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Popkultur

Warum Kiss das Make-up wieder anlegen mussten

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Foto: SGranitz/WireImage/GettyImages

Am 18. September 1983 zeigen sich Kiss mit großem Tamtam zum ersten Mal ohne ihr legendäres Make-up. Nach fast zehn Jahren hatte sich die Faszination für Schminke und Heimlichtuerei doch abgekühlt. Die New Yorker starten damit eine Phase erneuten Erfolges, doch auf Dauer funktioniert das alles nicht. 1996 legen Kiss die Maskerade wieder an – und genau genommen müssen sie es auch…"

von Christof Leim 

Hier gibt es die besten Kiss-Songs:

Sicher, Kiss durchlebten goldene Zeiten unter ihrer schwarzweißen Schminke. In den Siebzigern hatte sich das Quartett zu einem ebenso erfolg- wie einflussreichen Phänomen entwickelt – mit Platinalben, ausverkauften Riesenshows und einem millionenschweren Merchandise-Imperium. Die vier Gesichter von Demon, Starchild, Spaceman und Catman sah man überall, auf Flippermaschinen, Butterbrotdosen und Comics. Sogar eine Kiss Army gründete sich. Nicht wenig dieses Höhenfluges hat unmittelbar mit dem ikonischen Image von Paul Stanley, Gene Simmons, Ace Frehley und Peter Criss zu tun. Dass sie die Kriegsbemalung überhaupt ablegen, kommt jedoch nicht von ungefähr.

Denn natürlich läuft das nicht ewig so: Es gibt Streitereien innerhalb der Band, weswegen 1978 am gleichen Tag mit durchwachsenem Erfolg vier egostreichelnde Soloalben erscheinen. Außerdem wird ein ambitionierter Kinofilm zum trashigen Rohrkrepierer. Und als dann die vier Helden noch ihr Publikum aus den Augen verlieren, geht es bergab, Schminke hin oder her.

Weshalb das Make-up bei Kiss überhaupt verschwand

Die Kurzfassung sieht so aus: Kiss wurden, wie wir wissen, mit ruppigem Hard Rock und spektakulären Shows berühmt. Das 1979er-Album Dynasty allerdings spült weich und wirft ausgerechnet eine Disconummer (genau: I Was Made For Lovin’ You) als Hit ab. Zu den Konzerten kommen immer weniger Leute, davon aber immer mehr Kinder mit ihren Eltern. Auf Unmasked treiben Kiss 1980 ihre Comic-Haftigkeit sogar auf die Spitze und packen eine kleine Bildergeschichte auf das Cover. Die Songs bieten zwar tollen Power Pop, aber den will die Kiss Army nicht hören. Peter Criss trommelt bald schon gar nicht mehr mit, Eric Carr übernimmt, Leadgitarrist Ace Frehley verliert zusehends die Lust, und mittlerweile knirscht es so richtig im Gebälk. Zu Unmasked spielen Kiss nur eine einzige US-Show, aber immerhin eine erfolgreiche Australien- und Europatour (letztere mit einer ganz netten Newcomer-Kapelle namens Iron Maiden im Vorprogramm). 


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Danach drehen unsere Helden ganz durch: 1981 überraschen sie mit (Music From) The Elder, einem wirren Fantasy-Konzeptalbum mit Bläsern, Streichern und Falsett, das sang- und klanglos untergeht. Daraufhin hat Ace dann gar keinen Bock mehr, nimmt sein Schminktäschchen und steigt ebenfalls aus. Es muss wieder gerockt werden, allerdings kann das erquicklich harte Creatures Of The Night (1982) mit Vinnie Vincent an der Soloaxt nicht so an alte Erfolge anknüpfen, wie die beiden Chefs Paul und Gene sich das wünschen.Viele Hallen der folgenden Tour bleiben halbleer, Creatures schafft es anfangs nicht mal zum Goldstatus. Außerdem drängen neue Bands auf den Markt; besagte Iron Maiden etwa liefern in ihrer britischen Heimat sogar ein Nummer-eins-Album ab. Es muss etwas passieren…

Runter mit der Schminke. Alles gut jetzt?

Eine kleine Trumpfkarte hat die Band noch: Die Enthüllung ihrer wahren Gesichter. Natürlich tauchten über die Jahre immer wieder „unbemalte“ Fotos auf, schon 1974 waren Kiss überlistet und „en naturelle“ abgelichtet worden. Doch die meisten Fans wissen nicht, wie ihre Helden in echt aussehen. Für Simmons und Stanley hat sich die Sache mit dem Make-up ohnehin totgelaufen, der Gag ist erzählt, jeder kennt es.

Also zeigen sich Kiss in der Mark-III-Besetzung (Simmons, Stanley, Carr, Vincent) am 18. September 1983 auf MTV mit viel Trommelwirbel zum ersten Mal ohne Schminke. Zeitgleich erscheint das Album Lick It Up. Kiss spielen jetzt typischen Achtziger-Hard-Rock, und endlich platzt der Knoten: Die Videos laufen auf Headbanger’s Ball, und für die Verkäufe gibt es wieder Goldauszeichnungen. Animalize (1984) und Asylum (1985) setzen mit Hitsingles wie Heaven’s On Fire noch einen (bzw. zwei) drauf und verkaufen sich millionenfach. (Im Vorprogramm spielt damals übrigens eine weitere ganz nette Newcomer-Kapelle namens Bon Jovi.)

So sahen Kiss 1988 aus. Zum Glück in schwarzweiß.

Und hier liegt das Problem: Kiss können zwar wieder Edelmetall einfahren, doch sie sind mittlerweile eine Band unter vielen mit ähnlichem Stil. Damit meinen wir nicht nur die schreiend bunten Klamotten und obligatorisch raumgreifenden Frisuren, sondern vor allem die Songs. Denn Kiss haben sich, unbestreitbare Qualität hin oder her, von Wegbereitern zu musikalischen Mitläufern entwickelt. Das wird noch schlimmer, nachdem 1986 die einstige Supportband Bon Jovi von Slippery When Wet Fantastillionen Exemplare verkauft und Kollege Ozzy Osbourne mit dem aalglatt produzierten The Ultimate Sin ebenfalls Erfolge feiert. 

Eine unter vielen

Jetzt steigen Kiss – beziehungsweise Paul Stanley, der die Band wegen Simmons’ Hollywood-Ambitionen de facto alleine führt – komplett auf den radiofreundlichen Pop Metal-Zug auf. Crazy Nights soll ein kommerzieller Megakracher werden, für den die Band sogar ein ganzes Jahr auf Produzent Ron Nevison wartet und haufenweise Keyboards ins Studio schleppt. Doch so ganz zündet das nicht, selbst wenn die Singles schön auf MTV laufen. Crazy Nights schlägt sich respektabel, kann aber mit im gleichen Jahr veröffentlichen Gassenhauern wie Hysteria von Def Leppard und Girls Girls Girls von Mötley Crüe nicht mithalten. Der nächste Versuch Hot In The Shade (1989) kann trotz toller Songs und etwas weniger Bombast/Zuckerwatte ebenfalls nicht mehr reißen. 

Wir sehen also: Ohne Make-up haben sich Kiss mit Anstand durch die Achtziger gerockt, standen aber nicht mehr unangefochten an der Spitze der Nahrungskette. Folglich darf man bezweifeln, dass das mit der Schminke überhaupt funktioniert hätte.

In den Neunzigern wird’s schwierig für Kiss

Aber einen haben sie noch: Als mit dem Beginn der Neunziger ein härterer Wind durch das Genre weht, schmeißen Kiss sich in Lederklamotten, werfen die Keyboards über Bord und hauen mit Revenge (1992) ihr härtestes und bestes „ungeschminktes“ Album raus. Doch die Welt hat sich schon weiter gedreht: Grunge und Crossover bringen frische Sounds und ändern die Geschmäcker maßgeblich. Viele Veteranen der Siebziger und Achtziger haben einen schweren Stand, Kiss bilden da keine Ausnahme. (Wobei man das natürlich relativ sehen muss: Auch wenn es den vier Musikern finanziell sicher gut geht, Megastar ist keiner mehr.)

Wie sehr die Grunge-Welle das Selbstverständnis traditioneller Hard-Rocker durcheinander wirbelt (oder positiv formuliert: die Musiker inspiriert), sieht man am nächsten Kiss-Studioalbum: Carnival Of Souls entsteht Ende 1995 und klingt deutlich härter und signifikant düsterer. In Songs wie Hate, Rain und Childhood’s End geht es nicht um Wein, Weib und Gesang, It Never Goes Away erinnert sogar an das Doom-Urmanifest Black Sabbath (kein Witz, ist aber geil). Vielleicht sind ein paar Takte in Master & Slave sogar noch bezeichnender: Bei 1:44 Min. starten Kiss ein markantes 7/8-Riff, das fast eins zu eins dem Hauptthema von Them Bones entspricht, der Eröffnungsnummer von Alice In Chains’ The Dirt (1992)…

So kann es dann doch nicht weitergehen. Sollen unsere Helden sich völlig dem Zeitgeist anpassen? Oder einfach drauf pfeifen und weiter tollen Party-Hard Rock machen, den allerdings keiner so recht hören will? Oder sich eingraben und abwarten? Das taugt alles nichts, zumindest nicht, wenn man „the hottest band in the land“ sein will. Womöglich denken Kiss damals wie viele Kollegen darüber nach, den Laden einfach dicht zu machen. Aber vielleicht lässt sich ja das Profil auch wieder so schärfen, dass die Konkurrenz und die Sounds der Stunde völlig egal sind…

Dann eben wieder mit Make-up

Es gibt in der Tat noch eine Möglichkeit: Mitte der Neunziger steigt das Interesse an der Geschichte der Schminkemonster, eine Nostalgiewelle bricht sich Bahn. Auf Kiss My Ass: Classic Kiss Regrooved zollen 1994 Künstler wie Lenny Kravitz, Garth Brooks und Anthrax ihren Jugendhelden Tribut; im darauffolgenden Jahr nehmen Simmons, Stanley und Co. selbst an der Worldwide Kiss Convention Tour teil. Das heißt Fan-Veranstaltungen, die die goldenen Zeiten feiern und Sammlern feuchte Augen bescheren. Die Band spielt dabei akustisch. Am 17. Juni 1995 singt sogar Peter Criss zwei Songs mit.

Schon Anfang der Dekade hatten sich Unplugged-Konzerte als erfolgreich erwiesen, und auch Kiss machen bei der Reihe auf MTV mit. Aber eine Besonderheit, ein Bonbon fehlt noch, damit daraus nicht nur eine weitere Stromlos-Party wird. Die Antwort liegt auf der Hand: Bei der Aufzeichnung am 9. August 1995 in New York kündigt Paul Stanley den Zugabenteil mit folgenden Worten an: „We’ve got some members of the family here tonight. We’re talking about Peter Criss and Ace Frehley!“ Damit steht (in diesem Fall: sitzt) das Ur-Line-up von Kiss zum ersten Mal seit 1979 wieder auf einer Bühne. (Die beiden etatmäßigen Mitglieder Bruce Kulick an der Gitarre und Eric Singer an den Drums spielen übrigens auch – noch – mit.)

Der Rest ist Geschichte: Dieser kurze Auftritt inspiriert Spekulationen, Gerüchte und nicht wenige Fan-Wunschträume, das fertige Carnival Of Souls wird eingemottet (und erst 1997 veröffentlicht). Am 28. Februar 1996 platzt die Bombe bei der 38. Grammy-Verleihung, als Kiss nicht nur in Urbesetzung, sondern in vollem Ornat vor die Kameras treten – mit Plateauschuhen, Nieten, Glitzer und natürlich dem legendären Make-up. 

Schließlich geht die Reunion und Wiederbemalung durch die Decke. Wie die Band in die Szene der Zeit passt und mit der Konkurrenz mithalten kann, interessiert niemanden mehr. Die Schminkemonster sind in aller Munde, die folgende Tour spielt Millionen ein. Unkompliziert läuft das auch nicht ab, aber ihr kulturelles Überleben an der Spitze haben sich Kiss damit gesichert.

Zeitsprung: Am 25.8.1949 legt Schlabberzunge Gene Simmons von Kiss los.

Popkultur

Zeitsprung: Am 25.6.1945 kommt Sängerin und Songschreiberin Carly Simon zur Welt.

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Hat gut lachen: Carly Simon 1971 - Foto: Jack Mitchell/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.6.1945.

von Frank Thießies und Christof Leim

Am 25. Juni 1945 kommt Sängerin und Songschreiberin Carly Simon zur Welt. Die Künstlerin sammelt Männerherzen und Grammys gleichermaßen und legt mit You’re So Vain einen der großen Hits der Siebziger hin. Um die Identität des eitlen Protagonisten im Songtext macht sie lange Zeit ein Geheimnis. Wir blicken zurück auf ein – zumindest teilgelöstes – Popkultur-Rätsel und erweisen Simon zugleich die Geburtstagsehre.

Hier könnt ihr euch die größten Hits von Carly Simon anhören:

Carly Elisabeth Simon wird am 25. Juni 1945 in New York City geboren als Tochter des renommierten Verlagsgründers Richard L. Simon (von Simon & Schuster). Ihre ersten musikalischen Babyschritte unternimmt die Sängerin Mitte der Sechziger in Verbund mit ihrer Schwester Lucy. Doch abgesehen von dem auf einem Kindergedicht basierenden Minihit Winkin’, Blinkin’ And Nod ist es mit der Karriere Simon Sisters nicht weit her. 

Blitzstart

Doch schon im Jahre 1970 stellt die Vertragsunterzeichnung bei The-Doors-Entdecker Jac Holzman und dessen Plattenfirma Elektra die Weichen für eine erfolgreiche Sololaufbahn. Ihr schlicht Carly Simon betiteltes Debütalbum aus dem Jahre 1971 birgt bereits den Hit That’s The Way I’ve Always Heard It Should Be und bringt Simon sogar schon einen ersten Grammy in der Kategorie „Beste neue Künstlerin“ ein. Kein schlechter Start, sondern der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die mit dem Nachfolgealbum Anticipation noch im gleich Jahr fortgeschrieben wird. 

Dabei ist es Simons 1972 veröffentlichtes drittes Album, welches ironischerweise No Secrets betitelt ist, das zu ihrem großen internationalen Durchbruch wird. Es enthält mit You’re So Vain ihren künftigen Erkennungssong, der in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland Platz eins erreicht. Das Lied besticht schon musikalisch durch Prominenz: So stammt das markante Bass-Intro von Beatles-Intimus und Grafiker Klaus Voormann, während niemand Geringeres als Mick Jagger – inkognito – zum Background-Gesang beiträgt. 

Fegefeuer der Eitelkeiten

Noch delikater und spannender gestaltet sich allerdings die inhaltliche Ebene des Stücks, in dem Simon die Eitelkeiten eines männlichen Liebhabers besingt. Die Spekulationen um dessen wahre Identität schlagen hohe Wellen, die jahrzehntelang nicht abebben wollen und – naheliegend – unter anderem Mick Jagger als den Mann hinter dem unbestimmten „you“ wähnen. Auch durch die Presse geistern die Namen illustrer Kandidaten, etwa David Bowie, David Cassidy oder Cat Stevens, mit dem Simon einst tatsächlich ein Techtelmechtel hatte. Dass ihr aktueller Ehemann zur Entstehungszeit des Stückes, der Singer-Songwriter James Taylor, definitiv nicht der Gegenstand des Textes ist, bleibt der einzige Hinweis, den sich Simon lange Zeit entlocken lässt. 

Das popkulturelle Rätselraten erreicht 2003 schließlich seinen Höhepunkt, als Simon sich im Rahmen einer Wohltätigkeits-Auktion bereit erklärt, dem Höchstbietenden den Namen des Besungenen preiszugeben. NBC-Sports-Präsident Dick Ebersol blättert 50.000 Dollar dafür hin und muss versprechen, sein neugewonnenes Wissen nicht mit der Öffentlichkeit zu teilen. So darf er höchstens den Hinweis geben, dass der Buchstabe „E“ im Namen jenes ominösen Mister X vorkommt. 

Suche nach Mr. X

2007 beansprucht dann Schauspieler Warren Beatty (Bonnie und Clyde, Dick Tracy) in einem Interview die Ehre des Gesuchten für sich. Es soll acht weitere Jahre dauern, bis Carly Simon schließlich im Rahmen des Pressetrommelwirbels für ihre Memoiren bestätigt, dass Warren Beatty tatsächlich in You’re So Vain adressiert werde  – allerdings nur als Protagonist von Strophe zwei. Der Rest des Textes würde sich auf zwei weitere (prominente?) und bis heute namenlose männliche Pfaue beziehen. 

Ist das unter anderem von den verlotterten Sleaze-Rockern Faster Pussycat 1990 gecoverte You’re So Vain als Songmysterium sicherlich Simons größte Errungenschaft für die Pop-Lexika dieser Welt (und zugleich ihr wohl bekanntester Hit), darf man die anderen Verdienste und musikalischen Glanztaten der Singer-Songwriterin jedoch keineswegs unterschlagen. So tritt Simon 1977 als Interpretin von Nobody Does It Better in Erscheinung, dem Song zum James-Bond-Film Der Spion, der mich liebte. Außerdem  reüssiert sie 1989 mit ihrer Soundtrack-Arbeit zum Film Die Waffen der Frauen. Für das daraus stammende Lied Let The River Run heimst die alte Geheimniskrämerin sogar als erste Solokünstlerin und Songautorin überhaupt einen Oscar, Golden Globe und Grammy zugleich ein. 

Im Laufe ihrer Karriere veröffentlicht Carly Simon sage und schreibe 24 Studioalben, wird für 14 Grammys nominiert und gewinnt zwei. Das Musikportal Allmusic nennt sie „eine der wichtigsten Singer-Songwriterinnen der Siebziger“. Sie schreibt Musik für Filme und TV-Sendungen und spielt auch in einigen mit. Simon war zweimal verheiratet und hat zwei Kinder, Sally und Ben, die ebenfalls künstlerisch tätig sind. Wir sagen: Herzlichen Glückwunsch!

Zeitsprung: Am 7.11.1943 kommt Joni Mitchell zur Welt.

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Popkultur

Ein Schulabbruch, jede Menge Exzesse und 55 Jahre Rockgeschichte: 5 Dinge, die ihr über Mick Fleetwood noch nicht wusstet

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Mick Fleetwood
Foto: Brian Killian/Getty Images

„"Seit nunmehr 55 Jahren steht der Name Fleetwood Mac für eines der wichtigsten Kapitel der Rockgeschichte: den British Blues Boom. Als Gründer, Namensgeber und Schlagzeuger der Band hat Mick Fleetwood einen wichtigen Anteil daran. Diese fünf Dinge über ihn wusstet ihr vielleicht noch nicht.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Tusk von Fleetwood Mac anhören:

1. Er brach mit der Unterstützung seiner Eltern die Schule ab, um Musiker zu werden.

Wenn der Nachwuchs die Schule abbrechen möchte, um eine Laufbahn als Rockstar einzuschlagen, sorgt das in der Regel für einen mächtig schiefen Haussegen. Nicht so bei den Fleetwoods: Papa John spielt nämlich selbst Schlagzeug und kann den sehnlichsten Wunsch seines Sohnemanns nur allzu gut nachvollziehen. Sein erstes Drumset bekommt der kleine Mick mit 13. Als er im Alter von 15 Jahren den Wunsch äußert, von der Schule abzugehen, um in London als Schlagzeuger durchstarten zu können, lassen seine Eltern ihn ziehen. Tatsächlich findet Fleetwood in der britischen Hauptstadt schnell Anschluss.

2. Blues-Legende John Mayall feuerte Fleetwood wegen seines ausschweifenden Alkoholkonsums.

Nach seinen ersten Jahren in London steigt Fleetwood in eine Band namens The Peter Bs ein, in der auch ein gewisser Peter Green mitspielt. Green verlässt die Gruppe allerdings und steigt stattdessen bei John Mayall’s Bluesbreakers ein. Fleetwood folgt ihm, sodass die Zwei ab April 1967 mit einer der legendärsten Bluesgruppen Londons auftreten. Ebenfalls an Bord: John McVie, der später gemeinsam mit Fleetwood über 50 Jahre Fleetwood-Mac-Geschichte schreiben soll. Leider nehmen Fleetwood und McVie ihr Dasein als Musiker zu jener Zeit noch nicht so ernst wie als ihren Ruf als Trinker. Mehrfach erscheinen die beiden mit ordentlich Promille zu Konzerten der Bluesbreakers, weshalb Bandleader John Mayall die zwei Musiker nach nur wenigen Wochen wieder vor die Tür setzt. Peter Green verlässt Mayalls Truppe anschließend freiwillig und gründet mit Fleetwood schon einmal die Band, die McVie später nicht nur namentlich vervollständigen soll: Fleetwood Mac. Zu Kostverächtern werden die Musiker durch den Rauswurf allerdings nicht. Besonders legendär: die Kokaingeschichten während der Siebziger. „Es besteht kein Zweifel daran, dass wir gut mit dem Marschpulver ausgerüstet waren“, erzählt Fleetwood in einem Interview mit Classic Rock. „Inzwischen ist das ein abgedroschenes Märchen, das immer weiter und weiter zu einer Kriegsgeschichte vergrößert wird. Ich möchte nicht verharmlosen, dass wir diesen Lebensstil gelebt haben. Aber wir sind nicht über den Boden gekrochen und uns kam auch kein grüner Schaum aus dem Mund. Wir haben gearbeitet.“

3. Im Juni 1970 heiratete er Jenny Boyd — die Schwester von Pattie Boyd, die mit George Harrison und Eric Clapton verheiratet war.

Was die Klatsch- und Tratsch-Seite betrifft, sind Fleetwood Mac nicht nur für ihre internen Liebschaften bekannt, sondern auch dafür dass Mick Fleetwood für einige Jahre mit Jenny Boyd liiert war. Falls euch dieser Nachname bekannt vorkommt, habt ihr völlig recht: Es handelt sich bei Jenny um die Schwester von Pattie Boyd, die zuerst George Harrison und dann Eric Clapton heiratet. Mick und Jenny lernen sich Ende der Sechziger kennen, 1970 geben sie sich ebenfalls das Ja-Wort. Ein paar Jahre später findet Mick heraus, dass Jenny eine Affäre mit Fleetwood-Mac-Gitarrist Bob Weston hat. Weston muss gehen; Mick und Jenny lassen sich scheiden, finden 1976 allerdings noch einmal zusammen. Das Paar heiratet sogar noch einmal, um ihren gemeinsamen Kindern den Umzug in die USA zu erleichtern. Ab November 1977 lässt sich Mick auf eine Affäre mit Fleetwood-Mac-Sängerin Stevie Nicks ein, 1978 reichen er und Jenny Boyd zum zweiten Mal die Scheidung ein. Diesmal bleibt es dabei.

4. Sein Lieblingsalbum von Fleetwood Mac ist Tusk (1979).

Nach dem Mega-Erfolg des elften Fleetwood-Mac-Albums Rumours (1977) kann Tusk (1979) in kommerzieller Hinsicht nur verlieren. Trotzdem handelt es sich bei der Platte um Mick Fleetwoods Favoriten aus der Diskografie der Blues-Briten. Das liegt vor allem daran, dass sich die Musiker während der Produktion der Platte nach Herzenslust austoben können, ohne dass dabei kreative Grenzen im Weg stehen. McVie findet an dieser Freiheit weniger Gefallen, es kommt zu Streitigkeiten innerhalb der Band. Doch wie so oft hält Ruhepol Mick Fleetwood seine Schäfchen beisammen und kann die Situation wieder entspannen.

5. Er ist das einzige Gründungsmitglied von Fleetwood Mac und inzwischen seit 55 Jahren dabei.

55 Jahre Rockgeschichte. Das muss man erstmal schaffen und sich vor Augen führen, was mit so einer jahrzehntelangen Karriere einhergeht: 55 Jahre Musikgeschäft. 55 Jahre auf Tour. 55 Jahre voller Streitigkeiten und Versöhnung, denn wer schon einmal selbst in einer Band gespielt hat, weiß: Harmonisch läuft es in einem kreativen Gefüge nur selten ab. Mick Fleetwood kann diesen Widrigkeiten bis heute standhalten und schreibt die Geschichte des Rock weiter. Das gehört einfach honoriert.

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Popkultur

Ringkämpfe, USA-Reisen und Konflikte mit der Stasi: 5 Dinge, die ihr über Richard Kruspe noch nicht wusstet

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Richard Kruspe
Titelfoto: Universal Music

Er war maßgeblich an der Gründung von Rammstein beteiligt, beschäftigt sich seit 2004 zusätzlich mit seinem Nebenprojekt Emigrate und hat schonmal die Stasi ausgetrickst: Richard Kruspe. Diese fünf Dinge über einen der bekanntesten deutschen Gitarristen wusstet ihr vielleicht noch nicht.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Zeit von Rammstein anhören:

1. Als Jugendlicher in der DDR war Kruspe ein erfolgreicher Ringer — was seine Karriere als Musiker nicht unbedingt erleichterte.

Seine Kindheit und Jugend verbringt Richard Kruspe in der DDR, wo er am 24. Juni 1967 zur Welt kommt. „Bis zu meinem siebten Lebensjahr habe ich in einem kleinen Dorf namens Weisen gelebt“, berichtet er im Interview mit dem Magazin Rock Hard. „Das war eine schöne Kindheit mit viel Natur, Hunden und Katzen sowie einer großen Familie mit zwei Geschwistern.“ Doch als Kruspe älter wird, ist Schluss mit der Harmonie. „Durch die Scheidung meiner Eltern kam ein großer Bruch. Mein Vater war von heute auf morgen weg, und wir zogen zu meinem neuen Stiefvater nach Schwerin, mit dem ich überhaupt nicht klarkam.“ Nicht nur einmal läuft Kruspe von zuhause weg und übernachtet auf Parkbänken. Trost sucht er zum einen im Gitarrenspiel. Zum anderen entpuppt er sich in seiner Jugend als begnadeter Ringer und steigt mehrfach für den BSG Lok Wittenberge auf die Matte. Kruspes Karriere als Musiker steht die sportliche Laufbahn allerdings im Weg, wie er im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung erzählt: „Im Osten zählte eher der Sport, das war der große Exportschlager. Aber wer weiß: Vielleicht wäre ich ein klassischer Musiker geworden, hätte ich Musikunterricht nehmen dürfen.“ Dass sein Leben anschließend ein bisschen anders verläuft, wissen wir heute.

2. Als Kruspe für die Stasi arbeiten sollte, trickste er das Ministerium aus.

Dass Kunst in der DDR nicht den höchsten Stellenwert genießt, erfährt Kruspe auch an anderer Stelle am eigenen Leib. „Ich habe neben meinem Beruf Musik gemacht und Schmuck hergestellt, um mein Leben zu finanzieren“, erinnert er sich im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Beides durfte man nicht im Osten. Die haben das über einen Spitzel herausgefunden und mich erpresst, weil ich dafür weder Steuern zahlte noch eine Facharbeiterausbildung hatte. Die Stasi stellte mich vor die Wahl: entweder IM — also inoffizieller Mitarbeiter — werden oder in den Knast gehen. Ich hatte eine Woche Bedenkzeit.“ Doch dann kommt Kruspe eine Idee und er trickst die Stasi aus: „Natürlich sollte ich absolutes Stillschweigen bewahren. Genau das habe ich aber nicht getan, sondern stattdessen diese Geschichte in meinem ganzen Bekanntenkreis verbreitet. Mit dem Hintergedanken, dass die merken sollten: Der quatscht zu viel und ist unbrauchbar. Nach einer Woche haben die mich tatsächlich in Ruhe gelassen.“

3. Seinen alten Freund Till Lindemann traf er nur deshalb wieder, weil Kruspe nach dem Mauerfall wieder nach Ostdeutschland zog.

Als Kruspe älter wird, beginnt er zunehmend damit, das Leben in der DDR zu hinterfragen. „Die Sache mit der DDR ist, dass es bis zum zwölften Lebensjahr großartig war, dort aufzuwachsen“, erzählt er in einem Interview mit dem britischen Metal Hammer. „Es wurde die Illusion aufrecht erhalten, dass man in einer sehr gesunden Wirtschaft lebt, die funktioniert, solange man keine Fragen stellt — und man stellt keine Fragen, bevor man zwölf ist.“ Ende 1989 beschließt Kruspe, dass er die DDR verlassen möchte und flieht über die Tschechoslowakei, Ungarn und Österreich nach Westberlin. Besser fühlt er sich dadurch nicht, wie er 2011 in einem Interview mit dem Rolling Stone berichtet: „In Westberlin war ich einsam und immer unterwegs. Überwiegend auf Konzerten, ich habe Nirvana im Loft gesehen und so. Eines Abends lernte ich auf einer Party, auf die ich gar nicht eingeladen war, eine Frau kennen und durch sie den Ex-Trommler der Fehlfarben. Mit dem habe ich dann endlich wieder ein bisschen Musik gemacht. Auf Dauer war auch die Wohnsituation mit drei Leuten in einem Zimmer sehr belastend, und im Osten gab es billigen Wohnraum ohne Ende. Also bin ich wieder zurück.“ Zum Glück, muss man heute sagen. Denn durch seine Rückkehr kommt Kruspe wieder mit seinem alten Freund Till Lindemann in Kontakt und steigt in dessen Band First Arsch ein.

4. Die Grundidee für Rammstein kam ihm in den USA.

Anfang der Neunziger reist Kruspe mit Lindemann und dem späteren Rammstein-Bassisten Oliver Riedel in den Südwesten der USA. Die Drei tauchen in die dortige Musikszene ein und Kruspe stellt etwas fest: „Mir wurde klar, dass die Musik, die ich bis dahin gemacht habe, nichts mit mir zu tun hatte. So bin ich nach Deutschland zurückgekehrt, und mir kam die Idee, ein Projekt zu schaffen, das mit deutscher Musik zu tun hat. Ich wollte versuchen, Maschinen und Gitarren zusammenzubringen, harte Gitarren.“ Am 1. Januar 1994 entsteht aus diesem Wunsch ganz offiziell die Band, die heute zu den erfolgreichsten deutschen Gruppen überhaupt gehört: Rammstein.

5. Das Nebenprojekt Emigrate gründete er als musikalischen Kontrast zu Rammstein.

Über die Errungenschaften von Rammstein müssen wir an dieser Stelle nicht reden. Doch großer Erfolg bringt manchmal auch eine große Last mit sich. „Sechs Leute auf dem Boot und jeder spielt Kapitän“, sagt Kruspe im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung über seine Hauptband. „Das ist echt hart.“ Genau deshalb gründet der Gitarrist im Jahr 2004 ein Nebenprojekt. „Emigrate hat mir geholfen, mich bei Rammstein ein wenig zurückzunehmen. Sonst hätte ich weiter versucht, die Band mit meinen Ideen zuzuschütten.“ Im Gespräch mit laut.de verrät er: „Ich wollte nicht mehr nur der Typ sein, der sich allabendlich umgeben von Feuer und Raketen in eine primär visuelle Welt beamt. Ich bin ja in erster Linie Musiker. Also suchte ich nach einem Projekt, in dem es ausschließlich um die Musik geht. Mit Emigrate habe ich genau diesen Gegenpol gefunden.“

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Interview mit Emigrate: „Ich hatte das Gefühl, mit der Musik aufhören zu müssen“

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