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Popkultur

Zeitsprung: Am 9.4.1978 fordern Rainbow: „Long Live Rock’n’Roll“!

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 9.4.1978.

von Christof Leim

Die Erwartungen sind 1978 hoch an das dritte Rainbow-Album. Doch die Band um Ritchie Blackmore und Ronnie James Dio kann mit Long Live Rock’n’Roll einen Knaller und zukünftigen Klassiker hinlegen. Allerdings sieht nicht alles regenbogenbunt aus: Am Horizont zeigen sich schon einige grundlegende Veränderungen…


Hier könnt ihr in Long Live Rock’n’Roll reinhören:

Für das ganze Album klickt auf „Listen“.


Rainbow sind in der zweiten Hälfte der Siebziger zweifelsohne eine große Band: Mit dem wegweisenden Debüt (Ritchie Blackmore’s Rainbow, 1975) und dem äußerst erfolgreichen Zweitwerk (Rising, 1976) haben sie Grundlagen etwa für den frühen Metal gelegt und sich als brillante, unberechenbare Liveband etabliert. Gleichzeitig kommen viele ihrer Kollegen just in diesen Jahren ins Straucheln, etwa Black Sabbath zu Zeiten von Technical Ecstasy (1976) und mit Abstrichen Led Zeppelin auf Presence (1976). Deep Purple haben zu diesem Zeitpunkt sogar schon den Laden dicht gemacht. Keine Frage: Die Rockwelt erwartet einiges von Rainbow, die Band muss, will und kann abliefern…

Ronnie James Dio und Ritchie Blackmore in Oslo, September 1977. Credit: Helge Øverås

Die Aufnahmen beginnen bereits im April 1977. Vermutlich verspürte der Chef schon damals eine Vorliebe für Schlösser, weswegen sich die Band im Château d’Hérouville in der Nähe von Paris verschanzt, in dem es ein Studio gibt. Die „Band“ besteht zu diesem Zeitpunkt genaugenommen nur aus Gitarrist Ritchie Blackmore, Sangesgott Ronnie James Dio und Drummer Cozy Powell. Die Keyboards spielt zunächst das ehemalige Rainbow-Mitglied Tony Carey, den Bass bedient Mark Clarke (Colosseum, Uriah Heep). Diese Aufstellung hält nicht lange, denn Blackmore gefällt das mal wieder alles nicht. Er übernimmt für einen Teil der Songs selber die tiefen Töne und heuert zwei neue Mitstreiter an: den damals noch recht unbekannten australischen Bassisten Bob Daisley (später bei Ozzy und Gary Moore), außerdem den kanadischen Keyboarder David Stone.



Mit diesem Line-up gehen Rainbow im Sommer und Herbst 1977 erstmal auf Tour. Damals gehört das neue Kill The King schon zur Setlist, wie auf dem Livealbum On Stage aus dem gleichen Jahr zu hören ist. Auch Long Live Rock’n’Roll und L.A. Connection werden schon auf der Bühne getestet. Im Dezember geht es zurück ins Château d’Hérouville, um die acht Tracks der Scheibe fertigzustellen. Als letztes wird eine Nummer namens Gates Of Babylon beendet. Parts davon stammen vermutlich von David Stone, einen Credit dafür erhält er nicht.

Werbeplakat für „Long Live Rock’n’Roll“

Long Live Rock’n’Roll erscheint am 9. April 1978, erreicht Platz sieben in Großbritannien, Platz 26 in Deutschland und 89 in den USA. Die Innenseite der schicken Klappcover-LP ziert ein Konzertbild, auf dem begeisterte Fans ein Banner hochhalten. Wie sich später rausstellt, stammt das Foto von einem Rush-Gig. Die Aufschrift des Banners wurde nachträglich eingefügt, Rush-Shirts wurden schwarz eingefärbt.

Innenseite der Klappcover-Vinylversion

Viel wichtiger ist natürlich die Musik: Long Live Rock’n’Roll wird allgemein als ebenso exzellentes wie wegweisendes Hard Rock-Album angesehen, und das völlig zu Recht. Die Fans finden hier die bekannten Stilmerkmale einer virtuosen Band. Dazu gehören Granatenriffs und eine begnadete Stimme sowie viel mystische Atmosphäre nebst klassischer und mittelalterlicher Einflüsse. (Nicht vergessen: Die Scheibe wurde auf einem Schloss aufgenommen, und Dio mag Drachen.)



Es gibt aber auch neue Geschmacksrichtungen, die weniger entrückt und dafür geradliniger wirken. Man höre etwa Sensitive To Light und L.A. Connection. Hier zeichnet sich schon die kommerziellere Rock-Richtung ab, die der wechselhafte Anführer Ritchie Blackmore in den Folgejahren einschlagen sollte. Das behagt Ronnie James Dio überhaupt nicht, weswegen er mit wehenden Teufelshörnern zu Black Sabbath überläuft. Aber das ist eine andere Geschichte…



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