------------

Popkultur

So war’s: Slayer live in Dortmund 2018

Published on

"Slayer verabschieden sich. Der erste Teil ihrer Farewell-Tour gastiert am 14. November in den Dortmunder Westfalenhallen, im Schlepptau Lamb Of God, Anthrax und Obituary. Ganz unsentimental klöppeln Slayer dabei mal wieder alles kaputt, legen aber noch einen drauf – mit Flammen, fetter Produktion und einer furiosen Performance. Zum Abschied wird Tom Araya sogar kurz gefühlig.

von Christof Leim

Hier könnt ihr in die Setlist des Abends reinhören:

Klickt auf „Listen“ für die ganze Playlist.

Wenn Slayer von einer „Final World Tour“ reden, dann darf man annehmen, dass sie das ernst meinen. Diese Abschiedsreise zieht im November 2018 zum ersten Mal durch Europa und füllt die großen Hallen. Dass die kalifornischen Wüteriche, die während ihrer Karriere nie auch nur eine Nietenlänge von ihrem Kurs abgewichen sind, dabei sentimental werden, erwartet allerdings niemand, der weiß, was ein „Bangover“ ist. Denn Slayer sind Slayer sind Slayer – aber dieses Mal haben sie eine fette Produktion dabei, die die Bühne wie einen Vorort der Hölle aussehen lässt. Was genau der Plan gewesen sein dürfte. Zudem erweisen sich die vier Musiker als spielfreudig und gut aufgelegt, was natürlich nicht heißt, dass hier viel gelächelt wird. Aber eins nach dem anderen…

Es geht früh los an diesem Tag, die Fans haben schon sichtlich Bierlaune und tragen noch mehr Shirts mit dem Logo des Headliners als sonst bei Metal-Konzerten. Und ja, natürlich grölt immer mal wieder jemand „Slaaayööörrr“ durch die Gänge, wie es sich gehört. Schon um viertel nach sechs starten Obituary, deren rollender Death Metal in einer großen Halle erwartungsgemäß nicht optimal funktioniert. Doch das Set von Redneck Stomp bis zum obligatorischen Rausschmeißer Slowly We Rot bietet eine gute Einstimmung auf den Abend.


 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Germany looking good! 🇩🇪 #fightemtilyoucant @monsterenergy #slayerfarewelltour2018

Ein Beitrag geteilt von Scott Ian (@scottianthrax) am


Anthrax legen ebenfalls noch vor der Tagesschau los, ziehen mit einem Auszug von Cowboys From Hell kurz vor Pantera den Hut und hauen dann eigene Klassiker der Marke Caught In A Mosh und Efilnikufesin (N.F.L.) raus. Mit Fight ‘Em ‘Til You Can’t steht nur ein neuerer Song auf der Setlist, dazu die beiden lautstark angenommenen Coverversionen Got The Time und Antisocial. Die Band legt eine bestechende Form an den Tag, allen voran Joey Belladonna. Während andere Sänger sich mit zunehmendem Alter zurücknehmen müssen, singt der 58-Jährige (fast) weiter, als wäre es 1988. Bassist Frank Bello springt wie immer einem haareschüttelnden Flummi gleich über die Bühne, und auch Scott Ian mosht im Kreis. Gut gelaunt brüllt er ins Mikro: „Ich habe ein saudumme Frage an euch, aber ich stelle sie trotzdem: Habt ihr Bock auf Thrash Metal?“ Na sicher. Deshalb gibt’s vom Publikum bei Indians auch zum ersten Mal ein bisschen Kriegstanz im Pit. Ein kurzes Vergnügen war das, aber so langsam wird Dortmund warm.

Lamb Of God können als Co-Headliner die Bühne mehr zur ihrer machen und liefern vor großer Kulisse ein ordentliches Brett an (vergleichsweise) modernem Metal. Im Fokus steht dabei immer Frontmann Randy Blythe, dessen Gebrüll zwar deutliche Limitationen aufweist (heißt: nur ein Ton, dafür mit Schmackes), der aber mit großer Intensität die Zuschauer mitzureißen versteht. Und Redneck geht eigentlich immer, insbesondere nach ein paar Pils.

Dann kommen sie endlich, die mächtigen Slayer: Zum bedrohlichen Delusions Of Saviour vom Band lodert ein Feuer hinter einem Vorgang, auf dem zuerst Kreuze und Pentagramme erscheinen, dann ein riesiges Slayer-Logo, das mit großem „Hallo“ begrüßt wird. Dramaturgisch kann das schon mal einiges. Mit einem Knall bricht Repentless vom gleichnamigen Nummer-Eins-Album los, gefolgt von Blood Red und dem noch ein bisschen brutaleren Disciple mit der markanten Zeile „God hates us all“. Das scheppert, und es klingt sogar gut, deutlich und druckvoll.



Die Produktion kann sich sehen lassen: An der Seite erscheinen wechselnde Banner, hinter der Band hängt ein Backdrop mit Logo, das im Dunkeln zwischen den Songs phosphoreszierend nachleuchtet. Dazu gibt es eine Licht-Show, die ihren Charakter von höllisch-rot über böse-grün bis gleißend-weiß ändert. Nicht schlecht. Vor allem beeindrucken die Flammenfontänen, die quer über das Schlagzeug schießen wie gekreuzte Schwerter und sogar auf einzelne Riffs abgestimmt wurden. Fett.

Mandatory Suicide und Hate Worldwide (das sind Titel!) folgen, Kerry King steht dabei wie ein Berg an Mosh auf der Bühne, mit gewaltigen Ketten am Gürtel und glatzhaarig headbangend. Der Mann muss sich nicht viel bewegen, hat er noch nie, eine große Pizza reicht meist zum Abstecken des Bewegungsradius. Gary Holt von Exodus, der Nachfolger des verstorbenen Jeff Hanneman, macht mehr Meter, bricht immer wieder in eruptives Moshen aus und sucht den Kontakt zum Publikum. Guter Mann. Die vier Slayer-Musiker sind gut drauf und scheinen Lust auf einen ordentlichen Abriss zu haben. Ansagen gibt es trotzdem fast keine, und schon gar keine Würdigung der Tatsache, dass hier eine Abschiedstour oder ein erster Teil davon läuft. Zwischen den Songs geht das Licht aus, danach zählt der (hochkompetent aufspielende) Paul Bostaph ein, und weiter knattert die Thrash-Maschine.



 

Erst vor dem sechsten Stück War Ensemble spricht Sänger/Bassist Tom Araya mit den Zuschauern und bedankt sich für ihr Kommen. „Are you ready for some fun?“, fragt er und meint War Ensemble, für das alle erstmal „Waaar!“ brüllen dürfen, nein, müssen. Ansonsten braucht der Mann nur ruhig vorne am Bühnenrand zu stehen, um „Slayer! Slayer!“-Rufe losdröhnen zu lassen. Auch Araya hat Laune, immer wieder marschiert er zu den Seiten und schaut sich die Leute an. Er verpasst sogar einige Male deswegen seinen Gesangseinsatz. Egal.

In der Setlist finden sich, wenig überraschend, keine Überraschungen, dafür verlässliche und bewährte Brecher vom Kaliber Jihad, Postmortem und Black Magic, die Slayer unerbittlich runtermetern. Kurze Verschnaufpausen, aber nicht einen Takt in Dur, gibt’s im Clean-Intro von When The Stillness Comes und dem immergrünen Seasons In The Abyss, und so langsam biegt die Band auf Zielgerade ein.

Mittlerweile steht rechts und links des Schlagzeugs das Slayer-Emblem mannshoch in Flammen, und der Techniker an der Feuerkanone gibt richtig Gas. Bei Hell Awaits brennt sogar die Bühne in voller Breite, den ganzen Song lang. Hammer.



Ab jetzt hilft nur noch die grobe Kelle. Es folgen South Of Heaven mit dem teuflischsten Riff seit Black Sabbath, nach einem dramatisch in die Länge gezogenen Intro kommt Raining Blood, dann das atemlose Chemical Warfare und Angel Of Death zum Exitus. Spätestens hier wird klar: Schneller und brutaler kann man sowas nicht spielen, ohne dass es in Chaos endet. Bei allem Wahnsinn behalten Slayer die Kontrolle, immer ein Stück rüder, immer ein Stück böser als die anderen Kinder, aber eben nie in uneffektives Gebolze abdriftend. Wie ein Psychopath, der nicht nur um sich schlägt, sondern weiß, wie es am meisten wehtut. 

Heute haben sie eine ihrer besseren Shows hingelegt, was selbst selbst kritische Die Hard-Slayer-Freaks ohne rosarote (eher: blutrote) Brille bestätigen. Es werden sogar vereinzelte Fans gesichtet, die auf Socken über den biernassen Boden stolpern, weil sie einen Schuh im Moshpit verloren haben. Eine Dame schreitet mit blutiger Nase, aber nicht ohne Stolz im Gesicht Richtung Ausgang.

Dann ist der letzte Song vorbei. Fertig. Kein großes Theater, kein Outro. Die vier Musiker stehen auf der Bühne, werfen Picks und Sticks in die Menge – und lächeln (außer Kerry King natürlich). Der Abend scheint ihnen ebenfalls gefallen zu haben, vor allem Araya und Bostaph klopfen sich immer wieder auf’s Herz. Ganz zum Schluss geht der Sänger nochmal zum Mikro und sagt in eine gespannte Faststille hinein auf Deutsch: „Ich werde euch vermissen!“ Wir euch auch.


Setlist Slayer:
Repentless
Blood Red
Disciple
Mandatory Suicide
Hate Worldwide
War Ensemble
Jihad
When The Stillness Comes
Postmortem
Black Magic
Payback
Seasons In The Abyss
Dittohead
Dead Skin Mask
Hell Awaits
South Of Heaven
Raining Blood
Chemical Warfare
Angel Of Death

Fotocredits:
Header Tom Araya: Lorenz Pietzsch/www.vawra.de

Das könnte euch auch gefallen:

Zeitsprung: Am 6.11.1987 spielen Slayer Hippie-Musik – ausnahmsweise.

Zeitsprung: Am 22.7.1995 geschieht ein Mord. Sind Slayer schuld?

Zeitsprung: Am 5.7.1988 legen Slayer mit “South Of Heaven” eine Kurskorrektur ein.

Popkultur

Zeitsprung: Am 28.1.1970 fällt Jimi Hendrix’ Band Of Gypsys krachend auseinander.

Published on

Foto: Hendrix im Madison Square Garden 1970/ Bild: Fred W. McDarrah/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 28.1.1970.

von Christof Leim

„That’s what happens when earth fucks with space. Never forget that.“ So kommentiert Jimi Hendrix einen katastrophalen Gig im Madison Square Garden am 28. Januar 1970, der nach anderthalb Songs bereits endet. Es sollte die letzte Show der Band Of Gypsys werden…

Hier könnt ihr euch die Band Of Gypsys live anhören:

Mit der Band Of Gypsys geht es verheißungsvoll los: Nach dem Zusammenbrechen der Jimi Hendrix Experience umgibt sich der Gitarrenmeister mit neuen Musikern und spielt einen legendären Auftritt in Woodstock. Die neue Gruppierung nennt er „Gypsy Sun And Rainbows“ und erklärt von der Bühne: „It’s nothing but a band of gypsys.“ Mehr „Hippie“ geht fast nicht.

Pflichtarbeit

In Folgezeit kehrt er mit Bassist Billy Cox und Schlagzeuger Buddy Miles wieder zum Trioformat zurück und erforscht neue musikalische Sphären. Vor allem R&B und Funk halten Einzug. Zum Jahreswechsel 1969/1970 nehmen die drei im Fillmore East in New York City ein Livealbum auf, das den Titel Band Of Gypsys trägt. Oft wird auch dieses Line-up so bezeichnet. Wie viel echtes Herzblut Jimi in dieses Projekt steckt, weiß man nicht so genau. Ein Teil der Motivation kommt aus vertraglichen Verpflichtungen, ein neues Album abzuliefern, wie der Künstler später bereitwillig erklärt.

Cover

Ein dritter Auftritt findet schließlich am 28. Januar 1970 im großen und altehrwürdigen Madison Square Garden statt. Hier spielt die Band Of Gypsys beim Winter Festival For Peace, einer Benefizveranstaltung zugunsten von Antikriegsinitiativen. Mit zum Aufgebot des auf fünf Stunden angelegten Abends gehören unter anderem Harry Belafonte, Blood Sweet & Tears und Dave Brubeck. Anscheinend läuft es mit dem Zeitplan nicht so rund, denn Hendrix, Cox und Miles gehen erst kurz nach drei Uhr morgens auf Bühne. 

Ein Debakel

Der Auftritt wird eine Katastrophe: Das Trio stolpert uninspiriert durch zwei Songs (Who Knows und Earth Blues), vor allem Hendrix selbst scheint nicht er selbst zu sein. Als eine Zuschauerin nach Foxy Lady verlangt, gibt er einen rüden Kommentar ab, und während Earth Blues erklärt er den Anwesenden: „That’s what happens when earth fucks with space“, auf Deutsch: „Das passiert, wenn die Erde mit dem Weltraum fickt.“ (Nein, wir verstehen das auch nicht.) Schließlich setzt er sich auf den Drumriser und weigert sich weiterzuspielen. Irgendwann stöpselt er sein Instrument aus und verschwindet ganz. 

Was war denn da los? Gitarrenkollege Johnny Winter hat Hendrix vor der Show getroffen und berichtet später: „Er kam mit gesenktem Kopf rein, hat sich alleine auf die Couch gesetzt und seinen Kopf in seine Hände gelegt. Bis zur Show hat er sich nicht bewegt.“ Es kursiert die Theorie, dass Manager Michael Jeffrey seinem Künstler einen schlechten LSD-Trip untergeschoben haben soll, um die Band Of Gypsys zu sabotieren, auf dass die erfolgreichere Experience wieder zusammenkomme. Das Kamerateam, dass Jeffrey für den Abend engagiert hat, spricht allerdings eine andere Sprache. Zudem scheint es unwahrscheinlich, dass er seinen Künstler vor großer Kulisse und versammelter Presse so blamieren möchte. Dass Jimi an diesem Abend (mehr als sonst) unter Drogen steht – wissentlich, unwissentlich oder beides – kann man jedoch nicht ausschließen. Für die Band Of Gypsys bedeutet dieses Desaster sofort im Anschluss das Ende: Manager Jeffrey feuert Schlagzeuger Miles, Bassist Cox quittiert seinen Dienst.

Aber: Er freut sich.

Damit scheint es dem Protagonisten allerdings gut zu gehen. Unmittelbar nach dem Gig sieht Produzent Alan Douglas ihn in seiner Garderobe: „Er saß da, spielte Gitarre und lächelte.“ Wenige Tage später erzählt Hendrix dem Rolling Stone: „Ich denke, die Show im Madison Square Garden ist wie das Ende eines großen, langen Märchens. Ich hätte mir kein besseres Ende ausdenken können. Es hat sich da viel in meinem Kopf geändert. Ich konnte das gar nicht genau sagen, ich war sehr müde. Ich habe da den größten inneren Kampf meines Lebens ausgefochten.“ Bereits im Februar kommt die Jimi Hendrix Experience wieder zusammen (mit Billy Cox statt Noel Redding), im September ist der große Künstler schon tot. Aber das sind mal wieder andere Geschichten.

Zeitsprung: Am 20.2.1959 spielt Jimi Hendrix seinen ersten Gig – und fliegt raus.

Continue Reading

Popkultur

„Give peace a chance“: Die stärksten Lieder gegen den Vietnamkrieg

Published on

Vietnamkrieg
Foto: PhotoQuest/Getty Images

Vor genau 50 Jahren wurde in Paris ein Friedensvertrag unterzeichnet, der das langsame Ende des Vietnamkriegs einläuten sollte. Diese zehn Songs werden auf ewig an das sinnlose Gemetzel im Indopazifik erinnern.

von Björn Springorum

Bis März 1973 waren fast alle US-amerikanischen Truppen aus Vietnam abgezogen. Dennoch dauerte es noch bis 1975, bis auch die letzten Amerikaner das versehrte Land verlassen und ein grausamer, sinnloser, bestialischer Krieg langsam zu Ende geht. Die zehn Jahre davor waren in den USA beherrscht von immer lauteren und massiveren Protesten und Kundgebungen gegen den Krieg – der Aufstieg der Gegenkultur und ihrer unsterblichen Songs. Diese Lieder werden uns für immer an den Vietnamkrieg denken lassen. Und uns in Zukunft hoffentlich bessere Entscheidungen treffen lassen.

1. Barry McGuire – Eve Of Destruction (1965)

„The Eastern world, it is explodin’ – Violence flarin’, bullets loadin’ – You’re old enough to kill but not for votin’“ singt Barry McGuire 1965 im aufgewühlten Eve Of Destruction. Er findet klare Worte, was ihm prompt einen Bann vieler Radiosender einbringt. Der Erfolg des Songs kann davon nicht aufgehalten werden: Im September 1965 ist Eve Of Destruction an der Spitze der US-Charts angekommen.

2. Phil Ochs – I Ain’t Marching Anymore (1965)

Auch der texanische Protestsänger Phil Ochs versteckt sich nicht hinter Metaphern: In I Ain’t Marching Anymore (1965) rechnet er mit der blutigen Geschichte der Vereinigten Staaten ab und singt mit ernster Stimme: „It’s always the old to lead us to the wars – Always the young to fall – Now look at all we’ve won with the saber and the gun – Tell me, is it worth it all?“ Das kriegt Bob Dylan auch nicht besser hin.

3. Tom Paxton – Lyndon Johnson Told The Nation (1965)

Eine politische Folk-Moritat reiht sich ebenfalls 1965 von Tom Paxton ins Antikriegsgeschehen ein: Zu melancholischen Klängen erinnert er daran, dass Präsident Lyndon B. Johnson stets beteuerte, nicht in den Krieg eingreifen zu wollen – im besten „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen“-Style. „Lyndon Johnson told the nation – Have no fear of escalation – I am trying everyone to please – Though it isn’t really war – We’re sending fifty thousand more – To help save Vietnam from the Vietnamese“ singt er voller verzweifeltem Zynismus. Da muss man schon mal schlucken.

4. Joan Baez – Saigon Bride (1967)

1967 vertont Joan Baez ein Gedicht von Nina Duschek und macht mit fragiler Trauer auf die Sinnlosigkeit des Krieges aufmerksam: „How many dead men will it take – To build a dike that will not break? How many children must we kill – Before we make the waves stand still?“

5. Country Joe & The Fish – Feel Like I’m Fixin’ To Die (1967)

Einen ganz anderen Ansatz wählen Country Joe & the Fish in ihrem ikonischen Woodstock-Evergreen Feel Like I’m Fixin’ To Die. Beschwingte Hillbilly-Stimmung statt elegischer Wandergitarre, dazu ein aberwitziger, bizarrer, trotziger Text zum Mitträllern, der die Rekrutierungsmethoden der US-Armee aufs Korn nimmt: „And its 1, 2,3 what are we fighting for? Don’t ask me I don’t give a damn – The next stop is Vietnam – And it’s 5, 6, 7 open up the pearly gates – Well there ain’t no time to wonder why – WHOOPEE we’re all gonna die.“ Vielleicht der größte aller Anti-Vietnam-Songs.

6. Richie Havens – Handsome Johnny (1967)

Noch ein unvergessener Woodstock-Moment: Handsome Johnny von Richie Havens wird zu einem Meilenstein der Gegenkultur, zum Soundtrack eines Landes, das den Krieg immer weniger unterstützen kann.

7. Creedence Clearwater Revival – Fortunate Son (1969)

Fortunate Son ist nicht nur einer der besten Rock-Songs aller Zeiten. Sondern auch einer der wichtigsten: Geschrieben nach der Hochzeit von David Eisenhower und Julie Nixon handelt der Song von denen, die nicht in den Krieg müssen, weil sie mit einem Silberlöffel in der Hand geboren werden und dem Einzug durch Macht, Geld und Einfluss entgehen dürfen. Ein großer Moment.

8. John Lennon – Give Peace A Chance (1969)

Die überwältigende Anzahl der Protestsongs aus der Zeit des Vietnamkriegs kommt natürlich aus den USA. Mit Give Peace A Chance steuert aber auch John Lennon ein wichtiges Kapitel zum Antikriegskanon dieser Zeit bei. Aufgenommen in einem Take in Montreal, fünf Monate später von einer halben Million Kehlen bei einem Protestmarsch gesungen. Lennon hat auch als Engländer den richtigen Ton getroffen.

9. Edwin Starr – War (1970)

Edwin Starr bringt es 1970 mit Funk, Disco und Bläsern auf den Punk: „War, huh yeah – What is it good for? Absolutely nothing, oh hoh, oh.” Mehr muss man wirklich nicht dazu sagen. Außer vielleicht: ursprünglich wird der Song für The Temptations geschrieben, die ihn dann aber lieber doch nicht anfassen, um keine Fans zu verärgern. Glück für Edwin Starr: Die Nummer wird zu einer der erfolgreichsten des Jahres.

10. Jimmy Cliff – Vietnam (1969)

Auch die Reggae-Welt rechnet mit dem Krieg ab. 1969 veröffentlicht Jimmy Cliff das schlicht Vietnam betitelte Stück, nach Ansicht Bob Dylans „der beste Protestsong, der jemals geschrieben wurde“. Cliff erzählt in der ersten Strophe von einem Soldaten, der einen Brief nach Hause schickt – und in der zweiten von einem Telegramm, das den Tod des Soldaten übermittelt.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Protest in zwei Minuten: Die erste The-Clash-Single „White Riot“

Continue Reading

Popkultur

Zeitsprung: Am 26.1.1973 veröffentlichen Deep Purple „Who Do We Think We Are“ – mit Folgen.

Published on

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 26.1.1973.

von Christof Leim

Who Do We Think We Are von Deep Purple wird am 26. Januar 1973 veröffentlicht. Zwar verkauft sich die Scheibe gut und liefert mit Woman From Tokyo sogar einen Hit, aber einfach kam das Album nicht zustande. Das verwundert kaum angesichts des Arbeitspensums der Band. Dass damals zudem zwei der fünf Musiker nicht miteinander reden, hilft natürlich auch nicht. Schlussendlich zerbricht das legendäre Mark-II-Line-up kurz nach der Veröffentlichung.

Hört euch das Album hier und lest die ganze Geschichte:

Vielleicht war einfach die Luft raus. Als Deep Purple im Sommer 1972 ihr siebtes Album angehen, haben sie gerade 18 Monate Tour hinter sich. „Irgendwann bekam jeder von uns ernsthafte gesundheitliche Probleme“, erinnert sich Ian Gillan. Eine Pause gibt es trotzdem nicht, und die Schuld dafür sucht der Sänger – wie so oft in der Rockgeschichte – beim Management: „Wenn das vernünftige Leute gewesen wären, hätten sie uns für drei Monate in den Urlaub geschickt. Stattdessen haben sie uns gedrängt, die Platte im Zeitplan abzuliefern.“

Immer weiter

Also verschanzen sich Ian Gillan, Ritchie Blackmore, Roger Glover, Jon Lord und Ian Paice im Studio, zunächst in Rom, später in Walldorf bei Frankfurt. Aufgenommen wird mit dem Rolling Stones Mobile, das die Band schon im unsterblichen Smoke On The Water besungen hatte. Als Toningenieur agiert Martin Birch, der später mit Rainbow, Black Sabbath und Iron Maiden zu weiterem Weltruhm gelangen sollte.

Das legendäre Mark-II-Line-up von Deep Purple: Blackmore, Gillan, Glover, Lord, Paice.

Die Stimmung innerhalb der Truppe befindet sich schon vor den Aufnahmen an einem Tiefpunkt, wie Bassist Glover in einer Dokumentation der BBC beschreibt: „Ich glaube nicht, dass Ritchie und Ian in dem letzten Jahr dieser Besetzung ein Wort miteinander gesprochen haben. Sie wurden zu zwei entgegengesetzten Polen, die sich immer weiter angestachelt und voneinander entfernt haben.“ Deshalb spielen die Musiker ihre Parts sogar getrennt ein; die legendäre musikalische Interaktion von Deep-Purple-Konzerten kommt so natürlich nicht zustande. Blackmore wünscht sich außerdem, dass die Band ihre Blues-Wurzeln wiederentdeckt, angeblich deshalb, weil ihm die letzten Platten zu „poppig“ erscheinen. Das allerdings klingt angesichts der Rockmacht von Machine Head (1972) und Made In Japan (1973) doch sonderbar. Man könnte sogar anführen, dass Who Do We Think We Are „poppiger“ und gefälliger klingt.

Ladehemmung

Der einzige Track aus den Rom-Sessions im Sommer, der es auf das Album schafft, heißt Woman From Tokyo. Hier singt Gillian über die Erfahrungen der ersten Japan-Tour. Den Rest kann die Band erst nach einer erneuten Konzertreise durch Fernost aufnehmen. Dabei kommt die Kreativität nur langsam ins Rollen, schlussendlich enthält die Platte nicht mehr als sieben Songs. Einer davon, Mary Long, handelt von zwei bekannten britischen Persönlichkeiten: der erzkonservativen Aktivistin Mary Whitehouse und dem Sozialreformer Lord Longford. „Die beiden waren ständig mit erhobenem Zeigefinger unterwegs“, erläutert der Sänger später. „Es ging um die Standards der älteren Generation und die gängige Moral. Ich habe die beiden zu einer Person verschmolzen, um die Heuchelei der Zeit darzustellen“. Mit Place In Line findet sich sogar ein echtes Blues-Stück auf der Platte, ansonsten regiert der bekannte Stil des Mark-II-Lineups mit kompetenten Songs und souveränen Wechselspielen zwischen Orgel und Gitarre. Langlebige Hits produziert die Scheibe mit Ausnahme von Woman In Tokyo jedoch nicht.

Who Do We Think We Are erscheint am 26. Januar 1973. Als Titelinspiration dient negative Fanpost, die laut Drummer Ian Paice gerne mit der Frage beginnt: „Wer glauben Deep Purple eigentlich wer sie sind?“ Trotz aller Probleme erweist sich das Werk als Kassenschlager mit einer halben Millionen verkaufter Exemplare in den ersten drei Monaten, was sicher auch an den äußerst erfolgreichen Vorgängern liegt. Das reicht für Platz 15 in den US-Charts, Platz vier in Großbritannien und Platz drei in Deutschland. In den USA bringt im ganzen Jahr 1973 niemand mehr Alben unter die Leute als Deep Purple.

Doch es hilft alles nichts: Die anhaltenden Zwistigkeiten führen dazu, dass dieses Line-up schon am 29. Juni 1973 in Osaka sein letztes Konzert spielt. In einem Brief an die Kollegen verkündet Ian Gillan seinen Ausstieg, Roger Glover geht gleich mit. Erst 1984 kommt die Mark-II-Besetzung wieder für Perfect Strangers zusammen. Die Band engagiert nach Who Do We Think You Are den Trapeze-Bassisten Glenn Hughes und einen gänzlich unbekannten Sänger namens David Coverdale. Schon im Folgejahr erscheinen die Alben Burn und Stormbringer. Aber das ist eine andere Geschichte…

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Zeitsprung: Am 25.1.1975 gibt es Ärger zwischen Deep Purple und AC/DC.

Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss