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Popkultur

Klaus Voormann – Der Tausendsassa unter den fünften Beatles

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Zugegeben, rein mathematisch ist die Überschrift nicht ganz korrekt. Denn – ausgehend von einer natürlichen Zahlenfolge – kann es die Nummer Fünf nur einmal geben. Nun können wir uns aber glücklich schätzen, dass sich die Beatles weniger mit Algebra, als mit Trendsetter-Frisuren, ekstatisch kollabierenden Fans und eben einer Kreativität und Musikalität auseinandersetzten, die schon wie selbstverständlich in die Legenden-Abteilung der Popmusik-Geschichte einsortiert werden.


Hört euch hier das The Beatles Album Revolver an und lest weiter:


Und um sich diesen Ritterschlag des „Fünften Beatles“ auf den Lebenslauf heften zu können, sollte man grade in puncto Kreativität und Musikalität nicht zu den Otto Normalverbrauchern gehören. Den meisten flimmern an dieser Stelle wahrscheinlich die Erscheinungen von Brian Epstein oder George Martin auf, aber auch ein Deutscher ist in Besitz eines Mitgliedsausweises auf Lebenszeit zum Club der fünften Beatles: Klaus Voormann, seines Zeichens Schul-Abbrecher, ehemaliger Grafiker der Hörzu, Pilzfrisur-Haarmodel, Musikproduzent und Bassist, der mit John Lennons Worten „Sorry, Klaus, Paul hat sich schon einen Bass gekauft – er wird unser neuer Bassist“ nur knapp den Zug in Richtung Weltruhm verpasst hat. Bedauernswert? Wer weiß… Sicher ist, dass Mr. Voormann auch ohne Viersaiter seine Spuren hinterließ.


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Zeichnen wir mal ein verbales Portrait von jemandem, der nie im ganz großen Rampenlicht stand und doch einen so großen Einfluss darauf hatte, auf was der Super Trouper seinen mächtigen Schein werfen sollte.

Was heute oftmals in iPhone-Foto Ästhetik in Spotify & Co. täglich in hundertfacher Ausführung auf uns niederprasselt, hatte in der Hochphase des Vinyls noch einen ganz anderen Stellenwert: Das Albumcover war ein Kunstwerk in 12 Zoll zum Quadrat, ein aufwändiger, visueller Ausdruck dessen, was die vibrierende Nadel in jene wunderbaren Luftschwingungen übersetzen sollte – und damit teilweise mindestens so berühmt und berüchtigt war und ist, wie die Musik selber. Denken wir nur an Abbey Road der Beatles oder Dark Side Of The Moon von Pink Floyd. Bilder, die uns heute noch in den verschiedensten Interpretationen und Formen begegnen. Bilder, die genau wie ihre Musik, Geschichten erzählen. Kein Wunder also, dass es schon eine ganz amtliche Sache war, das Zepter als Cover Designer überreicht zu bekommen. So erging es auch Klaus Voormann, der, nachdem er im Hamburger Kaiserkeller zum ersten Mal die Fab Four erlebte, seinen Bleistift für das siebte Studioalbum Revolver ansetzte. Allerdings vergingen zwischen seiner, wie Klaus es selber nennt, Offenbarung auf der Hamburger Reeperbahn (bitte nur im Kontext zitieren) und dem tatsächlichen Design des Plattencovers, noch einige Jahre, aus denen eine bis heute anhaltende Freundschaft entsprang.


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Voormann ist Sprössling des Berliner Establishments, wird früh an das klassische Klavier herangeführt und erlernt so sein Handwerkszeug für seine zukünftigen musikalischen Eskapaden. Aber Berlin ist erdrückend, die Schule fällt dem jungen Mann mit legasthenischen Anflügen schwer und sein Herz hängt sowieso am Zeichenblock. Also bricht er aus, besucht eine Hamburger Kunsthochschule, wird Grafiker und lässt dem Schicksal seinen Lauf.

An jenem bedeutenden Abend sitzt Voormann nach einer durchzechten und regnerischen Nacht in seiner Badewanne (die in der Küche steht) um sich aufzuwärmen. Das Telefon klingelt und John Lennon hält das andere Ende der Strippe in der Hand: Any idea for our next LP cover? Voormann, der an sich nie wirklich den Eindruck macht, auf den Mund gefallen zu sein, war dennoch sprachlos.


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Und unter einem halbwegs hohen Erfolgsdruck – denn nun gilt’s! Ein nervenzerreißender Make or Break Moment, als ihm die Beatles die Songs für Revolver vorspielen und dann die Totenstille in dem Moment, als Plattenfirma und Management das erste Mal das fertige Cover zu Gesicht bekommen.

Aber das Design war nicht konzeptfrei, sondern durchdacht und von künstlerischer Bedeutung – und mutig! Denn anders als die vorigen Happy-Go-Lucky Bilder mit Schwiegermuttis-Lieblings-Fotografien der charmanten Briten, hat Voormanns Design einen psychedelischen Einschlag. Er baute eine Brücke zwischen dem was war und dem was sein wird. Die Fans wollten, wie sie es gewohnt waren, ihre Helden auf dem Cover sehen. Ein Wunsch, der ihnen nicht verwehrt bleiben sollte. Aber eben nicht in der herkömmlichen Form. Schwarze Strichzeichnungen stilisieren insbesondere die vier Pilzfrisuren und eine schwarz-weiße Foto-Collage treiben die Ästhetik von Ringo, Paul, George und John in eine frische Richtung.

Und unter einer Haarlocke lugt er selbst hervor: Klaus Voormann. Ein wunderbares Bild für all jenes, was seine Karriere charakterisieren sollte: Er ist immer mitten im Geschehen und bleibt doch beinahe unentdeckt. Es sei denn, man weiß wo man suchen soll (im Fall des Beatles Covers ist man am rechten Bildrand gut beraten). Denn obwohl das Artwork, für das Voormann im Übrigen seinen ersten Grammy erhielt, die große, ikonische Assoziation ist, wirft sie gleichzeitig lange Schatten auf sein weiteres künstlerisches Schaffen.
Etwa zeitgleich mit seinem Artwork-Durchbruch feiert Voormann als Bassist der britischen Beat-Band Manfred Mann internationale Erfolge, steht beim „Concert for Bangladesh“ vor zehntausenden Fans auf einer Bühne in New York und arbeitet obendrein mit B. B. King, Randy Newman und Lou Reed zusammen.


Schaut euch hier ein Video des Trio Hits DA Da Da an:


Dann kommen die Achtziger und Voormann mausert sich schon fast zum deutschen Trevor Horn, als er den ersten Hit der bis dato völlig unbekannten Truppe TRIO produzierte: Da Da Da ging durch die Decke und bewies mit einem textlich relativ simpel gestrickten Refrain, dass sich in der Neuen Deutschen Welle der Mitgröhl-Faktor als durchaus erfolgreich erwies.

Inzwischen hat er seine Geschichte – und damit meine ich wieder jene rund um das Beatles Cover – in eine Art Autobiografie gegossen. Und da Voormann kein Schriftsteller sondern Grafiker ist, erzählt sich die Geschichte standesgemäß als Graphic Novel. Oder im etwas weniger coolen Wortschatz: Als Comic. Aber wie hätte es bei Klaus Voormann auch anders sein sollen?


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