------------

Popkultur

Zeitsprung: Am 2.3.1983 gibt es den ersten CD-Player & 16 Alben auf CD zu kaufen.

Published on

Foto: Atreyu/WikiCommons

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 2.3.1983.

von Christof Leim

Am 2. März 1983 konnten Audiofreaks auf aller Welt zum ersten Mal einen CD-Player kaufen. Die Erfindung revolutionierte die Musikwelt, und wie so oft spielten neben cleveren Entscheidungen auch Zufälle eine entscheidende Rolle. Heute hören wir Musik und speichern wir Daten zunehmend anders, aber die CD hält sich – noch.

Hört hier den ersten CD-Millionenseller:

Musik hören mit einem Laser: Was nach Feierabend auf der Enterprise klingt, beschreibt die Funktionsweise einer CD ganz gut. Die Idee, Musik und Daten auf einem optischen Medium zu speichern und mit einem Laser auszulesen, verfolgt ein US-amerikanischer Ingenieur namens James T. Russell schon in den Sechzigern. 1970 meldet er ein Patent an, doch damit endet sein Teil der Geschichte leider schon. Das Patent geht nämlich an eine kanadische Firma namens Optical Recording Corp., aber auch die spielt rasch keine größere Rolle mehr. Denn jetzt kommen die „Big Player“: Philips aus den Niederlanden und Sony aus Japan, die beide die Erfindung aufgreifen. Die werden zwar von Optical Recording Corp. noch schnell erfolgreich auf Lizenzzahlungen verklagt, können dann aber die Ressourcen aufbringen, die Compact Disc zu entwickeln, wie wir sie kennen. Von den Lizenzzahlungen sieht der heute über 80 Jahre alte James T. Russel übrigens nichts.

Gemeinsame Sache der “Großen”

Für das Projekt „CD“ tun sich die konkurrierenden Firmen Philips und Sony eigens zusammen, was in Zeiten vor der Globalisierung durchaus nicht als selbstverständlich gesehen wird. Gemeinsam können sie den grundlegenden Einfall von Russell so weiterentwickeln, dass er auch zuverlässig genutzt werden kann. Die ersten Prototypen entstehen schon Ende der Siebziger. Der Durchmesser der Discs wird auf 12 cm festgelegt, weil das der Diagonale einer Musikkassette entsprecht, dem damals wegen seiner Kompaktheit beliebten Medium. Der Sage nach plädiert der verantwortliche japanische Techniker Norio Ohga für eine Spielzeit von 75 Minuten deshalb, weil er Beethovens neunte Sinfonie ohne Unterbrechungen hören will. Andere Berichte sprechen von einem Wunsch seiner Frau. Der Chefentwickler auf der niederländischen Seite, Kees Schouhamer Immink, soll dem später jedoch widersprochen haben.

Einer der Väter der CD, der niederländische Ingenieur Kees Schouhamer Immink. Foto von Ehuang (Own work) [Public domain], via Wikimedia Commons

In einer von Philips aufgebauten Produktionsfabrik in Langenhagen bei Hannover wird als erster Test Eine Alpensinfonie von Richard Strauss auf Polycarbonat gepresst. Am 17. August 1982 wird die erste Compact Disc für den Handel produziert, und zwar mit dem Album The Visitors von ABBA. Ab 1. Oktober 1982 kann man in Japan den Sony CDP-01 kaufen, den ersten öffentlich erhältlichen CD-Player. Viel Musik gibt es dafür noch nicht, als erstes Album wird 52nd Street von Billy Joel angeboten. Am 2. März 1983 schließlich haben Musikfreaks auf der ganzen Welt, vor allem in Nordamerika und Europa, Zugriff auf das neue heiße Ding. Damit man die noch ziemlich teuren Geräte nicht nur angucken muss, veröffentlichen CBS Records praktischerweise ganze 16 Titel.

Die ersten CDs: ABBA und Billy Joel

Ein Hit!

Die Reaktionen fallen enthusiastisch aus, zumindest bei den Leuten, die sich solches Hifi-Spielzeug leisten können. Im Laden muss man für die CD-Player anfangs bis zu 1000 Dollar hinlegen, aber bis 1984 werden in den USA über 400.000 Geräte verkauft, weltweit sind es laut Philips 1985 schon fünf Millionen, 1986 verdoppelt sich die Zahl. Zunächst sind es vornehmlich Fans von klassischer Musik und audiophile Freaks, die auf die bahnbrechende Klangqualität und die einfache Handhabung abfahren. Auch verlegen sich die Plattenfirmen darauf, erfolgreiche Werke im neuen Format erneut zu veröffentlichen, weil sie dabei von einer Nachfrage ausgehen können. Schon im Jahr 1988, nur fünf Jahre nach der Markteinführung, werden 400 Millionen CDs in 50 Presswerken weltweit produziert. Kurz gesagt: Die Idee von James T. Russell und die technische Umsetzung von Philips/Sony sind ein Hit.

Der erste CD-Player im Handel: Der Sony CDP-101. Heute sehen die Dinger gar nicht so anders aus. Bild Credit: Alessandro Nassiri

In der folgenden Dekade läuft CD anderen populären Speichermedien den Rang ab: Schon 1988 überholen die CD-Verkäufe in den USA die von Vinyl, 1992 werden mehr CDs gekauft als Kassetten. Als erster Künstler hat David Bowie 1985 seinen gesamten Katalog auf CD rausgebracht, der erste CD-Millionenseller wird Brothers In Arms von Dire Straits. 1998 erhalten Sony und Philips einen Technik-Grammy, bis 2007 werden weltweit 200 Milliarden CDs (und die verwandten Formate CD-ROM und CD-R) verkauft.

Der erste Millionenseller auf Polycarbonat: “Brothers In Arms” von Dire Straits

Aufstieg und Abstieg

Aber so geht’s nicht weiter, wie wir alle wissen: Doof ist für das Musikgeschäft zunächst, dass man CDs irgendwann verlustfrei kopieren kann. 1982 konnte eine CD wesentlich mehr Daten speichern (etwa 800MB) als eine handelsübliche Harddisk in einem Personal Computer mit 10 MB Platz. Das ändert sich ziemlich schnell und ebnet den Weg für die Verbreitung von mp3s und ähnlichen Formaten. Und dann kommt dieses Internet, von dem alle immer reden: Zunächst geht der Trend zu Downloads, mittlerweile wird Musik zusehends gestreamt. Nach 2001 zeigt die Absatzkurve von CDs kontinuierlich nach unten, 2014 überholen die Umsätze mit digitaler Musik in den USA erstmals die durch Verkäufe physikalischer Tonträger.

Die Absatzkurve von CDs und Vinyl. Quelle: Wikipedia

In Deutschland wurden laut dem Bundesverband Musikindustrie 2016 immer noch etwa 54 Prozent des Umsatzes mit CDs gemacht, Tendenz fallend. Vinyl liegt bei 4,4 Prozent, bleibt also eine Nische für Liebhaberei. Downloads gehen ebenfalls zurück (12,2 Prozent), der Streaminganteil erreicht 24,1 Prozent Umsatz, Tendenz steigend. Wo die Reise hingeht, ist also klar. Trotzdem diskutieren Musikfans gerne große Biere leer, wenn es um die „richtige“ Art des Hörens geht. Folgendes Argument gegen physische Tonträger wird unserer Meinung allerdings oft unterschätzt: Umzüge mit umfangreichen Sammlungen sind so traumatisierend, dass sich diese Frage irgendwann unter dem Geräusch berstender Bandscheiben erledigen wird. Ehrlich.

Wer übrigens seine Schätzchen tatsächlich loswerden will, kann sie nicht einfach in die Tonne kloppen: Das Polycarbonat, aus dem CDs hergestellt werden, gehört ins Recycling – allerdings als Rohstoff für Medizin, Computertechnik und Autoindustrie, nicht für neue CDs.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Zeitsprung: Ab 1. 7.1979 verändert der Walkman die Musikwelt

 

Popkultur

PJ Harveys Debüt „Dry“ wird 30: Die Wiedergeburt der Patti Smith

Published on

PJ Harvey
Foto: Getty Images

Berstend intensiv, körperlich, kompromisslos: Vor 30 Jahren peitscht uns eine junge, unverfrorene PJ Harvey ihr wegweisendes Debüt Dry um die Ohren. Mitten im Grunge-Bohei wird die Welt Zeuge einer englischen Kulturrevolution.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Dry von PJ Harvey anhören:

Musik und Bildende Kunst gingen für Polly Jean Harvey schon immer Hand in Hand. Die 1969 in Bridport an der südenglischen Küste geborene Sängerin, Künstlerin und Multiinstrumentalistin lernt früh Gitarre und Saxofon, kultiviert aber auch ein ausgewachsenes Interesse an visueller Kunst. Dennoch gibt sie in den Achtzigern erst mal der Musik den Vorzug: Sie spielt in einer Instrumental-Combo und in einer Folk-Band, ehe sie 1988 bei Automatic Dlamini einsteigt und dort unwissentlich die Weichen für ihre Zukunft stellt.

Sonic Youth drängen sich ins Bild

Mit John Parish und Rob Ellis lernt sie in dieser Band zwei wichtige Figuren kennen, die sie auf ihrem Weg in ihre ruhmreiche Solokarriere begleiten werden. Zunächst versucht es Harvey aber mal als Band: 1991 ist für sie Schluss bei Automatic Dlamini, mit den beiden Mitglieder Rob Ellis and Ian Oliver (später ersetzt von Steve Vaughan) gründet sie das Trio PJ Harvey. Zur selben Zeit kommt es zu einer Kräfteverschiebung in ihrem musikalischen Spektrum: Sonic Youth drängen Folk und Blues ein wenig an den Rand, ihre Lust an verzerrter, roher, pulsierender Gitarrenagonie erwacht.

Sie ziehen nach London, wo Harvey ein Studium der Bildhauerei in Betracht zieht. Die Sache mit der Musik, sie traut ihr irgendwie noch nicht so ganz. Selbst als ihrer ersten Single Dress viel Aufmerksamkeit zuteil wird und sie im Zuge dessen sogar von Radiogott John Peel protegiert wird, ist sich die damals 22-Jährige nicht sicher, ob eine musikalische Karriere eine Zukunft hat. Deswegen klinge ihr Debüt Dry auch so wie es klingt, sagte sie 2004: „Dry war meine allererste Chance, ein Album zu machen, und ich dachte damals, es wäre meine letzte. Also steckte ich alles in diese Songs, was ich hatte.“

Reinkarnation der Punk-Urmutter

Dry ist ein bemerkenswert extremes Album. Metallischer Bass, versengender Gitarrensound, dumpfe Percussions, dazu Cello, Kontrabass und diese Stimme. Das hier war nicht eine weitere Alternative-Rock-Band mit einer Frau am Mikrofon. Das war eine Wachablösung, eine Kampfansage an das Patriarchat des Rock’n’Roll. Mehr als jeder andere Vergleich zieht deswegen der mit Patti Smith: PJ Harvey als Reinkarnation der Punk-Urmutter, feministisch, intellektuell, weiblich, einschüchternd talentiert. Dry als das Horses der Neunziger – ein furioses, feminines, poetisches Aufbäumen voller schwerer Gitarren und versengender Lyrik.

Und nicht nur das: Dry ist zudem voller grandioser Songs. Dress als erste Single wirkt schon wie ein krachiges Leuchtfeuer, getoppt von Sheela-Na-Gig, einem dieser Stücke, die heute ebenso emblematisch für die Neunziger stehen könnten wie, sagen wir, Smells Like Teen Spirit. Das abschließende Water hingegen zeigt früh in ihrer Karriere ihre Rolle als Rockmusikerin und Poetin in Personalunion – der Wesenszug also, der auf künftigen Werken sehr viel stärker zum Vorschein kommt.

Schroffer Vorstoß

PJ Harvey ist näher an der feministisch-existentialistischen Poesie von Silvia Plath oder Virginia Woolfe als am Klischee dauerbesoffener Kunstschaffender, ist Lichtjahre entfernt von sinnentleerten Rock-Bands in knappen Höschen. Diese Erniedrigung überlässt sie gern anderen. Sie ist eine hochgebildete Denkerin, eine Intellektuelle in der politische Zeitgeschehen und Mythos kollidieren. Ihre Waffe sind gleichermaßen ihr Stift, ihre Stimme und ihre Gitarre, ihr Debüt ein schroffer Vorstoß in eine Welt, die bislang eher eine andere Art von Frontfrau gewöhnt war. Sie war Engländern, vielleicht liegt es ja auch ein bisschen daran. Doch wo Courtney Love am einen Ende des Spektrums thront, nimmt Harvey liebend gern das andere Ende ein.

Nicht, dass sich PJ Harvey mit ihren Reizen zurückhält, nicht, dass sie nicht sexy, lasziv kann. Ihre Persona und ihre Musik – allen voran ihre allererste jemals veröffentlichte Single Dress – machen aber vom Fleck weg eines klar: Wenn du dich so kleiden willst, dann tu es für dich. Und nicht, um jemand anderem zu gefallen. Nur weil sie eine Frau mit einer Gitarre ist, wollte PJ Harvey nie gefeiert werden, wollte sie nie auf dem Cover eines Magazins landen. Wenn schon, dann bitteschön wegen ihrer Musik. Mission erfolgreich, kann man 30 Jahre später sagen.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

10 Songs von PJ Harvey, die man kennen sollte

Continue Reading

Popkultur

Zeitsprung: Am 30.6.1975 treten Cher und Gregg Allman vor den Traualtar.

Published on

Foto: Frank Edwards/Fotos International/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.6.1975.

von Sina Buchwitz und Christof Leim

Vom Traualtar zum Scheidungsanwalt und zurück: Am 30. Juni 1975 heiratet Cherilyn „Cher“ Sarkisian ihren zweiten Ehemann Gregory LeNoir Allman, vier Tage nach Chers offizieller Scheidung von Sonny Bono. Für Gregg ist es bereits die dritte Vermählung. Doch das junge Glück währt nur kurz; neun Tage später will Cher die Ehe auflösen lassen. Letztlich gehen aus der turbulenten Verbindung doch noch ein Kind und ein Album hervor, bevor sie 1979 tatsächlich endet. 

Hört hier das gemeinsame Album Two The Hard Way: 

Als Cher und Gregg Allman im Januar 1975 zum ersten Mal aufeinandertreffen, stehen die Sterne eigentlich schon schlecht für die beiden: Cher befindet sich mitten in der Scheidungsschlacht mit ihrem ersten Ehemann Sonny Bono und kämpft im Zuge dessen auch um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Chastity. In Greggs Leben läuft es derweil nicht weniger chaotisch. Sein Alkohol- und Drogenkonsum nimmt Ausmaße an, der nicht nur die Allman Brothers Band zu zerreißen droht, sondern auch für Ermittlungen der Drogenvollzugsbehörde sorgt. 

Blitzbegegnung

Dennoch schlägt die Begegnung zwischen den beiden ein wie ein Blitz: „Sie roch so, wie ich mir den Geruch einer Meerjungfrau vorstelle“, erinnert sich Allman an das erste Treffen bei einem seiner Konzerte. Dass seine Auserwählte zu dem Zeitpunkt eigentlich ein Date mit Musikmagnat David Geffen verbringt, beeindruckt ihn wenig: „Ich war so unhöflich, ich sagte David nicht einmal ‚Hallo‘, weil ich so geblendet von ihr war.“ Cher gibt Gregg ihre Telefonnummer. Bis zum ersten Anruf vergehen keine 24 Stunden.

Bereits die erste Verabredung endet dank Allman im Desaster: Als Abschluss des Abends liegt er, berauscht vom Heroin, bewusstlos in der Ecke. Cher ignoriert die Warnzeichen jedoch und lässt sich auf eine zweite Verabredung ein. Dieses Mal läuft es besser. In einer Disco trinkt Gregg sich genug Mut an, um mit seiner Angebeteten zu tanzen. Im Anschluss geht es zu Cher nach Hause, wo die beiden sich im Rosengarten näherkommen. 

Eine Ehe wie eine Achterbahn

Ab da passiert alles im Eiltempo. Rund sechs Monate nach dem ersten Treffen, am 30. Juni 1975, heiraten die beiden in Las Vegas. Fans und Presse sind außer sich: Zum einen, weil die Tinte auf Chers und Sonnys Scheidungspapieren noch nicht trocken ist, zum anderen, weil die Popsängerin und der Southern-Rock-Pionier ein derart ungleiches Paar abgeben. Das scheint auch ihr bald zu dämmern – nur neun Tage nach der Eheschließung ruft sie ihren Gatten an, um ihm zu sagen, dass es vorbei ist. Doch der? Ist „so high, dass er mich noch nicht mal versteht“, erinnert sich die Pop-Diva. 

Innerhalb eines Monats gelingt es Allman, seine Frau zurückzugewinnen. Doch die Achterbahnfahrt der Gefühle geht weiter, als im Jahr darauf die Sonny And Cher Show, die erste TV-Sendung mit einem geschiedenen Ehepaar, wieder über die Bildschirme flimmert. Dieses Mal ist es Gregg, der die Scheidung einreicht und sie wieder zurückzieht, als er herausfindet, dass seine Frau schwanger ist. 

Noch eine Chance

Der gemeinsame Sohn Elijah Blue wird am 10. Juli 1976 geboren und scheint das Paar miteinander zu versöhnen. Dem Magazin People gegenüber verrät Cher: „Gregory hat aufgehört zu trinken und Drogen zu nehmen. Ich habe ihn schon immer geliebt, aber bisher dachte ich, es würde nicht halten. Zum ersten Mal fühlen wir uns wirklich wie verheiratete Leute.“ 

Allmans Solokarriere nimmt derweil wieder Fahrt auf. Das gemeinsame Album Two The Hard Way, welches im November 1977 erscheint, soll ihre Liebe unterstreichen. Bei Fans und Kritikern wird die Platte jedoch eher belächelt; zu unterschiedlich scheinen die beiden Musiker zu sein. 

Es hilft nichts

Nur zwei Monate nach der Veröffentlichung lassen sich Cher und Gregg zum letzten Mal scheiden. Und dieses Mal zählt’s. Während die dunkelhaarige Schöne sich unter anderem mit Kiss-Gründer Gene Simmons tröstet, zieht es Allman noch im selben Jahr wieder vor den Traualtar. 1979 veröffentlicht Cher mit My Song (Too Far Gone) einen Titel für ihren Verflossenen: 

Now he’s too far gone to hold me, 

Too far gone, he doesn’t wanna know me

Too far gone, and he doesn’t really know 

No, he’ll never get to know his son

Trotzdem spricht sie auch sehr positiv von der gemeinsamen Zeit: „Niemand hat mich jemals so glücklich gemacht wie Gregory“, sagt Cher in einem Interview. Als Gregg Allman 2017 stirbt, zollt die Sängerin ihrem Exmann Tribut. 

Zeitsprung: Am 1.5.1967 heiraten Elvis Presley und Priscilla Ann Beaulieu.

Continue Reading

Popkultur

Zeitsprung: Am 29.6.1980 singt Brian Johnson seine erste Show mit AC/DC.

Published on

Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.6.1980."

von Christof Leim

Kein einfacher Job: Nur vier Monate nach dem Tod von Bon Scott steht Brian Johnson am 29. Juni 1980 im belgischen Namur zum ersten Mal mit AC/DC auf der Bühne, im Gepäck das noch unveröffentlichte Back In Black. Doch die Tickets gehen weg wie nix Gutes. Und unser Mann ist so nervös, dass er zu zwei Songs den gleichen Text singt…

Hier gibt es das unerreichte Back In Black zu hören:

Wie schnell das bei AC/DC geht damals. Statt zu trauern, muss der Rock weiter rollen: Am 19. Februar 1980 stirbt ihr unvergleichlicher Sänger Bon Scott (alles dazu hier), am 1. April 1980 stellen sie bereits Brian Johnson als den neuen Mann am Mikro vor. Kurz danach nimmt die Band bereits auf den Bahamas Back In Black auf, Ende Mai ist das Ding im Kasten (und wird im Laufe der Jahre völlig zu Recht zum je nach Zählung zweiterfolgreichsten Album aller Zeiten).

Es zählt auf dem Platz

Doch Rock’n’Roll-Geschichte wird vor allem auf der Bühne geschrieben. Deshalb buchen AC/DC vier Wochen vor Veröffentlichung der Platte ein halbes Dutzend kleine Shows in Benelux zum Aufwärmen. Das Line-up: Brian Johnson (Gesang), Angus Young (Gitarre), Malcolm Young (Gitarre), Cliff Williams (Bass), Phil Rudd (Schlagzeug). Der Start wird für den 29. Juni 1980 in der belgischen Kleinstadt Namur geplant. Eine riesige Sache soll das nicht werden, heißt es (wie mit Sabbath mit Dio in Ostfriesland), doch die Tickets für diesen Sonntagabend gehen weg wie nichts Gutes, weswegen die Show in größere Hallen verlegt wird und im großen Palais Des Expositions landet. Um 20 Uhr soll es losgehen, doch die Verantwortlichen bitten mehrmals um Aufschub, weil sie die Räumlichkeiten noch erweitern wollen, denn es seien mehr Leute gekommen als erwartet.

Vollgas: AC/DC unterwegs in Europa 1980 mit ihrem neuen Sänger – Foto: Michael Putland/Getty Images

Und Brian Johnson ist nervös. Das kann man ihm nicht verdenken, schließlich arbeitete der 32-Jährige vier Monate vorher noch in einer Autowerkstatt in Newcastle und hatte mit seiner Musikkarriere (als Sänger von Geordie) bereits abgeschlossen. „Überall hielten die Leute Banner hoch, auf denen stand: ‚Rest in peace, Bon‘!“, erinnert er sich in einem Interview. „Ich habe mich echt gefragt, worauf ich mich da eingelassen hatte. Das konnte doch nicht gut gehen! Aber in der Mitte war ein riesiges Plakat zu sehen mit ‚Alles Gute, Brian!‘ Und mehr brauchte ich nicht – Abfahrt!“

Die Nerven

Trotzdem ist Brian so angespannt, dass er sogar den gleichen Text für zwei Songs singt, also (mindestens) einmal falsch. Im gleichen Interview erinnert er sich an Bad Boy Boogie: „Ich konnte gar nichts hören. Das Publikum hat bestimmt gedacht, ich sei sehr ‚Avantgarde’. Malcolm hat mich nur angesehen und gefragt: ‚Was zum Teufel war das?‘“

 

Auf dem Plan stehen gleich sieben Stücke von Back In Black, mehr als von jedem anderen AC/DC-Album bis dato. Diese Show markiert laut setlist.fm den Konzerteinstand von Hells Bells (als Opener), Back In Black, What Do You Do For Money Honey, Rock And Roll Ain’t Noise Pollution, und Shoot To Thrill. Sogar das selten gespielte Given The Dog A Bone steht auf dem Plan und Shake A Leg als erste Zugabe (laut mancher Quellen zum ersten und einzigen Mal auf einer AC/DC-Setlist). Das immergrüne You Shook Me All Night Long fehlt hingegen noch für ein paar Wochen, wie auch die sehr detaillierte Seite highwaytoacdc.com aufführt. (In besagtem Interview erwähnt Brian die Nummer zwar beiläufig, aber das verbuchen wir nach Tausenden von Einsätzen des Stücks mal als Verwechslung.)

Magische Musikgeschichte

Das Problem mit den neuen Liedern: Die Leute kennen sie noch nicht – und reagieren verhaltener. „Oh Scheiße!“, denkt sich der Sänger, „Sie mögen das Zeug ja gar nicht. Der Abend war schon traumatisch“. Aber doch irgendwie geil: Jahre später nennt Brian die Show gegenüber Ultimate Classic Rock „magisch“. Das glauben wir gerne. Wir wären am liebsten dabei gewesen. Und der Rest ist Geschichte…

Nachtrag: Der Song Bedlam In Belgium von Flick Of The Switch (1983) handelt übrigens nicht von diesem 29. Juni 1980, sondern von einer früheren Show der Band, bei der sie die Bühne pünktlich verlassen sollte, aber nicht wollte – was die Polizei auf den Plan rief.

Zeitsprung: Am 19.2.1980 stirbt der große Bon Scott von AC/DC.

Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss