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Popkultur

So war’s: Paul McCartney live in Berlin

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Am 14.06.2016 spielte Paul McCartney in der fast ausverkauften Berliner Waldbühne ein lang erwartetes Live-Konzert. Wir waren dabei.


Wir haben die Setlist des Paul McCartney Konzerts Song für Song als Playlist nachgebaut – jetzt hier anhören, während du den Artikel liest:


Paul McCartney singt gerade mit 22.000 Zuschauern Love Me Do, als sich mein Sitznachbar – etwas bierselig – zu mir herüber lehnt: “Ey! Wir sehen hier gerade den berühmtesten Musiker den es gibt! Ist das zu fassen?!” 

Recht hat er. Es ist nicht nur die beeindruckende Kulisse der Waldbühne Berlin, welche an diesem Abend Gänsehaut macht: Es ist auch dieser Gedanke, dass der Mensch – der da gerade bestens gelaunt den Zuschauern aus der Seele singt – dieselbe Person ist, die damals gemeinsam mit John Lennon, George Harrison und Stuart Sutcliffe (später Pete Best) allabendlich in kleinen Clubs des Hamburger Rotlichtviertel auf der Bühne stand. Derselbe Mensch, der mit seiner ikonischen Pilzkopf-Frisur die Teenie-Herzen Englands, Deutschlands, Europas, Amerikas – Ach, der ganzen Welt! – eroberte und von diesen vor lauter verzweifelter Leidenschaft nieder geschrien wurde und noch so viel öfter federführend war, wenn Musikgeschichte geschrieben wurde:

Paul McCartney, ewige Referenz für (These!) 87% aller heute aktiven Künstler, steht an diesem Abend im blauen Sakko und weißem Hemd auf der Bühne und strahlt ins Publikum (Notiz an mich: Wenn ich in dem Alter noch so aussehe – Mir selbst ordentlich auf die Schulter klopfen). “Ick freu mich wie Bolle!” ruft er auf Deutsch mit Berliner Dialekt und breitem britischem Akzent ins Publikum – es sollte nur einer von vielen deutschen Sätzen sein, mit denen Paul zwischen den Songs die Nähe zum Publikum sucht.


Paul spielt Let It Be und erzählt vorher noch, was eigentlich die russische Regierung von den Beatles hält:


Die schönsten Erinnerungen sind geteilte Erinnerungen

Dabei kann von Distanz zwischen Künstler & Zuschauern an diesem Abend keine Rede sein:

Das Set wird eröffnet mit A Hard Day’s Night (The Beatles) und sofort übernimmt eine gemeinschaftliche, verbindende Euphorie die Gefühlswelt der Anwesenden. Es wird laut gesungen, teils getanzt, teils gewippt, auf jeden Fall frenetisch geklatscht und gejubelt – für viele hier ist die Musik von Paul & den Beatles der Soundtrack ihres Lebens. Die jüngeren Leute sind aber ebenso begeistert, textsicher und offensichtlich verzaubert davon, dass sie nach diesem Abend sagen werden können: “Ich habe Paul McCartney noch live gesehen!”

Es folgen Songs seiner Band Wings (Das wunderbare getragene Letting Go, das gefeierte Band On The Run und das von spektakulärem Feuerwerk begleitete Live And Let Die), seine Solo Werke (Das Groove-Monster Queenie Eye etwa oder auch FourFiveSeconds, dass er an diesem Abend in einer starken Version alleine vorträgt, im original aber von Rihanna & Kanye West gesungen wird) und, The Beatles, immer wieder Beatles. Spielt er die Songs der Fab Four, erreicht nicht nur die Begeisterung der Zuschauer jedesmal ein neues Peak, es wird auch besonders nostalgisch:

Auf der großen Videoleinwand im Hintergrund der Bühne werden originale Filmaufnahmen der Beatles eingeblendet: Im Studio, auf der Bühne, unterwegs, herum albernd, ernst, verspielt – so kannte man die Jungs. So riesig die – aus verschiedenen Gründen – abwesenden Herren Starr, Harrison & Lennon auf der Leinwand erscheinen, so riesig sind auch ihre Schatten, die sie über diesen Abend werfen: In manchen Momenten ist Paul mehr Medium als Musiker – eine Art Schnittstelle zu jener Zeit als die größte Band der Geschichte (Behaupten ja manche) noch zusammen Songs schrieb, die die Welt bedeuten. Die individuelle Erinnerung, den eigenen Bezug, den jeder einzelne Zuschauer zu den Songs der Beatles hat, verschmilzt in diesem Moment zu einem kollektiven Popkultur Gedächtnis, dessen Erinnerungen gerade zum Leben erwachen und in Form von Mr. McCartney auf der Bühne stehen. Gänsehaut.


Paul McCartney Berlin Live


Überväter des gesamten Abends: John, George, Ringo – und Paul

Can’t Buy Me Love, Love Me Do, Let It Be, Hey Jude, Yesterday und so viele Songs mehr – allein die Songs der Beatles würden diesen Abend zu einem Hit Feuerwerk verwandeln, aber auch jeder andere Song aus seiner Karriere steht für sich alleine, ist vielleicht nicht ganz so kulturell aufgeladen, aber musikalisch absolute Premium Liga. Paul McCartney schreibt seit über 50 Jahren Melodien, die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen. Er hat modernes Pop Songwriting quasi erfunden, seine Ideen sind der Präzedenzfall für eine Armada an Liedern, die danach kommen sollten. So ist es kein Wunder, dass sein Set eine unfassbar hohe Dichte an Hits & Klassikern aufweist.

Golden Slumbers, Carry That Weight & The End, sind die letzten Stücke auf Abbey Road, dem letzten aufgenommenen Beatles Album, und sie beenden auch diesen Abend. In den Gesichtern der Zuschauer lassen sich Glückseligkeit und tiefe Zufriedenheit ablesen – Danke, Paul & komm bald zurück!


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