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Popkultur

Musiker*innen, die für das Präsidentenamt kandidiert haben … oder es wollten

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Kanye West zu Besuch im Weißen Haus. Foto: Sebastian Smith/AFP via Getty Images

Zur Zeit sorgt der US-amerikanische Rapper, Produzent und Modemacher Kanye West mit seiner vermeintlichen Kandidatur für das Präsidentenamt für jede Menge Verwunderung, Schlagzeilen und Besorgnis. Verwunderung, weil Wests Kandidatur bemerkenswert chaotisch ist, schon allein aufgrund versäumter Deadlines nahezu unmöglich scheint und bislang keinen roten Faden hat. Schlagzeilen, weil West aus allem, was er macht, natürlich ein Spektakel kreiert – von Alben über Turnschuhe bis zu Gottesdiensten und Wahlkampfveranstaltungen. Und zu guter Letzt Besorgnis, weil es kein Geheimnis ist, dass West an einer bipolaren Störung leidet – und sich sein erster, tränenreicher und etwas wirrer Wahlkampfauftritt vor kurzem sich für viele wie der Höhepunkt einer manischen Episode als nach kalkulierter Wahlkampfstrategie anfühlt.

von Markus Brandstetter

Keine realistische Chance, aber …

Darauf, dass West als Sieger der Präsidentschaftswahl 2020 hervorgeht, sollte man also nicht wetten. Dass Popstars und andere Promis aber durchaus auch mit ihren Polit-Ambitionen eine Anhängerschaft generieren können (und vielleicht als oft zitiertes Zünglein auf der Waage fungieren können – also einen anderen Kandidaten einen kleinen Prozentsatz kosten könnten), ist durchaus möglich. Fix ist jedoch die mediale Aufmerksamkeit. Und mal ehrlich: Besonders in den USA ist ein Entertainment-Hintergrund kein Hindernis für eine Polit-Karriere. Schließlich saß mit Ronald Reagan ein ehemaliger Schauspieler (u.a. Bedtime For Bonzo) im Weißen Haus… und mit Donald Trump ist nicht nur ein Immobilienunternehmer, sondern auch ein ehemaliger Reality-TV-Star an der Macht. Nur ein*e Musiker*in war bis jetzt noch nicht dran – rechnet man mal Bill Clintons Saxophonkünste nicht dazu.

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Das Hotel California wollte ins Weiße Haus

Wie sehr Kanye 2020 tatsächlich mit dem Präsidentenamt liebäugelt und wieviel davon Show oder wahlweise manische Episode ist, ist Ansichtssache. Einer, der wohl nicht mir einer realistischen Möglichkeit eines Einzugs in Weiße Haus rechnete, war The-Eagles-Gitarrist Joe Walsh.

Selbst wenn Walsh damals gewählt worden wäre, hätte er das Amt nicht antreten können: Das Mindestalter für einen US-Präsidenten beträgt 35 Jahre, Walsh war zu diesem Zeitpunkt 33. Er ließ sich dennoch gut gelaunt auf die Wahlzettel schreiben, versprach, dass sein Song Life’s Been Good die neue US-Hymne werden würde, wurde dann nicht Präsident – und kandidierte 1992 nochmal für das Amt des Vizepräsidenten. Auch das klappte nicht – seiner Karriere tat das aber keinen Abbruch, und eigentlich sehen wir die Gitarrenlegende ohnehin lieber auf den Konzertbühnen als auf der Politbühne.

Alice Cooper wants to be elected!

So ganz ernst sind auch die Präsidentschaftsambitionen von Alice Cooper nicht. Das hält ihn aber nicht ab, sich seit 1972 immer wieder für das Amt des Präsidenten zu bewerben – das mit jeder Menge Augenzwinkern und einem eigenen Wahlkampfsong namens Elected. Textauszug: „I’m your top prime cut of meat, I’m your choice, I wanna be elected, / I’m your yankee doodle dandy in a gold Rolls Royce, I wanna be elected / Kids want a / savior, don’t need a fake / I wanna be elected / We’re all gonna rock to the rules that I make, I wanna be elected, elected, elected“.

Natürlich möchte Alice auch 2020 mit einem Zwinkern in den schwarz geschminkten Augen, wieder elected werden. Der Merch dazu ist jedenfalls großartig:

Wyclef Jean wollte wirklich.

Viel ernsthafter sah das schon Wyclef Jean – allerdings wollte er nicht Präsident der USA, sondern von Haiti werden. Jean hatte sich 2010 nach der Hurricane-Katastrophe in seinem Geburtsland Haiti eingesetzt, nahm gemeinsam mit Mick Jagger eine Benefiz-Single auf und organisierte ein großes und prominent besetztes Charity-Konzert. Im selben Jahr wollte er auch als Präsident Haitis antreten. Allerdings wurde ihm von der Wahlbehörde ein Strich durch die Rechnung gemacht: Jean erfülle nicht alle erforderlichen Kriterien, hieß es – somit wurde ihm die Kandidatur untersagt. Jean, der die ersten neun Jahre seines Lebens in Haiti verbrachte, ehe er nach New York zog, nahm es gelassen und kündigte an, sich auch weiterhin für seine Heimat einsetzen zu wollen.

Youssou N’Dour

Der international bekannte, senegalesische Superstar Youssou N’Dour wollte es 2012 wissen – und forderte den amtierenden Präsidenten Abdoulaye Wade bei der Präsidentschaftswahl heraus. Allerdings wurde auch seiner Wahl ein Riegel vorgeschoben: Ein Teil der Unterschriften der Unterstützer, die N’Dour einreichte, wurden als ungültig erklärt. Später wurde er aber zum Kultur- und Tourismusminister, später zum Tourismus- und Freizeitminister und Präsidentenberater ernannt, der sein Land im Ausland repräsentieren solle.

Jello Biafra

Nachdem der Sänger 1979 als Bürgermeister von San Francisco kandidierte, wurde er 2000 als möglicher Präsidentschaftskandidat für die Green Party auf den Stimmzettel geschrieben. Allerdings machte Ralph Nader innerparteilich das Rennen – und zwar mit eindeutigem Abstand. Ob die US-Amerikaner*innen tatsächlich einen Präsidenten gewählt hätten, dessen Band Dead Kennedys heißt, steht auf einem anderen Blatt. Biafra hatte als Running Mate übrigens den zum Tode verurteilten Journalisten und Bürgerrechtsaktivisten Mumia Abu-Jamal genannt.

5 Wahrheiten über Kanye West

 

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