Join us

Popkultur

Zeitsprung: Am 3.2.1998 erscheint „Yield“ von Pearl Jam.

Published on

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 3.2.1998.

von Christof Leim und Timon Menge

Ende der Neunziger kehren Pearl Jam zu ihren Wurzeln zurück und veröffentlichen mit Yield das wohl reifste Album ihrer Karriere bis zu diesem Zeitpunkt. Vor allem Frontmann Eddie Vedder schaltet einen Gang zurück und lässt seine Kollegen mehr kreative Impulse einbringen. Am 3. Februar 1998 erscheint die Platte — und verschafft der Gruppe ein neues Selbstverständnis.


Hört hier in Yield von Pearl Jam rein:

Klickt auf „Listen“ für das gesamte Album.

Nachdem Pearl Jam zu Beginn der Neunziger binnen kürzester Zeit den Grunge-Olymp erklimmen konnten, verliert sich die Gruppe gegen Mitte des Jahrzehnts in der Abwehr medialer Ärgernisse. Immer wieder geraten die US-Amerikaner mit ihrer eigenen Branche aneinander, hören auf, Konzertkarten via Ticketmaster zu verkaufen, drehen keine Musikvideos mehr und verweigern schließlich sogar Interviews. Während der Arbeit an ihrem fünften Album Yield übt sich die Band erstmals in Altersmilde.

„Ich denke, dass der Titel unsere Zufriedenheit mit der Band ausdrückt“, gibt Gitarrist Mike McCready 1998 zu Protokoll, wie Ultimate Classic Rock berichtet. „Unsere bisherigen Alben haben sich eher an Vs. orientiert, aber diesmal haben wir auf den Ansturm der Presse und all die Verrücktheiten um uns herum reagiert. Wir sind jetzt alle ein bisschen älter und entspannter. Ich glaube, wir lassen die Dinge nun eher passieren, statt dauernd dagegen anzukämpfen.“

Pearl Jam von links nach rechts: Mike McCready, Matt Cameron, Eddie Vedder, Jeff Ament und Stone Gossard

Ein Teil der Entspannung lässt sich auch auf das Verhältnis der Musiker untereinander zurückführen. So spricht Frontmann Eddie Vedder seine Kollegen bereits während der Fertigstellung des Yield-Vorgängers No Code (1996) darauf an, ob man Pearl Jam nicht demokratischer gestalten wolle. Er könne sich durchaus vorstellen, der hauptsächliche Textschreiber der Gruppe zu bleiben, wünsche sich aber, dass die anderen Musiker noch mehr zur kreativen Ausrichtung beitragen.

So steuert Schlagzeuger Jack Irons die Musik und den Text zu Untitled bei, Gitarrist Stone Gossard schreibt die Stücke No Way und All Those Yesterdays. Bassist Jeff Ament packt ebenfalls an, und zwar in Form von Pilate und Low Light. Es handelt sich um die ersten Texte, die er für ein Pearl Jam-Album verfasst, und auch Vedder sieht sich mit einer neuen Situation konfrontiert: Zum ersten Mal singt er Lyrics, die er nicht selbst geschrieben hat.



„Ich glaube, dass wir alle mehr zu dem Album beigetragen haben, hat dafür gesorgt, dass wir uns wie wichtige Bestandteile der Gruppe gefühlt haben“, verrät Ament später in einem MTV-Interview. Auch Produzent Brendan O’Brien bemerkt den Unterschied und stellt fest, dass sich die konzentrierte und professionelle Arbeit an Yield deutlich von der Produktion des Vorgängers No Code abhebt. Tatsächlich kommen die Musiker besser vorbereitet ins Studio und bringen konkretere Ideen mit.



Probleme entstehen bloß auf der anschließenden Tour, als Schlagzeuger Irons beschließt, dass er dem Stress „on the road“ nicht mehr gewachsen ist. Nach vier Jahren verlässt er die Gruppe, an seine Stelle tritt Matt Cameron aus der Konkursmasse der Grunge-Kollegen von Soundgarden. Bis heute sitzt er bei Pearl Jam am Schlagzeug, mit ihm veröffentlichen die US-Amerikaner ihren ersten Konzertmitschnitt Live On Two Legs (1998).



Yield hat großen Spaß gemacht“, resümiert Bassist Ament, „vor allem, weil Eddie sich zurückgehalten hat. Wir haben all unser Material ausgearbeitet, bevor er seines überhaupt angerührt hat. Das war eine große Sache.“ Mit Given To Fly bringt das Album einen der größten Pearl Jam-Hits seit Jahren hervor, sogar mit Led Zeppelin wird die Gruppe verglichen. Trotzdem erreicht das fünfte Pearl Jam-Album nicht Platz eins der Billboard-Charts — weil sich dort die Filmmusik zu Titanic eingenistet hat.


Das könnte euch auch gefallen:

Pearl Jam: Chris Cornells Tod beeinflusst das neue Album

5 Wahrheiten über Pearl Jam

Die musikalische DNA von Pearl Jam

Latest Music News

Don't Miss