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Popkultur

„Smells Like Teen Spirit“: Die unabsichtliche Hymne der Generation X

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Vor 30 Jahren veröffentlicht eine moderat bekannte Band namens Nirvana das aufreibende Lied Smells Like Teen Spirit. Es bringt den Grunge endgültig in den Mainstream – und die Band fast an den Abgrund. Chronik eines desaströsen Erfolgs.

von Björn Springorum

Im Sommer 1991 sind Nirvana alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Sie sind aber weit von ihrem Abschuss in die Stratosphäre entfernt, in der sie schließlich auf besonders tragische Weise verglühen sollen. Seit 1987 gibt es die Band, in den nächsten vier Jahren macht sie sich langsam einen Namen in der Rock-Szene rund um Seattle – hörbar geprägt von ihren größten Vorbildern, den Melvins. Von ihrem ersten Album Bleach, noch ohne Dave Grohl an den Drums, verkaufen sie bis Herbst 1991 etwa 40.000 Exemplare. Soweit, so durchschnittlich.

Der ultimative Pop-Song

Dann passiert etwas. Etwas, das man bis heute nicht erklären kann. In den Monaten vor den Albumaufnahmen zum zweiten Album Nevermind bei Produzent Butch Vig entstehen mehrere Songs, einer davon ist Smells Like Teen Spirit. Mit diesem Song möchte Kurt Cobain den „ultimativen Pop-Song“ schreiben, wie er später sagen wird. „Ich habe schamlos versucht, die Pixies zu kopieren. Ich muss es zugeben. Als ich die Pixies das erste Mal hörte, fühlte ich mich ihnen so sehr verbunden, dass ich das Gefühl hatte, Teil dieser Band werden zu müssen – oder zumindest einer Cover-Band. Wir borgten uns ihren Sinn für Dynamik, dieser Wechsel zwischen sanft und ruhig und laut und hart.“

Geklaut bei More Than A Feeling

Als Cobain den Song Krist Novoselic vorstellt, hat der ein ebenso rasches wie verheerendes Urteil: „Lächerlich“ nennt er den Song, der schon bald darauf zur Stimme einer Generation werden soll. Aber eben nicht in dieser Form: Was von Cobain noch als Fragment in den Proberaum geschleppt wird, das erst kürzlich wieder die Diskussion entfachte, ob er nicht auch bei Bostons More Than A Feeling geklaut hätte (Spoiler: und ob!), wird über eine Stunde lang von der Band am Stück gespielt. Irgendwann wird der Song langsamer und langsamer… und plötzlich war sie da, diese schleppende, dissonante, unangenehme Atmosphäre. Wegen des gemeinsamen Kraftaufwands ist Smells Like Teen Spirit die einzige Nummer von Nevermind, die Cobain, Novoselic und Grohl als Komponisten anführt. Eigentlich müsste man in den Credits natürlich auch noch Kathleen Hanna von der Riot-Grrrl-Band Bikini Kill anführen. Die schrieb den Spruch Kurt smells like Teen Spirit an Cobains Wand – und meinte mit Teen Spirit ein damals populäres Deo für junge Leute.

Die Puppenspielerin des Grunge

Natürlich ist das Stück auch das mit gigantischem Abstand erfolgreichste des zweiten Albums. Aufgenommen im Mai 1991 mit Butch Vig in den Sound City Studios, wurde der Song auf Anraten des Produzenten noch mal frisiert und mit einem verkürzten Chorus ausgestattet. Dreimal spielten Nirvana den Song, auf dem Album landete schließlich der zweite Take. Auch den Gesang nahm Cobain nur dreimal auf. „Es war schon großes Glück“, erinnert sich Vig, „wenn ich Kurt zu vier Takes überreden konnte.“

Da schimmert er noch deutlich durch, der Punk-Ethos der Band. Auf geschäftlicher Seite waren aus den DIY-Jungs aus Seattle längst Profis geworden. Sie wollten weg von ihrem Label Sub Pop Records, konnten aber nur von einem Major aus dem Vertrag herausgekauft werden. Auftritt Susan Silver, die Puppenspielerin des Grunge. Als Managerin von Soundgarden, Alice In Chains oder Screaming Trees kennt sie alle und jeden, besorgt der Band mit links einen Vertrag mit DGC Records, die zu Geffen gehörten. Demos von Nirvana sorgten ab 1991 für großes Interesse unter Labels, viele spürten, dass dieses neue Rock-Ding aus Seattle richtig, richtig groß werden könnte.

Galionsfigur wider Willen

Wie groß, hätte aber auch das findigste Grunge-Orakel niemals für möglich gehalten. Im September 1991 erscheint Smells Like Teen Spirit als erste Single von Nevermind. Niemand rechnet mit einem Erfolg, alle Hoffnungen werden in die zweite Single Come As You Are gesetzt. Anfangs sieht es auch ganz danach aus: Der Song chartet nach Veröffentlichung nicht, nur einige College-Radiosender in den USA spielen ihn. Von dort breitet sich das Lauffeuer auf: In kürzester Zeit läuft der Song praktisch überall im Radio, das legendäre Musikvideo tut dank MTV sein Übriges, um einen Kult anzufachen. Nirvanas Abgesang auf das typische Highschool-Konzert vor einem Sport-Event wird zum Sinnbild einer verkorksten Generation, die sich in Apathie und Hoffnungslosigkeit verliert – die Generation X. Und Cobain zu deren Galionsfigur wider Willen.

Das Anarchy In The U.K. der Generation X

Als Nirvana Ende 1991 in Deutschland auf Tournee sind, hat sich das Bild zu ihren letzten Europakonzerten diametral gewandelt: Noch im Spätsommer spielen sie Support-Shows für Sonic Youth, bei denen Cobain selbst nach der Show am Merchandise-Stand Platten verkauft, drei Monate später ist jede ihrer Headliner-Shows proppenvoll – mit kreischenden Fans, Kamerateams und einer Manie, die man sonst nur von den Beatles oder Stones kannte. Mittendrin: Kurt Cobain, der es schon sehr bald bitterlich bereut, den „ultimativen Pop-Song“ schreiben zu wollen. Sehr bald spielen Nirvana den Song kaum noch live – sehr zum Ärger des Publikums, das zu Teilen nur wegen dieser Nummer da ist.

Der Song über aufbegehrende Teenager wird zum Brandbeschleuniger für Nevermind, das bis Ende 1991 400.000 Exemplare pro Woche absetzt. Und auch wenn Smells Like Teen Spirit von seiner Bedeutung nicht weniger ist als das Anarchy In The U.K. der Generation X, ist der Mainstream-Erfolg doch ultimativ giftig für Cobains Psyche. „Alles ging so schnell damals“, erinnert er sich noch 1994 in einem Interview mit dem Rolling Stone. „Ich wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte. Hätte es einen Rockstar-Abendkurs gegeben, ich hätte zu gern teilgenommen.“ Heute wissen wir: Er hätte viel mehr gebraucht, um das Jahr 1994 zu überleben. Und am besten vielleicht nie die Pixies gehört.

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10 Songs, die die Rockmusik verändert haben – Teil 3

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5 Wahrheiten über den Sound der Deutschen Einheit

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Für alle Insider*innen, jahrzehntelangen Fans, Neugierigen und Einsteiger*innen: Hier nehmen wir uns mal ein paar Minuten Zeit und präsentieren euch fünf Geschichten, Anekdoten oder Fun Facts zu einem Genre, einer Band oder einem/r Künstler*in. Einfach, weil das Leben witzigere, unglaublichere und interessantere Geschichten schreibt, als jede*r Autor*in jemals könnte.

In dieser Woche dreht sich alles um den 3. Oktober 1990, jenen Tag, an dem aus West und Ost wieder ein gemeinsames Deutschland wurde. Knapp ein Jahr zuvor, am 9. November 1989, war die innerdeutsche Mauer gefallen. Ein Ereignis, das auch in der Musik stattfand. Wir liefern fünf Wahrheiten über den Sound der deutschen Einheit.

1. Pink Floyd und die wahrgewordene Utopie

Noch im Juli meinte Roger Waters von Pink Floyd, dass es nur einen einzigen Anlass geben würde, aus dem er das bandeigene Riesenspektakel The Wall noch einmal inszenieren würde – und zwar den Fall der Berliner Mauer. Waters sah dieses Ereignis in so weiter Ferne, dass er sogar in Erwägung zog, dafür seinen Ex-Bandkollegen David Gilmour mit auf die Bühne zu holen. Knapp vier Monate später fiel die Mauer tatsächlich und im Juli 1990 wurde Waters Gedankenspiel Realität: The Wall wurde am Potsdamer Platz noch einmal aufgeführt – zwar ohne David Gilmour, aber dafür mit vielen Auftritten anderer Stars.

2. Der Boss in Ostberlin

Auftritte von westlichen Künstler*innen in der DDR waren rar gesät. 1988 etwa trat Bruce Springsteen in Ostberlin auf. Weil der SED-Zentralrat das Konzert als gute Möglichkeit der massenpolitischen Arbeit der FDJ ansah, wurde Bruce Springsteen eine Auftrittsgenehmigung für die DDR erteilt. Rund 200.000 Bewunder*innen des Bosses kamen zur Radrennbahn Weißensee, wo Springsteen seinem Wunsch Ausdruck verlieh, dass eines Tages alle Barrieren abgerissen werden sollen. Der Satz wurde aus der Übertragung des Konzertes geschnitten – änderte aber nichts daran, dass sein Wunsch gut anderthalb Jahre später Wirklichkeit wurde.

3. Das David-Hasselhoff-Gate

Auch gut 30 Jahre nach dem Mauerfall hält sich das Gerücht wacker, David Haselhoff sei mitverantwortlich für dieses geschichtliche Großereignis, da er wenige Wochen nach der Maueröffnung dort seinen Hit Looking for Freedom sang und sich Menschen aus West- und Ostdeutschland dazu in den Armen lagen. Aber: weit gefehlt. „Ich hatte nie etwas damit zu tun und habe das auch nie gesagt. Niemals“, äußerte sich der Baywatch-Star unlängst gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

4. Das Eigenleben von Freiheit

Wer an Musik und Mauerfall denkt, hat sicherlich auch Freiheit von Marius Müller-Westernhagen im Sinn. Aber: Nicht nur, dass MMW den Song schon drei Jahre vor dem Mauerfall schrieb, nein, er hatte den Fall der Mauer nicht Mal im Sinn. Die Live-Version von Freiheit entwickelte vor dem Hintergrund des Mauerfalls allerdings ein Eigenleben und wurde zur Hymne des Herbstes. „Freiheit zeigt, dass künstlerische Produkte ein Eigenleben annehmen können. Wenn es in diesem Fall dazu gedient hat, dass der Song Menschen Kraft und Hoffnung gegeben hat, ist das ein glücklicher Umstand, der mich natürlich sehr freut“, sagte Marius Müller-Westernhagen gegenüber der TZ.

5. Wind Of Change ist ein rechtlich geschützter Begriff

Klar, Wind Of Change gilt unangefochten als die Hyme der Wende schlechthin. „Mein Gedanke war: Die ganze Welt in einem Boot und alle sprechen eine Sprache – Musik. Im September entstand Wind Of Change in Deutschland und im November fiel die Berliner Mauer. Der Song drückte ein Gefühl der Hoffnung aus, dass wir alle in der Zukunft in einer friedlicheren Welt leben können“, erklärte Klaus Meine mal gegenüber dem Fernsehsender VOX. Der Song machte die Scorpions binnen kürzester Zeit zu Weltstars. Nur logisch, dass Klaus Meine und Rudolf Schenker seitdem Inhaber der Wortmarke Wind Of Change sind.

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10 Songs zum Tag der Einheit: Deutschland, die Mauer und andere Problemchen

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10 Songs zum Tag der Einheit: Deutschland, die Mauer und andere Problemchen

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Foto: Sean Gallup/Getty Images

Am 3. Oktober 1990 war es offiziell: West- und Ost-Deutschland gehören wieder zusammen, die Berliner Mauer fiel schon ein Jahr vorher, der Eiserne Vorhang begann sich nach und nach zu lüften. Wir schauen zurück auf dieses historische Ereignis mit Songs, die damals und in der folgenden Zeit zum Soundtrack des wiedervereinigten Deutschlands wurden.

1. Scorpions – Wind Of Change

Los geht’s mit offensichtlichsten Song: Die sogenannte „Hymne der Wende“ ist auf jeden Fall der kitschigste, aber auch emotionalste und bekannteste Klassiker, den Mauerfall und Wiedervereinigung im Nachhinein hervorgebracht haben. Ein Jahr nach der Maueröffnung und kurz nach dem Zusammenschluss von BRD und DDR war Wind Of Change mit seinem Plädoyer für das Ende der Ost-West-Trennung die perfekte musikalische Untermalung für das, was gerade vor sich ging. So schreibt man Geschichte mit.

2. Westernhagen – Freiheit

Auch wenn dieser Song schon ein paar Jahre vorher veröffentlicht wurde, ist er ganz fest mit der deutschen Einheit verknüpft. Natürlich wegen des programmatischen Titels. Aber auch weil Westernhagen einer der vielen Künstler*innen war, die beim „Konzert für Berlin“ in der Deutschlandhalle auftraten, ein paar Tage nach dem Fall der Mauer. Dass Freiheit in diesem Setting eine extrem emotionale Rolle zukam, versteht sich von selbst.

3. Udo Lindenberg – Horizont

Allerallerspätestens mit dem Musical Hinterm Horizont ist Udo Lindenberg zu einer Galionsfigur für das geteilte Berlin und die Menschen geworden, die trotz aller gemauerten Widerstände zusammen sein wollten. Horizont ist die Liebesballade, die im Zentrum des Musicals steht. Und obwohl Sonderzug nach Pankow die politisch stärkere Hymne ist, berührt einen Horizont doch ein wenig mehr.

4. Die Prinzen – Millionär

Mauer weg, Invasion der Ossis. Für viele Westdeutsche (und natürlich auch ehemalige DDR-Bürger*innen) war die Wiedervereinigung eine mindestens zweischneidige Sache. Auch musikalisch war das Land jetzt vereint, und Die Prinzen wurden zu den ersten neuen gesamtdeutschen Popstars. Millionär war ihr erster putziger Hit.

5. WestBam / Dr. Motte – Sunshine

Techno und House gelten als inoffizieller Soundtrack der Wende – zumindest in Berlin. Mauerfall und Wiedervereinigung fielen eher zufällig mit dem Aufkommen der neuen Jugendkultur zusammen, aber es hätte nicht besser passen können: Auf großen Raves, in neuen Clubs und Events wie der Loveparade feierte Berlin seine neue Zusammengehörigkeit, mit einer Musik, die sich nicht um Ost oder West schert. Dr. Motte und Westbam waren zwei der damaligen Protagonisten, die regelmäßig neue Hymnen für die „ravende Gesellschaft“ produzierte.

6. Tocotronic – Aber hier leben, nein danke

Das neue Deutschland, genau so wie die zwei alten, war für viele nicht unbedingt etwas, mit dem man sich identifizieren konnte oder wollte. Egal, welche politische Meinung man hier hat – besonders die Deutschland-Kritiker*innen aus dem linken Spektrum haben ihre Vorbehalte immer in tolle Musik verpackt. So wie Tocotronic hier. Zwar ist der Titel ziemlich eindeutig, der Text allerdings sehr kryptisch und der Song unglaublich gut.

7. Slime – Deutschland

Andere waren da schon deutlicher: Dieser deutsche Punk-Klassiker stammt zwar aus den 80ern, ist aber bis heute ein Dauerbrenner. Vor allem wenn es darum geht, unserem Land auch mal die Meinung zu geigen. Das muss es schließlich aushalten.

8. Rocko Schamoni – Mauern

Und auch hier muss man ein bisschen ironische Skills mitbringen: Denn unser liebster Hamburger Lebenskünstler Rocko Schamoni empfiehlt bei zu viel sozialen Spannungen, einfach eine Mauer zu bauen. Kennt man ja. Aber ist natürlich auch nicht ganz so ernst gemeint. Die Satire-Partei Die Partei tut allerdings sehr überzeugend so, als würde sie ihre radikalen Forderungen ernst meinen – zum Beispiel, tatsächlich wieder eine Mauer in Deutschland zu errichten. Natürlich wurde Schamonis Song zur ihrer Wahlkampf-Hymne.

9. Pink Floyd – Another Brick In The Wall, Pt. 2

Auch dieser Rock-Klassiker handelt von einer Mauer, aber nur im übertragenen Sinne von der Berliner. Seit Pink Floyd 1988 aber ein Konzert direkt an der Mauer gespielt haben, ist der Song wie der gleich folgende untrennbar mit der Wiedervereinigung verknüpft.

10. David Hasselhoff – Looking For Freedom

Ein bisschen Spaß muss sein, ne? Denn in Expertenkreisen weiß man, dass es vor allem The Hoff war, die die Mauer zu Fall brachte. Looking For Freedom muss man heute schon mit sehr viel Augenzwinkern hören, doch damals war es ein Mega-Hit. Und wenn man sich die Begeisterung bei Hasselhoffs Mauer-Auftritt im Jahr 1989 ansieht, dann kann man schon verstehen, wieso The Hoff so von seiner historischen Leistung überzeugt ist.

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5 Wahrheiten über den Sound der Deutschen Einheit

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10 Songs von Tom Petty, die man kennen sollte

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Tom Petty
Foto: Michael Putland/Getty Images

Während seiner jahrzehntelange Karriere hat Tom Petty mehr großartige Songs komponiert, als man in einem einzigen Text würdigen kann. Diese zehn gefallen uns besonders gut.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einige der besten Songs von Tom Petty anhören:

1. Tom Petty And The Heartbreakers – American Girl (1977)

Als Tom Petty und seine Heartbreakers den Song American Girl auf ihrem Debütalbum veröffentlichen, landen sie damit zunächst nicht den riesigen Erfolg. Doch über die Jahre entwickelt sich das Stück zu einem Klassiker — nicht nur in Pettys Diskografie, sondern auch in der Geschichte der Rockmusik. „She could hear the cars roll by / Out on 441 like waves crashin’ on the beach“, singt Petty in der Nummer. In Conversations With Tom Petty verrät er, wie er auf diesen Text gekommen ist: „Ich habe damals in einem Apartment direkt am Freeway gewohnt. Da sind Autos gefahren. Das war in Encino, in der Nähe von Leon Russells Haus. Ich erinnere mich daran, dass ich dachte, dass die Autos wie der Ozean klingen. Das war mein Ozean. Mein Malibu. Ich habe die Wellen brechen gehört, aber es waren nur die Autos, die vorbeifuhren. Ich denke, dass das die Inspiration für den Text war.“

2. Tom Petty And The Heartbreakers – Refugee (1980)

Bei Refugee handelt es sich um die zweite Single vom dritten Album von Tom Petty And The Heartbreakers. Damn The Torpedoes heißt die Platte und den Durchbruch hat Petty zu jener Zeit längst hinter sich. Mit der Auskopplung Refugee knüpft er nahtlos an seine Erfolge an. Komponiert hat Petty das Stück mit seinem langjährigen Heartbreakers-Weggefährten Mike Campbell, der die Aufnahmesessions in einem Interview von 2003 als ziemlich anstrengend beschreibt: „Das war eine 4-Spur-Aufnahme, die ich bei mir zuhause gemacht habe. Er [Tom Petty] hat den Text über die Musik geschrieben, so wie sie war, ohne Änderungen, aber es hat ewig gedauert, bis wir den Track tatsächlich aufgenommen hatten. Wir hatten einfach Schwierigkeiten, das richtige Feeling hinzubekommen. Wir haben das Ganze bestimmt 100 Mal aufgenommen. Eines Tages war ich so frustriert – ich glaube, das ist das einzige Mal, das sowas getan habe – dass ich einfach das Studio verlassen habe und für zwei Tage aus der Stadt gefahren bin. Ich konnte den Druck einfach nicht mehr aushalten. Aber dann bin ich zurückgekommen, und nachdem wir uns wieder zusammengerauft hatten, haben wir den Song fertiggestellt.“

3. Traveling Wilburys – End Of The Line (1988)

Im Oktober 1988 veröffentlicht Tom Petty sein erstes Album mit den Traveling Wilburys, zu denen außer ihm noch George Harrison, Jeff Lynne, Roy Orbison und Bob Dylan gehören. Auf der Platte befindet sich unter anderem der Song End Of The Line, dessen Strophen Tom Petty im Alleingang singt. Wodurch sich die Traveling Wilburys von vielen anderen Supergroups unterscheiden: Sie sind wirklich super. Das äußert sich auch in dieser Nummer, die zweifellos zu den besten Songs gehört, an denen Petty mitgearbeitet hat.

4. Tom Petty – Free Fallin’ (1989)

Für sein Debüt-Soloalbum Full Moon Fever (1989) verzichtete Tom Petty zum ersten Mal auf seine Heartbreakers. Zumindest fast. So erscheint das Album zwar offiziell nur unter seinem Namen — doch im Hintergrund spannt Petty dann doch wieder fast all seine Bandkollegen ein. Bei der Veröffentlichung kommt es zu einer Verzögerung, weil die Plattenfirma gerade erst das erste Album der Traveling Wilburys rausgebracht hat und noch warten möchte. „Also habe ich weitere Songs geschrieben und mir vorgenommen, alles fertigzustellen und zu veröffentlichen, wenn die Wilburys durch sind“, erinnert sich Petty später in einem Interview. „Ich glaube, dass mein Album durch die zusätzliche Zeit besser geworden ist.“ Besonders sticht der Hit Free Fallin’ hervor, eine Art Ode an Kalifornien und seine Bewohner*innen. „Ich habe jeden Tag diese Autofahrt gehabt“, erzählt Petty in einem Interview mit Billboard von den Aufnahmesessions. „Das Studio lag im Valley und bin jeden Tag von Beverly Hills ins Valley und wieder zurückgefahren. Dabei bin ich immer am Ventura Boulevard vorbeigefahren und habe das Leben dort beobachtet. Und dann habe ich versucht, ein paar dieser Charaktere einzufangen.“

5. Tom Petty And The Heartbreakers – I Won’t Back Down (1989)

Das Stück I Won’t Back Down (ebenfalls von Full Moon Fever) nimmt Petty mit Ex-Beatle und Co-Traveling-Wilbury George Harrison auf. „Ich hatte an dem Tag eine schreckliche Erkältung“, erinnert sich Petty in einem Gespräch mit Mojo. „George ging in einen Laden, kaufte eine Ingwerwurzel, kochte sie und ließ mich meinen Kopf in den Topf stecken, damit der Ingwerdampf meine Nebenhöhlen freimachte. Dann bin ich ins Studio gerannt und wir haben die Aufnahme gemacht.“ Inhaltlich ist das Stück recht unverblümt und handelt davon, sich fremden Kräften zu widersetzen und „keinen Schritt zurück zu machen“. Nicht zuletzt deshalb kam dem Song nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 eine besondere Bedeutung zu.

6. Tom Petty And The Heartbreakers – Runnin’ Down A Dream (1989)

Auch der Song Runnin’ Down A Dream ist auf Full Moon Fever zu finden und nimmt Bezug auf Tom Pettys musikalische Herkunft. So singt er gleich zu Beginn: „It was a beautiful day, the sun beat down / I had the radio on, I was drivin’ / Trees flew by, me and Del were singin’ little Runaway / I was flyin’“. Mit „Del“ meint Petty den US-amerikanischen Liedermacher Del Shannon und mit „Runaway“ dessen gleichnamigen Song. Wegen der Botschaft in Runnin’ Down A Dream hört man das Stück immer wieder bei Sportveranstaltungen und -übertragungen, zum Beispiel bei den NBA Finals 2006 und 2008. Im Februar 2008 dürfen Tom Petty und seine Heartbreakers den Song im Rahmen der Super Bowl Halftime Show zum Besten geben.

7. Tom Petty And The Heartbreakers – Learning To Fly (1991)

Mit Learning To Fly veröffentlichen Tom Petty And The Heartbreakers am 17. Juni 1991 einen Vorgeschmack auf ihr achtes Album Into The Great Wide Open, das am 2. Juli erscheint. Wir lehnen uns wohl nicht zu weit aus dem Fenster, wenn wir behaupten, dass es sich bei dieser Nummer um einen von Pettys größten Erfolgen handelt. Kein Wunder: Nicht nur, dass der Song in musikalischer Hinsicht ein echter Radio-Hit ist. Nein, auch der Text bietet viele Anknüpfungspunkte und es lässt sich beinahe jede Lebenssituation in die Lyrics hineininterpretieren.

8. Tom Petty And The Heartbreakers – Mary Jane’s Last Dance (1993)

In dieser Nummer zeigt sich Tom Petty mindestens zweideutig. So handelt es sich bei Mary Jane zwar einerseits um einen gewöhnlichen Namen. Andererseits steht die Kombination auch für die Droge Marihuana. Heartbreakers-Gitarrist Mike Campbell erklärt dazu im Interview mit songfacts.com: „In den Strophen geht es um ein Mädchen aus Indiana in einer Indiana-Nacht, aber beim Refrain hatte er [Tom Petty] die Geistesgegenwart, dem Ganzen eine tiefere Bedeutung zu geben. Meiner Meinung nach kann man den Song so interpretieren, wie man möchte. Viele Leute denken, dass es sich um eine Anspielung auf Drogen handelt, und wenn man das so möchte, kann das sein, aber es könnte auch einfach ein Liebeslied zum Abschied sein.“ Petty selbst gab im Gespräch mit performingsongwriter.com Folgendes zu Protokoll: „Ich glaube nicht, dass ich den Song über Gras geschrieben habe. Ich glaube, das war einfach der Name von einem Mädchen.“

9. Tom Petty – Wildflowers (1994)

Mit Wildflowers eröffnete Tom Petty im Jahr 1994 sein zweites, gleichnamiges Album ohne die Heartbreakers. Das Songwriting gestaltete sich wohl recht einfach, wie er 2014 in einem Interview mit performingsongwriter.com verrät: „Ich habe einfach tief durchgeatmet und der Song kam heraus. Der ganze Song. Das war ein Bewusstseinsstrom: Worte, Musik, Akkorde. Ich habe es zu Ende gebracht. Ich meine, ich habe ihn einfach in meinen Kassettenrekorder gespielt. Ich habe den ganzen Song durchgespielt und ihn dann nicht mehr wiederholt. Ich habe dreieinhalb Minuten für dieses ganze Lied gebraucht. Danach habe ich das Band tagelang immer wieder abgespielt, weil ich dachte, dass damit etwas nicht stimmen muss, weil es mir einfach zu leicht gefallen ist. Und dann ist mir klar geworden, dass daran wahrscheinlich überhaupt nichts falsch ist.“

1o. Tom Petty – You Don’t Know How It Feels (1994)

Auch You Don’t Know How It Feels ist auf Tom Pettys zweitem Soloalbum Wildflowers zu finden. „You don’t know how it feels to be me“, singt Petty darin. Worum es in der Nummer genau geht, lässt er offen, doch im Allgemeinen scheint der Song davon zu handeln, ein negatives Erlebnis hinter sich zu lassen und zu neuen Ufern aufzubrechen. Auf Gegenwind stößt die Textzeile „So let’s get to the point, let’s roll another joint“, die große Sendestationen wie MTV dazu veranlasst, den Song nur in einer zensierten Version zu spielen.

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„Into The Great Wide Open“: Als Tom Petty zu den Heartbreakers zurückkehrte

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