------------

Popkultur

Zeitsprung: Am 14.6.1995 verstirbt der irische Gitarrenheld Rory Gallagher.

Published on

Foto: Andrew Putler/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 14.6.1995.

von Tom Küppers und Christof Leim

Er war vielleicht der erste irische Rockstar, er hat mitgeholfen den Blues in Europa populär zu machen und zudem der modernen E-Gitarre seinen Stempel aufgedrückt. Doch am 14. Juni 1995 verstirbt Rory Gallagher viel zu früh im Alter von 47 Jahren. Wir gedenken einem oft übersehenen Genie des Blues Rock.

Die größten Hits vom Rory Gallagher gibt es genau hier:

Irland in den Nachwehen des zweiten Weltkriegs: Hier erblickt William Rory Gallagher am 2. März 1948 in Ballyshannon das Lichte der Welt. Aufwachsen werden Rory und sein jüngerer Bruder Dónal dann in Cork, der nach Dublin zweitgrößten Stadt des Landes. Beiden Eltern ist die Musik nicht fremd, Vater Daniel spielt Akkordeon und singt in einer Band, Mutter Monica singt ebenfalls und schauspielert dazu noch ein wenig. 

Der Teufel hat den Rock’n’Roll gemacht

Die musikalische Förderung ihrer Söhne liegt den Eltern entsprechend am Herzen, weswegen Rory schon im Alter von neun Jahren seine erste Gitarre bekommt. Doch wie sich sein Bruder im Irish Examiner erinnert, ging alles mit der Ukulele los. Anfangs war Rory sogar – ähnlich wie Keith Richards – bekennender Fan des singenden Cowboys Roy Rogers. „Doch dann hat Rory angefangen, sich für Rock’n’Roll zu interessieren“, erinnert sich Dónal. 

Was zur damaligen Zeit noch ein echtes Problem darstellte: Im religiös geprägten Irland waren Kirche und Schulen eng verbunden, was eher an weltlichen Dingen interessierte Schüler wie die Gallagher-Brüder vor einige Probleme stellte. In ihrer Schule war der Besitz einer Gitarre sogar verboten, erinnert sich der jüngere Bruder. „Sie galt als phallisches Symbol des Teufels. Mir wurde davon abgeraten dort irgendjemandem, zu erzählen, dass Rory eine besaß“. 

Die frühen Jahre 

Durch Radio und Fernsehen kommt Rory zunächst mit dem Skiffle sowie Folk und danach mit dem Blues in Kontakt. Besonders Muddy Waters begeistert ihn. In mühsamer Recherchearbeit lent er mehr über Musiker und Komponisten wie Woody Guthrie. Neben der für den Blues typischen Slide-Gitarre schafft er sich verschiedene Instrumente wie das Altsaxofon, Mandoline sowie Banjo drauf und beginnt, mit verschiedenen Arten des Blues zu experimentieren. 

Mit gerade mal 15 Jahre startet Gallagher dann 1963 als Bandmitglied durch und spielt sich nach der Schule in verschiedenen Showbands durch die damals aktuellen Hits. Mit einer Truppe namens Fontana zieht er dann relativ erfolgreich durch das Vereinte Königreich. Diese Band formt Rory im Laufe der Zeit immer stärker nach seinen Vorlieben um in eine Rhythm & Blues-Kapelle. Irgendwann landet er dann sogar in Hamburg, wo er mit einem Trio Auftritte absolviert. Nach seiner Rückkehr ins heimische Cork beschließt er, eine eigene Band zu gründen. 

Come Taste The Band

Mit Taste hebt er dann 1966 ein Power Trio aus der Taufe, das sich mit zwei Studioalben eine treue Gefolgschaft erspielt und beispielsweise beim Abschiedskonzert der legendären Cream den Einheizer geben darf. Doch nach ihrem Auftritt beim legendären Isle Of Wight Festival 1970 löst sich die Band wieder auf, woraufhin Rory seine Solokarriere startet.

Natürlich braucht er eine Begleitband und probiert es sogar mit Mitch Mitchell und Noel Redding, der Rhythmussektion der Jimi Hendrix Experience. Doch am Ende entscheidet er sich für lokale Musiker, von denen insbesondere der Bassist Gerry McAvoy Gallagher in den kommenden Jahrzehnten zur Seite stehen wird. Speziell in Großbritannien feiert unser Mann beachtliche Erfolge und hat einen ähnlichen Status wie Eric Clapton

Der Durchbruch

Besonders Gallaghers Liveauftritte gelten schnell als legendär, bei denen sich die Band gerne mal in einen Rausch improvisiert und regelrechte Marathonshows absolviert. Der Livemitschnitt Irish Tour ’74 (auch als Film absolut sehenswert) gilt vielen als Höhepunkt in Gallaghers Schaffen. Hinzukommt, dass es für Rory eine Herzensangelegenheit ist, mindestens einmal im Jahr durch Irland zu touren, und zwar auch durch das sich seinerzeit von Unruhen geplagte Nordirland, was ihm seine Fans hoch anrechnen und andere  motiviert, ebenfalls dort zu spielen. 

Der Liveklassiker und Höhepunkt in Rory Gallaghers Diskografie

Im Januar 1975 bietet sich Rory eine absolut einmalige Chance, als die Rolling Stones einen Nachfolger für den von Bord gegangenen Mick Taylor suchen. In Rotterdam kommt es während der Aufnahmen zum Stones-Klassiker Black And Blue zu einer kleinen Jam-Session, doch Gallagher entscheidet sich für seine eigene Karriere. 

Trotz Erfolges unzufrieden

Im Sommer 1977 dürfen er und seine Band ihre einzigartigen Livequalitäten dann bei der allerersten Rockpalast-Nacht nicht nur vor einer proppenvollen Grugahalle in Essen, sondern auch vor einem europäischen TV-Millionenpublikum beweisen und spielen ein begeisterndes Set. Doch leider ist nicht immer alles Sonnenschein: Dem Image des trinkfesten Iren wird der Gitarrist absolut gerecht, doch wie viele im Rock’n’Roll vor und nach ihm greift er nicht nur oft, sondern viel zu oft zum Glas. 

Nichtsdestotrotz veröffentlicht Gallagher in den Achtzigern und Neunzigern reihenweise hochwertige Werke; insgesamt verkauft er in seiner Karriere satte 30 Millionen Alben. Doch Selbstzweifel und eine nahezu obsessive Detailversessenheit machen ihm das Leben schwer. Zusätzlich entwickelt er noch eine Flugangst, die er mit Medikamenten zu bekämpfen versucht. Denn um zu den Konzerten zu kommen, muss er nun mal reisen. 

Das traurige Ende

Am 10. Januar 1995 steht er in Holland auf der Bühne, sichtlich gezeichnet und unter massiven Schmerzen. Der Rest der Tournee wird abgesagt, gegen die Schmerzen nimmt er Medikamente. Doch erst als er im März 1995 in das Londoner Kings College Hospital eingeliefert wird, kommt das ganze Ausmaß des Problems zum Vorschein. Die jüngst eingenommenen Tabletten gegen die Schmerzen haben die ohnehin durch Alkohol und Pillen angeschlagene Leber weiter geschädigt. Die medizinischen Fachleute sehen nur einen Ausweg: Organtransplantation. Nach erfolgreicher Operation verbringt Rory mehrere Monaten auf der Intensivstation, doch plötzlich erkrankt er an einer bakteriellen Infektion. Er verstirbt am 14. Juni 1995 mit 47 Jahren. 

Eine von vielen posthumen Ehrungen für einen tollen Gitarristen: die Statue in Ballyshannon, County Donegal, Irland – Foto: Amandasbutterflies/Wiki Commons

In Irland gilt Gallagher heutzutage als Nationalheld, der auf einer Briefmarke verewigt wird, zu dessen Ehren Statuen errichtet und nach dem Gebäude benannt werden. Doch die schönste Lobpreisung kommt der Legende nach von Jimi Hendrix, der auf die Frage, wie es sich anfühlt, der beste Gitarrist der Welt zu sein, geantwortet haben soll: „Ich weiß nicht, aber frag mal Rory Gallagher.“

Zeitsprung: Am 20.8.1949 erblickt Phil Lynott von Thin Lizzy das Licht der Welt.

Popkultur

Wednesday und The Cramps: Wie das Addams-Family-Spin-off den Psychobillys zu neuer Berühmtheit verhilft

Published on

The Cramps
Foto: Peter Noble/Getty Images

Erst kürzlich verschaffte die Netflix-Serie Stranger Things dem Kate-Bush-Hit Running Up That Hill einen dicken Popularitätsschub. Nun rückt das Addams-Family-Spin-off Wednesday einen weiteren großen Song der Achtziger in den Fokus: Goo Goo Muck von The Cramps. Auslöser ist ein wunderlicher Tanz — der nun auf TikTok viral geht.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Psychedelic Jungle von The Cramps anhören:

Mit dem Addams-Family-Spin-off Wednesday hat Netflix zum Jahresende nochmal einen echten Hit gelandet. Mehr als 50 Millionen Haushalte streamten die Serie, was etwa 341 Millionen geguckten Stunden entspricht. Kein Wunder: Die Story ist unterhaltsam, der Cast weiß zu überzeugen und die verlässliche Handschrift von Regie-Legende Tim Burton ist unverkennbar. Doch auch in musikalischer Hinsicht hat Wednesday einiges zu bieten. Ob der Score von Danny Elfman oder Nothing Else Matters und Paint It Black auf dem Cello: Ohne ihre großartige Musik wäre die Serie nur halb so toll. Ganz besonders gilt das für eine Szene, die das Internet inzwischen im Sturm erobert hat und die auf TikTok von Millionen von Menschen nachgeahmt wird: Wednesdays skuriller Tanz zu Goo Goo Muck von The Cramps.

Wednesday und The Cramps: ein Tanz mit Folgen

Die Choreografie stammt von Wednesday-Schauspielerin Jenna Ortega höchstpersönlich, wie sie im Interview mit TV Guide verrät: „Das war interessant, vor allem, weil ich keine Tänzerin bin. Tim [Burton] hat mir komplett vertraut und mir freie Hand gelassen. Es war toll, aber auch beängstigend.“ Inspirieren lässt sich Ortega zum einen von Goth-Ikone Siouxsie Sioux von Siouxsie Sioux And The Banshees. Doch auch bei anderen Gehilfen bedankt sie sich via Twitter:

Lene Lovich prägte als Solokünstlerin die New-Wave-Szene; Denis Lavant ist der Name eines französischen Schauspielers, der für seinen Slapstick-haften, akrobatischen Stil bekannt ist und auch gerne mal skurille Tanzeinlagen in seine Performances einbaut. Doch wer war noch gleich Lisa Loring?

Der Geist der Addams Family tanzt mit

Bei Loring handelt es sich um keine geringere als die Originaldarstellerin von Wednesday aus der Sechziger-Sitcom The Addams Family. Auch sie wird in Ortegas Tanz gewürdigt, wie hier zu sehen ist:

Es handelt sich dabei allerdings nicht um den einzigen Bezug zur Original-Sitcom von früher. Auch Addams-Familienvater Gomez (John Astin) tanzt quasi mit:

Die letzte Referenz („Bob Fosse’s Rich Man’s Frug“) ist eine Szene aus dem Film Sweet Charity (1969) von Regisseur und Choreograph Bob Fosse:

Auf TikTok ist Wednesdays Tanzeinlage längst zu einem viralen Hit mutiert. Millionen von Menschen ahmen die schräge Choreographie in dem sozialen Netzwerk nach, darunter Berühmtheiten wie Kim Kardashian. Bleibt noch eins: der Song im Hintergrund.

The Cramps in Wednesday: ein später Hit

Von 1976 bis 2009 und darüber hinaus standen und stehen The Cramps für eine eigenwillige Mischung aus New Wave, Goth, Psychobilly, Surf Rock und Punk. Ihre größten Erfolge feierte die US-amerikanische Gruppe in den Achtzigern, als Frontmann Lux Interior, Gitarristin Poison Ivy und Schlagzeuger Nick Knox fantastische Alben wie Psychedelic Jungle (1981) und A Date With Elvis (1986) veröffentlichten.

Von ersterem stammt auch der Song Goo Goo Muck, zu dem Wednesday ihren eigenartigen Tanz performt. (Es handelt sich dabei um ein Cover von Ronnie Cook & The Gaylads.) Inhaltlich ist die Nummer mindestens zweideutig: So könnte man den Song als Metapher für Teenager-Liebe verstehen; es könnte allerdings auch um einen Vampir auf nächtlichem Beutezug gehen. Zwischen diesen beiden Stühlen fühlt sich Wednesday offenbar wohl.

Wie so oft zieht der Internet-Hit einen ganzen Rattenschwanz an Reaktionen nach sich. Auf Spotify ist Goo Goo Muck schon seit vielen Tagen der meistgestreamte Song der Cramps. Um mehr als das 50-fache sollen sich die Zugriffszahlen in den USA erhöht haben, wie NME berichtet. Man kann also durchaus sagen, dass ausgerechnet die scheintote Addams Family der Nummer nach über 40 Jahren neues Leben eingehaucht hat. „Wir haben den Song eine Woche vor dem Drehtermin ausgesucht“, erzählt Jenna Ortega im Interview. „Zwei Nächte vor dem Termin habe ich gemerkt, dass ich mir noch gar keinen Tanz dazu überlegt habe.“ Dass es sich bei der Choreographie um einen Schnellschuss handelt, merkt man nicht im Geringsten. Andernfalls würden ihn keine Millionen von Menschen auf TikTok zelebrieren.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Kate Bush: 10 der wichtigsten Stücke der großartigen Sängerin und Songschreiberin

Continue Reading

Popkultur

Zeitsprung: Am 8.12.1984 verschuldet Vince Neil den Tod des Hanoi-Rocks-Schlagzeugers.

Published on

Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 8.12.1984.

von Timon Menge und Christof Leim

Weil die Alkoholvorräte bei einer Privatparty nicht ausreichen, möchten Mötley-Crüe-Frontmann Vince Neil und Hanoi-Rocks-Schlagzeuger Nicholas „Razzle“ Dingley für Nachschub sorgen. Neil setzt sich trunken ans Steuer seines italienischen Sportwagens. Dann kommt es zur Katastrophe.

Hier könnt ihr die größten Hits von Hanoi Rocks anhören: 

1984 tourt die finnische Band Hanoi Rocks zum ersten Mal durch die USA, gemeinsam mit den damals übergroßen Mötley Crüe. Um diesen Umstand zu feiern, lassen es sich die Musiker bei einer Party im Haus von Mötley-Frontmann Vince Neil mächtig gut gehen. Sprich: Der Alkohol fließt in Strömen. Als die Vorräte aufgebraucht sind, beschließen Neil und Hanoi-Rocks-Schlagzeuger Nicholas „Razzle“ Dingley, für Nachschub zu sorgen. Neil setzt sich ans Steuer, obwohl er bereits gut geladen hat.

Auf einer der kurvenreichen Straßen Hollywoods verliert der Sänger die Kontrolle über seinen Sportwagen und rammt zwei andere Autos. Der Fahrer des ersten bleibt glücklicherweise unverletzt, doch im zweiten Wagen sitzen Lisa Hogan und Daniel Smithers, die sich mehrere Knochen brechen und Hirnschäden davontragen. Lisa Hogan liegt bis zum Ende des Monats im Koma. Neil selbst kommt mit ein paar gebrochenen Rippen und einigen Kratzern davon, doch Dingley hat Pech. Er wird nach dem Unfall ins South Bay Hospital eingeliefert, wo er um 7:12 Uhr Ortszeit für tot erklärt wird. Er wurde gerade einmal 24 Jahre alt. 

„Ich hätte ins Gefängnis gehen müssen.“

In Neils Blut wird anschließend ein Blutalkoholspiegel von 1,7 Promille festgestellt. Das Urteil: „vehicular manslaughter“, also Totschlag. Die Strafe hält sich in Grenzen: Zu gerade einmal 30 Tagen Gefängnis wird er verurteilt — und sitzt nur die Hälfte davon tatsächlich ab. Zwei Jahrzehnte später gibt er in einem Interview mit der US-Zeitschrift Blender Folgendes zu Protokoll: „Nach Razzles Tod stellte ich einen Scheck über 2,5 Millionen US-Dollar wegen fahrlässiger Tötung aus. Ich hätte ins Gefängnis gehen müssen. Das wäre definitiv verdient gewesen, aber ich habe nur 30 Tage im Knast verbracht, wurde dort flachgelegt und habe Bier getrunken — wegen der Macht des Geldes. Das ist beschissen.“ Zusätzlich zur Gefängnisstrafe muss Neil 200 Sozialstunden ableisten.

Hanoi-Rocks-Gitarrist Andy McCoy erinnert sich 2006 in einem Interview mit dem Metal Express folgendermaßen an den Abend: „Ich war da. Razzle und Vince verschwanden einfach, also suchten ich und Tommy Lee nach den beiden. Dann sind wir an der Unfallstelle vorbeigefahren und ich fragte Tommy, welche Farbe das Auto hatte, mit dem die zwei losgefahren sind. Wir fuhren nämlich gerade an einem verdammten Unfall mit einem roten Sportwagen vorbei. Dann sah ich Razzles Hut auf der Straße.“

„Jeder hat unter der ganzen Sache gelitten.“

Im Jahr 2011 äußert sich Hanoi-Rocks-Frontmann Michael Monroe auf sleazeroxx.com zu dem Vorfall: „Es gab diesen Unfall, und leider hat er unseren Schlagzeuger das Leben gekostet. Zu Vince Neil habe ich nichts zu sagen. Es war ein Unfall. Was passiert ist, ist passiert, und das lässt sich nicht mehr ändern. Jeder hat unter der ganzen Sache gelitten.“

Vince Neil widmet seinem verstorbenen Kollegen das nächste Mötley-Crüe-Album Theatre Of Pain (1985), beigesetzt wird Razzle auf der Isle Of Wight. Nach seinem Tod lassen sich die Hanoi Rocks zunächst nicht unterkriegen und engagieren Trommler Terry Chimes von The Clash, um eine bereits geplante Tour in Europa über die Bühne zu bringen. Kurz danach löst sich die Gruppe allerdings auf und findet erst 2001 wieder zusammen.

Die Hanoi Rocks 1984 in ganzer Pracht. Ganz rechts: Razzle. R.I.P. – Pic: Mike Prior/Redferns

Zeitsprung: Am 23.12.1987 stirbt Nikki Sixx von Mötley Crüe – für zwei Minuten.

 

Continue Reading

Popkultur

Apple Boutique: Vor 55 Jahren versuchen sich die Beatles erfolglos als Einzelhändler

Published on

Apple Boutique
Foto: Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Selbst in Sachen Einzelhandel waren die Beatles ihrer Zeit voraus: Ihre Apple Boutique in London kann als Vorläufer des modernen Concept Stores gelten. 1967 ging diese Rechnung aber noch nicht auf – und die Beatles verloren Millionen.

von Björn Springorum

Das wilde Jahr 1967 neigt sich dem Ende zu. Die psychedelische Rockmusik ist diesseits und jenseits des Atlantik explodiert, The Doors, Jimi Hendrix, Jefferson Airplane, The Byrds und Cream haben wegweisende Alben veröffentlicht. Getoppt wird das Ganze – natürlich – von den Beatles, die mit Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band eines der besten Alben aller Zeiten veröffentlicht haben.

Ein psychedelischer Garten Eden

Im Sommer läuft in ganz London gefühlt kein anderes Album, 23 Wochen lang behauptet es sich an der Spitze der britischen Charts. Den Summer of Love verbringen die Beatles mit Filmprojekten und ihrer Reise ins indische Bangor, bis der Tod von Brian Epstein am 27. August 1967 alle rosaroten Wolken platzen lässt. Hinter den Kulissen sind aber längst Dinge im Gange, die die Band auch ohne ihren Manager und Mentor weiterlaufen lässt – der Flop-Film Magical Mystery Tour und ihr eigener Store, die Apple Boutique.

Die soll laut Harrison ein „psychedelischer Garten Eden“ sein und erstreckt sich auf drei Stockwerke. Hinter dem grandiosen Street-Art-Bild auf der Fassade steckt das niederländische Designkollektiv The Fool, die George Harrisons Frau Pattie Boyd der Band vorgestellt hat. Schon in den Monaten vor der Eröffnung der Boutique gestalten The Fool Artworks, Outfits, Sets und Instrumente für die Beatles, für aus heutiger Rechnung über 1,5 Millionen Euro verwandeln sie die Fassade des historischen Townhouses in der Baker Street 94 an zwei Novembertagen in ein psychedelisches Kunstwerk.

Bowie und Clapton kommen zur Eröffnung

Mit dem Store dahinter versuchen die Beatles, den Einzelhandel ebenso zu revolutionieren wie die Musik. Ihr sehr visionäres Konzept: Alles, was es in diesem Laden gibt, steht zum Verkauf. „Ein hübscher Ort, an dem hübsche Menschen hübsche Dinge kaufen können“, so beschreibt Paul McCartney das Konzept, das man von zeitgeistigen Concept Stores kennt. An der Baker Street im Jahr 1967 ist das neu.

Der Laden öffnet am 7. Dezember 1967 erstmals seine Tore. Schon zwei Tage zuvor laden John Lennon und George Harrison zu einer Launch Party, bei der zwar Paul McCartney und Ringo Starr fehlen (sie weilen in Liverpool respektive Rom), aber dafür jede Menge Berühmtheiten und Bohemiens in das psychedelische Wunderland strömen, um Kleidung, Accessoires, Bücher und Schmuck zu bestaunen – darunter David Bowie, Eric Clapton und Harrisons Frau Pattie Boyd.

Getrunken wird Apfelsaft

Auf den Einladungen steht geschrieben: „Kommt um 7:46. Modenschau um 8:16.“ Und zumindest zur Eröffnungsparty kommen sie. The Fool, die auch viele Designs für die Beatles, die Hollies oder Procol Harum realisiert haben, ziehen wie ein psychedelischer Wanderzirkus mit Instrumenten durch die Boutique, alle schlürfen Apfelsaft, weil der Store keine Schanklizenz hat. Vielleicht gibt es andere Dinge zum Konsumieren… Es ist ja immerhin 1967.

Apple Boutique

Foto: E. Milsom/Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Zwei Tage später eröffnet die Boutique offiziell, gemanaged von Lennons Freund Peter Shotton und Pattie Boyds Schwester Jenny Boyd. Doch die Sache wird zum legendären finanziellen Desaster. Taschendiebstähle geraten außer Kontrolle, selbst Angestellte stecken sich reihenweise Sachen ein, so wirklich weiß niemand, womit die Kunden den Laden betreten oder wieder verlassen haben. Zur Anzeige gebracht wird kein Diebstahl: Das passt einfach nicht in den Freigeist des Konzepts.

Antikapitalistische Einzelhändler

Auch sonst läuft es schleppend: Baker Street ist einfach zu weit vom Londoner Mode-Epizentrum entfernt, die Apple Boutique fährt hohe Verluste ein. Mitte 1968 sind das schon mehr als 200.000 Britische Pfund (heute mehr als vier Millionen Euro) und die Beatles entscheiden, den Laden am 31. Juli 1968 – kein Jahr nach der Eröffnung – zu schließen. Für McCartney ist der Shop dennoch ein Erfolg. „Den größten Verlust machten wir damit, alles zu verschenken“, sagt er in einem Statement zur Schließung. „Aber das war unsere freie Entscheidung. Wir wollten verschenken, nicht verkaufen.“

Die wahren Gründe liegen natürlich auch darin, dass die Beatles keine Geschäftsleute sein wollen. Sondern Musiker, Filmemacher, Entertainer. Am Tag der Schließung öffnen die Beatles die Boutique ein letztes Mal für die Menschen, die zu Hunderten gierig in den Laden strömen, sich alles unter den Nagel reißen und Randale machen. Die Polizei muss eingreifen und beendet dieses abstruse Kapitel der Beatles-Geschichte relativ unrühmlich.

Schon im Mai 1968 hatte man die Fassade weiß übermalt und das Wort Apple kursiv darauf geschrieben – ein ähnlich drastischer Übergang wie bei den Artworks von Sgt. Pepper’s und The Beatles. 1974 wird das Gebäude abgerissen. Aber da gibt es die Beatles schon lange nicht mehr.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Wie „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ die Musikwelt veränderte

Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss