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Popkultur

John Lennon Solo in 20 Songs

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Zum ersten Mal trafen John und Paul bei einer Gartenparty der Woolton Parish Church in Liverpool aufeinander. Das war am 6. Juli 1957. Johns nach der Quarrybank School benannte Band The Quarrymen spielte Skifflemusik; wie so ziemlich jede andere Beatgruppe in den 1960ern am Anfang ihrer Karriere. Dann stieß George zu den Beiden und die Band begann, Cover amerikanischer Rock’n’Roll-Platten zu spielen. Der Rest ist Geschichte.

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In derselben Woche im Juli 1957 war Little Richard mit ‘Lucille’ in den britischen Charts; das war bereits die siebte Scheibe innerhalb von sechs Monaten, die der Sänger aus Macon, Georgia, dort platziert hatte. Sein erster Hit war ‘Rip It Up’ im Dezember 1956, mit der B-Seite ‘Ready Teddy’, und als John sein Album Rock’n’Roll aufnahm, coverte er beide Songs in einem Medley. Als die Beatles in Hamburg auftraten, traf John Little Richard im Star Club. Damals waren die zwei Songs auch Teil ihres Liveprogramms.
Anfang 1957 war ‘Ain’t That A Shame’ der dritte UK-Hit für Fats Domino, den Pianisten aus New Orleans. All diese Platten und die anderen auf dem Album Rock’n’Roll vertretenen Songs sind genau die Musik, mit der John aufgewachsen ist und die ihn den Rest seines Lebens begleitete. So ging es wohl den meisten Leuten seiner Generation.
Johns erste Solosingle war das hymnische ‘Give Peace A Chance’, aufgenommen am 1. Juni 1969 in Montreal während John und Yokos zweitem Bed-In For Peace. Die Sängerin Petula Clark hielt sich zur selben Zeit für Konzerte in Montreal auf. Eines Tages telefonierte sie mit John und er lud sie zu sich und Yoko ins Hotel ein und so kam es, dass sie schließlich als eine der Backing-Sängerinnen auf dem Album auftauchte, welches es auf Platz 14 der Billboard Hot 100 und auf Platz 2 der britischen Singlecharts schaffte. Abgesehen von seinem Charterfolg, wurde der Song ‘Give Peace A Chance’ auch zur Hymne der Antikriegsbewegung und wird seitdem bei zahllosen Demonstrationen auf der ganzen Welt gesungen. Manche Platten sind wichtiger und größer, als das man sie einfach nur einen ‘Popsong’ nennen könnte.

Instant-Karma-single
‘Instant Karma’ wurde am 27. Januar in der Abbey Road aufgenommen und erschien in Großbritannien knapp eine Woche darauf (in Amerika zwei Wochen später). Laut den Credits geht der Song auf das Konto von Lennon/Ono with the Plastic Ono Band. Produziert wurde die Single von Phil Spector und sie war die erste Soloveröffentlichung eines Beatles, von der eine Million Exemplare über den Ladentisch gingen. Mit seinem “We All Shine On”-Refrain hat auch dieser Song hymnische Züge, und so schaffte er es auf Platz 5 der britischen Singlecharts und in die Top 3 in Amerika.
Johns erstes Soloalbum, John Lennon/Plastic Ono Band, wurde über einen Monat ab Ende September 1970 in den Abbey Road Studios aufgenommen. ‘Working Class Hero’ repräsentiert in seiner Ehrlichkeit und Offenheit auch viele der anderen Songs auf dem Album. Die Textzeile “A working class hero is something to be” erinnert an Johns eigene Situation und wird nochmal durch die Tatsache verstärkt, dass er mittlerweile in einem georgianischen Landhaus mit 72 Morgen Land in Tittenhurst Park lebte. Seit seiner Veröffentlichung hat der Song viele Menschen berührt, auch dank der Coverversionen von Künstler wie David Bowie, Roger Taylor, Elbow, Ozzy Osbourne, etc.
John hatte nie ein Problem damit, seine Meinung kundzutun; man erinnere sich nur an die nachfolgende Diskussion, als er in einem Interview sagte: “Mittlerweile haben wir mehr Fans als Jesus”. Johns Worte wurden ihm oft im Mund verdreht oder falsch zitiert, aber seine Aussage war ernst gemeint – genau wie in dem Song ‘God’, der ebenfalls auf John Lennon/Plastic Ono Band zu finden ist. Dieser Song bezog sich diesmal nicht nur auf Jesus, sondern auch auf Buddha, Elvis, Dylan, Gita und andere Götzen, an die John nicht glaubte. Außerdem beschäftigt sich der Song mit der Trennung der Beatles und ihrem gottähnlichen Status für einige Menschen – “If there is a God, we’re all it”. Auch diese Veröffentlichung ging nicht ohne Kontroverse ab, aber 1988 veröffentlichten U2 auf ihrem Album Rattle And Hum mit ‘God Part II’ eine Art Fortsetzung.
Das Einfachheit sehr schön sein kann, wissen wir alle. Und es gibt wenige Songs, die schöner sind als ‘Imagine’, der Titelsong von Johns 1971 erschienenem Album. Er wurde unzählige Male zur Unterlegung von Filmmaterial von Kriegen oder Aufständen eingesetzt, aber sein Effekt nutzt sich nicht ab – bei vielen Leuten laufen unweigerlich die Tränen. Auch ‘Jealous Guy’ findet sich auf diesem Album und geht auf einen Besuch der Beatles bei Maharischi in Rishikesh, Indien, zurück. In seiner ursprünglichen Form und mit anderem Text landete der Song beinahe auf dem White Album der Beatles. Möglicherweise denken einige Leute, es wäre eine John Lennon-Single gewesen, und das war sie auch, aber erst fünf Jahre nach seinem Tod 1980. Außerdem wurde er von Roxy Music gecovert und damit 1981 auf Platz 1 der Charts befördert.
Im September 1971 zogen John und Yoko nach New York und im Dezember begannen sie mit den Aufnahmen zu Some Time in New York City. Fertiggestellt wurde es im März 1972. Der Song ‘New York City’ wurde von dem Umzug und den Leuten, die John kennenlernte inspiriert, aber es entstand auch vor dem Hintergrund, dass die US-Regierung John ausweisen wollte. Seine Antwort war: “If the man wants to shove us out. We gonna jump and shout. The Statue of Liberty said, ‘come!’”
‘Happy Christmas (War is Over)’ von John und Yoko wurde mit dem Harlem Community Choir aufgenommen und erschien in Amerika zu Weihnachten 1971 (in Großbritannien kam es ein Jahr später). Dass das Paar sich Gedanken über die Probleme der Welt und speziell das Thema Frieden macht, hört man Johns Solomaterial und auch seinen Kollaborationen mit Yoko an. Heute klingen Johns Hoffnungen für eine Welt, in der soziale Einheit und Veränderung aus persönlicher Verantwortung entstehen könnte, recht einleuchtend. Aber damals klangen sie noch revolutionär.

Mind-Games
Johns viertes Soloalbum wurde im Sommer 1973 im Record Plant in New York aufgenommen und erschien im November desselben Jahres. Der Titeltrack ‘Mind Games’ wurde ursprünglich schon während der Arbeit am Beatles-Album ‘Let It Be’ begonnen. Damals hieß er noch ‘Make Love, Not War’. Der Text ist ein Plädoyer für die Liebe und enthält die Zeile “Yes is the answer”, ein Verweis auf Yokos Kunst, die das Paar zusammengebracht hatte. ‘Out Of The Blue’ stammt von demselben Album. Es geht darum, wie John und Yoko ein Paar wurden und wie sie plötzlich und unerwartet auf der Bildfläche erschienen war. Es ist definitiv eine von Johns schönsten Balladen.
Ein Jahr nach Mind Games erschien Walls And Bridges. Die erste Singleauskopplung war ‘Whatever Gets You Through The Night’ – Johns erste Single, die es an die Spitze der amerikanischen Hot 100 schaffte (in Großbritannien erreichte sie seltsamerweise nur Platz 36); und auch die einzige zu seinen Lebzeiten. Elton John singt auf dem Song Harmonien und spielt Klavier, und er schloss eine Wette mit John ab, dass er ein Nummer 1-Hit werden würde. Johns Wetteinsatz war, dass er, sollte das geschehen, zusammen mit Elton John auftreten würde. Und das tat er dann auch am 28. November 1974 im Madison Square Garden. Es sollte John Lennons letzter großer Liveauftritt sein.
‘#9 Dream’ war die zweite Single von Walls and Bridges und für viele Fans eine der interessantesten Platten, die John je aufgenommen hat. Der Refrain hat echten Ohrwurmcharakter und durch die Cellos erinnert er an einige von George Martins Arrangements für die Beatles. 1974 produzierte John Harry Nilssons Album ‘Pussy Cats’. Während dieser Zeit schrieben die beiden schon seit den 1960ern in London befreundeten Musiker gemeinsam den Track ‘The Old Dirt Road’. Bei der Pressekonferenz anlässlich der Gründung von Apple Corps 1968 wurde John nach seinem liebsten amerikanischen Künstler gefragt. Seine Antwort war “Nilsson”. An ‘The Old Dirt Road’ scheiden sich die Geister, aber es ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Johns Instinkt für gute Songs der Schlüssel seiner Arbeit war.

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Double Fantasy war das letzte Album, das zu Johns Lebzeiten erschien; nur drei Wochen, bevor er ermordet wurde. 1981 wurde Double Fantasy mit einem Grammy als “Album des Jahres” ausgezeichnet. Die erste Singleauskopplung ‘(Just like) Starting Over’ wurde Ende Oktober veröffentlicht und eroberte in der verhängnisvollen Woche die Spitzenposition der amerikanischen und britischen Charts. ‘(Just like) Starting Over’ als erste Single auszuwählen war nicht zuletzt deswegen passend, weil es Johns erste Veröffentlichung seit dem Album Rock’n’Roll 1975 war.
‘Woman’ war Johns Ode an Yoko und an alle Frauen. Die Single erschien einen Monat nach seiner Ermordung und in einem Interview mit dem Rolling Stone am 5. Dezember (drei Tage vor seinem Tod) erklärte John selbst: “Der Song erinnert mich an einen Beatles-Track, aber das war keine Absicht. Ich schrieb ihn so wie ‘Girl’ vor vielen Jahren. Es ist also eine erwachsene Version von ‘Girl’”. Als Kontrapunkt ist ‘Beautiful Boy (Darling Boy)’ ein Liebeslied an Sean, den 1975 geborenen gemeinsamen Sohn von John und Yoko. Er war der Grund, warum John sich aus dem Plattengeschäft zurückzog, um während dieser prägenden Phase mehr Zeit mit seinem Sohn verbringen zu können. 1982 trat Paul McCartney in der BBC-Sendung Desert Island Discs auf und er sagte, wenn er nur eine einzige Platte auf eine einsame Insel mitnehmen könnte, dann wäre es diese.
1984 erschien mit Milk and Honey endlich das geplante nächste gemeinsame Album von John und Yoko; der Nachfolger von Double Fantasy. Nach Johns Tod war Yoko drei Jahre lang nicht in der Lage, weiter an dem Album zu arbeiten. ‘Nobody Told Me’ war ursprünglich für Ringo Starrs Album Stop And Smell The Roses (1981) gedacht und als es als Single herauskam, wurde diese in vielen Ländern ein Hit, darunter Top 5 in den Vereinigten Staaten und Platz 6 in Großbritannien.

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‘Grow Old With Me’ ist einer von Johns letzten Songs und während eines Urlaubs auf Bermuda 1980 nahm er ein Demo auf. Die Inspiration kam von Robert Brownings Gedicht “Rabbi Ben Ezra” und Yokos Song ‘Let Me Count The Ways’ (welcher wiederum von einem Gedicht von Elizabeth Barrett Browning inspiriert wurde).
Es gibt keinen schöneren Abschluss für diese kurze musikalische Biografie. John Lennon war einzigartig. Johns Gedichtband ‘In His Own Write’, erschienen 1964, erfasst mit seinem Titel alles, was John ausmachte. Er gehörte nur sich selbst, zögerte nie, seine Gefühle auszusprechen oder aufzuschreiben, und egal, wo er gerade lebte und arbeitete – er biederte sich nie beim Establishment an.

John Lennon
Johns Soloaufnahmen und die zusammen mit Yoko klingen heute noch genauso frisch und innovativ wie bei ihrer ersten Veröffentlichung, was bei vielen mehr als 40 Jahre zurückliegt. Es ist an der Zeit, diese wundervolle Musik wieder anzuhören. Sie werden feststellen, dass Johns Songs autobiografischer waren als die der meisten anderen Künstler … das macht sie so phänomenal.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 31.1.1970 werden Grateful Dead in New Orleans verhaftet.

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Grateful Dead Jerry Garcia
Foto: Kypros/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 31.1.1970.

von Bolle Selke und Christof Leim

1970 nehmen die Grateful Dead eine wichtige Rolle in der US-amerikanischen Gegenkultur ein. Vielleicht verhaftet sie „das Establishment“ deswegen am 31. Januar in New Orleans. Vielleicht wurden auch tatsächlich Drogen gefunden. Fest steht: Die Erfahrung inspiriert die Musiker zu einer Strophe ihres Kultsongs Truckin‘.

Hier könnt ihr euch American Beauty von Grateful Dead anhören:

Mardi Gras, Bourbon Street, der Blues – seinen Ruf als entspannte und lockere Stadt hat New Orleans den Beinamen „The Big Easy“ (etwa Die große Unbeschwertheit“) eingebracht. Umso überraschter dürften Grateful Dead gewesen sein, als die Polizei am 31. Januar 1970 eine Razzia in ihrem Hotel durchführt und fast die komplette Band wegen Drogenbesitzes festnimmt.

Eine abgekartete Sache“

Nach dem ersten von zwei geplanten Auftritten im The Warehouse mit der Vorgruppe Fleetwood Mac kehrt Bandleader Jerry Garcia mit seinen Mitmusiker und der Crew ins Hotel zurück – und wird von der Polizei erwartet. Fast die gesamte Reisegruppe wird auf der Stelle verhaftet. Manager Lenny Hart erzählt die Geschichte kurz nach der Verhaftung dem Rolling Stone: „Das war schon eigenartig. Es roch nach einer abgekarteten Sache. Denn die Bullen haben bereits gewartet, als die Band vom Konzert zurückkam. Die Polizisten hatten einen Haftbefehl, und sie hatten die Hotelzimmer schon durchsucht. Bei keinem der Leute wurde etwas gefunden außer den Sachen, für die es Rezepte gab. Alles, was die Beamten aufgespürt haben wollen, soll bereits im Hotel gewesen sein, aber keiner der Band weiß, woher das Zeug stammt. Es war nicht ihr Stoff. Grateful Dead sind normalerweise sehr cool und vorsichtig.“

Grateful Dead

Trinken halt nicht nur Früchtetee: Grateful Dead circa 1970 (Foto: Robert Altman/Michael Ochs Archives/Getty Images)

Nun sind Jamrocker aus Kalifornien nicht gerade dafür bekannt, nur Früchtetee zu trinken. Dass die ins Visier der Behörden geraten, überrascht niemanden. Allerdings wollen die Polizisten es den Musikern besonders schwer machen: Sie fesseln Band und Crew mit Handschellen aneinander und lassen sie für Pressefotos vor dem Gebäude Parade stehen. Hart meint: „Die Cops genossen es, ihr Ding durchzuziehen. Am Ende mussten die Verhafteten acht Stunden im Gefängnis verbringen. Obwohl die Kaution sofort da war, wurden sie so lange belästigt. “

„Acid-König festgenommen“

Alle 19 Personen, die bei der Razzia erwischt werden, fangen sich eine Anklage wegen Besitzes von Marihuana, LSD, Barbituraten, Amphetaminen oder anderer verbotener Substanzen ein. Das kann damals in Louisiana zu einer Strafe von fünf bis 15 Jahren Gefängnis führen. Keine Kleinigkeit also. Die Behörden nageln  die komplette Band samt Crew und einigen lokalen Helfern fest – nur die Keyboarder Ron „Pigpen“ McKernan und Tom Constanten, die keine Drogen nehmen, kommen davon. Allerdings lässt dieser Vorfall für die beiden das Faß zum Überlaufen bringen: Kurz darauf reichen sie ihre Kündigungen ein. Bonuspunkte sammelt die Polizei von New Orleans durch die Festnahme von Owsley Stanley, damals nicht nur Techniker der Gruppe, sondern auch ein bekannter LSD-Produzent. „Acid-König festgenommen!“ prahlen die lokalen Zeitungen.

„Hippies. Oh Junge!“

Ganz überraschend kommt das harte Vorgehen nicht: Bereits ein paar Wochen früher hatten die befreundeten Jefferson Airplane Ähnliches erlebt, als sie auf Tour im selben Hotel weilten. Grateful Dead wurden entsprechend schon bei der Ankunft am Flughafen gewarnt, dass sie Probleme bekommen könnten. All dies gibt der Band das Gefühl, übers Ohr gehauen worden zu sein. Jerry Garcia selbst sagt dazu: „Sie hatten großen Spaß mit uns, die Südstaaten-Cops. Sie hatten genau das, was sie wollten: Hippies. Oh Junge!“

Hier könnt ihr das Statement von Jerry Garcia dazu anhören:

Nachdem die langhaarige Reisegruppe die Kaution von 37.500 Dollar hinterlegt hat, immerhin die gesamte Gage des Abends, geht ihnen das Geld aus. Also spielen sie eine zusätzliche Show in New Orleans und überreden Fleetwood Mac, ebenfalls zu bleiben. Die zusätzlichen Einnahmen helfen bei den Rechtskosten auf. Die meisten Anklagen werden schließlich fallengelassen, aber der Vorfall wird für alle Ewigkeit im Song Truckin‘ festgehalten, einem der erfolgreichsten Grateful-Dead-Stücke:

„Busted, down on Bourbon Street / Set up, like a bowlin’ pin / Knocked down, it gets to wearin’ thin / They just won’t let you be, no.“

Zeitsprung: Am 19.3.1919 verlangt ein Axtmörder Live-Jazz in New Orleans.

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Popkultur

55 Jahre „White Light/White Heat“: The Velvet Underground auf Speed

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The Velvet Underground
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Auf ihrem zweiten Album zeigten sich The Velvet Underground von ihrer experimentierfreudigsten Seite; sogar noch stärker als auf ihrem legendären Debüt. Doch der avantgardistische Ansatz von Multiinstrumentalist John Cale stieß in der Band nicht nur auf Gegenliebe. Nach White Light/White Heat musste er gehen.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch White Light/White Heat von The Velvet Underground anhören:

Mit ihrem bahnbrechenden Debütalbum leisteten The Velvet Underground und die Kölner Sängerin Nico einen unabdingbaren Beitrag zur Geschichte der Rockmusik. Doch schon kurz nach der Veröffentlichung kam es zum Streit. Die Verkaufszahlen blieben hinter den Erwartungen der Gruppe zurück; als Folge musste Manager und Produzent Andy Warhol gehen. Auch Nico nahm ihren Hut und und schlug den Weg als Solokünstlerin ein. The Velvet Underground bestanden fortan aus Songschreiber Lou Reed, Klangexzentriker John Cale sowie aus der Rhythmusabteilung mit Sterling Morrison und Maureen Tucker. An den Schiebereglern im Studio saß nur noch Tom Wilson, der für das Debüt noch mit Warhol zusammengearbeitet hatte. Doch trotz aller Widrigkeiten setzt die Band ihren Weg fort. In unserer heutigen Geschichte endet das mit einer Kündigung.

White Light/White Heat: The Velvet Underground auf Speed (buchstäblich)

Es dauert nur wenige Monate, bis das neue Line-up zum ersten Mal gemeinsam im Studio steht, um das zweite Album von The Velvet Underground aufzunehmen. Diesmal geht es noch ein wenig experimenteller zur Sache. Die Gruppe orientiert sich an ihrem Live-Sound, der dank Musikgenie John Cale von reichlich Improvisation und Punk-Attitüde geprägt ist. Letzterer ebnen The Velvet Underground den Weg, ebenso wie dem Noise Rock, denn Ende der Sechziger ist beides noch nicht existent. Inhaltlich ändert sich nicht viel: Lou Reed und Co. widmen sich Themen wie Sex, Transvestitismus und Drogen. Was Rauschmittel betrifft, stehen diesmal Amphetamine im Vordergrund, deren aufputschende Wirkung im Slang auch „White Heat“ genannt wird. Um Heroin geht es aber auch.

Besonders präsent ist der 17-minütige Song Sister Ray, den Lou Reed und seine Mitstreiter*innen in nur einem einzigen Take aufnehmen. Über den Inhalt sagt Reed: „Es kommen acht Charaktere darin vor, ein Typ wird umgebracht, und niemand unternimmt etwas. Der Text basiert auf einer Geschichte von Ausschweifung und Verfall. Ich mag die Vorstellung, dass Sister Ray ein transvestitischer Heroinhändler ist. Es geht um einen Haufen Dragqueens, die ein paar Matrosen mit nach Hause nehmen, sich zudröhnen und gerade eine Orgie feiern, als die Polizei auftaucht.“ Toningenieur Gary Kellgren hat während der Aufnahme nach einigen Minuten genug und verlässt das Studio mit den Worten: „Sagt mir Bescheid, wenn ihr fertig seid.“

Andy Warhol ist doch wieder mit von der Partie

Als Manager und Produzent hatten The Velvet Underground ihren ehemaligen Kollegen Andy Warhol zwar vor die Tür gesetzt, doch am Artwork wirkt die Popart-Legende auch dieses Mal mit. So handelt es sich bei dem auf dem Cover abgebildeten Totenkopf um ein Tattoo von Joe Spencer, dem Hauptdarsteller aus Warhols Film Bike Boy. Warhol ist es, der das Motiv vorschlägt; Reed sucht anschließend das passendste Negativ aus der Bike Boy-Filmrolle aus. Die weitere Bearbeitung übernimmt ein Herr namens Billy Name, der zu Warhols legendärer Factory gehört. Ein alternatives Cover aus Großbritannien zeigt 1971 einige leuchtend weiße Spielzeugsoldaten, doch dieses Motiv hatten The Velvet Underground nie abgesegnet.

Musikhistorisch betrachtet gehört White Light/White Heat zu den wichtigsten Platten, wenn es um die Entwicklung des Punk und des Noise geht. Das liegt nicht zuletzt an John Cales klangexperimenteller Herangehensweise, die White Light/White Heat ganz schön sperrig wirken lässt. Lou Reed und der Rest der Band wünschen sich allerdings einen poppigeren Sound. Genau ein Jahr nach den Aufnahmesessions setzen sie Cale vor die Tür, holen stattdessen Doug Yule an Bord und nehmen die Arbeit an ihrem dritten Album The Velvet Underground auf. Der wichtigste Leitfaden: Die Platte soll keine zweite White Light/White Heat werden. Das ist The Velvet Underground gelungen. Doch diese Geschichte erzählen wir an einem anderen Tag.

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„The Velvet Underground & Nico“: Avantgardistische Bewusstseinserweitung

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Zeitsprung: Am 30.1.2007 singt Jim Morrison posthum gegen die Erderwärmung

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Michael Ochs Archives/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.1.2007.

von Timon Menge und Christof Leim

Unter dem Motto „Save The Planet“ finden am 30. Januar 2007 zwei Pressekonferenzen in Los Angeles und London statt. Dort stellen Perry Farrell von Jane’s Addiction, Doors-Schlagzeuger John Densmore und Schauspieler Josh Hartnett die Kampagne Global Cool vor, ein Projekt gegen die Erderwärmung — und verwenden dafür unveröffentlichte Gesangsspuren von Jim Morrison.

Hier könnt ihr euch Woman In The Window anhören:

Die globale Erwärmung schreitet voran, zahlreiche Kunstschaffende aller Couleur und weltweit engagieren sich dagegen. Als Sprachrohre der britischen Kampagne Global Cool möchten Farrell, Densmore und Hartnett es „uncool machen, nicht grün zu sein“.

Kleine Schritte, große Wirkung

Dafür erhalten die drei eine Menge prominenter Unterstützung, zum Beispiel von Kasabian, The Killers, KT Tunstall und den Scissor Sisters. Auch Leonardo DiCaprio, Orlando Bloom und Dave Grohl helfen mit. Die Mission der Kampagne: Menschen sollen dazu motiviert werden, ihre CO²-Emissionen über einen Zeitraum von zehn Jahren um zehn Milliarden Tonnen zu reduzieren.

Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen zum Beispiel das Abschalten des Lichts, das Ausstecken von Smartphone-Netzteilen, das Benutzen öffentlicher Verkehrsmittel, der Verzicht auf Urlaubsflüge und das Herunterschalten der Heizung um eine Stufe. „Wenn viele Menschen kleine Dinge in die Tat umsetzen, wird daraus am Ende eine verdammt große Sache“, stellt Global-Cool-CEO Julian Knight fest. Alles gute Vorschläge. Für Musikfreaks wird die Aktion zusätzlich interessant.

Jim Morrison hilft auch. Quasi.

Um dem Projekt zu größerer Bekanntheit zu verhelfen, greift Doors-Drummer Densmore in die Trickkiste und stellt eine bis dato unveröffentlichte Gesangsspur von Jim Morrison zur Verfügung. Der Titel der Nummer: Woman In The Window. Das Stück basiert auf einem Gedicht von Morrison, das der kurz vor seinem Tod vertont hat. Die Jahrzehnte später eingespielte Musik stammt von Farrells Band Satellite Party.

Densmore und Farrell bei der Pressekonferenz in Los Angeles – Pic: Hector Mata/AFP via Getty Images

Sein Debüt feiert der Song bei den Pressekonferenzen am 30. Januar 2007. „Wir freuen uns darüber, dass Woman In The Window die Titelmelodie eines so tollen Projektes wird“, erklärt Farrell im Interview mit dem NME. „Jim hat all das Übel in der Welt gesehen, wusste aber auch, dass wir für unser Schicksal verantwortlich sind. Und genau das tun wir. Niemand wird uns davon abhalten können, Energie und Geld zu sparen und dabei den Planeten zu retten.“ Das klang schon 2007 vernünftig.

Zeitsprung: Am 30.8.1973, zwei Jahre nach Morrisons Tod, lösen sich die Doors auf.

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