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Popkultur

Zeitsprung: Ab 4.7.1985 gehen Van Halen und David Lee Roth getrennte Wege.

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Van Halen
Die letzte Tour vor der Trennung: Van Halen im März 1984 im Madison Square Garden. (Foto: Ron Galella/Ron Galella Collection via Getty Images)

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.7.1985.

von Matthias Breusch und Christof Leim

Nach der Tour zu 1984 brodelt es hinter den Kulissen von Van Halen ganz gewaltig. Am 4. Juli 1985 steht im Rolling Stone schließlich, die Band habe sich von ihrem legendären Frontmann David Lee Roth getrennt. Und dann fliegen die Fetzen. Die Umstände für das Auseinanderbrechen der Stadionrock-Prototypen bleiben zunächst verschwommen. Roth wird weder gefeuert noch kündigt er formell. Beide Parteien – Zaubergitarrero Eddie van Halen und sein trommelnder Bruder Alex contra Diamond Dave – haben einfach genug voneinander. Bassist Michael Anthony bleibt neutral.

Hier könnt ihr das letzte Van-Halen-Album mit Roth anhören:

„Die Chemie war vergammelt“, nennt es Roth in seiner Autobiografie Crazy From The Heat. Im Januar 1985 beginnen die ersten Arbeiten an dem, was der Nachfolger des megaerfolgreichen Vorgängers 1984 und seines Superhits Jump werden soll. Aber die Sessions bestehen lediglich aus „Verzögerungen und Geschrei“. Schlimmer noch: „Es klang wie ein Sack kranker Katzen.“

Hummeln im Hintern

Die Verzögerungen bestehen laut Roth aus mehreren dreiwöchigen Pausen, in denen die Van-Halen-Brüder entweder durchsaufen oder sich die Sonne auf den Bauch scheinen lassen, aber vor allem nie ans Telefon gehen, wenn der Sänger zur Arbeit ruft. Dave kann diese Trägheit nicht fassen. Er begreift sich seit den frühen Tagen Mitte der Siebziger, als er eigenhändig hinter Tausende von Scheibenwischern auf kalifornischen Parkplätzen selbstgebastelte Flugblätter mit Terminen von Van-Halen-Auftritten klemmt, als der geschäftliche und kreative Motor der Band. Er kümmert sich neben Gesangsmelodien um neue Konzertplakate, hält die Plattenfirma in Schach und entwirft durchgeknallte Videoclip-Szenarien. Der Mann hat nicht nur auf der Bühne ständig Hummeln im Hintern.

David Lee Roth Crazy From The Heat Cover

Die Zeit in der Warteschlange nutzt er für die Produktion einer Solo-EP namens Crazy From The Heat, die mit den beiden Coverversionen Just A Gigolo und California Girls gleich zwei Hits für die Singlecharts abwirft. Obwohl Eddie in seinem Studio parallel selbst an mehreren Nebenprojekten werkelt, wird Roth im Nachhinein unterstellt, er habe mit der Mini-Disc klar gemacht, kein ernsthaftes Interesse mehr an der Band zu haben.

Tränen zum Abschied

Die ganze Problematik hat natürlich eine Vorgeschichte: „Irgendwann im März“ treffen plötzlich Welten aufeinander. Roth sieht es so: „Ich hätte gern live gespielt. Sie nicht, vor allem Alex.“ Der Drummer wollte maximal sechs Stadiongigs absolvieren und dann ganz schnell zurück an die Strandbar. „Ich dagegen habe nach sechs Shows ja noch nicht mal richtig Hallo gesagt. Ich hab die Band normalerweise schon alleine zwei Monate proben lassen, bevor wir überhaupt losgefahren sind. Also sind wir unserer Wege gegangen.“ Bei einem letzten Treffen im Elternhaus von Roth fließen sogar Tränen: „Ed und ich nahmen uns in den Arm und heulten.“

Es bleibt für lange Jahre die letzte kumpelige Begegnung. Mitte August bestätigt Eddie zudem erneut im Rolling Stone: „Die Band, wie ihr sie kennt, gibt es nicht mehr.“ Die Brüder feuern in der Presse aus vollen Rohren schmutzige Wäsche. Selbst Daves Nachfolger Sammy Hagar ist es peinlich, dass seine Songtexte für das Nachfolgewerk 5150 von den neuen Kollegen in den Himmel gehoben werden, „denn bisher hatten wir ja praktisch keine“, wie Alex im Metal Hammer zitiert wird.

Virtuose Bestseller

Roth bleibt dank seiner frühen Memoiren das vorerst letzte Wort: „Ich habe alles, was bei Van Halen gelaufen ist, reinen Herzens gemacht, bin im Guten gegangen und habe nicht noch was raushaben wollen. Ich habe auf keiner Vereinbarung bestanden, auf gar nichts. Und genau das hab ich dann auch gekriegt.“

Musikalisch kennt der Split ausschließlich Gewinner. Van Halen starten mit Sammy Hagar in eine zweite bemerkenswerte Ära, die auf vier Nummer-eins-Alben in Folge (!), etwa 5150, OU812 und Balance, Klassiker wie Dreams, When It’s Love, Right Now und Why Can’t This Be Love hervorbringt. Diamond Dave selbst ist kein Stück weniger spektakulär: Im Gespann mit Frank Zappas Gitarrenhexer Steve Vai entstehen die virtuosen Millionenseller Eat ’Em And Smile (1986) und Skyscraper (1988).

Phänomenale Schmuckstücke

1996 endet auch Sammys Zeit bei Van Halen. Alex und Eddie holen Dave zurück für zwei phänomenale Songs zur Ausschmückung des Best-of-Albums Volume 1: Me Wise Magic und Can’t Get This Stuff No More. Kurz darauf verkünden sie den Namen des neuen VH-Sängers. Der heißt zum großen Frust der Fans aber nicht David Lee Roth, sondern Gary Cherone und gehörte vorher zu Extreme. 2007 raufen sich Roth, Alex und Eddie dann doch wieder zusammen. Und diesmal hält die Verbindung sogar länger, ein kleines Weilchen zumindest. Aber das ist wie immer eine andere Geschichte…

Zeitsprung: Am 22.2.1959 reisen die Van Halens mit dem Schiff nach Amerika.

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