Kings of Leon im Interview: „Diesmal klickte alles sofort“

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Können wir nicht einfach Spaß haben? Beim neuen Kings-Of-Leon-Album war das diesmal keine Frage, sondern eine selbst auferlegte Arbeitsvorgabe. Auf Can We Please Have Fun zeigt sich die amerikanische Rockband, die aus drei Brüdern und einem Cousin besteht, so gut gelaunt und inspiriert wie schon lange nicht mehr. Der Garage-Sound der alten Tage ist streckenweise wieder da – und trotzdem versucht man nicht, die Vergangenheit zu wiederholen.

 von Markus Brandstetter

Warum der Schaffensprozess diesmal ein echtes Kinderspiel war, mit welchen Erwartungen die Band ins Studio geht und warum man schon oft, aber nicht immer ans Publikum denkt, verriet uns Schlagzeuger Nathan Followill im Interview.

Nathan, wann merkt ihr, dass es an der Zeit ist, die Band wiederzubeleben?

Nach den Feiertagen, wenn wir Zeit mit unseren Familien verbracht haben, bekommen wir oft Lust, einfach mal wieder rauszukommen und zu jammen. Das signalisiert meist den Start eines neuen Albumprozesses. Wir schicken uns dann eine SMS: „Hey, lasst uns ein wenig Musik machen.“ Wir sind alle sehr wettbewerbsorientiert und lieben es, zu spielen. So nimmt das in der Regel seinen Anfang. Diesmal hatte Jared clevererweise eine Spotify-Playlist erstellt, und wir haben nach und nach Songs hinzugefügt, die uns inspirierten. Dieses Mal waren alle auf derselben Wellenlänge, was den Prozess viel einfacher machte. Bei früheren Alben mussten wir oft einen Mittelweg zwischen unterschiedlichen musikalischen Vorlieben finden. Dieses Mal jedoch klickte alles sofort. Schon bei den ersten Proben spürten wir, dass dies etwas Besonderes sein könnte. Wir spielten Ideen durch … und jede war besser als die vorherige! Das schuf ein starkes Vertrauen in unser gemeinsames Schaffen. Es gab keine Notwendigkeit für Kompromisse, wir legten einfach los.

Der Albumtitel klingt weniger wie eine Frage, sondern wie eine Ansage.

Der Albumtitel entstand aus einem Mantra während des Aufnahmeprozesses. Die vorherige Platte fühlte sich nach langer Zeit im Studio nicht mehr wirklich frisch an, während die neue Aufnahme wie ein Neuanfang wirkte, frei von den üblichen Zwängen einer Plattenfirma. Wir hatten die Freiheit, alles selbst zu entscheiden, da die Platte uns gehörte. Unser Motto war: „Lasst uns einfach Spaß damit haben! Es muss nicht so ernst sein.“ Kid Harpoon half uns enorm, seine gelassene und entspannte Art war perfekt für uns. Ursprünglich wollten wir nur einen Song mit ihm aufnehmen, aber seine Arbeit überzeugte uns sofort, und er wurde schnell ein integraler Teil des Teams.


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Welche Rolle spielt bei euch der Produzent?

Als wir mit dieser Band starteten, konnte Caleb noch überhaupt nicht Gitarre und Jared nicht Bass spielen. Deshalb waren unsere ersten Alben stark von den Produzenten abhängig, die uns das beibrachten. Doch mit jeder neuen Platte lernten wir immer mehr dazu. Bei dieser Platte fühlte es sich anders an, fast so, als ob wir nur mit Freunden abhängen und nebenbei Musik machen würden. Kid Harpoon brachte eine lockere, entspannte Atmosphäre in die Sache, die perfekt zu uns passte. Er war sehr einfallsreich und selektiv mit seinen Vorschlägen, die uns oft neue Perspektiven eröffneten. Zum Beispiel brachte er uns bei, echte Drums wie elektronische klingen zu lassen, was eine völlig neue Herangehensweise für uns war. Seine Produktion war abenteuerlich und unkonventionell, im Gegensatz zu manchen anderen Produzenten und Produzentinnen, die sich an alteingesessene Regeln halten. Mit Kid war es wie auf einem Sommercamp: locker und spaßig. Wir entschieden spontan, was wir machen, während er sein Müsli aß. Wir haben uns sogar Camp-Shirts machen lassen. Es fühlte sich nicht wie Arbeit an, sondern wir haben wieder erkannt, wie viel Spaß es machen kann, ein Album zu machen.

Wie geht ihr mit Erwartungshaltungen um?

Nachdem wir ein erfolgreiches Album mit großen Hits hatten, gefolgt von Songs, die nicht so gut ankamen, haben wir unsere Erwartungen angepasst, würde ich sagen. Diese Erfahrung lehrte uns, dass Erfolg unvorhersehbar ist – man lebt von Lied zu Lied. Viele Bands denken, sie müssten weiterhin die Musik machen, die sie ursprünglich populär gemacht hat, aber das ist eine rückwärtsgewandte Denkweise. Tatsächlich verlieben sich die Fans in das, was den Künstler oder die Künstlerin ursprünglich inspiriert hat, nicht in das, was der Künstler oder die Künstlerin denkt, was die Fans hören wollen. Diese Erkenntnis war wertvoll für mich und führte dazu, dass wir dieses Album ohne jeglichen Druck angehen konnten. Wir wussten, dass wir das Album machen konnten, das wir machen wollten, und diese Gelassenheit spiegelt sich auch in der Musik wider.

Das Album kombiniert euren Signature-Sound mit neuen Einflüssen.

Ja, das ist das ja auch das Schöne am Alben machen: Man kann Inspiration aus älteren Werken schöpfen, ein bisschen Magie von vor ein paar Alben auf dieses Lied streuen, etwas von dem von vor zwei Alben auf ein anderes. Nach dem dritten Album merkst du, dass du jeden Akkord gespielt hast, den du jemals spielen wirst. Es geht dann darum, kreativ mit dem zu sein, was du hast, statt das Rad jedes Mal neu erfinden zu wollen. Wir haben uns damit abgefunden, dass jedes Album ein Ausdruck davon ist, wer wir zu diesem Zeitpunkt in unserem Leben und unserer Karriere als Musiker sind. Wer weiß schon, wie das nächste klingen wird – das bleibt immer eine Überraschung.

Ihr hattet gerade keinen Plattenvertrag, als das Album entstand. Spielte das gedanklich eine Rolle?

Tatsächlich nahm uns das wahrscheinlich etwas Druck raus, weil wir uns frei entscheiden konnten, genau das Album zu machen, das wir machen wollten. Diese Unabhängigkeit sahen wir als Chance. Es war, als stünden wir am Rand einer Klippe: Entweder stürzen wir ab, oder wir erleben einen aufregenden Flug mit dem Fallschirm. Wir entschieden uns für den Fallschirm und machten einfach das, was uns Spaß machte. Natürlich spielten wir das Album Labels vor, in der Hoffnung, dass es ihnen gefallen und sie uns einen Vertrag anbieten würden, aber nichts davon war garantiert. Diese Freiheit ermöglichte es uns, uns auf das zu konzentrieren, was uns am Herzen lag, ohne ständig darüber nachzudenken, ob es gut genug für ein Label sei oder jemand anderen beeindrucken könnte. Wir wollten einfach ein Album schaffen, auf das wir stolz sein können, unabhängig vom Ausgang.

Rick Rubin schreibt in seinem Buch, dass man beim kreativen Prozess nicht an sein Publikum denken sollte. Stimmst du dem zu?

Nun, natürlich denken wir über unser Publikum nach – aber eher dann, wenn wir eine Setlist für ein Konzert zusammenstellen. Jared achtet zum Beispiel stark auf Downloadzahlen und die Beliebtheit unserer Songs in verschiedenen Regionen. Das hilft uns zu entscheiden, welche alten Hits wir vielleicht wieder spielen sollten. Das Publikum liebt es, und diese Momente sind großartig. Aber wenn es um das Schreiben und Aufnehmen eines Albums geht, folgen wir unserer eigenen Inspiration. Unsere Fans haben sich in unsere Musik verliebt, weil sie authentisch ist, nicht weil sie genau das ist, was sie erwarten. Nach großen Hits wie Sex On Fire und Use Somebody haben wir bewusst versucht, uns nicht auf einen bestimmten Sound festzulegen. Unsere folgenden Alben waren anders, und obwohl das vielleicht einige Fans irritiert hat, war es wichtig für uns, uns treu zu bleiben und Musik zu machen, die uns am Herzen liegt. Wir sind immer noch hier, und wir werden sehen, wohin uns das führt.

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Zeitsprung: Am 7.1.2011 machen sich Kings Of Leon bei der britischen Monarchie unbeliebt. Im Tischtennis.

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