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Popkultur

Zeitsprung: Am 25.9.1972 lassen es Black Sabbath für „Vol. 4“ krachen.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.9.1972.

von Christof Leim

Als Black Sabbath mit den Arbeiten zu ihrem vierten Album beginnen, sind sie bereits Rockstars und leben das auch aus. Die ersten drei Platten haben sich ziemlich gut verkauft, zum ersten Mal verfügen die vier Engländer über genug Budget, um in Kalifornien im legendären Record Plant-Studio aufzunehmen. Vorher mieten sie sich für das Songwriting eine Villa in Bel Air, um neues Material zu schreiben. Da drehen sie dann richtig auf…


Hört hier in Vol. 4 rein:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Allerdings läuft der Drogenkonsum der Burschen völlig aus dem Ruder: Das Kokain wird kistenweise geliefert, oft versteckt in Lautsprecherboxen, und auch sonst regiert die Dekadenz mit Wein, Weib und Gesang. Schnell und konzentriert geht anders, die Arbeiten dauern ewig. Kein Wunder: Wie sich später herausstellt, kostet das Album 60.000 Dollar – und damit 15.000 Dollar weniger (!) als die geschätzte Jahresversorgung für 1972 mit dem weißen Pulver. Bassist Geezer Butler kommentiert rückblickend: „Das halbe Budget ging für Koks drauf, die andere Hälfte dafür, möglichst lange im Studio zu bleiben.“ Einmal schläft Schlagzeuger Bill Ward nackt und völlig betrunken ein. Also sprühen ihn seine Kollegen mit Goldfarbe ein, die sie irgendwo gefunden haben. Gesund ist das nicht, wie wir aus dem James Bond-Klassiker Goldfinger wissen, nur mit Glück überlebt Bill diesen nicht so lustigen Spaß.

Dekadenz und Dröhnriffs: Black Sabbath zu Zeiten von „Vol. 4“ (Photo by GAB Archive/Redferns)

Natürlich machen die Musiker sich konstant Sorgen, mit den ganzen illegalen Substanzen erwischt und eingebuchtet zu werden. Als sie sich im Kino den Krimi-Thriller The French Connection angucken, bei dem ein Drogenring ausgehoben wird, dreht Ozzy fast durch: „Beim Abspann war ich schon dem Hyperventilieren nahe!“ In der Dankesliste des Booklets danken Sabbath trotzdem der „großartigen Company COKE-Cola“, das Album soll sogar Snowblind heißen – und dabei geht es sicher nicht ums Skifahren. Wenig überraschend lehnt das Label ab. Rückblickend gelten die Vol. 4-Sessions als Anfang vom Ende des klassischen Line-ups aus Ozzy Osbourne (Gesang), Tony Iommi (Gitarre), Geezer Butler (Bass) und Bill Ward (Schlagzeug). Zu viele Drogen, zu viel Wahnsinn, persönliche Unsicherheiten, ungleiche Arbeitslast – das kann alles nicht gut gehen.

In musikalischer Hinsicht allerdings zeigen sich die mächtigen “Sabb Four” trotz aller Ablenkungen sehr ambitioniert und vielseitig: Zum ersten Mal produziert Tony Iommi selbst, vor allem aber setzen die Musiker den experimentellen Kurs vom Vorgänger Master Of Reality (1971) fort. Die Platte bietet viel des bekannten rifflastigen Heavy-Stoffs mit zum Beispiel Tomorrow’s Dream und Supernaut, aber ebenso ein Instrumental wie Laguna Sunrise aus Akustikgitarren und Streichern. Dieses Stück schreibt Iommi, nachdem er die ganze Nacht aufgeblieben ist (Überraschung!) und am Laguna Beach den Sonnenaufgang betrachtet hat.



Sogar eine waschechte Pianoballade ist am Start: Als der Gitarrist in der Villa ein Klavier findet, schreibt er Changes – obwohl er das Instrument eigentlich nicht spielen kann. „Tony hat sich einfach hingesetzt und dieses schöne Motiv gefunden“, berichtet Ozzy in seinen Memoiren. „Ich habe eine Melodie darüber gesummt, und Geezer hat einen herzerweichenden Text über die Trennung von Bill und seiner Frau beigesteuert.“ So einfach kann’s gehen. Über drei Dekaden später nimmt der Sänger das Lied mit seiner Tochter Kelly neu auf.

Black Sabbath-Hits aus der allerersten Reihe finden sich auf Vol. 4 allerdings nicht, nur Snowblind, Supernaut und Changes gehen als Klassiker für eine Best-of-Compilation durch. Die Platte klingt sogar ein bisschen unhandlich und vollgepackt; knackige kleine Hitsingles wie Paranoid und Iron Man sucht man vergebens. Schon bei Song eins auf Seite eins handelt es sich um einen Sieben-Minuten-Brocken namens Wheels Of Confusion – und der heißt nicht nur so. Man muss sich hier also schon ein bisschen reinhören, findet dann aber eine satte, mächtige, schwarzbunte Sabbath-Dröhnung.

Als Single wird Tomorrow’s Dream ausgekoppelt, kann aber in den Charts und im Radio nicht viel bewegen. Auch die meisten Kritiker finden keine guten Worte über das Werk. Das kümmert die Fans jedoch kein Stück: Schon nach einem Monat erreicht die Scheibe Goldstatus in den USA und kann als vierte Sabbath-Platte in Folge mehr als eine Million Einheiten im größten Musikmarkt der Welt absetzen. Black Sabbath haben bei allem Wahnsinn ihren Laden also vorerst noch im Griff…



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