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Popkultur

Vergiss Guns N’ Roses Lies! Hier sind die GnR Fun Facts!

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Guns N’ Roses haben so ziemlich alles mitgenommen – außer vielleicht einen Knigge-Kurs. Egal, der hätte wahrscheinlich eh nicht so ganz ins Rockstar-Konzept gepasst. Das Gute ist, dass einem bei dieser Band nie die Stories ausgehen. Und so haben wir es uns nicht nehmen lassen, mal ganz tief ins Nähkästchen der pädagogisch nicht wertvollen Geschichten zu greifen. Ladies and Gentlemen, anschnallen bitte! Hier kommen die Guns N’ Roses Fun Facts!

von Timo Diers

1. Bei Slash ging mal ein Drogen-Trip schief und er rannte nackt über einen Golfplatz

Als sich Guns N’ Roses 1989 nach ihrer Welttournee für ein paar Monate von der Bühne verabschiedeten, wurde klar, dass die Tour-Routine das einzige war, das Slashs Drogenprobleme unter Kontrolle hielt. „Es war der Anfang einer langen, albtraumhaften Heroin-Besessenheit“, erinnert sich der ikonische Gitarrist später.

Nach einem besonders miesen Heroin und Kokain Cocktail wurde Slash von einer heftigen Panikattacke heimgesucht – und rannte querbeet über einen Golfplatz in Arizona. Verfolgt von imaginären Jägern mit Gummi-Dreadlocks, Maschinengewehren und Harpunen, schlug der Musiker auf seiner Flucht eine Glastür ein und packte sich sogar ein Hausmädchen als menschliches Schutzschild.

Später auf der Polizeiwache wirkte er immer noch sehr überzeugend: „Ich war noch so high, dass ich die Geschichte ohne eine Spur von Selbstzweifel erzählen konnte!“


Hört hier in die besten Songs von Guns N’ Roses rein:

Für die ganze Playlist klickt auf „Listen“

2. Izzy Stradlin wurde verhaftet, weil er in ein Flugzeug pinkelte

Und damit meinen wir nicht die dafür vorgesehenen Einrichtungen. Aber von Anfang an: Am 27. August 1989 war der Rhythmus-Gitarrist in einem Flieger von Los Angeles nach Indianapolis unterwegs und – wie sich das für einen Rockstar gehört – fleißig am bechern. Und wer viel trinkt, der muss auch mal wo hin. Leider mussten das auch einige andere Passagiere: „Ich war betrunken inmitten all dieser Senioren. Als ich mir eine Zigarette ansteckte, kam die Stewardess gleich rüber – ich hab’ ihr gesagt, sie soll sich verziehen. Da ich so viel getrunken hatte, musste ich mal pinkeln. Und alle Toiletten waren besetzt… man, es hat sich angefühlt, als hätte ich ne Stunde gewartet. Also habe ich in den Mülleimer gepinkelt. Das nächste, an das ich mich erinnern kann ist, dass ich nach der Landung aus dem Flugzeug ging und da standen zehn Polizisten. Und ich dachte mir: ‚Oh nein – ich hab’s schon wieder verkackt!’“

3. Axl Rose hatte Sex mit der Freundin seines Bandkollegen und nahm das Ganze für einen Song auf

Im charmanten Song Rocket Queen geht es um – na ihr wisst schon. Guns N’ Roses Schlagzeuger Steven Adler war zu der Zeit mit der 19-jährigen Adriana Smith zusammen. Dumm nur, dass Adler kurz vor der Aufnahme von Rocket Queen seine Freundin betrogen hatte und Adriana sich nun auf einen kleinen, betrunkenen Rachefeldzug mit Axl Rose eingelassen hatte. Um die Situation noch etwas pikanter zu machen, haben die beiden ihre nächtlichen Machenschaften auf Band aufgenommen und als Sample in Rocket Queen eingebaut. Achtet nach Minute 2:30 mal ganz genau auf die Hintergrundgeräusche.



4. Slash nahm seinen Berglöwen mit in ein Hotel

Nun gut, die einen sammeln Briefmarken und die anderen exotische Tiere. Anfang der 90er hatte Slash eine beachtliche Anzahl an Giftschlangen und Echsen in seiner Los Angeles Villa angehäuft. Und eben einen Berglöwen namens Curtis.

Als aber das Erdbeben von Northridge in 1994 auch die bescheidene Hütte von Slash beschädigte, zog er übergangsweise in das Four Seasons Hotel von Marina del Rey. Curtis kam selbstverständlich mit!

5. Guns N’ Roses kamen fast bei einem Autounfall ums Leben

Als die Jungs 1985 nach ihrer allerersten Tour in Los Angeles ankamen, gerieten sie in einen heftigen Autounfall. Die ganze Band war im Wagen von Duff McKagan, als sie von einem anderen Fahrzeug mit gut 60 Meilen pro Stunde volle Breitseite gerammt wurden. Wie durch ein Wunder wurde niemand schwer verletzt – nur Schlagzeuger Steven Adler brach sich das Fußgelenk.

In seiner Biografie schrieb Slash über den Unfall: „Duffs Auto hatte einen Totalschaden und wir hätten auch gleich mit draufgehen können. Das wär ein krankes Schicksal gewesen: Die Band stirbt zusammen, nachdem sie grade erst zusammengekommen ist“.

6. Axl Rose schlug David Bowie

Es gibt ja nicht viele Leute, die es geschafft haben sich mit David Bowie zu zoffen. Aber Axl Rose hat in seinem Leben so einiges geschafft: Als Bowie 1989 beim Filmset für It’s So Easy vorbeischaute, flirtete er gleich mal eine Runde mit Axls Freundin Erin Everly. Das wiederum fand Axl nicht so lustig – er schlug Bowie ins Gesicht und warf ihn raus.

Classy wie er nun mal ist, entschuldigte sich Bowie bei Axl und die beiden vertrugen sich wieder nach einer langen gemeinsamen Club-Nacht.

7. Sie raubten Frauen aus, die grade mit ihren Bandkollegen Sex hatten und versuchten sich am Drogengeschäft

Als die frisch gebackenen Guns N’ Roses 1985 in einem Hotel namens The Hell House abstiegen, trieb sie ihre Geldnot zu verzweifelten Maßnahmen: „Wir haben Frauen ausgeraubt. Wenn einer der Jungs grade mit einer im Bett war, durchwühlten wir ihre Handtasche“, erinnert sich Izzy Stradlin an die glorreiche Anfangszeit der Band.

Anscheinend haben Guns N’ Roses zu dieser Zeit auch Drogen verkauft – aber nicht besonders lange. Denn als kurz darauf die Polizei von Los Angeles Wind von der Sache bekam, mussten die Jungs erstmal die Füße stillhalten.



8. Die verlorenen Kontaktlinsen von Axl Rose hätten der Band fast den ersten Plattenvertrag gekostet

Im März 1986 waren Guns N’ Roses kurz davor, ihren ersten Plattenvertrag mit Geffen Records zu unterschreiben – hätte Axl nur nicht seinen Wutausbruch gehabt. Warum?

Nun ja, der Herr konnte seine Kontaktlinsen nicht finden und nachdem er seine Bandkollegen beschuldigte, die Linsen gestohlen zu haben, schickte er sie alleine zum Unterschreiben des Vertrags.

Einige Zeit später fanden ihn die anderen Bandmitglieder auf dem Dach des legendären Whisky A Go Go sitzen – Slash erzählte ihm, sie hätten die Linsen gefunden und überzeugte den leicht reizbaren Sänger, doch noch mitzukommen.

Sie waren zwar einige Stunden zu spät, aber den Deal mit Geffen Records landeten sie trotzdem noch.

9. Steven Adler rettete das Leben von Nikki Sixx

Es war nur zwei Tage vor Weihnachten in 1987, als Guns N’ Roses mit Alice Cooper und Mötley Crüe unterwegs waren. Und – Achtung, Flachwitz – der Schnee rieselte auch Backstage. Zumindest hatten Slash, Steven Adler und Mötley Crües Nikki Sixx alle Hände und Nasen voll zu tun. Nur Nikki Sixx wurde die weihnachtliche Stimmung irgendwann zu viel und er wurde ohnmächtig.

Als Sixx auch nach einer Ladung kaltem Wasser durchs Gesicht nicht wieder aufwachte, fing Adler an, ihm mit seinem Gips Arm ins Gesicht zu schlagen (praktischer Weise hatte er einige Tage zuvor gegen eine Straßenlaterne gehauen und sich dabei die Hand gebrochen). Die Schläge brachten Sixx schließlich wieder zurück unter die Lebenden.

Als Adler am nächsten Morgen bei Sixx im Krankenhaus vorbeischaute, konnte sich der Mötley Crüe Bassist nur wundern: „Stevie, was zur Hölle ist gestern Nacht passiert? Mein Gesicht bringt mich um!“

10. Sie ärgerten sich über Axl Rose und legten eine Umkleide in Schutt und Asche

Der 23. Oktober 1986 war eine harte Nacht für Guns N’ Roses. Eigentlich sollten sie für Alice Cooper die Show eröffnen, aber Axl Rose verspätete sich und wurde nicht mehr vom Sicherheitsdienst durchgelassen. Also musste der Rest improvisieren: Izzy Stradlin und Slash dachten sich Songtexte aus und holten Leute aus dem Publikum auf die Bühne, um ihren Frontmann zu ersetzen. Das Ganze war anscheinend so frustrierend, dass die Band nach der Show eine Umkleide zerlegte und alle Spiegel zerschlug.



11. Guns N’ Roses lösten einen massiven Krawall in St. Louis aus

Während ihrer Use Your Illusion-Tour machten Guns N’ Roses auch Halt in St. Louis und das örtliche und brandneue Riverport Amphitheater war fast bis auf den letzten zwanzigtausendsten Platz gefüllt. Die Band schaffte rund 90 Minuten ihres Sets, als Axl während Rocket Queen die Fassung verlor: Anscheinend war er wütend auf einen Fan, der eine Kamera mit ins Publikum gebracht hatte: „Hey! Nehmt ihm das weg! Packt ihn und nehmt ihm das weg! Verdammt, ich nehme ihm das selbst ab!“

Kurzentschlossen sprang Rose ins Publikum, nahm dem armen Kerl die Kamera ab und verließ kurz darauf die Bühne – die Band folgte ihm.

Das aufgebrachte Publikum, das bald bemerkte, dass die Show vorzeitig beendet worden war, stürmte wutentbrannt die Bühne. Da konnten auch die kräftigen Herren aus der Security Abteilung nichts mehr aufhalten und ein rasender Mob zerstörte und plünderte teures Sound-Equipment. Es brauchte hunderte Polizisten, um den Aufstand zu zerschlagen. Die Schuld für den „Riverport Riot“ bekam Axl Rose und er sollte 2 Millionen Dollar Schadensersatz zahlen.

Bis heute sind Guns N’ Roses nicht nach St. Louis zurückgekehrt.

12. Mitten im Konzert schlug Axl Rose eine Polizistin

Während einer Show in Atlanta meinte Axl Rose zu sehen, wie jemand aus dem Sicherheitspersonal einen von seinen Freunden in der ersten Reihe verprügelte. Selbstverständlich musste Axl eingreifen. Er sprang mitten im Song von der Bühne und schlug der Polizistin ins Gesicht. Während Axl anschließend mal wieder zur örtlichen Polizeiwache chauffiert wurde, übernahm unterdessen einer der Roadies den Gesang.

Die Behörden stimmten zu, Axl wieder gehen zu lassen – vorausgesetzt er entschuldigte sich schriftlich bei der Polizistin. Zwar unterschrieb er die Entschuldigung, doch als die Polizistin den Raum betrat brach eine Tirade an Schimpfwörtern aus Axl heraus.

Ihr habt es euch bereits gedacht: Die nächsten Nächte verbrachte er nicht im Tourbus.

13. Sie mussten während ihrer ersten großen Tour trampen

Eigentlich war für die The Hell Tour doch alles so schön vorbereitet: Ein eigener Van stand bereit, mit dem Guns N’ Roses von Los Angeles nach Seattle fahren wollten. Doch der Wagen gab mitten auf der Interstate 5 den Geist auf. Aber die Jungs hätten ihre Show um keinen Preis verpasst – sie luden ihre Gitarren aus und reckten die Daumen in die Höhe.

Und auch wenn sie auf geliehenem Equipment spielen mussten und nur einen Bruchteil ihrer Gage bekamen: Guns N’ Roses trampten erfolgreich zu ihrer Show!



14. Axl Rose prügelte sich, weil ihm jemand sagte, er ähnelte Bon Jovi

Am 19. Dezember 1987 schlug Axl Rose einem Fan in Chicago grade heraus ins Gesicht, nur weil dieser zuvor meinte, Axl würde ein bisschen wie Bon Jovi aussehen. Nachdem er zugeschlagen hatte, soll Axl noch gesagt haben, Bon Jovi könne ihm mal einen bla– nun, solche Ausdrücke müssen jetzt vielleicht nicht sein.

15. Mit dem ersten Plattendeal gab’s eine ordentliche Ladung Cash

Am 28. Februar 1986 spielten Guns N’ Roses einen ganz speziellen Gig im Troubadour in Los Angeles: Tom Zutaut von Geffen Records hätte die Jungs gerne unter Vertrag genommen, aber er wollte die Band vorher noch einmal live sehen. Also was machten Guns N’ Roses? Früh schlafen gehen und vorher eine warme Milch mit Honig trinken? Fast! Angeblich haben sich alle bis auf Axl mit Alkohol und Drogen zugezogen. Soweit wohl keine so schlechte Idee – denn einen Monat später unterschrieben sie bei Geffen den Vertrag und bekamen ein amtliches Sümmchen als Vorschuss. Slash investierte seinen Teil gleich wieder in frische Drogen.

16. Guns N’ Roses haben Hausverbot im Olympischen Stadion von Montreal

Als Guns N’ Roses am 8. August 1992 mit Metallica im Olympischen Stadion von Montreal auftreten sollten, schien der Abend schon von Anfang an dem Untergang geweiht. Da sich James Hetfield schwer an der Pyrotechnik verbrannte, mussten Metallica ihr Set dramatisch abkürzen.

Ganz in Rockstar-Manier ließen sich Axl und seine Freunde anschließend noch zwei Stunden Zeit, bis sie die Bühne betraten – und spielten für ganze 15 Minuten, bevor sie wieder das Feld räumten.

Das Publikum war außer sich: Geschätzte 2000 Menschen begannen im Stadion und in der umliegenden Nachbarschaft zu randalieren und verursachten einen Schaden von einer halben Millionen Dollar. Seitdem haben Guns N’ Roses Hausverbot bis zum Sankt Nimmerleinstag.


Headerbild: Katarina Benzova GNR ©️

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Popkultur

PJ Harveys Debüt „Dry“ wird 30: Die Wiedergeburt der Patti Smith

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PJ Harvey
Foto: Getty Images

Berstend intensiv, körperlich, kompromisslos: Vor 30 Jahren peitscht uns eine junge, unverfrorene PJ Harvey ihr wegweisendes Debüt Dry um die Ohren. Mitten im Grunge-Bohei wird die Welt Zeuge einer englischen Kulturrevolution.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Dry von PJ Harvey anhören:

Musik und Bildende Kunst gingen für Polly Jean Harvey schon immer Hand in Hand. Die 1969 in Bridport an der südenglischen Küste geborene Sängerin, Künstlerin und Multiinstrumentalistin lernt früh Gitarre und Saxofon, kultiviert aber auch ein ausgewachsenes Interesse an visueller Kunst. Dennoch gibt sie in den Achtzigern erst mal der Musik den Vorzug: Sie spielt in einer Instrumental-Combo und in einer Folk-Band, ehe sie 1988 bei Automatic Dlamini einsteigt und dort unwissentlich die Weichen für ihre Zukunft stellt.

Sonic Youth drängen sich ins Bild

Mit John Parish und Rob Ellis lernt sie in dieser Band zwei wichtige Figuren kennen, die sie auf ihrem Weg in ihre ruhmreiche Solokarriere begleiten werden. Zunächst versucht es Harvey aber mal als Band: 1991 ist für sie Schluss bei Automatic Dlamini, mit den beiden Mitglieder Rob Ellis and Ian Oliver (später ersetzt von Steve Vaughan) gründet sie das Trio PJ Harvey. Zur selben Zeit kommt es zu einer Kräfteverschiebung in ihrem musikalischen Spektrum: Sonic Youth drängen Folk und Blues ein wenig an den Rand, ihre Lust an verzerrter, roher, pulsierender Gitarrenagonie erwacht.

Sie ziehen nach London, wo Harvey ein Studium der Bildhauerei in Betracht zieht. Die Sache mit der Musik, sie traut ihr irgendwie noch nicht so ganz. Selbst als ihrer ersten Single Dress viel Aufmerksamkeit zuteil wird und sie im Zuge dessen sogar von Radiogott John Peel protegiert wird, ist sich die damals 22-Jährige nicht sicher, ob eine musikalische Karriere eine Zukunft hat. Deswegen klinge ihr Debüt Dry auch so wie es klingt, sagte sie 2004: „Dry war meine allererste Chance, ein Album zu machen, und ich dachte damals, es wäre meine letzte. Also steckte ich alles in diese Songs, was ich hatte.“

Reinkarnation der Punk-Urmutter

Dry ist ein bemerkenswert extremes Album. Metallischer Bass, versengender Gitarrensound, dumpfe Percussions, dazu Cello, Kontrabass und diese Stimme. Das hier war nicht eine weitere Alternative-Rock-Band mit einer Frau am Mikrofon. Das war eine Wachablösung, eine Kampfansage an das Patriarchat des Rock’n’Roll. Mehr als jeder andere Vergleich zieht deswegen der mit Patti Smith: PJ Harvey als Reinkarnation der Punk-Urmutter, feministisch, intellektuell, weiblich, einschüchternd talentiert. Dry als das Horses der Neunziger – ein furioses, feminines, poetisches Aufbäumen voller schwerer Gitarren und versengender Lyrik.

Und nicht nur das: Dry ist zudem voller grandioser Songs. Dress als erste Single wirkt schon wie ein krachiges Leuchtfeuer, getoppt von Sheela-Na-Gig, einem dieser Stücke, die heute ebenso emblematisch für die Neunziger stehen könnten wie, sagen wir, Smells Like Teen Spirit. Das abschließende Water hingegen zeigt früh in ihrer Karriere ihre Rolle als Rockmusikerin und Poetin in Personalunion – der Wesenszug also, der auf künftigen Werken sehr viel stärker zum Vorschein kommt.

Schroffer Vorstoß

PJ Harvey ist näher an der feministisch-existentialistischen Poesie von Silvia Plath oder Virginia Woolfe als am Klischee dauerbesoffener Kunstschaffender, ist Lichtjahre entfernt von sinnentleerten Rock-Bands in knappen Höschen. Diese Erniedrigung überlässt sie gern anderen. Sie ist eine hochgebildete Denkerin, eine Intellektuelle in der politische Zeitgeschehen und Mythos kollidieren. Ihre Waffe sind gleichermaßen ihr Stift, ihre Stimme und ihre Gitarre, ihr Debüt ein schroffer Vorstoß in eine Welt, die bislang eher eine andere Art von Frontfrau gewöhnt war. Sie war Engländern, vielleicht liegt es ja auch ein bisschen daran. Doch wo Courtney Love am einen Ende des Spektrums thront, nimmt Harvey liebend gern das andere Ende ein.

Nicht, dass sich PJ Harvey mit ihren Reizen zurückhält, nicht, dass sie nicht sexy, lasziv kann. Ihre Persona und ihre Musik – allen voran ihre allererste jemals veröffentlichte Single Dress – machen aber vom Fleck weg eines klar: Wenn du dich so kleiden willst, dann tu es für dich. Und nicht, um jemand anderem zu gefallen. Nur weil sie eine Frau mit einer Gitarre ist, wollte PJ Harvey nie gefeiert werden, wollte sie nie auf dem Cover eines Magazins landen. Wenn schon, dann bitteschön wegen ihrer Musik. Mission erfolgreich, kann man 30 Jahre später sagen.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 30.6.1975 treten Cher und Gregg Allman vor den Traualtar.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.6.1975.

von Sina Buchwitz und Christof Leim

Vom Traualtar zum Scheidungsanwalt und zurück: Am 30. Juni 1975 heiratet Cherilyn „Cher“ Sarkisian ihren zweiten Ehemann Gregory LeNoir Allman, vier Tage nach Chers offizieller Scheidung von Sonny Bono. Für Gregg ist es bereits die dritte Vermählung. Doch das junge Glück währt nur kurz; neun Tage später will Cher die Ehe auflösen lassen. Letztlich gehen aus der turbulenten Verbindung doch noch ein Kind und ein Album hervor, bevor sie 1979 tatsächlich endet. 

Hört hier das gemeinsame Album Two The Hard Way: 

Als Cher und Gregg Allman im Januar 1975 zum ersten Mal aufeinandertreffen, stehen die Sterne eigentlich schon schlecht für die beiden: Cher befindet sich mitten in der Scheidungsschlacht mit ihrem ersten Ehemann Sonny Bono und kämpft im Zuge dessen auch um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Chastity. In Greggs Leben läuft es derweil nicht weniger chaotisch. Sein Alkohol- und Drogenkonsum nimmt Ausmaße an, der nicht nur die Allman Brothers Band zu zerreißen droht, sondern auch für Ermittlungen der Drogenvollzugsbehörde sorgt. 

Blitzbegegnung

Dennoch schlägt die Begegnung zwischen den beiden ein wie ein Blitz: „Sie roch so, wie ich mir den Geruch einer Meerjungfrau vorstelle“, erinnert sich Allman an das erste Treffen bei einem seiner Konzerte. Dass seine Auserwählte zu dem Zeitpunkt eigentlich ein Date mit Musikmagnat David Geffen verbringt, beeindruckt ihn wenig: „Ich war so unhöflich, ich sagte David nicht einmal ‚Hallo‘, weil ich so geblendet von ihr war.“ Cher gibt Gregg ihre Telefonnummer. Bis zum ersten Anruf vergehen keine 24 Stunden.

Bereits die erste Verabredung endet dank Allman im Desaster: Als Abschluss des Abends liegt er, berauscht vom Heroin, bewusstlos in der Ecke. Cher ignoriert die Warnzeichen jedoch und lässt sich auf eine zweite Verabredung ein. Dieses Mal läuft es besser. In einer Disco trinkt Gregg sich genug Mut an, um mit seiner Angebeteten zu tanzen. Im Anschluss geht es zu Cher nach Hause, wo die beiden sich im Rosengarten näherkommen. 

Eine Ehe wie eine Achterbahn

Ab da passiert alles im Eiltempo. Rund sechs Monate nach dem ersten Treffen, am 30. Juni 1975, heiraten die beiden in Las Vegas. Fans und Presse sind außer sich: Zum einen, weil die Tinte auf Chers und Sonnys Scheidungspapieren noch nicht trocken ist, zum anderen, weil die Popsängerin und der Southern-Rock-Pionier ein derart ungleiches Paar abgeben. Das scheint auch ihr bald zu dämmern – nur neun Tage nach der Eheschließung ruft sie ihren Gatten an, um ihm zu sagen, dass es vorbei ist. Doch der? Ist „so high, dass er mich noch nicht mal versteht“, erinnert sich die Pop-Diva. 

Innerhalb eines Monats gelingt es Allman, seine Frau zurückzugewinnen. Doch die Achterbahnfahrt der Gefühle geht weiter, als im Jahr darauf die Sonny And Cher Show, die erste TV-Sendung mit einem geschiedenen Ehepaar, wieder über die Bildschirme flimmert. Dieses Mal ist es Gregg, der die Scheidung einreicht und sie wieder zurückzieht, als er herausfindet, dass seine Frau schwanger ist. 

Noch eine Chance

Der gemeinsame Sohn Elijah Blue wird am 10. Juli 1976 geboren und scheint das Paar miteinander zu versöhnen. Dem Magazin People gegenüber verrät Cher: „Gregory hat aufgehört zu trinken und Drogen zu nehmen. Ich habe ihn schon immer geliebt, aber bisher dachte ich, es würde nicht halten. Zum ersten Mal fühlen wir uns wirklich wie verheiratete Leute.“ 

Allmans Solokarriere nimmt derweil wieder Fahrt auf. Das gemeinsame Album Two The Hard Way, welches im November 1977 erscheint, soll ihre Liebe unterstreichen. Bei Fans und Kritikern wird die Platte jedoch eher belächelt; zu unterschiedlich scheinen die beiden Musiker zu sein. 

Es hilft nichts

Nur zwei Monate nach der Veröffentlichung lassen sich Cher und Gregg zum letzten Mal scheiden. Und dieses Mal zählt’s. Während die dunkelhaarige Schöne sich unter anderem mit Kiss-Gründer Gene Simmons tröstet, zieht es Allman noch im selben Jahr wieder vor den Traualtar. 1979 veröffentlicht Cher mit My Song (Too Far Gone) einen Titel für ihren Verflossenen: 

Now he’s too far gone to hold me, 

Too far gone, he doesn’t wanna know me

Too far gone, and he doesn’t really know 

No, he’ll never get to know his son

Trotzdem spricht sie auch sehr positiv von der gemeinsamen Zeit: „Niemand hat mich jemals so glücklich gemacht wie Gregory“, sagt Cher in einem Interview. Als Gregg Allman 2017 stirbt, zollt die Sängerin ihrem Exmann Tribut. 

Zeitsprung: Am 1.5.1967 heiraten Elvis Presley und Priscilla Ann Beaulieu.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 29.6.1980 singt Brian Johnson seine erste Show mit AC/DC.

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Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.6.1980."

von Christof Leim

Kein einfacher Job: Nur vier Monate nach dem Tod von Bon Scott steht Brian Johnson am 29. Juni 1980 im belgischen Namur zum ersten Mal mit AC/DC auf der Bühne, im Gepäck das noch unveröffentlichte Back In Black. Doch die Tickets gehen weg wie nix Gutes. Und unser Mann ist so nervös, dass er zu zwei Songs den gleichen Text singt…

Hier gibt es das unerreichte Back In Black zu hören:

Wie schnell das bei AC/DC geht damals. Statt zu trauern, muss der Rock weiter rollen: Am 19. Februar 1980 stirbt ihr unvergleichlicher Sänger Bon Scott (alles dazu hier), am 1. April 1980 stellen sie bereits Brian Johnson als den neuen Mann am Mikro vor. Kurz danach nimmt die Band bereits auf den Bahamas Back In Black auf, Ende Mai ist das Ding im Kasten (und wird im Laufe der Jahre völlig zu Recht zum je nach Zählung zweiterfolgreichsten Album aller Zeiten).

Es zählt auf dem Platz

Doch Rock’n’Roll-Geschichte wird vor allem auf der Bühne geschrieben. Deshalb buchen AC/DC vier Wochen vor Veröffentlichung der Platte ein halbes Dutzend kleine Shows in Benelux zum Aufwärmen. Das Line-up: Brian Johnson (Gesang), Angus Young (Gitarre), Malcolm Young (Gitarre), Cliff Williams (Bass), Phil Rudd (Schlagzeug). Der Start wird für den 29. Juni 1980 in der belgischen Kleinstadt Namur geplant. Eine riesige Sache soll das nicht werden, heißt es (wie mit Sabbath mit Dio in Ostfriesland), doch die Tickets für diesen Sonntagabend gehen weg wie nichts Gutes, weswegen die Show in größere Hallen verlegt wird und im großen Palais Des Expositions landet. Um 20 Uhr soll es losgehen, doch die Verantwortlichen bitten mehrmals um Aufschub, weil sie die Räumlichkeiten noch erweitern wollen, denn es seien mehr Leute gekommen als erwartet.

Vollgas: AC/DC unterwegs in Europa 1980 mit ihrem neuen Sänger – Foto: Michael Putland/Getty Images

Und Brian Johnson ist nervös. Das kann man ihm nicht verdenken, schließlich arbeitete der 32-Jährige vier Monate vorher noch in einer Autowerkstatt in Newcastle und hatte mit seiner Musikkarriere (als Sänger von Geordie) bereits abgeschlossen. „Überall hielten die Leute Banner hoch, auf denen stand: ‚Rest in peace, Bon‘!“, erinnert er sich in einem Interview. „Ich habe mich echt gefragt, worauf ich mich da eingelassen hatte. Das konnte doch nicht gut gehen! Aber in der Mitte war ein riesiges Plakat zu sehen mit ‚Alles Gute, Brian!‘ Und mehr brauchte ich nicht – Abfahrt!“

Die Nerven

Trotzdem ist Brian so angespannt, dass er sogar den gleichen Text für zwei Songs singt, also (mindestens) einmal falsch. Im gleichen Interview erinnert er sich an Bad Boy Boogie: „Ich konnte gar nichts hören. Das Publikum hat bestimmt gedacht, ich sei sehr ‚Avantgarde’. Malcolm hat mich nur angesehen und gefragt: ‚Was zum Teufel war das?‘“

 

Auf dem Plan stehen gleich sieben Stücke von Back In Black, mehr als von jedem anderen AC/DC-Album bis dato. Diese Show markiert laut setlist.fm den Konzerteinstand von Hells Bells (als Opener), Back In Black, What Do You Do For Money Honey, Rock And Roll Ain’t Noise Pollution, und Shoot To Thrill. Sogar das selten gespielte Given The Dog A Bone steht auf dem Plan und Shake A Leg als erste Zugabe (laut mancher Quellen zum ersten und einzigen Mal auf einer AC/DC-Setlist). Das immergrüne You Shook Me All Night Long fehlt hingegen noch für ein paar Wochen, wie auch die sehr detaillierte Seite highwaytoacdc.com aufführt. (In besagtem Interview erwähnt Brian die Nummer zwar beiläufig, aber das verbuchen wir nach Tausenden von Einsätzen des Stücks mal als Verwechslung.)

Magische Musikgeschichte

Das Problem mit den neuen Liedern: Die Leute kennen sie noch nicht – und reagieren verhaltener. „Oh Scheiße!“, denkt sich der Sänger, „Sie mögen das Zeug ja gar nicht. Der Abend war schon traumatisch“. Aber doch irgendwie geil: Jahre später nennt Brian die Show gegenüber Ultimate Classic Rock „magisch“. Das glauben wir gerne. Wir wären am liebsten dabei gewesen. Und der Rest ist Geschichte…

Nachtrag: Der Song Bedlam In Belgium von Flick Of The Switch (1983) handelt übrigens nicht von diesem 29. Juni 1980, sondern von einer früheren Show der Band, bei der sie die Bühne pünktlich verlassen sollte, aber nicht wollte – was die Polizei auf den Plan rief.

Zeitsprung: Am 19.2.1980 stirbt der große Bon Scott von AC/DC.

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