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Popkultur

Zehn Post-Punk-Klassiker: Wie Punk erwachsen wurde und den Rock befreite

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Foto: Michael Putland/Getty Images

Die Punk-Explosion in den Jahren 1976 und 1977 war eine der größten Revolutionen in der Rockmusik. Meistens geht die Erzählung so: Die alten Dinosaurier a la Yes und Pink Floyd mit ihren endlosen Songs und LKW-Ladungen an Equipment und Keyboards wurden abgelöst von Amateuer-Bands, die nicht mehr als drei Akkorde draufhatten. Doch sie waren jung und gierig und hauchten dem Rock wieder neues Leben, neuen Style und neue Relevanz ein. Wir sagen: Viel wichtiger als all die Sex-Pistols-Klone ab 1977 war eine andere Folge: Die neue Freiheit und Offenheit, mit der sich Punkrock rasch entwickelte, wie Genre-Grenzen fielen und sich Soul oder Dub-Reggae mit E-Gitarren verbündeten, wie poppige und experimentelle Stile entwickelt wurden und neue Szenen und Nischen von Elektronik über Goth Rock bis Alternative Rock entstanden.

von Michael Döringer

Willkommen in der Zeit des Post-Punk. Er war mehr Idee und Haltung statt ein fixes Genre –nicht zwingend Rockmusik, und eigentlich auch losgelöst von seiner Entstehungszeit in den späten 70ern und frühen 80er. Natürlich hat sich längst eine gewisse Stilistik herausgebildet, mit der man auch heute noch sofort als Post-Punk-Act identifiziert wird. Und diese Songs sind mit dafür verantwortlich: Zehn Klassiker von damals, die Post-Punk definiert haben. Ein paar wichtige Vertreter mussten wir natürlich auch übergehen. Grüße an The Fall, The Cure, Siouxsie & The Banshees, The Slits, Pere Ubu, Throbbing Gristle und Cabaret Voltaire.

Gang of Four – Damaged Goods

Die Gang of Four aus Leeds kann man ruhig als die archetypische Post-Punk-Band bezeichnen. Ihr Sound war ein minimalistisch gehaltener Punkrock mit Reggae- und Funk-Elementen und oft tanzbaren Disco-Beats. Die komplette Ästhetik der Band war durchdacht und politisch, ihr Einfluss wirkt noch heute. Für Bands der 2005er Retro-Welle wie Bloc Party waren der schneidende Gitarrensound und der Look von Andy Gill und seiner Band die wichtigste Inspiration. Damaged Goods (1978) war die perfekte erste Single von Gang of Four und ein klares Signal: Nach „No Future“ gibt es jetzt wieder ambitionierte Inhalte.

Wire – Outdoor Miner

Ambitioniert waren von Anfang an auch Wire, die wie kaum eine andere Band zwischen Punk und Post-Punk hängen und beides verbinden. Ihr Debüt Pink Flag (1977) ist eigentlich ein reinrassiges Punk-Album, mit kurzen/schnellen/harten Songs. Der nur ein Jahr später veröffentlichte Nachfolger Chairs Missing dachte schon sehr viel weiter. Songs wie Outdoor Miner erinnern eher an Classic Rock mit doppeltem Boden, ist mit 1:45 aber so irritierend kurz wie ein Punk-Song. Sänger Collin Newman gab zu, dass man Lust hatte eine kommerziell anschlussfähige Single zu schreiben. Die neue Marschroute war: Anything goes, aber nur mit Substanz.

Public Image Ltd. – This Is Not A Love Song

Der Saulus-Paulus-Moment des Punk oder überhaupt der personelle Beginn von Post-Punk war, als sich die Sex Pistols auflösten und Johnny Rotten Public Image Ltd. gründete. Nun nannte er sich wieder John Lydon und machte sehr merkwürdige und experimentelle Musik. PIL gelten ebenfalls als  Post-Punk-Pioniere mit ihren kratzigen Kreuzungen aus Dub und Industrial, kühlen Gitarren und schrägem Gesang. Aber sie veröffentlichten auch tanzbare Disco-Punk-Hits wie This Is Not A Love Song.

Fehlfarben – Grauschleier

Schauen wir in die BRD: Düsseldorf war ein Epizentrum des hiesigen Punk. Aus Charley’s Girls,  einer der ersten deutschen Punkbands, entstand 1978 Mittagspause, aus Mittagspause entstanden 1979  die Fehlfarben – die wohl beste deutsche Post-Punk-Band überhaupt, die mit ihrem epochalen Debüt Monarchie & Alltag (1980) den Sound und die Zeit perfekt eingefangen haben. Ein Jahr (es geht voran) wurde dank Peter Heins Talent für Slogans zum berühmten NDW-Schlager, doch der Rest des Albums ist die eigentliche Sensation: düstergrau, politisch-aggressiv, funky und aufrüttelnd. Solche Platten kannst du dir nicht ausdenken, die werden einfach gemacht.

DAF – Als wärs das letzte Mal

Zusammen mit Peter Hein in Mittagspause war ein gewisser Gabi Delgado-Lopez, der 1978 ebenfalls in Düsseldorf mit Robert Görl und zunächst ein paar anderen die Deutsch-Amerikanische Freundschaft gründete. DAF starteten später also Duo in England und weltweit durch wie zuvor nur Kraftwerk oder Tangerine Dream. DAF nahmen die elektronische Route weg von Punk und blieben trotz aller Synthesizer mehr Punk als jede Dosenbier-Band.

The Raincoats – Lola

Punk und Post-Punk waren mit ihrem inklusivem Spirit auch eine Emanzipationsbewegung für Frauen. Dass die Dominanz der Männer im Rock damals gebrochen wurde, ist vielleicht ein bisschen zu viel gesagt, doch die weibliche Präsenz unter den großen Post-Punk-Bands ist groß: Siouxsie & The Banshees, X-Ray Spex, The Slits, ESG oder auch Blondie muss man da erwähnen. The Raincoats sind nicht die berühmtesten, haben aber eine Reihe wirklich bemerkenswerter Alben gemacht. Ihre Coverversion des Kinks-Klassikers Lola steht stellvertretend für die damalige Zeitenwende, aber auch den Rückgriff auf bestimmte Traditionen.

The Clash – Guns of Brixton

Etwas erfinden und sofort wieder überwinden: Auch The Clash stehen da zwischen den Stühlen. London Calling (1978) gilt gemeinhin als typischer Punk-Klassiker. Aber was hört man auf diesem Album? Songs wie Rudie Can’t Fail oder Guns Of Brixton sind ein totaler Rock-Reggae-Mix, der wenig mit derbem Punkrock zu tun hat. Wenn man sich The Clash anschaut, dann waren im Punk von Anfang an die nächsten Schritte angelegt. Hier ging es wirklich ohne Zögern voran.

Bauhaus – Dark Entries

Wo und wann entstand eigentlich Goth? Diese Tradition geht weit zurück, doch die Punk-Welle bot auch für Goth-Rock einen idealen Nährboden. Auf dem ersten Bauhaus-Album finden sich sehr viele Facetten der Post-Punk-Ära: ein frenetisch-getriebener Rocksound, schwarzromantische Theatralik, krachende Experimente und Referenzen auf die britische Rockgeschichte. Von Peter Murphy und Co. gibt es viele Vampir-Versionen von Marc Bolan- oder David Bowie-Songs. Dark Entries ist der furiose Einstieg in ihr Debütalbum In The Flat Field (1980), in dem genau so viel Punk steckt wie all das, was danach kommen sollte.

Devo – Mongoloid

Post-Punk kann man ästhetisch als ein sehr britisches Phänomen verstehen, aber natürlich entwickelten sich weltweit neue Spielarten und Szenen aus der ebenso globalen Punk-Bewegung heraus. Gerade in den USA, wo es ja eine lange Proto-Punk-Tradition und Garage-Rock-Szene gibt, entwickelten sich diverse Stränge in diversen Gegenden, die man aber oft eher als Art-Rock statt Post-Punk bezeichnet – das gilt für Bands wie die Talking Heads oder Television. Irgendwo dazwischen stehen Devo, die auf jeden Fall ein sehr kluges Kunstprodukt waren, aber auch sehr erdige Rocknummern drauf hatten. Wie Mongoloid, 1978, produziert von Brian Eno und aufgenommen in Conny Planks Studio bei Köln. „No Future“ mit einem ganz neuen Twist. Klassiker!

Joy Division – Shadowplay

Viele Bands fehlen in dieser Liste, aber diese muss dabei sein. Nach dem Tod von Sänger Ian Curtis im Jahr 1980 wurde Joy Division zur New Order, und man könnte sagen: Post-Punk wurde zu New Wave, auch wenn die Begriffe im Prinzip austauschbar sind. In jedem Fall haben wir hier die vielleicht Quintessenz aller britischen 80er-Bands. Und das hört man in jedem einzelnen Song von Joy Division, auf jedem ihrer zwei Studioalben. Shadowplay ist düster und dynamisch, ausgeklügelt komponiert und doch mit einer unmittelbaren Wirkung. Nicht denkbar ohne Punk,  aber auch weit davon entfernt. Mit Ian Curtis bekam diese Ära denn auch die ideale Galionsfigur.

Der Sound des neuen Jahrtausends: Diese Alben werden 20 Jahre alt

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Zeitsprung: Am 29.1.1982 heiratet Stevie Nicks den Witwer ihrer besten Freundin.

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Foto: Ebet Roberts/Redferns/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.1.1982.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Trauer lässt Menschen merkwürdige Dinge tun. Da bilden auch Rockstars keine Ausnahme: Am 29. Januar 1982 heiratet Stevie Nicks den Witwer ihrer kürzlich verschiedenen besten Freundin und sorgt für enorm hoch gezogene Augenbrauen. Als Teil der für Drogeneskapaden bekannten Band Fleetwood Mac gar nicht so einfach… 

Hört euch hier Bella Donna an, Stevies erstes Soloalbum von 1981: 

Nun ist es nicht gerade so, dass Stevie Nicks in ihrer Karriere keine Skandale vorweisen kann. Als Mitglied von Fleetwood Mac gibt sie laut eigenen Angaben zwischen 1977 und 1986 mehrere Millionen für Kokain aus, begibt sich in einen Beziehungsreigen mit Lindsey Buckingham, Mick Fleetwood und einem nicht geringen Anteil der Eagles und wechselt schließlich auf das Beruhigungsmittel Clonazepam.

Kosmisches Gleichgewicht

Währenddessen zeigt sich die ätherische Meisterin des Rock mitverantwortlich für Werke wie das Album Rumours von Fleetwood Mac, das das genannte Liebeswirrwarr schmerzhaft aufarbeitet, oder das zeitlose Landslide. Der Entzug gelingt ihr beide Male, viele Musikerinnen nennen sie heute als wichtigen Einfluss, und nebenher engagiert sich Nicks ehrenamtlich. Eigentlich hält sich in ihrem Kosmos also alles die Waage.

Doch 1982 gerät das Gleichgewicht ins Schwanken. Kurz nach der Veröffentlichung ihres Solodebüts Bella Donna erhält die Musikerin die traurige Nachricht, dass ihre beste Freundin Robin Anderson an Leukämie erkrankt ist und nur noch wenige Monate zu leben hat. Ein heftiger Schicksalsschlag für alle Beteiligten, der durch Andersons Schwangerschaft noch mehr Schwere erhält. Nicks, die zu diesem Zeitpunkt eigentlich nur noch benebelt durchs Leben schwebt, kann die Situation kaum ertragen: „Ich war so auf Koks. Ich trank auf dem Weg (ins Krankenhaus) eine halbe Flasche Brandy, weil ich es nicht aushalten konnte.“

Kurzschlussreaktion Ehe

Anderson bringt mit letzter Kraft ihren Sohn Matthew zur Welt, verstirbt jedoch nur drei Tage später. „Ich hatte diese verrückte, wahnsinnige Vorstellung, Robin würde wollen, dass ich mich um Matthew kümmere“, erinnert sich Nicks. Weit hergeholt erscheint das nicht, immerhin ernennt man sie zur Patentante. Ihre Interpretation der Aufgabe fällt jedoch etwas besorgniserregend aus: In ihrer Trauer überzeugt sie Andersons Witwer Kim, dass eine Hochzeit die beste Option darstelle. Drei Monate später findet die Eheschließung statt.

„Komplett irre“, weiß die Sängerin heute. „Wir steckten alle knietief in der Trauer, standen völlig neben uns. Die Familien waren außer sich, als sie davon erfuhren; für viele war das Blasphemie. Aber das war mir egal. Mir war nur Matthew wichtig.“ Nicks merkt jedoch recht schnell, dass ihr Urteilsvermögen gerade nicht den besten Job macht. Die seit jeher spirituelle Künstlerin betritt eines Tages das Zimmer des Jungen und spürt die Gegenwart der Verstorbenen: „Es war dunkel, und das Baby war sehr still. Robin wollte, dass das sofort endet. Das habe ich so deutlich gespürt wie eine Hand auf der Schulter.“

„Go your own way“

Keine drei Monate später beendet die „Reigning Queen of Rock and Roll“ die Ehe. Es bleibt ihre einzige: „Die zählt nicht.“ Um den kleinen Matthew aber kümmert sich Nicks wie versprochen. Zwar bleibt der Kontakt zunächst aus, später finanziert sie dem Jungen jedoch das College. Kosmisches Gleichgewicht, eben.

Zeitsprung: Am 18.1.1974 gehen falsche Fleetwood Mac auf Tour – ganz offiziell.

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Popkultur

Liebesbrief an London: Adeles Debüt „19“ wird 15 Jahre alt

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Adele
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Vor 15 Jahren veröffentlicht eine sehr junge Sängerin namens Adele ihr erstes Album 19. Eine der größten Popkarrieren aller Zeiten beginnt in einem Londoner Kinderzimmer – und wird fast vom Alkohol im Keim erstickt.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr 19 hören:

Adele Laurie Blue Adkins und London, das ist eine ganz besondere Beziehung. Sie wird 1988 in Tottenham geboren, wächst einige Jahre in Brighton auf und kehrt mit zehn nach London zurück. Erst wohnt sie mit ihrer Mutter in Brixton, später in West Nordwood südlich der Themse. Hier verbringt sie ihre Teenagerzeit, ein musikbegeistertes Mädchen mitten in der riesigen Metropole, die perfekte Kombi. Sie und London, das soll sich nie ändern, wenn es nach Adele geht.

Geschrieben in zehn Minuten

Als ihre Mutter ihr nahelegt, die Stadt für ein Studium zu verlassen, wirft sie das völlig aus der Bahn. Sie setzt sich hin – und schreibt binnen zehn Minuten Hometown Glory, ihren allerersten Song. Sie lässt alles raus, ihre Liebe zu dieser Stadt, ihre Angst, sie zu verlassen, die Diskussionen mit ihrer Mutter. „Meine Mom und ich konnten uns nicht einigen, wo ich studieren sollte“, erzählte Adele 2008 in einem Interview. „Sie wollte, dass ich nach Liverpool gehe, ich wollte aber in London bleiben. In gewisser Weise ist Hometown Glory eine Art Protestsong über die Erinnerungen – gute wie schlechte – an seine Heimat. Eine Ode an den Ort, an dem ich mein Leben verbracht habe.“

Die Auseinandersetzung mit ihrer Mutter ist ein Glücksfall. Es ist 2007, und der Name Adele spricht sich langsam in Londons Musikwelt herum. Erste Fernsehauftritte steigern den Hype, Singer/Songwriter Jamie T wird auf die junge Dame mit der großen Stimme aufmerksam, bringt ebenjene Ode Hometown Glory im Oktober 2007 in einer limitierten Vinyl-Fassung heraus. Dann geht alles ganz schnell: Aus ihrem Kinderzimmer im Haus der Mutter heraus bekommt Adele den ersten Brit Awards Critics’ Choice-Preis verliehen und wird zur größten Newcomerhoffnung 2008 deklariert.

Da sollte mal jemand so was von Recht behalten: Zwei Wochen vor ihrem Debüt erscheint die Single Chasing Pavements. Die klettert bis auf Platz zwei der Charts und leitet eine neue Ära in der britischen Popmusik ein: Mit 19 erscheint am 28. Januar 2008 eines der wichtigsten und besten Debüts in der Musikgeschichte Großbritanniens. Der Hype ist mittlerweile im ganzen Land greifbar, die Hauptstadt verkündet die Ankunft eines neuen Megastars mit eigenem Kopf und starker Meinung.

„Ich wurde in dieser Zeit zur Frau“

19, benannt nach dem Alter, in dem sie die meisten Songs schrieb, wird zum Instant-Klassiker. Ihre Mischung aus Jazz, Soul und Pop ist feinfühlig und warm, ihre volle, durchdringende Stimme thront über allem, singt die Konkurrenz mühelos an die Wand und erzählt in melancholietrunkener Zerbrechlichkeit von gebrochenen Herzen, Heimweh und großen Träumen.

Zum Titel sagt sie: „Mir ist nichts Besseres eingefallen! Ich finde die Titel von Debütalben extrem wichtig, die besten sind für mich Debut von Björn und Miseducation von Lauryn Hill. Dieses Album repräsentiert mein Alter, mein Leben zu dieser Zeit. Ich war erst 19, als ich es schrieb, und wurde in dieser Zeit zur Frau. Das findet sich in den Songs wieder.“ Mehr noch: Die Art und Weise, wie sie die Vokale in die Länge zieht, markiert einen neuen Stil in der britischen Popmusik. „Adele hat das Potential, zu einer der angesehensten und inspirierendsten Künstler*innen ihrer Generation zu werden“, urteilt Billboard und reiht Adele aus dem Stand zwischen Amy Winehouse und Duffy ein.

Toxische Beziehung und zu viel Alkohol

Mit Amy Winehouse teilt sie anfangs nicht nur die starke Stimme und den Erfolg: Adele trinkt. Viel. Im Mai 2008 soll sie auf ihre erste große Tournee gehen, der Fokus liegt klar auf der Eroberung des US-Marktes. Das passt ihr nicht: Sie hat starkes Heimweh und steigt nicht gern in Flugzeuge. Wegen ihres damaligen Freundes sagt sie sogar einige US-Termine ab, nach Ansicht vieler der Todesstoß für jede Form von Karriere in den geheiligten Poplanden USA. Trifft auf sie natürlich nicht zu, gut steht es damals dennoch nicht um sie. „Ich nenne diese Zeit meine E.L.C., meine Early Life Crisis“, sagte sie dem Nylon Magazine mal. „Ich trank viel zu viel, was gleichzeitig das Fundament meiner Beziehung zu diesem Jungen war. Ich konnte nicht ohne ihn sein, also sagte ich diese Konzerte einfach ab. Kaum zu glauben, dass ich das wirklich getan habe. Es ist so undankbar.“

Im November 2008 trennt sie sich von ihm und zieht aus ihrem Kinderzimmer aus. Sie lässt sich in Notting Hill nieder, wo sie sich gleich wieder an die Musik macht, und gibt den Alkohol auf. „Diese Beziehung hat mein zweites Album praktisch von selbst geschrieben, also war es das am Ende alles wert“, meinte sie mal trocken. Zunächst segelt sie aber noch mit 19 auf den Wellen des Erfolgs: Anfang 2009 gibt es Gold dafür, bis zum Sommer 2009 hat sich das Album weltweit mehr als zwei Millionen Mal verkauft, auch den Grammy für den Best New Artist gibt es für sie.

Sogar das Dylan-Cover gelingt ihr

Nicht übel für eine Sängerin, die, wie sie selbst sagt, „keinerlei Pläne“ für dieses Album hat. „Ich weiß ja nicht mal, welche Art von Künstlerin ich sein will“, sagte sie 2009. „Ich schrieb das Album ja nur, um eine Trennung zu verarbeiten und all die Musik zu spielen, die ich selbst gern höre: Pop, etwas Elektro, Jazz, Folk und natürlich Soul. Ich wollte aber nie ein White Soul Girl sein. Das Album kam ganz natürlich und organisch zusammen.“ Stimmt: Sogar mit ihrem Cover von Bob Dylans Make You Feel My Love kommt sie durch und liefert ein Debüt, auf dem jeder Song sitzt.

Das wirklich Erstaunliche ist ja aber: Bei allem Hype und Erfolg ist 19 doch nur ein Vorgeschmack auf das, was Adele zwei Jahre später mit 21 lostreten wird.

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Adeles „30“: Von Trennungsschmerz, Selbsterkenntnis und Neuanfängen

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Popkultur

Zeitsprung: Am 28.1.1970 fällt Jimi Hendrix’ Band Of Gypsys krachend auseinander.

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Foto: Hendrix im Madison Square Garden 1970/ Bild: Fred W. McDarrah/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 28.1.1970.

von Christof Leim

„That’s what happens when earth fucks with space. Never forget that.“ So kommentiert Jimi Hendrix einen katastrophalen Gig im Madison Square Garden am 28. Januar 1970, der nach anderthalb Songs bereits endet. Es sollte die letzte Show der Band Of Gypsys werden…

Hier könnt ihr euch die Band Of Gypsys live anhören:

Mit der Band Of Gypsys geht es verheißungsvoll los: Nach dem Zusammenbrechen der Jimi Hendrix Experience umgibt sich der Gitarrenmeister mit neuen Musikern und spielt einen legendären Auftritt in Woodstock. Die neue Gruppierung nennt er „Gypsy Sun And Rainbows“ und erklärt von der Bühne: „It’s nothing but a band of gypsys.“ Mehr „Hippie“ geht fast nicht.

Pflichtarbeit

In Folgezeit kehrt er mit Bassist Billy Cox und Schlagzeuger Buddy Miles wieder zum Trioformat zurück und erforscht neue musikalische Sphären. Vor allem R&B und Funk halten Einzug. Zum Jahreswechsel 1969/1970 nehmen die drei im Fillmore East in New York City ein Livealbum auf, das den Titel Band Of Gypsys trägt. Oft wird auch dieses Line-up so bezeichnet. Wie viel echtes Herzblut Jimi in dieses Projekt steckt, weiß man nicht so genau. Ein Teil der Motivation kommt aus vertraglichen Verpflichtungen, ein neues Album abzuliefern, wie der Künstler später bereitwillig erklärt.

Cover

Ein dritter Auftritt findet schließlich am 28. Januar 1970 im großen und altehrwürdigen Madison Square Garden statt. Hier spielt die Band Of Gypsys beim Winter Festival For Peace, einer Benefizveranstaltung zugunsten von Antikriegsinitiativen. Mit zum Aufgebot des auf fünf Stunden angelegten Abends gehören unter anderem Harry Belafonte, Blood Sweet & Tears und Dave Brubeck. Anscheinend läuft es mit dem Zeitplan nicht so rund, denn Hendrix, Cox und Miles gehen erst kurz nach drei Uhr morgens auf Bühne. 

Ein Debakel

Der Auftritt wird eine Katastrophe: Das Trio stolpert uninspiriert durch zwei Songs (Who Knows und Earth Blues), vor allem Hendrix selbst scheint nicht er selbst zu sein. Als eine Zuschauerin nach Foxy Lady verlangt, gibt er einen rüden Kommentar ab, und während Earth Blues erklärt er den Anwesenden: „That’s what happens when earth fucks with space“, auf Deutsch: „Das passiert, wenn die Erde mit dem Weltraum fickt.“ (Nein, wir verstehen das auch nicht.) Schließlich setzt er sich auf den Drumriser und weigert sich weiterzuspielen. Irgendwann stöpselt er sein Instrument aus und verschwindet ganz. 

Was war denn da los? Gitarrenkollege Johnny Winter hat Hendrix vor der Show getroffen und berichtet später: „Er kam mit gesenktem Kopf rein, hat sich alleine auf die Couch gesetzt und seinen Kopf in seine Hände gelegt. Bis zur Show hat er sich nicht bewegt.“ Es kursiert die Theorie, dass Manager Michael Jeffrey seinem Künstler einen schlechten LSD-Trip untergeschoben haben soll, um die Band Of Gypsys zu sabotieren, auf dass die erfolgreichere Experience wieder zusammenkomme. Das Kamerateam, dass Jeffrey für den Abend engagiert hat, spricht allerdings eine andere Sprache. Zudem scheint es unwahrscheinlich, dass er seinen Künstler vor großer Kulisse und versammelter Presse so blamieren möchte. Dass Jimi an diesem Abend (mehr als sonst) unter Drogen steht – wissentlich, unwissentlich oder beides – kann man jedoch nicht ausschließen. Für die Band Of Gypsys bedeutet dieses Desaster sofort im Anschluss das Ende: Manager Jeffrey feuert Schlagzeuger Miles, Bassist Cox quittiert seinen Dienst.

Aber: Er freut sich.

Damit scheint es dem Protagonisten allerdings gut zu gehen. Unmittelbar nach dem Gig sieht Produzent Alan Douglas ihn in seiner Garderobe: „Er saß da, spielte Gitarre und lächelte.“ Wenige Tage später erzählt Hendrix dem Rolling Stone: „Ich denke, die Show im Madison Square Garden ist wie das Ende eines großen, langen Märchens. Ich hätte mir kein besseres Ende ausdenken können. Es hat sich da viel in meinem Kopf geändert. Ich konnte das gar nicht genau sagen, ich war sehr müde. Ich habe da den größten inneren Kampf meines Lebens ausgefochten.“ Bereits im Februar kommt die Jimi Hendrix Experience wieder zusammen (mit Billy Cox statt Noel Redding), im September ist der große Künstler schon tot. Aber das sind mal wieder andere Geschichten.

Zeitsprung: Am 20.2.1959 spielt Jimi Hendrix seinen ersten Gig – und fliegt raus.

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