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Popkultur

Zeitsprung: Am 2.8.2004 Eric Clapton wird als Klamottenladenbesitzer bekannt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 2.8.2004.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

„Dieser Laden sorgt dafür, dass Eric Clapton Wonderful Tonight aussieht!“ Das vermeldet am 2. August 2004 der britische Telegraph, denn „Slowhand“ hat sich in das sehr gediegene Modegeschäft Cordings in London eingekauft, um es vor der Schließung zu bewahren. Nach Rock’n’Roll sehen die Klamotten aber nicht aus…

Hört euch hier passend zur Schlagzeile Wonderful Tonight an: 

Musik und Mode beeinflussen in Großbritannien die Popkultur wie kaum andere Faktoren. Dieses Phänomen lässt sich Jahrhunderte zurückverfolgen, nimmt aber in London ab den Swinging Sixties ungeahnte Ausmaße an. Ob Beatles, die Models heiraten, oder Modemacher wie Vivienne Westwood, die den Punk mitbegründet: Die Verbindung von Klang und Kleidung ist beinahe so britisch wie die Queen. 

Dass ausgerechnet Eric Clapton da mitmacht, scheint unwahrscheinlich, dabei kann er mittlerweile eine ganze Reihe Berührungspunkte mit der Modewelt vorweisen. 

Clapton sammelt wertvolle Uhren und lässt sich 2008 von der französischen Edelmarke Hermès einen Gitarrenkoffer aus Krokodilleder anfertigen. Bei so viel klassischem britischen Stil macht die Zusammenarbeit mit dem Londoner Modehaus Cordings plötzlich Sinn.

Clapton wächst nach der Geburt 1945 in einfachen Verhältnissen im ländlichen Surrey auf, Funktionskleidung kennt er also. Prägende Erinnerungen macht er im Teenageralter bei Ausflügen nach London, auf denen er sich Abends Konzerte ansieht und seine Liebe zur Musik verfestigt. Da die Züge zurück nach Surrey erst im Morgengrauen wieder fahren, bummelt Clapton durch das nächtliche Westend. Ein Laden in Piccadilly zieht ihn dabei immer wieder an: Cordings verkauft Jagdmode, die eher den englischen Landadel ansprechen soll. Unter anderem ist das Geschäft für den sogenannten Covert-Mantel sowie das Tattersall-Hemd bekannt und stattet die Königinmutter und den Herzog von Windsor mit Reitstiefeln aus. Doch Clapton verspürt eine Faszination für die gesetzte, edle Atmosphäre des 1839 eröffneten Geschäftes.

Betreten wird er ihn viele Jahre nicht, auch wenn er durch seine beispiellose Musikkarriere an Status gewinnt. Doch wieder und wieder kehrt Clapton zwischen John Mayall & the BluesbreakersCream und Solokarriere an den Schauplatz seiner Teenagerzeit zurück, bis er sich schließlich zum Betreten überwindet.

Sein erster Kauf wird ein moosgrüner Tweed-Dreiteiler. Auch wenn der Weltstar sich selbst als Landjungen der Arbeiterklasse sieht, gibt Cordings ihm die Möglichkeit, dem Club der Gentlemen beizutreten. Der Jahrhundert-Gitarrist sieht den Laden dabei nicht als Mekka für Spießer, sondern als Heim für Exzentriker, die wie er nicht zwingend der oberen Gesellschaftsschicht angehören. Cordings gewinnt einen neuen Stammkunden.

Als solcher fällt er für Noll Uloth, heute Geschäftsführer des Betriebes, in die engere Auswahl, als Ende 2003 wegen finanzieller Schwierigkeiten ein Investor für das Geschäft gesucht wird: „Cordings stand vor Problemen, denn die vorherigen Besitzer hatten versucht, den Laden zu modernisieren, und raubten ihm so die Identität“, schreibt er auf der offiziellen Website. „Ich suchte also jemanden, der Cordings genau so liebte und verstand, dass es sich um einen einzigartigen Teil von Londons Kulturerbe handelt.“ Die Rede, die sich Uloth zurechtlegt, dauert ganze 15 Minuten. Clapton unterbricht ihn nach drei und schlägt spontan ein. Der Verfechter britischer Kultur verfügt über die Mittel, zögert nach seinem von Rückschlägen gezeichneten Leben nicht lange: „Ich wollte Cordings für mich selbst erhalten. Und ich möchte seine Zukunft für die Leute sicherstellen, die noch immer wunderschöne Kleidung für das Land kaufen.“

Zeitsprung: Am 20.3.1991 stirbt Eric Claptons Sohn bei einem Sturz aus dem Fenster.

Seit Dezember 2003 agiert Clapton also im Hintergrund als Design Director, während Uloth die Geschäfte leitet. Die Presse bekommt erst im Sommer 2004 Wind davon, nachdem auf Claptons Rat wieder Angelruten, ausgestopfte Hechte und Jagdgemälde den Laden füllen. Der Telegraph schreibt am 2. August 2004 darüber, was wir als Stichtag für unseren Zeitsprung wählen.

Und der Musiker modernisiert das Traditionsunternehmen durchaus: Erstmals plant Cordings nun eine Kollektion für Frauen, Clapton konvertiert sogar Künstler Damien Hirst und Punk-Ikone Malcolm McLaren zu Cordings-Liebhabern. Online stellt das Bekleidungshaus vor, wie man sich à la Peaky Blinders, Downton Abbey oder Great Gatsby kleidet. Ein wenig Popkultur hält mit „Slowhand“ also doch Einzug in den traditionsreichen Laden. Clapton selbst findet für die skurrile Verbindung die besten Worte: „Ich strebe nach Eleganz, aber erreiche sie niemals. Ich kann die richtige Kleidung kaufen, aber an meinem Gesicht kann ich nichts machen.“

Clapton 2004 auf dem Cover zu „Me And Mr. Johnson“: stilsicher im Anzug.

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