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Popkultur

The Rolling Stones im Hyde Park: Ein historischer Moment, der die Band prägte

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The Rolling Stones live 1969 im Hyde Park
Foto: Daily Mirror/Mirrorpix via Getty Images

Die größte Rock and Roll Band der Welt. Sie sind unfassbar: die Rolling Stones!“

Es war das erste Mal, dass die Band so bezeichnet wurde. Heute ist dieser Satz gleichbedeutend mit „The Rolling Stones. Es war Sam Cutler von Blackhill Enterprises, die die ersten kostenlosen Konzerte im Hyde Park veranstalteten, der dort mit Blick auf geschätzt 250.000-500.000 Zuschauer*innen auf der Bühne stand und diesen einfachen Satz aussprach.

Der Auftritt der Stones 1969 war nicht das erste Rockkonzert in Londons berühmtem Park, es war definitiv nicht das letzte und vermutlich auch nicht das beste, aber es ist das Konzert, über das alle reden. In einer bestimmten Altersgruppe kann man jede*n fragen, ob sie bei „dem Hyde Park Konzert waren – alle wissen sofort, von welchem Konzert die Rede ist. Es gibt viele Dinge, die es zu einem besonderen Ereignis machten, nicht zuletzt der Tod von Ex-Rolling-Stone Brian Jones zwei Tage zuvor. Es war ihr erstes Konzert nach zwei Jahren und das erste für Gitarrist Mick Taylor, der erst einen Monat vorher für Jones eingestiegen war.

Mick Jagger betrat an diesem Abend die Bühne in einem mittlerweile berühmten von Michael Fish designten und vom griechischem Stil inspirierten weißen Gewand und sagte: „Okay! Hört mal zu! Könnt ihr euch kurz beruhigen, ich möchte gerne etwas für Brian sagen. Es wäre toll, wenn ihr kurz zuhört. Ich möchte kurz meine Gefühle für Brian zum Ausdruck bringen und ich tue das mit Shelleys [Dichter Percy Bysshe Shelley, Anm. d. Red.] Worten:

Still, still! Er ist nicht tot, noch bannt ihn Schlaf -–

Er ist vom Traum des Lebens aufgewacht,
Wir sind‘s, die noch im Schatten, der uns traf,
Phantome jagen durch des Daseins Nacht…“

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Als Mick Jagger seinen Vortrag beendet hatte, entließ Tourmanager Tom Keylock mehr als 3.000 weiße Schmetterlinge gen Himmel – eine Geste, die die Band £300 kostete, aber zusammen mit Micks „Kleid, zu den unvergesslichsten Eindrücken des Konzertes gehörte. Als die Stones 2013 im Hyde Park auftraten, trug Mick ein blaues Jackett mit einem weißen Schmetterlingsmotiv.

Legenden im Hyde Park

Es waren fast auf den Tag genau sieben Jahre seit dem allerersten Gig der Band, sechs seit der Veröffentlichung ihrer Debütsingle und fünf seit dem Beginn ihres weltweiten Siegeszuges vergangen. Der Auftritt der Stones im Jahr 1969 war nicht das erste Rockkonzert auf Londons berühmter Grünfläche: Ein Jahr zuvor waren Pink Floyd die Headliner bei der ersten kostenlosen Veranstaltung; und viele weitere Bands folgten – darunter z.B. die nur kurz existierende Band Blind Faith von Eric Clapton und Steve Winwood im Juni 1969, bei der auch Mick Jagger und Marianne Faithfull anwesend waren.

Charlie Watts erinnerte sich 2013 zurück: „Als Blind Faith auftraten, wurde mitten auf dem Rasen eine Bühne aufgebaut, Schlagzeug und Verstärker draufgestellt und die Leute versammelten sich einfach drumherum. Wir hatten eine klitzekleine Bühne auf einem Metallgerüst, Schlagzeug und eine Art Backdrop für Mick mit seinem weißen Kleid, und die Leute kamen einfach. Mittlerweile ist das Areal ja immer richtig abgesperrt. Dann begann das Konzert. Es überraschte ein wenig, dass sie mit I’m Yours And I’m Hers eröffneten, was nicht einmal ein Stones-Song ist, sondern vom texanischen Blues-Gitarristen Johnny Winter stammte und auf seinem erst einen Monat zuvor auf Columbia erschienenen Debütalbum zu finden war. Keith hatte es im Juni gekauft und vorgeschlagen, das Konzert damit zu eröffnen. Es war das einzige Mal, dass die Rolling Stones diesen Song live spielten.

Als nächstes gab es  eine weitere Live-Premiere mit Jumpin’ Jack Flash. Aber wenigstens war dieser Song beim Publikum gut bekannt – immerhin war er im vorherigen Sommer zwei Wochen auf Platz eins der Charts gewesen. Auf ihrer US-Tour im Herbst 1969 begannen die Stones jeden Abend mit diesem Song. Auch Mercy Mercy von Don Covay lag nicht unbedingt auf der Hand, denn der Track war schon im Mai 1965 für Out Of Our Heads aufgenommen worden. Ebenso Stray Cat Blues und No Expectations, die die Band noch nie live gespielt hatten und die ursprünglich auf Beggars Banquet erschienen waren.

Auch I’m Free vom Album Out Of Our Heads wurde an diesem Abend zum ersten Mal live gespielt. Down Home Girl war der älteste Stones-Song auf der Setliste. Er war bereits 1964 aufgenommen worden und auf der zweiten britischen Albumveröffentlichung der Stones erschienen. Und nach diesem alten Song spielten sie einen noch viel älteren Song: ein Cover von Robert Johnsons Love In Vain von 1937. Für die Band war der Song allerdings ziemlich neu, denn sie hatten ihn erst wenige Monate zuvor aufgenommen; er erschien Ende 1969 auf Let it Bleed.

Loving Cup war ein neuer Song von Mick und Keith, an dem sie im Studio feilten. 1972 erschien er endlich auf Exile on Main St. Danach spielten sie ihre neue Single Honky Tonk Women, und dann Midnight Rambler, der später der erste Song auf Seite zwei von Let It Bleed wurde; manche Presseberichte über das Hyde Park Konzerte schrieben allerdings „The Boston Gambler.

Satisfaction war zu dem Zeitpunkt der einzige überlebende Song von der letzten Stones Tour im April 1967. Street Fighting Man kam vor Sympathy For The Devil – beide vom Album Beggars Banquet. Beim letzten Song erhielten die Stones Verstärkung von Ginger Johnsons African Drummers; Johnson war ein Urgestein der Londoner Jazzclubszene.

Sam Cutlers Intro der ‘Größten Rock and Roll-Band der Welt’ war spontan und ist mittlerweile mehr als angemessen. Cutler hat die Band auch auf der kompletten US-Tour ein paar Monate später so angekündigt und man hört den Satz auch auf Get Your Ya Yas Out, dem Livealbum von dieser Tour. Auf Ya Yas wurde die Band dieser Beschreibung definitiv gerecht, aber im Hyde Park sah das anders aus: Vielmehr als eine Rock and Roll Band, waren sie hier eine Bluesband – und das wollten sie bei ihrer Gründung 1962 auch sein.

Ein Musikmagazin schrieb eine Woche später: „99% des Publikums war zum Zuhören gekommen und nicht zum Kreischen, wie das vielleicht vor fünf Jahren noch der Fall gewesen wäre. Die Zeiten änderten sich…

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