Join us

Popkultur

So war’s: U2 live in Berlin [+ Setlist]

Published on

U2 haben gestern im ausverkauften Olympiastadion eine grandiose Show abgeliefert. Wir waren für euch dabei und haben euch neben der originalen Setlist als Playlist  auch noch einige persönliche Eindrücke mitgebracht!


Wir haben die Setlist des U2 Konzerts Song für Song als Playlist nachgebaut – jetzt hier anhören, während du den Artikel liest:


Anlässlich des 30. Geburtstags ihres Erfolgsalbum The Joshua Tree hatte die Band gleich ihre ganze Tour danach benannt und versprochen den Schwerpunkt der musikalischen Auswahl auf dieses Album zu legen. Wir haben bei der Ankündigung einen kurzen Kreisch-Anfall bekommen und uns gleich Tickets besorgt. Nach langem daraufhin fiebern war es nun gestern endlich soweit:

Im Vorfeld des Konzerts hatten die Berliner schon viel Spaß mit U2 – Immerhin lud die Namensgleichheit der Band mit der städtischen U-Bahn Linie U2 zu allerlei Scherzen ein:



Am Olympiastadion zeigt sich das Wetter erst einmal uneinsichtig trüb, der Verkehr ist träge und die Sicherheitsvorkehrungen streng. So richtig beeindrucken will dass aber niemand, Tausende Fans strömen in Richtung Innenraum und fallen vor allem durch ihre blendende Laune auf.

Dort bekommen Sie zuerst Ex-Oasis-Frontmann Noel Gallagher zu sehen, der zusammen mit seinen High Flying Birds überraschend bescheiden die Vorgruppe mimte, nicht ohne mit den Klassikern Wonderwall und Don’t Look Back In Anger klar zu machen, welche Rockgröße sich U2 da ins Vorprogramm gebucht haben. Zum ersten Mal lässt man den Blick durchs Stadium schweifen, weil da so viele Tausend Kehlen so wunderbar mitsingen, zum ersten Mal stellt sich etwas von dieser transzendenten Rührung ein, die nur Musik in einem auszulösen vermag.

Das das nur eine Vorahnung war, gegenüber dem was da noch folgen sollte, ist mit dem ersten Snare-Schlag von Drummer Larry Mullen Jr. klar: Das Schlagzeug Intro zu Sunday Bloody Sunday löst sofort kollektive Euphorie aus, zigtausende Arme werden zum Himmel empor gereckt, während das charakteristische Gitarren-Riff einsetzt.

Nach zwei Songs setzt Nieselregen ein, der Bono dazu veranlässt spontan eine A Cappella Version von Sining’ In The Rain zum besten zugeben. Der Ton ist gesetzt, das Publikum lässt sich von ein bisschen Feuchtigkeit ebenfalls nicht aus dem Konzept bringen.

Nach dem die ersten vier Songs des Sets Klassiker von anderen Alben waren, wird mit Where The Streets Have No Name die Ehrung von 30 Jahren The Joshua Tree eingeläutet, jenem Album, welches die Band 1987 schlagartig in eine ganz andere Liga katapultieren sollte.

Was war eigentlich zuerst da: Stadion-Konzerte oder U2? Die beiden wirken wie füreinander gemacht

Diese Band in dieser Umgebung spielen zu sehen, fühlt sich einfach richtig an: Die verhallte, getragende Gitarre von Gitarrist The Edge füllt auch Räume dieser schier unfassbaren Größe, das treibende, wuchtige Zusammenspiel der Rhythmusgruppe Drums & Bass synchronisiert die Bewegungen der Massen und treibt alle zum Tanzen an. Über all dem liegt Bonos klare, sonorige Stimme die hier stellvertretend für ein ganzes Stadion schreit, seufzt, lieblich singt und Erinnerungen beschwört, die ein jeder mit diesem Album verbindet.

Auch visuell sind U2 ein Bombast-Kunstwerk:

Hinter ihnen erstreckt sich eine gigantische Leinwand über die gesamte Bühnenbreite, darüber hinaus erstreckt sich majestätisch die Silhouette des Joshua Tree, jenes Baums aus der kalifornischen Wüste, welcher namens-gebend für das Album war, mittlerweile aber leider abgestorben ist. Regelmäßig erstrahlt dieser in kraftvollen Farben, während die Leinwand Aufnahmen aus der Wüste zeigt oder auch ein Cowgirl, welches im Stars & Stripes Bikini das Lasso schwenkt. Das ganze strahlt definitiv amerikanische Atmosphäre aus ohne kitschig zu wirken.

 

Zur Zugabe holt wird Bono nochmal seinem Ruf als Prediger gerecht, erinnert das Publikum an die kommende Bundestagswahl, Deutschlands Rolle in Europa und lässt auf der Leinwand den ersten Artikel der Verfassung einblenden: Botschaft verstanden.

 

Am Ende nutzt die Band die visuelle Kraft dieser Kulisse um in einem feministischen Appell starke Frauen der Geschichte zu ehren, von Simone de Beauvoir, Patti Smith und Emma Watson bis Melinda Gates. Es ist charakteristisch für U2 dass sie diese großen Gesten ausführen kann und diese nichts schales haben, weil Musik und Integrität der Iren ihrem Anspruch und politischem Pathos gerecht werden und zusamen ein unaufgesetztes, echtes Gefühl erzeugen. Das Publikum ist vollends glücklich, tanzt im Regen und ersinnt gemeinsam eine bessere Version dieser Welt. U2s Musik ist der beste Soundtrack dazu, den es gibt.

 

 

 

Latest Music News

Don't Miss