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Popkultur

Zeitsprung: Am 17.2.1975 gibt’s „Rock’n’Roll“ von und mit John Lennon.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 17.2.1975.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Platten von John Lennon, die nach der Beatles-Zeit entstehen, bringen zumeist eine turbulente Entstehungsgeschichte mit sich. Das Paradebeispiel: Das Album Rock’n’Roll, das am 17. Februar 1975 nach Alkohol-Eskapaden und allerlei Ablenkung erscheint. Schauen wir uns die Ereignisse an, die dazu führten, dass Lennon nach der Scheibe eine fünfjährige Pause einlegt.

Hört hier in Rock’n’Roll rein: 

Oh, Johnny: Der Ex-Beatle John Lennon hinterlässt ab 1973 für anderthalb Jahre eine Schneise des Chaos. Da gibt es den Vorfall, als er sich in einer Bar eine unbenutzte Binde an die Stirn pappt und einer Kellnerin auf die Pelle rückt, oder die Aufnahmesession, in der Phil Spector um sich schießt. Getrennt von Yoko Ono und mit der durch selbige sanktionierten Mätresse May Pang lebend, gibt sich der Liverpooler dem Alkohol und gewissen Spaßpulvern hin. Herrlich selbstironisch tauft er diese 18 Monate später „Lost Weekend“.

Das „Lost Weekend“ inklusive Revolver

In dieser Phase entstehen relativ ungeordnete, aber vielversprechende Aufnahmen, darunter zahlreiche Coverversionen legendärer Rock’n’Roll-Klassiker. Bei vielen hat der Arztkittel-tragende und Revolver-wedelnde Spector seine Finger im Spiel. Als dieser nach einem Unfall ins Koma fällt, wird klar, dass er die Aufnahmen ohne Rücksprache mit Lennon aus dem Studio geschafft hatte, also landet das geplante Coveralbum erstmal auf der Ersatzbank. Stattdessen kehrt der Brite mit Pang zurück nach New York und beginnt die Sessions zu Walls And Bridges.

Dieses erscheint im Herbst 1974 und enthält mit Whatever Gets You Through The Night einen Gastauftritt von Elton John. Nachdem die Single als erster und einziger seiner Solosongs auf Platz eins der amerikanischen Charts landet, revanchiert sich Lennon beim Kollegen und unterstützt diesen bei seinem Thanksgiving-Konzert. Nebenher schreibt er noch an David Bowies Fame mit. Das Coveralbum rückt scheinbar in weite Ferne. 

Rückkehr zur Ordnung

Ein bisschen Normalität kehrt ein, als im Januar 1975 Yoko Ono zurück an seine Seite tritt. Prompt gehen die Dinge vorwärts, und am 17. Februar erscheint endlich das lang geplante Rock’n’Roll. Wird auch Zeit: Lennon hatte sich schließlich bei der Beatles-Nummer Come Together ein bisschen zu offensichtlich bei Chuck Berry bedient, dessen Musikverlag nun auf Wiedergutmachung in Form von Tantiemen pocht. Die gibt es in Form der Versionen von You Can’t Catch Me und Ya Ya. Auch Stand By Me darf mitmischen.

Was aufgrund des Konsumverhaltens der Anwesenden und dem generellen Chaos während der Aufnahmen eigentlich zur Farce hätte verkommen sollen, entpuppt sich als Liebeserklärung an die musikalischen Ursprünge des Über-Musikers, also an Rock’n’Roll-Songs aus den späten Fünfzigern und frühen Sechzigern. Dazu gehören Be-Bop-A-Lula von Gene Vincent, You Can’t Catch Me von Chuck Berry und  Aint’ That A Shame von Fats Domino. Nach typischer Lennon-Art soll die Scheibe zunächst Oldies But Mouldies heißen (zu deutsch: alt, aber schimmlig). 

Auszeit

Als jedoch ein Foto aus den Hamburger Tagen der Beatles auftaucht, ändert man den Namen. Das Bild zeigt Lennon in Lederjacke, wie er lässig in einem Hauseingang lehnt und die frühe rebellische Leidenschaft der Gruppe einfängt. Auf dem späteren Cover prangt über ihm ein Neonschild: Rock’n’Roll. Die Platte erreicht Platz sechs in den USA und Großbritannien sowie Rang 37 in Deutschland.

Das Cover

Neun Monate später kommt Lennons Sohn Sean zur Welt. Weil der Musiker keinen vertraglichen Verpflichtungen mehr unterliegt, nimmt er sich eine Auszeit, um den Jungen großzuziehen. Das nächste Lennon-Album Double Fantasy (mit Yoko Ono) erscheint erst im November 1980. 

Alkohol, Drogen, Hollywood – und jede Menge Musik: John Lennons „Lost Weekend“

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