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Popkultur

15 Anti-Weihnachtssongs: 15 Alternativen für alle, die das seichte Frohlocken nicht mehr hören können

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Foto: uDiscover Music

Euch ist aktuell eher nach „Lasst mich mit den ganzen Schnulzen in Ruhe!“ als nach Zimtsternen und Krippenspiel zumute? Mit den ultimativen Anti-Weihnachtssongs kann man einen wunderbaren Bogen um schmalzig-verschneite Evergreens machen – und bekommt obendrein sogar noch ein wenig Anarcho-Stimmung serviert.

von Tim Peacock

Für alle, denen es zu sehr weihnachtet

Weihnachten gilt gemeinhin als Fest der Liebe, der Ruhe und Besinnlichkeit: Ein wonnig-freudiger Höhepunkt für alle und jede*n, die dem Frohlocken nicht abgeneigt sind. Doch es gibt auch Leute, die damit rein gar nichts anfangen können. Ein möglicher Grund wäre, dass man einen geliebten Menschen in diesen Tagen sogar noch intensiver vermisst; aber natürlich gibt es auch viel weniger dramatische Anlässe: Womöglich hat man sich an den schmalzigen Weihnachtsschmonzetten einfach überhört? Hat genug von der ganzen glockenklingenden Völlerei? War so oder so noch nie ein großer Fan von Schlitten mit Rentierantrieb? Wie dem auch sei: Für alle, denen es emotional schon seit Tagen etwas zu sehr weihnachtet, hier kommt Abhilfe – musikalisches Gegengift. Unsere Top 15 der ultimativen Anti-Weihnachtssongs, die selbst den hartnäckigsten Santa Claus wieder in Richtung Nordpol verjagen dürften…

15. The Fall: No Xmas For John Quays

Für all diejenigen, die von einem griesgrämig-geerdeten Weihnachtsfest träumen, kann es keine bessere Adresse als die von Mark E. Smith geben – dem Anfang 2018 verstorbenen Frontmann von The Fall. Schließlich präsentierten die schon auf ihrem Debüt Live At The Witch Trials aus dem Jahr 1979 auch den Titel No Xmas For John Quays: Kondensierter Anti-Weihnachtsgeist als Post-Punk-Rundumschlag, quasi eine vertonte Euphoriebremse. Smith lässt sich hier kryptisch über Weihnachten („The ‘X’ in ‘Xmas’ is a substitute crucifix for Christ“) und Junkies aus, während seine Band immerhin knapp fünf Minuten lang gnadenlos auf ein und dasselbe Riff eindrischt.

14. The Damned: There Ain’t No Sanity Clause

Tatsächlich hatten The Damned mit der Single There Ain’t No Sanity Clause aus dem Jahr 1980 auch darauf spekuliert, ein wenig Profit aus der lukrativen Vorweihnachtszeit zu schlagen. Obwohl es sich bei diesem Song um eine echte Hymne handelt, kletterte die Nummer – trotz einiger Neuauflagen – dann doch nie höher als bis auf Platz 97 in den britischen Charts. Der antiweihnachtliche Titel war wohl doch nicht so massenkompatibel, obwohl sich die Band damit genau genommen auf den Film Skandal in der Oper von den Marx Brothers bezog, in dem Groucho seinem Kollegen Chico erklären will, wie eine „sanity clause“ (eine „Verstandesklausel“) in einem Vertrag funktioniert. Letzterer will es besser wissen und ruft sogleich, ihn könne man nicht zum Narren halten – „es gibt doch gar keinen Santy Clause!“

13. Brenda Lee: Christmas Will Be Just Another Day

Seit gut 60 Jahren im Rampenlicht, verbindet man den Namen der aus Georgia stammenden Brenda Lee automatisch mit Weihnachten – nicht zuletzt dank Rockin’ Around The Christmas Tree. Jener Trademark-Hit aus den frühen Sechzigern war dabei nur einer von vielen Festtagssongs, die ihr Album Merry Christmas From Brenda Lee vereinte, das 1964 sogar die US-amerikanischen Top-10 aufmischen sollte. Auf der bei Decca Records veröffentlichten LP war neben Klassikern wie Jingle Bell Rock und Winter Wonderland auch der Song Christmas Will Be Just Another Day vertreten: Ein schwermütiger Titel über Einsamkeit und eine verlorene Liebe, der nie würdevoller klingen sollte als in dieser Version.

12. Danny Elfman: Kidnap The Sandy Claws

Tim Burtons Stop-Motion-Klassiker Nightmare Before Christmas (1993) wurde von Disney zwar im Vorfeld noch als „zu gruselig für Kinder“ eingestuft, entpuppte sich dann aber doch als massiver Kinohit; dazu sollte der Film im Jahr drauf sogar für den Oscar in der Kategorie „Beste visuelle Effekte“ nominiert werden – eine Ehre, die bis dahin noch keinem Animationsfilm zuteilgeworden war. Herausragend war dabei auch der Soundtrack von Komponist Danny Elfman, zu dessen Highlights der Titel Kidnap The Sandy Claws zählt: Ein ultraeingängiger und zugleich haarsträubender Titel über die Entführung des Weihnachtsmanns, der daraufhin erst gefoltert wird und dann auch noch über die Klinge springen muss.

11. Big Star: Jesus Christ

Das letzte Wort darüber, was Alex Chilton von Big Star nun genau im Sinn hatte, als er diesen Song aufnahm – der auf den ersten Blick ja doch so weihnachtlich wie ein Krippenspiel zu sein scheint –, ist noch nicht gesprochen. Auf jeden Fall landete das Stück auf Third, jenem dritten Album, das zunächst unvollendet blieb, als seine Power-Pop-Combo aus Memphis im Jahr 1974 implodierte. Die legendären Zeilen (u.a. „Royal David’s City was bathed in the light of love“) und auch den packenden Refrain präsentiert Chilton mit scheinbarem Ernst, doch wenn man bedenkt, wie viel Sarkasmus bei anderen Album-Highlights wie beispielsweise Thank You Friends im Spiel war, drängt sich der Gedanke auf, dass auch Jesus Christ letztlich als Anti-Weihnachtssong intendiert war. Wie dem auch sei:  Das Stück ist der Hammer – und gerade diese Ambivalenz macht es sogar noch ein bisschen zeitloser.

10. blink-182: I Won’t Be Home For Christmas

Eine der unmissverständlichsten Anti-Weihnachtshymnen überhaupt: I Won’t Be Home For Christmas von blink-182 macht absolut keinen Hehl aus seiner Anti-Haltung, so dass selbst ein Ebenezer Scrooge daran seine Freude gehabt hätte. Die Pop-Punk-Legenden aus dem sonnigen Kalifornien servieren zunächst handfeste Wir-haben’s-satt-Zeilen wie „It’s time to be nice to the people you can’t stand all year/I’m growing tired of all this Christmas cheer“, um im Nachgang richtig schön mit der Baseball-Keule draufzuhauen. Aus irgendeinem Grund kam dieses vertonte Statement besonders gut bei den kanadischen Fans an, wo die Single im Jahr 2001 gleich fünf Wochen am Stück den ersten Platz belegte.

9. Loretta Lynn: Christmas Without Daddy

Auf Loretta Lynns Country Christmas-Album, 1966 bei Decca Records veröffentlicht, gelang es der US-Musikerin, weihnachtliche Standards wie Frosty The Snowman und White Christmas sowie ein paar Eigenkompositionen zu einem schlüssigen Ganzen zu verbinden. Obwohl die Kritiker*innen das Album durchweg feierten – Billboard sprach sogar von „grandiosem Material fürs Radioprogramm der Country-Sender, das sich obendrein sehr gut verkaufen wird“ –, schaffte es Country Christmas ausnahmsweise nicht in die Charts. Trotzdem ist und bleibt es ein fantastisches Werk, und der Song Christmas Without Daddy ist dermaßen trübsinnig und erschütternd, dass man unbedingt Taschentücher griffbereit haben sollte.

8. Eels: Christmas Is Going To The Dogs

Jene Art von wunderbar schrägem Alt-Pop, für die man Mark „E“ Everett einfach lieben muss: Das gar nicht mal so bekannte Stück Christmas Is Going To The Dogs erschien passenderweise im Jahr 2000 auf dem Soundtrack zu Ron Howards Anti-Weihnachtsfilm Der Grinch, um fünf Jahre später noch einmal auf einer grandiosen Raritäten- und Outtake-Kollektion von Eels zu landen, der Mr. Everett den abschätzigen Titel Useless Trinkets verpasste.

7. Sparks: Thank God It’s Not Christmas

Auf ihrem Album Kimono My House, mit dem Sparks 1974 ihren Durchbruch feierten, befanden sich nicht nur Vorzeige-Hits wie This Town Ain’t Big Enough For The Both Of Us, sondern auch viele weitere Highlights wie die Albert-Einstein-Hommage Talent Is An Asset oder auch der überdimensionale Breitformatpop von Thank God It’s Not Christmas. Verziert mit ein paar verschrobenen Zeilen, wie man sie von Songwriter Ron Mael kennt, dürfte dieser Song in Sachen Anti-Weihnachts-Feelings für dieses Jahr eigentlich genügen. Erst 2014 sagte Sänger Russell Mael in einem Interview: „Wenn sich dann die Weihnachtszeit nähert, erinnern wir uns und alle anderen an jeden Tag des Jahres, der gerade nicht auf den 25. Dezember fällt.“

6. Greg Lake: I Believe In Father Christmas

Sonst bekanntermaßen ein Drittel von Emerson, Lake & Palmer, startete Greg Lake 1975 seine Solokarriere mit dem Titel I Believe In Father Christmas – und schaffte es damit bis auf Platz 2 der UK-Charts, gleich hinter Bohemian Rhapsody von Queen. Der Song wurde postwendend als Weihnachtstitel abgestempelt, obwohl Lake damit ursprünglich vor allem Kritik üben wollte: an der offenkundigen und krassen Kommerzialisierung des Fests. Bissige Zeilen wie „Hallelujah, Noel, be it heaven or hell/The Christmas we get, we deserve“, geschrieben von Pete Sinfield, lassen daran nun wirklich keine Zweifel.

5. Nat „King“ Cole: The Little Boy That Santa Claus Forgot

Nat „King“ Cole hat viel Festliches aufgenommen, unter anderem Meilensteine wie Deck The Halls und Silent Night, aber er hat obendrein auch einen der herzzerreißendsten Weihnachtstitel überhaupt eingesungen: The Little Boy That Santa Claus Forgot. Geschrieben im Jahr 1937, hatte Vera Lynn das Stück schon vor ihm aufgenommen, aber Coles Interpretation dieser unsagbar traurigen Ballade gilt als die beste. Was für ein Schock, dass Santa Claus die Wünsche des vaterlosen Kleinen einfach vergisst: „He sent a note to Santa for some soldiers and a drum/It broke his little heart when he found Santa hadn’t come“, heißt es im Text des Titels, der 1956 als B-Seite des ganz anderes klingenden The Christmas Song (Merry Christmas To You) veröffentlicht wurde.

4. King Diamond: No Presents For Christmas

Metal – unabhängig davon, ob nun Black-, Thrash- oder sonst eine Untergattung davon – ist wahrscheinlich das am besten geeignete Genre, um darin düstere Anti-Weihnachtsstimmungen zum Ausdruck zu bringen. Höchste Zeit also, den Blick auf No Presents For Christmas von King Diamond zu richten. Für ihre erste Single aus dem Jahr 1985 setzten die Dänen auf einen diamantharten Rundumschlug, der als Jingle Bells-Parodie beginnt, um dann jegliches Weihnachtsfrohlocken mit Panzer-Riffs platt zu walzen. Kein Wunder, dass No Presents For Christmas nach wie vor zu den größten Songs der Band zählt.

3. Kate Nash: I Hate You This Christmas

Ganz klar das Highlight ihrer 2013 veröffentlichten EP Have Faith With Kate Nash This Christmas, beginnt Kate Nashs Song I Hate You This Christmas eigentlich ganz unauffällig, lebhaft und locker – bis dann der Refrain einsetzt und es heißt: „It’s Christmas once again, but you’re f__king one of my friends!“ Das geht natürlich nicht! Danach driftet die ganze Angelegenheit ohne Umschweife ab in Richtung Ich-hab-eine-Höllenwut-und-sag-es-auch-ganz-offen. Gegenüber dem NME kommentierte die UK-Songwriterin damals: „I Hate You This Christmas handelt von einer Trennung, die einem das Weihnachtsfest versaut. Es geht darum, betrogen zu werden und nach Hause zu gehen und zu verlegen zu sein, um es den Eltern zu erzählen. Gerade an Weihnachten ist so ein gebrochenes Herz einfach Mist!“

2. Miles Davis: Blue Xmas (To Whom It May Concern)

Bissig, zynisch – und dabei doch absolut cool: Blue Xmas (To Whom it May Concern) heißt dieser große Wurf von Jazz-Ikone Miles Davis und dem 2018 verstorbenen Sänger Bob Dorough. Sie widmeten sich 1962 den Schattenseiten der Festtage, verschnürten ihr andersfarbiges Fest mit mürrischen Bläsern und Swing-Beats. Ursprünglich auf einem Compilation-Album mit dem Titel Jingle Bell Jazz veröffentlicht, auf dem auch Songs von Duke Ellington und Dave Brubeck vertreten waren, erteilt der Song dem ganzen Weihnachtskommerz („all the waste/all the sham“) eine klare Absage und spricht danach auch das Problem der Obdachlosigkeit an: Themen, die auch nach gut einem halben Jahrhundert leider noch immer nichts an Aktualität eingebüßt haben.

1. Spinal Tap: Christmas With The Devil

Der Teufel soll ja angeblich für die besten Songs verantwortlich sein – und so darf er denn auch an der Spitze dieser Top 15 nicht fehlen: Endlich ein Titel, der offen dem Beelzebub huldigt! Zugleich ist damit der Moment gekommen, vor dem Altar der fiktiven Metal-Götter Spinal Tap niederzuknien, die ja buchstäblich durch die Hölle gehen mussten, um diese unfassbar satanisch-grandiose Anti-Weihnachtshymne zu erschaffen. Allein der Detailreichtum: „The elves are dressed in leather and the angels are in chains/The sugar plums are rancid and the stockings are in flames“, hieß es auch bei der berüchtigten Saturday Night Live-Prämiere im Jahr 1984. Sicherlich ist auch die Konkurrenz nicht ohne, doch gibt es auf dieser Liste tatsächlich nur diesen einen Titel, der in Sachen Anti-Festlichkeit sogar 11 von 10 Punkten abräumt.

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