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Popkultur

„To The 5 Boroughs“ von den Beastie Boys: Ein Liebesbrief an New York City

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Beastie Boys
Foto: BERTRAND GUAY/AFP via Getty Images

Der lange Schatten von 9/11 liegt drückend auf To The 5 Boroughs: 2004 melden sich die Beastie Boys nach langer Stille mit einem zentnerschweren Hip-Hop-Manifest zurück. Trauerverarbeitung in Rap dur.

von Björn Springorum

Es ist das Hip-Hop-Comeback des Jahres, ach was, des Jahrzehnts. Quatsch, des noch jungen neuen Jahrtausends: Im Juni 2004 melden sich die Beastie Boys zurück. Endlich, nach sechs langen Jahren des Schweigens, sind die Söhne New York Citys, die Vorbilder selbst solch einflussreicher Bands wie Public Enemy zurück. Doch die Stadt, die sie aufgezogen hat, die sie genährt und groß gemacht hat, ist nicht mehr dieselbe: Drei Jahre zuvor fliegen Flugzeuge ins World Trade Center, tausende Menschen sterben, die Stadt verschwindet unter einer Wolke aus Asche und Trauer.


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Mit Yoko Ono gegen Gewalt

Die Beastie Boys sind bis ins Mark getroffen. Das ist ihre Stadt, ihre Heimat. Schon im Oktober 2001 organisieren sie das New Yorkers Against Violence-Festival, um für Frieden und gegen Gewalt anzusingen. Unter anderem beteiligt: Moby, die Strokes und Yoko Ono. Langsam berappelt sich die wahrscheinlich einflussreichste Rap-Crew der Ostküste. Viele Augen schauen damals auf die Band, viele wünschen sich ein musikalisches Statement, ein Album der Aufarbeitung, ein neues Manifest für New York City.

Das kommt auch. Aber es dauert. Erst mal baut sich Adam „MCA“ Yauch, einer der Gründer, ein neues Studio. Mitten in Manhattan. Mit den Oscilloscope Laboratories erschafft er ein Refugium der Kreativität, in dem die Beastie Boys ihre erste Platte seit vielen Jahren aufnehmen werden. Zwischen 2002 und 2004 entsteht hier das Album To The 5 Boroughs, was schon mit seinem Titel klarmacht, was es ist: ein Bekenntnis zur Stadt, die niemals schläft. Und doch fast nicht mehr aufgewacht wäre.

Kollektive Traumabewältigung

Am 14. Juni 2004 erscheint die sechste Platte der Beastie Boys. Es ist die erste, die sie in kompletter Eigenregie aufgenommen haben. Und die dritte, die direkt an die Spitze der US-Charts stürmt. Mit Swagger, Ironie, Timing und bei aller Ernsthaftigkeit leicht reflektieren die Beastie Boys, was der 11. September 2001 in der Stadt angerichtet hat. Sie vereinen die simplen Beats und geradlinigen Strukturen von Ill Communication mit der schäumenden Energie von Paul’s Boutique zu einem neuen Rap-Mantra für den Big Apple. Wieder mal untersuchen die Beastie Boys, was Hip-Hop eigentlich ist, was er war und was er sein kann. Die Ausgelassenheit der Jugend umarmt eine hart umkämpfte Weisheit, die die Band nicht mehr hergeben will.

Höhepunkt ist natürlich An Open Letter To NYC, der ultimative Liebesbrief an die Stadt und ihre tausend Gesichter. Natürlich handelt der Text also von der Liebe der Künstler zu ihrer Stadt, aber auch von den Anschlägen und der unbequemen Tatsache, dass es tiefere Fehler im System gibt, die man nur auswetzen kann, wenn man zusammensteht. Keine neue Erkenntnis, aber genau das, was man sich jetzt von den Beastie Boys gewünscht hat.

Ohne Kontroversen geht’s nicht

Das Album sorgte aber natürlich auch für einige Kontroversen, denn hey: das hier sind immer noch die Beastie Boys. Das sind die Rowdys, deren Welttournee 1987 für massenhaft Ausschreitungen, Randale und Festnahmen sorgte. Diesmal läuft das ganze allerdings glimpflich ab: Zur Veröffentlichung kursierte das Gerücht, das Album installiere Spyware, sobald es in das CD-Laufwerk eines Computers eingelegt wird. Die Band weist diese Behauptung zurück und verweist darauf, dass lediglich eine Kopierschutzsoftware namens Macrovision CDS-200 darauf installiert ist.

Zwei weitere Alben werden noch folgen. Dennoch ist To The 5 Boroughs das letzte traditionelle Rap-Werk der Beastie Boys. Danach kommt eine Instrumentalplatte, bevor der finale Akt, das elektronische und seltsame Hot Sauce Committee Part Two erscheint. Mit dem Tod von Gründer Adam Yauch 2012 ist dann auch die Geschichte der legendären Beastie Boys zu Ende.

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Licensed To Ill: Der Startschuss für die Beastie Boys

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