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Popkultur

Zeitsprung: Am 4.12.1993 stirbt der einzigartige Frank Zappa.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.12.1993.

von Timon Menge und Christof Leim

Was Frank Zappa in den 52 Jahren seines zu kurzen Lebens auf die Beine gestellt hat, lässt sich kaum begreifen. Mehr als 60 Platten veröffentlicht das Musikgenie vor seinem Tod, über 40 weitere Alben erscheinen posthum. Heute blicken wir auf sein höchst kreatives Leben zurück.


Hört hier in die besten Zappa-Songs rein:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.


Am 21. Dezember 1940 kommt Zappa in Baltimore, Maryland zur Welt und wächst in einem multikulturellen Mehrgenerationenhaushalt auf. So stammen die Vorfahren seiner Mutter Rosemarie aus Italien und Frankreich, sein Vater Francis Vincent siedelt aus Italien in die USA über und bringt zudem griechische sowie arabische Wurzeln mit. Die italienische Sprache lernt Frank Zappa vor allem Dank seiner Großeltern, die mit der Familie zusammenleben; außerdem hat er drei jüngere Geschwister.

Sein Vater arbeitet in der Rüstungsindustrie, weshalb die Familie oft umziehen muss. Nach einigen Jahren in Florida heuert er in einer Firma für Chemiewaffen in der alten Heimat Baltimore an. Weil der Betrieb in der Nähe des Wohnhauses unter anderem Senfgas lagert, bunkern die Zappas sicherheitshalber Gasmasken — ein Umstand, der den zukünftigen Musiker Frank tief beeindruckt. Immer wieder nimmt er in seinen Songs Bezug auf Keime, biologische Kampfmittel und die Rüstungsindustrie im Allgemeinen.



Seine Begeisterung für Musik entdeckt Zappa schon während der High School. Zunächst faszinieren ihn moderne klassische Komponisten wie Edgard Varèse, Igor Stravinsky und Anton Webern. Zeitgleich findet er Gefallen an R&B- und Doo-Wop-Musik. In seiner Schulzeit komponiert er klassische Stücke und spielt in einer R&B-Band, zunächst als Schlagzeuger, dann als Gitarrist. Später erlernt er ein Instrument nach dem anderen und stellt jeden noch so ambitionierten Durchschnittsmusiker in den Schatten. So beherrscht Zappa auch Bass, Klavier und Percussion. Mit acht Armen hätte er also als ganze Band auftreten können.



1966 veröffentlichen Zappa und die Mothers Of Invention ihr Debüt Freak Out!. Das bahnbrechende Album setzt zwar auf klassische Rock’n’Roll-Songstrukturen, vermischt sie jedoch mit allerhand Verrücktheiten wie Improvisationen und Klangcollagen. Sogar Paul McCartney verrät in einem Interview, dass Freak Out! das legendäre Beatles-Opus Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band durchaus beeinflusst habe.



Die Mothers (wie die Band meist verkürzt genannt wird) lösen sich 1969 vorübergehend auf, im gleichen Jahr erscheint das erste Soloalbum Hot Rats. Und damit geht es erst los: Wollten wir sämtliche Werk aufzählen und kommentieren, müssten wir uns alle den Nachmittag frei nehmen. Zappa komponiert anscheinend durchgehend und findet immer neue Ausdrucksformen im musikalischen Bermudadreieck aus Rock, Jazz, freier Improvisation, Klassik und allerlei experimentellen Stilen – Fusion im reinsten Sinne. Die bissigen Sozialkommentare und satirischen, fast komödiantischen Texte wirken mitunter wie ein Gegensatz zum unfassbar hohen musikalischen Anspruch seiner Kompositionen. Zappa hat sogar indirekt mit der Entstehung des ikonischsten Riffs im harten Rock zu tun: Als als bei einem Schweizer Konzert der Mothers Of Invention ein Feuer ausbricht und Rauch über den Genfer See zieht, inspiriert das Deep Purple zu Smoke On The Water. (Die ganze Geschichte steht hier.)


Zwei der über 100 Alben, die Frank Zappa zu Lebzeiten und posthum veröffentlicht hat


Mit Apostrophe schafft er es 1974 sogar in die US-Top Ten, auch Over-Nite Sensation (1973) und Zoot Allures (1976) gehören zu den Standardwerken. Seinen größten Hit landet Zappa 1979 vor allem in Europa mit Bobby Brown (Goes Down). Der Song erscheint auf seinem 26. Album Sheik Yerbouti und handelt von einem wohlhabenden, frauenfeindlichen Studenten namens Bobby Brown, dem „süßesten Jungen der Stadt“. Der Text beschreibt Bobby, den Archetypen des amerikanischen Traums, dessen Weltbild gehörig ins Wanken gerät, als er sich auf ein sexuelles Verhältnis mit der lesbischen Frau „Freddie“ einlässt. Er zweifelt daraufhin an seiner Heterosexualität und verwandelt sich in einen schwulen Mann, der sein Geld mit Radiowerbung verdient. Kein Wunder, dass die US-amerikanischen Radiosender den Song nicht spielen wollten. Lustigerweise läuft das Stück in Ländern, in denen Englisch nur als Fremdsprache gesprochen wird, viel öfter.



Während seiner Karriere fühlt sich Zappa weder im Untergrund noch im Mainstream wohl. Statt sich fremden Regeln zu unterwerfen, schreibt er lieber seine eigenen, ob musikalisch, persönlich, geschäftlich oder politisch. Nicht selten liegt er im Streit mit Labels und anderen Geschäftspartnern. Seine Werke zeichnen sich nicht nur durch Klangexperimente, Improvisation und hohen Anspruch aus, sondern auch durch satirische Darstellungen der US-amerikanischen Kultur. Das Online-Portal AllMusic verleiht ihm sogar den Titel „Vater des Comedy Rock“. Seine Arbeit polarisiert durchaus: Während die Einen ihn für seine umfangreichen Kompositionen bewundern, werfen die Anderen ihm vor, seine Musik besitze keinen emotionalen Tiefgang und zu klinisch klängen die durchkonstruierten Arrangements.



In die Verzweiflung treibt Zappa vor allem Musikjournalisten. So lassen sich seine Veröffentlichungen schwer einsortieren, denn sie unterscheiden sich nicht nur untereinander stark; selbst auf ein und derselben Platte verarbeitet der Meisterkomponist die unterschiedlichsten Einflüsse und Stile. Des Weiteren gilt der Musiker als schwieriger Interviewpartner, wie zum Beispiel hier  nachgelesen werden kann.



Eine ganz eigene Einstellung vertritt Zappa zum Thema Drogen. Während die meisten Musiker diesbezüglich nicht als Kostverächter in Erscheinung treten, lehnt er den Konsum ab. Marihuana probiert er aus, kann sich aber nicht mit der Wirkung anfreunden. Seine Musiker lässt er allerdings an der langen Leine. Zwar wünscht er, dass die Bühne drogenfrei bleibt, doch was danach passiert, gehe ihn nichts an. Trotz (oder gerade wegen) seiner Abneigung engagiert sich Zappa für die Legalisierung und die Kontrolle von Drogen. Völlig lasterfrei bleibt er allerdings nicht: Der Musiker raucht wie ein Schlot und trinkt vermutlich mehr Kaffee als Wasser. Statt Drogen wird Sex zum großen Thema auf den Touren während der Siebziger, was sich immer wieder in den Texten niederschlägt und für Ärger mit Moralwächtern wie dem berüchtigten PMRC sorgt.


In seinen späten Jahren wendet sich Frank Zappa verstärkt der modernen Klassik zu und arbeitet viel mit dem Synclavier, einem frühen elektronischen Synthesizer, der jedwede musikalische Figur atomuhrgenau spielen kann, selbst wenn des Meisters Hirn sich mal wieder die wirrsten Takte aus Primzahlen ausgedacht hat.

Leider wird 1990 Prostatakrebs festgestellt, an dem der Ausnahmemusiker am 4. Dezember 1993 im Beisein seiner Ehefrau Gail und der vier Kinder verstirbt. Er wurde 52 Jahre alt. Am folgenden Tag wird er in Los Angeles in einem anonymen Grab beigesetzt, am 6. Dezember verkündet seine Familie: „Komponist Frank Zappa ist zu seiner letzten Tour aufgebrochen.“

Bis heute nimmt der Musiker Einfluss auf die Rock- und Popmusik, auch wenn sich sein kommerzieller Erfolg weitestgehend auf Europa und Asien beschränkt. In Nordamerika bleibt der große Durchbruch bis zum Schluss aus. Erst 1995, also zwei Jahre nach seinem Tod, wird er in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen. 1997 bedenkt man ihn posthum mit dem „Grammy Lifetime Achievement Award“. Auch die Musikpresse überschlägt sich mit Lob: Im Rolling Stone belegt er etwa Platz 71 der „100 besten Musiker aller Zeiten“. Verdient. Gäbe es eine Rangliste der eigenwilligsten und eigenständigsten Künstler, stände er wohl ganz oben…


Zeitsprung: Am 14.3.1986 wird Frank Zappa zum Drogendealer – bei „Miami Vice“.

Popkultur

Zeitsprung: Am 25.6.1945 kommt Sängerin und Songschreiberin Carly Simon zur Welt.

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Hat gut lachen: Carly Simon 1971 - Foto: Jack Mitchell/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.6.1945.

von Frank Thießies und Christof Leim

Am 25. Juni 1945 kommt Sängerin und Songschreiberin Carly Simon zur Welt. Die Künstlerin sammelt Männerherzen und Grammys gleichermaßen und legt mit You’re So Vain einen der großen Hits der Siebziger hin. Um die Identität des eitlen Protagonisten im Songtext macht sie lange Zeit ein Geheimnis. Wir blicken zurück auf ein – zumindest teilgelöstes – Popkultur-Rätsel und erweisen Simon zugleich die Geburtstagsehre.

Hier könnt ihr euch die größten Hits von Carly Simon anhören:

Carly Elisabeth Simon wird am 25. Juni 1945 in New York City geboren als Tochter des renommierten Verlagsgründers Richard L. Simon (von Simon & Schuster). Ihre ersten musikalischen Babyschritte unternimmt die Sängerin Mitte der Sechziger in Verbund mit ihrer Schwester Lucy. Doch abgesehen von dem auf einem Kindergedicht basierenden Minihit Winkin’, Blinkin’ And Nod ist es mit der Karriere Simon Sisters nicht weit her. 

Blitzstart

Doch schon im Jahre 1970 stellt die Vertragsunterzeichnung bei The-Doors-Entdecker Jac Holzman und dessen Plattenfirma Elektra die Weichen für eine erfolgreiche Sololaufbahn. Ihr schlicht Carly Simon betiteltes Debütalbum aus dem Jahre 1971 birgt bereits den Hit That’s The Way I’ve Always Heard It Should Be und bringt Simon sogar schon einen ersten Grammy in der Kategorie „Beste neue Künstlerin“ ein. Kein schlechter Start, sondern der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die mit dem Nachfolgealbum Anticipation noch im gleich Jahr fortgeschrieben wird. 

Dabei ist es Simons 1972 veröffentlichtes drittes Album, welches ironischerweise No Secrets betitelt ist, das zu ihrem großen internationalen Durchbruch wird. Es enthält mit You’re So Vain ihren künftigen Erkennungssong, der in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland Platz eins erreicht. Das Lied besticht schon musikalisch durch Prominenz: So stammt das markante Bass-Intro von Beatles-Intimus und Grafiker Klaus Voormann, während niemand Geringeres als Mick Jagger – inkognito – zum Background-Gesang beiträgt. 

Fegefeuer der Eitelkeiten

Noch delikater und spannender gestaltet sich allerdings die inhaltliche Ebene des Stücks, in dem Simon die Eitelkeiten eines männlichen Liebhabers besingt. Die Spekulationen um dessen wahre Identität schlagen hohe Wellen, die jahrzehntelang nicht abebben wollen und – naheliegend – unter anderem Mick Jagger als den Mann hinter dem unbestimmten „you“ wähnen. Auch durch die Presse geistern die Namen illustrer Kandidaten, etwa David Bowie, David Cassidy oder Cat Stevens, mit dem Simon einst tatsächlich ein Techtelmechtel hatte. Dass ihr aktueller Ehemann zur Entstehungszeit des Stückes, der Singer-Songwriter James Taylor, definitiv nicht der Gegenstand des Textes ist, bleibt der einzige Hinweis, den sich Simon lange Zeit entlocken lässt. 

Das popkulturelle Rätselraten erreicht 2003 schließlich seinen Höhepunkt, als Simon sich im Rahmen einer Wohltätigkeits-Auktion bereit erklärt, dem Höchstbietenden den Namen des Besungenen preiszugeben. NBC-Sports-Präsident Dick Ebersol blättert 50.000 Dollar dafür hin und muss versprechen, sein neugewonnenes Wissen nicht mit der Öffentlichkeit zu teilen. So darf er höchstens den Hinweis geben, dass der Buchstabe „E“ im Namen jenes ominösen Mister X vorkommt. 

Suche nach Mr. X

2007 beansprucht dann Schauspieler Warren Beatty (Bonnie und Clyde, Dick Tracy) in einem Interview die Ehre des Gesuchten für sich. Es soll acht weitere Jahre dauern, bis Carly Simon schließlich im Rahmen des Pressetrommelwirbels für ihre Memoiren bestätigt, dass Warren Beatty tatsächlich in You’re So Vain adressiert werde  – allerdings nur als Protagonist von Strophe zwei. Der Rest des Textes würde sich auf zwei weitere (prominente?) und bis heute namenlose männliche Pfaue beziehen. 

Ist das unter anderem von den verlotterten Sleaze-Rockern Faster Pussycat 1990 gecoverte You’re So Vain als Songmysterium sicherlich Simons größte Errungenschaft für die Pop-Lexika dieser Welt (und zugleich ihr wohl bekanntester Hit), darf man die anderen Verdienste und musikalischen Glanztaten der Singer-Songwriterin jedoch keineswegs unterschlagen. So tritt Simon 1977 als Interpretin von Nobody Does It Better in Erscheinung, dem Song zum James-Bond-Film Der Spion, der mich liebte. Außerdem  reüssiert sie 1989 mit ihrer Soundtrack-Arbeit zum Film Die Waffen der Frauen. Für das daraus stammende Lied Let The River Run heimst die alte Geheimniskrämerin sogar als erste Solokünstlerin und Songautorin überhaupt einen Oscar, Golden Globe und Grammy zugleich ein. 

Im Laufe ihrer Karriere veröffentlicht Carly Simon sage und schreibe 24 Studioalben, wird für 14 Grammys nominiert und gewinnt zwei. Das Musikportal Allmusic nennt sie „eine der wichtigsten Singer-Songwriterinnen der Siebziger“. Sie schreibt Musik für Filme und TV-Sendungen und spielt auch in einigen mit. Simon war zweimal verheiratet und hat zwei Kinder, Sally und Ben, die ebenfalls künstlerisch tätig sind. Wir sagen: Herzlichen Glückwunsch!

Zeitsprung: Am 7.11.1943 kommt Joni Mitchell zur Welt.

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Popkultur

Ein Schulabbruch, jede Menge Exzesse und 55 Jahre Rockgeschichte: 5 Dinge, die ihr über Mick Fleetwood noch nicht wusstet

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Mick Fleetwood
Foto: Brian Killian/Getty Images

„"Seit nunmehr 55 Jahren steht der Name Fleetwood Mac für eines der wichtigsten Kapitel der Rockgeschichte: den British Blues Boom. Als Gründer, Namensgeber und Schlagzeuger der Band hat Mick Fleetwood einen wichtigen Anteil daran. Diese fünf Dinge über ihn wusstet ihr vielleicht noch nicht.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Tusk von Fleetwood Mac anhören:

1. Er brach mit der Unterstützung seiner Eltern die Schule ab, um Musiker zu werden.

Wenn der Nachwuchs die Schule abbrechen möchte, um eine Laufbahn als Rockstar einzuschlagen, sorgt das in der Regel für einen mächtig schiefen Haussegen. Nicht so bei den Fleetwoods: Papa John spielt nämlich selbst Schlagzeug und kann den sehnlichsten Wunsch seines Sohnemanns nur allzu gut nachvollziehen. Sein erstes Drumset bekommt der kleine Mick mit 13. Als er im Alter von 15 Jahren den Wunsch äußert, von der Schule abzugehen, um in London als Schlagzeuger durchstarten zu können, lassen seine Eltern ihn ziehen. Tatsächlich findet Fleetwood in der britischen Hauptstadt schnell Anschluss.

2. Blues-Legende John Mayall feuerte Fleetwood wegen seines ausschweifenden Alkoholkonsums.

Nach seinen ersten Jahren in London steigt Fleetwood in eine Band namens The Peter Bs ein, in der auch ein gewisser Peter Green mitspielt. Green verlässt die Gruppe allerdings und steigt stattdessen bei John Mayall’s Bluesbreakers ein. Fleetwood folgt ihm, sodass die Zwei ab April 1967 mit einer der legendärsten Bluesgruppen Londons auftreten. Ebenfalls an Bord: John McVie, der später gemeinsam mit Fleetwood über 50 Jahre Fleetwood-Mac-Geschichte schreiben soll. Leider nehmen Fleetwood und McVie ihr Dasein als Musiker zu jener Zeit noch nicht so ernst wie als ihren Ruf als Trinker. Mehrfach erscheinen die beiden mit ordentlich Promille zu Konzerten der Bluesbreakers, weshalb Bandleader John Mayall die zwei Musiker nach nur wenigen Wochen wieder vor die Tür setzt. Peter Green verlässt Mayalls Truppe anschließend freiwillig und gründet mit Fleetwood schon einmal die Band, die McVie später nicht nur namentlich vervollständigen soll: Fleetwood Mac. Zu Kostverächtern werden die Musiker durch den Rauswurf allerdings nicht. Besonders legendär: die Kokaingeschichten während der Siebziger. „Es besteht kein Zweifel daran, dass wir gut mit dem Marschpulver ausgerüstet waren“, erzählt Fleetwood in einem Interview mit Classic Rock. „Inzwischen ist das ein abgedroschenes Märchen, das immer weiter und weiter zu einer Kriegsgeschichte vergrößert wird. Ich möchte nicht verharmlosen, dass wir diesen Lebensstil gelebt haben. Aber wir sind nicht über den Boden gekrochen und uns kam auch kein grüner Schaum aus dem Mund. Wir haben gearbeitet.“

3. Im Juni 1970 heiratete er Jenny Boyd — die Schwester von Pattie Boyd, die mit George Harrison und Eric Clapton verheiratet war.

Was die Klatsch- und Tratsch-Seite betrifft, sind Fleetwood Mac nicht nur für ihre internen Liebschaften bekannt, sondern auch dafür dass Mick Fleetwood für einige Jahre mit Jenny Boyd liiert war. Falls euch dieser Nachname bekannt vorkommt, habt ihr völlig recht: Es handelt sich bei Jenny um die Schwester von Pattie Boyd, die zuerst George Harrison und dann Eric Clapton heiratet. Mick und Jenny lernen sich Ende der Sechziger kennen, 1970 geben sie sich ebenfalls das Ja-Wort. Ein paar Jahre später findet Mick heraus, dass Jenny eine Affäre mit Fleetwood-Mac-Gitarrist Bob Weston hat. Weston muss gehen; Mick und Jenny lassen sich scheiden, finden 1976 allerdings noch einmal zusammen. Das Paar heiratet sogar noch einmal, um ihren gemeinsamen Kindern den Umzug in die USA zu erleichtern. Ab November 1977 lässt sich Mick auf eine Affäre mit Fleetwood-Mac-Sängerin Stevie Nicks ein, 1978 reichen er und Jenny Boyd zum zweiten Mal die Scheidung ein. Diesmal bleibt es dabei.

4. Sein Lieblingsalbum von Fleetwood Mac ist Tusk (1979).

Nach dem Mega-Erfolg des elften Fleetwood-Mac-Albums Rumours (1977) kann Tusk (1979) in kommerzieller Hinsicht nur verlieren. Trotzdem handelt es sich bei der Platte um Mick Fleetwoods Favoriten aus der Diskografie der Blues-Briten. Das liegt vor allem daran, dass sich die Musiker während der Produktion der Platte nach Herzenslust austoben können, ohne dass dabei kreative Grenzen im Weg stehen. McVie findet an dieser Freiheit weniger Gefallen, es kommt zu Streitigkeiten innerhalb der Band. Doch wie so oft hält Ruhepol Mick Fleetwood seine Schäfchen beisammen und kann die Situation wieder entspannen.

5. Er ist das einzige Gründungsmitglied von Fleetwood Mac und inzwischen seit 55 Jahren dabei.

55 Jahre Rockgeschichte. Das muss man erstmal schaffen und sich vor Augen führen, was mit so einer jahrzehntelangen Karriere einhergeht: 55 Jahre Musikgeschäft. 55 Jahre auf Tour. 55 Jahre voller Streitigkeiten und Versöhnung, denn wer schon einmal selbst in einer Band gespielt hat, weiß: Harmonisch läuft es in einem kreativen Gefüge nur selten ab. Mick Fleetwood kann diesen Widrigkeiten bis heute standhalten und schreibt die Geschichte des Rock weiter. Das gehört einfach honoriert.

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Zehn Blues-Empfehlungen für den Einstieg

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Popkultur

Ringkämpfe, USA-Reisen und Konflikte mit der Stasi: 5 Dinge, die ihr über Richard Kruspe noch nicht wusstet

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Richard Kruspe
Titelfoto: Universal Music

Er war maßgeblich an der Gründung von Rammstein beteiligt, beschäftigt sich seit 2004 zusätzlich mit seinem Nebenprojekt Emigrate und hat schonmal die Stasi ausgetrickst: Richard Kruspe. Diese fünf Dinge über einen der bekanntesten deutschen Gitarristen wusstet ihr vielleicht noch nicht.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Zeit von Rammstein anhören:

1. Als Jugendlicher in der DDR war Kruspe ein erfolgreicher Ringer — was seine Karriere als Musiker nicht unbedingt erleichterte.

Seine Kindheit und Jugend verbringt Richard Kruspe in der DDR, wo er am 24. Juni 1967 zur Welt kommt. „Bis zu meinem siebten Lebensjahr habe ich in einem kleinen Dorf namens Weisen gelebt“, berichtet er im Interview mit dem Magazin Rock Hard. „Das war eine schöne Kindheit mit viel Natur, Hunden und Katzen sowie einer großen Familie mit zwei Geschwistern.“ Doch als Kruspe älter wird, ist Schluss mit der Harmonie. „Durch die Scheidung meiner Eltern kam ein großer Bruch. Mein Vater war von heute auf morgen weg, und wir zogen zu meinem neuen Stiefvater nach Schwerin, mit dem ich überhaupt nicht klarkam.“ Nicht nur einmal läuft Kruspe von zuhause weg und übernachtet auf Parkbänken. Trost sucht er zum einen im Gitarrenspiel. Zum anderen entpuppt er sich in seiner Jugend als begnadeter Ringer und steigt mehrfach für den BSG Lok Wittenberge auf die Matte. Kruspes Karriere als Musiker steht die sportliche Laufbahn allerdings im Weg, wie er im Gespräch mit der Neuen Osnabrücker Zeitung erzählt: „Im Osten zählte eher der Sport, das war der große Exportschlager. Aber wer weiß: Vielleicht wäre ich ein klassischer Musiker geworden, hätte ich Musikunterricht nehmen dürfen.“ Dass sein Leben anschließend ein bisschen anders verläuft, wissen wir heute.

2. Als Kruspe für die Stasi arbeiten sollte, trickste er das Ministerium aus.

Dass Kunst in der DDR nicht den höchsten Stellenwert genießt, erfährt Kruspe auch an anderer Stelle am eigenen Leib. „Ich habe neben meinem Beruf Musik gemacht und Schmuck hergestellt, um mein Leben zu finanzieren“, erinnert er sich im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung. „Beides durfte man nicht im Osten. Die haben das über einen Spitzel herausgefunden und mich erpresst, weil ich dafür weder Steuern zahlte noch eine Facharbeiterausbildung hatte. Die Stasi stellte mich vor die Wahl: entweder IM — also inoffizieller Mitarbeiter — werden oder in den Knast gehen. Ich hatte eine Woche Bedenkzeit.“ Doch dann kommt Kruspe eine Idee und er trickst die Stasi aus: „Natürlich sollte ich absolutes Stillschweigen bewahren. Genau das habe ich aber nicht getan, sondern stattdessen diese Geschichte in meinem ganzen Bekanntenkreis verbreitet. Mit dem Hintergedanken, dass die merken sollten: Der quatscht zu viel und ist unbrauchbar. Nach einer Woche haben die mich tatsächlich in Ruhe gelassen.“

3. Seinen alten Freund Till Lindemann traf er nur deshalb wieder, weil Kruspe nach dem Mauerfall wieder nach Ostdeutschland zog.

Als Kruspe älter wird, beginnt er zunehmend damit, das Leben in der DDR zu hinterfragen. „Die Sache mit der DDR ist, dass es bis zum zwölften Lebensjahr großartig war, dort aufzuwachsen“, erzählt er in einem Interview mit dem britischen Metal Hammer. „Es wurde die Illusion aufrecht erhalten, dass man in einer sehr gesunden Wirtschaft lebt, die funktioniert, solange man keine Fragen stellt — und man stellt keine Fragen, bevor man zwölf ist.“ Ende 1989 beschließt Kruspe, dass er die DDR verlassen möchte und flieht über die Tschechoslowakei, Ungarn und Österreich nach Westberlin. Besser fühlt er sich dadurch nicht, wie er 2011 in einem Interview mit dem Rolling Stone berichtet: „In Westberlin war ich einsam und immer unterwegs. Überwiegend auf Konzerten, ich habe Nirvana im Loft gesehen und so. Eines Abends lernte ich auf einer Party, auf die ich gar nicht eingeladen war, eine Frau kennen und durch sie den Ex-Trommler der Fehlfarben. Mit dem habe ich dann endlich wieder ein bisschen Musik gemacht. Auf Dauer war auch die Wohnsituation mit drei Leuten in einem Zimmer sehr belastend, und im Osten gab es billigen Wohnraum ohne Ende. Also bin ich wieder zurück.“ Zum Glück, muss man heute sagen. Denn durch seine Rückkehr kommt Kruspe wieder mit seinem alten Freund Till Lindemann in Kontakt und steigt in dessen Band First Arsch ein.

4. Die Grundidee für Rammstein kam ihm in den USA.

Anfang der Neunziger reist Kruspe mit Lindemann und dem späteren Rammstein-Bassisten Oliver Riedel in den Südwesten der USA. Die Drei tauchen in die dortige Musikszene ein und Kruspe stellt etwas fest: „Mir wurde klar, dass die Musik, die ich bis dahin gemacht habe, nichts mit mir zu tun hatte. So bin ich nach Deutschland zurückgekehrt, und mir kam die Idee, ein Projekt zu schaffen, das mit deutscher Musik zu tun hat. Ich wollte versuchen, Maschinen und Gitarren zusammenzubringen, harte Gitarren.“ Am 1. Januar 1994 entsteht aus diesem Wunsch ganz offiziell die Band, die heute zu den erfolgreichsten deutschen Gruppen überhaupt gehört: Rammstein.

5. Das Nebenprojekt Emigrate gründete er als musikalischen Kontrast zu Rammstein.

Über die Errungenschaften von Rammstein müssen wir an dieser Stelle nicht reden. Doch großer Erfolg bringt manchmal auch eine große Last mit sich. „Sechs Leute auf dem Boot und jeder spielt Kapitän“, sagt Kruspe im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung über seine Hauptband. „Das ist echt hart.“ Genau deshalb gründet der Gitarrist im Jahr 2004 ein Nebenprojekt. „Emigrate hat mir geholfen, mich bei Rammstein ein wenig zurückzunehmen. Sonst hätte ich weiter versucht, die Band mit meinen Ideen zuzuschütten.“ Im Gespräch mit laut.de verrät er: „Ich wollte nicht mehr nur der Typ sein, der sich allabendlich umgeben von Feuer und Raketen in eine primär visuelle Welt beamt. Ich bin ja in erster Linie Musiker. Also suchte ich nach einem Projekt, in dem es ausschließlich um die Musik geht. Mit Emigrate habe ich genau diesen Gegenpol gefunden.“

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Interview mit Emigrate: „Ich hatte das Gefühl, mit der Musik aufhören zu müssen“

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