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Popkultur

15 Anti-Weihnachtssongs: 15 Alternativen für alle, die das seichte Frohlocken nicht mehr hören können

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Foto: uDiscover Music

Euch ist aktuell eher nach „Lasst mich mit den ganzen Schnulzen in Ruhe!“ als nach Zimtsternen und Krippenspiel zumute? Mit den ultimativen Anti-Weihnachtssongs kann man einen wunderbaren Bogen um schmalzig-verschneite Evergreens machen – und bekommt obendrein sogar noch ein wenig Anarcho-Stimmung serviert.

von Tim Peacock

Für alle, denen es zu sehr weihnachtet

Weihnachten gilt gemeinhin als Fest der Liebe, der Ruhe und Besinnlichkeit: Ein wonnig-freudiger Höhepunkt für alle und jede*n, die dem Frohlocken nicht abgeneigt sind. Doch es gibt auch Leute, die damit rein gar nichts anfangen können. Ein möglicher Grund wäre, dass man einen geliebten Menschen in diesen Tagen sogar noch intensiver vermisst; aber natürlich gibt es auch viel weniger dramatische Anlässe: Womöglich hat man sich an den schmalzigen Weihnachtsschmonzetten einfach überhört? Hat genug von der ganzen glockenklingenden Völlerei? War so oder so noch nie ein großer Fan von Schlitten mit Rentierantrieb? Wie dem auch sei: Für alle, denen es emotional schon seit Tagen etwas zu sehr weihnachtet, hier kommt Abhilfe – musikalisches Gegengift. Unsere Top 15 der ultimativen Anti-Weihnachtssongs, die selbst den hartnäckigsten Santa Claus wieder in Richtung Nordpol verjagen dürften…

15. The Fall: No Xmas For John Quays

Für all diejenigen, die von einem griesgrämig-geerdeten Weihnachtsfest träumen, kann es keine bessere Adresse als die von Mark E. Smith geben – dem Anfang 2018 verstorbenen Frontmann von The Fall. Schließlich präsentierten die schon auf ihrem Debüt Live At The Witch Trials aus dem Jahr 1979 auch den Titel No Xmas For John Quays: Kondensierter Anti-Weihnachtsgeist als Post-Punk-Rundumschlag, quasi eine vertonte Euphoriebremse. Smith lässt sich hier kryptisch über Weihnachten („The ‘X’ in ‘Xmas’ is a substitute crucifix for Christ“) und Junkies aus, während seine Band immerhin knapp fünf Minuten lang gnadenlos auf ein und dasselbe Riff eindrischt.

14. The Damned: There Ain’t No Sanity Clause

Tatsächlich hatten The Damned mit der Single There Ain’t No Sanity Clause aus dem Jahr 1980 auch darauf spekuliert, ein wenig Profit aus der lukrativen Vorweihnachtszeit zu schlagen. Obwohl es sich bei diesem Song um eine echte Hymne handelt, kletterte die Nummer – trotz einiger Neuauflagen – dann doch nie höher als bis auf Platz 97 in den britischen Charts. Der antiweihnachtliche Titel war wohl doch nicht so massenkompatibel, obwohl sich die Band damit genau genommen auf den Film Skandal in der Oper von den Marx Brothers bezog, in dem Groucho seinem Kollegen Chico erklären will, wie eine „sanity clause“ (eine „Verstandesklausel“) in einem Vertrag funktioniert. Letzterer will es besser wissen und ruft sogleich, ihn könne man nicht zum Narren halten – „es gibt doch gar keinen Santy Clause!“

13. Brenda Lee: Christmas Will Be Just Another Day

Seit gut 60 Jahren im Rampenlicht, verbindet man den Namen der aus Georgia stammenden Brenda Lee automatisch mit Weihnachten – nicht zuletzt dank Rockin’ Around The Christmas Tree. Jener Trademark-Hit aus den frühen Sechzigern war dabei nur einer von vielen Festtagssongs, die ihr Album Merry Christmas From Brenda Lee vereinte, das 1964 sogar die US-amerikanischen Top-10 aufmischen sollte. Auf der bei Decca Records veröffentlichten LP war neben Klassikern wie Jingle Bell Rock und Winter Wonderland auch der Song Christmas Will Be Just Another Day vertreten: Ein schwermütiger Titel über Einsamkeit und eine verlorene Liebe, der nie würdevoller klingen sollte als in dieser Version.

12. Danny Elfman: Kidnap The Sandy Claws

Tim Burtons Stop-Motion-Klassiker Nightmare Before Christmas (1993) wurde von Disney zwar im Vorfeld noch als „zu gruselig für Kinder“ eingestuft, entpuppte sich dann aber doch als massiver Kinohit; dazu sollte der Film im Jahr drauf sogar für den Oscar in der Kategorie „Beste visuelle Effekte“ nominiert werden – eine Ehre, die bis dahin noch keinem Animationsfilm zuteilgeworden war. Herausragend war dabei auch der Soundtrack von Komponist Danny Elfman, zu dessen Highlights der Titel Kidnap The Sandy Claws zählt: Ein ultraeingängiger und zugleich haarsträubender Titel über die Entführung des Weihnachtsmanns, der daraufhin erst gefoltert wird und dann auch noch über die Klinge springen muss.

11. Big Star: Jesus Christ

Das letzte Wort darüber, was Alex Chilton von Big Star nun genau im Sinn hatte, als er diesen Song aufnahm – der auf den ersten Blick ja doch so weihnachtlich wie ein Krippenspiel zu sein scheint –, ist noch nicht gesprochen. Auf jeden Fall landete das Stück auf Third, jenem dritten Album, das zunächst unvollendet blieb, als seine Power-Pop-Combo aus Memphis im Jahr 1974 implodierte. Die legendären Zeilen (u.a. „Royal David’s City was bathed in the light of love“) und auch den packenden Refrain präsentiert Chilton mit scheinbarem Ernst, doch wenn man bedenkt, wie viel Sarkasmus bei anderen Album-Highlights wie beispielsweise Thank You Friends im Spiel war, drängt sich der Gedanke auf, dass auch Jesus Christ letztlich als Anti-Weihnachtssong intendiert war. Wie dem auch sei:  Das Stück ist der Hammer – und gerade diese Ambivalenz macht es sogar noch ein bisschen zeitloser.

10. blink-182: I Won’t Be Home For Christmas

Eine der unmissverständlichsten Anti-Weihnachtshymnen überhaupt: I Won’t Be Home For Christmas von blink-182 macht absolut keinen Hehl aus seiner Anti-Haltung, so dass selbst ein Ebenezer Scrooge daran seine Freude gehabt hätte. Die Pop-Punk-Legenden aus dem sonnigen Kalifornien servieren zunächst handfeste Wir-haben’s-satt-Zeilen wie „It’s time to be nice to the people you can’t stand all year/I’m growing tired of all this Christmas cheer“, um im Nachgang richtig schön mit der Baseball-Keule draufzuhauen. Aus irgendeinem Grund kam dieses vertonte Statement besonders gut bei den kanadischen Fans an, wo die Single im Jahr 2001 gleich fünf Wochen am Stück den ersten Platz belegte.

9. Loretta Lynn: Christmas Without Daddy

Auf Loretta Lynns Country Christmas-Album, 1966 bei Decca Records veröffentlicht, gelang es der US-Musikerin, weihnachtliche Standards wie Frosty The Snowman und White Christmas sowie ein paar Eigenkompositionen zu einem schlüssigen Ganzen zu verbinden. Obwohl die Kritiker*innen das Album durchweg feierten – Billboard sprach sogar von „grandiosem Material fürs Radioprogramm der Country-Sender, das sich obendrein sehr gut verkaufen wird“ –, schaffte es Country Christmas ausnahmsweise nicht in die Charts. Trotzdem ist und bleibt es ein fantastisches Werk, und der Song Christmas Without Daddy ist dermaßen trübsinnig und erschütternd, dass man unbedingt Taschentücher griffbereit haben sollte.

8. Eels: Christmas Is Going To The Dogs

Jene Art von wunderbar schrägem Alt-Pop, für die man Mark „E“ Everett einfach lieben muss: Das gar nicht mal so bekannte Stück Christmas Is Going To The Dogs erschien passenderweise im Jahr 2000 auf dem Soundtrack zu Ron Howards Anti-Weihnachtsfilm Der Grinch, um fünf Jahre später noch einmal auf einer grandiosen Raritäten- und Outtake-Kollektion von Eels zu landen, der Mr. Everett den abschätzigen Titel Useless Trinkets verpasste.

7. Sparks: Thank God It’s Not Christmas

Auf ihrem Album Kimono My House, mit dem Sparks 1974 ihren Durchbruch feierten, befanden sich nicht nur Vorzeige-Hits wie This Town Ain’t Big Enough For The Both Of Us, sondern auch viele weitere Highlights wie die Albert-Einstein-Hommage Talent Is An Asset oder auch der überdimensionale Breitformatpop von Thank God It’s Not Christmas. Verziert mit ein paar verschrobenen Zeilen, wie man sie von Songwriter Ron Mael kennt, dürfte dieser Song in Sachen Anti-Weihnachts-Feelings für dieses Jahr eigentlich genügen. Erst 2014 sagte Sänger Russell Mael in einem Interview: „Wenn sich dann die Weihnachtszeit nähert, erinnern wir uns und alle anderen an jeden Tag des Jahres, der gerade nicht auf den 25. Dezember fällt.“

6. Greg Lake: I Believe In Father Christmas

Sonst bekanntermaßen ein Drittel von Emerson, Lake & Palmer, startete Greg Lake 1975 seine Solokarriere mit dem Titel I Believe In Father Christmas – und schaffte es damit bis auf Platz 2 der UK-Charts, gleich hinter Bohemian Rhapsody von Queen. Der Song wurde postwendend als Weihnachtstitel abgestempelt, obwohl Lake damit ursprünglich vor allem Kritik üben wollte: an der offenkundigen und krassen Kommerzialisierung des Fests. Bissige Zeilen wie „Hallelujah, Noel, be it heaven or hell/The Christmas we get, we deserve“, geschrieben von Pete Sinfield, lassen daran nun wirklich keine Zweifel.

5. Nat „King“ Cole: The Little Boy That Santa Claus Forgot

Nat „King“ Cole hat viel Festliches aufgenommen, unter anderem Meilensteine wie Deck The Halls und Silent Night, aber er hat obendrein auch einen der herzzerreißendsten Weihnachtstitel überhaupt eingesungen: The Little Boy That Santa Claus Forgot. Geschrieben im Jahr 1937, hatte Vera Lynn das Stück schon vor ihm aufgenommen, aber Coles Interpretation dieser unsagbar traurigen Ballade gilt als die beste. Was für ein Schock, dass Santa Claus die Wünsche des vaterlosen Kleinen einfach vergisst: „He sent a note to Santa for some soldiers and a drum/It broke his little heart when he found Santa hadn’t come“, heißt es im Text des Titels, der 1956 als B-Seite des ganz anderes klingenden The Christmas Song (Merry Christmas To You) veröffentlicht wurde.

4. King Diamond: No Presents For Christmas

Metal – unabhängig davon, ob nun Black-, Thrash- oder sonst eine Untergattung davon – ist wahrscheinlich das am besten geeignete Genre, um darin düstere Anti-Weihnachtsstimmungen zum Ausdruck zu bringen. Höchste Zeit also, den Blick auf No Presents For Christmas von King Diamond zu richten. Für ihre erste Single aus dem Jahr 1985 setzten die Dänen auf einen diamantharten Rundumschlug, der als Jingle Bells-Parodie beginnt, um dann jegliches Weihnachtsfrohlocken mit Panzer-Riffs platt zu walzen. Kein Wunder, dass No Presents For Christmas nach wie vor zu den größten Songs der Band zählt.

3. Kate Nash: I Hate You This Christmas

Ganz klar das Highlight ihrer 2013 veröffentlichten EP Have Faith With Kate Nash This Christmas, beginnt Kate Nashs Song I Hate You This Christmas eigentlich ganz unauffällig, lebhaft und locker – bis dann der Refrain einsetzt und es heißt: „It’s Christmas once again, but you’re f__king one of my friends!“ Das geht natürlich nicht! Danach driftet die ganze Angelegenheit ohne Umschweife ab in Richtung Ich-hab-eine-Höllenwut-und-sag-es-auch-ganz-offen. Gegenüber dem NME kommentierte die UK-Songwriterin damals: „I Hate You This Christmas handelt von einer Trennung, die einem das Weihnachtsfest versaut. Es geht darum, betrogen zu werden und nach Hause zu gehen und zu verlegen zu sein, um es den Eltern zu erzählen. Gerade an Weihnachten ist so ein gebrochenes Herz einfach Mist!“

2. Miles Davis: Blue Xmas (To Whom It May Concern)

Bissig, zynisch – und dabei doch absolut cool: Blue Xmas (To Whom it May Concern) heißt dieser große Wurf von Jazz-Ikone Miles Davis und dem 2018 verstorbenen Sänger Bob Dorough. Sie widmeten sich 1962 den Schattenseiten der Festtage, verschnürten ihr andersfarbiges Fest mit mürrischen Bläsern und Swing-Beats. Ursprünglich auf einem Compilation-Album mit dem Titel Jingle Bell Jazz veröffentlicht, auf dem auch Songs von Duke Ellington und Dave Brubeck vertreten waren, erteilt der Song dem ganzen Weihnachtskommerz („all the waste/all the sham“) eine klare Absage und spricht danach auch das Problem der Obdachlosigkeit an: Themen, die auch nach gut einem halben Jahrhundert leider noch immer nichts an Aktualität eingebüßt haben.

1. Spinal Tap: Christmas With The Devil

Der Teufel soll ja angeblich für die besten Songs verantwortlich sein – und so darf er denn auch an der Spitze dieser Top 15 nicht fehlen: Endlich ein Titel, der offen dem Beelzebub huldigt! Zugleich ist damit der Moment gekommen, vor dem Altar der fiktiven Metal-Götter Spinal Tap niederzuknien, die ja buchstäblich durch die Hölle gehen mussten, um diese unfassbar satanisch-grandiose Anti-Weihnachtshymne zu erschaffen. Allein der Detailreichtum: „The elves are dressed in leather and the angels are in chains/The sugar plums are rancid and the stockings are in flames“, hieß es auch bei der berüchtigten Saturday Night Live-Prämiere im Jahr 1984. Sicherlich ist auch die Konkurrenz nicht ohne, doch gibt es auf dieser Liste tatsächlich nur diesen einen Titel, der in Sachen Anti-Festlichkeit sogar 11 von 10 Punkten abräumt.

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„Let It Snow! Let It Snow! Let It Snow!“: Die Geschichte hinter dem Weihnachtsklassiker von Dean Martin

Popkultur

30 Jahre „MTV Unplugged“: Eric Claptons intimster Moment

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Eric Clapton
Titelfoto: David Redfern/Getty Images

Der größten Tragödie seines Lebens folgt sein größter Erfolg: Vor 30 Jahren veröffentlicht Eric Clapton sein MTV Unplugged-Album. Es löst einen Boom aus und beflügelt seine Karriere.

von Björn Springorum

Das MTV-Unplugged-Format ist nicht neu, als Eric Clapton am 16. Januar 1992 an der Reihe ist. Sein Konzert vor Livepublikum in den Bray Film Studios in Windsor, England, wird dem Format aber einen ebenso großen Popularitätsschub verleihen wie seiner Karriere. Das konnten Paul McCartney, Don Henley, Stevie Ray Vaughan, The Allman Brothers Band, Sting oder Elvis Costello, die alle vor Clapton dran waren, nicht von sich behaupten.

Das eigentlich Besondere an Claptons Performance für MTV Unplugged ist aber ihr Zeitpunkt: Im Januar 1992 ist es nicht mal ein Jahr her, dass sein vierjähriger Sohn Conor aus dem 53. Stock eines New Yorker Apartments in den Tod stürzte. Clapton zieht sich zurück, schreibt Tears In Heaven, um die Trauer zu bewältigen. Sein Auftritt in den Bray Film Studios ist einer der ersten öffentlichen Auftritte des Sängers nach der Tragödie. Es soll sein Triumphzug werden.

Die Tickets wurden verlost

Davon ahnt zunächst mal niemand etwas. Die BBC verlost 150 Ticketpaare für die Aufzeichnung, beantwortet werden muss die Frage, wo Eric Clapton während der Aufnahmen zu I Shot The Sherrif wohnte. Die Antwort ist 461 Ocean Boulevard in Golden Beach bei Miami, zugleich der Titel des Albums, auf dem die Nummer steht. Für Clapton-Ultras natürlich eine Fingerübung, die 300 Tickets sind dementsprechend ratzfatz weg.

In Bussen geht es raus aus London nach Windsor, wo Eric Clapton die intimste und purste Show seiner bisherigen Karriere spielen wird. Nach Ansicht einiger Zeitzeug*innen auch seine beste. Überwiegend ausgerüstet mit Akustikgitarren von Martin (Modell 000-42), von denen eine mal für fast eine Million US-Dollar bei einer Auktion unter den Hammer kam, spielt sich Clapton auf lässige, ruhige und unaufgesetzte Weise durch sein Repertoire.

Wie beflügelt durch das akustische Setting seiner Band schwingt sich seine Stimme in ganz neue Sphären auf, klingt voll und präsent wie vielleicht nie zuvor. „Es fällt mir viel leichter, meine eigene Lautstärke anzupassen, wenn alle akustisch spielen“, sagte er mal. „Normalerweise klinge ich immer furchtbar platt auf der Bühne. Hier konnte ich wirklich dynamisch singen.“ Es soll nicht der einzige Benefit sein, den Clapton aus Windsor mit nach Hause nimmt: Er wendet auch an der elektrischen Gitarre vermehrt Fingerpicking an.

In Gedenken an seinen Sohn

Die Songauswahl des Abends ist längst so ikonisch wie das Unplugged-Setting selbst: Der instrumentale Samba Signe eröffnet den Abend leichtfüßig, danach kommt Bo Diddleys Blues Before You Accuse Me. Was folgt, ist eine Mischung aus Clapton-Material und alten Blues-Croonern. Besonders intensiv sind natürlich die neuen Songs, die Clapton im Sommer 1991 nach dem Tod seines Sohnes schreibt: Circus, Lonely Stranger und natürlich Tears In Heaven, das in seiner Unplugged-Version riesige Erfolge feiern wird. Das Besondere: Sowohl Tearns In Heaven als auch seine neue Fassung des Klassikers Layla von Derek And The Dominos klingen an diesem Abend in ihren akustischen Arrangements kraftvoll, aber vollkommen anders. Tears In Heaven hat bei aller Melancholie eine gewisse Leichtigkeit, Layla klingt eher schelmisch als verzehrend. Liegt natürlich auch an der stellaren Begleitband um Andy Fairweather Low, Chuck Leavell, Nathan East und weiteren Assen.

26 Millionen verkaufte Platten

Insbesondere für Tears In Heaven wird man dieses Konzert, dieses Album und diese schwierige Phase in Eric Claptons Leben in Erinnerung behalten. „Eric war an diesem Abend in Hochform“, erinnert sich der Musikhistoriker Marc Roberty. „Nach dem Songs, die er in Gedenken an Conor geschrieben hat, wurde er von seinen Emotionen übermannt.“ Auch das Publikum zeigt sich sichtlich gerührt. Viel von Claptons Rückkehr ins Rampenlicht ist diesem besonderen Moment zuzuschreiben. Seit 1992 ist Clapton immer wieder akustisch aufgetreten, generell sind Unplugged-Konzerte dieser Art heute nichts Außergewöhnliches mehr. 1992 sind sie das noch.

Merkt man auch an den Verkaufszahlen: Das Album verkauft sich mehr als 26 Millionen Mal, ist die erfolgreichste Live-Platte aller Zeiten und das bestverkaufte aller Clapton-Werke. Bei den Grammys 1993 staubt Eric Clapton ganze sechs Trophäen ab, drei allein für MTV Unplugged. Das Format wird 1993 durch Nirvana noch ikonischer, Claptons Karriere nach einem schwachen Start in die Neunziger revitalisiert. Nicht übel für ein einfaches Steckerziehen.

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Zeitsprung: Am 20.3.1991 stirbt Eric Claptons Sohn bei einem Sturz aus dem Fenster.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 18.8.1964 starten die Beatles zu ihrer ersten US-Tour.

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Foto: Universal Music

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 18.8.1964.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Am 18.8.1964 starten John, Paul, George und Ringo ihre Reise nach Amerika, um dort ihre erste volle US-Tour zu spielen. Nebst skurrilen Anekdoten und einem Treffen mit Bob Dylan hält die Tour jedoch auch brenzlige Situationen bereit, die schon am Tag der Anreise beginnen. Wir erinnern uns, wie die Beatles die „British Invasion“ vollzogen.

Hört euch hier die das damals aktuelle Album A Hard Day’s Night an:

Bereits im Februar 1964 hatten die Beatles vier Shows in den Vereinigten Staaten gespielt und so den Grundstein für die Massenbegeisterung gelegt. Am 18. August 1964 reist die Band dann von London aus für weitere 26 Termine über den Teich und muss unterwegs zweimal anhalten, um das Flugzeug zu betanken. Mit jedem Boxenstopp werden die Umstände wahnsinniger: Erwarten sie beim ersten Halt in Winnipeg, Kanada noch 500 Fans und einige Radiojournalisten, zählt man wenige Stunden später in Los Angeles bereits 2.000 kreischende Anhänger und ein stattliches Presseaufgebot. Bei Halt Nummer drei in San Francisco zeigt die Uhr 18:24 und 9.000 Beatles-Fans machen ihrer ohrenbetäubenden Begeisterung Luft.

Einige Meilen vor dem Flughafengebäude errichten Organisatoren in weiser Voraussicht „Beatlesville“. Was sich nach Freizeitpark oder luxuriösem Rückzugsort anhört, ist lediglich ein abgezäunter Bereich, in dem die „Fab Four“ für Fotos posieren sollen. Die Zäune halten jedoch der schieren Kraft der „Beatlemania“ nicht stand. Als mehr und mehr Fans sich gegen die Absperrung drücken, gibt sie nach. Lennon, McCartney, Harrison und Starr entkommen im letzten Augenblick in die Sicherheit ihrer Limousine, die sie in ihr Hotel bringt.

Die „Fab Four“ auf dem Titel des „Life“-Magazins während ihrer US-Tour im Sommer 1964)

Während eine Hälfte des Quartetts, nämlich Paul und George, das Gesehene erst einmal verarbeiten muss, rappelt sich der Rest der Truppe auf: John, Ringo, Publizist Derek Taylor und weitere Mitglieder der Entourage sowie Little Richards Organist (und später beinahe fünfter Beatle) Billy Preston wollen das kalifornische Nachtleben unsicher machen und landen wenig später im Rickshaw, einem Laden in Chinatown, der auch andere prominente Gäste aufweist. 

Starr erinnert sich später wohlwollend an eine Begegnung mit dem Schauspieler Dale Robertson: „Wir gingen in eine Bar, und er war da. Wow, Dale Robertson! Wir nahmen einen Drink, aber in Kalifornien schließt alles um zwei Uhr morgens. Sie schlossen also die Bar, der Kellner und alle anderen gingen raus, aber dann gingen wir wieder rein und machten weiter. Ich habe es geliebt.“ Dass die Polizei die von Beatles-Fans konfiszierten Drogen ungefragt an die Band weiterreichte (!), hat sicher zu diesem positiven Gesamteindruck beigetragen.

Am nächsten Tag geht die Tour dann so richtig los: Die Beatles spielen im Cow Palace in San Francisco vor 17.130 Zuschauern. Auch hier müssen sie flüchten, nachdem die Bühne von Fans gestürmt zu werden droht. Sie lassen buchstäblich die Instrumente fallen und werden in einem Krankenwagen zum Hotel transportiert, da ihre Limousine belagert wird. Die „Beatlemania“ erreicht im Verlauf dieser Tour fiebrige Höhen, und die vier Jungs aus Großbritannien lernen die Schattenseiten des Erfolgs kennen. Besonders John Lennon tut sich schwer: „Die Leute denken, Berühmtheit und Geld bringen Freiheit, aber das tun sie nicht.“ 

Während dieses Amerika-Aufenthaltes treffen sie jedoch auch auf Bob Dylan und äußern sich öffentlich gegen die dort noch übliche Segregation. Nicht zuletzt entsteht aus der klaustrophobischen Situation auch der Song Help!, den die Briten 1965 veröffentlichen sollen.

Zeitsprung: Am 18.12.1962 beginnen die Beatles ihr finales Engagement im Star-Club – Sex, Drogen, Pilzköpfe in Hamburg.

 

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Popkultur

Zum Geburtstag der Metal-Diva: Tarja Turunen wird 45!

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Tarja Turunen
Foto: Giuseppe Maffia/NurPhoto via Getty Images

Mit Nightwish hat sie den Metal-Olymp erklommen, seit 2005 verfolgt sie eine überaus erfolgreiche Solokarriere: Tarja Turunen zählt ohne Weiteres zu den erfolgreichsten Sängerinnen der Rockmusik. Doch wie hat eigentlich alles angefangen und was macht die finnische Grande Dame des Metal heute?

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch In The Raw von Tarja anhören:

Ob wohlklingend oder nicht: Der erste Schrei von Tarja Turunen ertönt am 17. August 1977 in einem kleinen finnischen Dorf namens Puhos nahe der russischen Grenze. Sie wächst mit einem jüngeren und einem älteren Bruder auf; ihre Eltern arbeiten in der Stadtverwaltung und als Zimmermann. Schon im Alter von drei Jahren fällt Tarja als herausragende Sängerin auf, als sie bei einer Kirchenveranstaltung eine finnische Version des Stücks Vom Himmel hoch da komm’ ich her von Martin Luther zum Besten gibt. Anschließend tritt sie in den Kirchenchor ein, mit sechs nimmt sie die ersten Klavierstunden. Noch weiß das Wunderkind nicht, dass ihm eine große Karriere bevorsteht.

Auch in der Schule bemerkt man Tarjas musikalisches Können. „Man musste ihr nur eine Note geben und sie hat sofort alles verstanden“, erzählt ihr früherer Musiklehrer Plamen Dimov in einem Interview für die offizielle Nightwish-Biografie. „Mit anderen musste ich drei-, vier-, fünfmal proben.“ Tarjas Talent bringt allerdings auch Probleme mit sich. Weil einige Mitschülerinnen neidisch auf ihre Singstimme sind, mobben sie die junge Musikerin. Lehrer Dimov reagiert darauf und verlagert die musikalischen Aktivitäten von der Schule in die Freizeit. Ihren ersten großen Auftritt hat Tarja mit 15, als sie im Rahmen eines Kirchenkonzerts als Solistin vor rund Tausend Menschen auftritt. Doch noch immer steht die Sängerin bloß am Anfang dessen, was noch kommen soll.

Tarja Turunen: Mit Nightwish an die Spitze des Metal-Olymp

Mitten im finnischen Winter 1996 meldet sich Tarjas alter Schulkamerad Tuomas Holopainen bei der damals 19-jährigen Musikerin. Er habe ein neues akustisches Musikprojekt gegründet. Ob Tarja nicht als Sängerin einsteigen wolle. Sie schlägt ein, doch dann kommt alles anders. Gleich bei den ersten Proben merken alle Beteiligten, dass Tarjas Stimme seit der Schulzeit reichlich an Kraft gewonnen hat und gar nicht mehr zu ruhigen Akustik-Songs passt. Gitarrist Emppu Vuorinen steigt auf eine E-Gitarre um, Holopainen beschließt, dass die Band viel massiver klingen muss, um Tarjas Stimme gerecht zu werden. Das Grundgerüst steht. Nur ein Name für das Projekt fehlt noch. Kurze Zeit später ist klar: Die neue Band heißt Nightwish.

„Mehr Bombast, mehr Drama“ lautet das Motto der neu gegründeten Gruppe. Holopainen kann einen Plattenvertrag für Nightwish an Land ziehen und ab da geht es für die Newcomer nur noch in eine Richtung: nach oben. Schon das Debüt Angels Fall First (1997) schlägt ein, sehr zur Überraschung der Plattenfirma. Ab da wird es richtig ernst. Nightwish gehen auf Tour, Tarja bricht ihr Studium ab. Mit den folgenden Alben Oceanborn (1998), Wishmaster (2000) und Century Child (2002) klettern Nightwish immer weiter an die Spitze, 2004 gelingt den Finnen mit Once zum ersten Mal der Sprung auf Platz eins der deutschen Albumcharts. Gleich danach kommt es zum Bruch — und die Finnen setzen ihre Sängerin vor die Tür.

„Es ist an der Zeit, sich zu entscheiden, ob die Geschichte von Nightwish hier endet, oder ob sie weitergehen wird“, schreibt die Band in einem offenen Brief an Tarja. Man wolle die Band fortführen. „Genauso sicher ist aber, dass wir mit dir und Marcelo [Tarjas Ehemann — Anm. d. Aut.] nicht mehr weitermachen können.“ Ihren Rauswurf trägt Tarja mit der maximal möglichen Fassung, doch an einer Sache stört sie sich: „Ich kann die Art und Weise, wie meine Band mir das Ganze mitgeteilt hat, immer noch nicht nachvollziehen“, erklärt sie nach dem offenen Brief von Nightwish. „Es hätte so viele Möglichkeiten gegeben, mir das auf anderem Wege zu sagen.“ Nach einer schweren Phase der Trauer rappelt sich die Sängerin wieder auf — und macht solo weiter.

„Heute ist alles anders.“

Nach wie vor zählt Tarja Turunen zu den berühmtesten und versiertesten Sänger*innen des Metal. Mit ihrer dreieinhalb Oktaven starken Stimme zieht sie weiterhin Fans auf der ganzen Welt in ihren Bann und hat seit 2006 stolze acht Soloalben veröffentlicht. „Heute ist alles anders“, verrät sie 2016 in einem Interview mit dem britischen Metal Hammer. „Ich habe eine Karriere, ich habe mein Publikum und mein Leben als Künstlerin. Ich bin frei. Es ist unglaublich, wenn man sich die Dinge selbst aussuchen kann, entscheiden kann, wie man was macht, und mit wem man zusammenarbeitet. Das möchte ich nicht mehr missen.“ Die aktuelle Nightwish-Sängerin Floor Jansen bezeichnet Tarja im selben Interview als „längjährige Freundin“ und ergänzt: „Wir haben vor ein paar Tagen noch gemailt.“

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Zeitsprung: Am 1.11.1997 debütieren Nightwish mit „Angels Fall First“.

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