwartet auf der Bildfläche erschienen war. Es ist definitiv eine von Johns schönsten Balladen.
Ein Jahr nach Mind Games erschien Walls And Bridges. Die erste Singleauskopplung war ‘Whatever Gets You Through The Night’ – Johns erste Single, die es an die Spitze der amerikanischen Hot 100 schaffte (in Großbritannien erreichte sie seltsamerweise nur Platz 36); und auch die einzige zu seinen Lebzeiten. Elton John singt auf dem Song Harmonien und spielt Klavier, und er schloss eine Wette mit John ab, dass er ein Nummer 1-Hit werden würde. Johns Wetteinsatz war, dass er, sollte das geschehen, zusammen mit Elton John auftreten würde. Und das tat er dann auch am 28. November 1974 im Madison Square Garden. Es sollte John Lennons letzter großer Liveauftritt sein.
‘#9 Dream’ war die zweite Single von Walls and Bridges und für viele Fans eine der interessantesten Platten, die John je aufgenommen hat. Der Refrain hat echten Ohrwurmcharakter und durch die Cellos erinnert er an einige von George Martins Arrangements für die Beatles. 1974 produzierte John Harry Nilssons Album ‘Pussy Cats’. Während dieser Zeit schrieben die beiden schon seit den 1960ern in London befreundeten Musiker gemeinsam den Track ‘The Old Dirt Road’. Bei der Pressekonferenz anlässlich der Gründung von Apple Corps 1968 wurde John nach seinem liebsten amerikanischen Künstler gefragt. Seine Antwort war “Nilsson”. An ‘The Old Dirt Road’ scheiden sich die Geister, aber es ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Johns Instinkt für gute Songs der Schlüssel seiner Arbeit war.

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Double Fantasy war das letzte Album, das zu Johns Lebzeiten erschien; nur drei Wochen, bevor er ermordet wurde. 1981 wurde Double Fantasy mit einem Grammy als “Album des Jahres” ausgezeichnet. Die erste Singleauskopplung ‘(Just like) Starting Over’ wurde Ende Oktober veröffentlicht und eroberte in der verhängnisvollen Woche die Spitzenposition der amerikanischen und britischen Charts. ‘(Just like) Starting Over’ als erste Single auszuwählen war nicht zuletzt deswegen passend, weil es Johns erste Veröffentlichung seit dem Album Rock’n’Roll 1975 war.
‘Woman’ war Johns Ode an Yoko und an alle Frauen. Die Single erschien einen Monat nach seiner Ermordung und in einem Interview mit dem Rolling Stone am 5. Dezember (drei Tage vor seinem Tod) erklärte John selbst: “Der Song erinnert mich an einen Beatles-Track, aber das war keine Absicht. Ich schrieb ihn so wie ‘Girl’ vor vielen Jahren. Es ist also eine erwachsene Version von ‘Girl’”. Als Kontrapunkt ist ‘Beautiful Boy (Darling Boy)’ ein Liebeslied an Sean, den 1975 geborenen gemeinsamen Sohn von John und Yoko. Er war der Grund, warum John sich aus dem Plattengeschäft zurückzog, um während dieser prägenden Phase mehr Zeit mit seinem Sohn verbringen zu können. 1982 trat Paul McCartney in der BBC-Sendung Desert Island Discs auf und er sagte, wenn er nur eine einzige Platte auf eine einsame Insel mitnehmen könnte, dann wäre es diese.
1984 erschien mit Milk and Honey endlich das geplante nächste gemeinsame Album von John und Yoko; der Nachfolger von Double Fantasy. Nach Johns Tod war Yoko drei Jahre lang nicht in der Lage, weiter an dem Album zu arbeiten. ‘Nobody Told Me’ war ursprünglich für Ringo Starrs Album Stop And Smell The Roses (1981) gedacht und als es als Single herauskam, wurde diese in vielen Ländern ein Hit, darunter Top 5 in den Vereinigten Staaten und Platz 6 in Großbritannien.

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‘Grow Old With Me’ ist einer von Johns letzten Songs und während eines Urlaubs auf Bermuda 1980 nahm er ein Demo auf. Die Inspiration kam von Robert Brownings Gedicht “Rabbi Ben Ezra” und Yokos Song ‘Let Me Count The Ways’ (welcher wiederum von einem Gedicht von Elizabeth Barrett Browning inspiriert wurde).
Es gibt keinen schöneren Abschluss für diese kurze musikalische Biografie. John Lennon war einzigartig. Johns Gedichtband ‘In His Own Write’, erschienen 1964, erfasst mit seinem Titel alles, was John ausmachte. Er gehörte nur sich selbst, zögerte nie, seine Gefühle auszusprechen oder aufzuschreiben, und egal, wo er gerade lebte und arbeitete – er biederte sich nie beim Establishment an.

John Lennon
Johns Soloaufnahmen und die zusammen mit Yoko klingen heute noch genauso frisch und innovativ wie bei ihrer ersten Veröffentlichung, was bei vielen mehr als 40 Jahre zurückliegt. Es ist an der Zeit, diese wundervolle Musik wieder anzuhören. Sie werden feststellen, dass Johns Songs autobiografischer waren als die der meisten anderen Künstler … das macht sie so phänomenal.

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Popkultur

„The Wall“ als Film: Roger Waters’ holpriger Weg ins Kino

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Pink Floyd spielen "The Wall"
Foto: Rob Verhorst/Redferns/Getty Images

Als Pink Floyd im Jahr 1979 ihr monumentales Konzeptalbum The Wall vorlegen, denkt Mastermind Roger Waters schon längst über eine Verfilmung der Geschichte nach. Genau dazu kommt es wenig später auch — allerdings auf großen Umwegen, mit viel Streit und einem enttäuschenden Ergebnis.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch The Wall von Pink Floyd anhören:

Mitte der Siebziger hängt der Haussegen bei Pink Floyd mächtig schief. Frontmann Roger Waters reißt Stück für Stück die kreativen Belange an sich, Gitarrist David Gilmour fühlt sich deshalb übergangen. Keyboarder Richard Wright kommt ohnehin zu kurz, doch die Schuld dafür gibt sich der typische Klassenstille später selbst. Als sich die Musiker auch noch um Tantiemen streiten und Gilmour zum ersten Mal Papa wird, übernimmt Waters noch mehr künstlerische Kontrolle. Quasi im Alleingang schreibt er das Konzeptalbum The Wall, das eine Kette von Ereignissen nach sich zieht. Da wären zum Beispiel der Rauswurf von Keyboarder Wright oder die aufwändige The Wall-Tour. Waters hat mit der Platte aber noch etwas anderes vor: Er möchte die Geschichte als Film auf die große Leinwand bringen.

The Wall: ein autobiografisch angehauchtes Meisterwerk

Die Handlung von The Wall lässt tief in Waters’ eigene Biografie blicken: Rockmusiker Pink leidet unter dem Tod seines Vaters im Zweiten Weltkrieg, unter seiner überfürsorglichen Mutter und unter seinem Dasein als Rockstar, der sich zunehmend von seinem Publikum isoliert fühlt — genau wie Waters während der ersten Pink-Floyd-Stadion-Shows im Rahmen der In The Flesh-Tour. Auch Schulprobleme aus der Kindheit und schwierige Liebesbeziehungen machen Pink zu schaffen. So demütigt ein Lehrer ihn zum Beispiel, indem er Pinks Gedichte laut vor der Klasse vorliest. Später findet der Rockstar heraus, dass ihn seine Frau betrügt und versucht, den Schmerz mithilfe eines Groupies und schließlich mit Drogen zu bekämpfen. Jede Enttäuschung sorgt für „another brick in the wall“, die Pink um sich errichtet. Am Ende laufen all seine negativen Erfahrungen zusammen.

Einen Film plant Waters schon vor der Produktion des Albums. Live-Aufnahmen sollen darin vorkommen, genauso wie Animationen aus dem Pinsel von Gerald Scarfe, der schon die LP von The Wall gestaltete. Auf dem Regiestuhl sollen Alan Parker und Michael Seresin sitzen, Waters möchte als Pink vor die Kamera treten. Doch dann kommt alles anders: Waters eignet sich nicht als Schauspieler, stattdessen übernimmt Boomtown-Rats-Frontmann Bob Geldof die Rolle. Der erzählt seinem Manager im Taxi noch, wie bescheuert er den Film findet — nicht wissend, dass Roger Waters’ Bruder am Steuer des Wagens sitzt. Live-Mitschnitte von Pink Floyd ergeben nach Waters’ Ausscheiden aus dem Cast keinen Sinn mehr, Seresin verlässt das Projekt daraufhin komplett. Übrig bleiben Parker, Waters und Scarfe. Harmonisch verläuft die Zusammenarbeit der Drei allerdings nicht …

Viel Ego, viel Film

Immer wieder geraten Musiker Waters, Regisseur Parker und Animateur Scarfe aufgrund ihrer Egos aneinander. Parker beschreibt den Filmprozess sogar als „eine der schlimmsten Erfahrungen meines kreativen Lebens“. Scarfe wiederum gibt in einem Interview mit dem Pink-Floyd-Magazin Floydian Slip zu Protokoll, er habe während der Dreharbeiten stets eine Flasche Whiskey im Gepäck gehabt. „Ich saß gegen neun Uhr morgens in meinem Auto und hatte eine Flasche Jack Daniel’s auf dem Beifahrersitz“, so Scarfe. „Ich trinke nicht viel, aber damals musste ich morgens einen Schluck nehmen, weil ich wusste, was auf mich zukam, und dass ich mich in irgendeiner Weise stärken musste.“ Roger Waters selbst genießt die Arbeit am The-Wall-Film auch nicht gerade, bezeichnet sie aber schlicht als „sehr zermürbende und unangenehme Erfahrung“.

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Die Premiere des Streifens geht am 23. Mai 1982 in Cannes über die Bühne, drei Wochen später folgt die Erstaufführung in London. David Gilmour und Nick Mason erscheinen als Gäste, Geldof und Scarfe lassen sich die Premiere natürlich ebenfalls nicht entgehen — genauso wenig wie Pete Townshend von The Who, Roger Taylor von Queen und Sting von The Police. Richard Wright bleibt wegen seines Rauswurfs zuhause. Zwölf Millionen US-Dollar kostet der The-Wall-Film unterm Strich, fast das Doppelte spielt er ein. Eigentlich handelt es sich bei dem Streifen also um einen Erfolg, doch Roger Waters ist nicht zufrieden. „Ich war am Ende ein bisschen enttäuscht“, verrät er 1988 in einem Interview. „Ich habe keinerlei Sympathie für den Hauptcharakter empfunden. Der Film war so ein Feuerwerk für die Sinne, dass ich als Zuschauer gar keine Chance hatte, mich richtig darauf einzulassen.“

„Was zum Teufel war das?“

Regie-Legende Steven Spielberg soll ein wenig direktere Worte gefunden haben und nach der Premiere in Cannes gefragt haben: „Was zum Teufel war das denn?“ The-Wall-Regisseur Parker behauptet später, dass ihn diese Reaktion gefreut habe: „In der Tat, ‚Was zum Teufel war das?‘ Niemand hatte so etwas bisher gesehen — eine wilde Mischung aus Live-Action, Storytelling und Surrealismus.“ Heute hat die The-Wall-Verfilmung ihren festen Platz in der Popkultur, nicht zuletzt aufgrund der charakteristischen Animationen von Scarfe. Zu den Sternstunden der Pink-Floyd-Geschichte zählt der Streifen aber sicher nicht.

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Die Alben von Pink Floyd im Ranking — die besten Platten der Prog-Legenden

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„Keeper Of The Seven Keys: Part I“: Als Helloween den Power Metal erfanden

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Helloween
Foto: Paul Natkin/Getty Images

Ursprünglich als Doppel-LP gedacht, veröffentlichen Helloween am 23. Mai 1987 den ersten Teil ihrer Keepers Of The Seven Keys-Saga. Die Schwelle zum Erfolg rückt näher, alle Zeichen stehen auf Durchbruch. Der große Knall gelingt der Band zwar erst ein Jahr später mit Part II — doch Part I sowie die Rekrutierung von Sänger Michael Kiske markieren wichtige Grundsteine für den jahrzehntelangen Erfolg der Hamburger.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Keeper Of The Seven Keys: Part I von Helloween anhören:

Als Helloween am 23. Mai 1987 ihr zweites Album Keeper Of The Seven Keys: Part I auf die Öffentlichkeit loslassen, steht die Band an einem Wendepunkt: Mit Walls Of Jericho hatte die Gruppe 1985 ein vielbeachtetes Debütalbum vorgelegt, mit Keeper Of The Seven Keys: Part II wird den Hamburgern 1988 der ganz große Durchbruch gelingen. Part I ebnet zwischenzeitlich den Weg dorthin. Doch was hat sich im Hause Helloween vom Debüt bis zu Keeper Of The Seven Keys: Part I eigentlich verändert?

„So anders als die letzte ist die Platte im Grunde genommen gar nicht“, findet Gitarrist Michael Weikath im Frühjahr 1987 in einem Interview mit dem deutschen Metal Hammer. So ganz recht hat er damit nicht: Nach ihrem ersten Album nehmen Helloween nämlich einen entscheidenden Personalwechsel vor — und holen Sänger Michael Kiske an Bord.

Kai Hansen: „Ich bin eher ein Schreihals.“

Dass Gitarrist Kai Hansen seinen Posten am Mikrofon räumt, liegt hauptsächlich daran, dass er sich als Sänger nicht wohlfühlt; vor allem das gleichzeitige Gitarrespielen ist ihm nicht geheuer. „Ich habe mich nie wirklich als Sänger gesehen“, verrät er im Interview mit dem britischen Classic Rock Magazine. „Ich bin eher eine Art Schreihals. Außerdem hat mir die Disziplin gefehlt. Saufen und Rauchen machen die Stimme nicht besser.“

Als Gitarrist rückt Hansen auf Keeper Of The Seven Keys: Part I in den Vordergrund, weil sein Sechs-Saiten-Kollege Michael Weikath wegen Krankheit nur sporadisch an den Sessions teilnehmen kann. Dadurch entsteht zum Beispiel der legendäre Song Future World, den Helloween als einzige Single von Part I auskoppeln. Auch das Stück Halloween stammt aus Hansens Feder. Untätig bleibt Weikath natürlich trotzdem nicht.

Mit A Tale That Wasn’t Right steuert der Gitarrist eine Ballade für die Ewigkeit bei, auch an Follow The Sign schreibt er mit. Freshman Michael Kiske komponiert das Stück A Little Time und leistet damit ebenfalls einen Beitrag zu der historischen Errungenschaft, die man Keeper Of The Seven Keys: Part I im Allgemeinen nachsagt: die Erfindung des Power Metal.

Klassischer Heavy Metal, unfassbare Geschwindigkeiten, symphonische Elemente, epische Texte: Wenn es um Drachen, Zauberer und jede Menge Doublebass geht, ist das Wörtchen „Power“ im Metal nicht weit. „Mir kam es damals nicht so vor, als hätten wir etwas großartig Neues geschaffen“, erinnert sich Kai Hansen im ClassicRock-Interview. „Niemand konnte damals etwas mit dem Begriff Power Metal anfangen, für uns war das einfach nur Heavy Metal. Das ist es auch heute noch. Was zum Teufel soll Power Metal denn sein?“

Keeper Of The Seven Keys: Part I — ein Überraschungserfolg

Eigentlich hätten Helloween Part I und Part II der Keepers Of The Seven Keys-Saga lieber als Doppel-LP veröffentlicht, doch bei einer Newcomer-Band möchte die Plattenfirma Noise Records vermutlich lieber auf Nummer sicher gehen. Wer hätte schließlich geahnt, dass Helloween heute zu den größten Namen der Krawallmusik-Szene zählen würden und dass ausgerechnet der Doppelschlag Keeper Of The Seven Keys: Part I und II so sehr dazu beitragen würden.

Schon kurz nach der Veröffentlichung landet Part I unverhofft auf Platz 15 der deutschen Albumcharts. „Dass wir in die normalen Charts kommen, das hat wirklich keiner von uns erwartet“, erzählt Gitarrist Weikath im MetalHammer-Interview. Mit Part II gelingt sogar der Sprung auf Platz fünf. „Ich frage mich wirklich, wo denn eigentlich die Leute sitzen, die das alles kaufen. Da scheint es wesentlich mehr von zu geben, als ich angenommen hatte.“ Gut so!

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Zeitsprung: Am 29.8.1988 erscheint „Keeper Of The Seven Keys: Part II“ von Helloween.

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Zeitsprung: Am 22.5.2001 erscheint das erste Bon Jovi-Livealbum „One Wild Night“.

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Bon Jovi

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.5.2001."

von Christof Leim

Keine Frage: Bon Jovi dominieren den Hard Rock der Achtziger. Mit Slippery When Wet (1986) und New Jersey (1989) liefern sie zwei Nummer-eins-Alben hintereinander ab, daneben empfehlen sie sich als fleißige und mitreißende Liveband, die fast pausenlos durch die größten Hallen und Stadien in aller Welt tourt. Alleine die Konzertreise für Slippery dauert 15 Monate (von Juli 1986 bis Oktober 1987), danach hängen die Herren für New Jersey nochmal unfassbare 16 Monate (von Oktober 1988 bis Februar 1990) dran. Einen (offiziellen) Konzertmitschnitt dieser glorreichen Zeit sucht man allerdings vergebens.

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Hier könnt ihr in One Wild Night: Live 1985-2001 reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Die erste „richtige“ Liveplatte erscheint nämlich erst viel später, am 22. Mai 2001. Da hat sich die Welt der Rockmusik schon weitergedreht, Grunge und Crossover sind gekommen und wieder gegangen. Bon Jovi haben mehrjährige Pausen eingelegt, Soloalben veröffentlicht und sich immer mehr zu einer erwachsenen Rockband entwickelt, die Springsteen stilistisch näher steht als Kiss und Aerosmith. Zuletzt brachten sie im Sommer 2000 das Album Crush auf den Markt, eine weitestgehend entspannte, oft balladeske Angelegenheit. Als Liveband aber lassen sie weiter nichts anbrennen und füllen immer noch die Stadien.


Für One Wild Night: Live 1985-2001 beschränken sich die Musiker nicht auf die Aufzeichnungen einer Show oder einer Tour, sondern stellen Songs aus drei Phasen ihrer Karriere zusammen: von aktuellen Konzerten im Jahr 2000 und Shows von der Mitte der Neunziger, als junge Rockhörer auf ganz andere Sounds standen, sowie von einem Gig in Tokio 1985. (Ja, die Herren sind schon früh ordentlich rumgekommen.) Aufnahmen aus den ganz großen Jahren, also von den Megatouren zu Slippery und New Jersey, fehlen sonderbarerweise.



Mit der Songauswahl decken Bon Jovi dabei alle Phasen ihrer Karriere ab; es finden sich die offensichtlichen Hits (Livin’ On A Prayer, Bad Medicine et al.), locker-flockiges Neunziger-Zeug (Something For The Pain, Something To Believe In) und damals neues Material wie Just Older oder It’s My Life. Als alte Schätzchen gibt es den ersten Hit Runaway vom 1984er-Debütalbum und In And Out Of Love vom oft (und zu Recht) vergessenen Zweitwerk 7800° Fahrenheit.



Interessant wird es bei den Coverversionen: Im südafrikanischen Johannesburg lassen Bon Jovi eine treibende Version von Neil Youngs Rocking In The Free World vom Stapel, bei I Don’t Like Mondays singt sogar Bob Geldof mit. (Für die Komplettisten: Diese Aufnahme wurde schon auf der Doppel-CD-Variante von These Days (1995) veröffentlicht; drei Mitschnitte aus Zürich gibt es ebenfalls auf der The Crush Tour-DVD. ) Bei der letzten Nummer schließlich, dem titelgebenden One Wild Night 2001 handelt es sich um einen Remix eines Tracks von Crush. Diese neue Version wird auch als Single ausgekoppelt, ebenso der alte Gassenhauer Wanted Dead Or Alive.



Alles in allem repräsentiert die Platte gut den musikalischen Stand der Gruppe zur Jahrtausendwende. Bon Jovi erweisen sich als souveräne Liveband mit guten Gesängen und einem Frontmann, der die Menge anzuspornen weiß. Natürlich klingen unsere Helden mittlerweile im Vergleich zur ungestümen Hardrockerei der Achtziger ein gutes Stück erwachsener. Was vor allem heißt: Der Chef schreit nicht mehr so viel, und die Gitarre macht weniger „Brett“. Das Album erscheint am 22. Mai 2001 und schlägt sich recht wacker in den Charts mit hohen Platzierungen in Europa (Platz 3 in Deutschland) und einem 20. Rang in den USA. Der nächste Konzertmitschnitt Inside Out lässt dann wieder bis 2012 auf sich warten, aber das ist eine andere Geschichte…

Zeitsprung: Am 28.4.1989 heiratet Jon Bon Jovi seine Jugendliebe – heimlich.

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