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Popkultur

Zeitsprung: Am 21.5.1983 schicken ZZ Top ein rotes Ford Coupé auf die Straße.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 21.5.1983.

von Christof Leim

Wie macht man ein altehrwürdiges Blues-Rock-Trio zu Stars im MTV-Zeitalter? Natürlich mit Mädels und einem coolen Auto. So funktioniert es zumindest bei ZZ Top, als am 21. Mai 1983 zum ersten Mal The Eliminator vorfährt, ihr legendäres 1933er Ford Coupé in knalligem Rot. Das Gefährt sollte zu einem Markenzeichen der Texaner werden.



Der Eliminator hat seine Jungfernfahrt im Video zu Gimme All Your Lovin’. Darin sehen wir einen Mechaniker, der von drei feschen Damen mit dem Auto an seiner Tankstelle mitten in der Prärie besucht und verführt wird. Dazu spielen ZZ Top in staubigen Jacken, und natürlich war alles nur ein Traum – oder doch nicht? Rückblickend wirkt das wie ein typischer Achtziger-Jahre-Clip, doch eine durchgehende Erzählung ohne Konzertszenen ohne ähnliches ist damals durchaus ungewöhnlich. „Wir wollten Spaß haben und den Leuten zeigen, dass wir nicht zu ernst drauf sind“, kommentiert Schlagzeuger Frank Beard 2017 im Rocks-Magazin. „Deshalb haben wir die Mädels ins Auto gesetzt, denn wir selbst waren zu hässlich.“

Die drei Typen mit dem Auto 2012.

Das funktioniert: Der Clip läuft auf MTV in Dauerrotation und bekommt sogar mehrere Nachfolger. In Sharp Dressed Man arbeitet unser Held als Parkplatzwächter, diesmal helfen im die drei Mädels aus der coolen Karre dabei, den inneren Meistertänzer zu finden. In Legs schließlich muss eine junge Frau Belästigungen und Demütigungen erdulden, bis die Auto-Girls ihr zu Hilfe eilen. Lustigerweise fällt die Auskopplung TV Dinners bei Sendern und Publikum durch, vielleicht, weil der dazugehörige Clip durch die komplette Abwesenheit von Autos und Models glänzt.



All diese Songs stammen vom Album Eliminator, das bereits im März 1983 auf den Markt gekommen ist. Dank der erfolgreichen Singles wird es zu einem gewaltigen Hit und hat mittlerweile sogar eine Diamantauszeichnung für über zehn Millionen in den USA verkaufter Exemplare erhalten. Auf dem Cover prangt – natürlich – das Vehikel. Doch es sind nicht nur die lustig-ironischen Clips: Auf der Platte gehen ZZ Top neue Wege mit dem Einsatz von Sequenzern und Synthesizern. Ihr endcooler Blues Rock wird plötzlich tanzbar, was der Band ein neues und junges Publikum beschert. Das ikonische Image mit Sonnenbrillen und langen Bärten tut sein Übriges. (Übrigens müssen wir seit 30 Jahren darüber schmunzeln, dass der einzige ohne Bart ausgerechnet Frank Beard heißt. Es sind die kleinen Dinge…)

Das Cover zum Auto. Oder das Auto zum Cover.

Die Karre fällt natürlich Autofreaks und Gearheads sofort ins Auge, weswegen der Wagen in so ziemlich allen Magazinen auftaucht, die irgendwas mit Hot Rods und Custom Cars zu tun haben. Die Band lässt sogar einige Duplikate herstellen, die mit auf Tour gehen.

By Whpq [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], from Wikimedia Commons

Und es ist ein feines Stück: Ursprünglich hat Gitarrist Billy Gibson es von einer Frau in Tucson, Arizona gekauft und dann nach allen Regeln der Kunst aufgemotzt. Experten wissen vielleicht, was ein 350-Kubik-Inch-V8-Motor mit einem Vierfachvergaser und einem Turbo-350-Getriebe so alles kann, für uns klingt das ein bisschen nach Flux-Kompensator. Aber soviel dürfte klar sein: Die Karre ist heiß und sieht mit dem stylisierten Bandlogo an der Seite auch so aus. Die Grafik stammt von Kenny Youngblood, der gerne als „Michelangelo des Motorsport“ bezeichnet wird. Wenn schon, denn schon. Seit Gibbons eine solche Schleuder im Film The California Kid (1974) gesehen hatte, wollte er eine besitzen. Jetzt ist es soweit, und sie erweist seiner Band gute Dienste.



Auf dem nächsten Album Afterburner (1985) prangt der Eliminator erneut auf dem Cover, diesmal im Weltraum. Natürlich. In Video zu Sleeping Bag, einer Hommage an Horrorfilme, dreht er ebenfalls seine Runden, auf Tour sieht die Bühne wie sein Armaturenbrett.

Heute steht der Original-Eliminator in der Rock And Roll Hall Of Fame in Cleveland.




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