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Popkultur

Rick Rubin: Starproduzent und Musikguru

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Run DMC, Public Enemy, Beastie Boys, Slayer, AC/DC, Rage Against The Machine, Black Sabbath, Red Hot Chili Peppers, Johnny Cash, U2, System Of A Down, Eminem, Shakira, Kanye West, Lana del Rey, Ed Sheeran. Was hier wie ein Querschnitt durch die internationale Popmusikgeschichte der letzten 30 Jahre daherkommt, ist nichts anderes als eine kleine Auswahl aus dem Portfolio des wohl erfolgreichsten Musikproduzenten der Gegenwart: Rick Rubin, ein Name, der sicher vielen bekannt vorkommt, ist Gründer der legendären Def Jam Records und leidenschaftlicher Musikfan der ersten Stunde. Der bärtige New Yorker produzierte nicht nur einige der denkwürdigsten Alben aller Zeiten, sondern prägte mit seinem außergewöhnlichen Gespür für Neues den musikalischen Zeitgeist unserer Generation. Heute lebt und arbeitet Rubin, der sich herrlich ungekünstelt gibt und stets barfuß anzutreffen ist, in Los Angeles. Genauer gesagt in den Shangri La Studios, die durch Bob Dylan und The Band in den 70ern große Berühmtheit erlangten.

 

Def Jam und das Wohnheimzimmer
Frederick Jay Rubin wurde 1963 in New York als Sohn eines jüdischen Schuhhändlers geboren und entwickelte bereites als Kind eine große Leidenschaft für Musik. Alles begann mit den Beatles, die ihn als Fünfjährigen in den Bann des Pop zogen. Später waren es dann die Größen des Hardrock à la Aerosmith, AC/DC oder Ted Nugent und mit dem Arrival des Punk Rock in den USA dann The Clash, Sex Pistols (UK) sowie Minor Threat oder Black Flag (USA). Die eigene Bandgründung blieb trotz relativer Abwesenheit von Talent an der Gitarre natürlich nicht aus und so wurde die Musik immer mehr zum zentralsten Teil seines Lebens. Den Grundstein für seine Karriere als Produzent legte er schließlich, als er – trainiert am Mehrspurrekorder seiner Highschool – ein junger Student an der NYU war: Sein legendäres Label Def Jam Records gründete Rubin in den vier Wänden seines winzigen Wohnheimzimmers, die erste Veröffentlichung war eine Single seiner eigene Punkrock-Band Hose. Der unternehmerische Geist erhielt allerdings erst Einzug in seine Arbeit, als Rubin 1984 den Künstlermanager Russel Simmons kennenlernte. Zusammen sollten sie Def Jam Records in den nächsten fünf Jahren zu einem der einflussreichsten Plattenlabel überhaupt aufziehen.

 
Seltener Anblick: Rick Rubin spielt in Eminems Video von “Berzerk” mit:

 

Hip Hop ist tot, lang lebe der Hip Hop – oder: Die Geburt des Crossover
New York City, 1980er Jahre, was war da noch mal? Richtig, Hip Hop. Und die Musikin-dustrie wandte sich dem Rap zu. Auch Rubin sah in dem neuen Stil etwas Bahnbrechen-des und mischte sich mit Def Jam in die Szene. Sie arbeiteten mit dem damals erst 16-jährigen LL Cool J und erreichten 1985 den kommerziellen Durchbruch mit dem Release seines Debütalbums „Radio“, das sogar mit Platin ausgezeichnet wurde. Kurz darauf folgte das Signing der Hip Hop-Kombo Public Enemy und die Produktion ihres ersten Albums „Yo! Bum Rush the Show“, das wie von Zauberhand einen ebenso wahnwitzigen Erfolg nach sich zog und binnen eines Jahres eine Million mal verkauft wurde. Noch vor der Gründung des Labels hatte Rubin die Beastie Boys kennen gelernt, die zu Beginn noch einfachen Punkrock machten. Er brachte Michael Diamond & Co. den Hip Hop näher und machte aus ihnen kurzerhand ein Rap-Trio, das Elemente aus Heavy Rock mit rhythmischem Sprechgesang verband: der Crossover war geboren und erhielt Einzug in den Mainstream, denn erneut wurde das von Def Jam produzierte Album „Licensed To Ill“ zur Nummer eins der Billboard Album Charts und ging fünf Millionen mal über die Ladentheke.

 

 

Die Gründung von American Recordings
Bereits nach nur fünf Jahren der Zusammenarbeit entschieden Rubin und Simmons unterschiedliche Wege zu gehen. Simmons behielt Def Jam während Rubin in LA einen neuen Ort zum Leben und Arbeiten gefunden hatte und dort sein neues Label American Recordings gründete. Kalifornien wurde für Rubin zu einem Ort, der ihm einen neuen Kreativitätsschub brachte. Auch wenn sein Fokus weiterhin auf Rap lag, so traten nun vermehrt Hardrock und Metal-Acts wie Slayer oder AC/DC hinzu, die Rubin aufgrund ihrer musikalischen Virtuosität ungemein schätzte. Das erste wirkliche Großprojekt jedoch, das aber auch eine Wendung in Rubins Schaffen einläutete, war Johnny Cashs „The American Recordings“ in 1994. Cash hatte sein letztes Erfolgsalbum 25 Jahre zuvor veröffentlicht, zwei Plattendeals verloren, kurz: es war sehr still geworden um die einstige Country-Größe. Für Rubin stellte es eine neue Herausforderung dar, hatte er doch bisher vor allem junge und unbekannte Künstler produziert. Cash wollte er zu einem Comeback verhelfen, das an den einstigen Ruhm anknüpfen sollte. Sie begannen vorsichtig mit dem Covern von Songs, die eine besondere Rolle in Cashs Leben gespielt hatten und produzierten später auch neues eigenes Material. Und die Formel ging auf: bis zu Cashs Tod 2003 nahmen sie fünf weitere Alben auf, die allesamt mit einem neuen Cash-Sound überzeugten, der von Rubins minimalistischem Produktionsstil profitierte. Eine tiefe Freundschaft verband die beiden.

 

Rubins Produktionsstil: „Stripped Down“ und minimalistisch
Der typische Rick Rubin-Sound ist bekannt dafür, ohne aufwändige Soundelemente auszukommen – „stripped down“ sozusagen. Ganz im Gegenteil bringt er die Künstler und ihre Stimmen und Instrumente ganz in den Vordergrund seiner Aufnahmen und hat ein Händchen dafür, die besonderen Eigenheiten eines jeden Künstlers zu entdecken und herauszustellen. Dafür schafft er eine Umgebung, in der die Musiker vollkommen authentisch experimentieren können, oder wie Rubin sagt: „A safe place to be naked.“ Obwohl er von sich selbst sagt, er könne weder ein Mischpult bedienen, noch sonstige nennenswerten technischen Skills vorweisen, ist es sein unwahrscheinlich feines Gespür für die Bedürfnisse seiner Künstler, gepaart mit dem Ehrgeiz, jedes Mal auf’s Neue das beste Album überhaupt zu produzieren. Aber: Rubin arbeitet nie in erster Linie für den Mainstream, schuf wenn überhaupt neue Trends, die zu kommerziellen Erfolgen avancierten.
In seinen Shangri La Studios, die er vor einigen Jahren für 2 Millionen US-Dollar gekauft hat, steckt Rubin mit Kanye West derzeit mitten in der kreativen Arbeit am Nachfolger des 2013 erschienenen Yeezus. Für jenes wurde Rubin erst am Ende der Produktionsphase dazu geholt, um das unstrukturierte, über drei Stunden lange Material zu einem konsistenten Werk zu formen. Kanye war begeistert von Rubins inspirierender und professioneller Arbeitsweise und entschied sich für eine weitere Zusammenarbeit mit dem „Guru“, frei nach dessen Mantra: „The art has to come first.“ Wir sind gespannt!
 

Höre hier unsere Spotify Playlist Rick Rubin @ Work!

 


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Popkultur

30 Jahre Eurodance: Was haben wir uns dabei nur gedacht?

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DJ
Foto: Paula Bronstein/GettyImages

Aua, unsere Ohren: Vor 30 Jahren erobert mit Eurodance ein Genre die deutschen Charts, für das man sich schon 1992 hätte schämen müssen. Stattdessen werden jahrelang Hits am Fließband produziert und Millionen gescheffelt. Wie konnte das eigentlich passieren?

von Björn Springorum

Erklärungen, Leute, wir brauchen Erklärungen. Was da zwischen 1992 und 1996 die deutsche Popkultur und Chartlandschaft aufmischt, ist im Grunde nicht weniger als ein kollektives Trauma. Ein Unfall, bei dem man irgendwie doch nicht wegsehen kann. Eurodance kam, sah und siegte mit der ewig gleichen Formel aus billigsten Dance-Beats zwischen 120 und 140 BPM, weiblichen Soul-Vocals und unterirdischen Rap-Parts, natürlich rein männlicher Natur.

Die Erfinder des Eurodance sind Deutsche. Natürlich

Schuld ist, so muss man das in aller Härte formulieren, Rhythm Is A Dancer von Snap! Er steht im März 1992 am Anfang der Eurodance-Welle, er vereint erstmals all jene Insignien, die schon bald den Neunziger-Alltag bestimmen werden. Hinter Snap! verbergen sich die deutschen Produzenten  Michael Münzing und Luca Anzilotti. Die nennen sich aber lieber Benito Benites und John Virgo Garrett III (!) und begründen mit häufig wechselnden Sänger*innen den Eurodance-Trend, der uns so viel Fremdscham und Spott einbringen soll.

Den beiden bringt er aber natürlich vor allem eines ein: Kohle. Jede Menge Kohle. Allein Rhythm Is A Dancer geht in Deutschland, Großbritannien, Österreich und der Schweiz auf die Eins, selbst in den USA rückt der Song bis auf Rang fünf vor. Dafür gibt es reichlich Gold und Platin und bis heute eine dicke GEMA-Abrechnung. Gratis gibt es den zweifelhaften Ruf als Eurodance-Gründer. Aber bei einem dicken Bankkonto kann man damit sicherlich leben.

Weder Techno noch Rap

Der Weg ist danach zumindest frei für ein Heer an Epigonen, die alle in dieselbe Kerbe schlagen: It’s My Life von Dr. Alban, More And More vom Captain Hollywood Project oder Mr. Vain von Culture Beat folgen in rapider Sukzession und etablieren das Genre. Das nennt damals übrigens noch niemand Eurodance. Der Name rückt erst ins kollektive Bewusstsein, als der Schrecken schon vorbei ist.

Bis heute erschütternd ist der eklatante Sexismus im Eurodance: Die Rollenbilder stammen straight aus den Fünfzigern, die knapp bekleideten Damen säuseln im Refrain, während starke, muskelbepackte Testosteron-Hünen so tun, als hätten sie Sprachgefühl. Das hat bezeichnenderweise weder mit Techno noch mit Rap etwas zu tun – beides Subkulturphänomene der Achtziger. Aber vielleicht wird Eurodance ja deshalb zum Massenphänomen: Wo echter Techno, echter Rap für ein Mainstream-Publikum unerreichbar bleiben, gibt es die kommerzialisierte Billig-Fassung in jedem Werbespot und in jedem Fahrgeschäft auf dem Rummel. Musik wie diese musste einfach in Deutschland erfunden werden. Es dauert dann jedenfalls nicht mehr lang, bis man mit dem Begriff Kirmestechno im die Ecke kommt. Herrlich passend eigentlich.

Das Spiel ist aus

1996 ist der Spuk dann mehr oder weniger schlagartig wieder vorbei. Der Musiksender VIVA erkennt zunehmend spöttelnde Reaktionen auf neue Eurodance-Songs, die omnipräsente Verwendung auf Volksfesten erledigt den Rest: VIVA verzichtet weitgehend auf Eurodance im Programm, die Zahlen schießen ebenso schnell nach unten wie sie wenige Jahre zuvor nach oben gingen. Ruhe in 120 billigen BPM, Eurodance. Ausnahme ist natürlich DJ Bobo, der es mit Scharfsinn und Verstand geschafft hat, die kurze Welle zu überleben und immer noch erfolgreiche Tourneen spielt.

Das eigentlich Schlimme ist ja aber: Man kennt diese Songs alle noch. Fast 30 Jahre später haben sich die Melodien, Refrains und Claims dieser Retortenware immer noch erfolgreich in unsere Hirne eingebrannt, weigern sich hartnäckig, neue, gute Musik an ihre Synapsen zu lassen. Ob man es also will oder nicht: Eine Erfolgsgeschichte ist Eurodance schon. Nur eben eine mit besonders schlechtem Geschmack. Aber wahrscheinlich bekommt jede Generation die Musik, die sie verdient.

Während also in Seattle Musikgeschichte geschrieben wurde, tanzte das immer noch frisch wiedervereinte Deutschland trunken vor Ekstase mit Neon-Klamotten lieber zu „Eins zwei Polizei“ von Mo-Do (RIP). Man darf sich dann manchmal eben doch nicht über die Wahrnehmung unseres Landes im Ausland wundern…

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Popkultur

Halbzeitbilanz: Die acht besten Alben von Januar bis Juni 2022

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Harry Styles
Foto: Dia Dipasupil/Getty Images

Halbzeitpfiff, die ersten sechs Monate des Jahres 2022 sind rum! Lasst uns also schauen, welche großartigen Platten seit Silvester erschienen sind. Ob übliche Verdächtige wie die Scorpions und Rammstein, neue Stars wie Harry Styles und Rosalía oder Geheimtipps wie Sarah Shook & The Disarmers: Das sind unsere acht Favoriten von Januar bis Juni 2022.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch unsere Favoriten von Januar bis Juni 2022 anhören:

1. Harry Styles – Harry’s House

Ihren wilden Anfang nahm die Karriere von Harry Styles ab 2010 in der britischen Boyband One Direction. Seit 2016 erobert der junge Sänger auch als Solokünstler den Planeten und wir lehnen uns nicht zu weit aus dem Fenster, wenn wir behaupten: Er ist einer der größten Popstars unserer Zeit. Schon mit seinen ersten beiden Alben Harry Styles (2017) und Fine Line (2019) landete er weltweit auf den Champions-League-Plätzen der Hitparaden. Mit seiner neuen Veröffentlichung Harry’s House untermauerte Styles endgültig seinen Status als lebende Legende und stürmte in mehr als 25 Ländern auf Platz eins der Albumcharts. Kein Wunder: Seine kreative Mischung aus Pop und Rock verbindet die Musikgeschichte mühelos mit der Moderne und bietet Anknüpfungspunkte für so ziemlich jede Generation.

2. Rosalía – Motomami

Den Flamenco auf unkitschige Art und Weise in die Popmusik des 21. Jahrhunderts zu retten, ist keine einfache Aufgabe. Dennoch meistert Rosalía aus Spanien genau diesen Spagat, staubt die Tradition ihres Landes kräftig ab und landet damit seit 2017 einen Hit nach dem anderen. Die Grundlage dafür ist zum einen ihre Ausbildung als professionelle Flamenco-Sängerin, zum anderen ihr Verständnis für modernere Einflüsse aus Pop und Rock. Zusätzlich bringt Rosalía mit ihrem großen Erfolg mächtig Schwung in die spanische Musikindustrie, setzt sich für Frauenrechte ein und verschafft der Kultur ihres Landes eine internationale Bühne. Mit Motomami gelang ihr nämlich zum ersten Mal auch in den USA der Sprung in die Charts, wo ihr drittes Album gleich auf Platz 33 kletterte. Kurz danach trat sie als erste spanische Solokünstlerin in der US-Sendung Saturday Night Live auf.

3. Eddie Vedder – Earthling

Dass Eddie Vedder auch solo zu überzeugen weiß, hat der Pearl-Jam-Frontmann bereits mit seinem Debüt Into The Wild bewiesen, dem Soundtrack für den gleichnamigen Film. Mit Earthling legte der Sänger im Februar 2022 seinen dritten Alleingang vor und zeigt sich darauf noch einmal von einer ganz anderen Seite. So lässt Vedder die Ukulele für Earthling mal im Schrank, probiert ansonsten aber so ziemlich alles aus, was die Rockmusik so hergibt. Ob Mundharmonika-Punk (Try), eine Kollaboration mit Elton John (Picture), straighte Rocker (Power Of Right) oder Heartland Rock, der auch Bruce Springsteen und Tom Petty gut zu Gesicht gestanden hätte (The Dark; Long Way): Vedder zeigt auf seinem dritten Solowerk zum ersten Mal, dass er die gesamte Palette des Rock und Pop beherrscht. Ein starkes Album!

4. Ghost – Impera

Wenn auf großen Metal-Festivals vom sogenannten „Headliner-Sterben“ die Rede ist, drängt sich automatisch die Frage nach den großen Rock- und Metal-Bands der Zukunft auf. Eine der Antworten: Ghost. Seit mehr als 15 Jahren wächst der Hype um die Schweden immer weiter und dafür gibt es reichlich gute Gründe. Da wäre zum Beispiel die faszinierende Bühnenshow der Gruppe um Mastermind Tobias Forge. Oder die fantasievollen, abwechslungsreichen und stets kreativen Alben der Band. „Mir ging es sehr gut, der Welt aber nicht“, beschreibt Forge die Impera-Schaffensphase im Interview mit uDiscover Music. „Und in meinem Augen spiegelt sich das auf der Platte wieder. Das Resultat sind 40 Minuten voll düsterem Rock, der sich um den Aufstieg und dem Fall von Imperien dreht.“

5. Rammstein – Zeit

In musikalischer Hinsicht schalten Rammstein auf ihrem achten Album zwar einen Gang zurück, doch inhaltlich geht es auf Zeit durchaus ans Eingemachte. So beschäftigt sich Frontmann Till Lindemann in seinen Texten nicht nur mit dem allgegenwärtigen Schönheitswahn und „dicken Titten“, sondern auch mit der eigenen Vergänglichkeit, unterschiedlichen Ängsten und mit anderen schweren Themen wie häuslicher Gewalt. Die besonders melancholischen Momente sind die, die am besten funktionieren. Dann, wenn sich Rammstein geradezu in Trance spielen und singen, und von den Uffta-Pflichtübungen absehen. Dass die Band auf Zeit ihr eigenes Ende besingt, glauben und hoffen wir nicht. Sollte dem aber aus irgendeinem Grund doch so sein, handelt es sich bei Rammsteins Achter um eine Platte, mit der man ruhigen Gewissens den Ruhestand einläuten kann.

6.Scorpions – Rock Believer

Wenn Deutschlands größte Rockband nach sieben Jahren ohne Studioveröffentlichung ein neues Album rausbringt, horchen die hiesigen Krachmusik-Jünger natürlich auf. Und die Wartezeit hat sich gelohnt: Auf ihrer 19. Platte feiern die Scorpions ihren Achtziger-Sound, packen das Ganze in ein modernes Gewand und liefern stolze 15 Songs für eure nächste Rock-Gartenparty ab. Eine richtige Zehn von Zehn verbirgt sich auf Rock Believer zwar nicht, doch der Titeltrack kommt der vollen Punktzahl schon verdächtig nahe. So oder so: Es besteht kein Zweifel daran, dass die Scorpions im Studio nichts von ihrer Qualität eingebüßt haben. Dass dabei nicht mehr das ganz große Feuerwerk abgefackelt wird, wie es in den Achtzigern der Fall war, ist nur logisch. Dafür sind die Scorpions heute so etwas wie der wohlig wärmende Kamin, um den sich Rockfans weltweit versammeln können.

7. Sarah Shook & The Disarmers – Nightroamer

In den Staaten erspielt sich Sarah Shook bereits seit einigen Jahren einen Namen in der Country-Szene; hierzulande dringt die junge Sängerin bisher etwas langsamer in die Musikwelt vor. Das könnte sich mit ihrem dritten Album ändern, denn auf Nightroamer lässt Shook mehr poppige Elemente in ihren Cowpunk einfließen, der mal energiegeladen und mal balladesk daherkommt. So schreckt sie weder davor zurück, mit der Ehrlichkeit des Outlaw Country aus ihrem nicht immer einfachen Leben zu erzählen, noch weigert sie sich, den Stallgeruch das traditionellen Country bisweilen auch mal abzuwaschen. Das äußert sich auch auf politischer Ebene, denn Shook macht keinen Hehl daraus, dass sie genderqueer und bisexuell ist und sich mit großem Engagement für die Belange der LGBTQIA+-Welt einsetzt.

8. Red Hot Chili Peppers – Unlimited Love

Nach fast 40 Jahren Bandgeschichte haben die Red Hot Chili Peppers ihren Sound längst gefunden. Das stellen die Kalifornier auch auf ihrem zwölften Album Unlimited Love unter Beweis, das zwar keine bahnbrechenden Neuigkeiten enthält und der Rockgeschichte sicher kein neues Kapitel hinzufügen wird, dafür aber den guten alten RHCP-Vibe zelebriert. Die Band klingt auf der Platte, wie zu ihren erfolgreichsten Zeiten, was unter anderem daran liegt, dass Gitarrengott John Frusciante wieder nach Hause gefunden hat. Selten war so deutlich, wie anders die Chili Peppers klingen, wenn er die Musik der Gruppe um seine Virtuosität an der Gitarre und sein einzigartiges Songwriting bereichert.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 7.7.2000 spielen Metallica ohne James Hetfield. Also müssen andere singen.

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John Shearer/WireImage

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 7.7.2000.

von Christof Leim

Selbst den mächtigen „Papa Het“ erwischt es mal: Im Sommer 2000 muss Metallica-Frontmann James Hetfield verletzungsbedingt bei drei Shows aussetzen. Doch die Konzerte finden trotzdem statt: Jason Newsted, Korn, Kid Rock und System Of A Down helfen mit Brüllerei und Rhythmusgitarre.

Hört euch hier das damals aktuelle Reload an:

Ein neues Album gibt es Mitte 2000 nicht, als Metallica sich auf Summer Sanitarium-Tour begeben. Im Vorjahr erschien die Orchesterkollaboration S&M (1999), die letzte „richtige“ Studioplatte heißt Reload (1997). Wenige Monate vorher hatte es den Streit um Napster gegeben (heute wissen wir: Lars hatte völlig Recht), der große interne Knall – Stichworte: Jason raus , Streit, Entzug, St. Anger und Some Kind Of Monster – steht noch bevor. Also rollt die Metal-Maschine fröhlich durch die Welt, denn live sind Metallica immer eine Macht und vor allem ein Zuschauermagnet. Die auf 20 Shows angelegte Konzertreise führt durch riesige Stadien in den USA, als Begleitung sind angesagte Künstler der Jahrtausendwende dabei: System Of A Down, Korn, Powerman 5000 und Lars Ulrichs Kumpel Kid Rock.

Los geht es am 23. Juni 2000 in Seattle, doch während der kurzen Pause nach der fünften Show in Baltimore am 4. Juli verletzt sich Hetfield bei einem Unfall mit einem Jetski. Das Ergebnis: Bandscheibenvorfall. Damit ist der 36-Jährige für ein paar Tage raus. Nur: Die Show muss weitergehen. Sommer, Sonne, Thrash Metal, das war der Plan! Deshalb laden Lars Ulrich, Kirk Hammett und Jason Newsted die anderen Musiker der Tour auf die Bühne ein und erlauben sich großzügig ein paar Freiheiten mit der Setlist. Dafür halten die drei erstmal eine kleine Ansprache, bei der Newsted erklärt: “Hetfield ist der härteste Motherfucker, den ich kenne. Er sagt eine Show nur ab, wenn es wirklich nicht anders geht.”

Vor allem Jason zeigt, dass seine Brüllmonster-Backingvocals in der Not auch für die erste Stimme taugen, und singt gleich zu Anfang Creeping Death, For Whom The Bell Tolls und Seek And Destroy. Dabei helfen ihm Gitarrist Kenny Olson und Rapper Joe C. aus der Truppe von Kid Rock. Die Instrumente gehen dann an Korn, die das Cheech & Chong-Cover Earache My Eyes sowie ihr eigenes Counting zum Besten geben.

Mit Herrn Rock spielen Metallica dann Sad But True, das in sein American Bad Ass übergeht – ist ja der gleiche Song. Der Mann singt gleich noch Nothing Else Matters, das Creedence-Clearwater-Revial-Cover Fortunate Son und eine Nummer aus dem eigenen Katalog (Somebody‘s Gotta Feel This/Fist Of Rage). Damit sind schon mal zehn Songs durch. 

Jason übernimmt für Fuel, bei Turn The Page hilft ihm schon wieder Kid Rock. Bei Mastertarium (yep, ein Medley aus den beiden Hits von Master Of Puppets) mischen Gitarrist Daron Malakian und Sänger Serj Tankian von System Of A Down mit, für den Abschluss mit – natürlich – Enter Sandmanstehen dann mehr oder minder alle auf der Bühne. Fotos von der Sause gibt es hier, natürlich geistern jede Menge Bootlegs durch die Welt.

Damit haben die 44.000 Fans (95% ausverkauft) in Atlanta, Georgia eine ziemlich einmalige Show gesehen, Metallica konnten den Termin retten – und spielen am 5. und 6. August sogar noch zwei Wiedergutmachungskonzerte in der Stadt für alle, die ihr Ticket behalten haben. Auf ihrer Website schreibt die Band: „Make-up show featuring Special Guest James Hetfield“. Die nächsten beiden Juli-Termine in Sparta, Kentucky (8.7.) und Dallas, Texas (9.7.) muss der Frontmann übrigens ebenfalls aussetzen. Aber so langsam gewöhnen sich die Ersatzleute an den Job, die Setlist wird länger: Jonathan Davis singt noch bei One, Jason brüllt sich durch Whiplash. Auch in Texas und Kentucky gibt es später je zwei Nachholgigs.

Damit hat Lars die besten Fehlquote bei Metallica, denn er muss (Stand Juli 2022) nur ein einziges Mal aussetzen, nämlich am 6. Juni 2004. Die Geschichte dazu findet ihr hier.

Zeitsprung: Am 6.6.2004 spielen Metallica das einzige Mal ohne Lars.

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