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Popkultur

So war’s: Slayer live in Dortmund 2018

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"Slayer verabschieden sich. Der erste Teil ihrer Farewell-Tour gastiert am 14. November in den Dortmunder Westfalenhallen, im Schlepptau Lamb Of God, Anthrax und Obituary. Ganz unsentimental klöppeln Slayer dabei mal wieder alles kaputt, legen aber noch einen drauf – mit Flammen, fetter Produktion und einer furiosen Performance. Zum Abschied wird Tom Araya sogar kurz gefühlig.

von Christof Leim

Hier könnt ihr in die Setlist des Abends reinhören:

Klickt auf „Listen“ für die ganze Playlist.

Wenn Slayer von einer „Final World Tour“ reden, dann darf man annehmen, dass sie das ernst meinen. Diese Abschiedsreise zieht im November 2018 zum ersten Mal durch Europa und füllt die großen Hallen. Dass die kalifornischen Wüteriche, die während ihrer Karriere nie auch nur eine Nietenlänge von ihrem Kurs abgewichen sind, dabei sentimental werden, erwartet allerdings niemand, der weiß, was ein „Bangover“ ist. Denn Slayer sind Slayer sind Slayer – aber dieses Mal haben sie eine fette Produktion dabei, die die Bühne wie einen Vorort der Hölle aussehen lässt. Was genau der Plan gewesen sein dürfte. Zudem erweisen sich die vier Musiker als spielfreudig und gut aufgelegt, was natürlich nicht heißt, dass hier viel gelächelt wird. Aber eins nach dem anderen…

Es geht früh los an diesem Tag, die Fans haben schon sichtlich Bierlaune und tragen noch mehr Shirts mit dem Logo des Headliners als sonst bei Metal-Konzerten. Und ja, natürlich grölt immer mal wieder jemand „Slaaayööörrr“ durch die Gänge, wie es sich gehört. Schon um viertel nach sechs starten Obituary, deren rollender Death Metal in einer großen Halle erwartungsgemäß nicht optimal funktioniert. Doch das Set von Redneck Stomp bis zum obligatorischen Rausschmeißer Slowly We Rot bietet eine gute Einstimmung auf den Abend.


 

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Germany looking good! 🇩🇪 #fightemtilyoucant @monsterenergy #slayerfarewelltour2018

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Anthrax legen ebenfalls noch vor der Tagesschau los, ziehen mit einem Auszug von Cowboys From Hell kurz vor Pantera den Hut und hauen dann eigene Klassiker der Marke Caught In A Mosh und Efilnikufesin (N.F.L.) raus. Mit Fight ‘Em ‘Til You Can’t steht nur ein neuerer Song auf der Setlist, dazu die beiden lautstark angenommenen Coverversionen Got The Time und Antisocial. Die Band legt eine bestechende Form an den Tag, allen voran Joey Belladonna. Während andere Sänger sich mit zunehmendem Alter zurücknehmen müssen, singt der 58-Jährige (fast) weiter, als wäre es 1988. Bassist Frank Bello springt wie immer einem haareschüttelnden Flummi gleich über die Bühne, und auch Scott Ian mosht im Kreis. Gut gelaunt brüllt er ins Mikro: „Ich habe ein saudumme Frage an euch, aber ich stelle sie trotzdem: Habt ihr Bock auf Thrash Metal?“ Na sicher. Deshalb gibt’s vom Publikum bei Indians auch zum ersten Mal ein bisschen Kriegstanz im Pit. Ein kurzes Vergnügen war das, aber so langsam wird Dortmund warm.

Lamb Of God können als Co-Headliner die Bühne mehr zur ihrer machen und liefern vor großer Kulisse ein ordentliches Brett an (vergleichsweise) modernem Metal. Im Fokus steht dabei immer Frontmann Randy Blythe, dessen Gebrüll zwar deutliche Limitationen aufweist (heißt: nur ein Ton, dafür mit Schmackes), der aber mit großer Intensität die Zuschauer mitzureißen versteht. Und Redneck geht eigentlich immer, insbesondere nach ein paar Pils.

Dann kommen sie endlich, die mächtigen Slayer: Zum bedrohlichen Delusions Of Saviour vom Band lodert ein Feuer hinter einem Vorgang, auf dem zuerst Kreuze und Pentagramme erscheinen, dann ein riesiges Slayer-Logo, das mit großem „Hallo“ begrüßt wird. Dramaturgisch kann das schon mal einiges. Mit einem Knall bricht Repentless vom gleichnamigen Nummer-Eins-Album los, gefolgt von Blood Red und dem noch ein bisschen brutaleren Disciple mit der markanten Zeile „God hates us all“. Das scheppert, und es klingt sogar gut, deutlich und druckvoll.



Die Produktion kann sich sehen lassen: An der Seite erscheinen wechselnde Banner, hinter der Band hängt ein Backdrop mit Logo, das im Dunkeln zwischen den Songs phosphoreszierend nachleuchtet. Dazu gibt es eine Licht-Show, die ihren Charakter von höllisch-rot über böse-grün bis gleißend-weiß ändert. Nicht schlecht. Vor allem beeindrucken die Flammenfontänen, die quer über das Schlagzeug schießen wie gekreuzte Schwerter und sogar auf einzelne Riffs abgestimmt wurden. Fett.

Mandatory Suicide und Hate Worldwide (das sind Titel!) folgen, Kerry King steht dabei wie ein Berg an Mosh auf der Bühne, mit gewaltigen Ketten am Gürtel und glatzhaarig headbangend. Der Mann muss sich nicht viel bewegen, hat er noch nie, eine große Pizza reicht meist zum Abstecken des Bewegungsradius. Gary Holt von Exodus, der Nachfolger des verstorbenen Jeff Hanneman, macht mehr Meter, bricht immer wieder in eruptives Moshen aus und sucht den Kontakt zum Publikum. Guter Mann. Die vier Slayer-Musiker sind gut drauf und scheinen Lust auf einen ordentlichen Abriss zu haben. Ansagen gibt es trotzdem fast keine, und schon gar keine Würdigung der Tatsache, dass hier eine Abschiedstour oder ein erster Teil davon läuft. Zwischen den Songs geht das Licht aus, danach zählt der (hochkompetent aufspielende) Paul Bostaph ein, und weiter knattert die Thrash-Maschine.



 

Erst vor dem sechsten Stück War Ensemble spricht Sänger/Bassist Tom Araya mit den Zuschauern und bedankt sich für ihr Kommen. „Are you ready for some fun?“, fragt er und meint War Ensemble, für das alle erstmal „Waaar!“ brüllen dürfen, nein, müssen. Ansonsten braucht der Mann nur ruhig vorne am Bühnenrand zu stehen, um „Slayer! Slayer!“-Rufe losdröhnen zu lassen. Auch Araya hat Laune, immer wieder marschiert er zu den Seiten und schaut sich die Leute an. Er verpasst sogar einige Male deswegen seinen Gesangseinsatz. Egal.

In der Setlist finden sich, wenig überraschend, keine Überraschungen, dafür verlässliche und bewährte Brecher vom Kaliber Jihad, Postmortem und Black Magic, die Slayer unerbittlich runtermetern. Kurze Verschnaufpausen, aber nicht einen Takt in Dur, gibt’s im Clean-Intro von When The Stillness Comes und dem immergrünen Seasons In The Abyss, und so langsam biegt die Band auf Zielgerade ein.

Mittlerweile steht rechts und links des Schlagzeugs das Slayer-Emblem mannshoch in Flammen, und der Techniker an der Feuerkanone gibt richtig Gas. Bei Hell Awaits brennt sogar die Bühne in voller Breite, den ganzen Song lang. Hammer.



Ab jetzt hilft nur noch die grobe Kelle. Es folgen South Of Heaven mit dem teuflischsten Riff seit Black Sabbath, nach einem dramatisch in die Länge gezogenen Intro kommt Raining Blood, dann das atemlose Chemical Warfare und Angel Of Death zum Exitus. Spätestens hier wird klar: Schneller und brutaler kann man sowas nicht spielen, ohne dass es in Chaos endet. Bei allem Wahnsinn behalten Slayer die Kontrolle, immer ein Stück rüder, immer ein Stück böser als die anderen Kinder, aber eben nie in uneffektives Gebolze abdriftend. Wie ein Psychopath, der nicht nur um sich schlägt, sondern weiß, wie es am meisten wehtut. 

Heute haben sie eine ihrer besseren Shows hingelegt, was selbst selbst kritische Die Hard-Slayer-Freaks ohne rosarote (eher: blutrote) Brille bestätigen. Es werden sogar vereinzelte Fans gesichtet, die auf Socken über den biernassen Boden stolpern, weil sie einen Schuh im Moshpit verloren haben. Eine Dame schreitet mit blutiger Nase, aber nicht ohne Stolz im Gesicht Richtung Ausgang.

Dann ist der letzte Song vorbei. Fertig. Kein großes Theater, kein Outro. Die vier Musiker stehen auf der Bühne, werfen Picks und Sticks in die Menge – und lächeln (außer Kerry King natürlich). Der Abend scheint ihnen ebenfalls gefallen zu haben, vor allem Araya und Bostaph klopfen sich immer wieder auf’s Herz. Ganz zum Schluss geht der Sänger nochmal zum Mikro und sagt in eine gespannte Faststille hinein auf Deutsch: „Ich werde euch vermissen!“ Wir euch auch.


Setlist Slayer:
Repentless
Blood Red
Disciple
Mandatory Suicide
Hate Worldwide
War Ensemble
Jihad
When The Stillness Comes
Postmortem
Black Magic
Payback
Seasons In The Abyss
Dittohead
Dead Skin Mask
Hell Awaits
South Of Heaven
Raining Blood
Chemical Warfare
Angel Of Death

Fotocredits:
Header Tom Araya: Lorenz Pietzsch/www.vawra.de

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Popkultur

Zeitsprung: Am 5.7.1954 nimmt Elvis Presley seinen ersten Hit „That’s All Right“ auf.

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Michael Ochs Archives/Getty

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.7.1954.

von Tom Küppers und Christof Leim

Natürlich spielt Gevatter Zufall auch im Rock’n’Roll eine wesentliche Rolle. Selbst Elvis Presley, der „King“ höchstselbst, verdankt seinen Karrierestart einem kurzen, absolut ungeplanten Moment…

Hier könnt ihr euch zur Lektüre die Nummer und andere Elvis-Klassiker anhören:

Sam Phillips ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Unter dem Banner Sun Records veröffentlicht er Anfang der Fünfziger Tonträger von Künstlern wie B.B. King oder Howlin’ Wolf und betreibt auch das dazugehörige Aufnahmestudio. Schnell kommt er auf die Idee, dieses auch Hobbymusikern zugänglich zu machen, die dann beispielsweise ihren Gesang auf einem rasch gepressten Acetat-Tonträger mit nach Hause nehmen können. Das gefällt auch dem gerade mal zwanzig Jahre jungen Elvis Aron Presley. Der kommt eines Tages in das Studio und möchte als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter zwei Songs aufnehmen. Der Kunde ist König, Elvis bekommt seine Platte. Vor allem aber ist Parker recht angetan von dem, was er hört, und lädt den jungen Musiker zu weiteren Aufnahmen ein. 

Zunächst springt der musikalische Funke nicht richtig über, dann hat der Legende nach Parkers Sekretärin Marion Keisker den Geistesblitz, Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore bekannt zu machen. Die erste Reaktion des erfahrenen Musikers ist pures Gold: „Elvis Presley? Was zum Geier soll denn das für ein Name sein?“ Nach einer gemeinsamen Probe ändert sich seine Meinung, umgehend wird für den 5. Juli 1954 eine weitere Aufnahmesession angesetzt. Doch die angedachten Interpretationen zeitgenössischer Pop-Hits zünden nicht wirklich. 

Während der Rest der Anwesenden während einer Pause ratlos dreinblickt, schnappt sich Elvis einfach eine Gitarre und beginnt, eine flotte Version von That’s All Right zu singen, einen Proto-Blues von Arthur Crudup. Später wird Presley erzählen, dass er eigentlich lediglich einmal kurz den Clown geben wollte, um die Stimmung aufzuheitern. Kontrabassist Bill Black steigt allerdings zupfenderweise auf den Witz ein, und da geht Parker plötzlich ein Licht auf: Das ist genau der neue Sound, nach dem alle suchen, und er hat ihn gerade eben gefunden. Moore stürzt zurück in den Aufnahmeraum, sucht ein paar Akkorde zusammen, und fertig ist die Nummer. 

Drei Tage später läuft That’s All Right dann zum ersten Mal im Radio bei Sendern, die Philipps mit einer Vorabpressung versorgt hat. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten; in einem Studio glühen die Telefone solange, bis sich der DJ genötigt sieht, die Platte während seiner zweistündigen Show immer und immer wieder aufzulegen. Elvis wird sogar zu einem Liveinterview eingeladen.

Am 19. Juli 1954 steht That’s All Right dann als Single in den Läden mit Blue Moon Of Kentucky als B-Seite, den die drei Musiker auf ähnliche Weise eingespielt hatten: Gesang, Gitarre, Bass, fertig. Und damit beginnt eine bis heute unvergleichliche Weltkarriere.

Und das soll alles darauf basieren, das Presley nur mal kurz einen Witz reißen wollte? Ein paar Jahre vor seinem Tod beantwortet Scotty Moore genau diese Frage mit einem Lachen im Gesicht und einem eindeutigen „Absolut!“ Manche Geschichten kann man sich echt nicht ausdenken…

Zeitsprung: Am 26.8.1969 kann Elvis Presley auf der Bühne nicht aufhören zu lachen.

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Popkultur

Sex, Prügel, Mordversuche: Vor 40 Jahren heiraten Ozzy und Sharon Osbourne

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Sharon & Ozzy Osbourne
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Wie die Ehe zwischen zwei absolut unberechenbaren Neurotiker*innen wie Ozzy und Sharon Osbourne wohl so verläuft? Heftiger und exzessiver als sich das jede*r von uns vorstellen kann. Chronik einer sehr wilden Ehe.

von Björn Springorum

Im April 1979 wird Ozzy Osbourne nach katastrophalen Konzerten und unproduktiven Studioaufenthalten bei Black Sabbath vor die Tür gesetzt. Für ihn ist die Sache klar: Ihr Manager Don Arden braucht nur einen Sündenbock, erwischt hat es eben ihn. Arden, ein kompromissloser, brutaler Typ mit Mafiamethoden und einer langen Liste von Feinden und Kontroversen, lenkt damals schon seit einigen Jahren die Geschicke der Band. An der Rezeption sitzt damals seine Tochter Sharon Arden.

Liebe auf den ersten Kick

Auf die hat Ozzy schon seit Beginn der Siebziger ein Auge geworfen, bekommt es jedoch irgendwie hin, die Beziehung die ganzen Jahre über professionell zu halten – und das in einem Jahrzehnt, in dem man sich durchaus fragen kann, wie ein Begriff wie „professionell“ überhaupt in Ozzys Habitus passt. Vielleicht liegt es ja daran, dass er davon ausgeht, sie hielte ihn für einen „Wahnsinnigen“, wie er mal recht luzide reflektierte.

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Damals weiß er noch nicht, dass seine Zukünftige aus dysfunktionalen Verhältnissen stammt: Ihr Vater ist gewalttätig, sie ist oft Zeugin seiner Ausraster, als eine sehr junge schwangere Sharon Osbourne mal ihre Mutter besucht, ruft die ihre aggressiven Hunde nicht zurück, die über ihre Tochter herfallen. Sie verliert das Kind. So ein Ozzy auf welcher Droge auch immer wirkt im Gegenzug eher wie ein Spaziergang.

100.000 Pfund für Drogen

Obwohl Arden den Sänger gefeuert hat, nimmt er ihn auf sein Label Jet Records und entsendet seine Tochter Sharon nach Los Angeles, um dessen Solokarriere aufzubauen. Dort hat sich Ozzy mit seinen rund 100.000 Pfund Anteilen am Namen Black Sabbath (heute wären das über eine halbe Million Pfund) zurückgezogen, um in Frieden alles für Drogen und Suff auszugeben – „bevor ich zurück nach Birmingham kehren und mich arbeitslos melden würde“, so erinnert er sich. Ein folgenschwerer Fehler für den ach so taktierenden Manager: Die beiden verlieben sich, formen eine gemeinsame Front gegen Arden, der daraufhin schwere Geschütze auffährt, um die beiden auseinanderzubringen.

Ozzys erste Frau

Don Arden raubt seine Tochter aus, versucht sie umzubringen und erzählt Ozzy einmal sogar, dass seine Tochter ihren eigenen Vater verführen wollte. Familien… Man kann sie sich eben nicht aussuchen. Ozzy und Sharon bleiben stark, aber da gibt es natürlich noch ein anderes Problem: Ozzy ist seit 1971 mit einer gewissen Thelma Riley verheiratet, die beiden haben sogar zwei Kinder. Um den Weg für die neue Liebe frei zu machen, lässt sich Ozzy 1982 von Riley scheiden und tritt am 4. Juli 1982 mit Sharon Arden vor den Traualtar. Natürlich darf man sich fragen, wie die beiden jemals auch nur annehmen konnten, eine ruhige, harmonische Ehe zu führen, aber es ist natürlich nicht an uns, das zu beurteilen.

 

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Während Ozzy sehr bald danach wieder in einem Schleier aus Drogen und Alkohol durch die Welt stolpert und Sharon Osbourne in ihrer neuen Rolle als Managerin mehr und mehr wird wie ihr brutaler Vater, ist zumindest ihr Hochzeitstag eine romantische Sache: Ozzy im weißen Anzug, mit Fliege und Lorbeerkranz (wie ein römischer Kaiser), Sharon im weißen Kleid mit Schleier. Weiß, die Farbe der Unschuld… Das kommt schon 1982 nicht mehr hin.

Keine großbusige Beutefrau

Was folgt, wissen wir alle: eine wilde Ehe voller Exzesse, Streitereien und physischer Gewalt. Sie überfährt ihn mit dem Auto, er sie mit dem Rasenmäher, 1989 versucht er nach vier Flaschen Wodka, sie zu erwürgen. Dafür kommt er sogar ein paar Monate in den Knast. Sharon hält zu ihm. Die ganze Zeit. 2016 trennen sie sich zwar kurz, als Ozzys Affäre mit der Haarstylistin Michelle Pugh ans Licht kommt, doch nach Dutzenden Affären ist Sharon wohl abgehärtet, schon im Jahr darauf sind sie wieder zusammen. Und nicht nur das: Sie baut ihn über die Jahre zum Nationalheiligtum auf, zur bekanntesten Marke im Heavy Metal. Für Ozzy, klar. Aber auch für sich selbst. „Ich hörte damals immer nur: Ihr werdet das nie schaffen“, erinnerte sie sich mal. „Alle sahen ihn eher mit einer großbusigen Beutefrau, doch er bekam mich: eine kleine, fette, haarige Halbjüdin. Ich musste sehr viel kämpfen.“

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Mittlerweile haben es sogar die beiden geschafft, ihre Ehe in ruhigere Fahrwasser zu steuern. Zu ihrem 40. Hochzeitstag werden die beiden ihr Eheversprechen erneuern – das zweite Mal nach 2017. Und sich dann auf ihren Umzug zurück nach England vorbereiten. Happy anniversary!

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Hundetherapeuten, Seifenblasen und geworfene Schinken: Das sind die 7 besten Momente aus „The Osbournes“

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Popkultur

Zeitsprung: Am 4.7.1934 kommt DJ-Legende Mal Sondock zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.7.1934.

von Timon Menge und Christof Leim

Er gilt als „Vater aller Discjockeys“, zumindest in Deutschland. In den Sechzigern und Siebzigern moderiert er die Diskothek im WDR, in den Achtzigern folgt Mal Sondocks Hitparade. Am 4. Juli hätte Mal Sondock seinen Geburtstag gefeiert. Werfen wir einen Blick auf das Leben des Amerikaners, der das deutsche Radio revolutionierte.

Hört euch hier Hey, Annabella Susann von Mal Sondock an:

Es gab eine Zeit in der Welt des Musikhörens, von denen Eltern ihren Kindern heute bloß noch erzählen können. YouTube und Spotify waren noch nicht erfunden, MP3-Dateien ebenfalls nicht. Ja, sogar die Entwicklung der CD lag noch in weiter Ferne. Wir sprechen von einer Zeit, in der man genau vier Möglichkeiten hatte, neue Musik zu entdecken: per Blindkauf, per Fachpresse, per Freundeskreis oder per Radio. Letzteres Medium prägt in Deutschland vor allem ein Mann: Mal Sondock.

Zur Welt kommt Malcolm Ronald „Mal“ Sondock am 4. Juli 1934 in Houston, Texas. Gemeinsam mit einer Schwester wächst er als Sohn eines Zahnarztes auf. Bereits im Alter von 17 Jahren arbeitet er als Discjockey in Oklahoma City, während der College-Zeit heuert er bei mehreren Radiosendern und einer Plattenfirma an. 

1957 verschlägt es Sondock nach Deutschland. Als amerikanischer GI lebt er in Frankfurt am Main, Bremerhaven und München. Um seinen Sold von 75 US-Dollar aufzubessern, organisiert er Tanzveranstaltungen, bei denen er nicht, wie sonst üblich, eine Musikgruppe aufspielen lässt, sondern Schallplatten auflegt. Heute sagt man, dass es sich bei diesen Partys um die ersten Diskotheken Deutschlands gehandelt haben muss. 

Sondock kommt auf den Geschmack und bewirbt sich bei der ARD. Von dort aus landet er beim WDR, zunächst als Urlaubsvertretung für den Briten Chris Howland alias Mr. Pumpernickel. Ab 1961 moderiert Sondock die Montagnachmittagsmelodie, ab 1966 den Diskothekenbummel, aus dem sich 1967 die Sendung entwickelt, mit der er Radiogeschichte schreiben soll: Diskothek im WDR.

Ein großer Teil des Erfolgsrezeptes: Sondocks bescheidene Art. So garniert er seine Sendungen mit selbstironischen Sprüchen wie: „Weil er Deutsch nicht reden kann, schleppt er noch mehr Platten an.“ Er gilt aber auch als Arbeitstier. Laut eigener Aussage hört er für eine bis zwei Sendestunden sechs Tage pro Woche Musik, vier bis fünf Stunden täglich. Oft spielt er die kommenden Hits zum ersten Mal, manchmal sogar als Weltpremiere.

Revolutioniert über Dekaden hinweg das deutsche Radio: Mal Sondock

Ganze 13 Jahre lang bleibt Sondock mit dem beliebten Format auf Sendung und prägt drei bis vier Generationen an Musikhörern. Anders gesagt: Was er nicht spielt, ist auch nicht passiert. Aufgezeichnet wird die Diskothek live vor jugendlichem Publikum, aus dem zu Beginn jeder Show eine fünfköpfige Jury ausgewählt wird. Diese entscheidet im Verlauf der Sendung darüber, ob die vorgestellten Neuerscheinungen „Hit oder Niete“ werden. Die Zuhörer zuhause können außerdem Postkarten mit Musikvorschlägen einschicken, die nach Beliebtheit sortiert gespielt werden. 

Anfang 1981 wird die Diskothek durch Mal Sondocks Hitparade ersetzt. Die Rubrik „Hit oder Niete“ bleibt erhalten, diesmal allerdings per Telefonabstimmung. Knapp vier Jahre später wird die Sendung abgesetzt. Die offizielle Begründung: zu niedrige Einschaltquoten. Kaum jemand glaubt das, denn schließlich hören sie ihn alle, den alten M.A.L. vom WDR. Dennoch: Am 19. Dezember 1984 läuft die letzte Folge — mit Weihnachtsgrüßen von Freddie Mercury, Alan Parsons und Billy Ocean.

Was man sich heute kaum noch vorstellen kann: Sondocks Reichweite. Obwohl seine Sendung nur in Nordrhein-Westfalen und Umgebung ausgestrahlt wird, spielt er die Songs, die wenig später das ganze Land begeistern. Moderne Formen des Musikkonsums wie Spotify oder YouTube gibt es noch nicht, man muss sich anders behelfen. Wer in den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern die Hits der Woche konservieren möchte, hängt mit zwei Fingern am Kassettenrecorder und drückt nach den Anmoderationen blitzschnell auf „Play“ und „Record“. Wenn man Glück hat, quatscht Mal nicht in den Song. „Nur bei Sachen, die zwei-, dreimal liefen, habe ich reingesprochen“, verteidigt sich Sondock später, wie der WDR berichtet. „Und das nur, um das Tempo dieser Sendung zu halten. Das hatte ich in Amerika gelernt.“

Neben seinem Job als Radiomoderator betätigt sich Sondock über die Jahre auch als Produzent, Sänger und Schauspieler. So entdeckt er nicht nur den Schlagerstar Michael Holm (Tränen lügen nicht), sondern singt auch selbst einige Platten ein. Seine erfolgreichsten Songs: Hey, Annabella Susann (1962), Das Mädchen mit dem traurigen Blick (1964) und Ich mach’ mir Sorgen um dich (1965). Im Film Stadt ohne Mitleid (1961) spielt er eine Nebenrolle. Zusätzlich tourt der Amerikaner jahrelang als mobiler Discjockey durch Deutschland.

Am 9. Juni 2009 stirbt Sondock im Alter von 74 Jahren in einem Kölner Krankenhaus. Er hinterlässt eine Frau, einen Sohn sowie eine Tochter. Beerdigt wird er auf dem Palm Cemetery in Orange County, Florida. Laut Welt hat Sondock einmal gesagt: „Ich verbreite keine Kultur. Ich bin ein Ami mit schlechtem Deutsch, der die Kinder mit Rock’n’Roll versaut.“ Musikdeutschland dankt ihm dafür. Rest in peace, alter Jockdiscey M.A.L.!

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