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Popkultur

Warum Kiss das Make-up wieder anlegen mussten

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Foto: SGranitz/WireImage/GettyImages

Am 18. September 1983 zeigen sich Kiss mit großem Tamtam zum ersten Mal ohne ihr legendäres Make-up. Nach fast zehn Jahren hatte sich die Faszination für Schminke und Heimlichtuerei doch abgekühlt. Die New Yorker starten damit eine Phase erneuten Erfolges, doch auf Dauer funktioniert das alles nicht. 1996 legen Kiss die Maskerade wieder an – und genau genommen müssen sie es auch…"

von Christof Leim 

Hier gibt es die besten Kiss-Songs:

Sicher, Kiss durchlebten goldene Zeiten unter ihrer schwarzweißen Schminke. In den Siebzigern hatte sich das Quartett zu einem ebenso erfolg- wie einflussreichen Phänomen entwickelt – mit Platinalben, ausverkauften Riesenshows und einem millionenschweren Merchandise-Imperium. Die vier Gesichter von Demon, Starchild, Spaceman und Catman sah man überall, auf Flippermaschinen, Butterbrotdosen und Comics. Sogar eine Kiss Army gründete sich. Nicht wenig dieses Höhenfluges hat unmittelbar mit dem ikonischen Image von Paul Stanley, Gene Simmons, Ace Frehley und Peter Criss zu tun. Dass sie die Kriegsbemalung überhaupt ablegen, kommt jedoch nicht von ungefähr.

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Denn natürlich läuft das nicht ewig so: Es gibt Streitereien innerhalb der Band, weswegen 1978 am gleichen Tag mit durchwachsenem Erfolg vier egostreichelnde Soloalben erscheinen. Außerdem wird ein ambitionierter Kinofilm zum trashigen Rohrkrepierer. Und als dann die vier Helden noch ihr Publikum aus den Augen verlieren, geht es bergab, Schminke hin oder her.

Weshalb das Make-up bei Kiss überhaupt verschwand

Die Kurzfassung sieht so aus: Kiss wurden, wie wir wissen, mit ruppigem Hard Rock und spektakulären Shows berühmt. Das 1979er-Album Dynasty allerdings spült weich und wirft ausgerechnet eine Disconummer (genau: I Was Made For Lovin’ You) als Hit ab. Zu den Konzerten kommen immer weniger Leute, davon aber immer mehr Kinder mit ihren Eltern. Auf Unmasked treiben Kiss 1980 ihre Comic-Haftigkeit sogar auf die Spitze und packen eine kleine Bildergeschichte auf das Cover. Die Songs bieten zwar tollen Power Pop, aber den will die Kiss Army nicht hören. Peter Criss trommelt bald schon gar nicht mehr mit, Eric Carr übernimmt, Leadgitarrist Ace Frehley verliert zusehends die Lust, und mittlerweile knirscht es so richtig im Gebälk. Zu Unmasked spielen Kiss nur eine einzige US-Show, aber immerhin eine erfolgreiche Australien- und Europatour (letztere mit einer ganz netten Newcomer-Kapelle namens Iron Maiden im Vorprogramm). 


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Danach drehen unsere Helden ganz durch: 1981 überraschen sie mit (Music From) The Elder, einem wirren Fantasy-Konzeptalbum mit Bläsern, Streichern und Falsett, das sang- und klanglos untergeht. Daraufhin hat Ace dann gar keinen Bock mehr, nimmt sein Schminktäschchen und steigt ebenfalls aus. Es muss wieder gerockt werden, allerdings kann das erquicklich harte Creatures Of The Night (1982) mit Vinnie Vincent an der Soloaxt nicht so an alte Erfolge anknüpfen, wie die beiden Chefs Paul und Gene sich das wünschen.Viele Hallen der folgenden Tour bleiben halbleer, Creatures schafft es anfangs nicht mal zum Goldstatus. Außerdem drängen neue Bands auf den Markt; besagte Iron Maiden etwa liefern in ihrer britischen Heimat sogar ein Nummer-eins-Album ab. Es muss etwas passieren…

Runter mit der Schminke. Alles gut jetzt?

Eine kleine Trumpfkarte hat die Band noch: Die Enthüllung ihrer wahren Gesichter. Natürlich tauchten über die Jahre immer wieder „unbemalte“ Fotos auf, schon 1974 waren Kiss überlistet und „en naturelle“ abgelichtet worden. Doch die meisten Fans wissen nicht, wie ihre Helden in echt aussehen. Für Simmons und Stanley hat sich die Sache mit dem Make-up ohnehin totgelaufen, der Gag ist erzählt, jeder kennt es.

Also zeigen sich Kiss in der Mark-III-Besetzung (Simmons, Stanley, Carr, Vincent) am 18. September 1983 auf MTV mit viel Trommelwirbel zum ersten Mal ohne Schminke. Zeitgleich erscheint das Album Lick It Up. Kiss spielen jetzt typischen Achtziger-Hard-Rock, und endlich platzt der Knoten: Die Videos laufen auf Headbanger’s Ball, und für die Verkäufe gibt es wieder Goldauszeichnungen. Animalize (1984) und Asylum (1985) setzen mit Hitsingles wie Heaven’s On Fire noch einen (bzw. zwei) drauf und verkaufen sich millionenfach. (Im Vorprogramm spielt damals übrigens eine weitere ganz nette Newcomer-Kapelle namens Bon Jovi.)

So sahen Kiss 1988 aus. Zum Glück in schwarzweiß.

Und hier liegt das Problem: Kiss können zwar wieder Edelmetall einfahren, doch sie sind mittlerweile eine Band unter vielen mit ähnlichem Stil. Damit meinen wir nicht nur die schreiend bunten Klamotten und obligatorisch raumgreifenden Frisuren, sondern vor allem die Songs. Denn Kiss haben sich, unbestreitbare Qualität hin oder her, von Wegbereitern zu musikalischen Mitläufern entwickelt. Das wird noch schlimmer, nachdem 1986 die einstige Supportband Bon Jovi von Slippery When Wet Fantastillionen Exemplare verkauft und Kollege Ozzy Osbourne mit dem aalglatt produzierten The Ultimate Sin ebenfalls Erfolge feiert. 

Eine unter vielen

Jetzt steigen Kiss – beziehungsweise Paul Stanley, der die Band wegen Simmons’ Hollywood-Ambitionen de facto alleine führt – komplett auf den radiofreundlichen Pop Metal-Zug auf. Crazy Nights soll ein kommerzieller Megakracher werden, für den die Band sogar ein ganzes Jahr auf Produzent Ron Nevison wartet und haufenweise Keyboards ins Studio schleppt. Doch so ganz zündet das nicht, selbst wenn die Singles schön auf MTV laufen. Crazy Nights schlägt sich respektabel, kann aber mit im gleichen Jahr veröffentlichen Gassenhauern wie Hysteria von Def Leppard und Girls Girls Girls von Mötley Crüe nicht mithalten. Der nächste Versuch Hot In The Shade (1989) kann trotz toller Songs und etwas weniger Bombast/Zuckerwatte ebenfalls nicht mehr reißen. 

Wir sehen also: Ohne Make-up haben sich Kiss mit Anstand durch die Achtziger gerockt, standen aber nicht mehr unangefochten an der Spitze der Nahrungskette. Folglich darf man bezweifeln, dass das mit der Schminke überhaupt funktioniert hätte.

In den Neunzigern wird’s schwierig für Kiss

Aber einen haben sie noch: Als mit dem Beginn der Neunziger ein härterer Wind durch das Genre weht, schmeißen Kiss sich in Lederklamotten, werfen die Keyboards über Bord und hauen mit Revenge (1992) ihr härtestes und bestes „ungeschminktes“ Album raus. Doch die Welt hat sich schon weiter gedreht: Grunge und Crossover bringen frische Sounds und ändern die Geschmäcker maßgeblich. Viele Veteranen der Siebziger und Achtziger haben einen schweren Stand, Kiss bilden da keine Ausnahme. (Wobei man das natürlich relativ sehen muss: Auch wenn es den vier Musikern finanziell sicher gut geht, Megastar ist keiner mehr.)

Wie sehr die Grunge-Welle das Selbstverständnis traditioneller Hard-Rocker durcheinander wirbelt (oder positiv formuliert: die Musiker inspiriert), sieht man am nächsten Kiss-Studioalbum: Carnival Of Souls entsteht Ende 1995 und klingt deutlich härter und signifikant düsterer. In Songs wie Hate, Rain und Childhood’s End geht es nicht um Wein, Weib und Gesang, It Never Goes Away erinnert sogar an das Doom-Urmanifest Black Sabbath (kein Witz, ist aber geil). Vielleicht sind ein paar Takte in Master & Slave sogar noch bezeichnender: Bei 1:44 Min. starten Kiss ein markantes 7/8-Riff, das fast eins zu eins dem Hauptthema von Them Bones entspricht, der Eröffnungsnummer von Alice In Chains’ The Dirt (1992)…

So kann es dann doch nicht weitergehen. Sollen unsere Helden sich völlig dem Zeitgeist anpassen? Oder einfach drauf pfeifen und weiter tollen Party-Hard Rock machen, den allerdings keiner so recht hören will? Oder sich eingraben und abwarten? Das taugt alles nichts, zumindest nicht, wenn man „the hottest band in the land“ sein will. Womöglich denken Kiss damals wie viele Kollegen darüber nach, den Laden einfach dicht zu machen. Aber vielleicht lässt sich ja das Profil auch wieder so schärfen, dass die Konkurrenz und die Sounds der Stunde völlig egal sind…

Dann eben wieder mit Make-up

Es gibt in der Tat noch eine Möglichkeit: Mitte der Neunziger steigt das Interesse an der Geschichte der Schminkemonster, eine Nostalgiewelle bricht sich Bahn. Auf Kiss My Ass: Classic Kiss Regrooved zollen 1994 Künstler wie Lenny Kravitz, Garth Brooks und Anthrax ihren Jugendhelden Tribut; im darauffolgenden Jahr nehmen Simmons, Stanley und Co. selbst an der Worldwide Kiss Convention Tour teil. Das heißt Fan-Veranstaltungen, die die goldenen Zeiten feiern und Sammlern feuchte Augen bescheren. Die Band spielt dabei akustisch. Am 17. Juni 1995 singt sogar Peter Criss zwei Songs mit.

Schon Anfang der Dekade hatten sich Unplugged-Konzerte als erfolgreich erwiesen, und auch Kiss machen bei der Reihe auf MTV mit. Aber eine Besonderheit, ein Bonbon fehlt noch, damit daraus nicht nur eine weitere Stromlos-Party wird. Die Antwort liegt auf der Hand: Bei der Aufzeichnung am 9. August 1995 in New York kündigt Paul Stanley den Zugabenteil mit folgenden Worten an: „We’ve got some members of the family here tonight. We’re talking about Peter Criss and Ace Frehley!“ Damit steht (in diesem Fall: sitzt) das Ur-Line-up von Kiss zum ersten Mal seit 1979 wieder auf einer Bühne. (Die beiden etatmäßigen Mitglieder Bruce Kulick an der Gitarre und Eric Singer an den Drums spielen übrigens auch – noch – mit.)

Der Rest ist Geschichte: Dieser kurze Auftritt inspiriert Spekulationen, Gerüchte und nicht wenige Fan-Wunschträume, das fertige Carnival Of Souls wird eingemottet (und erst 1997 veröffentlicht). Am 28. Februar 1996 platzt die Bombe bei der 38. Grammy-Verleihung, als Kiss nicht nur in Urbesetzung, sondern in vollem Ornat vor die Kameras treten – mit Plateauschuhen, Nieten, Glitzer und natürlich dem legendären Make-up. 

Schließlich geht die Reunion und Wiederbemalung durch die Decke. Wie die Band in die Szene der Zeit passt und mit der Konkurrenz mithalten kann, interessiert niemanden mehr. Die Schminkemonster sind in aller Munde, die folgende Tour spielt Millionen ein. Unkompliziert läuft das auch nicht ab, aber ihr kulturelles Überleben an der Spitze haben sich Kiss damit gesichert.

Zeitsprung: Am 25.8.1949 legt Schlabberzunge Gene Simmons von Kiss los.

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Popkultur

„I Am The Greatest“: Wie Muhammad Ali den Rap miterfand

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Foto: Len Trievnor /Getty Images

Vor wenigen Tagen hätte Muhammad Ali seinen 80. Geburtstag gefeiert. 1963, noch als Cassius Clay, veröffentlicht er das Spoken-Word-Album I Am The Greatest und nimmt darauf viel von dem vorweg, was in den Siebzigern in New York als Rap entstehen sollte.

von Björn Springorum

Im August 1963 ist Cassius Clay noch weit von der Boxlegende entfernt, die er auf ewig bleiben wird. Dennoch hat er sich einen Namen als junger Boxer mit einer Menge Talent gemacht: Zwischen seinem professionellen Debüt im Oktober 1960 und August 1963 kann er in 19 Kämpfen 19 Siege einfahren – 15 davon durch Knockout.

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Als beliebt kann man Clay damals nicht unbedingt bezeichnen. In all seinen Kämpfen macht er sich über seine Gegner lustig, bezeichnet den ehrwürdigen Madison Square Garden als „zu klein für mich“ und etabliert den Trash-Talk im Sport, der später vor allem im Wrestling zum Nonplusultra gehören wird. Die ganze Zeit über ist ihm klar: Wer eine große Klappe hat, muss auch liefern.

Das hat er vor. Im Februar 1964 steht die Weltmeisterschaft im Schwergewicht an, Cassius Clay wird gegen Sonny Liston antreten. Liston, gute zehn Jahre älter als Clay, ist ein gefürchteter Boxer mit krimineller Vergangenheit und engen Beziehungen zur Mafia. Und Clay? Hat im August 1963 keine bessere Idee als seinen Trash-Talk in Albumform zu veröffentlichen.

Rap-Pionier mit großer Klappe

I Am The Greatest ist im Grunde ein absurdes Album. Aufgenommen live vor einem 200 Kopf starken Publikum bei Columbia Records in New York, glorifiziert sich Cassius Clay nach allen Regeln der Kunst, teilt gegen seine bisherigen Gegner aus und provoziert seinen Gegner Sonny Liston. All das, so darf man durchaus bewundernd sagen, geschieht so eloquent, timingsicher und pointiert als wäre Clay kein 21-jähriger Box-Hitzkopf sondern ein versierter Stand-Up-Comedian.

Aufgeteilt in acht Runden, liefert Clay mit I Am The Greatest allerdings nicht nur eine unterhaltsame Spoken-Word-Abrechnung. Sondern einen frühen Vorläufer von Hip-Hop oder Battle-Rap. Clays Flow ist weniger Rezitation als Rap, funky Sprechgesang in einer sehr frühen Form, durchzogen von Themen, die bis heute allgegenwärtig im Hip-Hop sind: Die eigene Größe, Konkurrenz, das Dissen von allen und jedem, Selbstüberschätzung und gesellschaftlicher Kommentar.

Überlebensgroß

Wenige Hip-Hop-Größen sind frei von Clays Einfluss. Denn selbst wenn sie für seine legendärsten Kämpfe zu jung waren, kommt in den Siebzigern niemand an Clay/Ali vorbei: Wiederholungen seiner Kämpfe, Rollen in Comics, Dokumentationen – der Einfluss des Boxers ist überlebensgroß. „Ohne Muhammad Ali gäbe es kein Mama Said Knock You Out“, so sagte LL Cool J mal über sein viertes Album bei Def Jam. Man schaue sich zudem nur mal den Titel von Runde fünf des Albums an, Will The Real Sonny Liston Please Fall Down. Ist wohl nicht allzu weit hergeholt, wenn man hier eine Inspiration für Eminems Will The Real Slim Shady Please Stand Up erkennen möchte.

Nach Clays Sieg gegen Liston veröffentlicht Columbia die Single mit den Tracks I Am The Greatest und Will The Real Sonny Liston Please Fall Down. In der allgemeinen Box-Euphorie des Jahres wird die Single zum Dauerbrenner und Gesprächsthema. Man bringt ihn sogar dazu, ein solides Cover von Ben E. Kings Song Stand By Me aufzunehmen, um seine Popularität noch weiter auszuschlachten.

Zusammenarbeit mit Frank Sinatra

Klar, danach ging es mit seinem Ruf für weite Teile der USA den Bach runter, als er sich seinem Einzug nach Vietnam widersetzt und unter seinem neuen Namen Muhammad Ali zum Islam konvertiert; 1976 gibt es dennoch ein Comeback von ihm in Albumform. Unter dem bizarren Namen The Adventures Of Ali And His Gang Vs. Mr. Tooth Decay veröffentlicht Muhammad Ali ein mindestens ebenso bizarres Album über Mundhygiene, mit dem Kinder zu mehr Zahnpflege gebracht werden sollen.

Und das ist noch nicht alles: Neben vielen weiteren Persönlichkeiten aus der Welt des Sports und des Entertainment taucht auch Frank Sinatra als Sprecher eines Ladenbesitzers auf dem Album auf. Was zur Hölle da passiert war? Wissen wir auch nicht, aber das Album bekommt 1977 doch tatsächlich eine Grammy-Nominierung… das kann sonst auch kein Boxer von sich behaupten.

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Adriano Celentano: Stammt der erste Rap-Song der Welt aus Italien?

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Haben Led Zeppelin jemals in Wheaton gespielt?

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Titelfoto: Chris Walter/WireImage/Getty Images

„"Der Legende nach sollen Led Zeppelin am 20. Januar 1969 ein Konzert in Wheaton (Maryland) gegeben haben. Gerade einmal 55 Menschen könnten bestätigen, dass die Show wirklich stattgefunden hat, denn so klein soll das Publikum an jenem Abend gewesen sein. Ein paar Dinge bleiben allerdings bis heute mysteriös …

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch das Debüt von Led Zeppelin anhören:

Als Led Zeppelin Ende Dezember 1968 in die Vereinigten Staaten reisen, um ihre erste Tour auf amerikanischem Boden zu absolvieren, stehen den Briten große Dinge bevor. So tritt die Band im Rahmen ihrer ersten US-Tour nicht nur mehrfach im legendären Whisky A Go Go in Los Angeles auf sowie im fast genauso legendären Fillmore West in San Francisco. Nein, Led Zeppelin veröffentlichen am 12. Januar 1969 auch ihr Debütalbum in den US. Etwa eine Woche später ereignet sich in Maryland eine kuriose Geschichte. Das heißt … Ereignet sie sich wirklich?

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Eine Show ohne Beweise

Nach einem dreitägigen Aufenthalt in Detroit sollen Led Zeppelin am 20. Januar 1969 in einem Jugendzentrum in Wheaton spielen. Gerade einmal 55 Leute tauchen auf; das kleinste Publikum in der Karriere der Band. So lautet zumindest die Legende, denn physische Beweise für die Show gibt es nicht. Keine Eintrittskarten, keine Plakate, keine Fotos: Es ist, als hätte das Konzert nie stattgefunden. Die Musiker selbst sind nach weit mehr als 600 Konzerten wahrscheinlich froh, wenn sie sich an die Meilensteine erinnern. Gibt es denn gar keine Indizien? Doch, die gibt es.

„Ich kann mich absolut nicht daran erinnern.“

Ruft man die offizielle Website von Led Zeppelin auf, findet man dort eine „Concert Timeline“. In dem Archiv ist auch der Auftritt im „Wheaton Youth Center“ hinterlegt, allerdings mit dem Vermerk „unbestätigtes Gerücht“. Scrollt man auf der Website ein wenig herunter, findet man die Kommentarspalte. Ein Nutzer namens Gary schreibt dort: „Ich bin hinter dem Wheaton Youth Center aufgewachsen, habe dort als Teenager rumgehangen und Billard gespielt, aber ich kann mich absolut nicht daran erinnern, dass Led Zeppelin dort gespielt hätten. Ich habe auch noch nie gehört, dass dort irgendjemand über Led Zeppelin gesprochen hätte.“

„Ich kann es nicht beweisen, aber ich habe eine vage Erinnerung an das Konzert.“

Damit scheint die Frage geklärt. Oder? Ein anderer Nutzer namens Len Jaffe glaubt, sich an das Konzert zu erinnern: „Ich habe damals als Angestellter bei Joe Goldberg’s Variety Records in der Nähe vom Wheaton Plaza gearbeitet. Ich kann es nicht beweisen, aber ich habe eine vage Erinnerung an dieses Konzert. Ich bin eines Abends nach der Arbeit im Wheaton Youth Center gewesen, um The Small Faces mit … Rod Stewart zu sehen! Vielleicht war ich auch bei der Led-Zep-Show, aber ich würde nicht darauf schwören.“

Iggy Pop und Erdnussbutter

Eine weitere Spur führt zu Sharon Ward Ellis, die das Jugendzentrum früher leitete. Laut Washington Post könne sie sich zwar daran erinnern, dass sie Iggy Pop dazu aufgefordert habe, sich während seiner Show im Wheaton Youth Centre keine Erdnussbutter auf die Brust zu schmieren. An ein Konzert von Led Zeppelin könne sie sich aber nicht erinnern.

Ruth Lynn Youngwirth, eine regelmäßige Besucherin des Jugendzentrums in Wheaton, habe laut Washington Post ein Sammelalbum hervorgekramt, in dem sie einige Konzerte zwischen 1967 und 1972 dokumentiert habe. Der Led-Zeppelin-Auftritt käme darin nicht vor. „Wenn sie hier waren, erinnere ich mich nicht daran“, so Youngwirth.

„Die meisten Geschichten ergeben Sinn.“

Zuversichtlicher ist Jeff Krulik, der Macher des Films Led Zeppelin Played Here (2013), in dem er sich der Frage widmet, ob das Konzert nun stattgefunden hat oder nicht. Für die Dokumentation sammelte er viele Erinnerungen von Anwohnern sowie Fans, die denken, dass das Konzert stattgefunden hat, und kommt laut dem US-Radiosender WAMU zu dem Schluss: „Die meisten Geschichten ergeben Sinn“, kommentiert der Regisseur seine Recherche. Einige Zuschauer:innen hätten ihm erzählt, Led Zeppelin seien wegen der Akustik und des kleinen Publikums frustriert gewesen. Das höre sich für ihn glaubhaft an, denn am Abend vorher hätte die Band in Detroit gespielt und somit 600 Kilometer Fahrt hinter sich gehabt.

Auch in Zukunft ein Rock’n’Roll-Mythos

Ob Led Zeppelin am 20. Januar 1969 wirklich in Wheaton vor nur 55 Zuschauer*innen aufgetreten sind, wird sich wohl nicht mehr abschließend klären lassen, sofern mehr als 50 Jahre später nicht doch noch ein physischer Beweis für die Show auftaucht. Bis dahin werden wir uns damit abfinden müssen, dass die Lage unklar ist — und dass die Antwort auf die Frage, ob Led Zeppelin dort gespielt haben, vor allem davon abhängt, wen man fragt.

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Zeitsprung: Am 9.1.1944 kommt Jimmy Page von Led Zeppelin zur Welt.

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Zeitsprung: Ab 25.1.2000 erklärt uns Britney Spears die Halbleiterphysik. Quasi.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.1.2000.

von Christof Leim

Britney Spears taucht hier bei uDiscover ja eher selten auf. Richtig so, wie der abgeneigte Rocker sicher gerne bestätigt. Wir würden auch nie öffentlich zugeben, dass es von der Dame vielleicht sogar ein oder zwei ganz nette Liedchen gibt. Die hat übrigens oft ein schwedischer Hard Rocker namens Max Martin geschrieben, aber das ist eine andere Geschichte. (Und das mit den „netten Liedchen“ muss unter uns bleiben.) Frau Spears jedenfalls taugt für die meisten Freunde der geschmackssicheren Klassiker höchstens als schlechtes Beispiel. Oder eben als Erklärhilfe für die Wunder der Halbleiterphysik. Bitte was?

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Hört hier die besten Songs von Britney Spears. Wenn ihr euch traut.

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Ja, richtig gelesen: Halbleiterphysik. Wie wir alle wissen, sind Halbleiter Festkörper, deren Leitfähigkeit zwischen der von elektrischen Leitern und Nichtleitern liegt. Damit kann man dann Computerchips und CD-Player bauen, vermutlich sogar einen Flux-Kompensator oder den Todesstern. Allerdings muss man dazu erstmal verstehen, wie sich diese lustigen kleinen Dinger gefügig machen lassen. Um das zu erklären, hat der Doktorand Carl Hepburn von der Universität Essex am 25. Januar 2000 eine spezielle Website registriert: Britney’s Guide To Semi-Conductor Physics.

Neben Bildchen und Songtexten der Sängerin findet sich hier eine Enthüllung: „Nicht viele Leute wissen, dass Britney Spears eine Expertin im Gebiet der Halbleiterphysik ist. Weil sie mehr tun will als nur zu singen und zu schauspielern, wird sie euch auf den nächsten Seiten durch die Grundlagen führen, die es möglich gemacht haben, ihre tolle Musik in digitalem Format zu hören.“

Die Physik der Halbleiter: Jetzt ist plötzlich alles klar! – Quelle: www.britneyspears.ac

Es folgen Erklärungen zu Quantentöpfen, Zustandsdichten und der Schrödinger-Gleichung. (Ja, das ist der mit der toten Katze. Oder doch nicht tot. Weiß man ja nicht.) All das wird garniert mit Fotos der Sängerin. Und manchmal kombiniert Hepburn die beiden Welten sogar für seine Erklärungen: Einmal folgt der Kragen von Britneys Oberteil einer Parabel, die das Leitungsband von Elektronen in einem Halbleiter beschreibt (fragt nicht), ein andermal beschreiben ihre Beine Energieniveau einer Quantenbarriere (ernsthaft, fragt nicht, zumindest nicht uns). Es gibt sogar ein “Lip-Glossar der Halbleiterphysik”. Insgesamt geht es wissenschaftlich richtig derbe zur Sache, wobei immerhin der schöne Satz fällt: “Diamonds might be a girl’s best friend, but their crystalline structure is closely related to the zincblende structure“. Wie poetisch… zumindest für Sheldon Cooper.

Irgendwas mit Energieniveaus – Quelle: www.britneyspears.ac

Kein Wunder also, dass die versteckten Qualitäten von Miss Spears durch die Nachrichten gehen. So greifen MTV und die BBC die Sache auf, das Fachmagazin Scientific American schreibt: „Hier findet einer der sonderbarsten Ansätze der letzten Zeit, Wissenschaft zu vermitteln, statt. Und es handelt sich ganz sicher um die einzige Website, die Promofotos und haarige Gleichungen verbindet, und zwar in einer einzigartigen Mischung aus Physik und ‚Physique‘“.

Carl Hepburn selbst schreibt auf der Seite seiner Universität: „Ich habe Britney Spears genutzt, um zu zeigen, dass Physik auch Spaß macht. Die meisten der benutzten Bilder von Britney haben irgendwie mit Physik zu tun.“

Ein Stellungnahme von Frau Prof. Spears liegt nicht vor.


Zeitsprung: Am 16.8.1958 kommt die „Queen Of Pop“ Madonna zur Welt.

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