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Popkultur

Zeitsprung: Am 31.8.1945 kommt Van Morrison auf die Welt.

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Foto: Foto: Mike Marsland/WireImage/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 31.8.1945.

von Christian Böhm und Christof Leim

Manche nennen ihn „Van The Man“, und inzwischen darf er ein „Sir“ im Namen tragen. Bereits in jungen Jahren schafft Van Morrison, wofür andere in der Welt der Musik ein ganzes Leben brauchen: Er gründet früh Bands und geht auf Tour in Großbritannien und auf dem europäischen Festland. Seitdem wirft er kontinuierlich Alben auf den Markt. Mit über 40 Veröffentlichungen blickt Morrison auf ein umfangreiches Oeuvre, das auch musikalisch weit gefächert ist: Rhythm and Blues, Soul, Jazz, Rock — alles dabei! Ans Aufhören denkt der am 31. August 1945 in Belfast geborene George Ivan Morrison nicht.

Hier kannst du Songs aus Van Morrisons riesigem Fundus hören: 

Sein Vater legt sie ihm in die Wiege, die Passion für die Musik. Der Sohnemann nutzt die riesige Plattensammlung zur Geschmacksbildung: Der Blues von Muddy Waters, Folk von Woody Guthrie, Charlie Parkers Jazz sowie Hank Williams Country oder auch Skiffle, die unkonventionelle Unterart des Jazz sowie Gospel — der junge Morrison saugt es auf und lässt es später in seinen eigenen Liedern wieder heraus.

Van, der vielseitige Einflussreiche

Seinen Mittelnamen Ivan verkürzt Morrison zu seinem Künstlernamen Van. Ob der russische Zar Ivan der Schreckliche den Eltern Pate stand? Das Schreckliche passt nicht zu ihrem Sohn. Ivan war grausam, Van Morrison ist höchstens eigenwillig. Interviews sind nicht sein Ding, doch sein musikalischer Einfluss ist groß. 

In seiner Jugend lernt Van zuerst Gitarre, dann Saxofon, später auch Keyboards und Mundharmonika. Schon mit zwölf Jahren spielt der Multiinstrumentalist in Bands, mit denen er meist bekannte Songs auf die Bühne bringt. Mit The Monarchs erweitert der Musikbesessene den Tourplan Anfang der Sechziger um weitere Regionen: Schottland und England stehen nun auf der Reiseroute. Dann geht es sogar rüber auf den Kontinent, nach Deutschland. Man bedenke: Da ist unser Protagonist noch immer ein Teenager! 

Van und Them

1964 wird der 18 Jahre junge Van Morrison Frontmann der Gruppe Them. Benannt nach einem Horrorfilm ist der Werdegang dieser Band ganz und gar keine Gruselgeschichte: Decca Records nimmt die Truppe bereits drei Monate nach dem ersten Konzert unter Vertrag. Heraus kommen direkt zwei Hits: Gloria und Baby, Please Don’t Go. Bei letzterem wirkt ein Session-Gitarrist mit, der später mit Led Zeppelin den harten Rock formen wird: Jimmy Page

Morrison und Morrison

Them gelten als heißer Tipp der sogenannten British Invasion. 1966 gehen sie auf Tour in den USA. Bei einigen Shows treten The Doors als Vorband auf, und so stehen am letzten Abend im legendären Whisky A-Go-Go in Los Angeles zwei Morrisons gemeinsam auf der Bühne und spielen eine lange Version des Songs Gloria von Them. Die Nummer wird später immer wieder von anderen Größen gewürdigt, von Patti Smith, AC/DC und Jimi Hendrix etwa. 

Die Karriere stagniert jedoch bald. Außerdem versucht die Plattenfirma zunehmend, stilistisch Einfluss zu nehmen, was Van Morrison stört. So steigt er aus und bewandert eigene Karrierepfade, während Them eher kleinere Läden bespielen.

Solokarriere

Der erste Erfolg unter eigenem Namen gelingt Van Morrison 1967. Der bekannte Produzent Bert Berns (über ihn und sein Label Bang erschien 2016 ein Film) holt ihn nach New York, gemeinsam nehmen sie das Album Blowin’ Your Mind! auf, worauf sich der erste Solohit befindet: Brown Eyed Girl schlägt ein wie eine Bombe, und Morrison und Berns arbeiten zunächst weiter zusammen. Allerdings gehen die beiden sehr bald im Streit auseinander. Es ist ein alter Hut des Musikgeschäft: Berns Deal war deutlich besser für ihn selbst als für den Künstler, und dieser hat den Vertrag wohl unterschrieben, ohne ihn genau gelesen zu haben. Morrison fühlt sich erneut genervt vom Business. Berns Frau macht Morrison später gar für den Herzinfarkt verantwortlich, an dem ihr Mann verstirbt. Wow!

Das 1968 erscheinende Astral Weeks klingt anders: Die Mischung aus Folk, Blues und Jazz hat man so vorher noch nicht gehört. Ist das Album am Anfang wenig erfolgreich, wird die Zeitschrift Mojo es 1995 auf Platz zwei der „100 besten Alben“ platzieren. Es wird bekanntesten Werk Van Morrisons. 

Immer wieder neue Musik

1970 dann Moondance: Es ertönt weniger düster und sperrig als sein Vorgänger, und es setzt Morrisons Erfolgsserie fort. Und so geht es weiter, die Liste der Veröffentlichungen wächst kontinuierlich: Unablässig erscheinen Studio- und Livealben mit Popsongs, Soul, Balladen oder Ausflügen in mystische Sphären (Hymns To The Silence von 1991). Oder der Künstler musiziert ganz traditionell wie auf dem 1988 erscheinenden Album Avalon Sunset, das ausschließlich irische Folksongs enthält.

Immer wieder ergeben sich Zusammenarbeiten mit anderen Größen:

Bei The Healing Game trommelt 1997 Geoff Dunn, der später mit Manfred Mann’s Earth Band touren wird, und beim Lied Sometimes We Cry unterstützt Van Morrison Tom Jones auf dessen Reload-Album (der Song wird eine Nummer eins in Großbritannien). Mit Cliff Richard singt Van 1989 das Duett Whenever God Shines His Light.

Zuhause auf den Bühnen der Welt

Anders als bei seinem Namensvetter Jim Morrison steckt Vans Biografie nicht voller Drogen- oder sonstiger Skandalgeschichten. Seine Bühnenphobie mag vielleicht die einzig erwähnenswerte Marotte sein, die einem Rock’n’Roll-Mythos am nächsten kommt: Bei einer Show in New York verlässt er die Bühne und kommt nicht wieder zurück. Später bestätigt er, dass Auftritte vor Menschenmassen ihn manchmal ängstlich stimmen. Trotzdem sind die Konzerthallen dieser Welt seit Jahrzehnten seine Heimat. Wenn er nicht auf der Bühne steht, lebt Van Morrison ein zurückgezogenes Leben. Er gibt kaum Interviews, und man sagt ihm eine eigenwillige Schrulligkeit nach. 

Die Ehrung des Begründers der Scientology-Sekte L. Ron Hubbard auf seinem Album Inarticulate Speech of the Heart hätte Morrison sich allerdings sparen können. Auch die Liste seiner Ehrungen ist lang: Grammy Awards, Brit Award, Americana Lifetime Award, und natürlich hat er einen Platz sowohl in der Rock and Rock als auch Songwriters Hall of Fame. Er spielt als Teil von Pink Floyds The Wall 1990 in Berlin und tritt 1995 bei Bill Clintons Besuch in Belfast auf. 2016 wird Van Morrison für seine Verdienste um die britische Musikindustrie und den nordirischen Tourismus zum Ritter geschlagen und darf sich nun Sir Van Morrison nennen. 2002 findet sich auf einer irischen Briefmarke sein Portrait.

Kein bisschen müde

Zuletzt erscheint sein Album Three Chords And The Truth mit dazugehöriger Tour ab 2019. Van Morrison bleibt trotz seines Alters weiter aktiv. Wir meinen: So kann es weiter gehen. Happy Birthday, Van The Man!

Van Morrison – Genie mit Outlaw-Faktor

 

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