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Popkultur

Zeitsprung: Am 17.2.1988 zündet sich ein Mötley-Crüe-Fan selber an. Aua!

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Video-Still aus https://youtu.be/tb95jqsYTm0

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 17.2.1988.

von Christof Leim

Der zwölfjährige Brian Tucker aus Florida findet Mötley Crüe großartig. So großartig, dass er am 17. Februar 1988 eine besonders coole Szene aus dem Video zu Live Wire nachstellen will. In dieser Szene steht sehr dramatisch die Lederhose von Bassist Nikki Sixx in Flammen…

Hört hier das Mötley-Debüt & lest weiter:

Live Wire ist der erste Song der ersten Mötley-Crüe-Platte, ein früher Klassiker, der seit 1981 zum Standardprogramm der Band gehört. Zu den Hochzeiten der Kapelle während der Achtziger läuft der, nun ja, preisgünstig produzierte Clip ständig neben den aktuellen Hits im Musikfernsehen. Das sieht auch der kleine Brian. Vor allem eine Szene zum Schluss, etwa bei 2:20 Min., hat es ihm angetan. Also schüttet er sich der kleine Brian am 17. Februar 1988 Reinigungsalkohol über seine Hose und setzt sie in Brand. Keine gute Idee.

Nicht mal Wasser hilft

Selbst als der Junge sich auf dem Boden wälzt, gehen die Flammen nicht aus. Zum Glück steht die Badewanne des Hauses noch voller Wasser, also wirft sich Brian kurzentschlossen hinein. Trotzdem muss er mit Verbrennungen zweiten Grades an Beinen, Bauch und Brust ins Krankenhaus. Aua.

Der Vorfall findet sich natürlich am nächsten Tag in der Lokalzeitung The Sun-Sentinel. Laut einem darin zitierten Feuerwehrmann dachte der Junge nicht daran, dass er sich wehtun würde – schließlich habe sich der Mann im Video auch nicht verletzt. Es meldet sich zudem Dr. Thomas Radecki zu Wort, Präsident der „National Coalition on Television Violence“, ein Psychiater, der unter anderem damit von sich reden machte, dem Fantasy-Rollenspiel Dungeons & Dragons eine selbstmörderische Wirkung zuzuschreiben.

Der böse Rock’n’Roll. Natürlich.

Dr. Radecki verkündet, Mötley Crüe würden regelmäßig die gewalttätigsten Clips überhaupt drehen. „Wir sehen immer wieder das gleiche Muster. Das hier ist nur einer der vielen hundert Vorfälle dieser Art. Es ist äußerst unverantwortlich von der Musikindustrie, solches Material zu veröffentlichen.“ Das Statement amüsiert natürlich angesichts der Tatsache, dass die Band 1988, zu Glanzzeiten des hedonistischen Hair Metal, vor allem auf und mit Motorrädern und Models zu sehen ist und zum harmloseren Ende des Metal-Spektrums zählt. Auch der Live Wire-Clip von 1983 glänzt eher mit billigen Geisterbahnrequisiten, selbstgeschnitzten Pentagrammen und vielen bösen Blicken. Einzige Ausnahme in der Bandhistorie: Das Filmchen zur Ballade You’re All I  Need von 1987 wird von MTV nicht ausgestrahlt, weil darin die Geschichte eines Mordes thematisiert, die Tat aber gar nicht gezeigt wird. Dazu sagte Sixx zu Recht: „Die Sechs-Uhr-Nachrichten sind schlimmer.“

Die Geschichte des kleinen Brian Tucker in den Weekly World News, einer fiktionalen Boulevardzeitung. Der gleiche Text fand sich allerdings auch in einem echten Lokalblatt aus Florida.

Wie es Brian Tucker heute geht, lässt sich nicht herausfinden, aber wir gehen davon aus, dass er die Episode überlebt hat. Verwunderlich bleibt auch die Tatsache, dass die Meldung der (real existierenden) Lokalzeitung The Sun-Sentinel in gleichem Wortlaut ebenfalls in den Weekly World News auftaucht. Denn üblicherweise sind die Geschichten über Außerirdische, Elvis und Verschwörungen in diesem vollkommen überdrehten Blatt komplett erfunden…

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