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Popkultur

„Unknown Pleasures“: Die morbide Geschichte vom sterbenden Stern

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Unknown Pleasures Cover

Ein verdrießlicher Klassiker feiert Geburtstag: In diesem Jahr ist Joy Divisions Debütalbum Unknown Pleasures 40 Jahre alt. Es trug den Pop mit monochromen Melodien und englischer Tristesse zu Grabe – und gilt heute auch aufgrund des Artworks als einer der ganz großen Meilensteine der Musikgeschichte.

von Björn Springorum

Nein, den Post-Punk wirklich erfunden haben Joy Division nicht. Sie haben ihn aber endgültig definiert. Wann immer von diesem Genre die Rede ist, die Namen Joy Division und Unknown Pleasures fallen eher früher als später.

Hier könnt ihr Unkown Pleasures hören:

Mit ihrem am 15. Juni 1979 veröffentlichten Debüt legten Ian Curtis, Bernard Sumner, Peter Hook und Stephen Morris ein mürrisches Album vor, dessen Stellenwert für die gesamte Alternative-Welt unermesslich war und ist. Kein Indie-Konzert ohne Jutebeutel mit aufgedrucktem Album-Cover, keine Alternative-Band, die Joy Division als Einfluss kategorisch ausschließen würde.

Weiß auf schwarz

Und während natürlich auch die kalte, depressive Musik, die Albumaufnahmen oder die von existentialistischer Verzweiflung durchzogenen Texte jeweils eigene Beiträge, ach was: Bücher wert wären, so soll es hier und heute einzig um das ikonische Artwork gehen. Erdacht und erschaffen von Peter Saville, dem legendären Factory-Records-Designer, stellt es ein Abbild der Radiowellen des 1967 entdeckten Neutronensterns CP 1919 dar.

Saville, damals gerade mal 22, entdeckte dieses Bild in der Cambridge Encyclopaedia of Astronomy, die sie laut Wikipedia aus der Doktorarbeit von Harold Craft Jr. aus dem Jahr 1970 nachdruckte. Saville, ganz der Grafiker, stellte das Bild von schwarz auf weißem Grund einfach mal auf weiß auf schwarzem Grund um, obwohl die Band eigentlich das Original bevorzugte. Aber so sind sie eben, die Grafiker. „Ich hatte Sorge, dass es sonst etwas billig aussehen könnte“, sagte er der Washington Post. „Ich war überzeugt davon, dass es in Schwarz sexier aussehen würde.“

Post-Punk und Mickey Mouse

Er sollte Recht behalten: Das Artwork wurde in den Achtzigern zum Kultsymbol der kajalgeschminkten Goth-Gemeinde und fand schon bald darauf seinen Weg in die Popkultur. Sogar Disney brachte mal ein unglückliches Mash-Up des Artworks mit Mickey Mouse in den Handel, was aber irgendwie niemand so richtig verstand. Heute ist das Cover weit oben in der Bestseller-Liste jedes Tätowierers.

Ja, auch dadurch hat es ein wenig von seinem Angst-Appeal und dem düsteren Beigeschmack verloren, die es im Kontext des emotional vollkommen aufgeriebenen Albums hatte. Man kann sogar so weit gehen und sagen, dass einige Leute gar nicht wissen, was hinter dem Motiv steckt, das sie da am Leib tragen. Und schockiert wären, wenn sie von Ian Curtis’ Suizid erfuhren.

Das wirklich Gespenstische kommt aber jetzt: Das Bild zeigt die Intensität sukzessiver Radiowellen eines sterbenden Sterns. Ernsthaft! Ausgesandt in die lichtlosen Tiefen des Alls, zufällig entdeckt und auf so äußerst tragische Weise passend zu Joy Division: Wer im Hinblick auf die unheilvolle Bandgeschichte da nicht eine Gänsehaut bekommt, der weint auch nicht bei Wish You Were Here. Unknown Pleasures – der Klang eines sterbenden Sterns.


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