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Popkultur

Zeitsprung: Am 4.11.1969 erscheint das Debüt der Allman Brothers Band.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.11.1969.

von Frank Thießies und Christof Leim

Mit ihrem ersten Album erfinden The Allman Brothers Band quasi den Southern Rock. Bis diese Pionierarbeit Früchte trägt, ziehen jedoch noch ein paar Jahre ins Land. Der schlicht The Allman Brothers Band betitelte Meilenstein erscheint am 4. November 1969.

Hier könnt ihr euch das Album The Allman Brothers Band anhören:

Zwischen traditioneller Roots-Verbundenheit und (später) auch lokalpatriotischer Rebellion entwickelte sich Ende der Sechziger eine neue musikalische Spielart in den USA, die uramerikanischer nicht sein könnte. Als brodelnder Schmelztiegel aus Gospel, Soul, Blues, Jazz, Country aber auch Boogie und dreckigem Rock sollte der sogenannte Southern Rock bald seinen Siegeszug antreten und sich weit über die geografischen Grenzen von Georgia und den anderen Südstaaten hinaus etablieren. Die Grundsteinlegung des gesamten Genres geht – sogar hübsch dem alphabetischen Prinzip folgend – auf eine Gruppe zurück: The Allman Brothers Band.

Saat des Südens

Noch bevor sich besagte Band im März 1969 in Jacksonville, Florida zusammenfindet um im selben Jahr ihr maßgebliches wie wegweisendes Debütalbum einzuspielen, hat das Buch der Rockmythen ein passendes Vorwort parat: Als Duane Allman, damals noch als Sessiongitarrist in den Fame Studios, Muscle Shoals, Alabama tätig, im November 1968 mit dem Soul-Star Wilson Picket eine Coverversion des Beatles-Hits Hey Jude einspielt, gehen mit ihm erstmalig die Pferde durch. Allmans episch-explosives Gitarrensolo zu Ende des Stückes gilt damals nämlich nicht nur für eine Soul-Nummer als absolutes Novum. Es nimmt in der Verbindung von Blues, Rock und Soul einen nicht unerheblichen Teil dessen vorweg, was das Gitarrengenie mit seinem Bruder Gregg (zuständig für Gesang, Orgel und große Teile des Allman-Songwritings) wenige Monate darauf im Kreise kongenialer Mitstreiter kreieren und perfektionieren würde.  

The Allman Brothers Band 1969: Duane Allman, Dickey Betts, Gregg Allman, Jai Johanny Johanson, Berry Oakley, Butch Trucks – Pic: Michael Ochs Archives/Getty Images

Zusammen mit Dickey Betts (Gitarre), Berry Oakley (Bass), dem Schlagzeuger Butch Trucks sowie Drummer/Perkussionist Jai Johanny „Jaimoe“ Johanson bauen die Gebrüder Allman gleich zu Beginn auf doppelte Gitarren- und Groovekraft. So fusioniert man zunächst noch in Florida Soul, Blues, Rock, Country und Jazz zu einer süffigen Melange, bevor die Band im Sommer 1969 schließlich nach Macon, Georgia, dem Sitz ihrer neuen Plattenfirmenheimat Capricorn, übersiedelt und dort ihre Basis einrichtet.


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Blühende Sumpfblumen

Die Aufnahmen des Debüts finden indes in New York City statt. Dort quartiert sich das Sextett für zwei Wochen in den renommierten Atlantic Studios ein. Am Mischpult sitzt allerdings nicht der ursprüngliche Wunschproduzent, die spätere Tontechniker-Legende Tom Dowd (Cream, Wilson Picket, John Coltrane). Stattdessen wird die Session von Studiotontechniker Adrian Barber betreut. 

Innerhalb von nur zwei Wochen spielt die Band sieben Songs ein, die eine charakterstarke erste Visitenkarte darstellen und zugleich das neue Genre aus der Taufe heben. Als Introauftakt erklingt erstmal Don’t Want You No More, im Original von der Spencer Davis Group, mit vielen Orgel- und Gitarrensoli, anschließend versprüht die Gregg-Allman-Komposition It’s Not My Cross To Bear bereits genuin-frischen Blues-Rock-Esprit. Black Hearted Woman bringt Booker T. & the M. G.’s mit einer Note indianischen Stammesgesangs zusammen, während das Muddy-Waters-Cover Trouble No More auch Bruder Duanes Bottleneck-Qualitäten unter Beweis stellt. Die beiden ultimativen Sahnestücke finden sich derweil auf der zweiten Albumseite. Sowohl das siebenminütige Jam-Rock-Manifest Dreams als auch der künftige Standard Whipping Post sollen den Allman-Sound nachhaltig prägen. 

Reifephase

Zur seiner Erscheinungszeit von der Kritik mit Lob bedacht, aber vom potenziellen Publikum ignoriert, braucht es allerdings noch ein paar Jährchen und vor allem das legendäre Livealbum At Fillmore East (1971), bis die Allman Brothers Band und ihr neuer Südstaaten-Sound so richtig Gehör finden. Aber das ist eine andere Geschichte. 

Beenden wir diese hier mit einem Epilog: Angesichts der Bauchschmerzen, welche die Band mit Barbers ursprünglichem Albummix lange Zeit hatte, erfolgt 1973 endlich Abhilfe. Im Zuge des neuen Interesses an der Gruppe erscheint mit Beginnings ein Doppelalbum der ersten beiden Platten als Neuauflage – diesmal mit einem nachträglichen Remix des Debüts von Tom Dowd.

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