„The Crow“ wird 30: Es kann ja nicht immer regnen

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Am 13. Mai 1994 kam „The Crow“ in die Kinos – ein mythenumwobener Film, der Hauptdarsteller Brandon Lee bei einem Unfall am Set das Leben kosten sollte. Was den auf einem Comic basierenden Film so besonders machte, waren nicht nur die Handlung und die Dialoge an sich, sondern auch die Atmosphäre, die düsteren, gotischen Bilder – und die musikalische Untermalung. Dazu zählt einerseits die Filmmusik von Graeme Revell – ein reduziertes, zwischenweltliches Meisterstück in Sachen Score. Aber auch und ganz besonders der Soundtrack des Films, also die darin vorkommenden Songs, sind ein unvergessliches Kunstwerk.

von Markus Brandstetter

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 Don’t look don’t look, the shadows breathe“

Sinistre Geräusche ertönen, eine Art unerkennbares Murmeln. Es ist hier immer finster, daran herrscht kein Zweifel. Die Atmosphäre schwillt an, immer mehr, immer intensiver. „Don’t look don’t look, the shadows breathe / Whispering me away from you“ – und dann: „Oh don’t talk of love, the shadows purr / Murmuring me away from you / Don’t talk of worlds that never were / The end is all that’s ever true“: Was wie ein Gedicht von Edgar Allan Poe klingt, ist der Song Burn, ein Stück, das The Cure eigens für den Soundtrack des 1994 erschienenen Films The Crow geschrieben haben. Das Ende ist am Ende das einzige, was uns allen bleibt – The Cure schufen einen großartigen Song, den sie erst einige Jahrzehnte später begonnen haben, live zu spielen. Burn komprimiert in 6 Minuten und 39 Sekunden die Essenz des Films: Dunkelheit, Beklemmung, Trauer, Sehnsucht und die mögliche Erlösung.

Auch der zweite Song hält das Gefühl der Beklemmung auf dem Maximum. Golgotha Tenement Blues heißt der Song von Machines Of Loving Grace, einer 1999 aufgelösten Industrial-Band aus Arizona. Es ist die optimale dramaturgische Weiterführung von Burn, weniger melodisch, noch durchtriebener. Wir befinden uns längst mitten in der Nacht des Teufels, die Stadt brennt wie jedes Jahr, die Welt ist keine Schöne. „I am the chosen one“ singt Sänger Scott Benzel immer wieder wie ein Mantra.

Und dann als drittes Stück, die Verschnaufpause – und einer der Übersongs des Soundtracks. Eigentlich wollten Stone Temple Pilots dem Film einen anderen Song mit dem Arbeitstitel Only Dying zur Verfügung stellen. Als Hauptdarsteller Brandon Lee aber während des Films tödlich verunglückte, fand man The Big Empty passender – und gab damit einen der besten STP-Songs überhaupt her.

Dann kommen Nine Inch Nails, und wieder treibt der Beat, und wieder ist es die logische Weiterführung. Reznor & Co. nehmen sich des Joy-Division-Songs Lost Souls an. „Someone take these dreams away / That point me to another day / A duel of personalities / That stretch all true“, singt Reznor – und dann immer wieder, flehend: „They keep calling me“.

Es ist nicht die einzige interessante Coverversion auf dem Soundtrack: Pantera knöpft sich den Poison-Idea-Song The Badge vor, die Rollins Band performt Ghost Rider von Suicide. Unvergesslich auch Rage Against The Machine mit ihrem Stück Darkness. Manche der Songs sind auch unverkennbar der Rocksound der 1990er-Jahre, etwa Slip Side Melting von For Love Not Lisa und Milktoast von Helmet.

Ganz am Ende kommt die Erlösung. Im Film, aber auch auf dem Soundtrack. Es kann schließlich nicht immer regnen, auch nicht in einer desolaten Stadt, auch nicht in einer kaputten Welt, auch nicht auf den Gräbern. It Can’t Rain All The Time von Jane Siberry, das sie gemeinsam mit Graeme Revell schrieb, ist ein sirenenhafter Abgesang. „And though the night is long / Your tears won’t fall forever“, heißt es darin – und dann eben das Versprechen, dass es nicht immer regnet. Zu dieser Zeit ist Eric Draven in die Arme seiner Shelly zurückgekehrt, die Opponenten mit einer durchaus etwas glorifizierten Rache getötet, der Regen wischt die Nacht des Teufels und dann sich selbst weg.

Gemeinsam mit der musikalischen Untermalung von Graeme Revell – reduziert, spärlich, meditativ, oft E-Gitarrenbasiert und damit auf Eric Draven zugeschnitten – machte der Soundtrack den Film erst zu dem Meisterwerk, das er ist. The Crow ist ein Stück 1990er-Jahre. Ein Mythos, traurig und unvergessen. Ein Film, der in Wahrheit mehr von seiner Atmosphäre lebt als von irgendetwas anderem – und der Soundtrack ist ein wesentlicher Teil dieser Atmosphäre.

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