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Popkultur

Zeitsprung: Am 10.10.1975 läuft der Film „Lisztomania“ mit Roger Daltrey an.

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Das Filmplakat zu "Lisztomania"

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 10.10.1975.

von Timon Menge und Christof Leim

Denkt man an Roger Daltrey auf der großen Leinwand, schießt einem natürlich sofort Tommy durch den Kopf. Mit der Verfilmung ihrer Rockoper landen The Who Mitte der Siebziger einen Mega-Erfolg. Nur wenige Monate später kann man Frontmann Daltrey gleich noch einmal im Kino bewundern. Diesmal als Franz Liszt in Lisztomania.

Hier könnt ihr euch eine Neuauflage von Rick Wakemans Soundtrack zu Lisztomania anhören:

Ken Russell kennen wir, klar. Im Lauf seiner jahrzehntelangen Karriere veröffentlicht der Regisseur zahlreiche erfolgreiche Filme, 1975 schreibt er mit dem The-Who-Streifen Tommy Rockgeschichte. Und noch im selben Jahr flimmert das nächste Werk des britischen Filmemachers über die Leinwand: Lisztomania. Den Hauptdarsteller gibt erneut The-Who-Frontmann Roger Daltrey und spielt, genau, Franz Liszt. Doch… Wer war das eigentlich nochmal?

Franz Liszt kommt 1811 in Ungarn zur Welt und gilt als Meister des Klavierspiels. Den Begriff „Lisztomanie“ prägt der deutsche Dichter Heinrich Heine, denn was die Beatles in den Sechzigern erleben, passiert Liszt schon viele Jahrzehnte vorher: Sein virtuoses Spiel begeistert vor allem seine Zuhörerinnen so sehr, dass sie ekstatisch kreischen und in Ohnmacht fallen. Warum er für die klassische Musik so wichtig war, würde jetzt zu weit führen, aber das sei gesagt: Liszt gilt als einer der besten Pianisten aller Zeiten.

„Roger ist ein brillanter, natürlicher Darsteller.“

Genau wie Tommy folgt auch Lisztomania keiner stringenten Handlung, sondern hangelt sich durch einzelne Sequenzen, die zwischen Fakt und Fiktion wechseln. Ob seine Affäre mit Marie d’Agoult, sein Leben als Musiker, seine drei Kinder: Immer wieder werden reale Aspekte aus dem Leben Liszts beleuchtet. Dass sein Kollege Richard Wagner sich als Vampir outet, der damit beauftragt wurde, Musik zu schreiben, die einen neuen deutschen Nationalismus auslöst, dürfte allerdings frei erfunden sein. Hoffen wir.

Roger Daltrey (Liszt), Fiona Lewis (Gräfin Marie), Ringo Starr (Papst), Paul Nicholas (Richard Wagner), Sara Kestelman (Prinzessin Carolyn), Rick Wakeman (Siegfried) – Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Eigentlich sollte ja Mick Jagger in die Rolle von Franz Liszt schlüpfen. Zumindest wünscht sich Ken Russell das im Juli 1974, denn schließlich sei Liszt „der erste Popstar“ gewesen. Dann kommt aber doch alles ganz anders. Bereits im Oktober 1974 verkündet Russell, dass Roger Daltrey den Pianisten verkörpern wird. „Roger ist ein brillanter, natürlicher Darsteller“, verrät Russell in einem Interview. „Er spielt wie er singt, und das Ergebnis ist magisch.“ Kurz darauf beginnen die Dreharbeiten, am 10. Oktober 1975 ist Kinostart. Auch andere bekannte Gesichter wie Ringo Starr und Rick Wakeman wirken in dem Streifen mit.

Ein Flop mit Folgen

Der kommerzielle Erfolg von Lisztomania hält sich dennoch in Grenzen. Das Projekt geht sogar so sehr nach hinten los, dass die Produktionsfirma Goodtimes ihre Pläne ändert. Eigentlich hätte Ken Russell nach Mahler (1974) und Lisztomania noch weitere Filme über klassische Musiker drehen sollen. Doch der Flop an der Kinokasse treibt den Verantwortlichen die Schweißperlen auf die Stirn, sodass das Vorhaben kurzerhand eingestampft wird. Ein allzu großer Verlust ist das vermutlich nicht…

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