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Popkultur

Zeitsprung: Am 5.2.1964 kommt Duff McKagan von Guns N’ Roses zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.2.1964.

von Timon Menge und Christof Leim

Mit Guns N’ Roses räumt er alles ab, was es im Rock’n’Roll zu holen gibt. Als die Gruppe nach ihrem Höhepunkt in sich zusammenfällt, geht Duff McKagan neue Wege, gründet neue Bands, studiert, wird Kampfsportler und startet mit Velvet Revolver nochmal durch. Heutzutage steht er mit Guns N’ Roses wieder auf den größten Bühnen der Welt. Am 5. Februar feiert der Multiinstrumentalist seinen Geburtstag. Werfen wir einen Blick auf sein vielseitiges Leben.

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Hört hier in die größten Hits von Guns N’ Roses rein:

Klickt auf „Listen“ für das gesamte Album.

Der wilde Ritt beginnt in einem Arbeiterstadtteil von Seattle, wo Duff am 5. Februar 1964 unter seinem bürgerlichen Namen Michael Andrew McKagan zur Welt kommt. Als jüngstes von acht Kindern lernt er schnell, sich durchzusetzen. Von seinem Bruder Bruce lernt er das Bassspiel. McKagan fühlt sich vor allem in der DIY-Szene des Punk zu Hause, seine erste Band The Vains gründet er 1979 mit 15. Und es wird nicht lange gefackelt: Ein Jahr später erscheint schon die Single School Jerks. Beteiligungen in Gruppen wie The Living (als Gitarrist), The Fastbacks (als Schlagzeuger), The Fartz (als Schlagzeuger) und später 10 Minute Warning (als Gitarrist) folgen.

Duff McKagans erste Veröffentlichung

Weil der Drogenkonsum in Seattle überhand nimmt, zieht der junge Musiker 1983 nach Los Angeles, wo er zunächst als Kellner in einem Steakhaus arbeitet. In einer Lokalzeitung entdeckt er die Annonce zweier Musiker, die gerade nach einem Bassisten suchen. Ihre Namen: Slash und Steven Adler. McKagan ruft die beiden an, das Trio gründet die Gruppe Road Crew, findet aber keinen Sänger. Schließlich steigt Slash frustriert aus.



Zwei Jahre später steigt McKagan bei einer jungen Gruppe namens Guns N’ Roses ein, deren Line-Up zu jener Zeit aus Sänger Axl Rose, Rhythmusgitarrist Izzy Stradlin, Leadgitarrist Tracii Guns und Schlagzeuger Rob Gardner besteht. McKagan selbst schnallt sich den Bass um. Als Guns und Gardner die Band verlassen, steigen McKagans alte Kollegen Slash und Steven Adler ein.

Guns N’ Roses und ein Bierfass in angemessener Größe

Schon nach wenigen Proben spielen die Musiker am 6. Juni 1985 ihren ersten gemeinsamen Gig im Troubadour in L.A. Von da an geht es Schlag auf Schlag, die Band mausert sich zum heißesten Rock’n’Roll-Phänomen, das der Sunset Strip zu bieten hat. Die fünf Straßenköter teilen eine Vorliebe für lauten, ungestümen Rock, bringen dabei aber unterschiedliche Schwerpunkte zusammen: Izzy liebt grundlegenden Stoff wie die Rolling Stones, Slash hat den klassischen Hard Rock mit all seinen Gitarrenhelden verinnerlicht, Steven war schon immer ein fanatischer Kiss-Fan, und Axl steht auf großes Songwriting von Queen oder Elton John. Und Duff McKagan? Der ist der Punk. Geradlinig, dreckig, authentisch.



Die Mischung funktioniert: Schon nach zwei Jahren erscheint Appetite For Destruction: Das furiose Debüt der jungen Band verkauft sich bis heute mehr als 30 Millionen Mal und genießt Diamant- sowie 18-fachen Platinstatus. Mit Use Your Illusion I und II veröffentlichen Guns N’ Roses 1991 gleich zwei starke Platten auf einmal, belegen zur selben Zeit Platz eins und zwei der US-Charts und touren im Anschluss 30 Monate lang um die Welt, unter anderem mit Metallica. Guns N’Roses um die Kernmitglieder Axl, Slash und Duff sind eine der größten Bands der Welt.

Bis heute der Megaseller von Guns N’ Roses: das Debüt Appetite For Destruction

1993 legt die Truppe einen kleinen stilistischen Schlenker ein mit The Spaghetti Incident?, das vor allem aus gecoverten Punksongs besteht. Kein Wunder, dass McKagan gleich vier der Stücke einsingt.  Noch im selben Jahr veröffentlicht er sein erstes Soloalbum Believe In Me, eine stilistisch bunte, etwas ungehobelte, aber charmante Angelegenheit. Hierfür versammelt er seine Bandkollegen Slash, Matt Sorum, Dizzy Reed und Gilby Clarke um sich, aber auch Leute von Skid Row, Lenny Kravitz und sogar Jeff Beck.



In all dieser Zeit lebt McKagan das Leben eines Rockstars, nämlich immer am Anschlag. Die heilige Dreifaltigkeit aus Sex, Drogen und Krachmusik. Mittlerweile müssen die Musiker zwar nicht mehr in verranzten Bruchbuden leben, doch Duff sieht immer noch ein bisschen so aus, als hätte er in einer Hecke geschlafen. Seine erste Ehe Ende der Achtziger geht nach zwei Jahren in die Brüche. Aufgrund seiner Vorliebe für hopfenhaltige Kaltgetränke bekommt McKagan den Spitznamen „The King Of Beers“ verpasst. In seiner Autobiografie behauptet er sogar, dass das Bier aus der Fernsehserie The Simpsons nach ihm benannt sei, was deren Macher Matt Groening als absurd bezeichnet. Als Reaktion wundert sich Duff darüber, dass seine Behauptung überhaupt in Frage gestellt wird, was er wiederum scherzhaft als absurd bezeichnet.

Am 10. Mai 1994 zahlt er jedoch den Preis für seinen übermäßigen Alkoholkonsum. Man liefert ihn ins Northwest Hospital And Medical Center in Seattle ein, weil seine Bauchspeicheldrüse die Größe eines Fußballs angenommen hat. Die Ärzte warnen ihn eindringlich, dass er keinen Monat mehr leben wird, wenn er nicht aufhört zu trinken. Der Schuss vor den Bug trägt Früchte: McKagan entsagt dem Alkohol und widmet sich stattdessen mit Nachdruck seinem Mountain Bike und der asiatischen Kampfkunst. Schmerzen spüren für die Genesung.



Um Guns N’ Roses wird es in dieser Zeit still. Die Rockwelt hat sich geändert, Nirvana hatten einen kurzen Höhenflug, doch einen würdigen Nachfolger für die Use Your Illusions zu schaffen, erweist sich weiterhin als monumentale Aufgabe. Von internen Streitigkeiten geplagt, kommt die Band dabei kaum einen Schritt vorwärts. Auch eine zweite Ehe zerbricht. Zum Ausgleich stellt McKagan die Supergroup Neurotic Outsiders zusammen, für die er Steve Jones von den Sex Pistols, John Taylor von Duran Duran und Matt Sorum rekrutiert. Die Gruppe veröffentlicht ein gleichnamiges Album, spielt eine Tour, löst sich allerdings 1997 wieder auf. Im gleichen Jahr werden McKagan und seine Herzdame (und heutige Ehefrau), das Model Susan Holmes, Eltern einer Tochter. Im August steigt er schließlich bei Guns N’ Roses aus. Wie es zu dieser Entscheidung kam, erklärt er in seiner Autobiografie: „Wir haben damals drei Jahre lang Miete für ein Studio gezahlt, ohne einen einzigen Song aufzunehmen. Guns N’ Roses konnten mir zu jener Zeit augenscheinlich nicht die Stabilität geben, die ich mir als junger Vater erhofft habe.“

Nach seinem Austritt zieht McKagan zurück nach Seattle, wo er seine alte Band 10 Minute Warning wiederbelebt. Mit Beautiful Disease soll 1999 außerdem sein zweites Soloalbum erscheinen, doch als die Plattenfirmen Geffen Records und Interscope Records fusionieren, gehen die Aufnahmen unter. Im Anschluss an den Rückschlag widmet sich McKagan seiner neuen Band Loaded, in der er unter anderem mit Dez Cadena von Black Flag und Taz Bentley von The Reverend Horton Heat spielt. 2002 steigt auch Dave Kushner von Electric Love Hogs ein, mit dem McKagan wenig später Velvet Revolver gründet. Slash, Matt Sorum und der inzwischen verstorbene Stone Temple Pilots-Frontmann Scott Weiland komplettieren das Line-Up der neuen Supergroup.



Bereits das Debüt von Velvet Revolver, Contraband, steigt 2004 auf Platz eins der US-Charts ein und verkauft sich bis heute mehr als zwei Millionen Mal. 2005 folgen drei Grammy-Nominierungen; die Single Slither wird für die „Best Hard Rock Performance“ ausgezeichnet. 2007 veröffentlicht die Band mit Libertad noch ein Album, das aber (zu Recht) nicht an den Erfolg seines Vorgängers anknüpfen kann. Wenig später gibt es auch noch Stunk mit Weiland, und die anderen Musiker setzen ihn vor die Tür.

McKagans zweiter großer Wurf: Velvet Revolver

Immer wieder beteiligt sich Duff McKagan an unterschiedlichen Projekten. So spielt er 2006 ein bisschen bei den Grunge-Legenden Alice In Chains mit, kurze Zeit später reanimiert er Loaded. 2010 heuert er bei Jane’s Addiction an, eine große Sache. Das findet auch McKagan: „Die Chance, Songs mit einer Gruppe wie Jane’s Addiction zu schreiben, sie aufzunehmen und vielleicht sogar live zu spielen, bekommt man nicht alle Tage. Ich respektiere die Band und die Musiker sehr.“ Nur wenige Monate nach McKagans Beitritt löst sich die Band allerdings auf.



Am 14. Oktober 2010 tritt Duff McKagan als Gast mit Guns N’ Roses auf, die zu jener Zeit im Wesentlichen aus Axl Rose bestehen. Anschließend nimmt er das dritte Album mit Loaded auf. Ab 2014 rücken McKagan und Rose wieder enger zusammen. Auch Slash ist wieder mit von der Partie, was schließlich zur großen Reunion und zur Not In This Lifetime-Tour führt.

Axl Rose und Duff McKagan während der Not In This Lifetime-Tour – Pic: Raph-PH/Wiki Commons

McKagan gehört zu den Menschen, denen niemals langweilig wird. Ob Musik oder Schriftstellerei: Der inzwischen cleane und topfitte Tausendsassa weiß sich zu beschäftigen. Wenn gerade einmal eine Lücke im Terminkalender klafft, berät der inzwischen studierte High School-Abbrecher reiche Musiker, was ihr Vermögen betrifft. Auch mit Worten weiß er umzugehen. Seit 2008 schreibt er eine wöchentliche Kolumne für SeattleWeekly.com, 2009 erscheint seine Arbeit im Playboy. Seit Anfang 2011 veröffentlicht er eine regelmäßige Kolumne auf ESPN.com, einer der größten Sport-Websites der USA. Mit It’s So Easy (And Other Lies) (2011) und How To Be A Man (And Other Illusions) (2015) schreibt er außerdem zwei Bücher.



Mit seiner Frau Susan Holmes hat Duff zwei Töchter: Grace Elizabeth (1997) und Mae Marie McKagan (2000). Die Familie wohnt in McKagans Heimatstadt Seattle. Inzwischen ist er clean, und sein Körper hat sich von den Strapazen des Rockstardaseins erholt. Mit Guns N’ Roses und anderen Bands steht er regelmäßig auf der Bühne und veröffentlicht fleißig Musik. Seit über 30 Jahren spielt er Gitarre, Schlagzeug und sein Hauptinstrument, den Bass. Hoffen wir, dass es noch lange so bleibt. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!


Titelfoto: Antje Naumann (AllSystemsRed) [CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], from Wikimedia Commons

Zeitsprung: Am 27.8.1989 pinkelt Izzy Stradlin von Guns N’ Roses ins Flugzeug.

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Popkultur

„The Wall“ als Film: Roger Waters’ holpriger Weg ins Kino

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Pink Floyd spielen "The Wall"
Foto: Rob Verhorst/Redferns/Getty Images

Als Pink Floyd im Jahr 1979 ihr monumentales Konzeptalbum The Wall vorlegen, denkt Mastermind Roger Waters schon längst über eine Verfilmung der Geschichte nach. Genau dazu kommt es wenig später auch — allerdings auf großen Umwegen, mit viel Streit und einem enttäuschenden Ergebnis.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch The Wall von Pink Floyd anhören:

Mitte der Siebziger hängt der Haussegen bei Pink Floyd mächtig schief. Frontmann Roger Waters reißt Stück für Stück die kreativen Belange an sich, Gitarrist David Gilmour fühlt sich deshalb übergangen. Keyboarder Richard Wright kommt ohnehin zu kurz, doch die Schuld dafür gibt sich der typische Klassenstille später selbst. Als sich die Musiker auch noch um Tantiemen streiten und Gilmour zum ersten Mal Papa wird, übernimmt Waters noch mehr künstlerische Kontrolle. Quasi im Alleingang schreibt er das Konzeptalbum The Wall, das eine Kette von Ereignissen nach sich zieht. Da wären zum Beispiel der Rauswurf von Keyboarder Wright oder die aufwändige The Wall-Tour. Waters hat mit der Platte aber noch etwas anderes vor: Er möchte die Geschichte als Film auf die große Leinwand bringen.

The Wall: ein autobiografisch angehauchtes Meisterwerk

Die Handlung von The Wall lässt tief in Waters’ eigene Biografie blicken: Rockmusiker Pink leidet unter dem Tod seines Vaters im Zweiten Weltkrieg, unter seiner überfürsorglichen Mutter und unter seinem Dasein als Rockstar, der sich zunehmend von seinem Publikum isoliert fühlt — genau wie Waters während der ersten Pink-Floyd-Stadion-Shows im Rahmen der In The Flesh-Tour. Auch Schulprobleme aus der Kindheit und schwierige Liebesbeziehungen machen Pink zu schaffen. So demütigt ein Lehrer ihn zum Beispiel, indem er Pinks Gedichte laut vor der Klasse vorliest. Später findet der Rockstar heraus, dass ihn seine Frau betrügt und versucht, den Schmerz mithilfe eines Groupies und schließlich mit Drogen zu bekämpfen. Jede Enttäuschung sorgt für „another brick in the wall“, die Pink um sich errichtet. Am Ende laufen all seine negativen Erfahrungen zusammen.

Einen Film plant Waters schon vor der Produktion des Albums. Live-Aufnahmen sollen darin vorkommen, genauso wie Animationen aus dem Pinsel von Gerald Scarfe, der schon die LP von The Wall gestaltete. Auf dem Regiestuhl sollen Alan Parker und Michael Seresin sitzen, Waters möchte als Pink vor die Kamera treten. Doch dann kommt alles anders: Waters eignet sich nicht als Schauspieler, stattdessen übernimmt Boomtown-Rats-Frontmann Bob Geldof die Rolle. Der erzählt seinem Manager im Taxi noch, wie bescheuert er den Film findet — nicht wissend, dass Roger Waters’ Bruder am Steuer des Wagens sitzt. Live-Mitschnitte von Pink Floyd ergeben nach Waters’ Ausscheiden aus dem Cast keinen Sinn mehr, Seresin verlässt das Projekt daraufhin komplett. Übrig bleiben Parker, Waters und Scarfe. Harmonisch verläuft die Zusammenarbeit der Drei allerdings nicht …

Viel Ego, viel Film

Immer wieder geraten Musiker Waters, Regisseur Parker und Animateur Scarfe aufgrund ihrer Egos aneinander. Parker beschreibt den Filmprozess sogar als „eine der schlimmsten Erfahrungen meines kreativen Lebens“. Scarfe wiederum gibt in einem Interview mit dem Pink-Floyd-Magazin Floydian Slip zu Protokoll, er habe während der Dreharbeiten stets eine Flasche Whiskey im Gepäck gehabt. „Ich saß gegen neun Uhr morgens in meinem Auto und hatte eine Flasche Jack Daniel’s auf dem Beifahrersitz“, so Scarfe. „Ich trinke nicht viel, aber damals musste ich morgens einen Schluck nehmen, weil ich wusste, was auf mich zukam, und dass ich mich in irgendeiner Weise stärken musste.“ Roger Waters selbst genießt die Arbeit am The-Wall-Film auch nicht gerade, bezeichnet sie aber schlicht als „sehr zermürbende und unangenehme Erfahrung“.

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Die Premiere des Streifens geht am 23. Mai 1982 in Cannes über die Bühne, drei Wochen später folgt die Erstaufführung in London. David Gilmour und Nick Mason erscheinen als Gäste, Geldof und Scarfe lassen sich die Premiere natürlich ebenfalls nicht entgehen — genauso wenig wie Pete Townshend von The Who, Roger Taylor von Queen und Sting von The Police. Richard Wright bleibt wegen seines Rauswurfs zuhause. Zwölf Millionen US-Dollar kostet der The-Wall-Film unterm Strich, fast das Doppelte spielt er ein. Eigentlich handelt es sich bei dem Streifen also um einen Erfolg, doch Roger Waters ist nicht zufrieden. „Ich war am Ende ein bisschen enttäuscht“, verrät er 1988 in einem Interview. „Ich habe keinerlei Sympathie für den Hauptcharakter empfunden. Der Film war so ein Feuerwerk für die Sinne, dass ich als Zuschauer gar keine Chance hatte, mich richtig darauf einzulassen.“

„Was zum Teufel war das?“

Regie-Legende Steven Spielberg soll ein wenig direktere Worte gefunden haben und nach der Premiere in Cannes gefragt haben: „Was zum Teufel war das denn?“ The-Wall-Regisseur Parker behauptet später, dass ihn diese Reaktion gefreut habe: „In der Tat, ‚Was zum Teufel war das?‘ Niemand hatte so etwas bisher gesehen — eine wilde Mischung aus Live-Action, Storytelling und Surrealismus.“ Heute hat die The-Wall-Verfilmung ihren festen Platz in der Popkultur, nicht zuletzt aufgrund der charakteristischen Animationen von Scarfe. Zu den Sternstunden der Pink-Floyd-Geschichte zählt der Streifen aber sicher nicht.

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Die Alben von Pink Floyd im Ranking — die besten Platten der Prog-Legenden

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„Keeper Of The Seven Keys: Part I“: Als Helloween den Power Metal erfanden

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Helloween
Foto: Paul Natkin/Getty Images

Ursprünglich als Doppel-LP gedacht, veröffentlichen Helloween am 23. Mai 1987 den ersten Teil ihrer Keepers Of The Seven Keys-Saga. Die Schwelle zum Erfolg rückt näher, alle Zeichen stehen auf Durchbruch. Der große Knall gelingt der Band zwar erst ein Jahr später mit Part II — doch Part I sowie die Rekrutierung von Sänger Michael Kiske markieren wichtige Grundsteine für den jahrzehntelangen Erfolg der Hamburger.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Keeper Of The Seven Keys: Part I von Helloween anhören:

Als Helloween am 23. Mai 1987 ihr zweites Album Keeper Of The Seven Keys: Part I auf die Öffentlichkeit loslassen, steht die Band an einem Wendepunkt: Mit Walls Of Jericho hatte die Gruppe 1985 ein vielbeachtetes Debütalbum vorgelegt, mit Keeper Of The Seven Keys: Part II wird den Hamburgern 1988 der ganz große Durchbruch gelingen. Part I ebnet zwischenzeitlich den Weg dorthin. Doch was hat sich im Hause Helloween vom Debüt bis zu Keeper Of The Seven Keys: Part I eigentlich verändert?

„So anders als die letzte ist die Platte im Grunde genommen gar nicht“, findet Gitarrist Michael Weikath im Frühjahr 1987 in einem Interview mit dem deutschen Metal Hammer. So ganz recht hat er damit nicht: Nach ihrem ersten Album nehmen Helloween nämlich einen entscheidenden Personalwechsel vor — und holen Sänger Michael Kiske an Bord.

Kai Hansen: „Ich bin eher ein Schreihals.“

Dass Gitarrist Kai Hansen seinen Posten am Mikrofon räumt, liegt hauptsächlich daran, dass er sich als Sänger nicht wohlfühlt; vor allem das gleichzeitige Gitarrespielen ist ihm nicht geheuer. „Ich habe mich nie wirklich als Sänger gesehen“, verrät er im Interview mit dem britischen Classic Rock Magazine. „Ich bin eher eine Art Schreihals. Außerdem hat mir die Disziplin gefehlt. Saufen und Rauchen machen die Stimme nicht besser.“

Als Gitarrist rückt Hansen auf Keeper Of The Seven Keys: Part I in den Vordergrund, weil sein Sechs-Saiten-Kollege Michael Weikath wegen Krankheit nur sporadisch an den Sessions teilnehmen kann. Dadurch entsteht zum Beispiel der legendäre Song Future World, den Helloween als einzige Single von Part I auskoppeln. Auch das Stück Halloween stammt aus Hansens Feder. Untätig bleibt Weikath natürlich trotzdem nicht.

Mit A Tale That Wasn’t Right steuert der Gitarrist eine Ballade für die Ewigkeit bei, auch an Follow The Sign schreibt er mit. Freshman Michael Kiske komponiert das Stück A Little Time und leistet damit ebenfalls einen Beitrag zu der historischen Errungenschaft, die man Keeper Of The Seven Keys: Part I im Allgemeinen nachsagt: die Erfindung des Power Metal.

Klassischer Heavy Metal, unfassbare Geschwindigkeiten, symphonische Elemente, epische Texte: Wenn es um Drachen, Zauberer und jede Menge Doublebass geht, ist das Wörtchen „Power“ im Metal nicht weit. „Mir kam es damals nicht so vor, als hätten wir etwas großartig Neues geschaffen“, erinnert sich Kai Hansen im ClassicRock-Interview. „Niemand konnte damals etwas mit dem Begriff Power Metal anfangen, für uns war das einfach nur Heavy Metal. Das ist es auch heute noch. Was zum Teufel soll Power Metal denn sein?“

Keeper Of The Seven Keys: Part I — ein Überraschungserfolg

Eigentlich hätten Helloween Part I und Part II der Keepers Of The Seven Keys-Saga lieber als Doppel-LP veröffentlicht, doch bei einer Newcomer-Band möchte die Plattenfirma Noise Records vermutlich lieber auf Nummer sicher gehen. Wer hätte schließlich geahnt, dass Helloween heute zu den größten Namen der Krawallmusik-Szene zählen würden und dass ausgerechnet der Doppelschlag Keeper Of The Seven Keys: Part I und II so sehr dazu beitragen würden.

Schon kurz nach der Veröffentlichung landet Part I unverhofft auf Platz 15 der deutschen Albumcharts. „Dass wir in die normalen Charts kommen, das hat wirklich keiner von uns erwartet“, erzählt Gitarrist Weikath im MetalHammer-Interview. Mit Part II gelingt sogar der Sprung auf Platz fünf. „Ich frage mich wirklich, wo denn eigentlich die Leute sitzen, die das alles kaufen. Da scheint es wesentlich mehr von zu geben, als ich angenommen hatte.“ Gut so!

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Zeitsprung: Am 29.8.1988 erscheint „Keeper Of The Seven Keys: Part II“ von Helloween.

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Zeitsprung: Am 22.5.2001 erscheint das erste Bon Jovi-Livealbum „One Wild Night“.

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Bon Jovi

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.5.2001."

von Christof Leim

Keine Frage: Bon Jovi dominieren den Hard Rock der Achtziger. Mit Slippery When Wet (1986) und New Jersey (1989) liefern sie zwei Nummer-eins-Alben hintereinander ab, daneben empfehlen sie sich als fleißige und mitreißende Liveband, die fast pausenlos durch die größten Hallen und Stadien in aller Welt tourt. Alleine die Konzertreise für Slippery dauert 15 Monate (von Juli 1986 bis Oktober 1987), danach hängen die Herren für New Jersey nochmal unfassbare 16 Monate (von Oktober 1988 bis Februar 1990) dran. Einen (offiziellen) Konzertmitschnitt dieser glorreichen Zeit sucht man allerdings vergebens.

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Hier könnt ihr in One Wild Night: Live 1985-2001 reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Die erste „richtige“ Liveplatte erscheint nämlich erst viel später, am 22. Mai 2001. Da hat sich die Welt der Rockmusik schon weitergedreht, Grunge und Crossover sind gekommen und wieder gegangen. Bon Jovi haben mehrjährige Pausen eingelegt, Soloalben veröffentlicht und sich immer mehr zu einer erwachsenen Rockband entwickelt, die Springsteen stilistisch näher steht als Kiss und Aerosmith. Zuletzt brachten sie im Sommer 2000 das Album Crush auf den Markt, eine weitestgehend entspannte, oft balladeske Angelegenheit. Als Liveband aber lassen sie weiter nichts anbrennen und füllen immer noch die Stadien.


Für One Wild Night: Live 1985-2001 beschränken sich die Musiker nicht auf die Aufzeichnungen einer Show oder einer Tour, sondern stellen Songs aus drei Phasen ihrer Karriere zusammen: von aktuellen Konzerten im Jahr 2000 und Shows von der Mitte der Neunziger, als junge Rockhörer auf ganz andere Sounds standen, sowie von einem Gig in Tokio 1985. (Ja, die Herren sind schon früh ordentlich rumgekommen.) Aufnahmen aus den ganz großen Jahren, also von den Megatouren zu Slippery und New Jersey, fehlen sonderbarerweise.



Mit der Songauswahl decken Bon Jovi dabei alle Phasen ihrer Karriere ab; es finden sich die offensichtlichen Hits (Livin’ On A Prayer, Bad Medicine et al.), locker-flockiges Neunziger-Zeug (Something For The Pain, Something To Believe In) und damals neues Material wie Just Older oder It’s My Life. Als alte Schätzchen gibt es den ersten Hit Runaway vom 1984er-Debütalbum und In And Out Of Love vom oft (und zu Recht) vergessenen Zweitwerk 7800° Fahrenheit.



Interessant wird es bei den Coverversionen: Im südafrikanischen Johannesburg lassen Bon Jovi eine treibende Version von Neil Youngs Rocking In The Free World vom Stapel, bei I Don’t Like Mondays singt sogar Bob Geldof mit. (Für die Komplettisten: Diese Aufnahme wurde schon auf der Doppel-CD-Variante von These Days (1995) veröffentlicht; drei Mitschnitte aus Zürich gibt es ebenfalls auf der The Crush Tour-DVD. ) Bei der letzten Nummer schließlich, dem titelgebenden One Wild Night 2001 handelt es sich um einen Remix eines Tracks von Crush. Diese neue Version wird auch als Single ausgekoppelt, ebenso der alte Gassenhauer Wanted Dead Or Alive.



Alles in allem repräsentiert die Platte gut den musikalischen Stand der Gruppe zur Jahrtausendwende. Bon Jovi erweisen sich als souveräne Liveband mit guten Gesängen und einem Frontmann, der die Menge anzuspornen weiß. Natürlich klingen unsere Helden mittlerweile im Vergleich zur ungestümen Hardrockerei der Achtziger ein gutes Stück erwachsener. Was vor allem heißt: Der Chef schreit nicht mehr so viel, und die Gitarre macht weniger „Brett“. Das Album erscheint am 22. Mai 2001 und schlägt sich recht wacker in den Charts mit hohen Platzierungen in Europa (Platz 3 in Deutschland) und einem 20. Rang in den USA. Der nächste Konzertmitschnitt Inside Out lässt dann wieder bis 2012 auf sich warten, aber das ist eine andere Geschichte…

Zeitsprung: Am 28.4.1989 heiratet Jon Bon Jovi seine Jugendliebe – heimlich.

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