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Popkultur

Interview mit Paul Stanley: „Auf ihre eigene Weise sind KISS-Konzerte überaus intim“

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Paul Stanley

Es hat sich ja mittlerweile herumgesprochen, dass Paul Stanley eine Soul-Band hat. Deren erstes Album bietet süffigen, ikonischen Soul zwischen Covern und Eigenkompositionen. Ein Zoom-Gespräch über Soul, KISS und seine Vergangenheit.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr Now And Then hören:

Paul Stanley, das Starchild, der Rockstar vom anderen Stern: So kennen wir den Gitarristen, Sänger und Mitgründer von KISS. Es gibt aber noch einen anderen Paul Stanley. Den Soul-Aficionado, der Otis Redding in Jugendjahren in New York live gesehen hat. Form gibt er dieser Leidenschaft seit einigen Jahren mit seinem interkulturellen Ensemble Soul Station. Mit diesem hochwertigst besetzten Grüppchen hat er jetzt auch ein wunderbares Album aufgenommen, dessen Titel schon zeigt, was ihm da so vorschwebt: Now And Then, er will das Gestern mit dem Heute vereinen. Um die Musik lebendig zu halten, wie er sagt. Dem Rock’n’Roll schwört er aber nicht gänzlich ab. Zumindest noch nicht.

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Erzähl uns doch mal, wie ihr beide zusammengefunden habt – der Soul und du.

Soul ist ein derart breites Feld, dass man eigentlich gar nicht von dem Soul sprechen kann. Allein die Vorstellung, dass Stax, Philly-Soul und Motown dieselbe Musik sein soll, ist haarsträubend. (lacht) Was mir immer besonders imponiert hat und eigentlich auch das einzige ist, was wirklich zählt: Diese Musik hat Seele. Das suchte ich schon in jungen Jahren, das spricht noch heute zu mir. Und diese Seele im Soul, egal, aus welcher Stadt er kommt, hängt untrennbar mit dem Leidensweg der Schwarzen Bevölkerung der Vereinigten Staaten zusammen. Ihr Schmerz, ihr blutiger Weg durch Folter und Tod zu Selbstbestimmung und Freiheit, stecken in jeder Note. Als ich das erste Mal You’ve Really Got A Hold On Me von Smokey Robinson & The Miracles hörte, war es um mich geschehen. Es war kein perfekter Sound, aber dafür voller Leidenschaft. Diese Musik gibt einen Blick auf dein Innerstes frei, legt deine Seele offen und zieht Freude aus Trauer. Diese Musik hatte etwas Glorreiches – vor allem, wenn ich sie live hörte.

„All diese großartigen Songs kennt man heute allerhöchstens noch aus Samples in Rap-Songs.“


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Paul Stanley
Paul Stanley’s Soul Station
Now And Then
Col. 2LP, 2LP

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Es ist also dein persönlicher Weg zurück zu den Wurzeln?

Klar konzentrierte ich mich bei KISS eher auf die klassische Rock-Seite der Dinge, doch gerade deswegen war es mir so wichtig, mal zurück zu meine Ursprüngen zu gehen. Und was ich in diesem Prozess feststellen musste, war: All diese großartigen Songs kennt man heute allerhöchstens noch aus Samples in Rap-Songs. Nicht falsch verstehen, das ist okay, doch ich möchte der Welt zeigen, wie großartig diese Musik für sich genommen ist. Dafür habe ich Soul Station gegründet. Uns allen geht es darum, diese Musik zu ehren und für die Nachwelt zu bewahren. Wir alle kommen aus verschiedenen Kulturen, haben verschiedene Ursprünge und verschiedene Biografien. Doch hier kommen wir zusammen, um den Soul zu feiern und ihn in die Gegenwart zu bringen.

„Mich verwirren Menschen, die nur die eine Art von Musik hören.“

Wurde in deiner Familie früher auch viel Soul gehört?

Auch, aber nicht nur. Musik war für die Generation meiner Eltern immens wichtig. Meine Eltern waren Juden, mein Vater kam aus Polen nach New York City und meine Mutter floh aus Nazi-Deutschland. Sie lebten für die Kunst, für die Musik. Diese Generation sah Kultur nicht als Luxus an, sondern als essentiellen Baustein des täglichen Lebens. Die erste Musik, an die ich mich erinnern kann, waren Beethovens Klavierkonzerte. Die Klassik fesselte und triggerte mich, brachte mir all den Ärger ein, der mich später erwartete. Natürlich war es nur eine Frage der Zeit, bis Elvis und Sam Cooke diesen Platz einnahmen. Ich war wie entfesselt, entdeckte überall neue Musik, verfiel dem Motown-Soul, der British Invasion, entdeckte die italienische Oper und den Blues. Das ist bis heute so: Mich verwirren Menschen, die nur die eine Art von Musik hören. Ich esse doch auch nicht jeden Tag dasselbe Essen! Die Menschen sagen mir, dass sie sich eben wohl fühlen, wenn sie nur diese eine Art von Musik hören, aber das glaube ich ihnen nicht. Wir alle profitieren davon, andere Musik zu hören, andere Speisen zu kosten. Ich liebe Pizza, aber wenn ich sie jeden Tag essen müsste, wäre ich nicht nur fett, sondern auch unterernährt. So ist es auch mit Musik. Es gibt gute und schlechte Musik, mehr zählt nicht.

Wie unterscheidet sich Paul Stanley von Soul Station eigentlich vom Starchild, das uns bei KISS seit 50 Jahren den Kopf verdreht?

Wenn du in der Öffentlichkeit stehst, nehmen die Menschen nur diese eine Seite von dir wahr. Verständlicherweise. Bei mir ist das Paul Stanley, dieser Typ von KISS. Der Mensch ist aber vielschichtiger als man denkt, er hat unzählige verschiedene Interessen, Probleme, Vorlieben. Du willst also wissen, was er Unterschied ist? Bei KISS trage ich eine Gitarre um den Hals. (lacht)

„Manchmal reagieren die Menschen überrascht, wenn sie feststellen, wie ruhig ich bin.“

Das ist alles?

Nun, natürlich nicht. KISS sind Rock’n’Roll, das ist natürlich etwas ganz anderes. Wenn ich in einer Arena stehe und zu 20.000 Menschen spreche, dann funktioniert das nur über sehr hohe Lautstärke und auffällige Körpersprache. Bei Soul Station geht es um Konversation. Vor jedem neuen Song erzähle ich ein wenig über ihn, über seine Geschichte, unseren Ansatz, meine Beziehung zu ihm. Ich will nicht sagen, dass das intimer ist, auf ihre ganz eigene bizarre Weise sind KISS-Konzerte sogar überaus intim; der Maßstab ist einfach ein anderer. Manchmal reagieren die Menschen überrascht, wenn sie mir begegnen und feststellen, wie ruhig ich bin. Ich frage mich dann immer, was sie von mir erwarten und ob ich jetzt auf den Tisch springen soll oder so. Es gibt eine Zeit und einen Ort für alles. Soul Station wählt also einen anderen Zugang zur Musik, ist aber deswegen nicht mehr oder weniger ich selbst.

Muss man das Spielen in kleinen Clubs neu lernen, wenn man Jahrzehnte in Arenen und Stadien verbracht hat?

Nein, dafür sorgt die Energie dieser Band. Sie bringt Wände zum Beben. Das Publikum ist so entrückt, ergriffen und euphorisiert, dass die Intensität dieselbe ist. Hier kommen Menschen zusammen, die gemeinsam in Musik und Erinnerungen versinken. Das ist alles höchst emotional.

„Malen nach Zahlen wäre uns viel zu wenig gewesen.“

Euer Zusammenspiel bei Soul Station ist für ein 15-köpfiges Ensemble (darunter KISS-Drummer Eric Singer) aber auch wirklich beeindruckend…

Ich versuche auch noch, das zu beschreiben: Die Planeten standen gut zueinander, Gottes Wille, was auch immer, such dir was aus. (lacht) Als wir erstmals in einem Raum waren und zusammen spielten, hatten wir alle das Gefühl, uns schon ewig zu kennen. Wir alle lieben die Musik und die Gesellschaft, das merkt man einfach. Man muss sich nur mal die Aufnahmen aus dem Roxy in Los Angeles ansehen, da spielten wir seit zwei Wochen zusammen! Bei Soul Station zirkulieren zwei Dinge, die mehr und mehr verloren gehen: Leidenschaft und Spielfreude. Wir wollten die Songs nicht perfekt wiedergeben; wir wollten ihre Essenz einfangen und durch uns filtern. Malen nach Zahlen wäre uns viel zu wenig gewesen.

Kommen wir kurz noch auf die unterbrochene End-Of-The-Road-Abschiedstournee von KISS zu sprechen. Ist es nicht fürchterlich schwer, die Motivation für diese letzten Konzerte aufrecht zu erhalten, wenn man nicht live spielen kann?

Aber nein. Das wird schon wieder. Ich empfand unsere Abschiedstournee zu keinem Zeitpunkt als düster oder traurig. Sie ist eine Feier. Alles endet, und wenn wir Glück haben, wissen wir vorher, dass es passiert. So sehr wir KISS lieben, wissen wir doch, dass wir das nicht für immer machen können. Wir sind nicht wie andere Bands. Wenn du in Jeans und Turnschuhen auf die Bühne gehst, kannst du das auch noch mit 80 machen. Eine Show wie die unsere ist irgendwann nicht mehr zu stemmen. Also wollen wir uns mit der größten KISS-Show aller Zeiten verabschieden, der modernsten KISS-Show aller Zeiten, der Show mit der vollständigsten Setlist. Eine Ehrenrunde, eine letzte Party mit all unseren Freund*innen. Natürlich ist das alle sehr emotional, aber bei mir überwiegt die Freude. Ich habe weder ein halbleeres noch ein halbvolles Glas. Mein Glas läuft über. Die Freude, das alles erlebt haben zu dürfen, überstrahlt die Trauer über das Ende bei weitem.

Zumal du ein Wort wie Langeweile wahrscheinlich eh nicht kennst, oder?

Langeweile ist nichts für mich, nein. Langeweile sollte aber für niemanden etwas sein. Nimm dir nur diese Bucket Lists. Für mich sind die pures Gift für das Leben. Du hakst Dinge ab, wo du doch eigentlich konstant Dinge hinzufügen solltest. Darum geht es im Leben: Um neue Herausforderungen, neue Abenteuer. Ich habe keine Bucket List, ich achte nur darauf, dass immer genug Benzin im Tank ist.

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God Gave Soul To You: So gut ist „Now And Then“ von Paul Stanley’s Soul Station

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Popkultur

„The Wall“ als Film: Roger Waters’ holpriger Weg ins Kino

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Pink Floyd spielen "The Wall"
Foto: Rob Verhorst/Redferns/Getty Images

Als Pink Floyd im Jahr 1979 ihr monumentales Konzeptalbum The Wall vorlegen, denkt Mastermind Roger Waters schon längst über eine Verfilmung der Geschichte nach. Genau dazu kommt es wenig später auch — allerdings auf großen Umwegen, mit viel Streit und einem enttäuschenden Ergebnis.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch The Wall von Pink Floyd anhören:

Mitte der Siebziger hängt der Haussegen bei Pink Floyd mächtig schief. Frontmann Roger Waters reißt Stück für Stück die kreativen Belange an sich, Gitarrist David Gilmour fühlt sich deshalb übergangen. Keyboarder Richard Wright kommt ohnehin zu kurz, doch die Schuld dafür gibt sich der typische Klassenstille später selbst. Als sich die Musiker auch noch um Tantiemen streiten und Gilmour zum ersten Mal Papa wird, übernimmt Waters noch mehr künstlerische Kontrolle. Quasi im Alleingang schreibt er das Konzeptalbum The Wall, das eine Kette von Ereignissen nach sich zieht. Da wären zum Beispiel der Rauswurf von Keyboarder Wright oder die aufwändige The Wall-Tour. Waters hat mit der Platte aber noch etwas anderes vor: Er möchte die Geschichte als Film auf die große Leinwand bringen.

The Wall: ein autobiografisch angehauchtes Meisterwerk

Die Handlung von The Wall lässt tief in Waters’ eigene Biografie blicken: Rockmusiker Pink leidet unter dem Tod seines Vaters im Zweiten Weltkrieg, unter seiner überfürsorglichen Mutter und unter seinem Dasein als Rockstar, der sich zunehmend von seinem Publikum isoliert fühlt — genau wie Waters während der ersten Pink-Floyd-Stadion-Shows im Rahmen der In The Flesh-Tour. Auch Schulprobleme aus der Kindheit und schwierige Liebesbeziehungen machen Pink zu schaffen. So demütigt ein Lehrer ihn zum Beispiel, indem er Pinks Gedichte laut vor der Klasse vorliest. Später findet der Rockstar heraus, dass ihn seine Frau betrügt und versucht, den Schmerz mithilfe eines Groupies und schließlich mit Drogen zu bekämpfen. Jede Enttäuschung sorgt für „another brick in the wall“, die Pink um sich errichtet. Am Ende laufen all seine negativen Erfahrungen zusammen.

Einen Film plant Waters schon vor der Produktion des Albums. Live-Aufnahmen sollen darin vorkommen, genauso wie Animationen aus dem Pinsel von Gerald Scarfe, der schon die LP von The Wall gestaltete. Auf dem Regiestuhl sollen Alan Parker und Michael Seresin sitzen, Waters möchte als Pink vor die Kamera treten. Doch dann kommt alles anders: Waters eignet sich nicht als Schauspieler, stattdessen übernimmt Boomtown-Rats-Frontmann Bob Geldof die Rolle. Der erzählt seinem Manager im Taxi noch, wie bescheuert er den Film findet — nicht wissend, dass Roger Waters’ Bruder am Steuer des Wagens sitzt. Live-Mitschnitte von Pink Floyd ergeben nach Waters’ Ausscheiden aus dem Cast keinen Sinn mehr, Seresin verlässt das Projekt daraufhin komplett. Übrig bleiben Parker, Waters und Scarfe. Harmonisch verläuft die Zusammenarbeit der Drei allerdings nicht …

Viel Ego, viel Film

Immer wieder geraten Musiker Waters, Regisseur Parker und Animateur Scarfe aufgrund ihrer Egos aneinander. Parker beschreibt den Filmprozess sogar als „eine der schlimmsten Erfahrungen meines kreativen Lebens“. Scarfe wiederum gibt in einem Interview mit dem Pink-Floyd-Magazin Floydian Slip zu Protokoll, er habe während der Dreharbeiten stets eine Flasche Whiskey im Gepäck gehabt. „Ich saß gegen neun Uhr morgens in meinem Auto und hatte eine Flasche Jack Daniel’s auf dem Beifahrersitz“, so Scarfe. „Ich trinke nicht viel, aber damals musste ich morgens einen Schluck nehmen, weil ich wusste, was auf mich zukam, und dass ich mich in irgendeiner Weise stärken musste.“ Roger Waters selbst genießt die Arbeit am The-Wall-Film auch nicht gerade, bezeichnet sie aber schlicht als „sehr zermürbende und unangenehme Erfahrung“.

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Die Premiere des Streifens geht am 23. Mai 1982 in Cannes über die Bühne, drei Wochen später folgt die Erstaufführung in London. David Gilmour und Nick Mason erscheinen als Gäste, Geldof und Scarfe lassen sich die Premiere natürlich ebenfalls nicht entgehen — genauso wenig wie Pete Townshend von The Who, Roger Taylor von Queen und Sting von The Police. Richard Wright bleibt wegen seines Rauswurfs zuhause. Zwölf Millionen US-Dollar kostet der The-Wall-Film unterm Strich, fast das Doppelte spielt er ein. Eigentlich handelt es sich bei dem Streifen also um einen Erfolg, doch Roger Waters ist nicht zufrieden. „Ich war am Ende ein bisschen enttäuscht“, verrät er 1988 in einem Interview. „Ich habe keinerlei Sympathie für den Hauptcharakter empfunden. Der Film war so ein Feuerwerk für die Sinne, dass ich als Zuschauer gar keine Chance hatte, mich richtig darauf einzulassen.“

„Was zum Teufel war das?“

Regie-Legende Steven Spielberg soll ein wenig direktere Worte gefunden haben und nach der Premiere in Cannes gefragt haben: „Was zum Teufel war das denn?“ The-Wall-Regisseur Parker behauptet später, dass ihn diese Reaktion gefreut habe: „In der Tat, ‚Was zum Teufel war das?‘ Niemand hatte so etwas bisher gesehen — eine wilde Mischung aus Live-Action, Storytelling und Surrealismus.“ Heute hat die The-Wall-Verfilmung ihren festen Platz in der Popkultur, nicht zuletzt aufgrund der charakteristischen Animationen von Scarfe. Zu den Sternstunden der Pink-Floyd-Geschichte zählt der Streifen aber sicher nicht.

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Die Alben von Pink Floyd im Ranking — die besten Platten der Prog-Legenden

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Popkultur

„Keeper Of The Seven Keys: Part I“: Als Helloween den Power Metal erfanden

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Helloween
Foto: Paul Natkin/Getty Images

Ursprünglich als Doppel-LP gedacht, veröffentlichen Helloween am 23. Mai 1987 den ersten Teil ihrer Keepers Of The Seven Keys-Saga. Die Schwelle zum Erfolg rückt näher, alle Zeichen stehen auf Durchbruch. Der große Knall gelingt der Band zwar erst ein Jahr später mit Part II — doch Part I sowie die Rekrutierung von Sänger Michael Kiske markieren wichtige Grundsteine für den jahrzehntelangen Erfolg der Hamburger.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Keeper Of The Seven Keys: Part I von Helloween anhören:

Als Helloween am 23. Mai 1987 ihr zweites Album Keeper Of The Seven Keys: Part I auf die Öffentlichkeit loslassen, steht die Band an einem Wendepunkt: Mit Walls Of Jericho hatte die Gruppe 1985 ein vielbeachtetes Debütalbum vorgelegt, mit Keeper Of The Seven Keys: Part II wird den Hamburgern 1988 der ganz große Durchbruch gelingen. Part I ebnet zwischenzeitlich den Weg dorthin. Doch was hat sich im Hause Helloween vom Debüt bis zu Keeper Of The Seven Keys: Part I eigentlich verändert?

„So anders als die letzte ist die Platte im Grunde genommen gar nicht“, findet Gitarrist Michael Weikath im Frühjahr 1987 in einem Interview mit dem deutschen Metal Hammer. So ganz recht hat er damit nicht: Nach ihrem ersten Album nehmen Helloween nämlich einen entscheidenden Personalwechsel vor — und holen Sänger Michael Kiske an Bord.

Kai Hansen: „Ich bin eher ein Schreihals.“

Dass Gitarrist Kai Hansen seinen Posten am Mikrofon räumt, liegt hauptsächlich daran, dass er sich als Sänger nicht wohlfühlt; vor allem das gleichzeitige Gitarrespielen ist ihm nicht geheuer. „Ich habe mich nie wirklich als Sänger gesehen“, verrät er im Interview mit dem britischen Classic Rock Magazine. „Ich bin eher eine Art Schreihals. Außerdem hat mir die Disziplin gefehlt. Saufen und Rauchen machen die Stimme nicht besser.“

Als Gitarrist rückt Hansen auf Keeper Of The Seven Keys: Part I in den Vordergrund, weil sein Sechs-Saiten-Kollege Michael Weikath wegen Krankheit nur sporadisch an den Sessions teilnehmen kann. Dadurch entsteht zum Beispiel der legendäre Song Future World, den Helloween als einzige Single von Part I auskoppeln. Auch das Stück Halloween stammt aus Hansens Feder. Untätig bleibt Weikath natürlich trotzdem nicht.

Mit A Tale That Wasn’t Right steuert der Gitarrist eine Ballade für die Ewigkeit bei, auch an Follow The Sign schreibt er mit. Freshman Michael Kiske komponiert das Stück A Little Time und leistet damit ebenfalls einen Beitrag zu der historischen Errungenschaft, die man Keeper Of The Seven Keys: Part I im Allgemeinen nachsagt: die Erfindung des Power Metal.

Klassischer Heavy Metal, unfassbare Geschwindigkeiten, symphonische Elemente, epische Texte: Wenn es um Drachen, Zauberer und jede Menge Doublebass geht, ist das Wörtchen „Power“ im Metal nicht weit. „Mir kam es damals nicht so vor, als hätten wir etwas großartig Neues geschaffen“, erinnert sich Kai Hansen im ClassicRock-Interview. „Niemand konnte damals etwas mit dem Begriff Power Metal anfangen, für uns war das einfach nur Heavy Metal. Das ist es auch heute noch. Was zum Teufel soll Power Metal denn sein?“

Keeper Of The Seven Keys: Part I — ein Überraschungserfolg

Eigentlich hätten Helloween Part I und Part II der Keepers Of The Seven Keys-Saga lieber als Doppel-LP veröffentlicht, doch bei einer Newcomer-Band möchte die Plattenfirma Noise Records vermutlich lieber auf Nummer sicher gehen. Wer hätte schließlich geahnt, dass Helloween heute zu den größten Namen der Krawallmusik-Szene zählen würden und dass ausgerechnet der Doppelschlag Keeper Of The Seven Keys: Part I und II so sehr dazu beitragen würden.

Schon kurz nach der Veröffentlichung landet Part I unverhofft auf Platz 15 der deutschen Albumcharts. „Dass wir in die normalen Charts kommen, das hat wirklich keiner von uns erwartet“, erzählt Gitarrist Weikath im MetalHammer-Interview. Mit Part II gelingt sogar der Sprung auf Platz fünf. „Ich frage mich wirklich, wo denn eigentlich die Leute sitzen, die das alles kaufen. Da scheint es wesentlich mehr von zu geben, als ich angenommen hatte.“ Gut so!

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Zeitsprung: Am 29.8.1988 erscheint „Keeper Of The Seven Keys: Part II“ von Helloween.

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Zeitsprung: Am 22.5.2001 erscheint das erste Bon Jovi-Livealbum „One Wild Night“.

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Bon Jovi

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.5.2001."

von Christof Leim

Keine Frage: Bon Jovi dominieren den Hard Rock der Achtziger. Mit Slippery When Wet (1986) und New Jersey (1989) liefern sie zwei Nummer-eins-Alben hintereinander ab, daneben empfehlen sie sich als fleißige und mitreißende Liveband, die fast pausenlos durch die größten Hallen und Stadien in aller Welt tourt. Alleine die Konzertreise für Slippery dauert 15 Monate (von Juli 1986 bis Oktober 1987), danach hängen die Herren für New Jersey nochmal unfassbare 16 Monate (von Oktober 1988 bis Februar 1990) dran. Einen (offiziellen) Konzertmitschnitt dieser glorreichen Zeit sucht man allerdings vergebens.

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Hier könnt ihr in One Wild Night: Live 1985-2001 reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Die erste „richtige“ Liveplatte erscheint nämlich erst viel später, am 22. Mai 2001. Da hat sich die Welt der Rockmusik schon weitergedreht, Grunge und Crossover sind gekommen und wieder gegangen. Bon Jovi haben mehrjährige Pausen eingelegt, Soloalben veröffentlicht und sich immer mehr zu einer erwachsenen Rockband entwickelt, die Springsteen stilistisch näher steht als Kiss und Aerosmith. Zuletzt brachten sie im Sommer 2000 das Album Crush auf den Markt, eine weitestgehend entspannte, oft balladeske Angelegenheit. Als Liveband aber lassen sie weiter nichts anbrennen und füllen immer noch die Stadien.


Für One Wild Night: Live 1985-2001 beschränken sich die Musiker nicht auf die Aufzeichnungen einer Show oder einer Tour, sondern stellen Songs aus drei Phasen ihrer Karriere zusammen: von aktuellen Konzerten im Jahr 2000 und Shows von der Mitte der Neunziger, als junge Rockhörer auf ganz andere Sounds standen, sowie von einem Gig in Tokio 1985. (Ja, die Herren sind schon früh ordentlich rumgekommen.) Aufnahmen aus den ganz großen Jahren, also von den Megatouren zu Slippery und New Jersey, fehlen sonderbarerweise.



Mit der Songauswahl decken Bon Jovi dabei alle Phasen ihrer Karriere ab; es finden sich die offensichtlichen Hits (Livin’ On A Prayer, Bad Medicine et al.), locker-flockiges Neunziger-Zeug (Something For The Pain, Something To Believe In) und damals neues Material wie Just Older oder It’s My Life. Als alte Schätzchen gibt es den ersten Hit Runaway vom 1984er-Debütalbum und In And Out Of Love vom oft (und zu Recht) vergessenen Zweitwerk 7800° Fahrenheit.



Interessant wird es bei den Coverversionen: Im südafrikanischen Johannesburg lassen Bon Jovi eine treibende Version von Neil Youngs Rocking In The Free World vom Stapel, bei I Don’t Like Mondays singt sogar Bob Geldof mit. (Für die Komplettisten: Diese Aufnahme wurde schon auf der Doppel-CD-Variante von These Days (1995) veröffentlicht; drei Mitschnitte aus Zürich gibt es ebenfalls auf der The Crush Tour-DVD. ) Bei der letzten Nummer schließlich, dem titelgebenden One Wild Night 2001 handelt es sich um einen Remix eines Tracks von Crush. Diese neue Version wird auch als Single ausgekoppelt, ebenso der alte Gassenhauer Wanted Dead Or Alive.



Alles in allem repräsentiert die Platte gut den musikalischen Stand der Gruppe zur Jahrtausendwende. Bon Jovi erweisen sich als souveräne Liveband mit guten Gesängen und einem Frontmann, der die Menge anzuspornen weiß. Natürlich klingen unsere Helden mittlerweile im Vergleich zur ungestümen Hardrockerei der Achtziger ein gutes Stück erwachsener. Was vor allem heißt: Der Chef schreit nicht mehr so viel, und die Gitarre macht weniger „Brett“. Das Album erscheint am 22. Mai 2001 und schlägt sich recht wacker in den Charts mit hohen Platzierungen in Europa (Platz 3 in Deutschland) und einem 20. Rang in den USA. Der nächste Konzertmitschnitt Inside Out lässt dann wieder bis 2012 auf sich warten, aber das ist eine andere Geschichte…

Zeitsprung: Am 28.4.1989 heiratet Jon Bon Jovi seine Jugendliebe – heimlich.

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