Join us

Popkultur

20 Jahre „Mutter“: 5 Dinge, die ihr über das dritte Album von Rammstein noch nicht wusstet

Published on

Rammstein
Foto: Nick Laham/Newsmakers/Getty Images

Deutsche Exportschlager gibt es in der Popmusik nicht allzu viele. Rammstein gehören dazu, da gibt es keine zwei Meinungen. Vor 20 Jahren hat die Band ihr drittes Werk Mutter veröffentlicht. Wir haben fünf Dinge über das Album zusammengesucht, die ihr möglicherweise noch nicht wusstet.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Mutter von Rammstein anhören:

1. Der Arbeitstitel für den Song Mein Herz brennt lautete Sandmann.

Den Sandmann kennen wir in der deutschen Kultur vor allem aus zwei Zusammenhängen: Da wäre zum einen die abendliche Kindersendung, ein seit Jahrzehnten bestehendes Ritual vor dem Schlafengehen. Zunächst im Radio, später im Fernsehen begleitet das Format unseren Nachwuchs mit kurzen Gutenachtgeschichten ins Bett. Am Ende jeder Folge verteilt das Sandmännchen seinen Schlafsand, damit die Kinder etwas Schönes träumen. Der deutsche Schriftsteller E. T. A. Hoffmann interpretiert die Figur im Jahr 1816 deutlich düsterer. In seiner Schauerromantik-Geschichte Der Sandmann erzählt Hoffmann von Nathanael, der sich bereits als Kind vor einem Mann namens Coppelius fürchtet. Er glaubt, in ihm den Sandmann wiederzuerkennen. Später als Student ist sich Nathanael sicher, Coppelius wiedergetroffen zu haben und seine alte Angst kommt erneut hoch.

Rammstein wären nicht Rammstein, wenn sie sich in Mein Herz brennt mit dem freundlichen Sandmann beschäftigt hätten. Stattdessen singt Frontmann und Texter Till Lindemann in dem Song gleich zu Beginn: „Nun liebe Kinder, gebt fein Acht / Ich bin die Stimme aus dem Kissen / Ich hab’ euch etwas mitgebracht / Hab’ es aus meiner Brust gerissen“. Da läuft auch dem ein oder anderen Erwachsenen ein Schauer über den Rücken.

2. Mit Links 2 3 4 reagierte die Band darauf, dass ihr immer wieder eine rechte Gesinnung vorgeworfen wurde.

Im Lauf ihrer Karriere mussten sich Rammstein immer wieder mit der Unterstellung rechten Gedankenguts herumschlagen. Davon hat die Gruppe bereits 2001 genug, nur sieben Jahre nach ihren ersten Aufnahmen in deutscher Sprache und sechs Jahre nach ihrem Debüt Herzeleid. Als Reaktion auf die Vorwürfe nimmt die Band den Song Links 2 3 4 auf, dessen Titel die Musiker von der deutschen Taktzählung beim Marschieren in der Bundeswehr ableiten. Ausgesprochen wird der Titel „Links zwo drei vier“, ebenfalls angelehnt an die Gepflogenheiten des deutschen Militärs. „Zwo“ sagt man nämlich vor allem unter Soldaten, weniger im „zivilen“ Bereich.

Im Text lassen Rammstein keinen Zweifel daran, wo sie politisch stehen: „Sie woll’n mein Herz am rechten Fleck / Doch seh’ ich dann nach unten weg / Da schlägt es links“. Gitarrist Paul Landers erklärt dazu in einem Interview mit dem Metal Hammer: „Wir sehen die Welt anders als in links und rechts aufgeteilt. Aber für diesen Song bedienen wir uns der schlichten Schwarzweißmetaphern, die Journalist*innen scheinbar wichtig finden, um uns zu erklären.“ Das Musikvideo zum Stück zeigt eine Ameisenstadt, die während eines Rammstein-Konzerts von Käfern angegriffen wird. Schlussendlich gewinnen die Ameisen gegen die Käfer.

3. Sonne sollte eigentlich eine neue Einmarschhymne für die Klitschko-Brüder werden.

Immer wieder haben sich Musiker*innen aus dem härteren Bereich daran versucht, Einmarschhymnen für Profiboxer zu schreiben. So zum Beispiel auch Phil Anselmo (Ex-Pantera, Down), einer der größten Klitschko-Fans überhaupt. Mit Sonne legen Rammstein im Jahr 2001 ihren ganz eigenen Entwurf für die boxenden Brüder vor; zu Beginn sei „Klitschko“ sogar der Arbeitstitel des Stücks gewesen. Schaut man sich den Text genauer an, passt die Verbindung: „Die Sonne scheint mir aus den Händen / kann verbrennen, kann dich blenden / wenn sie aus den Fäusten bricht / legt sich heiß auf dein Gesicht / legt sich schmerzend auf die Brust / das Gleichgewicht wird zum Verlust / lässt dich hart zu Boden gehen / und die Welt zählt laut bis zehn“. Wenn das nicht eine sehr lyrische Beschreibung einer Profi-Prügelei ist, wissen wir auch nicht.

4. Feuer frei! wurde auch für den Soundtrack des Actionfilms xXx – Triple X verwendet, in dem Rammstein außerdem einen Gastauftritt haben.

Mit Feuer frei! landen Rammstein zu Beginn der Neunziger nicht nur einen musikalischen Hit, sondern entern auch Hollywood. Der Song wird nämlich nicht nur auf Mutter und als Single veröffentlicht, sondern auch auf dem Soundtrack des Actionstreifens xXx – Triple X. Die Handlung: Xander Cage (Vin Diesel) spielt einen durchtrainierten Extremsportler und Stuntman, der ein Doppelleben als Geheimagent führt und damit beauftragt wird, sich in eine Gruppe potenzieller russischer Terroristen in Europa einzuschleichen. Rammstein treten auch auf und zwar gleich zu Beginn des Films. Auf dem Regiestuhl sitzt Rob Cohen, der auch das Musikvideo zu Feuer frei! umsetzt.

5. Das Cover des Albums zeigt ein echtes totes Baby, das vor 200 Jahren konserviert wurde.

Rammstein provozieren gerne mit vermeintlichen Geschmacklosigkeiten, egal ob es um Gewalttaten geht, um den Tod oder um sonstige menschliche Abgründe. Auch mit Mutter löst die Band eine Kontroverse auf, denn das Cover des Albums zeigt eine Fotografie eines echten toten Babys, das vor mehr als 200 Jahren in Formalin eingelegt wurde, um es zu konservieren. Das Bild stammt von dem Künstler-Ehepaar Daniel und Geo Fuchs, die sich in ihren Arbeiten äußerst intensiv mit ausgewählten Themen beschäftigen, teilweise monate- oder jahrelang. Das Coverfoto für Mutter stammt aus einem Projekt mit dem Titel Conserving, für das Daniel und Geo Fuchs in den drei Unterserien Fish, Animals und Humans konservierte Leichen abgelichtet haben. Rammstein sind von der Arbeit des Paares so begeistert, dass die Eheleute das gesamte Kunstkonzept für das dritte Album der Band umsetzen dürfen, vom Cover des Albums bis zu den Single-Artworks.

Rammstein Mutter Cover

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

„Könnt ihr uns sehen?“: Rammsteins Karriere in Bildern

Latest Music News

Don't Miss