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Popkultur

Zehn Post-Punk-Klassiker: Wie Punk erwachsen wurde und den Rock befreite

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Foto: Michael Putland/Getty Images

Die Punk-Explosion in den Jahren 1976 und 1977 war eine der größten Revolutionen in der Rockmusik. Meistens geht die Erzählung so: Die alten Dinosaurier a la Yes und Pink Floyd mit ihren endlosen Songs und LKW-Ladungen an Equipment und Keyboards wurden abgelöst von Amateuer-Bands, die nicht mehr als drei Akkorde draufhatten. Doch sie waren jung und gierig und hauchten dem Rock wieder neues Leben, neuen Style und neue Relevanz ein. Wir sagen: Viel wichtiger als all die Sex-Pistols-Klone ab 1977 war eine andere Folge: Die neue Freiheit und Offenheit, mit der sich Punkrock rasch entwickelte, wie Genre-Grenzen fielen und sich Soul oder Dub-Reggae mit E-Gitarren verbündeten, wie poppige und experimentelle Stile entwickelt wurden und neue Szenen und Nischen von Elektronik über Goth Rock bis Alternative Rock entstanden.

von Michael Döringer

Willkommen in der Zeit des Post-Punk. Er war mehr Idee und Haltung statt ein fixes Genre –nicht zwingend Rockmusik, und eigentlich auch losgelöst von seiner Entstehungszeit in den späten 70ern und frühen 80er. Natürlich hat sich längst eine gewisse Stilistik herausgebildet, mit der man auch heute noch sofort als Post-Punk-Act identifiziert wird. Und diese Songs sind mit dafür verantwortlich: Zehn Klassiker von damals, die Post-Punk definiert haben. Ein paar wichtige Vertreter mussten wir natürlich auch übergehen. Grüße an The Fall, The Cure, Siouxsie & The Banshees, The Slits, Pere Ubu, Throbbing Gristle und Cabaret Voltaire.

Gang of Four – Damaged Goods

Die Gang of Four aus Leeds kann man ruhig als die archetypische Post-Punk-Band bezeichnen. Ihr Sound war ein minimalistisch gehaltener Punkrock mit Reggae- und Funk-Elementen und oft tanzbaren Disco-Beats. Die komplette Ästhetik der Band war durchdacht und politisch, ihr Einfluss wirkt noch heute. Für Bands der 2005er Retro-Welle wie Bloc Party waren der schneidende Gitarrensound und der Look von Andy Gill und seiner Band die wichtigste Inspiration. Damaged Goods (1978) war die perfekte erste Single von Gang of Four und ein klares Signal: Nach „No Future“ gibt es jetzt wieder ambitionierte Inhalte.

Wire – Outdoor Miner

Ambitioniert waren von Anfang an auch Wire, die wie kaum eine andere Band zwischen Punk und Post-Punk hängen und beides verbinden. Ihr Debüt Pink Flag (1977) ist eigentlich ein reinrassiges Punk-Album, mit kurzen/schnellen/harten Songs. Der nur ein Jahr später veröffentlichte Nachfolger Chairs Missing dachte schon sehr viel weiter. Songs wie Outdoor Miner erinnern eher an Classic Rock mit doppeltem Boden, ist mit 1:45 aber so irritierend kurz wie ein Punk-Song. Sänger Collin Newman gab zu, dass man Lust hatte eine kommerziell anschlussfähige Single zu schreiben. Die neue Marschroute war: Anything goes, aber nur mit Substanz.

Public Image Ltd. – This Is Not A Love Song

Der Saulus-Paulus-Moment des Punk oder überhaupt der personelle Beginn von Post-Punk war, als sich die Sex Pistols auflösten und Johnny Rotten Public Image Ltd. gründete. Nun nannte er sich wieder John Lydon und machte sehr merkwürdige und experimentelle Musik. PIL gelten ebenfalls als  Post-Punk-Pioniere mit ihren kratzigen Kreuzungen aus Dub und Industrial, kühlen Gitarren und schrägem Gesang. Aber sie veröffentlichten auch tanzbare Disco-Punk-Hits wie This Is Not A Love Song.

Fehlfarben – Grauschleier

Schauen wir in die BRD: Düsseldorf war ein Epizentrum des hiesigen Punk. Aus Charley’s Girls,  einer der ersten deutschen Punkbands, entstand 1978 Mittagspause, aus Mittagspause entstanden 1979  die Fehlfarben – die wohl beste deutsche Post-Punk-Band überhaupt, die mit ihrem epochalen Debüt Monarchie & Alltag (1980) den Sound und die Zeit perfekt eingefangen haben. Ein Jahr (es geht voran) wurde dank Peter Heins Talent für Slogans zum berühmten NDW-Schlager, doch der Rest des Albums ist die eigentliche Sensation: düstergrau, politisch-aggressiv, funky und aufrüttelnd. Solche Platten kannst du dir nicht ausdenken, die werden einfach gemacht.

DAF – Als wärs das letzte Mal

Zusammen mit Peter Hein in Mittagspause war ein gewisser Gabi Delgado-Lopez, der 1978 ebenfalls in Düsseldorf mit Robert Görl und zunächst ein paar anderen die Deutsch-Amerikanische Freundschaft gründete. DAF starteten später also Duo in England und weltweit durch wie zuvor nur Kraftwerk oder Tangerine Dream. DAF nahmen die elektronische Route weg von Punk und blieben trotz aller Synthesizer mehr Punk als jede Dosenbier-Band.

The Raincoats – Lola

Punk und Post-Punk waren mit ihrem inklusivem Spirit auch eine Emanzipationsbewegung für Frauen. Dass die Dominanz der Männer im Rock damals gebrochen wurde, ist vielleicht ein bisschen zu viel gesagt, doch die weibliche Präsenz unter den großen Post-Punk-Bands ist groß: Siouxsie & The Banshees, X-Ray Spex, The Slits, ESG oder auch Blondie muss man da erwähnen. The Raincoats sind nicht die berühmtesten, haben aber eine Reihe wirklich bemerkenswerter Alben gemacht. Ihre Coverversion des Kinks-Klassikers Lola steht stellvertretend für die damalige Zeitenwende, aber auch den Rückgriff auf bestimmte Traditionen.

The Clash – Guns of Brixton

Etwas erfinden und sofort wieder überwinden: Auch The Clash stehen da zwischen den Stühlen. London Calling (1978) gilt gemeinhin als typischer Punk-Klassiker. Aber was hört man auf diesem Album? Songs wie Rudie Can’t Fail oder Guns Of Brixton sind ein totaler Rock-Reggae-Mix, der wenig mit derbem Punkrock zu tun hat. Wenn man sich The Clash anschaut, dann waren im Punk von Anfang an die nächsten Schritte angelegt. Hier ging es wirklich ohne Zögern voran.

Bauhaus – Dark Entries

Wo und wann entstand eigentlich Goth? Diese Tradition geht weit zurück, doch die Punk-Welle bot auch für Goth-Rock einen idealen Nährboden. Auf dem ersten Bauhaus-Album finden sich sehr viele Facetten der Post-Punk-Ära: ein frenetisch-getriebener Rocksound, schwarzromantische Theatralik, krachende Experimente und Referenzen auf die britische Rockgeschichte. Von Peter Murphy und Co. gibt es viele Vampir-Versionen von Marc Bolan- oder David Bowie-Songs. Dark Entries ist der furiose Einstieg in ihr Debütalbum In The Flat Field (1980), in dem genau so viel Punk steckt wie all das, was danach kommen sollte.

Devo – Mongoloid

Post-Punk kann man ästhetisch als ein sehr britisches Phänomen verstehen, aber natürlich entwickelten sich weltweit neue Spielarten und Szenen aus der ebenso globalen Punk-Bewegung heraus. Gerade in den USA, wo es ja eine lange Proto-Punk-Tradition und Garage-Rock-Szene gibt, entwickelten sich diverse Stränge in diversen Gegenden, die man aber oft eher als Art-Rock statt Post-Punk bezeichnet – das gilt für Bands wie die Talking Heads oder Television. Irgendwo dazwischen stehen Devo, die auf jeden Fall ein sehr kluges Kunstprodukt waren, aber auch sehr erdige Rocknummern drauf hatten. Wie Mongoloid, 1978, produziert von Brian Eno und aufgenommen in Conny Planks Studio bei Köln. „No Future“ mit einem ganz neuen Twist. Klassiker!

Joy Division – Shadowplay

Viele Bands fehlen in dieser Liste, aber diese muss dabei sein. Nach dem Tod von Sänger Ian Curtis im Jahr 1980 wurde Joy Division zur New Order, und man könnte sagen: Post-Punk wurde zu New Wave, auch wenn die Begriffe im Prinzip austauschbar sind. In jedem Fall haben wir hier die vielleicht Quintessenz aller britischen 80er-Bands. Und das hört man in jedem einzelnen Song von Joy Division, auf jedem ihrer zwei Studioalben. Shadowplay ist düster und dynamisch, ausgeklügelt komponiert und doch mit einer unmittelbaren Wirkung. Nicht denkbar ohne Punk,  aber auch weit davon entfernt. Mit Ian Curtis bekam diese Ära denn auch die ideale Galionsfigur.

Der Sound des neuen Jahrtausends: Diese Alben werden 20 Jahre alt

Popkultur

PJ Harveys Debüt „Dry“ wird 30: Die Wiedergeburt der Patti Smith

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PJ Harvey
Foto: Getty Images

Berstend intensiv, körperlich, kompromisslos: Vor 30 Jahren peitscht uns eine junge, unverfrorene PJ Harvey ihr wegweisendes Debüt Dry um die Ohren. Mitten im Grunge-Bohei wird die Welt Zeuge einer englischen Kulturrevolution.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Dry von PJ Harvey anhören:

Musik und Bildende Kunst gingen für Polly Jean Harvey schon immer Hand in Hand. Die 1969 in Bridport an der südenglischen Küste geborene Sängerin, Künstlerin und Multiinstrumentalistin lernt früh Gitarre und Saxofon, kultiviert aber auch ein ausgewachsenes Interesse an visueller Kunst. Dennoch gibt sie in den Achtzigern erst mal der Musik den Vorzug: Sie spielt in einer Instrumental-Combo und in einer Folk-Band, ehe sie 1988 bei Automatic Dlamini einsteigt und dort unwissentlich die Weichen für ihre Zukunft stellt.

Sonic Youth drängen sich ins Bild

Mit John Parish und Rob Ellis lernt sie in dieser Band zwei wichtige Figuren kennen, die sie auf ihrem Weg in ihre ruhmreiche Solokarriere begleiten werden. Zunächst versucht es Harvey aber mal als Band: 1991 ist für sie Schluss bei Automatic Dlamini, mit den beiden Mitglieder Rob Ellis and Ian Oliver (später ersetzt von Steve Vaughan) gründet sie das Trio PJ Harvey. Zur selben Zeit kommt es zu einer Kräfteverschiebung in ihrem musikalischen Spektrum: Sonic Youth drängen Folk und Blues ein wenig an den Rand, ihre Lust an verzerrter, roher, pulsierender Gitarrenagonie erwacht.

Sie ziehen nach London, wo Harvey ein Studium der Bildhauerei in Betracht zieht. Die Sache mit der Musik, sie traut ihr irgendwie noch nicht so ganz. Selbst als ihrer ersten Single Dress viel Aufmerksamkeit zuteil wird und sie im Zuge dessen sogar von Radiogott John Peel protegiert wird, ist sich die damals 22-Jährige nicht sicher, ob eine musikalische Karriere eine Zukunft hat. Deswegen klinge ihr Debüt Dry auch so wie es klingt, sagte sie 2004: „Dry war meine allererste Chance, ein Album zu machen, und ich dachte damals, es wäre meine letzte. Also steckte ich alles in diese Songs, was ich hatte.“

Reinkarnation der Punk-Urmutter

Dry ist ein bemerkenswert extremes Album. Metallischer Bass, versengender Gitarrensound, dumpfe Percussions, dazu Cello, Kontrabass und diese Stimme. Das hier war nicht eine weitere Alternative-Rock-Band mit einer Frau am Mikrofon. Das war eine Wachablösung, eine Kampfansage an das Patriarchat des Rock’n’Roll. Mehr als jeder andere Vergleich zieht deswegen der mit Patti Smith: PJ Harvey als Reinkarnation der Punk-Urmutter, feministisch, intellektuell, weiblich, einschüchternd talentiert. Dry als das Horses der Neunziger – ein furioses, feminines, poetisches Aufbäumen voller schwerer Gitarren und versengender Lyrik.

Und nicht nur das: Dry ist zudem voller grandioser Songs. Dress als erste Single wirkt schon wie ein krachiges Leuchtfeuer, getoppt von Sheela-Na-Gig, einem dieser Stücke, die heute ebenso emblematisch für die Neunziger stehen könnten wie, sagen wir, Smells Like Teen Spirit. Das abschließende Water hingegen zeigt früh in ihrer Karriere ihre Rolle als Rockmusikerin und Poetin in Personalunion – der Wesenszug also, der auf künftigen Werken sehr viel stärker zum Vorschein kommt.

Schroffer Vorstoß

PJ Harvey ist näher an der feministisch-existentialistischen Poesie von Silvia Plath oder Virginia Woolfe als am Klischee dauerbesoffener Kunstschaffender, ist Lichtjahre entfernt von sinnentleerten Rock-Bands in knappen Höschen. Diese Erniedrigung überlässt sie gern anderen. Sie ist eine hochgebildete Denkerin, eine Intellektuelle in der politische Zeitgeschehen und Mythos kollidieren. Ihre Waffe sind gleichermaßen ihr Stift, ihre Stimme und ihre Gitarre, ihr Debüt ein schroffer Vorstoß in eine Welt, die bislang eher eine andere Art von Frontfrau gewöhnt war. Sie war Engländern, vielleicht liegt es ja auch ein bisschen daran. Doch wo Courtney Love am einen Ende des Spektrums thront, nimmt Harvey liebend gern das andere Ende ein.

Nicht, dass sich PJ Harvey mit ihren Reizen zurückhält, nicht, dass sie nicht sexy, lasziv kann. Ihre Persona und ihre Musik – allen voran ihre allererste jemals veröffentlichte Single Dress – machen aber vom Fleck weg eines klar: Wenn du dich so kleiden willst, dann tu es für dich. Und nicht, um jemand anderem zu gefallen. Nur weil sie eine Frau mit einer Gitarre ist, wollte PJ Harvey nie gefeiert werden, wollte sie nie auf dem Cover eines Magazins landen. Wenn schon, dann bitteschön wegen ihrer Musik. Mission erfolgreich, kann man 30 Jahre später sagen.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 30.6.1975 treten Cher und Gregg Allman vor den Traualtar.

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Foto: Frank Edwards/Fotos International/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.6.1975.

von Sina Buchwitz und Christof Leim

Vom Traualtar zum Scheidungsanwalt und zurück: Am 30. Juni 1975 heiratet Cherilyn „Cher“ Sarkisian ihren zweiten Ehemann Gregory LeNoir Allman, vier Tage nach Chers offizieller Scheidung von Sonny Bono. Für Gregg ist es bereits die dritte Vermählung. Doch das junge Glück währt nur kurz; neun Tage später will Cher die Ehe auflösen lassen. Letztlich gehen aus der turbulenten Verbindung doch noch ein Kind und ein Album hervor, bevor sie 1979 tatsächlich endet. 

Hört hier das gemeinsame Album Two The Hard Way: 

Als Cher und Gregg Allman im Januar 1975 zum ersten Mal aufeinandertreffen, stehen die Sterne eigentlich schon schlecht für die beiden: Cher befindet sich mitten in der Scheidungsschlacht mit ihrem ersten Ehemann Sonny Bono und kämpft im Zuge dessen auch um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Chastity. In Greggs Leben läuft es derweil nicht weniger chaotisch. Sein Alkohol- und Drogenkonsum nimmt Ausmaße an, der nicht nur die Allman Brothers Band zu zerreißen droht, sondern auch für Ermittlungen der Drogenvollzugsbehörde sorgt. 

Blitzbegegnung

Dennoch schlägt die Begegnung zwischen den beiden ein wie ein Blitz: „Sie roch so, wie ich mir den Geruch einer Meerjungfrau vorstelle“, erinnert sich Allman an das erste Treffen bei einem seiner Konzerte. Dass seine Auserwählte zu dem Zeitpunkt eigentlich ein Date mit Musikmagnat David Geffen verbringt, beeindruckt ihn wenig: „Ich war so unhöflich, ich sagte David nicht einmal ‚Hallo‘, weil ich so geblendet von ihr war.“ Cher gibt Gregg ihre Telefonnummer. Bis zum ersten Anruf vergehen keine 24 Stunden.

Bereits die erste Verabredung endet dank Allman im Desaster: Als Abschluss des Abends liegt er, berauscht vom Heroin, bewusstlos in der Ecke. Cher ignoriert die Warnzeichen jedoch und lässt sich auf eine zweite Verabredung ein. Dieses Mal läuft es besser. In einer Disco trinkt Gregg sich genug Mut an, um mit seiner Angebeteten zu tanzen. Im Anschluss geht es zu Cher nach Hause, wo die beiden sich im Rosengarten näherkommen. 

Eine Ehe wie eine Achterbahn

Ab da passiert alles im Eiltempo. Rund sechs Monate nach dem ersten Treffen, am 30. Juni 1975, heiraten die beiden in Las Vegas. Fans und Presse sind außer sich: Zum einen, weil die Tinte auf Chers und Sonnys Scheidungspapieren noch nicht trocken ist, zum anderen, weil die Popsängerin und der Southern-Rock-Pionier ein derart ungleiches Paar abgeben. Das scheint auch ihr bald zu dämmern – nur neun Tage nach der Eheschließung ruft sie ihren Gatten an, um ihm zu sagen, dass es vorbei ist. Doch der? Ist „so high, dass er mich noch nicht mal versteht“, erinnert sich die Pop-Diva. 

Innerhalb eines Monats gelingt es Allman, seine Frau zurückzugewinnen. Doch die Achterbahnfahrt der Gefühle geht weiter, als im Jahr darauf die Sonny And Cher Show, die erste TV-Sendung mit einem geschiedenen Ehepaar, wieder über die Bildschirme flimmert. Dieses Mal ist es Gregg, der die Scheidung einreicht und sie wieder zurückzieht, als er herausfindet, dass seine Frau schwanger ist. 

Noch eine Chance

Der gemeinsame Sohn Elijah Blue wird am 10. Juli 1976 geboren und scheint das Paar miteinander zu versöhnen. Dem Magazin People gegenüber verrät Cher: „Gregory hat aufgehört zu trinken und Drogen zu nehmen. Ich habe ihn schon immer geliebt, aber bisher dachte ich, es würde nicht halten. Zum ersten Mal fühlen wir uns wirklich wie verheiratete Leute.“ 

Allmans Solokarriere nimmt derweil wieder Fahrt auf. Das gemeinsame Album Two The Hard Way, welches im November 1977 erscheint, soll ihre Liebe unterstreichen. Bei Fans und Kritikern wird die Platte jedoch eher belächelt; zu unterschiedlich scheinen die beiden Musiker zu sein. 

Es hilft nichts

Nur zwei Monate nach der Veröffentlichung lassen sich Cher und Gregg zum letzten Mal scheiden. Und dieses Mal zählt’s. Während die dunkelhaarige Schöne sich unter anderem mit Kiss-Gründer Gene Simmons tröstet, zieht es Allman noch im selben Jahr wieder vor den Traualtar. 1979 veröffentlicht Cher mit My Song (Too Far Gone) einen Titel für ihren Verflossenen: 

Now he’s too far gone to hold me, 

Too far gone, he doesn’t wanna know me

Too far gone, and he doesn’t really know 

No, he’ll never get to know his son

Trotzdem spricht sie auch sehr positiv von der gemeinsamen Zeit: „Niemand hat mich jemals so glücklich gemacht wie Gregory“, sagt Cher in einem Interview. Als Gregg Allman 2017 stirbt, zollt die Sängerin ihrem Exmann Tribut. 

Zeitsprung: Am 1.5.1967 heiraten Elvis Presley und Priscilla Ann Beaulieu.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 29.6.1980 singt Brian Johnson seine erste Show mit AC/DC.

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Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.6.1980."

von Christof Leim

Kein einfacher Job: Nur vier Monate nach dem Tod von Bon Scott steht Brian Johnson am 29. Juni 1980 im belgischen Namur zum ersten Mal mit AC/DC auf der Bühne, im Gepäck das noch unveröffentlichte Back In Black. Doch die Tickets gehen weg wie nix Gutes. Und unser Mann ist so nervös, dass er zu zwei Songs den gleichen Text singt…

Hier gibt es das unerreichte Back In Black zu hören:

Wie schnell das bei AC/DC geht damals. Statt zu trauern, muss der Rock weiter rollen: Am 19. Februar 1980 stirbt ihr unvergleichlicher Sänger Bon Scott (alles dazu hier), am 1. April 1980 stellen sie bereits Brian Johnson als den neuen Mann am Mikro vor. Kurz danach nimmt die Band bereits auf den Bahamas Back In Black auf, Ende Mai ist das Ding im Kasten (und wird im Laufe der Jahre völlig zu Recht zum je nach Zählung zweiterfolgreichsten Album aller Zeiten).

Es zählt auf dem Platz

Doch Rock’n’Roll-Geschichte wird vor allem auf der Bühne geschrieben. Deshalb buchen AC/DC vier Wochen vor Veröffentlichung der Platte ein halbes Dutzend kleine Shows in Benelux zum Aufwärmen. Das Line-up: Brian Johnson (Gesang), Angus Young (Gitarre), Malcolm Young (Gitarre), Cliff Williams (Bass), Phil Rudd (Schlagzeug). Der Start wird für den 29. Juni 1980 in der belgischen Kleinstadt Namur geplant. Eine riesige Sache soll das nicht werden, heißt es (wie mit Sabbath mit Dio in Ostfriesland), doch die Tickets für diesen Sonntagabend gehen weg wie nichts Gutes, weswegen die Show in größere Hallen verlegt wird und im großen Palais Des Expositions landet. Um 20 Uhr soll es losgehen, doch die Verantwortlichen bitten mehrmals um Aufschub, weil sie die Räumlichkeiten noch erweitern wollen, denn es seien mehr Leute gekommen als erwartet.

Vollgas: AC/DC unterwegs in Europa 1980 mit ihrem neuen Sänger – Foto: Michael Putland/Getty Images

Und Brian Johnson ist nervös. Das kann man ihm nicht verdenken, schließlich arbeitete der 32-Jährige vier Monate vorher noch in einer Autowerkstatt in Newcastle und hatte mit seiner Musikkarriere (als Sänger von Geordie) bereits abgeschlossen. „Überall hielten die Leute Banner hoch, auf denen stand: ‚Rest in peace, Bon‘!“, erinnert er sich in einem Interview. „Ich habe mich echt gefragt, worauf ich mich da eingelassen hatte. Das konnte doch nicht gut gehen! Aber in der Mitte war ein riesiges Plakat zu sehen mit ‚Alles Gute, Brian!‘ Und mehr brauchte ich nicht – Abfahrt!“

Die Nerven

Trotzdem ist Brian so angespannt, dass er sogar den gleichen Text für zwei Songs singt, also (mindestens) einmal falsch. Im gleichen Interview erinnert er sich an Bad Boy Boogie: „Ich konnte gar nichts hören. Das Publikum hat bestimmt gedacht, ich sei sehr ‚Avantgarde’. Malcolm hat mich nur angesehen und gefragt: ‚Was zum Teufel war das?‘“

 

Auf dem Plan stehen gleich sieben Stücke von Back In Black, mehr als von jedem anderen AC/DC-Album bis dato. Diese Show markiert laut setlist.fm den Konzerteinstand von Hells Bells (als Opener), Back In Black, What Do You Do For Money Honey, Rock And Roll Ain’t Noise Pollution, und Shoot To Thrill. Sogar das selten gespielte Given The Dog A Bone steht auf dem Plan und Shake A Leg als erste Zugabe (laut mancher Quellen zum ersten und einzigen Mal auf einer AC/DC-Setlist). Das immergrüne You Shook Me All Night Long fehlt hingegen noch für ein paar Wochen, wie auch die sehr detaillierte Seite highwaytoacdc.com aufführt. (In besagtem Interview erwähnt Brian die Nummer zwar beiläufig, aber das verbuchen wir nach Tausenden von Einsätzen des Stücks mal als Verwechslung.)

Magische Musikgeschichte

Das Problem mit den neuen Liedern: Die Leute kennen sie noch nicht – und reagieren verhaltener. „Oh Scheiße!“, denkt sich der Sänger, „Sie mögen das Zeug ja gar nicht. Der Abend war schon traumatisch“. Aber doch irgendwie geil: Jahre später nennt Brian die Show gegenüber Ultimate Classic Rock „magisch“. Das glauben wir gerne. Wir wären am liebsten dabei gewesen. Und der Rest ist Geschichte…

Nachtrag: Der Song Bedlam In Belgium von Flick Of The Switch (1983) handelt übrigens nicht von diesem 29. Juni 1980, sondern von einer früheren Show der Band, bei der sie die Bühne pünktlich verlassen sollte, aber nicht wollte – was die Polizei auf den Plan rief.

Zeitsprung: Am 19.2.1980 stirbt der große Bon Scott von AC/DC.

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