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Popkultur

Rudeboys, Rastas, Raggamuffins – in fünf Minuten durch die Geschichte des Reggae

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Jamaika! Kein Musik-Fan kommt an dieser karibischen Insel vorbei, die weniger Einwohner hat als Berlin. Den Einfluss jamaikanischer Musiker und Produzenten hört man heute überall. Der Hip Hop verdankt den Sound-Systems und seinen Deejays viel, ebenso die elektronische Dancefloor-Musik, und kein Singer-Songwriter kann den Einfluss Bob Marleys ignorieren. Pünktlich zum Winter: die große Story des Sonnenschein-Sounds – von Ska über Reggae bis zum Dancehall.

 


Höre hier in frühe & wegweisende Reggae-Hymnen, während Du den Artikel liest:




 

Die Anfänge der jamaikanischen Popmusik liegen am Ende des 19. Jahrhunderts. Eine Welle jamaikanischer Gastarbeiter wirkte beim Bau des Panama-Kanals mit und geriet dort in einen musikalischen Schmelztiegel aus Tango, Calypso, Samba und der kubanischen Rumba, woraus sich ein eigener Stil namens Mento entwickelte. Seine Wurzeln sind die afrikanischen Nyabinghi-Trommelrhythmen, die mit der Sklaverei auf die Insel gelangten.

Spürbar entwickelte sich der jamaikanische Sound dann nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, in den 1950ern, in den Armenvierteln von Kingston. Die ersten DJs waren Schnapsverkäufer. Sie spielten Musik vor ihren Läden, um Kunden anzulocken, packten bald darauf einen Stromgenerator, Plattenspieler und riesige Lautsprecher in ihre Lastwagen, fuhren auf irgendeinen günstig gelegenen Platz, und die Party konnte beginnen.

 

Wake the town and tell the poeple – Die Ära der Soundsystems

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Zur Mitte der 1950er gibt es zwei führende dieser Sound-Systems: das von Clement “Coxsone” Dodd, und das von Duke Reid. Coxsone trägt den Beinamen Downbeat Ruler. Duke Reid kennt man als den Trojaner. Auf die Seiten seines 7-Tonners, in dem der ehemalige Polizist sein Equipment transportiert, hat er den heute berühmten Trojanerkopf seines späteren Labels gemalt. Ihre Anhänger gleichen heutigen Fußballfans. Die Sound-Systems treten direkt gegeneinander an. Wer hat die stärkere Anlage? Das Wettrüsten bringt speziell angefertigte, Wandschrank-große Lautsprecher hervor. Noch wichtiger: Wer hat die bessere Musik, die aktuelleren Singles? Zu Beginn triumphiert der mit den neusten Platten aus den USA. Das Beschaffen solcher Platten wird zu aufwändig, also hilft man sich selbst. Dodd und Reid gründen eigene Plattenfirmen: Studio-1 und Trojan. Neben diesen beiden wird das Island-Label des weißen Jamaikaners Chris Blackwell zum Paten der jamaikanischen Popmusik. 1958 nimmt der 21-Jährige 1000 Pfund in die Hand, um fortan “Platten zu machen, die in der Zeit bestehen können”.

Zuerst klingen diese Singles dem US-amerikanischen R&B sehr ähnlich, driften dann immer mehr davon ab. Dodd und Reid besinnen sich auf ein Element traditioneller jamaikanischer Mento-Musik: den Off-Beat-Schlag von Gitarre und Snare-Drum auf der 2 und 4. Das erste typisch jamaikanische Pop-Genre tauft man Ska. Es kommt 1962 im Zuge der Unabhängigkeit Jamaikas von der britischen Krone auf, untermalt den neuen Nationalstolz auf der Insel.

Die Unabhängigkeit bringt nicht den erhofften wirtschaftlichen Aufschwung, im Gegenteil: die soziale Schere geht auf Jamaika noch weiter auseinander. Slums wie Trenchtown breiten sich um Kingston herum immer weiter aus. Zu Beginn der 1960er ist ein Drittel der erwachsenen jamaikanischen Bevölkerung arbeitslos, und 70% der Bevölkerung unter 21. Auch im Machtkampf zwischen den Sound-Systems werden die Bandagen härter. Ab Mitte der Dekade stellen manche Betreiber jugendliche Rabaukengangs in ihre Dienste: die notorischen Rude Boys, damit sie die Tanzveranstaltung eines Mitbewerbers aufmischen. In scharfen Anzügen, mit Sonnenbrillen und Porkpie-Hüten, beziehen sich diese 14- bis 24-Jährigen auf damalige US-Gangsterfilme und Westerns. Songs wie “Don´t Be A Rudeboy” von The Ruler und “Simmer Down” von den Wailers wollen sie in die Schranken weisen.


Der Sommer 1966 markiert das Ende von Ska auf Jamaika. Zeitzeugen behaupten, er wäre selbst für Jamaika unglaublich heiß gewesen, so dass keiner mehr die schnellen Tanzschritte des Ska ausführen konnte. Sein Nachfolger heißt Rocksteady. Vom Tempo langsamer als Ska, wird hier der Bass zum virtuosen Hauptinstrument der Musik, was sich später im Reggae fortsetzen wird.

Über jamaikanische Emigranten finden Ska und Rocksteady in England ein ganz eigenes Publikum: die Mods und die Skinheads. Den Namen bekommen letztere durch ihre auf 2-3 Millimeter rasierte Kopfbehaarung. Getragen werden karierte Button-Down-Hemden zu Hosenträgern, gerade geschnittene Jeans, oft hochgekrempelt, und die säurefesten Gesundheitsschuhe von Doc Martens. Der unbekümmerte jamaikanische Sound, insbesondere des Trojan-Labels, passt perfekt ins Weltbild der Skinheads, die weder etwas mit der psychedelischen Hippiebewegung anfangen konnten, noch mit der Studentenbewegung der späten 60er und erst Recht nichts mit dem Bubblegum-Pop jener Ära.

1969 kommt der kommerzielle Durchbruch mit Tony Tribes Version des Neil Diamond-Songs “Red Red Wine”, gefolgt von Desmond Dekkers “The Israelites”, der Platz 1 in England erobert und auch in Deutschland zum Sommerhit wird. Im Herbst des Jahres zieht Jimmy Cliff mit “Wonderful World, Beautiful People” nach. Neue Talente streben nach oben, darunter Dennis Brown und der Lovers-Rocker Gregory Isaacs, ebenso der Toaster (Sprechsänger) U-Roy und nicht zuletzt ein Trio namens The Wailers, aus dem später Bob Marley & The Wailers hervorgehen.

Parallel hierzu entsteht Ende der 1960er in Jamaika ein ganz eigenes Sub-Genre namens Dub, als ein Produzent beim Pressen eines Muster-Vinyls (genannt Dubplate) die Gesangsspur des Songs vergaß. Schnell entwickelt sich hieraus eine eigene Form. Schwere Bässe, Echos und Sound-Effekte werden zur Plattform für neue Versionen alter Songs. Produzenten wie King Tubby, Lee “Scratch” Perry oder Lloyd “Prince Jammy” James entwickeln den Dub immer weiter. Die heutige DJ-, Dance- und Remix-Kultur fußt auf diesem Genre!

The harder they come – Popularisierung


The Harder They Come from Dustin Lynn on Vimeo.

Den Weg zum internationalen Durchbruch des Reggaes ebnet 1972 der Kinofilm “The Harder They Come”: ein wütendes Gangster-Epos, eine raue Robin Hood-Saga, Jamaikas Antwort auf US-amerikanische Blaxpolitation-Filme wie “Shaft” oder “Superfly”. Produzent des Films ist der Island-Labelchef Chris Blackwell. Eine essentielle Band auf dem Soundtrack sind die Maytals. Das ehemalige Ska-Trio liefert hier einen paradigmatischen jamaikanischen Song ab: “Pressure Drop”, gecovert von The Clash und Robert Palmer. Die Hauptrolle in “The Harder They Come” spielt der Sänger Jimmy Cliff. Über den Film hinaus hat Blackwell die Vision, aus ihm einen sexy Rebellentypen für den Rockmarkt zu machen. Der Film wird zum popkulturellen Meilenstein, irgendwo zwischen “The Wild One” und “City Of God”, doch Cliff nimmt den Hut. Blackwell findet den rebellischen Protagonisten seiner Träume, als kurz darauf Bob Marley in seinem Büro erscheint. Gemeinsam stellen sie die Weiche für den weltweiten Siegeszug des Roots-Reggaes.
Bob Marley Live

Bob Marley Live

Jetzt hier lesen: Bob Marley – Botschafter des Reggae und friedlicher Revolutionär

Brüder, zur Sonne, zum Reggae! Die Roots-Bewegung spiegelt in den 1970ern den Zeitgeist. Burning Spear, Black Uhuru, Third World und viele andere begeistern in der Alternativ- und in der Punk-Szene. Über allen thront der Reggae-Messias Bob Marley. Immer noch ist er der einzige globale Superstar aus der Dritten Welt und quasi im Alleingang hat er die Reggae-Kultur Jamaikas bis in den letzten Winkel unseres Planeten gebracht. Marleys Musikerkarriere begann 1963 in der Ska-Band The Teenagers, aus der The Wailers hervorgingen. 1973 wird er mit seinem “Catch A Fire”-Album zum Botschafter der Rasta-Kultur. Zu Hause vereint er die Menschen auf der von bürgerkriegsähnlichen Zuständen zerrütteten Insel. Nur John Lennon wurde bei seinem Tod ebenso betrauert. Das New Yorker Time-Magazine brachte Bob Marley 1981, als er mit nur 36 Jahren starb, auf dem Titel und erklärte Marleys “Exodus”-Album zum “größten Album des 20. Jahrhunderts”. Mit “Legend” erschien 1984 posthum das meisterverkaufte Reggae-Album aller Zeiten. 2012 hat der Dokumentarfilm “Marley” des britischen Oscar-Preisträgers Kevin MacDonald Schlagzeilen gemacht. Das gleichnamige Soundtrack-Album zog international in die Top-20 der Reggaecharts ein.

Der Tod Bob Marleys tritt zum Beginn der 1980er einen Erdrutsch in der Reggae-Kultur los. Der Roots-Reggae verschwindet, ein neues Genre namens Dancehall taucht auf und überrollt Jamaika flächendeckend. Wichtigste Produzenten des Genres werden Henry “Junjo” Lawes, dessen Platten für den Albino-Sänger Yellowman, Eek-A-Mouse und Barrington Levy den Dancehall definieren, und Lloyd “King Jammy” James, ehemals “Prince Jammy”, oben erwähnter Dub-Spezialist. Mit digital produzierten Beats und Texten über Sex und Gewalt steht dieser Sound in totalem Gegensatz zu den Rastaman Vibrations der Roots-Ära und wird zum jamaikanischen Pendant des US-amerikanischen Gangsta-Raps. Ins Bild passt, dass Lawes später bei einem Attentat in London stirbt.

Zeitgleich feiert der frühe Reggae, insbesondere des Trojan-Labels, ein Revival mit der Wiedergeburt der Mods in England und wird danach zur festen Konstante im Pop: The Specials, Fishbone, Maldita Vecindad, No Doubt…zig Bands haben diesen Stil wiederbelebt.

In den frühen 1990ern wird der Dancehall-Sound immer skandalöser, gipfelnd im homophoben Track “Boom Bye Bye” des Kingstoner Deejays und Sängers Buju Banton – neben Shabba Ranks der Top-Raggamuffin auf der Insel – der die junge jamaikanische Szene in Verruf bringt. Mit seinem 1995 beim Island-Label erschienen Album “Til Shiloh” zeigt Banton sich geläutert. Im Rückenwind gibt es eine ganze Welle von Dancehall-Stars, die zur Rasta-Religion konvertieren, darunter Sizzla und Capleton, während der Dancehall-Rapper Sean Paul in Richtung Hip Hop und R&B ausschwärmt.


Im 21. Jahrhundert hat sich der Kreis zum Roots-Reggae mit verschiedenen großartigen Alben von zwei Söhnen Bob Marleys weiter geschlossen: Damian Marley mit “Welcome to Jamrock” (2005) und Stephen Marley, der 2012 einen Grammy für “Revelation Part 1: The Root of Life” gewann.

Jamaika, mitten in einem Ozean aus Musik, strahlt weiter in die Popwelt. Hier gibt es für jeden Musikfan zwischen Ska, Reggae, Punk, Jazz, R&B und Hip Hop viel zu entdecken!

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Popkultur

Brennende Betten, brennender Tommy und ein verhedderter Fallschirm: 5 Anekdoten, die nur aus dem Leben von Tommy Lee stammen können

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Tommy Lee
Foto: Emma McIntyre/Getty Images for SiriusXM

Nur fünf Anekdoten aus dem Leben von Tommy Lee? Es gäbe wahrscheinlich mindestens 5.000 zu erzählen. Diese finden wir besonders unterhaltsam, tragisch oder schockierend.

Hier könnt ihr euch Andro von Tommy Lee anhören:

1. Als er auf der Girls, Girls, Girls-Tour einen Drogendealer hinter sich herfahren ließ.

Über die Drogeneskapaden von Mötley Crüe wurde schon so viel geschrieben, dass es nahezu unmöglich ist, noch eine neue Geschichte aufzustöbern. Wir haben uns deshalb für eine der unterhaltsamsten entschieden. „Die Girls, Girls, Girls-Tour von 1987 gehört zu den geilsten Erlebnissen meines Lebens“, erzählt Schlagzeuger Tommy Lee im Interview mit dem britischen Guardian. „Zumindest glaube ich das, denn ich erinnere mich an nichts, außer an jede Menge verschwommenen Wahnsinn. Wir hatten einen mächtig großen Jet, endlos viel Kohle und konnten machen, was immer wir wollten.“

Spätestens seit der Mötley-Crüe-Bandbiografie The Dirt wissen wir alle: Egal, welche Ausschweifungen man sich so ausmalt … Tommy Lee und Co. setzen immer noch einen drauf. „Eine Zeit lang hatten wir sogar unseren eigenen Drogendealer, der in einem Luxus-Oldtimer hinter unserem Tourbus hergefahren ist“, berichtet Lee weiter. „Auf seinem Kennzeichen stand: DEALER. Wann immer wir aus dem Bus ausgestiegen sind, ist er mit seiner diamantbesetzten Rolex, seinen Goldketten und ein paar Bitches in jedem Arm aufgetaucht und hat der Band und der Crew ganze Bündel voller Koks zugeworfen. Er war der pimphafteste Dealer aller Zeiten und hatte immer seinen Partyhut auf.“ Doch die Plattenfirma von Mötley Crüe bekommt kalte Füße. Schließlich könnte die Polizei bei einem auffällig gekleideten Drogendealer in einem Luxusauto mit dem Kennzeichen „DEALER“ stutzig werden. Die Band muss sich von ihrem hauseigenen Rauschmittelhändler verabschieden. In Versorgungsnot geraten die Musiker während der Tour aber wohl trotzdem nicht.

2. Als er mit einer Leuchtfackel in einem Hotelzimmer herumspielte und das Bett in Brand steckte.

In den Siebzigern und Achtzigern gehört das Zerstören von Hotelzimmern für viele Rockstars schlicht und ergreifend dazu. Das gilt (natürlich) auch für Mötley Crüe. Als die Band 1986 durch die Schweiz tourt, nimmt sie ihren Auftrag durchaus ernst. Nicht nur, dass Schlagzeuger Tommy Lee und Frontmann Vince Neil in ihrem Hotelzimmer ein paar Leuchtfackeln anzünden. Nein, das Duo Infernale steckt damit auch gleich das Bett in Brand. Als wäre das nicht genug, zerstört die Band im gleichen Hotel auch noch die Glasfenster der Aufzüge.

3. Als sich sein Fallschirm beinahe nicht geöffnet hätte.

Sein Leben hat Tommy Lee im Lauf der Jahrzehnte immer wieder aufs Spiel gesetzt. Doch mit einem Vorkommnis hat er wohl selbst nicht gerechnet. So verrät er im Interview mit dem britischen Classic Rock Magazine die gefährlichste Situation, in der er sich je befand: „Das ist etwas, was du nicht hören willst, wenn du gerade einen Fallschirmsprung machst“, steigt er in die Erzählung ein. „Ich mache gerade einen Tandemsprung, bin an einen Lehrer geschnallt, er ist mit dem Fallschirm auf meinem Rücken und höre: ‚Oh, fuck!‘ Ich schaue nach oben und der Fallschirm hat sich verheddert. Er zerrt daran und kämpft mit den Seilen und ich denke: ‚Das war’s, ich bin am Arsch, es ist vorbei.‘ Aber dann hatte ich eine spirituelle Erfahrung und dachte: ‚Ich kann nichts tun. Ich werde den freien Fall einfach genießen, bis ich auf dem Boden aufschlage.’ Als ich gerade losgelassen hatte, ging der Fallschirm auf einmal auf. Nicht cool.“

4. Als er sich in Wyoming an der Pyrotechnik verbrannte.

Am 12. Oktober 2005 spielen Mötley Crüe im Casper Events Center (heute: Ford Wyoming Center) — und dabei geht einiges schief. Laut Ultimate Classic Rock habe sich Tommy Lee an jenem Abend an einem Seil zwischen verschiedenen Drumsets hin und her geschwungen, wobei er in einen Funkenregen geraten sei. Dabei habe er „oberflächliche Verbrennungen and seinen Armen und im Gesicht erlitten“ und versucht, die Show noch zu Ende zu bringen. Doch man habe auf Nummer sicher gehen wollen, wie Mötley-Crüe-Frontmann Vince Neil im Interview mit People verrät: „Er sah nicht gut aus, als die Sanitäter ihn hinter der Bühne behandelt haben, also haben wir uns dazu entschieden, ihn ins Krankenhaus zu schicken.“ Zum Glück sehen die Verbrennungen schlimmer aus als sie sind: Schon zwei Tage später sitzt Lee in Bismarck (North Dakota) wieder am Schlagzeug.

5. Als er ein Dickpic in den sozialen Medien postete.

Als hätte nicht sowieso schon ein ungleich großer Teil der Weltbevölkerung Tommy Lees Penis gesehen, musste der Schlagzeuger am 11. August 2022 noch einen draufsetzen — und postete in den Social Media ein Foto von seinem Gemächt. „Vor einigen Wochen hatten wir eine etwa zweiwöchige Tourpause“, erklärt der Trommler das Dickpic später im Rahmen eines Konzerts. „Und ich habe mich abgeschossen, Alter. Mich volllaufen lassen. Ich war so voll, dass ich mich ausgezogen und Bilder von meinem Schwanz gepostet habe. Dabei bin ich eigentlich ein Mann der Brüste. Ich sehe gerne Brüste. Aber ich dachte: Das ist die Nacht der gleichen Möglichkeiten. Ich wollte in dieser Nacht jedermanns Ding sehen. Komm schon, hol deinen Schwengel raus!“ Ah ja … Bei Facebook und Instagram wurde das Foto schon längst wieder gelöscht. Bei Twitter kann man sich Lees gesamte Herrlichkeit noch immer anschauen. Haben wir gehört.

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Popkultur

5 Wahrheiten über den Sound der Deutschen Einheit

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Für alle Insider*innen, jahrzehntelangen Fans, Neugierigen und Einsteiger*innen: Hier nehmen wir uns mal ein paar Minuten Zeit und präsentieren euch fünf Geschichten, Anekdoten oder Fun Facts zu einem Genre, einer Band oder einem/r Künstler*in. Einfach, weil das Leben witzigere, unglaublichere und interessantere Geschichten schreibt, als jede*r Autor*in jemals könnte.

In dieser Woche dreht sich alles um den 3. Oktober 1990, jenen Tag, an dem aus West und Ost wieder ein gemeinsames Deutschland wurde. Knapp ein Jahr zuvor, am 9. November 1989, war die innerdeutsche Mauer gefallen. Ein Ereignis, das auch in der Musik stattfand. Wir liefern fünf Wahrheiten über den Sound der deutschen Einheit.

1. Pink Floyd und die wahrgewordene Utopie

Noch im Juli meinte Roger Waters von Pink Floyd, dass es nur einen einzigen Anlass geben würde, aus dem er das bandeigene Riesenspektakel The Wall noch einmal inszenieren würde – und zwar den Fall der Berliner Mauer. Waters sah dieses Ereignis in so weiter Ferne, dass er sogar in Erwägung zog, dafür seinen Ex-Bandkollegen David Gilmour mit auf die Bühne zu holen. Knapp vier Monate später fiel die Mauer tatsächlich und im Juli 1990 wurde Waters Gedankenspiel Realität: The Wall wurde am Potsdamer Platz noch einmal aufgeführt – zwar ohne David Gilmour, aber dafür mit vielen Auftritten anderer Stars.

2. Der Boss in Ostberlin

Auftritte von westlichen Künstler*innen in der DDR waren rar gesät. 1988 etwa trat Bruce Springsteen in Ostberlin auf. Weil der SED-Zentralrat das Konzert als gute Möglichkeit der massenpolitischen Arbeit der FDJ ansah, wurde Bruce Springsteen eine Auftrittsgenehmigung für die DDR erteilt. Rund 200.000 Bewunder*innen des Bosses kamen zur Radrennbahn Weißensee, wo Springsteen seinem Wunsch Ausdruck verlieh, dass eines Tages alle Barrieren abgerissen werden sollen. Der Satz wurde aus der Übertragung des Konzertes geschnitten – änderte aber nichts daran, dass sein Wunsch gut anderthalb Jahre später Wirklichkeit wurde.

3. Das David-Hasselhoff-Gate

Auch gut 30 Jahre nach dem Mauerfall hält sich das Gerücht wacker, David Haselhoff sei mitverantwortlich für dieses geschichtliche Großereignis, da er wenige Wochen nach der Maueröffnung dort seinen Hit Looking for Freedom sang und sich Menschen aus West- und Ostdeutschland dazu in den Armen lagen. Aber: weit gefehlt. „Ich hatte nie etwas damit zu tun und habe das auch nie gesagt. Niemals“, äußerte sich der Baywatch-Star unlängst gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

4. Das Eigenleben von Freiheit

Wer an Musik und Mauerfall denkt, hat sicherlich auch Freiheit von Marius Müller-Westernhagen im Sinn. Aber: Nicht nur, dass MMW den Song schon drei Jahre vor dem Mauerfall schrieb, nein, er hatte den Fall der Mauer nicht Mal im Sinn. Die Live-Version von Freiheit entwickelte vor dem Hintergrund des Mauerfalls allerdings ein Eigenleben und wurde zur Hymne des Herbstes. „Freiheit zeigt, dass künstlerische Produkte ein Eigenleben annehmen können. Wenn es in diesem Fall dazu gedient hat, dass der Song Menschen Kraft und Hoffnung gegeben hat, ist das ein glücklicher Umstand, der mich natürlich sehr freut“, sagte Marius Müller-Westernhagen gegenüber der TZ.

5. Wind Of Change ist ein rechtlich geschützter Begriff

Klar, Wind Of Change gilt unangefochten als die Hyme der Wende schlechthin. „Mein Gedanke war: Die ganze Welt in einem Boot und alle sprechen eine Sprache – Musik. Im September entstand Wind Of Change in Deutschland und im November fiel die Berliner Mauer. Der Song drückte ein Gefühl der Hoffnung aus, dass wir alle in der Zukunft in einer friedlicheren Welt leben können“, erklärte Klaus Meine mal gegenüber dem Fernsehsender VOX. Der Song machte die Scorpions binnen kürzester Zeit zu Weltstars. Nur logisch, dass Klaus Meine und Rudolf Schenker seitdem Inhaber der Wortmarke Wind Of Change sind.

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10 Songs zum Tag der Einheit: Deutschland, die Mauer und andere Problemchen

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10 Songs zum Tag der Einheit: Deutschland, die Mauer und andere Problemchen

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Foto: Sean Gallup/Getty Images

Am 3. Oktober 1990 war es offiziell: West- und Ost-Deutschland gehören wieder zusammen, die Berliner Mauer fiel schon ein Jahr vorher, der Eiserne Vorhang begann sich nach und nach zu lüften. Wir schauen zurück auf dieses historische Ereignis mit Songs, die damals und in der folgenden Zeit zum Soundtrack des wiedervereinigten Deutschlands wurden.

1. Scorpions – Wind Of Change

Los geht’s mit offensichtlichsten Song: Die sogenannte „Hymne der Wende“ ist auf jeden Fall der kitschigste, aber auch emotionalste und bekannteste Klassiker, den Mauerfall und Wiedervereinigung im Nachhinein hervorgebracht haben. Ein Jahr nach der Maueröffnung und kurz nach dem Zusammenschluss von BRD und DDR war Wind Of Change mit seinem Plädoyer für das Ende der Ost-West-Trennung die perfekte musikalische Untermalung für das, was gerade vor sich ging. So schreibt man Geschichte mit.

2. Westernhagen – Freiheit

Auch wenn dieser Song schon ein paar Jahre vorher veröffentlicht wurde, ist er ganz fest mit der deutschen Einheit verknüpft. Natürlich wegen des programmatischen Titels. Aber auch weil Westernhagen einer der vielen Künstler*innen war, die beim „Konzert für Berlin“ in der Deutschlandhalle auftraten, ein paar Tage nach dem Fall der Mauer. Dass Freiheit in diesem Setting eine extrem emotionale Rolle zukam, versteht sich von selbst.

3. Udo Lindenberg – Horizont

Allerallerspätestens mit dem Musical Hinterm Horizont ist Udo Lindenberg zu einer Galionsfigur für das geteilte Berlin und die Menschen geworden, die trotz aller gemauerten Widerstände zusammen sein wollten. Horizont ist die Liebesballade, die im Zentrum des Musicals steht. Und obwohl Sonderzug nach Pankow die politisch stärkere Hymne ist, berührt einen Horizont doch ein wenig mehr.

4. Die Prinzen – Millionär

Mauer weg, Invasion der Ossis. Für viele Westdeutsche (und natürlich auch ehemalige DDR-Bürger*innen) war die Wiedervereinigung eine mindestens zweischneidige Sache. Auch musikalisch war das Land jetzt vereint, und Die Prinzen wurden zu den ersten neuen gesamtdeutschen Popstars. Millionär war ihr erster putziger Hit.

5. WestBam / Dr. Motte – Sunshine

Techno und House gelten als inoffizieller Soundtrack der Wende – zumindest in Berlin. Mauerfall und Wiedervereinigung fielen eher zufällig mit dem Aufkommen der neuen Jugendkultur zusammen, aber es hätte nicht besser passen können: Auf großen Raves, in neuen Clubs und Events wie der Loveparade feierte Berlin seine neue Zusammengehörigkeit, mit einer Musik, die sich nicht um Ost oder West schert. Dr. Motte und Westbam waren zwei der damaligen Protagonisten, die regelmäßig neue Hymnen für die „ravende Gesellschaft“ produzierte.

6. Tocotronic – Aber hier leben, nein danke

Das neue Deutschland, genau so wie die zwei alten, war für viele nicht unbedingt etwas, mit dem man sich identifizieren konnte oder wollte. Egal, welche politische Meinung man hier hat – besonders die Deutschland-Kritiker*innen aus dem linken Spektrum haben ihre Vorbehalte immer in tolle Musik verpackt. So wie Tocotronic hier. Zwar ist der Titel ziemlich eindeutig, der Text allerdings sehr kryptisch und der Song unglaublich gut.

7. Slime – Deutschland

Andere waren da schon deutlicher: Dieser deutsche Punk-Klassiker stammt zwar aus den 80ern, ist aber bis heute ein Dauerbrenner. Vor allem wenn es darum geht, unserem Land auch mal die Meinung zu geigen. Das muss es schließlich aushalten.

8. Rocko Schamoni – Mauern

Und auch hier muss man ein bisschen ironische Skills mitbringen: Denn unser liebster Hamburger Lebenskünstler Rocko Schamoni empfiehlt bei zu viel sozialen Spannungen, einfach eine Mauer zu bauen. Kennt man ja. Aber ist natürlich auch nicht ganz so ernst gemeint. Die Satire-Partei Die Partei tut allerdings sehr überzeugend so, als würde sie ihre radikalen Forderungen ernst meinen – zum Beispiel, tatsächlich wieder eine Mauer in Deutschland zu errichten. Natürlich wurde Schamonis Song zur ihrer Wahlkampf-Hymne.

9. Pink Floyd – Another Brick In The Wall, Pt. 2

Auch dieser Rock-Klassiker handelt von einer Mauer, aber nur im übertragenen Sinne von der Berliner. Seit Pink Floyd 1988 aber ein Konzert direkt an der Mauer gespielt haben, ist der Song wie der gleich folgende untrennbar mit der Wiedervereinigung verknüpft.

10. David Hasselhoff – Looking For Freedom

Ein bisschen Spaß muss sein, ne? Denn in Expertenkreisen weiß man, dass es vor allem The Hoff war, die die Mauer zu Fall brachte. Looking For Freedom muss man heute schon mit sehr viel Augenzwinkern hören, doch damals war es ein Mega-Hit. Und wenn man sich die Begeisterung bei Hasselhoffs Mauer-Auftritt im Jahr 1989 ansieht, dann kann man schon verstehen, wieso The Hoff so von seiner historischen Leistung überzeugt ist.

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5 Wahrheiten über den Sound der Deutschen Einheit

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