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Popkultur

Zeitsprung: Am 27.10.1993 will Glenn Frey (Eagles) mit „South Of Sunset“ TV-Star werden.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 27.10.1993.

von Timon Menge und Christof Leim

Anfang der Neunziger hat Eagles-Frontmann Glenn Frey die Schnauze voll vom Rock‘n‘Roll und widmet sich der Schauspielerei. Als Hauptdarsteller der Detektivserie South Of Sunset will ihn der Sender CBS groß rausbringen, doch das klappt nicht wie geplant. Und zwar überhaupt nicht.

Es dürfte sich um eine der wenigen großen künstlerischen Niederlagen handeln, die Frey in seinem Leben einstecken muss. Nach sechs Nummer-eins-Alben, sechs Grammys und unzähligen Platinauszeichnungen kann der Eagles-Sänger auf eine überaus erfolgreiche Karriere zurückblicken. Auch der Schauspielerei widmet er sich nicht zum ersten Mal: So tritt Frey zunächst in der Miami Vice-Episode Smuggler’s Blues auf (und schreibt einen gleichnamigen Song), später steht er für sieben Folgen von Wiseguy vor der Kamera (deutscher Titel: Kampf gegen die Mafia). Für die Detektivserie South Of Sunset soll er nun erstmals als Hauptdarsteller agieren.

Promofoto von „South Of Sunset“: Glenn Frey als Detektiv Cody McMahon

Das Angebot erhält Frey, nachdem Verantwortliche des Senders CBS seinen Auftritt beim Superbowl sehen, wo er The Heat Is On zum Besten gibt (yep, das ist der Song aus Beverly Hills Cop). Glenn Frey wird zu einem Casting eingeladen, spielt vor und räumt die Hauptrolle ab. Er komponiert sogar das Titelstück Call On Me. Zu seinen privaten Plänen passt das bestens: Schauspielerei in Los Angeles bedeutet weniger Reiserei und mehr Zeit für die Familie als ihm als tourender Rock’n’Roller möglich wäre.



In South Of Sunset verkörpert Frey den Charakter Cody McMahon, einen ehemals erfolgreichen Bodyguard und Detektiv, der nun unter fragwürdigen Umständen in Beverly Hills arbeitet. Unterstützt wird er von Sidekick Ziggy Duane, einem jungen, modernen Kerl aus dem Süden von Los Angeles, dargestellt von Aries Spears.



Doch leider floppt South Of Sunset krachend, und zwar so richtig. Die Serie wird nach einer einzigen (!) gesendeten Folge eingestellt – ein trauriger Rekord. Lediglich 9% der potenziell verfügbaren Zuschauer lassen sich zur Erstausstrahlung vor die Geräte locken und sorgen so für das womöglich schlechteste Ergebnis, das ein Prime-Time-Format je eingefahren hat.

Besonders überraschend: CBS hat die laufende Baseball-Meisterschaft genutzt, um alle Promogeschütze für South Of Sunset aufzufahren. Werbeblock für Werbeblock preisen Glenn Frey und sein Co-Star Spears die Serie an, damit wirklich jeder US-Amerikaner von ihrem Start weiß. Dass das Vorhaben scheitern kann, scheint undenkbar.



Mit Schwierigkeiten kämpft das South Of Sunset-Team allerdings bereits, bevor es zur ersten Ausstrahlung kommt. So läuft die Serie im Vergleich zu anderen Herbstsendungen relativ spät an und hinkt hinterher. Außerdem wünscht CBS zusätzliche Änderungen am Pilotfilm, weshalb die erste Folge der Kritik nicht vorab zur Verfügung steht, das Thema also auch weniger in den Medien auftaucht. Dieser Umstand beunruhigt Produzent Stan Rogow, denn er weiß, dass Beobachter ausbleibendes Promomaterial oftmals als Indiz für Qualitätsmängel interpretieren. „Es fühlte sich an, als hätten wir etwas zu verstecken“, erzählt er der LA Times. „Dabei war bloß der Pilot noch nicht fertig. Warum haben wir den Kritikern nicht einfach zwei andere Episoden geschickt und sie darüber informiert, dass am Piloten noch gearbeitet wird? So wäre die Serie wenigstens rezensiert worden.“



Ob das etwas gebracht hätte, bleibt fraglich. Am Mittwochabend steht dem Programmneuling mit Hör mal, wer da hämmert und Melrose Place eine starke Konkurrenz gegenüber. „Unsere Show wurde entwickelt, um junge Männer zu erreichen“, erklärt Rogow. „Doch die Zielgruppe hat uns schnell klargemacht, dass es bereits etwas gibt, was sie am Mittwochabend gucken können.“



CBS-Vizepräsident David Poltrack unterstreicht die inhaltlichen Probleme im LA Times-Interview: „Diese ‘Kumpelshows‘ finden vor allem im Kino statt. Dort verbindet man sie mit jeder Menge Special Effects, sehr vulgärer Sprache, etwas Sex und viel Brutalität. Das lässt sich nicht ins Fernsehen übertragen. Dass die Serie nicht funktioniert, kann man weder dem Produktionsteam noch den Schauspielern ankreiden. Möglicherweise funktioniert dieses seichte Action-Abenteuer-Programm im TV einfach nicht.“



Doch Glenn Frey muss sich nicht grämen: Ein Jahr nach dem South Of Sunset-Misserfolg finden die Eagles wieder zusammen, was VH1 zum Anlass nimmt, den Piloten und vier unveröffentlichte Folgen nochmal auszustrahlen. Zwei weitere Episoden bleiben unveröffentlicht. Den Spaß an der Schauspielerei scheint unser Mann nicht verloren zu haben, der er tritt noch in einigen Serien und Filmen meist in kleineren Rollen auf. Die Reunion seiner Band verläuft indes äußerst erfolgreich, doch leider stirbt Glenn Frey am 18. Januar 2016 an den Komplikationen einer Arthritis-Erkrankung.

Die wiedervereinten Eagles: Timothy B. Schmit, Glenn Frey († 2016), Don Henley und Joe Walsh.


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