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Popkultur

Zeitsprung: Am 19.2.1994 nehmen Rammstein erstmals deutschsprachige Songs auf.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 19.2.1994.

von Christof Leim und Timon Menge

Rammstein gehören zu den größten Exportschlagern, die die Rockmusik Deutschlands je hervorgebracht hat. Ob in Europa, den USA oder in Japan: Mit ihrer ausgeklügelten Ästhetik und deutschen Texten begeistern Till Lindemann und Co. die Massen. Die Geschichte der Gruppe beginnt allerdings holprig — und englischsprachig.


Hört hier in Herzeleid von Rammstein rein:

Klickt auf „Listen“ für das gesamte Album.

Seit mehr als 25 Jahren tragen Rammstein deutschsprachige Musik in die Welt hinaus. Die Anfänge der Berliner reichen sogar bis in die Zeit zurück, als die Hauptstadt noch in Ost und West unterteilt war: 1989 flieht der Schweriner Gitarrist Richard Kruspe über Ungarn und Österreich in die Bundesrepublik Deutschland. Zuvor war er nach eigenen Aussagen in Ost-Berlin im Rahmen einer Demonstration verhaftet und anschließend festgehalten, verhört und geschlagen worden.

Weil er im Westen keinen Anschluss findet, kehrt Kruspe nach dem Fall der Mauer in seine Heimatstadt Schwerin zurück. Till Lindemann kennt er noch von früher und steigt in dessen Band First Arsch ein, kurz für „Erste Autonome Randalierer Schwerins“. Zeitgleich gründet Kruspe Projekte wie Orgasm Death Gimmick. 1991 steigt er als Gitarrist bei Die Firma ein (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen HipHop-Gruppe), wo er bereits seinen zukünftigen Rammstein-Kollegen Paul Landers kennenlernt.

Eines der frühen Projekte von Rammstein-Gitarrist Richard Kruspe: Orgasm Death Gimmick

Später zieht es Kruspe wieder nach Berlin, wo er 1993 mit seinen Mitbewohnern Oliver Riedel und Christoph Schneider eine neue Band gründet, zunächst unter dem Namen Templeprayers. Die ersten Proben orientieren sich an US-amerikanischem Metal, die Texte sind englischsprachig. Kruspe erinnert sich an seinen Kumpel Till Lindemann und holt ihn in die Band. Damit die Proben reibungslos verlaufen, zieht auch der nach Berlin.



Ihr erstes Demo nimmt die Gruppe in englischer Sprache auf und bewirbt sich damit beim Metrobeat-Musikpoll. Bei dieser Veranstaltung werden zu jener Zeit die 14 hoffnungsvollsten Berliner Bands ermittelt — den Gewinnern winkt ein Auftritt auf einem Festival sowie eine Aufnahmesitzung in einem professionellen Tonstudio. Kruspe, Lindemann und Co. sahnen ab und beginnen am 19. Februar 1994 mit den Aufnahmen – allerdings mit einer grundlegenden Änderung: Sie singen jetzt auf Deutsch. Anhören könnt ihr euch das hier. Unter den eingespielten Stücken befinden sich altbekannte Titel wie Seemann, Das alte Leid, Fleisch (später: Weißes Fleisch) oder die Bandhymne Rammstein, doch die Demoaufnahmen unterscheiden sich teils beträchtlich von den Versionen, die später auf dem Debüt Herzeleid (1995) landen.



Die Idee, auf Deutsch zu singen, stammt nicht etwa von Fronthüne Till Lindemann, sondern von den beiden neuesten Bandmitgliedern Christian „Flake“ Lorenz und Paul Landers, die erst nach der Metrobeat-Bewerbung in die Gruppe einsteigen. Flake muss regelrecht dazu überredet werden, wie Landers später in einem Interview mit dem Musiksender VIVA erzählt: „Der wollte bei Rammstein nicht mitspielen, weil es ihm zu doof war, zu stumpf, zu langweilig, zu streng. Wir wussten aber, dass wir a) einen Keyboarder brauchen und b) einen Menschen, der so ein bisschen dagegenhält. Wenn Rammstein Gulasch ist, dann musst du ein Löffelchen Zucker reinmachen, damit der Gulasch gut schmeckt.“

Unterschrieben 1995 ihren ersten Plattenvertrag: Rammstein – Pic: Jan ‘Praler’ Hoffmann/Motor Music

Die deutschsprachigen Aufnahmen öffnen Rammstein viele Türen. Am 1. April 1994 beginnen die Musiker die Zusammenarbeit mit ihrem langjährigen Manager Emanuel Fialik, am 14. April 1994 findet der erste Auftritt statt — vor 15 Besuchern. Ende 1994 stellt Fialik seine neuen Schützlinge der Plattenfirma Motor Music vor. Am 4. Januar 1995 unterschreiben Rammstein ihren ersten Plattenvertrag. Ein Dreivierteljahr später, am 24. September 1995, erscheint das Debütalbum Herzeleid, doch diese Geschichte erzählen wir ein anderes Mal…


Titelfoto: Jan ‘Praler’ Hoffmann/Motor Music

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