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Popkultur

John Lennon Solo in 20 Songs

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Zum ersten Mal trafen John und Paul bei einer Gartenparty der Woolton Parish Church in Liverpool aufeinander. Das war am 6. Juli 1957. Johns nach der Quarrybank School benannte Band The Quarrymen spielte Skifflemusik; wie so ziemlich jede andere Beatgruppe in den 1960ern am Anfang ihrer Karriere. Dann stieß George zu den Beiden und die Band begann, Cover amerikanischer Rock’n’Roll-Platten zu spielen. Der Rest ist Geschichte.

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In derselben Woche im Juli 1957 war Little Richard mit ‘Lucille’ in den britischen Charts; das war bereits die siebte Scheibe innerhalb von sechs Monaten, die der Sänger aus Macon, Georgia, dort platziert hatte. Sein erster Hit war ‘Rip It Up’ im Dezember 1956, mit der B-Seite ‘Ready Teddy’, und als John sein Album Rock’n’Roll aufnahm, coverte er beide Songs in einem Medley. Als die Beatles in Hamburg auftraten, traf John Little Richard im Star Club. Damals waren die zwei Songs auch Teil ihres Liveprogramms.
Anfang 1957 war ‘Ain’t That A Shame’ der dritte UK-Hit für Fats Domino, den Pianisten aus New Orleans. All diese Platten und die anderen auf dem Album Rock’n’Roll vertretenen Songs sind genau die Musik, mit der John aufgewachsen ist und die ihn den Rest seines Lebens begleitete. So ging es wohl den meisten Leuten seiner Generation.
Johns erste Solosingle war das hymnische ‘Give Peace A Chance’, aufgenommen am 1. Juni 1969 in Montreal während John und Yokos zweitem Bed-In For Peace. Die Sängerin Petula Clark hielt sich zur selben Zeit für Konzerte in Montreal auf. Eines Tages telefonierte sie mit John und er lud sie zu sich und Yoko ins Hotel ein und so kam es, dass sie schließlich als eine der Backing-Sängerinnen auf dem Album auftauchte, welches es auf Platz 14 der Billboard Hot 100 und auf Platz 2 der britischen Singlecharts schaffte. Abgesehen von seinem Charterfolg, wurde der Song ‘Give Peace A Chance’ auch zur Hymne der Antikriegsbewegung und wird seitdem bei zahllosen Demonstrationen auf der ganzen Welt gesungen. Manche Platten sind wichtiger und größer, als das man sie einfach nur einen ‘Popsong’ nennen könnte.

Instant-Karma-single
‘Instant Karma’ wurde am 27. Januar in der Abbey Road aufgenommen und erschien in Großbritannien knapp eine Woche darauf (in Amerika zwei Wochen später). Laut den Credits geht der Song auf das Konto von Lennon/Ono with the Plastic Ono Band. Produziert wurde die Single von Phil Spector und sie war die erste Soloveröffentlichung eines Beatles, von der eine Million Exemplare über den Ladentisch gingen. Mit seinem “We All Shine On”-Refrain hat auch dieser Song hymnische Züge, und so schaffte er es auf Platz 5 der britischen Singlecharts und in die Top 3 in Amerika.
Johns erstes Soloalbum, John Lennon/Plastic Ono Band, wurde über einen Monat ab Ende September 1970 in den Abbey Road Studios aufgenommen. ‘Working Class Hero’ repräsentiert in seiner Ehrlichkeit und Offenheit auch viele der anderen Songs auf dem Album. Die Textzeile “A working class hero is something to be” erinnert an Johns eigene Situation und wird nochmal durch die Tatsache verstärkt, dass er mittlerweile in einem georgianischen Landhaus mit 72 Morgen Land in Tittenhurst Park lebte. Seit seiner Veröffentlichung hat der Song viele Menschen berührt, auch dank der Coverversionen von Künstler wie David Bowie, Roger Taylor, Elbow, Ozzy Osbourne, etc.
John hatte nie ein Problem damit, seine Meinung kundzutun; man erinnere sich nur an die nachfolgende Diskussion, als er in einem Interview sagte: “Mittlerweile haben wir mehr Fans als Jesus”. Johns Worte wurden ihm oft im Mund verdreht oder falsch zitiert, aber seine Aussage war ernst gemeint – genau wie in dem Song ‘God’, der ebenfalls auf John Lennon/Plastic Ono Band zu finden ist. Dieser Song bezog sich diesmal nicht nur auf Jesus, sondern auch auf Buddha, Elvis, Dylan, Gita und andere Götzen, an die John nicht glaubte. Außerdem beschäftigt sich der Song mit der Trennung der Beatles und ihrem gottähnlichen Status für einige Menschen – “If there is a God, we’re all it”. Auch diese Veröffentlichung ging nicht ohne Kontroverse ab, aber 1988 veröffentlichten U2 auf ihrem Album Rattle And Hum mit ‘God Part II’ eine Art Fortsetzung.
Das Einfachheit sehr schön sein kann, wissen wir alle. Und es gibt wenige Songs, die schöner sind als ‘Imagine’, der Titelsong von Johns 1971 erschienenem Album. Er wurde unzählige Male zur Unterlegung von Filmmaterial von Kriegen oder Aufständen eingesetzt, aber sein Effekt nutzt sich nicht ab – bei vielen Leuten laufen unweigerlich die Tränen. Auch ‘Jealous Guy’ findet sich auf diesem Album und geht auf einen Besuch der Beatles bei Maharischi in Rishikesh, Indien, zurück. In seiner ursprünglichen Form und mit anderem Text landete der Song beinahe auf dem White Album der Beatles. Möglicherweise denken einige Leute, es wäre eine John Lennon-Single gewesen, und das war sie auch, aber erst fünf Jahre nach seinem Tod 1980. Außerdem wurde er von Roxy Music gecovert und damit 1981 auf Platz 1 der Charts befördert.
Im September 1971 zogen John und Yoko nach New York und im Dezember begannen sie mit den Aufnahmen zu Some Time in New York City. Fertiggestellt wurde es im März 1972. Der Song ‘New York City’ wurde von dem Umzug und den Leuten, die John kennenlernte inspiriert, aber es entstand auch vor dem Hintergrund, dass die US-Regierung John ausweisen wollte. Seine Antwort war: “If the man wants to shove us out. We gonna jump and shout. The Statue of Liberty said, ‘come!’”
‘Happy Christmas (War is Over)’ von John und Yoko wurde mit dem Harlem Community Choir aufgenommen und erschien in Amerika zu Weihnachten 1971 (in Großbritannien kam es ein Jahr später). Dass das Paar sich Gedanken über die Probleme der Welt und speziell das Thema Frieden macht, hört man Johns Solomaterial und auch seinen Kollaborationen mit Yoko an. Heute klingen Johns Hoffnungen für eine Welt, in der soziale Einheit und Veränderung aus persönlicher Verantwortung entstehen könnte, recht einleuchtend. Aber damals klangen sie noch revolutionär.

Mind-Games
Johns viertes Soloalbum wurde im Sommer 1973 im Record Plant in New York aufgenommen und erschien im November desselben Jahres. Der Titeltrack ‘Mind Games’ wurde ursprünglich schon während der Arbeit am Beatles-Album ‘Let It Be’ begonnen. Damals hieß er noch ‘Make Love, Not War’. Der Text ist ein Plädoyer für die Liebe und enthält die Zeile “Yes is the answer”, ein Verweis auf Yokos Kunst, die das Paar zusammengebracht hatte. ‘Out Of The Blue’ stammt von demselben Album. Es geht darum, wie John und Yoko ein Paar wurden und wie sie plötzlich und unerwartet auf der Bildfläche erschienen war. Es ist definitiv eine von Johns schönsten Balladen.
Ein Jahr nach Mind Games erschien Walls And Bridges. Die erste Singleauskopplung war ‘Whatever Gets You Through The Night’ – Johns erste Single, die es an die Spitze der amerikanischen Hot 100 schaffte (in Großbritannien erreichte sie seltsamerweise nur Platz 36); und auch die einzige zu seinen Lebzeiten. Elton John singt auf dem Song Harmonien und spielt Klavier, und er schloss eine Wette mit John ab, dass er ein Nummer 1-Hit werden würde. Johns Wetteinsatz war, dass er, sollte das geschehen, zusammen mit Elton John auftreten würde. Und das tat er dann auch am 28. November 1974 im Madison Square Garden. Es sollte John Lennons letzter großer Liveauftritt sein.
‘#9 Dream’ war die zweite Single von Walls and Bridges und für viele Fans eine der interessantesten Platten, die John je aufgenommen hat. Der Refrain hat echten Ohrwurmcharakter und durch die Cellos erinnert er an einige von George Martins Arrangements für die Beatles. 1974 produzierte John Harry Nilssons Album ‘Pussy Cats’. Während dieser Zeit schrieben die beiden schon seit den 1960ern in London befreundeten Musiker gemeinsam den Track ‘The Old Dirt Road’. Bei der Pressekonferenz anlässlich der Gründung von Apple Corps 1968 wurde John nach seinem liebsten amerikanischen Künstler gefragt. Seine Antwort war “Nilsson”. An ‘The Old Dirt Road’ scheiden sich die Geister, aber es ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Johns Instinkt für gute Songs der Schlüssel seiner Arbeit war.

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Double Fantasy war das letzte Album, das zu Johns Lebzeiten erschien; nur drei Wochen, bevor er ermordet wurde. 1981 wurde Double Fantasy mit einem Grammy als “Album des Jahres” ausgezeichnet. Die erste Singleauskopplung ‘(Just like) Starting Over’ wurde Ende Oktober veröffentlicht und eroberte in der verhängnisvollen Woche die Spitzenposition der amerikanischen und britischen Charts. ‘(Just like) Starting Over’ als erste Single auszuwählen war nicht zuletzt deswegen passend, weil es Johns erste Veröffentlichung seit dem Album Rock’n’Roll 1975 war.
‘Woman’ war Johns Ode an Yoko und an alle Frauen. Die Single erschien einen Monat nach seiner Ermordung und in einem Interview mit dem Rolling Stone am 5. Dezember (drei Tage vor seinem Tod) erklärte John selbst: “Der Song erinnert mich an einen Beatles-Track, aber das war keine Absicht. Ich schrieb ihn so wie ‘Girl’ vor vielen Jahren. Es ist also eine erwachsene Version von ‘Girl’”. Als Kontrapunkt ist ‘Beautiful Boy (Darling Boy)’ ein Liebeslied an Sean, den 1975 geborenen gemeinsamen Sohn von John und Yoko. Er war der Grund, warum John sich aus dem Plattengeschäft zurückzog, um während dieser prägenden Phase mehr Zeit mit seinem Sohn verbringen zu können. 1982 trat Paul McCartney in der BBC-Sendung Desert Island Discs auf und er sagte, wenn er nur eine einzige Platte auf eine einsame Insel mitnehmen könnte, dann wäre es diese.
1984 erschien mit Milk and Honey endlich das geplante nächste gemeinsame Album von John und Yoko; der Nachfolger von Double Fantasy. Nach Johns Tod war Yoko drei Jahre lang nicht in der Lage, weiter an dem Album zu arbeiten. ‘Nobody Told Me’ war ursprünglich für Ringo Starrs Album Stop And Smell The Roses (1981) gedacht und als es als Single herauskam, wurde diese in vielen Ländern ein Hit, darunter Top 5 in den Vereinigten Staaten und Platz 6 in Großbritannien.

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‘Grow Old With Me’ ist einer von Johns letzten Songs und während eines Urlaubs auf Bermuda 1980 nahm er ein Demo auf. Die Inspiration kam von Robert Brownings Gedicht “Rabbi Ben Ezra” und Yokos Song ‘Let Me Count The Ways’ (welcher wiederum von einem Gedicht von Elizabeth Barrett Browning inspiriert wurde).
Es gibt keinen schöneren Abschluss für diese kurze musikalische Biografie. John Lennon war einzigartig. Johns Gedichtband ‘In His Own Write’, erschienen 1964, erfasst mit seinem Titel alles, was John ausmachte. Er gehörte nur sich selbst, zögerte nie, seine Gefühle auszusprechen oder aufzuschreiben, und egal, wo er gerade lebte und arbeitete – er biederte sich nie beim Establishment an.

John Lennon
Johns Soloaufnahmen und die zusammen mit Yoko klingen heute noch genauso frisch und innovativ wie bei ihrer ersten Veröffentlichung, was bei vielen mehr als 40 Jahre zurückliegt. Es ist an der Zeit, diese wundervolle Musik wieder anzuhören. Sie werden feststellen, dass Johns Songs autobiografischer waren als die der meisten anderen Künstler … das macht sie so phänomenal.

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