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Popkultur

Zeitsprung: Am 12.3.1999 zünden Kiss in Bremen alle Pyros auf einmal.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 12.3.1999.

von Christof Leim

Viel hilft viel: Das gilt insbesondere für Kiss und ihre Bühnenshow. Als die Schminkemonster am 12. März 1999 in Bremen ihre Pyros nicht abfeuern dürfen, halten sie sich auch daran. Anfangs zumindest. Allerdings stimmt die Geschichte nicht so ganz.


Hört hier in die besten Kiss-Songs rein:

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Im Frühjahr 1999 rollt die Psycho Circus World Tour durch Norddeutschland. Kiss spielen wieder in Originalbesetzung und haben sogar ein neues Album am Start. Die Reunionkonzerte der Vorjahre haben mit einer großen Show wie in den goldenen Siebzigern Fantastillionen Dollar eingespielt. Und die neue Runde soll dem in nichts nachstehen. Das heißt: Bomben, Pyros, Feuer, wie es sich gehört.

In Bremen allerdings, so heißt es aus dem Kiss-Lager, untersagen die Behörden das Spektakel, vermutlich aus Sicherheitsgründen. (Das ist natürlich richtig so; man muss sich nur mal die Geschichte der Feuerkatastrophe bei einer Great White-Show 2003 durchlesen.) Und Kiss halten sich daran. Fast.

Nach zwei Songs bringt Paul Stanley einen Übersetzer auf die Bühne, der den Fans erklärt, warum es weniger knallt als sonst: „Wir haben alle möglichen Bomben dabei, Rauch und Explosionen. Aber die Feuerwehr lässt uns das nicht abfeuern.“ Natürlich reagiert das Publikum mit Buh-Rufen, danach geht die Show weiter.

Als letzter Song steht wie gewohnt Black Diamond auf der Setlist. Die Band zieht das Ende in die Länge, Peter Criss’ Schlagzeug erhebt sich in die Lüfte – und dann geht es los: Kiss zünden alle ihre Pyros auf einmal und brennen in 30 Sekunden einer veritables Großfeuerwerk ab. Paul Stanley, der alte Kackehauer, proklamiert noch Jahre später: „Niemand kann Kiss aufhalten!“



Nun darf man sich fragen, welche Konsequenzen das hatte. Denn so herrlich rebellisch dieser Akt auch wirkt, eine gute Idee war es vermutlich nicht. Man kann lesen von einer saftigen Geldstrafe, aber auch von einem Auftrittsverbot in der Hansestadt. Grundsätzlich wissen die Kiss-Chefs Paul Stanley und Gene Simmons natürlich um die Wichtigkeit der Sicherheitsbestimmungen, was sie in Interviews immer wieder zu Protokoll geben.

Aber haben Kiss wirklich Regeln gebrochen und sich „nicht aufhalten“ lassen? Nicht ganz, wie es scheint. Andreas Adolph, der technische Leiter Stadthalle Bremen (heute ÖVB Arena), erinnert sich im Gespräch mit uDiscover, dass die Pyrotechnik der Band allen Bestimmungen entsprach – bis auf eine einzige Vorrichtung, eine Art „Flammenknallmaschine“. Weil dafür das entsprechende deutsche TÜV-Siegel fehlte, durfte dieser Effekt – und nur dieser! – nicht gezündet werden, alle anderen aber schon. Michael Thiemann, der am 27. März 1999 als Projektleiter der Westfalenhallen Dortmund das dortige Konzert betreut hatte, bestätigt das. In Dortmund wurde der fragliche Effekt sogar probeweise abgefeuert und hat (gefühlt) das halbe Hallendach weggeblasen. Das klingt, als sei das Ding womöglich nicht für Indoor-Einsätze geeignet gewesen. Es folgten Diskussionen mit der Produktionsleitung, die Band  musste auch in den Westfalenhallen auf die “Flammenknallmaschine” verzichten, veränderte aber nichts am Rest des Konzertes.

Warum Kiss in Bremen trotzdem erstmal gar nichts abgefeuert haben, lässt sich nur mutmaßen. Wenn die Verantwortlichen der Produktion nicht noch andere Gründe für die Zurückhaltung hatten, dann sieht es so aus, als hätten unsere liebsten Schminkemonster sich an diesem 12. März 1999  sich nicht heroisch gegen irgendwelche Regelungen aufgelehnt. Das Zünden der restlichen Pyros zum Schluss war jedenfalls nicht verboten, es hat nur die Dramaturgie der Show verändert – und ihre Wirkung reduziert. Aber Kiss wären nicht die unbestrittenen Großmeister der Inszenierung, wenn sie nicht auch das hätten cool aussehen lassen. You wanted the best, you got the best… und knallen muss es!


Titelfoto: Hab-Haddad/Promo

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