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Die musikalische DNA von Metallica

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Die Namen der Big Four gehören auf jede gut sortierte Metalkutte. Anthrax, Megadeth, Slayer und Metallica haben die Essenz von Thrash Metal definiert und mit brutalen Riffs und hartem Geklöppel den Weg für tausende Nachfolger geebnet wie ein wildgewordener Bulldozer. Letztere allerdings schafften dabei noch am ehesten den Sprung in den Mainstream: Metallica sind weltbekannt und dank ihrer zahlreichen Flirts mit anderen Genres auch bei Menschen beliebt, die Metal-LPs sonst nicht mit der Kneifzange anfassen würden. Unter Fans wie Feinden löste das wieder und wieder Diskussionen hervor. Blues-Rock von Metallica? Geht gar nicht! Metallica mit Orchester? Bäh! Metallica schneiden sich die Haare ab? Verbrennt sie, bevor sie sich vermehren!


Hört euch hier die musikalische DNA von Metallica in einer Playlist an und lest weiter:


Darauf aber können sich wohl hoffentlich die verbohrtesten Hater einigen: Allen Kontroversen zum Trotz sind Metallica immer ihren Weg gegangen. Noch alle Schickssalsschläge und Krisen hat die Band in fast vier Jahrzehnten Bandgeschichte überwunden. Mehr noch als ihre Kollegen von Anthrax, Megadeth und Slayer haben Metallica immer wieder versucht, sich neu zu erfinden und sich ein größeres Publikum zu erschließen, um die frohe Botschaft des Thrash Metals mit gefletschten Zähnen um die Welt zu tragen. Das macht Metallica aus: Dass sie dem Metal immer treu blieben und doch nach neuen Wegen suchten, um ihn frisch zu präsentieren. Was sich über die Jahrzehnte auf ihren Sound ausgewirkt hat, erfahren wir mit Blick auf ihre musikalische DNA.


01. Diamond Head – Am I Evil?

Von Anfang an war Metal ein transatlantisches Phänomen. In den USA gründeten sich 1971 Pentagram und legten mit ihrem schweren Hard Rock den Grundstein für die hiesige Metal-Szene. In England waren sie allerdings noch ein bisschen früher dran: Black Sabbath etwa fanden bereits 1968 zusammen, der Rest ist Geschichte. Als der geborene Däne Lars Ulrich im Jahr 1981 eine Anzeige in der Zeitung The Recycler aufgab, nannte er glatt drei britische Bands als Referenz – und keine amerikanische. Tygers Of Pan Tang, Iron Maiden und Diamond Head waren Teil der virilen New Wave Of British Heavy Metal, die das von Black Sabbath vorgegebene Tempo gehörig anzogen. Auf die Anzeige meldeten sich der junge James Hetfield und Hugh Tanner von der Band Leather Charm. Nur fünf Monate nach Gründung erschien ihr erster Song auf der Compilation Metal Massacre und legte den Grundstein für die Karriere Metallicas. Großen Erfolg konnten sie von Anfang an im UK verzeichnen. Dort erschien die Single Creeping Death vom Album Ride The Lightning auf dem Label Music For Nations. Darauf waren auch zwei Coverversionen enthalten, eine davon zollte den britischen Pionieren Tribut: Am I Evil?, im Original von Diamond Head.


02. Saxon – Motorcycle Man

Bevor Metallica aber soweit waren, brauchten sie Verstärkung. Zum zweiten Mal annoncierte Lars Ulrich in The Recycler, diesmal aber hatte er schon einen Namen: Metallica. Den hatte er von seinem Kumpel Ron Quintana gemopst, der während einer Brainstorming-Session einen Titel für sein Fanzine suchte. Ulrich – der zu Napster-Zeiten ironischer Weise in den Krieg gegen Urheberrechtsverstöße zog – hielt die Klappe und behielt den Namen für sich. Dave Mustaine fand ihn zumindest überzeugend: Er heuerte als Lead-Gitarrist bei der frisch geborenen Band an. Das Karma war ihnen aber nicht wohl gesonnen: Auf den ersten Pressungen von Metal Massacre wurde die Band als „Mettallica“ gelistet. Es reichte trotzdem zu einem ersten Auftritt und sogar einen Platz im Vorprogramm von Saxon während deren US-Tour im Jahr 1982. Obwohl Metallica Saxon zweifelsohne überflügelt haben, so nutzten sie doch häufiger die Gelegenheit, den Briten ihre Ehre zu erweisen. Sänger Biff Byford zeigte sich begeistert, als Metallica im Jahr 2008 seinen Song Motorcycle Man coverten: „Verdammt brillant“, schrieb er auf Saxons Tourblog. Nach fast 30 Jahren, so Byford, hätte sich damit ein Kreis geschlossen. Amen!


03. Anthrax – Metal Thrashing Mad

In ihren Anfangstagen waren Metallica ganz nah dran, als sich ein neuer Metal-Sound formierte. Schnell war der, rasend schnell, und nahm keine Gefangenen. Seinen Titel erhielt der neue Stil erneut im UK: Der Kerrang!-Autor Malcolm Dome sprach in der 62. Ausgabe des britischen Rock-Magazins zum ersten Mal von „Thrash Metal“ und somit war am 23. Februar 1984 der neue Name für das Genre geboren. Dome ließ sich dabei von einem Song inspirieren, der neue Maßstäbe in Sachen Härte und Schnelligkeit setzte: Metal Thrashing Mad von Anthrax. Anthrax selbst hatten noch im Vorjahr im Vorprogramm von Metallica gespielt und sicherlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Auch freundeten sie sich schnell an. Als der Metallica-Bassist Cliff Burton, bekannt für seinen innovativen Einsatz des Wah-Wah-Pedals, bei einem tragischen Busunglück ums Leben kam, zeigte sich Anthrax-Gitarrist Scott Ian schockiert. Zum 28. Todestag des Bassisten sagte er in Chris Jerichos Podcast: „Ich war 22 Jahre alt und lebte den Traum, da denkst du schnell, du seist Superman. Du fühlst dich unverwundbar und dann erzählt dir jemand sowas“, erinnerte er sich an den schicksalhaften Tag. Nicht nur Burton blieb beiden Bands noch lange im Gedächtnis, auch der gegenseitige Respekt vor dem jeweiligen Tun hat nie nachgelassen. Nicht unbedingt selbstverständlich in der zanksüchtigen Metal-Community!


04. Megadeth – Mechanix

Wesentlich schwieriger nämlich gestaltet sich das Verhältnis der Band zu ihrem ehemaligen Gitarristen David Mustaine. Der ist bekanntlich ein Hitzkopf, aber auch kein Kind von Traurigkeit: Nachdem er 1983 hochkant bei Metallica rausflog, gründete er kurzerhand seine eigene Band: Megadeth. Noch schneller, härter und kompromissloser sollte die klingen und Metallica dabei überflügeln. Geschafft hat er es nicht wirklich, doch zählen Megadeth nunmehr ebenso wie Anthrax und die befreundeten Slayer – Kerry King half bei den ersten Megadeth-Shows an der Gitarre aus – zu den Big Four des Thrash Metals. Einem anderen Gitarristen sagte Mustaine immer wieder Böses nach. Dass ihn Hammett übergangslos an der Lead-Gitarre ersetzte, hätte er schließlich vielleicht verkraften können. Dass er sich aber – so Mustaine – großzügig beim Vorgänger bediente? Niemals! „Schon witzig, wie Kirk Hammett jeden meiner Lead Breaks vom No Life ‘til Leather-Tape geklaut hat“, knurrte er einen Interviewer des Magazins Metal Forces an. „Und ihr wählt ihn in eurem Magazin zum besten Gitarristen.“ Hammett zeigte sich stets gelassener und nahezu mitleidig, wenn er auf den aufbrausenden Mustaine angesprochen wurde. Dass Metallica sich aber beim Material ihres ehemaligen Gitarristen bedienten, stimmt: Ihr Song The Four Horsemen verarbeitet ein Riff, das Mustaine noch während seiner Zeit in der Band geschrieben hatte und mit Megadeth unter dem Titel Mechanix veröffentlichte. Entstanden war es als Witz: Eigentlich nämlich spielte er bei einer Probe Lynard Skynyrds Sweet Home Alabama nach!


05. The Misfits – Last Caress

Metallicas bahnbrechende Geschwindkeit speiste sich allerdings nicht allein aus der Konkurrenz zu Megadeth oder ihrem Faible für den Sound der New Wave Of British Heavy Metal. Auch Punk-Musik hatte seinen Einfluss auf die Band. Nach dem Tod Burtons nahmen die Band in Ulrichs Garage zum Spaß eine Cover-EP auf, die neben einer weiteren Diamond Head-Interpretation und einer überraschenden Version von Killing Jokes The Wait auch ein Medley aus zwei Songs der Horror Punks The Misfits enthielt. Am Ende von Last Caress/Green Hell sind sogar die ersten Töne von Iron Maidens Run To The Hills zu hören, womit Metallica erneut den Brückenschlag zwischen Punk und Heavy Metal in ihrer Musik betonten. Mit dem ehemaligen Misfits-Frontmann Glenn Danzig teilten sich schon die Bühne, um die beiden Stücke zu performen. Auf sein liebsten Misfits-Cover angesprochen, nannte der kauzige Sänger sofort Metallica. James Hetfield ließ sich sogar zu dem Witz hinreißen, dass er im Falle einer Disney-Verfilmung von Metallicas Geschichte am liebsten von Danzig gespielt würde. Das hätten wir ja gerne gesehen!


06. Bon Jovi – Lay Your Hands On Me

Am Ende der achtziger Jahre schien Thrash Metal seinen Zenit überschritten zu haben. Auch Metallica erlebten eine Krise: Die Aufnahmen für ihre selbstbetitelte, gemeinhin als The Black Album bezeichnete fünfte Album brachten die Mitglieder an den Rande des kollektiven Nervenzusammenbruchs. Über eine Million Dollar butterten sie in die Aufnahmen, die drei Mal gemixt wurde und über deren Entstehung drei Ehen zu Bruch gingen. Hinter den Reglern saß Bob Rock, dem viele Fans aus alten Tagen keineswegs wohlgesonnen sind. Metallica machte die Band mit Songs wie Enter Sandman oder der Ballade Nothing Else Matters weltberühmt, heißt aus Metalhead-Perspektive: Die Poser entdeckten die Band. Die Wahl Rocks überraschte tatsächlich: Der hatte mit Aerosmith, The Cult oder Mötley Crüe zusammengearbeitet, war aber auch durch seine Produktion von Bon Jovi bekannt. Fans wissen, dass der Pop-Rocker bei der Band keinen guten Stand hatte: Nachdem der Bon Jovi-Hubschrauber bei einem Konzert in England über dem Stadium herumflog, in dem Metallica spielten und ein sowieso schon verkorkstes Konzert endgültig ruinierten, waren in Bandfotos immer häufiger Sticker zu sehen. Was draufstand? „Kill Bon Jovi“! Ob es das war, was Bon Jovi mit dem Rock-produzierten Lay Your Hands On Me meinten? So oder so: Überraschend ist es durchaus, dass Metallica nur drei Jahre nach dem Skandal mit dem Produzenten des verhassten Sängers zusammenarbeiteten. Der Erfolg aber gab ihnen recht.


07. Marianne Faithfull – It’s All Over Now Baby Blue

Es sollte für Die-Hard-Fans noch schlimmer kommen, denn mit Load und ReLoad nahm die Truppe Blues- und Folk-Einflüsse in ihr Repertoire auf. Plötzlich klangen Metallica wie eine Hard Rock-Band aus den Südstaaten – und nicht mehr nach einem epischen Thrash Metal-Quartett aus Kalifornien! Das aber müssen wir ihnen durchaus lassen: Unbedacht war diese Stilkorrektur keineswegs. Der Song The Memory Remains vom zweiten Teil des ursprünglich als Doppelalbum geplanten Diptychons zum Beispiel featuret Marianne Faithfull, die gemeinsam mit James Hetfield über eine Künstlerin singt, die über ihren ausbleibenden Erfolg verrückt wird. „Ich wusste nicht viel über sie“, gab Hetfield über die ungewöhnliche Kollaborateurin zu. Bob Rock hat sie ihm vorgestellt und Hetfield fand sofort Gefallen an den stimmlichen Qualitäten der Sängerin, die mit Songs wie It’s All Over Now Baby Blue eine ganze Reihe an bittersüßen Folk-Hits für sich verbuchen konnte. „Wir waren auf der Suche nach einer verwitterten Stimme, bei der du Zigaretten auf der CD förmlich riechen konntest“, erinnerte er sich in einem Interview. „Sie war diese Stimme und ein sehr intensiver Charakter.“ Ganz klar: Ohne Faithfulls eindringliche Performance wäre der Song nur halb so gut. Denn wenn Metallica schon ihren Stil ändern, bleiben sie trotzdem stilvoll. Oder?


08. Suicidal Tendencies – You Can’t Bring Me Down

Von allen Alben aus dem Metallica-Backkatalog ist St. Anger eines der am kontroversesten diskutierten, obwohl es einen Schritt zurück in Richtung in Thrash Metal-Wurzeln bedeutete. Abgesehen von Lars Ulrichs Drum-Sound – mehr als einmal mit dem Klang einer zweckentfremdeten Blechtonne verglichen – war es vor allem die Abwesenheit von Gitarrensoli, die Metal-Fans irritierte. Was sollte das alles? Nun, wenn schon Metallica das Resultat einer schwierigen Phase war, lässt sich das umso mehr von St. Anger sagen. Bassist Jason Newstead verabschiedete sich, als die Band seine Idee einer einjährigen Auszeit ablehnte und die Aufnahmen mussten verschoben werden, weil sich James Hetfield wegen Alkoholismus und anderen Drogenproblemen einer Rehabilitation unterzog. Keineswegs eine ideale Ausgangslage! Wie zerrissen die Band war, zeigte der Dokumentationsfilm Some Kind Of Monster, der während der Aufnahmen und Sitzungen mit dem sogenannten „Performance Enhancement Coach“ Phil Towle gedreht wurde. Eine harte Zeit und vielleicht nicht der unbedingt ideale Einstieg für Robert Trujillo, der Newstead am Bass ersetzte. Der hatte zuvor mit Ozzy Osbourne und anderen Metal-Ikonen zusammengearbeitet, bekannt aber wurde er als Mitglied der Band Suicidal Tendencies. „Stand up – we’ll all sing along / Together – ain’t nothin’ as strong“, heißt es in deren wohl bekanntesten Song You Can’t Bring Me Down – das gilt auch für Metallica, die sich schnell wieder aufrappelten.


09. Ennio Morricone – L’estasi Dell’oro

St. Anger markierte allein deswegen eine so überraschende Kehrtwende, weil die Band zuvor die ganz großen Geschütze aufgefahren hatte: Der Konzertfilm S&M wurde 1999 veröffentlicht und zeigte die Band von einer ganz anderen Seite. Schon acht Jahre zuvor hatte der Komponist Michael Kamen den Mitgliedern vorgeschlagen, ausgewählte Stücke mit einem Sinfonieorchester aufzuführen, im April 1999 dann war es soweit. Neben zwei neuen Songs waren es vor allem die Interpretationen von klassischen Metallica-Hits, allen voran Nothing Else Matters, die für Begeisterung sorgten. Metallica und Klassik? Das passte erstaunlich gut zusammen! Schon 1996 hatten die Finnen Apocalyptica mit Plays Metallica By Four Cellos bewiesen, dass sich der Metal-Sound der Band auch im Gewand eines Streichquartetts gut machte. Es sollte für die Band allerdings nicht der einzige Flirt mit klassischer Musik bleiben: Im Jahr 2014 etwa spielten sie gemeinsam mit den chinesischen Star-Pianisten Lang Lang bei den Grammy-Verleihungen ihren Song One. Besonders einleuchtend wurde die Verbindung von Metallica und orchestralem Pathos allerdings 2007, als sie für die Tribute-Compilation We All Love Ennio Morricone das Stück L’estasi Dell’oro des italienischen Filmkomponisten neu vertonten, das als Intro ebenso auf S&M zu hören war. Die Band gab dem Spaghetti-Western-Pathos von Morricones The Good, The Bad, and The Ugly eine zackigere Note, behielt aber dessen große Gesten bei. Damit reiht sich Metallica in eine lange Tradition von Bands wie Deep Purple ein, die moderne Rock-Musik mit klassischer Unterstützung einem neuen Drive gaben.


10. Snoop Dogg – Doggfather

Die Liste von Metal-Bands, die sich auf Metallica als die obersten Vorbilder ihres Sounds berufen, ist ewig lang. Ein paar von ihnen finden sich auf der Compilation Remastered: Master Of Puppets Revisited, die 2006 erschien: Machine Head, Mastodon, Trivium waren darauf etwa vertreten. Aber auch über ihr eigenes Genre hinaus haben Metallica ihren Einfluss ausgeübt. Eine überraschende Performance war 2003 im Rahmen der Verleihung eines MTV Icon Awards an die Band zu sehen: Neben Staind, Avril Lavigne und Sum 41 trat dort auch Snoop Dogg auf! Richtig, der Rapper outete sich unter den Augen der sichtlich amüsierten Band als Metalhead und spittete eine paar Lines über den zackigen Groove des Songs Sad But True. Kein Wunder eigentlich, war Snoop doch bereits mit den an diesem Abend ebenfalls anwesenden Limp Bizkit auf Tour und knipst gerne mal Selfies mit den schwedischen Hard Rockern von Ghost. Trotzdem bewies der ebenso kurze wie skurrile Auftritt wieder einmal, wie weit Metallicas Einfluss auf die Pop-Kultur reicht. Und schlimmer geht’s immer: Auch Nickelback haben denselben Song gecovert… Dann doch lieber der „Doggfather“, oder?


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Red Hot Chili Peppers liefern erfolgreichste Rockplatte seit Januar 2021

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Foto: Anna Webber/Red Hot Chili Peppers

Unlimited Love von den Red Hot Chili Peppers ist in vielen Ländern direkt auf der Pole Position der Charts eingestiegen. In den USA ist es sogar das erfolgreichste Rock-Album seit Januar 2021 – und das, obwohl John Frusciante „das beste Zeug“ für den Nachfolger aufgehoben hat.

von Björn Springorum

Die Stimmung scheint gut im Lager der Red Hot Chili Peppers. Gerade erst haben sie ihr mit großer Spannung erwartetes neues Album Unlimited Love veröffentlicht. Und können sich schon eine gute Woche später ordentlich freuen: Nicht nur, dass die erste Platte mit John Frusciante seit Stadium Arcadium in Deutschland, Großbritannien und den USA direkt auf die Nummer Eins der Charts kletterte; in den USA ist das zwölfte Album der Band aus Los Angeles zudem die erfolgreichste Rock-Platte seit Januar 2021.

Allein in der ersten Woche konnten sie dort 97.500 Platten absetzen. Das übertraf zuletzt Sir Paul McCartney, der im Januar 2021 von McCartney III noch ein paar Exemplare mehr unter die Leute bringen konnte. Dennoch ein Triumph und ein wohlverdienter Erfolg für die Band, die augenscheinlich wieder zu alter Form, Stärke und Harmonie zurückgefunden hat.

48 neue Songs: so viele wie nie

Das Erstaunliche: Laut Rückkehrer John Frusciante hat sich die Band ganz bewusst „das beste Zeug“ für den Nachfolger aufgehoben, wie er in einem neuen Interview preisgegeben hat. Ganze 48 Songs sollen die Red Hot Chili Peppers diesmal geschrieben haben, bevor sie ins Studio gingen – so viele wie nie zuvor. „Ich wollte schon bei 20 Songs aufhören, weil ich der Meinung war, das reicht“, erzählt er bei Total Guitar. „Doch eines führte zum anderen und irgendjemand brachte mich immer wieder dazu, noch mehr Songs anzuschleppen. […] Einige der besten Sachen haben wir uns für den Nachfolger aufgehoben. Klar, das sich mich schon jetzt darauf freue!“

Alles scheint darauf hinzudeuten, dass die Pause bis zum nächsten Album nicht wieder sechs Jahre lang wird. Erst mal geht es aber natürlich mit Unlimited Love auf Welttournee – und sind im Juli auch in Deutschland zu Gast.

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Red Hot Chili Peppers: 10 Dinge, die uns beim Hören von „Unlimited Love“ in den Sinn gekommen sind

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Zeitsprung: Am 8.10.1948 wird der legendäre Punkrock-Gitarrist Johnny Ramone geboren .

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 8.10.1948.

von Christof Leim und Tom Küppers

Heutzutage werden die Ramones als essenzielle Wegbereiter angesehen, ohne die die Geschichte der Rockmusik anders verlaufen wäre. Die Reduktion auf das Wesentliche spiegelt sich nicht bloß in ihren Kompositionen wider, sondern auch im brachialen Sound ihres Gitarristen Johnny Ramone. Bevor die Ramones als Kulturgut anerkannt wurden, musste allerdings erst ein ganzes Bandleben vergehen.


Die größten Hits der Ramones. Muss man kennen. Hier reinhören.

Klickt auf „Listen“ für die ganze Playlist.

Johnny Ramone wird am 8. Oktober 1948 in Queens, New York als Einzelkind geboren und auf den Namen John William Cummings getauft. Sein Vater hat vom Militär eine Vorliebe für Disziplin mit nach Hause gebracht, die die Erziehung seines Sohnes prägt. Wenn bei TV-Sportübertragungen die Nationalhymne gespielt wird, hat man gefälligst aufzustehen, und auch sonst lässt der alte Cummings keine Ausreden zu. Einmal bricht sich der kleine Johnny einen Zeh, was für den Vater noch lange nicht als Grund gilt, das anstehende Baseball-Spiel abzusagen: „Was soll das heißen, du bist verletzt? Habe ich etwa ein Baby großgezogen? Ich habe in meinem ganzen Leben noch nicht einen Tag auf der Arbeit gefehlt!“, lautet die knallharte Ansage, wie Johnny sich in der Biografie On The Road With The Ramones erinnert. In der neunten Klasse entscheidet sich der Junge schließlich für den Besuch einer Militärschule. „Offizier werden und früh in den Ruhestand gehen. Ich dachte, das klingt nach einem guten Lebensentwurf“.

Immer Vollgas: Johnny Ramone 1977. Credit: Michael Markos. Credit: Michael Markos

Zwei Jahre später wechselt er jedoch zurück in den normalen Schulbetrieb. Mittlerweile haben die Beatles und die Stones den Rock’n’Roll nach Amerika gebracht, Johnny lässt sich die Haare wachsen und weiß nach dem Abschluss nichts mit sich anzufangen. Im Alter von 19 Jahren durchlebt er eine kurze, aber heftige Drogenphase, beklaut Mitschüler sowie ältere Menschen und landet deswegen mehrfach im Knast. Mit 20 beschließt er, sein Leben wieder auf die Reihe zu kriegen, und sucht sich einen Job. Doch die Sache mit der Musik lässt Johnny nicht los. Seine erstes Konzerterlebnis hatte er 1964 mit den Stones, in den folgenden Jahren entgeht ihm keine größere Show. Egal, ob Hendrix, Alice Cooper, MC5 oder die Stooges nach New York kommen – Johnny ist dabei. 1972 lernt er Dee Dee Ramone kennen, der ihn überredet, sich eine Gitarre zu kaufen und mit ihm eine Band zu gründen. Aus der gehen schließlich die Ramones hervor. Hier ein ganz früher Mitschnitt:



Prinzipiell sind die Ramones der Gegenentwurf zu den seinerzeit angesagten Klängen. „Wir haben unsere Band gegründet, weil uns alles gelangweilt hat, was man zu hören bekam“, fasst Sänger Joey Ramone zusammen. „Endlose Jams, lange Gitarrensoli – uns fehlte Musik, wie sie früher einmal war.“ Ein paar Akkorde, einfache Songs mit noch einfacheren Refrains und eingängigen Textphrasen in bis dato unerhörtem Tempo und Sound – das ist das Rezept, dem die Ramones bis zu ihrem Ende folgen werden. Johnny erweist sich nicht als der beste Songschreiber und überlässt diese Aufgabe Joey und besonders Dee Dee, der für einige der größten Perlen im Katalog verantwortlich ist. Doch der Gitarrist bringt im Gegenzug die vom Vater geerbte Disziplin ein. Er sieht Konzerte als „Jobs“, besteht auf Pünktlichkeit und strengen Busregeln. Was unterm Strich dafür sorgt, dass die Ramones 22 Jahre permanent auf Achse sind, was sich in sagenhaften 2263 Auftritten, 14 Studioalben und einem Kultfilm manifestiert.

Die Ramones in voller Fahrt 1976 in Toronto. Credit: Plismo

Damit legen die Ramones den Grundstein für das, was wir Punkrock nennen. Ihr Einflussauf die Welt der Krachmusik lässt sich nicht groß genug einschätzen, unzählige Rocker weltweit nehmen wegen der Ramones Gitarren in die Hand und lärmen los. Das liegt vor allem am Stil von Johnny: Drei Akkorde reichen, konsequent von oben angeschlagen, kein Firlefanz, kein Soli, dafür immer volles Brett und Vollgas. Songs wie Blitzkrieg Bop, I Wanna Be Sedated und Sheena Is A Punk Rocker werden zu Initialzündungen und unsterblichen Hymnen.



Unter den gegebenen Umständen grenzt die Langlebigkeit der Band nahezu an ein Wunder, denn Johnny und sein Sänger Joey reiben sich konstant aneinander. Der eine pflegt einen disziplinierten Lebensstil und bekennt: „Seit Nixon gegen Kennedy angetreten ist, wähle ich die Republikaner.“ Der andere entwickelt sich zum liberalen Freigeist, leidet an ODC und trinkt zu viel. Der endgültige Bruch in ihrer persönlichen Beziehung passiert Anfang der Achtziger, als Johnny Joey dessen Freundin Linda ausspannt und später heiratet. The KKK Took My Baby Away thematisiert diese Spannungen nicht gerade subtil. In den folgenden Jahren reden Johnny und Joey, die als einzige von Anfang bis Ende zur Band gehören, de facto nicht mehr miteinander. Das ändert sich auch nicht, als Joey 2001 auf dem Sterbebett liegt.

Eheleute Johnny und Linda Ramone in trauter Zweisamkeit. Credit: Azula Mitchell

1983 wird Johnny dann vor seiner Haustür zusammengeschlagen. Er erleidet eine Schädelfraktur und überlebt nur dank einer Notoperation am Gehirn. Offiziell wird dieses Thema nie wieder angesprochen, doch die Wahl von Too Tough To Die (1984) als Titel für das nächste Album sagt schon genug.



Ansonsten gilt Johnny Ramone als harter Knochen und nicht immer angenehmer Zeitgenosse. Manchmal fällt sogar explizit das Wort „Arschloch“. Zeitzeugen wie der Iggy Pop-Manager John Giddings berichten, Johnnys Ansichten seien „konservativer als die von Attila dem Hunnen“. Ronald Reagan erklärt er zum „besten Präsidenten, den ich Zeit meines Lebens erleben durfte“. Als sich Reagan 1985 mit der Bitburg-Kontroverse in die Nesseln setzt, widmen ihm die Ramones mit Bonzo Goes To Bitburg eine eigene Single. Die muss auf Johnnys vehementes Drängen für die Albumversion in My Brain Is Hanging Upside Down (Bonzo Goes to Bitburg) umgetauft werden. (Der Text bleibt unangetastet.)



1996 löst sich die Band auf, Johnny lebt mittlerweile in Los Angeles. Als die Ramones 2002 in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen werden, bedankt sich der Gitarrist beim damaligen amerikanischen Präsidenten George W. Bush. Am 15. September 2004 schließlich verstirbt Johnny Ramones im Alter von 55 Jahren in seinem Haus an Prostatakrebs. Mittlerweile sind aller vier Originalmitglieder der Ramones wieder auf der anderen Seite vereint.

Johnnys letzte Ruhestätte. Credit: Matt RF Webb


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Zeitsprung: Am 24.8.1979 läuft der Ramones-Film „Rock’n’Roll High School“ an.

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Zeitsprung: Am 2.6.2000 droht Napster The Offspring mit Klage – wegen Urheberrechtsverletzung.

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Zeitsprung: Am 9.9.1975 gehen Paul McCartney & Wings auf ihre erste Welttournee.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 9.9.1975.

von Timon Menge und Christof Leim

Selbst einem Ex-Beatle fliegt nicht alles zu: Paul McCartney & Wings leiden zunächst unter Startschwierigkeiten. Am 9. September 1975 hebt die Band jedoch ab und geht erstmals auf Welttournee – fast zehn Jahre nach McCartneys letzter Show mit den Beatles.

Hört hier in den Konzertmitschnitt Wings Over America rein:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Paul McCartney & Wings, zunächst schlicht Wings, sind das erfolgreichste Projekt eines Ex-Beatles. Zu Beginn der Bandgeschichte sieht es allerdings erstmal nicht danach aus, denn das Debüt Wild Life kassiert 1971 schlechte Kritiken und erreicht nur Platz zehn der US-Charts. „Nur“ Platz zehn? Sowas ist natürlich relativ zu verstehen, denn wir haben es hier mit einem ehemaligen Mitglied der größten Band aller Zeiten zu tun. Für Kaliber wie McCartney wirkt ein zehnter Platz so befriedigend wie kalter Kaffee aus einer Rolling-Stones-Tasse.

Langsam rantasten

Die Wings, zu denen auch McCartneys Ehefrau Linda als Keyboarderin gehört, bleiben zu Beginn ihrer Laufbahn zunächst in der Komfortzone und spielen einige Shows in britischen Universitäten. Wenig später tourt die Band durch Europa, dann wieder durch Großbritannien. Der große Sprung in die USA und den Rest der Welt bleibt aus, und McCartneys geschäftliches Umfeld wird ob der ausbleibenden Erfolge nervös.

Als Reaktion darauf erscheint das Album Red Rose Speedway 1973 nicht mehr einfach unter dem Namen Wings. Die Plattenfirma erhofft sich durch die Nennung des berühmten Bassisten bessere Verkaufszahlen und tauft die Band in Paul McCartney & Wings um. Zu Recht, wie es scheint: Schon mit ihrem zweiten Album erreicht die Gruppe den ersten Platz der US-Charts. So einfach kann’s gehen. Anschließend stellen sich weitere Erfolge ein: Im Juni 1973 steuern Paul McCartney & Wings den Titelsong zum James-Bond-Film Live And Let Die bei und erhalten dafür sogar eine Oscar-Nominierung. Im Dezember 1973 erscheint Band On The Run, die bis dahin erfolgreichste Veröffentlichung. Venus And Mars (1975) läutet im Anschluss die goldene Phase von Paul McCartney & Wings ein, denn das vierte Album markiert den Startschuss für die erste „richtige“ Weltreise.

Endlich geht’s los

Die Wings Over America World Tour beginnt am 9. September 1975 und umfasst 65 Konzerte in den größten Hallen Nordamerikas, Europas und Australiens. Bis 21. Oktober 1976 spielen die Wings dabei vor etwa einer Million Fans. Die meisten Shows werden professionell mitgeschnitten, woraus das Dreifach-Livealbum Wings Over America entsteht. Die Abende in Seattle, New York und Los Angeles werden sogar gefilmt und 1980 unter dem Namen Rockshow veröffentlicht. Nur der Abstecher nach Japan fällt ins Wasser, weil den dortigen Behörden eine Verhaftung McCartneys wegen Marihuana-Besitzes in Schweden 1972 missfällt.

Paul McCartney mit Gitarrist Jimmy McCulloch

Die Setlist besteht zu großen Teilen aus Material von den letzten drei Wings-Alben, bietet aber zur Überraschung vieler Fans und entgegen anderslautender Aussagen des Chefs sogar Beatles-Nummern, darunter Yesterday, Lady Madonna und The Long And Winding Road. Zur Mannschaftsaufstellung gehören neben Paul & Linda noch die Gitarristen Denny Laine und Jimmy McCulloch sowie der Drummer Joe English, dazu eine vierköpfige Bläsersektion. Damit die Wings nicht als reine McCartney-Veranstaltung begriffen werden, übernehmen die Kollegen für etliche Songs sogar die Lead-Vocals.

Haben Grund für gute Laune: Paul McCartney & Wings 1975

Die Kinder kommen mit

Die gesamte Produktion füllt fünf fette Trucks, eine kleine Operation ist das Ganze also nicht. Um ihrer jungen Familie während der 31 Termine in den USA etwas Reisestress zu ersparen, mieten die McCartneys Häuser in New York City, Dallas, Chicago und Los Angeles. Von dort reisen sie dann mit einem Charterflugzeug zu den einzelnen Shows. Man kann es nachvollziehen: Die kleine Stella ist zu diesem Zeitpunkt gerade mal vier Jahre alt, Mary sechs, Heather zwölf. Bei einer der Shows in L.A. erscheint sogar Ringo Starr auf der Bühne und überreicht einen Blumenstrauß.

Noch während der Tour bringt die Truppe im März 1976 das Album Wings At The Speed Of Sound auf den Markt, das ebenso wie Venus And Mars und das Livealbum Wings Over America Platz eins der US-Charts erreicht. Man könnte sagen: Jetzt läuft’s.

Header Credit: Jim Summaria

Zeitsprung: Am 15.10.1995 wird Lisa Simpson Vegetarierin – dank Paul McCartney.

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