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Popkultur

Zeitsprung: Am 28.10.2005 verwenden Rammstein übriggebliebene Songs für „Rosenrot“.

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Foto: Cover

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 28.10.2005.

von Tobi Wienke und Christof Leim

Das fünfte Rammstein-Album Rosenrot sollte eigentlich Reise, Reise Vol. 2 heißen, denn die Band hatte vom Vorgänger noch einiges an Material übrig. Dass die Platte aber mehr bietet als die Rammsteins-Resterampe und warum sich die Musiker ordentlich weh getan haben, erfahrt ihr in unserem heutigen Zeitsprung.

Hier könnt ihr Rosenrot anhören:

Mit Reise, Reise haben Rammstein 2004 endgültig den weltweiten Durchbruch geschafft. In sieben Ländern steigt die Platte direkt auf Platz eins ein und verbringt in Deutschland ganze 48 Wochen in den Top 100. Doch statt eine Pause einzulegen, bringen Rammstein nach nur knapp 13 Monaten, am 28. Oktober 2005, mit Rosenrot ihr fünftes Album in die Plattenläden.

Resteverwertung

Ganz taufrisch sind die Songs auf Rosenrot nicht. Die erste Single Benzin etwa spielten sie bereits im Juni bei ihren Konzerten in der Berliner Wuhlheide. Sechs der insgesamt elf Songs, darunter das Titelstück, hatten die Musiker bereits für Reise, Reise fertig aufgenommen, konnten sie jedoch nicht mehr auf der Platte unterbringen. Vier weitere Nummern basieren auf Demos, die im Rahmen der Aufnahmesessions des Vorgängers ausprobiert wurden, Mann gegen Mann entstand sogar schon 2001 bei der Arbeit an Mutter.

Ursprünglich stand deshalb die Idee im Raum, das neue Werk als Reise, Reise Vol. 2 zu veröffentlichen, wozu auch das Cover gepasst hätte. Denn auch dabei handelt es sich um „altes“ Material, nämlich ein „Upcycling“ des japanischen Artworks von Reise, Reise.

Ungewohnt

Wegen dieser Kontinuitäten könnte man vermuten, Rosenrot sei ein weiteres typisches Werk im Kanon des Sextetts. Doch die Band geht für sie durchaus experimentelle Wege: Vor allem Te Quiero Puta sticht mit seinen Bläsern deutlich aus dem Rammstein-Kontext hervor. Daneben kommt die ruhige Ballade Stirb nicht vor mir tatsächlich ohne rollendes „R“ aus. Dafür wird hier Texas-Frontfrau Sharleen Spiteri (ja, die mit I Don’t Want A Lover oder Summer Son) zu Lindemanns Duettpartnerin. Mit einer Wette darauf hätte man 2004 sicher eine Menge Geld verdienen können.

Vielleicht liegt es an dieser Experimentierfreude, dass die Songs von Rosenrot selten in den Setlisten der Liveshows landen. An der Qualität hängt das nicht, denn: Auch wenn manches mehr nach den Toten Hosen als nach Rammstein klingt (vielleicht schon damals eine Ahnung der späteren Freundschaft?), stehen die Lieder der Band und ihrem speziellen Stil allesamt gut zu Gesicht.

Method-Acting & ein kleiner Skandal

Drei Singles werden veröffentlicht: Benzin, Rosenrot sowie Mann Gegen Mann, jeweils begleitet mit martialischen und künstlerischen Videos, wie man sie von der Band kennt. Bei den Drehs schrecken die Musiker auch nicht vor Schmerzen zurück. So stecken hinter den Selbstgeißelungen im Clip zu Rosenrot, glaubt man der Dokumentation, keine Tricks, sondern wurden tatsächlich durchgezogen.

Aber zumindest ein kleiner Skandal darf auch zu dieser Platte nicht fehlen: Das Filmchen zu Mann Gegen Mann zeigt die Rammstein-Musiker nackt, die Geschlechtsteile von den Instrumenten verdeckt. Sänger Till Lindemann trägt Lack-Hotpants und kniehohe Stiefel, man sieht ölige, muskulöse Männerkörper, die sich aneinanderschmiegen. Einen Monat nach Veröffentlichungen stuft die FSK das Video deshalb mit einer Freigabe von 16 Jahren ein, was bedeutet, dass es nur noch von 22 bis 6 Uhr gezeigt werden darf. Allerdings erweist sich die Behörde als inkonsequent, denn bereits wenige Tage nach diesem Beschluss wird die Freigabe wieder auf 12 Jahre herabgestuft.

Auch als Duftnote

Der Erfolg von Rosenrot bleibt auf dem Niveau des Vorgängers und sichert der Band weiterhin ihren Erfolgsstatus: fünfmal Gold, sechsmal Platin, über eine Millionen verkaufte Exemplare. Nach der Veröffentlichung gönnen sich Rammstein jedoch tatsächlich eine Pause – erst vier Jahre später soll es Neues von Ihnen geben. 

Rosenrot erfährt aktuell sogar eine kleine Wiedergeburt: Das gleichnamige Parfüm von Rammstein erscheint rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft 2020. Laut Werbetext basiert es „auf dem Gedanken an eine junge, pinke Rose in einem sakral verrauchten Raum, den Stiel eingehüllt in ein metallisches Korsett; die spitzen Dornen liegen frei. Kraftvoll, wild und verführerisch feminin.“ Beim Verschenken also bitte ein kräftiges „Du riechst so gut“ grunzen!

Zeitsprung: Am 16.9.2009 veröffentlichen Rammstein das Video zu „Pussy“ – als Porno.

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