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Popkultur

Zeitsprung: Am 1.1.1962 spielen die Beatles für einen Plattenvertrag vor – und werden legendär abgelehnt

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 1.1.1962.

Christof Leim

Am ersten Tag des Jahres 1962 bahnte sich die vielleicht größte Fehlentscheidung in der Geschichte des Musikbusiness an: Am 1. Januar nämlich spielen die noch unbekannten Beatles in London eine Audition für Decca Records. Doch statt eines Plattenvertrages erhalten sie die legendäre Absage „Guitar groups are on the way out“ („Gitarrenbands sind auf dem absteigenden Ast“). Die Verantwortung dafür trägt der Chef der A&R-Abteilung von Decca, Dick Rowe, der damit in die Historie eingeht als „der Mann, der die Beatles ablehnte“. Das klingt dramatisch, ärgerlich, lustig, aber es steckt ein bisschen mehr dahinter…

Hört euch hier an, was trotzdem aus den Beatles geworden ist, und lest weiter:

1962 stehen die Beatles noch am Anfang. Manager Brian Epstein versucht bei vielen Labels, seine Schützlinge unterzubringen, hat aber nirgends Glück. Decca Records jedoch zeigen Interesse und laden die Band zu einer Session ein. Deshalb fahren die Musiker an Silvester 1961 von Liverpool nach London und brauchen wegen eines Schneesturms zehn Stunden. Am Neujahrsmorgen um 11 Uhr spielen John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Noch-Drummer Pete Best 15 Stücke vor und werden dabei aufgenommen. Auf der Setlist stehen vor allem in den Clubs erprobte Coversongs sowie drei Eigenkompositionen. Am gleichen Tag stellt sich noch eine weitere Band vor: Brian Poole & The Tremeloes.

Wer nun die tragische Entscheidung fällt, statt der Beatles den Tremeloes den Vorzug zu geben, wird unter Beatles-Historikern lange diskutiert. A&R-Chef Dick Rowe gibt später zu Protokoll, dass er seinen Kollegen Mike Smith damit beauftragte, die Wahl zu treffen. Ausschlag gibt unter anderem die Tatsache, dass die Tremeloes ebenfalls in London ansässig sind – eine rein praktische Überlegung also. Die Ablehnung könnte zudem daran gelegen haben, dass sich die Beatles nicht in Bestform präsentieren. McCartney kommentiert: „Wenn ich mir die Aufnahmen anhöre, kann ich verstehen, warum wir durchgefallen sind. Wir waren nicht gut.“ Lennon widerspricht dem und findet die Darbietung „okay“, doch der spätere Beatles-Produzent George Martin erklärt laut dem britischen Independent, er hätte die Band aufgrund dieses Vorspiels ebenfalls nicht unter Vertrag genommen. Angeblich gibt es außerdem Meinungsverschiedenheiten zwischen Manager Epstein und Decca Records, was die geschäftlichen Grundlagen angeht.

Beatles-Manager Brian Epstein

Decca lehnen die Beatles also ab und begründen das mit: „Guitar bands are on their way out“. Das zumindest behauptet Epstein zwei Jahre später in seiner Autobiografie A Cellarful Of Noise. Dick Rowe selbst hingegen soll das bis zu seinem Tod 1986 bestritten haben.

Glücklicherweise geht die Geschichte gut aus, und zwar für alle Beteiligten: Die Beatles unterschreiben schon wenige Monate bei EMI Parlophone und werden eine der größten und wichtigsten Bands der Welt. Die Tremeloes landen 1967 einen Hit mit dem Four Seasons-Cover Silence Is Golden.

Und Dick Rowe nimmt auf Empfehlung von George Harrison eine kleine, noch unbekannte Band namens The Rolling Stones unter Vertrag…

Haben es trotzdem zu Weltruhm gebracht: The Beatles.

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